Wenn das Land Lust auf mehr macht...

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"Alle jammern über sinkende Auflagen im Printbereich, wir nicht!" So oder so ähnlich mögen Herausgeber und (Chef)Redakteurinnen in Münster die aktuellen IVW-Zahlen kommentieren. Allerdings nicht überall in Münster, sondern in dem (laut besagter Zahlen gar nicht mehr so) kleinen Landwirtschaftsverlag Münster.

Denn dieser gibt das zweimonatliche Magazin LandLust heraus, ein chic gemachtes Heft mit ansprechenden Foto-Strecken und Reportagen, Rezepten und Hausmitteln, Tipps für den Garten, Anleitungen zum Stricken von Bommelmützen oder für den Bau von Wurmkisten. Der Bogen spannt sich quasi vom Wellnessen bis zum Beet nässen.

Teilweise in Brigitte-Optik gehalten, werden hier allerdings keine Diätpläne zum Ausreißen abgedruckt oder der neuste Klatsch der Gazetten wiedergekaut. Nein, in LandLust geht es um den ländlichen Lifestyle der Lohas. Denn die wohnen eben nicht alle in Berlin Mitte oder in einer anderen hippen Innenstadt. Und wenn doch, dann wünschen sich viele von ihnen einen Garten oder ein Landhaus - oder wenigstens ein hübsches Magazin darüber.

LandLust macht also Lust auf mehr. Und ein Mehr an Abonnenten und verkaufter Auflage kann der Landwirtschaftsverlag inzwischen stetig vorweisen. Es wird sogar rasant mehr: Im vierten Quartal 2009 lag die Auflage von LandLust bei mittlerweile knapp 650.000 Exemplaren, fast 45 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

So schreibt zum Beispiel Thomas Lückerath im Medienmagazin dwdl.de:

"Der Konkurrenz bleibt nur ungläubiges Staunen, zumal die LandLust ihre Auflage zumindest in der Vergangenheit fast vollständig ohne Freistücke, sonstige Verkäufe oder andere kosmetische Maßnahmen in diese kaum für möglich gehaltenen Höhen gepusht hat. Inzwischen findet die LandLust sogar deutlich mehr Käufer als der Focus."

Print wirkt eben tatsächlich. Allerdings wird es selbst in dieser Nische (ist es noch eine?) immer enger, zahlreiche ähnliche (und ähnlich lautende) Titel sind mittlerweile im Zeitschriftenregal zu finden: LandIdee von der WAZ-Gruppe oder LiebesLand vom Hannes Scholten Verlag in Stuttgart. (Letztere Zeitschrift wurde von der Welt online bereits im Sommer 2008 mit dem Original verglichen.)

Im Landwirtschaftsverlag gibt es aber auch speziellere Agrarfachzeitschriften wie z.B. Elite - Das Magazin für Milcherzeuger oder SUS - Schweinezucht und Schweinemast. Im Mutterhaus der LandLust paart sich also offenbar die Expertise ausgewiesener Agrarfachleute mit dem modernen Lifestyle-Ansatz einer leider zunehmend naturentfremdeten Gesellschaft. Heraus gekommen ist ein Special-Interest-Magazin, das etwas Neues geschaffen hat und damit augenscheinlich sehr gut fährt. Daran sollten sich die ständig vom Qualitätsjournalismus faselnden Verantwortlichen anderer Medienhäuser ein Beispiel nehmen.

12:53 16.01.2010
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Geschrieben von

Friedland

Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten. So hab' ich es in der Schule gelernt - inklusive der dummen Antworten. Ich frage, um überhaupt Antworten zu bekommen - richtige, falsche, schlaue, dumme. Z. B.: Wenn Staubsaugervertreter Staubsauger verkaufen, was verkaufen dann Volksvertreter?
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rainer-kuehn | Community