Die Neue Digitale Bewegung

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In Schweden ist Christian Engström, der Spitzenkandidat der Piratenpartei, ins Europa-Parlament gewählt worden. Die Partei bekam über 7 Prozent aller schwedischen Stimmen, sogar 19 Prozent in der Gruppe der Jungwähler.

In Deutschland gelingt es einer Online-Petition trotz des heiklen Themas Kinderpornografie, gegen die Zensur-Ansätze der Bundesregierung aufzubegehren. Mittlerweile haben über 114.000 Personen mit ihrem vollen Namen für die Petition und somit gegen unkontrollierbare Internetsperren gestimmt.

Außerdem glühen die Köpfe und Tasten auch hier auf den Freitag-Seiten im Verlauf der Diskussionen um ein Zusammengehen bzw. Zusammenleben von klassischen Journalisten und netzaktiven und netzaffinen Bloggern.

Kurz gesagt: Die „Generation C64“ meldet sich immer hörbarer zu Wort. (Wobei es diese Generation in einer derartigen Einheitlichkeit wohl gar nicht gibt.) Ihr gegenüber stehen die sogenannten „Internetausdrucker“ in der Politik, die weder die Technik noch die Idee des Internets verinnerlichen wollen bzw. können. Die Fronten sind also mehr oder weniger klar.

Die moderne Gesellschaft kann einfach nicht mehr ohne Internet auskommen. Viele Arbeitsplätze hängen direkt vom Netz ab, konnten überhaupt erst durch dieses entstehen. Ein Leben ohne ständige Vernetzung, rasante Kommunikation oder allzeit verfügbares Wissen ist für die meisten Netzaktiven gar nicht mehr denkbar.

Diese vielen Online-Arbeiter ballen nun aber nicht länger die Faust in der Tasche, sondern hauen in die Tastatur – ganz offen und ganz öffentlich. Denn nichts ist schlimmer, als Regulierungen von PolitikerInnen ertragen zu müssen, die anscheinend rein gar nichts von den Funktionsmechanismen des Internets verstehen (und offenbar auch keine Beratung in diesem Bereich zulassen).

Am letzten Sonntag ist nun die Neue Digitale Bewegung folgerichtig im Europa-Parlament zu Sitz und somit Stimme gekommen – und wird prompt von zahlreichen, sogar etablierten Medien in einen Topf mit illegalen Filesharern geworfen. Das Wort „Piraten“ macht wohl viele nicht bloß auf einem Auge blind.

Die Fortführung des Internets mit politischen Mitteln war nur eine Frage der Zeit. In der Politik kommt nun ganz langsam an, was vor Jahrzehnten in Jugend- und Studentenbuden seinen Anfang nahm. Wird in zehn oder zwanzig Jahren aus dieser digitalen Ein-Punkt-Bewegung dann eine etablierte und ernst zu nehmende liberale und/oder grüne Fortschrittspartei geworden sein?

...fragt Friedland...

P.S.: Den Ausdruck „Neue Digitale Bewegung“ reklamiere ich jetzt mal für mich, denn selbst Tante Google kannte diesen Begriff noch nicht...

23:25 09.06.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Friedland

Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten. So hab' ich es in der Schule gelernt - inklusive der dummen Antworten. Ich frage, um überhaupt Antworten zu bekommen - richtige, falsche, schlaue, dumme. Z. B.: Wenn Staubsaugervertreter Staubsauger verkaufen, was verkaufen dann Volksvertreter?
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