Jörg Friedrich
27.09.2012 | 17:01 6

Wann ist eine Frau eine Frau

Wundersamer Alltag Eine Messe verspricht, "Alles für die Frau" zu bieten. Das ist ein großes Vorhaben, aber wundersamer Weise ist die Messe recht klein - und speziell

Wann ist eine Frau eine Frau

"Beauty" gehört für die münsteraner Messeveranstalter zum Frausein dazu - also wohl auch die Gurkenmasken

Foto: Torsten Blackwood/AFP/Getty Images

In Münster wird alljährlich eine Messe mit dem anspruchsvollen Titel: "Alles für die Frau" durchgeführt. Das ist kein Scherz. Wer nun vermutet, das westfälische Oberzentrum müsse über ein Messezentrum ungeahnter Größe verfügen, um das Spektrum all dessen, was "die Frau" benötigt, abzudecken, sieht sich getäuscht. Die Halle Münsterland verfügt über eine Ausstellungsfläche von ca. 20.000 Quadratmetern und das sind gut 5 Prozent der Fläche der Messe Frankfurt oder rund 4 Prozent der Messe Hannover.

Nun kann man natürlich sagen, dass eine Messe, die "Alles für die Frau" anbietet, nicht alles bereithalten muss, was eine Person zum Leben wünscht oder braucht, die eben eine Frau ist. Eine Messe etwa, die "Alles für die Angler" anbietet, müsste eben nur all jene Dinge bereithalten, die zum Angeln benötigt werden, Angeln, Köder, Eimer, Kescher, Messer, aber nicht etwa Fernseher. Wer tags angelt, sieht abends zwar fern, aber dann ist er eben kein Angler, sondern Fernsehzuschauer.

So wie eine Anglermesse das ausstellen muss, was eine Person benötigt, wenn sie angelt, also das, was sie dabei von anderen Personen unterscheidet und was diese anderen normalerweise nicht unbedingt brauchen, so kann sich eine Frauenmesse natürlich auf die Dinge konzentrieren, die das Frausein ausmachen, die eine Person als Frau wünscht oder benötigt.

Wobei es zwischen Angeln und Frausein natürlich einen gewissen Unterschied gibt, nämlich den, dass es möglich ist, vorübergehend mit dem Angeln aufzuhören um dann beispielsweise fernzusehen, was mit dem Frausein nicht so ohne weiteres möglich ist, weshalb es dafür auch kein richtiges Tätigkeitswort gibt.

Frausein vom Angeln abgrenzen

Aber gesetzt den Fall, man könnte das Frausein vom Angeln, vom Fernsehen und anderen Tätigkeiten so abgrenzen, dann kann uns diese famose Messe sicherlich Aufschluss darüber geben, was das Frausein ausmacht: Wann ist eine Frau eine Frau?

Nein, es sind nicht die guten alten 3 K: Kirche, Kinder, Küche, auch nicht in abgewandelter Form. Münster ist eine moderne Stadt, mit modernen Messeveranstaltern. Auf dem Plakaten und auch auf der Webseite des Veranstalters (die ich hier – man sehe es mir nach – nicht verlinken möchte) wird uns prägnant in vier Worten mitgeteilt, was die Frau zur Frau macht: "Mode, Wellness, Beauty, Sport". Auch das ist kein Scherz.

Während die Frau im alten Frauenbild der drei K wenigstens zu zwei Dritteln noch mit etwas beschäftigt war, was anderen nützte, was in der Gemeinschaft Wert hatte, sehen wir in diesem Bild eine Person, die ganz auf sich konzentriert ist, die offenbar nichts anderes im Sinn hat als ihr eigenes Wohlergehen, und deren ganzer Bezug zu anderen allenfalls darin besteht, anderen gefallen zu wollen. Wenn Frauen "ganz Frau" sind, so will die Messe suggerieren, dann beschäftigen sie sich mit sich selbst und ihrem Äußeren.

Wir befinden uns im 21. Jahrhundert, mitten in Europa, in einer Stadt, die Wissenschaft und Lebensart als ihre Stärken sieht, die so modern ist, dass sie Hindenburg von den Straßenschildern verbannt. In dieser Stadt mit 60.000 Studierenden hängen Plakate, auf denen steht "Alles für die Frau: Mode, Wellness, Beauty, Sport" und niemand tut etwas dagegen. Das ist kein Scherz.

Jörg Friedrich geht immer donnerstags in seiner Kolumne "Wundersamer Alltag" seinem ganz alltäglichen Staunen über die Welt nach. Denn alle Philosophie beginnt beim Staunen. Und alle Veränderung mit einem Wundern.

 

Vergangene Woche wunderte er sich darüber, warum kaum noch jemand per Anhalter fährt.

