Ich krieg die Krise

Krise Krise, Krise, Krise, Krise, Krise. Krise. Ich kann es nicht mehr hören. „Europa steckt in einer tiefen Depression“...
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Krise, Krise, Krise, Krise, Krise. Krise. Ich kann es nicht mehr hören. „Europa steckt in einer tiefen Depression“, mit all diesen Phrasen werden unsere tapferen Hörorgane gefüttert. Aufgrund dieses inflationär missbrauchten Wortes hätte sich die Buchstabensuppe „K-r-i-s-e“ das Unwort der Jahres 2008, 2009, 2010 und 2011 hintereinander verdient. Stattdessen lauteten die Wörter des Jahres folgendermaßen: „notleidende Banken“ ; es folgten „betriebsratverseucht“, „alternativlos“ und „Döner-Morde“.

Zurück zur Krise. Seit 2008 wird uns von den Massenmedien, den fiesen Marktschreiern der Moderne, gut eingetrichtert, dass der Staat im Haushaltssektor sparen muss. Aber defacto wird nicht gespart, sondern gekürzt. Es werden aber nicht nur bei der Mittelschicht und der Unterschicht kräftig die Mittel gekürzt, auch die Arbeitsverhältnisse prekarisieren sich im Gleichschritt. Zurzeit irren in Deutschland täglich über eine Million Arbeiter durchs Land, die von sogenannten Leiharbeitsfirmen verliehen werden. https://diefreiheitsliebe.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gifDer Mensch war einst ein Mensch, heute ist der Mensch zu einer Ware zweckentfremdet, der zum Wohle einer Zeitarbeitsfirma von Unternehmen XY zu Unternehmen XZ wandert Die moderne Sklaverei blüht besonders in KRISEnzeiten – und sichert den Multis die deftigen Profite und macht sie so noch mächtiger.

Da glaube ich doch eher an die Unschuld einer Hure als an die Gerechtigkeit des Systems.

ungewisse Zukunft

Nebenbei zerstören wir dann noch unsere Umwelt. Im Jahr 2030 werden wir uns mit etwa 24.000 Kubikmetern hochradioaktivem Atommüll rumschlagen müssen. Aber wir haben doch Endlager! Endlager? Ne, das in Asse hat sich doch als nicht so passend entpuppt. Dänemark ist mit dem Thema Atomkraft ein wenig bedachter umgegangen. Als die dänische Regierung vor der Wahl stand Atomkraftwerke zu errichten oder es sein zu lassen, ging man der Frage nach, was man mit dem schädlichen Atommüll machen könne. Man suchte nach Antworten, doch man fand nichts Gescheites. Und schon war das Atomthema begraben. Vorbildlich, die Dänen.

Vielleicht aber ist alles halb so wild. Bestimmt können wir eines tages den ganzen Atommüllschrott auf den Mond, zum restlichen Weltraumschrott oder sonst wohin schießen. Hauptsache der Mist kommt weg.

Sollte der Giftmüll irgendwann mal - aus welchen Gründen auch immer – den Planeten Erde verlassen, so bleibt aber das Problem namens Plastik. Kurz zum Schocken: Das Verhältnis von Plankton zu Plastik in den Weltmeeren beträgt 1:10 – kleinste Plastikpartikel lagern sich auf der Oberfläche des Meeres ab. Noch heftiger: Wir haben Plastik im Blut. Plastik-Chemikalien in unserem Blutkreislauf:Allergien, Krebs und Missbildungen sind die Folgen. Es gibt kein Lebewesen auf unserem Planeten, das Plastik abbauen kann, doch wir produzieren es weiter und weiter.

