Gründe für die Arbeitslosigkeit im Ruhrgebiet

Null Bewegung im Kopf Das Ruhrgebiet leidet seit Jahren an besonders hohen Arbeitslosenzahlen. In Dortmund sind 39000 Menschen arbeitslos, in Essen 35000, in Duisburg 31000. Gründe dafür sind:
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Die Politiker lassen sich nicht beraten

Es ist doch richtig, dass Menschen die an Schmerzen leiden zum Arzt gehen, oder? Wer ein Problem lösen will, lässt sich beraten, richtig? Das haben Politiker im Ruhrgebiet beim Thema Arbeitslosigkeit aber scheinbar nicht nötig. Dies ist sehr leicht zu beweisen: Erstens habe ich persönlich schon 1991 einer Stadt im Ruhrgebiet ein Früherkennungssystem im Bereich des Arbeitsmarktes vorgeschlagen. Zweitens bin ich 1997 gegen den Kreisvorsitzenden der CDU in Gelsenkirchen angetreten, auch mit dem Ziel, die Arbeitslosigkeit in Gelsenkirchen zu beseitigen. Drittens bin ich im März 2015 gegen Herrn Kufen als OB Kandidat angetreten, wieder mit dem Schwerpunkt "Bekämpfung der Arbeitslosigkeit" in Essen. Ich kann es bis heute beim besten Willen nicht erkennen, dass die Politik im Ruhrgebiet eine Kehrtwende in der Arbeitsmarktpolitik einleitet. Wenn die Arbeitslosenzahlen im Ruhrgebiet sich in den letzten 20 Jahren entscheidend gebessert hätten, dann würde ich hier schweigen. Jedoch hat Essen offiziell 35000 arbeitslose Menschen, Gelsenkirchen 23000, Duisburg 31000, Dortmund 39000 usw. Das ist wirklich ein Armutszeugnis und ich kann in der Politik auch keinen Sinneswandel erkennen. Es gibt aber Konzepte und Lösungen um die Arbeitslosigkeit zu besiegen. Manchmal ist die beste Erkenntnis, es anders zu versuchen. Wenn Sie als Politiker alles richtig machen, dann gelten diese Vermittlungshemmnisse natürlich nicht für Sie. Das Problem ist nur, dass es sozusagen kein Dorf und keine Stadt in ganz Deutschland mit Null Arbeitslosen gibt.

Subsidiarität wird nicht praktiziert

Was den Bürgern immer wieder im Zusammenhang mit Europa versprochen wurde, war das Subsidiaritätsprinzip. Ein Problem soll auf der kleinsten zuständigen Ebene entschieden werden. Leider passiert dies aber überhaupt nicht. Viele Städte sind komplett fremdbestimmt und können nur noch über 10% ihres Haushaltes selbst entscheiden. Das heißt, die Städte können aus eigener Kraft keine Investitionsprogramme starten. In einer solchen Situation von Subsidiarität zu sprechen ist wohl eher Betrug oder Beschiss, oder?

Viele Ebenen wollen mitregieren

Es ist schon sehr abenteuerlich, wie viele Ebenen bei Entscheidungen einbezogen werden und mitbestimmen wollen. Da gibt es die Metropole Ruhr, den Landrat, die Bezirksregierungen, das Bundesland, den Bund, die EU usw. Leider führen diese vielen Ebenen auch dazu, dass die Politiker vor Ort keine selbstbewussten Entscheidungen mehr treffen können. Diese vielen Ebenen führen zu Verantwortungslosigkeit und Unklarheiten. Zudem ist es eine Tatsache, dass es die Menschen in Gelsenkirchen nicht wirklich interessiert, was in Bottrop passiert. Ähnlich geht es den Deutschen, die sich nicht wirklich dafür interessieren, welche Probleme in Litauen, Belgien oder Spanien vorherrschen. Die Politik will uns aber permanent dazu erziehen, dass wir eigentlich europäische oder globalisierte Menschen sind. Demokratie ist aber ohne eine gemeinsame Sprache nicht möglich. Das Ruhrgebiet geht günstiger und besser und die EU geht ebenfalls günstiger und besser. Mit der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit würden wir sofort Fortschritte machen, wenn die Bürgermeister ihre Verantwortung annehmen.

