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RE: Erzwungenes Zölibat ist eine Zumutung | 24.04.2010 | 02:10

Den Artikel in der FR fand ich sehr interessant. Ihnen darauf etwas zu entgegnen, werde ich allerdings erst am Montag die Zeit finden.

MfG

RE: Erzwungenes Zölibat ist eine Zumutung | 23.04.2010 | 02:37

@ Achterman
Wenn Sie sich für die Leistungsgrenzen demokratischer Willens- und Entscheidungsprozesse interessieren, schauen Sie mal bei Wikipedia nach „Liberum Veto“.
Im 17. Und 18. Jahrhundert hatte jeder Abgeordnete des polnischen Parlaments die Möglichkeit, einen Entschluss mit seinem Veto zu Fall zu bringen. Und da es immer einen klammen Abgeordneten gab, hatten die Gegner eines Gesetzes leichtes Spiel (allen Voran Preußen und Russland mit den bekannten Konsequenzen). Die Amerikaner machen das heute genauso (siehe UNO). Nur nennen sie das Entwicklungshilfe und betreiben das in einem größeren Maßstab. So wie ich Dirk Niebel verstanden habe, interpretiert er die Möglichkeiten der Entwicklungshilfe in einer ähnlichen Weise. (Achtung Ironie!)
MfG

RE: Erzwungenes Zölibat ist eine Zumutung | 23.04.2010 | 02:12

@ Lethe

Vielen Dank, dass Sie sich die Mühe machen, hier so ausführlich zu antworten. Wie in diesen Blog üblich geworden, können auch Sie es nicht unterlassen ihre Argumente ohne Polemik (Narrenparadiese etc.) für sich sprech zu lassen. Das mag Ihnen aber nachgesehen sein, für die Mühe die Sie sich hier gaben.
Sie fassen sehr treffend, die Willensbildung der Funktionsträger der Kirche zusammen. Wie Sie sicherlich auch wissen, besteht der Zölibat verpflichtend für Priester seit ca. 1000 Jahren. Die Gründe, die dazu führten, waren neben der kultischen Reinheit für die Messen (was ich für das weniger plausible Argument halte) der Umstand, den Kirchenbesitz nicht durch Erbansprüche zu verringern. In der europäischen Geschichte finden sie unzählige Beispiele, wie weltliche Mächte versucht haben, dass Problem zu lösen, ebenso Beispiele was mit denen passierte, die dieses Problem nicht lösen konnten. Ich bin kein Jurist, meine mich aber zu erinnern, dass es einen gesetzlichen Pflichtanteil an einem Erbe gibt. Wenn ich bedenke, wie viele ältere Menschen von ihren Kindern im Altersheim abgeladen werden, bin ich mir nicht sicher, dass alle diese Menschen, einverstanden damit sind, diesen Kindern, noch ein Erbe zukommen zu lassen, aber der Gesetzgeber zwingt hier dazu.
Aber weiter: Vor der Einführung der Kirchensteuer (mehr oder weniger im 19 Jhd.) finanzierten sich die Pfarrer durch Spenden und den Kirchenbesitz. Über ein Einkommen oder Besoldung in unserem heutigen Sinn verfügten sie nicht.
Fänden Sie es in einer solchen Situation wirklich besser, wenn das Spendengeld der Gemeinde, die es zum Unterhalt der Kirche, Versorgung der Bedürftigen und Gemeindearbeit gab, weitervererbt würde und u.U. samt Grundstücken, die mit diesem Geld gekauft wurden, an die Nachkommen eines Priesters weitergegeben würden und damit der Gemeinde im schlimmsten Fall verloren ginge?
Wie wir alle wissen sind auch Priester keine Heilige (für die, die es nicht wissen, auch sie gehen regelmäßig zur Beichte), wie wollen sie an dieser Stelle Missbrauch und Veruntreuung verhindern?

