Die Qual nach der Wahl

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Ja, ich gehe wählen. Nein, ich sage nicht, welche Partei. Ja, sie ist bereits im Bundestag vertreten. Nein, sie ist nicht Teil der Regierungskoalition – nicht im Augenblick und wahrscheinlich auch nicht nach der Wahl am 27. September. Dennoch gehe ich wählen.

Warum? Nun ja, ich könnte jetzt mit „staatsbürgerlicher Pflicht“ kommen, oder damit, dass Demokratie von der Partizipation lebt. Aber ehrlich gesagt gehe ich wählen, weil ich auf dem Weg zum Altglascontainer am Sonntag ohnehin an meinem Wahllokal vorbeikomme.

Dass ich wähle, steht also fest. Was und warum ich wähle, ebenso. Aber was mache ich nach der Wahl? Was mache ich, wenn die Wahlentscheidung gefallen ist, die Hoffnung auf eine gerechte, ökologische Gesellschaft dann aber zerplatzt ist wie ein billiger Parteiwerbeluftballon? Die Luft anhalten, bis mir schwarz wird vor Augen? Besser nicht. Auswandern? Wohin denn? Nach Berlusconitalien? Nein Danke, ich bleib' dann mal hier.

Auch die Frage bleibt: Wie geht’s nach der Wahl mit Deutschland weiter? Ich habe Albträume: Das Gespenst eines Guido-Ministers schwebt nachts über meinem Bett: Außen Minister, innen geschmacklos. Ich wache auf mit Gänsehaut im Gesicht und schreie vor Schreck „Aaaangiiiee“ in die dunkle Nacht hinaus. Zum Glück hören mich meine Nachbarn nicht.

Ich habe Bedenken, dass nach der Wahl die Gesetze nur von den Leyen, ...äh, Laien gemacht werden, die überbezahlt und unterbelichtet in den Ministerien sitzen. Noch mehr Bedenken kommen allerdings auf, wenn unser Backstreet-Baron verflixt und zugenäht Guttenberg seine Gesetzesentwürfe mittlerweile komplett an internationale Juristenfabriken outsourct, damit diese dann der Finanzwirtschaft ein passendes Gesetz stricken; da sind doch die Webfehler bereits vorprogrammiert.

Überhaupt: Web-Fehler... Für die amtierende Politiker-Generation ist das Web ein einziger Fehler, voller Schmutz, Lügen und Gewalt. „Das Internet“ ist in den Köpfen vieler die Ursache für die Verrohung der Gesellschaft. Und deshalb gehen sie gleich ans Eingemachte: An die Freiheitsrechte. Eine rechte Frechheit ist das!

Das Netz ist mittlerweile an fast allem schuld, nur nicht an den Schulden, die sind haus(bank)gemacht. Unsere Nachkommen tragen diese Schulden dann wie riesige Steineimer und Steinbrücken auf ihren Schultern. Eigentlich sollten aber nicht die Schulden im Mittelpunkt der Politik stehen, sondern die Schulen. Doch Bildung interessiert die Bundesregierung nur, wenn es um die Bildung einer terroristischen Vereinigung geht. Und gegen die müssen wir dann am anderen Ende der Welt unsere Demokratie verteidigen.

Ist es also die Schuld der Demokratie, dass immer mehr Soldaten in Afghanistan ihren Dienst tun und ihr Leben lassen? Warum setzen so viele Politiker das Leben deutscher Soldaten aufs Spiel beim Ernstfall Afghanistan? Weil es sie nicht mehr kostet als eine Unterschrift oder ein Handzeichen? Die Soldaten bezahlen diesen Deal im schlimmsten Fall mit ihrem Leben. Kein Politiker sollte dafür Kredit bekommen, alles auf diese Karte gesetzt zu haben. Denn man kann zwar ein Konto überziehen, aber nicht ein Leben.

Wird wenigstens eines der angesprochenen Probleme von der nächsten Regierung gelöst werden können?

...fragt Friedland...

18:52 18.09.2009
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Geschrieben von

Friedland

Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten. So hab' ich es in der Schule gelernt - inklusive der dummen Antworten. Ich frage, um überhaupt Antworten zu bekommen - richtige, falsche, schlaue, dumme. Z. B.: Wenn Staubsaugervertreter Staubsauger verkaufen, was verkaufen dann Volksvertreter?
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