"Alle sind wir gleich" - nur Lohn, Chancen und Förderung nicht.

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Arbeitslosigkeit ist nichts anderes als die Enteignung von Arbeit. Dafür gibt es Schuldige, die wir nach deren Verantwortung für unser Gemeinwesen befragen sollten.

Wer Arbeit so ungerecht verteilt wie Löhne und Chancen, gehört nicht in die Regierung sondern auf den Misthaufen der Geschichte. Leider sah der Wähler es anders und wählte die Brüderles von der FDP in die Rolle der Verteiler von weiteren Ungerechtigkeiten. So kommen wir immer weiter in die Sch ... .

  • Was heißt es Arbeitslos zu sein?
  • hartz4 = 359 Euro zum (über)leben,
  • abzüglich Strom, Warmwasser, Telefon, DSL, Handy, TV-Anschluß = 270,- Euro
  • abzüglich Monatskarte für ÖPNV (je nach Ort 40-80 Euro), war bei mir 72,- = 200,- Euro
  • abzüglich Versicherung für Haftpflicht, Rechtsschutz, Hausrat, Unfall von 85,- = 120,- Euro
  • abzüglich Beiträge für Vereine, 4* Schwimmbadbesuche und 1* Kino von 45,- Euro = 80,- Euro
  • abzüglich Aufwendungen für 2 Kaninchen und Gesundheitskosten-Beteiligung von 60,- = 20,- Euro
  • abzüglich Ausgehen mit Freunden, Freundin von ca 20 Euro = 0,00 Euro
  • jetzt fehlt mir nur noch das Geld für KLEIDUNG + ERNÄHRUNG + Zeitschriften-Abos und Bücher + Bildungsausgaben (Fernstudium) + Ersatzbeschaffung von defekten Geräten (momentan sind bei mir Kühlschrank, Wäschetrockner und Notebook defekt und müßten ersetzt werden) ...

Trotzdem verhungern Hartz4'ler nicht und haben auch warme Kleidung!

wie das geht?

man verschuldet sich entweder, oder man wird kreativ ...

Legal - scheißegal - nur, was wenn das alle so machen?

Diese Gesellschaft verroht zusehends.

Irgendwann kann man die Armut bei den Millionen "da unten" nicht weiter verdichten - dann kommt der Kolben-Effekt im Motor zum Tragen ... kawumm

Theater, Opern, Innenstädte, Straßenbau, Schifffahrt, Flughäfen, Spaßbäder, Zoo, Kino, Vernisages, ärztliche Vorsorgemaßnahmen, bestimmte Behandlungen bei Arzt und Zahnarzt, Markenware bei Lebensmittel, ... ALL DAS wird von Millionen Geringverdiener und Arbeitslosen nicht mehr mitbenutzt, wird nur für einen Teil der Gesellschaft gebaut und betrieben, die Armen bleiben vor der Tür.

Ich habe anfangs sehr lange Zeit gedacht ich könnte mit Hartz4 leben - in Wahrheit habe ich nur meine Reserven aufgebraucht und mich verschuldet und mich ausgezehrt (aber irgendwann kann man die Klamotten nicht mehr reparieren und irgendwann wird man krank vor Sorgen).

Nur wer beherzt und risikofreudig jeden Tag aufs Neue zupackt und keine Scheu vor illegalen Aktionen hat, nur der kann mit Hartz4 menschenwürdig überleben und hat zur Notzeit die finanziellen Möglichkeiten eine Krise der Lebensumstände oder Gesundheit aus eigener Kraft zu überstehen.

Wer länger Krank ist oder gar ein Dauerleiden wie Asthma hat, der hat die Arschkarte bei hartz4 und wird definitiv nicht allzu alt werden.

Wann kommt der Moment, wo sich die Armen nicht mehr in die Tasche lügen und ihre wahre Situation und Ausweglosigkeit verstehen?

Jetzt schon ist es so, daß sich alle 3 Std ein Älterer oder Armer Mensch aus Verzweiflung das Leben nimmt = 8 Menschen pro Tag allein in Deutschland.

D.h., noch richtet sich die Gewalt der Menschen gegen sich selbst.

Nun gut, im Vergleich mit dem Rest der Welt geht es uns immer noch gut.
In der Dritten Welt Asiens, Afrikas und Amerikas stirbt alle 3 Sekunden ein Kind unter 5 Jahren. So gesehen stirbt es sich in Deutschland also auf hohem Niveau ????

Die Pläne von Schwarz-Geld sieht jetzt vor, die Ausgaben bei Arbeitslosen weiter zu verringern (nachdem Gerd Schröder dies 2003 bereits schon einmal die Kosten deutlich unter die damalige Sozialhilfe gedrückt hat).

Nötig wäre eigentlich die Ausgaben im Binnenmarktbereich zu erhöhen - also Ausgaben der Privathaushalte zu provozieren um den Handel anzuregen und die Produktion in Fluß zu halten. Am einfachsten wäre es damit, die hartz4-Regelsätze zu verdoppeln - denn diese Menschen geben ihr Geld zu 100% aus, ohne davon viel beiseite legen zu können.