Ein weiteres Argument und das halte ich für das vielleicht wichtigere, ist die Verhinderung von Dynastiebildungen und weiteren Familiären Begünstigungen. Wie wir aus soziologischen Untersuchungen wissen (siehe z.B. Pierre Bourdieu), vererbt sich ökonomisches, kulturelles, soziales und symbolisches Kapital an Nachkommen weiter. Deshalb haben es Kinder aus einfacheren Verhältnissen deutlich schwerer ähnliche Einkommen, Bildungsabschlüsse, soziales Prestige etc. zu erreichen als z.B. Kinder aus Akademikerfamilien. Ich weiß, dass ich hier in einem Freitag-Blog schreibe und dass den Meisten der Inhalt des letzten Absatzes vertraut ist. Es soll nicht besserwisserisch herüberkommen, ist aber notwendig um meinen Gedankengang zu Ende zu bringen. Auch hier lehrt die Kirchengeschichte an Beispielen wie z.B. Papst Alexander VI. oder Papst Leo X. dass dies der Kirche nicht gut tut. Diese Päpste haben nicht oder zumindest nicht mehr zweifelsfrei der katholischen Interpretation des göttlichen Auftrags gedient, sondern vor allem sich selbst. Das ist in einer Organisationsform wie der kath. Kirche besonders gefährlich, wenn der betreffende Funktionsträger über Macht verfügt.
Das sind keine moralischen und auch keine wirklich theologischen Argumente für das Zölibat (wenn sie der Versuch einer theologischen Begründung für das Zölibat interessiert, schauen Sie sich den passenden Beitrag im „Nachtstudio“ an), aber weltliche Probleme, die die Kirche lösen muss und musste. Und hier eine weitere Anmerkung. Ein Papst und auch Priester sind keine heiligen Menschen, die mit Garantie näher am Paradies sind. Das würde kein Katholik je behaupten.
Eine Kirchenorganisation wie sie in der evangelischen Kirche existiert, schützt in gewisser Weise vor einigen dieser Probleme. Aber auch die evangelische Kirche hat viele dunkle Schatten in ihrer Vergangenheit (Luthers Frauenbild und Antisemitismus; oder seine Gegnerschaft zu den Bauern während der Bauernaufstände). Wer glaubt, dass dies alles sehr weit zurückliegt, kann sich gerne mit den Deutschen Christen oder andern evangelischen Bewegungen während des 2. Weltkriegs beschäftigen oder einfach mal schauen, ob es eine öffentliche Distanzierung der Evangelischen Kirche von diesen Aussagen Luthers gibt.
Ich wollte damit nicht ablenken. Wir sind bei der kath. Kirche. Ich habe bereits in einem vorhergehenden Blog gefragt, ob es überhaupt Institutionen geben kann, die nicht Anfällig sind für Missbrauch? Entgegen den Institutions-Begriff-Verständnis von „Achtermann“ möchte ich hier auf die Definition von Berger und Luckmann verweisen.

MfG

RE: Erzwungenes Zölibat ist eine Zumutung | 22.04.2010 | 00:35

@ed2murrow:
Sie wollten sich von einem Kommentar, der sich an "mahung" richtete, persönlich angesprochen fühlen. Wie sie aber auf den Gedanken kommen, dass sich ein Kommentar zu Worten, die nicht von Ihnen stammen, auf Sie beziehen kann, ist mir und wahrscheinlich auch Ihnen unklar.

Hier noch einmal der Auszug aus meinem post an "mahung":

"Mein Kommentar "verbale Deiectio" bezog sich auf:
Sie (mahung) schreiben: "Entschuldigen Sie bitte den jetzt folgenden Satz: Dieses Gelaber kotzt mich wirklich an!" und in einem weiteren Post: "Reden Sie also keinen Quatsch!""

In Ordnung, ich habe verstanden, dass es Ihnen und mahung nicht darum geht, kontroverse Meinungen auszutauschen und in einem Wettstreit der Argumente, sich irgendeiner Form von Wahrheit anzunähern, dann brauchen wir uns nicht weiter miteinander zu beschäftigen.

@Achtermann
Sie stören sich an der Doppelmoral und den Straftaten von Priestern? Ich finde es ebenso unerträglich, wenn ich sehe, was Priester oder Bischöfe wie z.B. Mixa aus Bayern machen.
Die Priester machen einen Teil der Kirche aus. Sie sind weder der ausschließliche noch der entscheidende Teil der Kirche. Wenn Sie aber der Meinung sind, dass alles das was innerhalb der Kirche an Gutem geschieht, unglaubwürdig wird, durch die Doppelmoral und die Straftaten, die Vertreter der Kirche in die Welt bringen, welche Form von Institution kann denn dann überhaupt noch Bestand haben?
Gruß

