Herbert A. Eberth

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RE: Schwarzer Freitag in Paris | 15.11.2015 | 20:21

Sie schreiben: "Die Gewalt richtet sich damit hier nicht gegen konkrete Personen – die nur zu­fällig zu Anschlagsopfern werden –, sondern gegen die Welt, in der diese leben: gegen die westliche Kultur und Lebensweise."

So etwas Krudes habe ich schon lange nicht mehr gelesen: Natürlich wendet sich die Gewalt gezielt gegen Personen, denn es sind in den Augen der Terroristen die Menschen, die dieses System leben und repräsentieren, die "bestraft" werden müssen. Wäre dem nicht so, könnten die Attentäter beispielsweise Kaufhäuser, Banken oder andere Einrichtungen als deklarierte Symbole westlicher Dekadenz in die Luft sprengen, wenn sie an Wochenenden, an bestimmten Tagen oder zu bestimmten Zeiten geschlossen sind. Doch das tun sie nicht, weil sie damit nicht jenes Ausmaß an Panik und Angst verursachen, das für ihre Ziele von besonderer Bedeutung ist. Und oft genug schon haben vor allem islamistische Drahtzieher solche Anschläge als "Rache" für militärische Einmischungen westlicher Staaten in so genannten "instabilen Regionen" deklariert.

Darüber hinaus mag das Herunterbeten all der zurecht als völlig konzeptlos kritisierten und nur auf aggressive Wahrung wirtschaftlicher Interessen ausgerichteten Einmischungen des Westens, insbesondere aber der USA und auch Russlands, in die inneren Konflikte von Ländern wie Afghanistan, Irak oder auch Syrien und Lybien vielleicht jüngeren Lesern zu mehr Hintergrundkenntnissen verhelfen. Es ist aber nur wenig hilfreich bei der Suche nach einem möglichst raschen Ausweg aus der inzwischen festgefahrenen Situation in den Beziehungen zwischen Europa und den islamisch geprägten Regionen insbesondere des Nahen Ostens.

Um die entsprechenden Probleme nachhaltig lösen zu können, müssten sich die Staaten der Europäischen Union erst einmal auf eine von den USA unabhängige entsprechende außenpolitische Strategie einigen können, die unter anderem auch der aggressiven Politik Israels gegenüber den Palästinensern Einhalt gebietet. Darüber hinaus müsste das menschenverachtende Gezerre um die Flüchtlingspolitik und um eine gerechte Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU sofort ein Ende finden. Dies alles ist aufgrund wachsender Nationalismen innerhalb der EU derzeit nicht absehbar.

Angesichts der Anschläge von Paris wird stattdessen allerdings eine breite Solidarität im Kampf gegen den IS-Terror beschworen und proklamiert. Ob es dazu kommt, hängt letztlich auch davon ab, ob es ein gemeinsames, sinnvolles Konzept für das künftige Vorgehen geben wird, oder ob diese Solidarität angesichts nationaler Egoismen ebenso im Sande verläuft. Jedenfalls lässt sich diese aktuelle Debatte nutzen, um endlich wieder eine Rückkehr zu einer wirklich europäischen Politik für Frieden und Aussöhung einzufordern.

RE: Rendite frisst gute Arbeit | 22.06.2015 | 21:42

Nein, neu ist das nicht. Auch in der Zeitungsbranche gab es diese Tricks schon vor mehr als 15 Jahren. Bundesweiter Vorläufer war im Zeitraum zwischen 1998 und 2008 der Koblenzer Mittelrhein-Verlag (Herausgeber der Rhein-Zeitung), der zuerst seine so genannten Schwerpunktredaktionen in angeblich eigenständige GmbHs auslagerte, die im Auftrag der Zentrale in Koblenz die Zeitung zusammenschusterten. Nur noch den bereitwilligen und genehmen RedakteurInnen wurde "erlaubt", dort für um durchschnittlich mehr als 30 Prozent gekürzte Gehälter zu arbeiten. Vor allem ältere Redakteure und Redakteurinnen wurden mit Abfindungen hinauskomplimentiert. Für sie hätten die Einkommensverluste durch den zusätzlichen Wegfall tariflicher Zusatzvereinbarungen teilweise rund 40 Prozent betragen.

In den ausgelagerten GmbHs scheiterte mit wenigen Ausnahmen die Wahl von Betriebsräten, da auf die dort verbliebenen oder zum Teil neu beschäftigten Mitarbeiter erheblicher Druck ausgeübt wurde. Die im noch verbliebenen zentralen Verlagsbetrieb verbliebenen Gewerkschaften konnten sich zuletzt vor dem Bundesarbeitsgericht nicht mit dem Versuch durchsetzen, für alle Betriebe einen gemeinsamen Betriebsrat zu wählen.

Nachdem die Gewerkschaftsorganisation in den Betrieben weitgehend zerschlagen war, wurden die in den GmbHs beschäftigten Redakteure wieder in einem Betrieb zusammengeführt. Es gibt Stimmen, die behaupten, dass es dabei noch einmal zu Gehaltskürzungen gekommen sei.

Alles dies könnte auch auf die Mitarbeiter des Branchenriesen Deutsche Post zukommen. Umso mehr ist es wichtig, dass dieser Streik auch über die Betriebsgrenzen hinaus in der Öffentlichkeit unterstützt wird.

RE: Kein Arbeitersamariterbund | 24.10.2011 | 17:05

Unterschiedliche nationale Prosperität gab es schon lange vor der Euro-Einführung, da genügt ein Blick auf die Historie der bundesdeutschen Exportstatistik. Der europäische Handelsmarkt ist durch den Euro nur noch ein wenig mehr entbürokratisiert worden, und das vor allem für raffgierige Banken.

RE: Widerstand ist die halbe Miete | 06.09.2011 | 13:28

Dass die neuen Widerstandsbewegungen keine althergebrachten Polit-Hengste in ihren Reihen wiehern lassen wollen, ist durchaus nachvollziehbar, denn tatsächlich ist Demokratie in vielen Ländern mit diesem Etikett längst zur "Parteiokratie" verkommen (ähnlich einer Oligarchie). Gerade deshalb ist es von Bedeutung, dass "Echte Demokratie - Jetzt!" den eigenen Namen zum Programm macht. Es wird nicht leicht sein, den politischen Apparat zu revolutionieren, wenn dessen Protagonisten die Revolution nicht mittragen. Deshalb muss der Widerstand breit in die Bevölkerung getragen werden. Erst dann wird sich zeigen, ob Polit-Bürokraten und Partei-Funktionäre die Notwendigkeit zum Wandel kapiert haben.