Aber nee, stattdessen gehen alle Konjunkturmaßnahmen und Steuererleichterungen und Kindergelderhöhungen an den Geringverdiener und Arbeitslosen vorbei und landen bei den besserbezahlten Arbeitsplatzbesitzer und Reicheren, die sich so ihr Sicherheitspolster auf ihrem Bankkonto erhöhen oder das Geld im nächsten Urlaub im Ausland ausgeben.

Tolle Regierungen haben wir - denken nur an sich und ihresgleichen.

Wer Arbeitslos ist oder gar längere Zeit arbeitslos ist, der hat viel viel Zeit ABER kein Geld - dumm gelaufen!?
Wer Arbeitslos ist hat viel Zeit für Bildung und berufliche Förderung oder gar eine Zweitausbildung - aber spätestens ab dem 40 Lebens-Jahr wird nicht mehr in Menschen investiert. Bafög gibt es nur bis ca zum 30 Lebensjahr.
Wieso soll das OK sein?
Wieso soll der Arbeitslose von Gesellschaftlicher Beteiligung und den Freizeitmöglichkeiten einer Stadt ausgerechnet in seiner Zeit der Arbeitslosigkeit am wenigsten profitieren können (weil es Eintritt und Beiträge nicht bezahlen kann)?

Jetzt wird nicht nur im Koalitionsvertrag von Schwarz-Geld das Droh-Szenario aufgezogen, daß bei klammen Haushaltslagen nicht nur die Steuern für die Arbeitsplatzbesitzer und Wohlhabenden gekürzt werden (...) sondern bei Bedarf auch daran gedacht werden muß die Staatsausgaben zu kürzen.

Klar, daß Schwarz-Geld dann nicht bei Bundeswehr und Subventionen kürzt, sondern die Sozialausgaben weiter reduzieren will - Brüderle und Co hätten damit auch keine Probleme. Für solche Leute sind Arbeitslose keine Produktivkräfte und damit nichts wert.

Und zu verdanken haben wir das der SPD unter den Steinis, die ohne Regierungsoption in den Wahlkampf 2009 zogen, um die Wähler zu verarschen. Gabriel hat es denen jetzt auch noch durchgehen lassen - don't touch an old Steini, he sad.

Bei den Gewerkschaften war es auch schon immer so - die waren immer nur für die Facharbeiter da - Geringverdiener und Arbeitslose gingen den Gewerkschaftsbossen schon immer am Arsch vorbei. Fette Schweinebande der Selbstversorger!

Und genau so verhält sich auch diese Gesellschaft zu guter letzt. Auf die Geringverdiener und Arbeitslosen wird herabgeschaut und bei denen wird gespart - was soll man mit den Verlierern, die den anderen nur noch als Klotz am Bein hängen.

Noch kein einziger Politiker ist auf die Idee gekommen, die Arbeitslosen als Reserve für nicht nur morgen, sondern auch für heute schon als Positiv-Faktior zu beschreiben. Wieso wird Arbeitslosigkeit nicht als Teil der normalen Lebensarbeitszeit organisiert?

Wer z.B. gemeine Unlust empfindet oder Besseres vorhat oder gar ein Burn-out erlitt, geht einfach (im Anschluß an die Krankmeldung und Genesung) in die Arbeitslosigkeit und ein Arbeitsloser geht für diesen dann in Arbeit - ist doch ein prima Ding, auch mal Auszeit nehmen zu können. Die einen gehen so mal für Monate oder 1-2 Jahre in eine Auszeit, wo sie sich mehr um Familie oder Bildung oder Gemeinwesen oder ihr Hobby bemühen - dafür gehen andere in deren Job und bekommen Gelegenheit mal wieder unter Kollegen zu kommen und in Arbeit zu stehen und eine Chance zu bekommen sich zu beweisen und endlich weider etwas dazuzuverdienen für Neuanschaffungen.

Nur müßten die Gesetze und die Personaler dafür endlich flexibilisiert werden - es kann nicht sein, daß man heutzutage noch seines wenig geradlinigen Lebenslaufes im Bewerbungsgespräch angepflaumt wird.

Wenn die sich da oben nicht schnellstens um diese Flexibilisierung kümmern, und stattdessen das Drohpotential gegenüber Arbeitslosen und Geringverdiener weiter ausbauen, wird irgendwann der Kessel platzen. Davor sollten sich die da oben mehr fürchten. Denn wenn sowas passiert, dann leiden nicht nur einzelne Menschen darunter, sondern die gesamte Infrastruktur dieses Landes.

19:15 17.11.2009
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Geschrieben von

Freimin

Arbeitslosigkeit ist nichts anderes als die Enteignung von Arbeit. Gerechte Verteilung von Arbeit sieht anders aus.
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