Die Wolke - Aktualisierte Neuauflage

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In wenigen Tagen steht sie in den Regalen gutsortierter Buchhandlungen: Die Neuauflage des Jugendbuch-Klassikers Die Wolke von Gudrun Pausewang, aktualisiert und auf die heutige Situation übertragen.

Die Wolke thematisiert nicht mehr die längst etablierte Kernenergie und die ohnehin bloß theoretischen Gefahren dieser sicheren, jahrzehntelang erprobten Technologie. Nein, das Jugendbuch beschreibt die wahre Gefahr für unser Land: die GAU, die Größte Aschewolke Ueberhaupt.

Die Story: Im Zentrum steht eine Wolke, die niemand zu Gesicht bekommt, die nahezu unsichtbar über Deutschland schwebt, aber dennoch das Leben aller Menschen trübt. Diese "aktualisierte" Wolke betrifft aber nicht mehr nur Jugendliche, sondern berührt jeden Menschen, besonders den mobilen. Denn was ist der Mensch, wenn er seiner natürlichsten Fortbewegungsmöglichkeit, dem Fliegen, beraubt wird? Kein Flieger, kein Flugzeug, nirgends.

Ehemals sich und den anderen fremde Menschen finden sich auf Flughäfen gestrandet, lernen sich kennen, bilden lose Kleingruppen, tauschen Informationen, Zeitungen und Bücher untereinander aus. Sie alle verbindet, dass ihre (Flug)Verbindungen nicht mehr bestehen. Durch äußere Umstände gezwungen, zur Ruhe zu kommen, kommen sie auch zur Besinnung: Fliegen ist kein Grundrecht, kein Muss, es sollte wieder zu dem werden, was es war, ein seltenes und teures Vorankommen, ohne sich dabei in engen Sitzen bewegen zu können.

Der Plot treibt dem Höhepunkt zu, als das ganze Land dazu gezwungen wird, sich aufzumachen, zu Fuß, im Auto, gar im Zug. Sie sind auf der Flucht: die einen fliehen vor der Arbeit, die anderen vorm Urlaub, aber alle fliehen vor der Wolke. Denn auf diese Wolke projizieren sie ihre Angst, sich beim Reisen selbst bewegen zu müssen.

Am Ende der Geschichte bemerken mehr und mehr Personen jedoch, dass ihnen kaum etwas fehlt, wenn sie nicht fliegen können. Im Gegenteil, sie haben sogar mehr: Mehr Zeit, mehr Ruhe und mehr Geduld. Sie sehen mehr Details und denken mehr über den Alltag und seine Szenen nach. Und so stellen sie nicht nur fest, dass das Leben ohne Flugzeuge kein halbes, sondern ein ganzes ist. Sie besinnen sich auch auf das wirklich Wichtige: die Bekanntschaft mit Menschen und Mitreisenden, mit denen man über Stunden die Sitzreihe teilt und so ihre Geschichte(n) kennenlernt.

16:59 19.04.2010
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Geschrieben von

Friedland

Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten. So hab' ich es in der Schule gelernt - inklusive der dummen Antworten. Ich frage, um überhaupt Antworten zu bekommen - richtige, falsche, schlaue, dumme. Z. B.: Wenn Staubsaugervertreter Staubsauger verkaufen, was verkaufen dann Volksvertreter?
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