Rechtsextremismus = Rechtsextremismus

#Hanau Rechtsextremismus = Rechtsextremismus
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Ich muss schreiben. Es geht nicht anders. Und das schreibe ich jetzt hier hin.

Wir haben als Gesellschaft nur eine Chance, wenn wir Rechtsextremismus erkennen und benennen, wann und wo er uns terrorisiert; ob deutschnationalistisch, islamistisch oder sonstwie motiviert; scheißegal. Je eher das verstanden wird, desto glimpflicher kommen wir davon.

Rechtsextremismus = Rechtsextremismus = Rechtsextremismus

Bis gestern hatte ich gedacht, wir, die wir uns für clever, anständig und besonnen halten, wären ungefähr einig, wie wir mit rechtsextremen (!!!) Terroranschlägen umgehen wollen.

Ruhe bewahren - trotz Trauer, trotz Wut.

Informieren, berichten, reden - aber Tat und Täter nicht unnötig "bespielen".

Das Instrumentalisieren den Arschlöchern überlassen.

Die Schuld dort suchen, wo sie liegt; bei dem oder den Tätern, dem Netzwerk, den Unterstützern/ Claqueuren.

Das Monster TERROR nicht füttern.

Niemanden, der den Anschlag nicht hätte verhindern können, in Mithaftung für die Grausamkeit des Terrors nehmen.

Keinen Fuß breit auf das dreckige "WIR gegen DIE" einsteigen, in das die Terroristen uns zwingen wollen.

Pustekuchen.

Immer tiefer greift der Terror von Rechts in Deutschland um sich. Sie wollen, dass wir Angst haben, schweigen, kapitulieren, Deutschland verlassen. Werden wir nicht. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Es hätten Freunde in der Shishabar sein können. #Hanau

Ich hoffe, dass die Kanzlerin nach #Hanau geht, mit den Angehörigen spricht, mit ihnen trauert, ihnen Angst nimmt und die Zuversicht gibt, dass Deutschland für sie und alle, die hier leben, sicher ist.

#Lübcke, #Halle, #Terrorgruppe, #Hanau. Was kommt jetzt? Die Abstände von Terrormeldungen werden immer kürzer.

RASSISMUS. RASSISMUS. RASSISMUS. RASSISMUS. RASSISMUS. RASSISMUS. RASSISMUS. RASSISMUS. RASSISMUS. RASSISMUS. Kapiert es endlich und hört auf, um den heissen Brei zu reden, weil es ja eigentlich nicht sein darf in Deutschland.

Meine Schwester hat ihren Kindern heute verboten, in die Shisha Bar zu gehen. Sie gehen da fast jeden Abend hin, ist das zweite Wohnzimmer. #Hanau

Leider fühlen sich viele Migrantinnen und Migranten gerade fremd im eigenen Land. Kein schönes Gefühl.

Seit gestern kommen vermehrt solche Nachrichten bei mir an. Ein junger Mann. Migrant. Jurist. Zweifelt daran, ob Deutschland für ihn sicher ist und bitte mich und uns alle weiterzukämpfen.

Ich sollte verlinken, aber tu's nicht. Für wat? Das sind, chronologisch geordnet, ein paar Einträge aus der gestrigen Twitter-Lawine von Sawsan Chebli, Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales in der Berliner Senatskanzlei.

Kann irgendjemand sich ansatzweise vorstellen, was es heißen würde und was los wäre, wenn jemand mit vergleichbarem Rang innerhalb der SPD nur einen dieser sieben Dinger nach einem islamistisch motivierten, rechtsterroristischen Anschlag rausgehauen hätte? Like:

#Paris, #Manchester, #Breitscheidtplatz. Was kommt jetzt? Die Abstände von Terrormeldungen werden immer kürzer.

ISLAMISMUS. ISLAMISMUS. ISLAMISMUS. ISLAMISMUS. ISLAMISMUS. ISLAMISMUS. ISLAMISMUS. ISLAMISMUS. ISLAMISMUS. ISLAMISMUS. Kapiert es endlich und hört auf, um den heissen Brei zu reden, weil es ja eigentlich nicht sein darf in Deutschland.

Meine Schwester hat ihren Kindern heute verboten, auf den Weihnachtsmartkt zu gehen. Sie gehen da jedes Jahr hin, ist das zweite Wohnzimmer..