RE: Erzwungenes Zölibat ist eine Zumutung | 21.04.2010 | 18:15

Leider ziehen Sie es vor, nicht auf meine Fragen einzugehen, sondern sich nur aufzuregen. Wahrscheinlich ist die Kommentarfunkton in einem Blog nicht dazu geeignet, Diskussionen mit einem wechselseitigen Austausch von Argumenten zu führen.
Dennoch gibt es eigentlich in jedem Blog/Forum die Gepflogenheit nicht persönlich zu werden.
Mein Kommentar "verbale Deiectio" bezog sich auf:
Sie schreiben: "Entschuldigen Sie bitte den jetzt folgenden Satz: Dieses Gelaber kotzt mich wirklich an!" und in einem weiteren Post: "Reden Sie also keinen Quatsch!"

Ich gehe eigentlich immer davon aus, dass eine solche Wortwahl nicht zum alltäglichen Umgangston eines Menschen zählt.
Hier erleben ich und wir nun etwas anderes. Sie sind offensichtlich ein sehr emotionaler Mensch, der, nachdem ihm die Argumente ausgehen, gereizt reagiert.

Aber um vielleicht von Ihrer Verurteilung meiner Meinung wieder zum eigentlichen Thema zurückzukehren "Erzwungenes Zölibat".

Ob ein 17-18 Jähriger noch ein Bube ist, lasse ich mal dahingestellt. Die meisten Schüler, die bisher das deutsche Schulsystem verlassen haben und es noch tun, absolvierten das Abitur nach dem 13. Schuljahr also mit 19 Jahren. Aber selbst mit 19 Jahren wird doch niemand zum Zölibat gezwungen. Es ist doch auch niemand in ihre Wohnung gekommen und hat sie gezwungen Mitglied der kath. Kirche zu sein, Priester zu werden und zölibatär zu leben. Nach einem mehrjährigen Studium, steht am Ende die Entscheidung, für oder gegen das Priestertum mit all den damit verbundenen Implikationen. Genauso wenig, wie sie dazu gezwungen werden, der vermeintlich sexualitätsfeindlichen Moral der kath. Kirche anzuhängen.
Wie Rahab schrieb, haben sich die Novizen gegen die Ordination entschieden, weil Sie die Ansichten dieser Institution nicht teilen. Und wer hat diese Novizen nun gezwungen trotzdem das Gelübde abzulegen? Ich werde in Deutschland als Mann zum Wehr- bzw. Zivildienst gezwungen, aber nicht zum Zölibat.
Zu den Beispielen für selbstlose Menschen: Das DRK finanziert sich z.T. durch Spenden, aber sind auch die Menschen die darin arbeiten Ehrenamtlich beschäftigt, oder gehen sie dort einer Erwerbsarbeit nach? Meine Mutter, die Ärzte und Pflegekräfte in einem deutschen DRK-Krankenhaus tun es definitiv nicht.

Ich schrieb:
"Es würde mich aber dennoch interessieren zu erfahren, wo sie außerhalb von einer organisierten Religion Menschen treffen, die sich sieben Tage in der Woche und das ihr ganzes Leben lang, vollkommen in den Dienst ihrer Mitmenschen stellen und das einzige was sie sich davon versprechen, ihr Seelenheil ist?" Mein Beispiel waren die Nonnen des Mutter-Theresa-Ordens.

Haben sie das als rhetorische Frage aufgefasst? War es nicht. Ich gebe Obdachlosen und Bedürftigen auch Geld, aber diese paar Euro tun mir nicht weh. Ich merke es am Ende des Monats nicht einmal in meinem Geldbeutel. Macht mich das nun zu einem selbstlosen Menschen? Ich denke, dass wäre etwas hoch gegriffen. Zu Ihrem Beispiel mit den zu pflegenden Eltern. Die meisten Eltern kümmern sich rührend um ihre Kinder, sie haben schlaflose Nächte, Sorgen und Ängste um ihre Kinder und i.d.R. sind sie bereit, alles für ihre Kinder zu tun. Mir geht es nun so, dass ich nicht auf die Idee käme, mich deshalb für einen selbstlosen Menschen zu halten, wenn ich nun um meine Eltern kümmere. Sehen sie dies im letzten Fall tatsächlich anders?
Was ist eine "unvordenkliche menschliche Regung"? und weiter: „Solidarität ist keine Erfindung von Religion. Sie ist als unvordenkliche menschliche Regung, im Gegenteil, von einigen dieser übernommen worden, um sie ausschließlich auf eigene Mitglieder anzuwenden und das Versprechen zu geben, sie ausschließlich anzuwenden, wenn man sich bekehren lässt.“
Bei den Kleider- und Essensspenden, die die oben erwähnten Schwestern verteilen, habe ich noch nie erlebt, dass sie von den Empfängern die Zugehörigkeit zur kath. Religionsgemeinschaft forderten oder worauf bezieht sich Ihr Urteil?

