Sprache und Politik

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http://s1.lemde.fr/image/2010/09/26/546x273/1416279_3_2011_quelques-dizaines-de-colons-et-militants.jpg

Le Monde berichtet von der Kolonisierung

www.lemonde.fr/international/article/2010/09/26/abbas-a-paris-a-quelques-heures-de-la-fin-du-moratoire-sur-les-colonies_1416201_3210.html#ens_id=1228030

und ich frag mich, was gemeint ist:

Colonisation : la pression monte sur Israël

Na klar, der sogenannte "Siedlungsbau".

Klingt doch ganz anders. "Kolonisierung" klingt wie Kolonialismus oder TU Berlin, naemlich "Ost-Kolonisierung", verboten, "Siedlungsbau" klingt irgendwie suess, nach Baumarkt, do it yourself. Wie Atomkraft und Kernkraft, nussig, gesund.

Vielleicht bringen es Diskussionen ueber Sprache viel mehr als Diskussionen ueber Politik. Villem Flusser faellt wieder ein. Journalistische Ethik oder nicht: Wer hat den Ausdruck "Siedlungsbau" eigentlich erfunden? Gab es kein treffenderes Wort?

Und was soll man von Paragraph 8 des deutschen Voelkerstrafgesetzbuches halten?

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(3) Wer im Zusammenhang mit einem internationalen bewaffneten Konflikt


2. als Angehöriger einer Besatzungsmacht einen Teil der eigenen Zivilbevölkerung in das besetzte Gebiet überführt,

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Sind die "besetzten Gebiete" ein fremdes Staatsgebiet? Ist ein "internationaler Konflikt" gegeben?

Entweder oder, tertium non datur: Entweder Kriegsverbrechen oder Apartheit, naemlich unterschiedliche Rechte fuer die Einwohner, Buerger zweiter Klasse, ein kuenftiges "Bantustan", Guatemala light, oder nicht.

Immerhin scheinen sich Hamas und die PLO wieder zu vertragen.

23:02 26.09.2010
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Geschrieben von

Fritz Teich

Schlesinger hat mich wieder an Reinhold Niebuhr erinnert.
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Fritz Teich

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