Seit gestern kommen vermehrt solche Nachrichten bei mir an. Ein junger Mann. Schwul. Lange Haare. Zweifelt daran, ob Deutschland für ihn sicher ist und bitte mich und uns alle weiterzukämpfen.

Nein, das ist unvorstellbar!

So ein Begleitscheiß schießt - pünktlich und zuverlässig - einzig und allein aus der rechtsextremen Ecke. Aus der Ecke, die den Terror als willkommenes Vehikel für ihre eigene, dreckige SPALTEREI nutzt; die Ruhe aufkündigt; Tat und Täter bespielt; instrumentalisiert; die Schuld sucht und findet, wo sie nicht hingehört; das Monster füttert; Millionen in Mithaftung nimmt, die den Anschlag nicht hätten verhindern können; das dreckige "WIR gegen DIE" befeuert.

All das. Und ich sitze vorhin hier, lese diesen Text - und breche in Tränen aus. Glaubt es oder lasst es: Ich bin fertig. Der Terror hat an mir für gestern und heute sein Werk getan. Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen will.

Und jetzt die gute Nachricht. Ich war heute an der Uni, draußen, im richtigen Leben. Alles wie immer. Kein Mord, kein Totschlag, kein Bürgerkrieg. Keine Feindseligkeit, kein Geplärr, keine Wut und kein Hass. Chinesisch aussehende Student'innen mittendrin statt nur dabei. Fröhliche, freundliche, gestresste junge Menschen. Cool, oder?

Sagte ich eigentlich schon, dass ich TWITTER und die Vertwitterung des öffentlichen, veröffentlichten und nicht-öffentlichen Denkens hasse, wie die gottverdammte Pest? Dann is' gut. Schön' Tach noch und: Glück auf!

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Ergänzung/ Anhang 22.02.2020; dieser Kommentar

Erst mal will ich sagen, dass ich den Text gut finde. Viel drin, was man zum Zeitpunkt seiner Entstehung hatte sagen können; unaufgeregt, besonnen. Das ist wichtig zu sagen, weil ich am Teil, auf den sich die Überschrift bezieht, schwere Kritik üben muss. Wirklich muss.

Nicht speziell im Hinblick auf den Text, denn der beschreibt die Twitter-Diskussion schon ganz richtig. Sofern man das, was auf Twitter mal wieder abgeht, überhaupt "Diskussion" nennen kann/darf/will; oder ob nicht "Spalt-, Plärr- und/oder Selbstvergewisserungs-Orgie" der passendere Begriff wäre.

Ich habe dazu schon - mehr impulsiv als besonnen - einen Blog rausgehauen. Es ging nicht anders, es musste raus. Hier will ich das in Ruhe ein bisschen ergänzen. Nicht zuletzt, weil ich voll und ganz hinter Ihrem letzten Absatz stehe:

"Was Gesellschaft zur Prävention rechten Terrors also leisten muss, ist, zusammenzuwachsen, und zwar nicht nur an Tagen wie heute, sondern im Alltag (...)"

Genau so ist es! Umso weniger aber ertrage ich die von mir zu großen Teilen als gesellschafts-spalterisch empfundenen Einlassungen z.B. der von Ihnen oben u.a. erwähnten Sawsan Chebli auf Twitter.

Ich frage: Wie zuträglich kann es schon sein, allen "Kartoffeln" bzw. "Nicht-Kanacken" (not my Sprech; nur kurz gehijackt) auf der Klaviatur hoch und runter zu spielen, sie hätten keinen blassen Schimmer, wie man sich als potentiell mitgemeintes Opfer eines Terroranschlags fühlen kann?

Das ergibt nicht nur nach den leidlichen Erfahrungen mit islamistisch motiviertem Rechtsterrorismus keinen Sinn. Erwachsenen Leuten zu unterstellen, sie wüssten nicht, was Angst, Schmerz, Verlust, Mitgefühl und/oder Trauer sind; sie also entweder zu gefühlstoten Kohlestoffhaufen oder - noch schlimmer - zu empathielosen Arschlöchern zu stempeln, pauschal per Ferndiagnose, das macht GENERELL keinen Sinn. So etwas tut man nicht! Und schon gar nicht, wenn einem an EINER friedlich-solidarischen Gesellschaft gelegen ist.