RE: Erzwungenes Zölibat ist eine Zumutung | 21.04.2010 | 03:07

Da ich mich nun mit Mehreren gleichzeitig angelegt habe, versuche ich Allen in einem Post zu antworten.

@ Magda
Der Eiserne Vorhang reichte über die DDR in andere pseudosozialistische Staaten hinaus. Ich habe an keiner Stelle von der DDR gesprochen. Ich weiß von meiner Mutter, die auf eine Dorfschule ging, dass es Lehrer gab, die regelmäßig Prügelten, obwohl das offiziell verboten war. Auch die Eltern waren damals der Meinung, dass das Kind schon etwas angestellt haben wird, wenn ihm ein Lehrer eine verpasste.

@mahung
Das gilt erst seit 2000. Das vorherige von der CDU verabschiedete Gesetz schloss das Schlagen als Erziehungsmittel nicht aus.

§ 1631 BGB
(2) Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.

und
[...]
Lehrern und Erziehern indessen hat der Bundesgerichtshof im Jahre 1957 ausdrücklich ein Gewohnheitsrecht zur maßvollen Züchtigung zugebilligt eine Entscheidung, aufgrund deren immer wieder Lehrer sogar dann freigesprochen wurden, wenn etwa einem Schüler durch eine Ohrfeige das Frommelfell geplatzt war. Auch wenn ein Lehramtsanwärter Kopfnüsse austeilt, ist das nach einer Entscheidung des Augsburger Verwaltungsgerichts vom August letzten Jahres noch kein Grund, ihn nicht zum Beamten zu machen.
[...] aus www.spiegel.de/spiegel/print/d-41002235.html aus dem Jahr 1977

Ich vermute mal, dass sie, wie ich auch und wahrscheinlich die meisten anderen Menschen ein zufriedenstellendes Sexualleben führen und dass wir auch nicht bereit wären, darauf zu verzichten. Weil ich wie vielleicht auch sie und die meisten anderen Menschen auch, für ein erfülltes Leben, die gelebte Sexualität und vielleicht auch Partnerschaft brauchen, kämen wir nie auf den Gedanken Keusch- und Ehelosigkeit zu versprechen. Welches Bild aber haben sie von der Selbstbestimmungs- und Entscheidungsfähigkeit eines Menschen. Sie entwerfen hier das Bild von Menschen, die in das Priesteramt hineinrutschen oder gedrängt werden und die am Ende zur Ehelosigkeit und der damit verbundenen Keuschheit gezwungen werden. Ich erwarte von einem Abiturienten bzw. einem Theologiestudenten (denn erst danach muss er sich dafür entscheiden), dass er sich darüber im Klaren ist, ob er auf Sexualität und Partnerschaft verzichten kann. In monastischen Orden, gibt es eine ein- bis mehrjährige Probezeit, in der sich der Kandidat prüfen soll, ob er zu diesem Dienst berufen ist. Wenn er feststellt, dass er es nicht ist, gibt es andere seelsorgerische Tätigkeitsfelder innerhalb der Kirche, die keine Ehelosigkeit erfordern.
Hier eine Anmerkung von Ihnen, die ich nicht verstehe:
„Die Sublimation, diese Rolle tatsächlich (!) zu übernehmen, wird mit der Konnotation einer Moralität, die zudem rein funktional ist, überdeckt.“
Worauf bezieht sich das Relativpronomen? Was ist rein funktional?

