Kuenstlerische Praxis

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Ueber die Unuebersichtlichkeit der hiesigen Blog-Szene wird gestritten, es koennte auch mit den subjects zu tun haben, also den Ueberschriften, die wir unseren Blogs geben. "Gib ein praezises subject!" ist eine common Aufforderung in Mailinglisten, hier so berechtigt wie dort. Heisst auch: ein einfaches subject, so verfuehrerisch die Moeglichkeit zur Dichtung auch sein mag. Machen wir doch eine Reihe auf "Kuenstlerische Praxis" in der die 60.000 Berliner Kuenstler, die es geben soll, jeder ist ein Kuenstler, die anderen haben es nur noch nicht gemerkt, von ihren kuenstlerischen Problemen und Entdeckungen erzaehlen. Wie mache ich ein weisses Blatt voll? Ein paar Striche, sagt Picasso, siehe den Film von Cluzot. Die einfache schnell zu verstehende Ueberschrift "Kuenstleriche Praxis" und die sig und jeder weiss sofort, was ihn erwartet. Hier also "Kuenstleriche Praxis" von Fritz Teich:

Hab mir letztens ein M-Audio Midikeyboard fuer 76 Euro beschafft. Vorgeschichte war ein gewisser Frust mit Natural Instruments Soundschool Analog. Leider kein Keyboard aus Italien, was es unter dem Namen Soundlogic gibt. 46 Tasten hat es, schon sehr schoen. Man kann wunderbar klimpern, vor allem wenn man sich saemtliche Klangklischees abgewoehnt, spiessigen angeblichen Wohlklang, den man noch irgendwo in sich stecken hat, und so zur reinen 12-Ton-Skala vorstoesst. Mit einem Instrument, das man nicht gelernt hat, geht es besser. Mit der Geige koennte ich es nicht. Ich habe immer die Dilletanten bewundert, die spontan auf meiner Geige Klaenge hervorrachten, die mich viel mehr ueberzeugten, als was ich so machte. Ganz genial improvisieren uebrigens bekanntlich geistig Behinderte. Sie machen einfach. Und zwar gut!

So Zeug hab ich unter diverse Clips gelegt, die ich nebenbei unter dem Motto "Berlin, Grosstadt" produziert hatte. Der Versuch Bilder von Berlin zu produzieren, die in etwa den "Mythos" der 20er Jahre atmen. Soweit das ueberhaupt moeglich ist. Es geht, die Strassenbahnlinien sind noch die gleichen wie zur Zeit von Menschen am Sonntag oder Emil und die Detektive, mehr ist kaum erforderlich. Die Menschen sind im Wesentlichen die gleichen, es gibt noch immer oder wieder Frauen mit Huetchen usw.

Was ich entdeckt habe und IMHO berichtenswert ist, ist wie die Klimperei das Sehen veraendert. Bilde ich mir jedenfalls ein. Erlebe ich so. Die Klimperei ist eine Folge von Gesten. Die beziehen wir auf Ereignisse im Film. Koennen wir so und so machen. Gerade das Dilletantische, also vor allem das Timing, verhindert, dass es als allgemeine Sauce empfunden wird, die ueber den Film als ganzes gegossen wird. Es geht um menschliche Masse (das Mass, nicht die Masse..) und die machen ploetzlich die abgebildeten Menschen bewusst. Man identifiziert sich mit einzelnen Radfahrern. Usw. In diesem Sinne verstehe ich dann ploetzlich Richter und Co, die den Tonfilm als Tod der Filmkunst bezeichnet haben. Es ging beim Film einmal nicht um action, sondern um das Sehen. Seht selbst, ohne dass ich ueber den Clip mehr sagen wuerden wollte, seht ihn mal nur unter dem Gesichtspunkt Bilder und Geklimper und meinetwegen Rot und Gruen, am Besten ganz.










12:07 08.05.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Fritz Teich

Schlesinger hat mich wieder an Reinhold Niebuhr erinnert.
Schreiber 0 Leser 0
Fritz Teich

Kommentare