Die Politik den Arbeitslosen gegenüber ist falsch

Irgendwie gewinnt man im Ruhrgebiet den Eindruck, dass die politischen Führungskräfte meinen, die Arbeitslosen sind doch gut versorgt und sind doch eigentlich selbst Schuld, wenn sie arbeitslos sind. Die Arbeitslosen jahrelang auf ein Abstellgleis zu stellen, zeugt von großer Herzenskälte und Dummheit. Das ist ein komplett falsches Mindset. Jeder Arbeitslose hat das Recht zu einem fairen Lohn am Arbeitsleben teilzunehmen, und die Politik trägt die volle Verantwortung um Lösungen für die Bürger zu schaffen. Politik beginnt damit, Verantwortung für die eigenen Bürger zu übernehmen. Dann können wir auch mit mehr Zustimmung rechnen, wenn es um Flüchtlinge geht. Schon gar nicht dürfen Asylgesetze gebrochen werden. Menschen Schutz bieten, bedeutet auch noch lange nicht, dass Flüchtlinge hier ein dauerndes Bleiberecht haben.

Monopole üben immer noch Macht aus

Die verkrusteten Strukturen im Ruhrgebiet haben auch viel mit den alten Monopolen im Ruhrgebiet zu tun. Mit Kohle und Stahl. Mit Krupp und Ruhrkohle. Mit der Macht von Arbeitgebern und Gewerkschaften. Einerseits wurde hier viel geleistet, aber andererseits haben die Netzwerke auch vieles kaputt gemacht. Wie viel Geld wurde im Laufe der Zeit bei der Ruhrkohle verbraten und ich befürchte es ist bis heute so, dass Politiker dort mit Posten und Pöstchen versorgt werden!? Gut bezahlt, versteht sich natürlich. Hartz IV für Reiche. Von der Gegenleistung will ich hier jetzt einmal nicht sprechen. Viel besser wäre doch, diese Politiker mit der Gründung von eigenen Unternehmen zu beauftragen. Dem Ruhrgebiet würde es auch viel besser gehen, wenn die Medien sich ernsthaft mit den Fehlern in der Politik auseinandersetzen würden. Es macht schon ein wenig Angst, wenn man sich ansieht, welche Machtfülle die Funke Gruppe hier im Ruhrgebiet hat. Das reicht von der WAZ über Radioprogramme bis hin zu den Stadtspiegeln. Ist das Meinungsvielfalt? Wofür haben wir eigentlich ein Kartellamt? Es macht auch sehr viel Sinn, Google, Ebay, Facebook, Apple usw. nationalen Kontrollen zu unterwerfen. Diese Unternehmen sollten offenlegen, nach welchen Regeln Seiten gerankt werden. Ansonsten besteht das Problem, dass der Google Algorithmus darüber entscheidet, wer auf der Welt Geld verdient und wer nicht. Zumindest muss sich Wirtschaftspolitik auch mit solchen Themen beschäftigen, weil sonst wirtschaftliche Freiheit ganz schnell verloren geht. Wachstum ist für ein Unternehmen großartig, aber unkontrollierte Macht, das funktioniert in einer Sozialen Marktwirtschaft nicht. Wie viel Geld hat eon eigentlich für den Umzug von Düsseldorf nach Essen vom Land erhalten? Wieviel Steuern hat Essen und das Land NRW verloren, weil die Energiekonzerne die Atomkraftwerke abschalten mussten?