Zu Ihrer verbalen deiectio:
Sie regen sich über so vieles auf, dass ich gar nicht weiß wo ich anfangen soll. Ich habe niemanden abgesprochen, dass er „gut“ sein kann. Es würde mich aber dennoch interessieren zu erfahren, wo sie außerhalb von einer organisierten Religion Menschen treffen, die sich sieben Tage in der Woche und das ihr ganzes Leben lang, vollkommen in den Dienst ihrer Mitmenschen stellen und das einzige was sie sich davon versprechen, ihr Seelenheil ist? Ich finde es bewundernswert, dass es Menschen gibt, die dies können und deshalb finde ich es auch traurig, wenn aus bloßer Unlust an einer differenzierten Kritik gleich alles niedergemacht wird. Wollen wir über den Prunk in der Kirche diskutieren oder die gelebte Doppelmoral von einigen Vertretern?

Es würde mich auch interessieren zu erfahren, wo sie sonst noch Konzepte oder Topoi von selbstloser Menschlichkeit außerhalb von Religion gefunden haben. Ich kenne diese Idee aus dem Buddhismus und dem Christentum. Die Nationalsozialisten dagegen leiteten alles von ihrem Rassebegriff ab – mit den bekannten Konsequenzen – und wenn ich mich an einige Parteitagsreden von Lenin erinnere, dann war seine Interpretation von Marxismus nicht gerade von selbstloser Menschlichkeit oder gar einer Idee von Humanität geprägt. Auch im Islam oder dem Calvinismus (einschl. seiner Varianten) finde keine uneingeschränkte Selbstlosigkeit. So etwas findet sich noch in der Idee der Mutterliebe, aber die richtet sich ja zunächst auf die eigenen Nachkommen.
Die zweite, aus der ersten abgeleitete, Frage lautet. Worauf gründet sich also Selbstlosigkeit, wenn nicht auf der Vorstellung, dass alle Menschen, gewollte Geschöpfe eines Gottes sind?
MfG

RE: Erzwungenes Zölibat ist eine Zumutung | 21.04.2010 | 02:56

Da ich mich nun mit Mehreren gleichzeitig angelegt habe, versuche ich Allen in einem Post zu antworten.

@ Magda
Der Eiserne Vorhang reichte über die DDR in andere pseudosozialistische Staaten hinaus. Ich weiß von meiner Mutter, die auf eine Dorfschule ging, dass es Lehrer gab, die regelmäßig Prügelten, obwohl das offiziell verboten war. Auch die Eltern waren damals der Meinung, dass das Kind schon etwas angestellt haben wird, wenn ihm ein Lehrer eine verpasste.

@mahung
Ich vermute mal, dass sie, wie ich auch und wahrscheinlich die meisten anderen Menschen ein zufriedenstellendes Sexualleben führen und dass wir auch nicht bereit wären, darauf zu verzichten. Weil ich wie vielleicht auch sie und die meisten anderen Menschen auch, für ein erfülltes Leben, die gelebte Sexualität und vielleicht auch Partnerschaft brauchen, kämen wir nie auf den Gedanken Keusch- und Ehelosigkeit zu versprechen. Welches Bild aber haben sie von der Selbstbestimmungs- und Entscheidungsfähigkeit eines Menschen. Sie entwerfen hier das Bild von Menschen, die in das Priesteramt hineinrutschen oder gedrängt werden und die am Ende zur Ehelosigkeit und der damit verbundenen Keuschheit gezwungen werden. Ich erwarte von einem Abiturienten bzw. einem Theologiestudenten (denn erst danach muss er sich dafür entscheiden), dass er sich darüber im Klaren ist, ob er auf Sexualität und Partnerschaft verzichten kann. In monastischen Orden, gibt es eine ein- bis mehrjährige Probezeit, in der sich der Kandidat prüfen soll, ob er zu diesem Dienst berufen ist. Wenn er feststellt, dass er es nicht ist, gibt es andere seelsorgerische Tätigkeitsfelder innerhalb der Kirche, die keine Ehelosigkeit erfordern.
Hier eine Anmerkung von Ihnen, die ich nicht verstehe:
„Die Sublimation, diese Rolle tatsächlich (!) zu übernehmen, wird mit der Konnotation einer Moralität, die zudem rein funktional ist, überdeckt.“
Worauf bezieht sich das Relativpronomen? Was ist rein funktional?

