Koch setzt sich durch, Pressefreiheit und ZDF verlieren

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Ein Versuch, die öffentlich-rechtlichen Sender weiter unabhängigen Journalismus betreiben zu lassen, ist gestern gescheitert. Nikolaus Brenders Vertrag als Chefredakteur wird nicht verlängert und das, obwohl ZDF-Indendant Schächter sich ausdrücklich für eine Verlängerung des Vertrags ausgesprochen hatte. Wie kommt es dazu, dass mit Brender ein Mann gehen muss, der für seine Objektivität und Neutralität gelobt wurde.
Schächter hatte gesagt, dass Brender eindeutig der geeignetste Kandidat sei. Er sei sowohl sehr kompetent als auch finanzpolitisch erfolgreich, da er die Haushaltslage des ZDF wesentlich verbessert hat.
Doch die Frage ist, wie es geschehen konnte, dass sich Roland Koch mit seiner Ankündigung, Brenders Vertrag nicht zu verlängern, durchgesetzt hat. Koch hatte schon vor einigen Monaten angekündigt, Brenders Vertragsverlängerung nicht zustimmen zu wollen. Er sagte auch, es habe nichts mit Brenders Integrität zu tun, er denke vielmehr, dass es geeignetere Kandidaten gebe. Auch einige andere Unionsmitglieder waren von Brender nicht sehr angetan, da sie diesen als unberechenbar ansahen.
Koch jedoch, als eines der Mitglieder des Verwaltungsrates, war die treibende Figur in diesem Spiel. Er hielt Reden gegen Brender, die zeigten, wie sehr er diesem doch abgeneigt war. Doch war er nicht der einzige! Auch der ehemalige CSU-Chef Stoiber und Schröder hatten sich schon über ihn beschwert, da sie mit ihm nicht einverstanden waren.
Nicht einverstanden mit Brenders Ablösung ist dagegen Kurt Beck, welcher keinen Grund sieht, Brenders Vertrag nicht zu verlängern. Er ist der Ansicht, dass von Seiten Kochs kein stichhaltiges und glaubhaftes Argument gegen Brender vorgebracht worden sei.
Was man sich eigentlich fragen müsste ist, wie es dazu kommen kann, dass Politiker einen derartigen Einfluss auf diese Medien haben, die doch unabhängig sein sollten. Wie unabhängig kann eine Person sein, welche auf ausdrücklichen Wunsch eines Politikers oder einer Partei ihren Posten erhält? Sollte das Fernsehen nicht unabhängig sein von der Politik? Eine objektive Meinung ist sicherlich einfacher zu vertreten, wenn keine Politiker im Verwaltungsrat sitzen oder anderweitig Einfluss nehmen können.

12:52 28.11.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare