#HeToo (Arbeitnehmerinnen-Überlassung)

derDonnerstag Das sind nicht 20 Stundenzentimeter! Nie im Leben, kleiner Peter! Oder: Fishing for Fulness of Pity. Die erste Runde Mitleid geht auf's Haus.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

"Ich will, dass du deinen Platz räumst. Ich will dieselben Chancen wie du im Beruf, und dafür musst du mir die Hälfte von allem überlassen." Von dieser Aufforderung by Elsa Koester hatte ich mich angesprochen gefühlt, neulich, strubbeldoof wie ich halt bin. Aber Elsa Koester und ich DUzen uns gar nicht. Daran hätte ich es merken können.

Angesprochen war natürlich nicht der männliche Leser, sondern der Mann als solcher. Also auch wieder ich. Aber auch wieder nicht! Denn im Unterschied zu den anderen y-Chromosomten, die der Frau Koesters Zeilen lasen, weil sie im Freitag lesen, habe ich ja nur einen lächerlich kurzen Stundenlohn von 12,59 cm.

Damit liege ich, wie ich heute erfahre (und es erst nicht glauben wollte), in jeder verdammten Stunde der allzu oft 180 h/Monat ganze 4,5 cm unter dem Durchschnittsverdienst der dt. Doppel-x-Fraktion von 17,09 cm. Für Arbeit, die kein chancenreicher Mann tun will & kaum eine chancengleiche Frau tun kann; der zwei unabgebrochenen Chromosomen wegen. #f=m*a

Aber an mir soll es nicht scheitern. Ich überlasse dir gerne die Hälfte. (Angesprochen fühlt sich da bitte ausschließlich die Frau als solche.) In der anderen Hälfte setze ich mich auf eine Bank hinter einer Kita und beaufsichtige spielende Kinder, für knapp 20 Stundenzentimeter. Während du deine neuen Chancen im klassisch maskulin besetzten Zeitarbeits- und Sklavenlohnsektor entdeckst; Fließband, Metall, Schutz, Lager, Pakete, Hochbau, Straßenbau, Gartenbau, Müll.

Ich weiß. Wollte nur sagen: #FightForYourRights, Ladies, but don't forget to #CheckYourPrivileges, each. Denn die eigentliche Front verläuft nicht zwischen 1 oder 2 € weniger oder mehr in der Stunde, sondern zwischen Soll und Haben; jetzt und im Alter. Nur, wieso, verdammt, erzählen wir sowas immer Lesenden, die es schon wissen? Falls veraltete, weiße Männer (bis RAL 7035; nicht dunkler) mitlesen, bitte mal kurz rückmelden. Dann weiß ich: Unentgeltlich geschrieben aber Schrieb nicht umsonst.

- Wer den Sturm säät, wird den Dachschaden ernten.

20:29 14.03.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Fritz Fischer

EU-Kommissar Rex Populi, das Gespenst, das umgeht in Europa. CEO des Opferkulturvereins Reparation für Özil k.e.V.
Fritz Fischer

Kommentare 3