Kommentare (6)

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Ehemaliger Nutzer 27.09.2012 | 18:22

Wie schrecklich, eine Frau beschäftigt sich mit sich und nicht mit unbezahltem Nützlichsein... o tempora... ^^

Klar ich finde die Sinnlosigkeit der gesellschaftlich suggerierten Definition auch alamierend (während die Frau faktisch dazu verdonnert ist, alles zu machen, worauf der Mann keine Lust hat). Und die Verflachung dessen was frau angeblich braucht. Aber was wäre das für ein für ein Aufschrei, wenn Schusswaffen, Bewegungsmelder und Schuhe mit Stahlkappen neben wärmender Unterwäsche, Lippenstift und Orgasmusgaranten ausgestellt würde ^^

eulen nach athen 27.09.2012 | 20:33

"Wobei es zwischen Angeln und Frausein natürlich einen gewissen Unterschied gibt, nämlich den, dass es möglich ist, vorübergehend mit dem Angeln aufzuhören um dann beispielsweise fernzusehen, was mit dem Frausein nicht so ohne weiteres möglich ist, weshalb es dafür auch kein richtiges Tätigkeitswort gibt."

sie haben es doch erkannt. frau oder mann ist man, auch ohne spezielle tätigkeiten auszuüben. man kann "frausein" nicht tun, obgleich es eine ganz menge an handlungen (doing gender) gibt, die frauen ausführen, um als frau wahrgenommen zu werden und sich selbst als frau wahrzunehmen. sie tun das alles aber nicht, um frauen zu sein, sondern weil sie frauen sind und glauben, sie müssten sich auf sprezielle weise "als frau" verhalten. denn frau zu sein, kann man nicht machen. das ist man. nicht zuletzt deshalb reden wir von "frau sein" und nicht von "frau machen". undfür männer gilt selbstverständlich das gleiche.

wenn es nämlich anders wäre, dann müssten frauen und männer genau darauf achten, nichts gegengeschlechtliches zu tun, denn sonst würden sie ihr geschlecht verlieren. dann wären menschen, die sich nicht geschlechtstypisch verhalten in der tat keine "richtigen" frauen bzw. "richtigen" männer. eine frau könnte also bei falschem verhalten nicht mehr schwanger werden, ein mann keine kinder mehr zeugen. und jemand, der mit seinem geschlecht unzufrieden ist, bräuchte sich nur anderes zu verhalten und hätte prompt ein anderes geschlecht.

Martin Gebauer 28.09.2012 | 22:48

Was das EKT nicht vollständig ausgestalten kann, können Botox-Injektionen in noch feinerer Form vollenden. Die mitmenschlich, einfühlsame (und deswegen zu Depressionen neigende Frau) wird nach etlichen EKT Behandlungen und zusätzlichen Botox-Injektionen, als autistisch, maschinelle Frau, wiedergeboren.

“Botox-Injektionen und Gehirn Eines der gebräuchlichsten Verfahren zur Verjüngung - Botox-Injektionen - kann sehr gefährlich sein. Nach US-Forscher von der University of Wisconsin-Madison (USA), glättet Botox nicht nur Falten, sondern auch den Gyrus. Nicht nur, dass nach dem Eingriff, auf den Gesichtern der Frauen alle Emotionen verschwinden, darüber hinaus sind nach Ansicht der Forscher auch das Verständnis eines gespochenen Textes nachhaltig gestört. Laut Studienleiter David Havas, wurde ein verbaler Test durchgeführt mit Frauen vor und nach Botox-Injektionen. Es wurde festgestellt, dass die Probanden nach dem Eingriff sehr viel länger brauchten, Ideen zu formulieren oder gesprochene Sätze zu verstehen. Wissenschaftler vermuten, dass Gesichtsmuskeln das Denken mitanregt. Für normale produktive Aktivität des Gehirns braucht man starke Gesichtsmuskeln, und nach den Injektionen werden die Muskeln stillgelegt. "Man kann eine Analogie mit dem Einfluss auf die Entwicklung der motorischen Aktivität des menschlichen Gehirns als Kind zu zeichnen - aktiv arbeitet die Hand bei Kindern im Vorschulalter mit und regt Gehirntätigkeit und Mimik an auch einen Einfluss auf den Prozess des Denkens." - Schließt Psychologen Ann Sotovak (New York). Zusätzlich zu Nebenwirkungen wie Benommenheit, sind Botox-Injektionen eine andere - sie führen zu vorzeitiger Hautalterung. Eine solche Erfahrung wurde durch den Dermatologen am Medical College in New York gemacht. Sobald im Muskel Botox, gespritzt wird paralysiert aber imitiert der Prozess eine Menge anderer Muskeln, und wenn einer von ihnen nicht mehr funktioniert, andere werden aktiviert und als Ergebnis gibt es neue Falten noch ausgeprägter.“

Autor: Vladislav Romanov