Denn man kann und muss sich doch vorstellen, was umgekehrt los wäre, psychologisch und überhaupt, wenn kartoffelstämmige Twitter-Promis nach islamistisch motiviertem Rechtsterror sagen würden: 'Ihr habt keinen blassen Schimmer, wie wir uns fühlen; welche Angst wir haben auf Weihnachtsmärkte zu gehen oder Pop-Konzerte zu besuchen.' So etwas, Frau Koester, wäre etwas, das Sie und ich und alle anständigen Menschen vollumfänglich ablehnen würden, aus sehr guten Gründen. Denn die einzige Wirkung, die solche Einlassungen haben, ist spaltender Natur.

Was jetzt kommt will ich nicht schreiben, und muss mir vorwerfen lassen, es doch getan zu haben. In einigen Schulklassen z.B in Berlin, z.B. im Ruhrgebiet, und es werden tendenziell mehr, machen kartoffelstämmige Nachwuchskohlenstoffhaufen (und damit ihre Familien) durchaus auch rassistische Erfahrungen. Wenn ich - schneeweiß bis aschfahl, wie ich im Winter bin - mich in meinem Alter noch in eine Hip-Hop-Disko verirre, was durchaus vorkommt, bin ich in der ethnisch-stämmigen Minderheit. Beim Gemüsehändler um die Ecke auch. Aber da hin verirre ich mich nicht; den steuere ich bewusst an. Meine eigene Nicht-Herterosexualität, die sozio-ökonomische Misslage meiner Herkunftsfamilie - ich habe in meinem Leben so viele Erfahrungen im Anders-Sein und Sich-Abgelehnt-Fühlen gesammelt, dass ich sie gar nicht alle zählen kann.

Will immer noch nur zeigen, wie anmaßend und schlecht es ist, auf Twitter anlasslos entgegengeschleudert zu bekommen, der rechtsextremistische Terror (gemeint ist da dann ausschließlich deutschnational motivierter) sei einem völlig egal; man feiere doch umso ausgelassener Karneval, wenn wieder ein paar Kanacken tot sind. Das ist unerträglich und an Gesellschafts-Spalterei selbst von der AfD kaum zu überbieten. Schwerlich nur.

Und die umstrittene, weil mutmaßlich mit Millî Görüş und Erdoğans rechtsextremer (manche sagen: rechtsterroristischer) AKP sympathisierende, von Ihnen oben auch erwähnten Kübra Gümusay mit ihrem orthodoxen Kopftuch, so sorry, zu Maybritt Illner zu laden, um allen draußen an den Geräten mal zu erklären, was Rechtsextremismus ist und was er anrichtet, nachdem im Städtchen Hanau ein Rassist neun überwiegend kurdisch-stämmige, mutmaßlich wohl eher progressiv denkende und lebende Menschen erschossen und viele verletzt hat, ich mutmaße das wirklich alles nur, ist auch so ein Ding. Das übrigens auch bei Twitter heftig diskutiert wird - und zwar völlig zurecht.

Das fehlt Ihrem Text leider, Frau Koester; der Hinweis, dass es eine sehr (!) heftige Kontroverse gibt, wie mit all dem, was ich in meinem Kommentar anreiße, eigentlich am besten umgegangen werden sollte. Und die von Ihnen aufgezählten Twitterer'innen der sogenannten "migrantischen Community", die doch eigentlich besser in der Gesamtdeutschen Community aufginge, wie wir beide finden, lieber heute als morgen; diese Twitter-Promis bilden dabei nicht den Querschnitt der "inner-migrantischen" Diskussion ab, sondern den - und falls Sie es bis hierhin geschafft haben sollten, müssen Sie noch mal ganz tapfer sein - den extremen bis extremistischen Rand.

Oder wie ich es auf meine ureigene Art sagen würde: Die Fähigkeit zu unreflektiertem Geplärr a la Sibel Schick & Co. ist kein Kriterium, das eine gute Soziologin ausmacht. Es verhält sich genau umgekehrt.

Hier mache ich mal einen Punkt - und den Kommentar hänge ich meinem Blog als Ergänzung an.

LG!

20:46 21.02.2020
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