Der Genmais in der Ikea-Welt

Da die Erde jedes Jahr um ca. 80 Millionen Menschen bevölkerungsreicher wird, die auch ihren Hunger stillen wollen setzt die Pharmaindustrie nun auch auf genmanipulierten Anbau. Die Folgen sind ungewiss, die Stimmen der Kritiker sind mehr als berechtigt. Zwar will die Mehrheit weder genmanipulierten Mais noch Genweizen. Doch die Pharmaindustrie streckt ihre profitgeile Hand aus, aus der wir schön brav essen. Denn wir sind leicht zu beschwichtigen – der leise Protest verstummt sehr bald in den Weiten der Ikea-Welt. Am Ende gewinnen die Streicheleinheiten des Kapitals, die uns in den Schlaf wiegen – wie ein Baby das nach dem Stillen einen Schnuller in den Mund bekommt, damit es die Schnauze hält.

In Zukunft droht uns die Zuspitzung aller Bedrohungen und wir reden von Krise? Der Spezies Mensch sagt man ja nach, dass diese sich deshalb von den anderen Spezies abhebt, weil sie in die Zukunft schauen kann, planen kann. In Wirklichkeit aber handeln wir sehr kurzsichtig, nur der Moment zählt. Wir schauen auf Graphen, aus dem Off erschallen Stimmen, die uns sagen, dass ein höheres BIP wichtig ist, ein Glücksdeterminant für uns darstellt. In Wirklichkeit knechten wir uns und schuften für den Wachstumszwang, den der Zines-zins verursacht. Wir sind nicht frei, wir sind nicht aufgeklärt, wir irren blind durch das Labyrinth des Schicksals.

"Meer voll Scheiße"

Eine unser größten Schwächen ist das Denken innerhalb des System. Wir haben es verlernt zu träumen, Grenzen zu sprengen. Anstatt an unsere Zukunft und das Gemeinwesen zu denken, vergiften wir unseren Geist mit Egoismus und Gier, bis wir letzlich alle in einem Meer voll Isolation und Scheiße enden.

Hinzu kommen die Kriege ums Rohöl, die Klimaerwärmung und Atomwaffen, die überall auf dieser Welt verteilt sind. Kurz gesagt: Wir sind alle am Arsch.

Tal der Ohnmacht überblicken

Ich befinde mich in einem Dilemma. Ich bin jung und wissbegierig, doch je mehr ich mich informiere, desto mehr Problemen sehe ich mich gegenübergestellt, die kaum lösbar erscheinen. Und überblickt man erst einmal das weite Tal der Ohnmacht, so erkennt man, dass es kaum noch beschissener sein könnte. Genau an dem Punkt bin ich gerade angekommen.

Wenn man mit offenen Augen und aufmerksamen Ohren durch die Welt geht, erscheint einem plötzlich nicht mehr alles so grau. Wenn man sich die genießbaren Reste aus der Mülltonne herausfischt, dann kann das Mahl bekömmlich sein. Diese besagten Krümel sind beispielsweise revolutionäre Konstrukte wie die Gemeinwohlökonomie, Couchsurfing, kreative Ideen und Naturschutz-Vereine etc.

Es mag zwar keine Anleitung fürs Leben geben, doch wachen immer mehr Menschen aus ihrem Dornröschenschlaf auf und realisieren, dass die Spezies Mensch sich zu einem Raubtier entwickelt hat.

Krise im Bewusstsein, nicht im Leben

Klar ist, dass sich die Krise allein in unsern Bewusstsein befindet und nicht in der Wirtschaft. Was bedeutet schon das Wort Krise? Dass der deutsche Bundesbürger sich im Jahresdurchschnitt einen 40"Flatscreen weniger leisten kann als im Vorjahr? Wohl kaum.

So, und wer jetzt nocheinaml das Wort Krise in den Mund nimmt, dem werde ich seine Blutlaufbahn mit Plastik anreichern, ihn in atomarverseuchte Gebiete jagen, ihn 50 Jahre lang als Leiharbeiter einstellen, ihm nie Urlaub gewähren und ihn mit 5 Tonnen Gen-Mais füttern.

Fick dich, Krise. Fick dich und deine Münder, die dich aussprechen. Fick dich!

14:22 11.10.2012
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