Rudolf Reddig

Ich bin ein inzwischen 58 jähriges echt Berliner Kind mit Herz und Schnauze hoffentlich am rechten Fleck, habe einen erwachsenen Sohn Dirk, der das Banner für meine Webseite gemalt hat und auch den Umschlag für mein Buch mit dem vollständigen Bild illustrieren wird.
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RE: 1957: Bonner Küche | 22.08.2017 | 22:16

Mir fiel beim Lesen des Füllberth-Artikels über den Konföderationsplan der SED-Führung von 1957 und was damit weiter passierte auf, dass der Autor die Brandtschen 20 Punkte unerwähnt ließ, die der frisch ins Amt gewählte Bundeskanzler bei seiner Reise nach Erfurt Anfang 1970 als eigene Verhandlungsangebote im Gepäck mitführte und die sich direkt an den Konföderationsplan der SED von 1957/1959 anlehnten. Diese Vorschläge von den zwei Staaten in Deutschland einschließlich möglicher eigenständiger UNO-Mitgliedschaften gaben für die SED-Führung den letzten Anstoß, ihr bis dahin wenigstens noch verfassungsrechtlich festgeschriebenes Konzept vom Fortbestehen einer einheitlichen Nation (die DDR ist ein sozialistischer Staat deutscher Nation) aufzugeben und auf die totale Abgrenzung zum westdeutschen Angstnachbarn umzuschwenken. Bei den Menschen im Gebiet zwischen Ostseeküste und Mittelgebirgen sollten Illusionen, es könne besondere deutsch-deutsche Beziehungen zwischen DDR und BuDe unter einem gesamtdeutschen Konföderationsdach mit erleichterten Reisemöglichkeiten geben, gar nicht erst aufkeimen. Deshalb scheute die SED-Führung in der Folgezeit nicht Kosten noch Mühen, ihren Bürgern beizubiegen, dass sich im ostelbisch-mitteldeutschen Gebiet nicht nur ein eigenständiger sozialistischer Staat, sondern auch eine eigenständige Nation herausgebildet hatte. Leider blieben die wenigen mahnenden Historiker-Stimmen unbeachtet oder die Einheitssozialisten bekämpften sie sogar, die auf die Langwierigkeit von Prozessen zur Bildung von Nationen hinwiesen und dass zwanzig Jahre dafür nicht ausreichen würden. Der massenhafte Ruf der Dresdner beim Kohl-Besuch im Dezember 1989 „Wir sind ein Volk“ bestätigte solche Mahnungen eindrucksvoll. Zwischen dem Wechsel vom bestimmten zum unbestimmten Artikel vor dem Wort „Volk“ lagen und liegen heute auch wieder Welten. Selbstverständlich füllten die 20 Punkte Willy Brandts, wie obige Zeilen belegen, einen eigenständigen Artikel, trotzdem gehören sie beim Thema Konföderation wenigstens erwähnt.

RE: Eine Win-Win-Situation | 18.07.2013 | 17:45

Die von Bernstein inspirierte Idee der Sozialdemokratie sieht in der bürgerlich parlamentarischen Demokratie das politische Spielfeld, auf dem man über parlamentarische Mehrheiten durch Reformen friedlich in eine sozial orientierte und strukturierte Gesellschaft hineinwachsen kann und auf dem Weg dorthin auch schon wichtige soziale Fortschritte erreichen kann. Die gesellschaftlichen Entwicklungen vor allem der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts scheinen das zu bestätigen. Muss man aber nicht fragen, vor welchen weltgeschichtlichen Hintergrund diese sozialen Einhegungen der Kapitalverwertungsgesellschaften stattfanden? Und hätte es diese sozialen Einhegungen ohne den Systemwettstreit mit den Zentralverwaltungsgesellschaften des Ostblocks gegeben? Befreien sich die Kapitalverwerter nach 1989/1990 nicht weltweit von diesen sozialen Einhegungen und findet nicht ein der ungehemmten Kapitalverwertung innewohnender Prozess der kapitalverwertbaren Verwirtschaftlichung aller Lebensbereiche und Finanzialisierung wirtschaftlicher Kennziffern statt? Welche Rolle spielte die herrschende Sozialdemokratie (Blair-Schröder-Papier) in diesem Prozess? Stellt die Grundrechte verletzende Agenda 2010 nicht eine Blaupause für den Weg Europas in vorerst noch demokratisch verbrämte totalitäre Machtstrukturen dar? Stimmt also die eingangs formulierte Prämisse oder braucht es der Idee einer Demokratie, in der Wortinhalt und Wortbedeutung einigermaßen im Einklang stehen, in der also die frei gewählten Volksvertreter zuallererst die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung zur Geltung zu bringen haben und erst nachrangig Gruppeninteressen vertreten dürfen? Die vor der Menschheit liegenden Probleme schreien regelrecht nach einer solchen Demokratie wie die folgende Webunterseite belegt: http://www.geschichtsseiten.de/htm/preisdes.htm

RE: Klingt das wirklich so verrückt? | 20.08.2010 | 18:30

Hallo Klaus Ernst,
Deine vier Steuer-Vorschläge lesen sich gleichsam durchdacht wie praktisch. Leider kann man das für das Gesellschaftskonzept der Partei Die Linke nicht sagen. Da fehlen gemeinsam erarbeitete und von einer Mehrheit mitgetragene Grundaussagen für eine soziale Politik im 21. Jahrhundert, die eine Antwort auf das Streben der Herrschenden in der bestehenden Gesellschaft geben, möglichst alle Lebensbereiche kapitalverwertbar verwirtschaftlichen zu wollen. Solange bei aller Vielfalt in Einzelfragen ein solches programmatisches Grundgerüst fehlt, werden Vorschläge, selbst wenn sie von Klaus Ernst kommen, nicht genügend ernst genommen. Leider nimmt die Führung der Partei Die Linke konkrete Vorschläge aus den Reihen ihrer Basis ebenfalls ungenügend ernst oder missachtet sie völlig. Meine Vorschläge dazu liegen schon seit Jahren unbeachtet auf dem Tisch. Man findet sie bei google unter Kernthemen sozialer Politik oder direkt unter: www.geschichtsseiten.de/htm/dievierk.htm
Rudolf Reddig