Israels Politik, das Schweigen der Christen

VerhängnisvolleScham Die israelische Politik im Nahen Osten sorgt weltweit für Entsetzen. Meist kommt Kritik von Linken oder Muslimen, christliche Organisationen halten sich, häufig zurück.
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Mark Braverman ein 1948 geborener jüdischer Amerikaner aus einer pro-israelischen Familie fordert, dass das Schweigen der Christen zur Besatzungspolitik Israels ein Ende nimmt.

Das Buch beginnt mit einem interessanten Prolog, der deutlich zeigt, wo die Konfliktlinien im Nahostkonflikt verlaufen:

Im September 1997 wurde die dreizehnjährige Smadar Elhanan von einem palästinensischen Selbstmordattentäter getötet. Nach ihrem Tod öffneten ihre Eltern Rami und Nurit Peled-Elhanan anderen trauerenden Eltern und palästinensischen Helfern, die ihnen ihr Beileid bekundeten, ihr Trauer-Haus. Jahre später sagte Nurit bei einer Ansprache in Tel-Aviv:

Nach der Ermordung meines kleinen Mädchens fragten mich Reporter, wie ich es fertigbringe, Beileidsbekundungen von der anderen Seite entgegenzunehmen. Ich gab zur Antwort, dass ich mich tatsächlich geweigert hatte, der anderen Seite zu begegnen: Als nämlich der damalige Bürgermeister von Jerusalem, Ehud Olmert, kam, um mir sein Beileid auszusprechen, hatte ich den Raum verlassen und mich geweigert, mit ihm zusammenzusitzen. Für mich ist die andere Seite, also der Feind, nicht das palästinensische Volk. In meinen Augen geht der Kampf nicht zwischen Palästinensern und Israelis und auch nicht zwischen Juden und Arabern. In Wirklichkeit geht es um den Kampf zwischen denen, die Frieden wollen und denen, die Krieg wollen. Mein Volk sind diejenigen, die Frieden wollen. Meine Schwestern die trauernden israelischen und palästinensischen Mütter, die in Israel und in Gaza und in den Flüchtlingslagern leben. Meine Brüder sind die Väter, die ihre Kinder gegen die grausame Besetzung zu verteidigen suchen und denen, die das wie ich nicht fertigbringen! Wir wurden zwar in eine unterschiedliche Geschichte hineingeboren und sprechen verschiedene Sprachen, aber uns eint mehr als uns trennt.”

Israel, die Besatzung und ihre Ursachen

Nach dem Prolog, der Mut macht folgt, Braverman mit einem fesselenden Buch, das damit beginnt die Perspektiven auf den Nah Ostkonflikt wieder “grade zu rücken”. So schreibt er “Die Siegreichen und Mächtigen werden als die Opfer betrachtet, die Enteigneten als die Unterdrücker.” Er verdeutlicht damit, dass zumindest in Teilen der westlichen Welt der Eindruck entstanden ist und sich bis heute hält, dass Israel das Opfer der selbstgeschaffenen Besatzung ist und nicht die PalästinenserInnen. Ein Eindruck den er im gesamten Buch wiederlegt und richtigerweise die aktuelle Situation als Kolonialismus definiert, wie auch der berühmte israelische Historiker Ilan Pappe. Als Grundproblem Israels sieht er den Glauben das auserwählte Volk zu sein, ein Anspruch den er für die heutige Welt ablehnt. Durch eine solche Selbsteinschätzung werde jeder Frieden unmöglich gemacht, so Braverman, der daraufhin die christliche Welt kritisiert, die zu all dem israelischen Unrecht nur schweigt. Seine Kritik richtet er vorallem an die progressiven ChristInnen auf dieser Erde, die Israel unterstützen, weil sie es für die notwendige Konsequenz des Holocaust halten. Er betont, dass grade diese Gruppe Israel laut und deutlich kritisieren müsse, wenn sie sich Sorgen um die Juden machen. Er kritisiert auch die Idee der progressiven Christen, dass man Israel nur kritisieren dürfe, wenn die Mehrheit der jüdischen Israelis dies tue. Als Antwort auf solche Gedanken zitiert er zu Beginn des 8. Kapitels (zu Beginn eines jeden Kapitels findet sich ein Zitat, das dem Kapitel die Richtung weißt) Rosemary Ruether:

Man hörte grausame Argumente…, die zu unterstellen scheinen, Christen sollten sich erst dann kritischen gegenüber Israel äußern, wenn das eine wesentliche Anzahl von Israelis und westlichen Juden tun. Das ist ein seltsames Moralprinzip… Würde man wirklich solange damit warten, den Rassimus der Amerikaner oder weißen Südafrikaner zu kritisieren, bis eine Mehrzahl der der weißen Amerikaner oder weißen Südafrikaner das selbst tut?

Er kritisiert dabei nicht nur die liberalen Christen, sondern auch die liberalen Juden, die nicht weiter denken als die aktuellen Grenzen und in diesen sogar Siedlungen behalten wollen. Bravermann spricht sich nicht für die Ein-Staaten-Lösung aus, doch er erkennt, dass die Idee eines pluralen und demokratischen Staates auf der Grundlage des historischen Palästinas eine Lösung wäre. Eine Lösung, die immer realistischer wird, wenn sich die aktuelle Politik fortsetzt. Sein letztes Kapitel gilt es dabei sich zum Herzen zu nehmen, es ist ein Aufruf zum Handeln, ein Aufruf den Mund auf zu machen und nicht mehr zu schweigen im Angesicht des Unrechts. Ein Aufruf das Schweigen zu brechen, ein Aufruf im Interesse der Bevölkerung im Nahen Osten.

Ein Nachwort des Alttestamentlers Walter Brüggemann schließt das Buch ab : „Dieses Buch ist eine Einladung, dem man Gehör schenken muss. Würde man sie beherzigen, so könnte schon bald in Jerusalem Friede sein, wenn auch nicht gleich nächstes Jahr. Lässt man sich nicht auf sie ein, so wird der heilige Boden immer mehr zum Schlachtfeld werden. Es gibt eine Zeit zum Festhalten und eine Zeit zum Loslassen.“ Dem können wir uns nur anschließen und die Einladung dieses Buch zu lesen, nur weitergeben und euch bitten gemeinsam mit uns die praktischen Tipps des Kapitals “Aufruf zum Handeln” umzusetzen.

01:13 07.07.2013
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