SPD und Grüne übernehmen keine Verantwortung

Dass es Niedriglöhne und prekäre Arbeitsverhältnisse in Deutschland gibt, haben wir der Agenda 2010 zu verdanken. Früher war es auch unvorstellbar, dass Bürger im Müll nach Flaschen suchen. Das gibt es sonst nur in Entwicklungsländern. Aber auch dort ist es falsch. Ich denke, dass die SPD damit ihre Arbeitnehmerfreundlichkeit an den Nagel gehängt hat. Bis heute hat die SPD deshalb Schwierigkeiten überzeugende Mehrheiten zu gewinnen. Den Grünen möchte ich sagen, dass Blumen, Bäume und die Umwelt auch wichtig sind, aber sie nicht wichtiger als Menschen. Die Agenda 2010 steht im Zusammenhang mit der Europäisierung und Globalisierung. So hat sich kein Arbeitnehmer die Entwicklung im 21. Jahrhundert vorgestellt. Deutschland rockt sich neu hingegen hat eine Vision für unseren Arbeitsmarkt: http://arbeitslos1000.com/

Das Ruhrgebiet benötigt einen Existenzgründungsgeist

Das Ruhrgebiet benötigt einen ganz neuen Existenzgründungsgeist, damit viele Arbeitsplätze und viele Unternehmen entstehen. Die Macht von großen Unternehmen muss eingeschränkt werden. Die Macht der IHK und der Handwerkskammern darf nicht missbraucht werden, um unliebsamen Wettbewerb zu verhindern. Die Politik darf sich nicht korrumpieren lassen, wenn es um Gewerbegebiete und Einkaufszonen vor Ort geht. Kleine und mittelständische Unternehmer sind übrigens viel wendiger und stabiler, falls Krisen entstehen. Die ganze Wirtschaftsstruktur steht dann auf vielen Beinen.

Schnelle Veränderungen sind nötig

Das Verhalten eines Menschen ist auch abhängig von seiner Sozialisation. Die Erziehung und Sozialisation wirken teilweise über Generationen hinweg. Positiv und negativ. Im Ruhrgebiet benötigen wir mehr Individualisten, mehr Unternehmer, mehr Menschen, die ihr eigenes Ding machen. Ich befürchte, dass das Ruhrgebiet auch bei den modernen Technologien, vor allem bei Social Media und Internetbusiness schon wieder in der 3. oder 4. Liga spielt. Köln, Berlin und München geben hier viel mehr Gas.

Das Ruhrgebiet benötigt Manpower von anderen Bundesländern

Das Ruhrgebiet hat zu lange die Menschen verjagt, die andere Vorstellungen vom Leben hatten. Wer nicht sozialdemokratisch war musste gehen oder musste sich beugen. Die hohen Arbeitslosenzahlen im Ruhrgebiet haben ganz viel mit sozialdemokratischer Politik zu tun. Die hohen Arbeitslosenzahlen sind das Ergebnis falscher Entscheidungen, falscher Einstellungen und fehlender Ideen. Wie viele Unternehmer gibt es eigentlich, die aus dem linken Lager kommen? Um besser zu werden benötigt das Ruhrgebiet entweder einen kompletten Sinneswandel, oder aber mehr Führungskräfte aus anderen Bundesländern, um verkrustete Strukturen zu überwinden und einen frischen Wind zu bekommen.

Keinesfalls auf die demographische Entwicklung warten

Es ist falsch auf die demographische Entwicklung zu warten und das Problem der Arbeitslosigkeit auszusitzen. Leider ist es eine Tatsache, dass viele Gemeinden und Städte bezüglich der demographischen Entwicklung falsch beraten werden. Erstens weiß niemand, ob es nicht doch eine Rückbesinnung auf die Familie gibt. Es ist gut vorstellbar, dass Abtreibungen in Zukunft unter Strafe gestellt werden. Dann sind dies schon einmal 100 Tausend Geburten pro Jahr zusätzlich. Zweitens zeugt es aber von sehr wenig Kreativität und Problembewußtsein, so mit den Arbeitslosen umzugehen.

Liebe Grüße,

Friedhelm Kölsch

08:43 16.01.2016
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Geschrieben von

Friedhelm Kölsch

Mein Name ist Friedhelm Kölsch. Ich bin Autor von Deutschland rockt sich neu, wie wir noch besser werden und die Arbeitslosigkeit besiegen.
Friedhelm Kölsch

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