Zu Ihrer verbalen deiectio:
Sie regen sich über so vieles auf, dass ich gar nicht weiß wo ich anfangen soll. Ich habe niemanden abgesprochen, dass er „gut“ sein kann. Es würde mich aber dennoch interessieren zu erfahren, wo sie außerhalb von einer organisierten Religion Menschen treffen, die sich sieben Tage in der Woche und das ihr ganzes Leben lang, vollkommen in den Dienst ihrer Mitmenschen stellen und das einzige was sie sich davon versprechen, ihr Seelenheil ist? Ich finde es bewundernswert, dass es Menschen gibt, die dies können und deshalb finde ich es auch traurig, wenn aus bloßer Unlust an einer differenzierten Kritik gleich alles niedergemacht wird. Wollen wir über den Prunk in der Kirche diskutieren oder die gelebte Doppelmoral von einigen Vertretern?

Es würde mich auch interessieren zu erfahren, wo sie sonst noch Konzepte oder Topoi von selbstloser Menschlichkeit außerhalb von Religion gefunden haben. Ich kenne diese Idee aus dem Buddhismus und dem Christentum. Die Nationalsozialisten dagegen leiteten alles von ihrem Rassebegriff ab – mit den bekannten Konsequenzen – und wenn ich mich an einige Parteitagsreden von Lenin erinnere, dann war seine Interpretation von Marxismus nicht gerade von selbstloser Menschlichkeit oder gar einer Idee von Humanität geprägt. Auch im Islam oder dem Calvinismus (einschl. seiner Varianten) finde keine uneingeschränkte Selbstlosigkeit. So etwas findet sich noch in der Idee der Mutterliebe, aber die richtet sich ja zunächst auf die eigenen Nachkommen.
Die zweite, aus der ersten abgeleitete, Frage lautet. Worauf gründet sich also Selbstlosigkeit, wenn nicht auf der Vorstellung, dass alle Menschen, gewollte Geschöpfe eines Gottes sind?
MfG

RE: Erzwungenes Zölibat ist eine Zumutung | 21.04.2010 | 00:31

@ Achtermann

Leider antworten Sie nur auf den zweiten Teil. Schade!

Haben Sie dies zur Anzeige gebracht? Das sollten Sie.
Es ist nicht an mir, Ihnen Genugtuung wiederfahren zu lassen. Es soll die Vertreter der Kirche auch für nichts entschuldigen, ich weiß aber aus meinem Bekanntenkreis, dass Prügel und körperliche Misshandlungen lange zu den gängigen Erziehungsmitteln gehörten. Den Rohrstock und Schläge gab es genauso auf religionsfreien humanistischen Gymnasien und in Schulen im vermeintlichen Sozialismus.
Einen Kinderschutzparagraphen der Schläge ausdrücklich verbietet, haben wir auch erst seit 1998 oder 2000.

RE: Erzwungenes Zölibat ist eine Zumutung | 21.04.2010 | 00:14

@ Magda
"Alles nur noch Symbolismus und kein wirkliches Nacheifern."

Wie Sie selbst festgestellt haben, sind Sie der Kirche selbst nicht mehr nahe. Wenn für sie Kirche aus dem besteht, was ab und zu im Fernsehen vom Petersplatz zu sehen ist, dann ist das sehr traurig. Hier in meinem Bezirk gibt es einen Mutter-Theresa-Orden (er heißt offiziell anders), bei dem die Frauen - sie stammen wirklich aus allen Teilen der Welt - sich ganz in den Dienst der Armen stellen. Diese Frauen sind tatsächlich bereit ihr gesamtes Leben dem Dienst an Gott und den Menschen zu weihen. Ich kenne nichts Vergleichbares in der nicht-religiösen Welt. Wenn sie nichts damit anfangen können und wollen, ist das ihre Sache. Aber beleidigen Sie diese Menschen nicht, indem Sie pauschal alles verurteilen. Darüber hinaus könnte ich unzähliges aus meiner Kirchengemeinde erzählen, wo sich Menschen ehrenamtlich und mit Hingabe für andere einsetzten. Das alles macht nach katholischem Verständnis Kirche aus. Das sind ganz winzige Schlaglichter. Soll dass alles auch schlecht und wertlos sein?

RE: Erzwungenes Zölibat ist eine Zumutung | 21.04.2010 | 00:01

@ ed2murrow

"Die Sexualmoral der Kirche ist falsch Punkt."
Das klingt wie ein Axiom oder ein Dogma. Aber vielleicht klären sie mich darüber auf, was genau sie meinen, denn ich kann, das meine ich wirklich so, nichts falsches an der katholischen/christlichen Sexualmoral sehen.

Gruß