Fritz

Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Der ganz normale Anerkennungswahn | 31.03.2009 | 15:24

Ja, auch wenn dies monokausal anmuten mag, so ist das Phänomen Amoklauf in den meisten Fällen mit Kränkungen des Selbstwertes zu erklären, die in den Wunsch münden, wenigstens einmal "Kriegssieger" zu sein - um es mit einem Begriff aus eigenen Arbeiten zu diesem Thema zu benennen.

Bedauerlich finde ich, dass der gesamte Themenkreis Leistungsdruck Selbstwert viel zu selten und wenn, dann nur oberflächlich in die Diskussionen zum Thema Amoklauf einbezogen wird. Längst zeigen ernst zu nehmende Studien, dass die vielgescholtenen Videospiele allenfalls marginale Einflüsse ausüben. Wesentlich aussichtsreicher erscheinen tatsächlich die Ansatzpunkte "Schule" und "Medien".

Ich stimme Herrn Professor Huisken zu, dass die Schule für junge Menschen der zentrale Ort erlebter Erniedrigung ist. Wie auch er schreibt, zeigt dies die Tatsache, dass viele Amokläufe logischerweise genau dort stattfinden, wo die Erniedrigung am stärksten erlebt wurde. In der Schule werden sich Wettbewerbssituationen jedoch kaum vermeiden lassen, denn dort werden die Weichen für die künftigen Lebenschancen mit gestellt. Sicher gilt es jedoch zu überdenken, ob der Druck auf junge Menschen nicht vielleicht reduziert werden könnte - beispielsweise durch Verschlankung der Lehrpläne oder der Rückkehr zum Abitur in neun statt in acht Jahren.

Als weiteren wesentlichen Diskussionsgegenstand wünsche ich mir jedoch die kritische Diskussion der medialen Vermittlung dessen, wie Menschen heutzutage zu sein haben. Aber - in Anlehnung an den Artikel von Huisken - wer übt in dieser selbstherrlichen Welt schon gerne Selbstkritik? Jedoch müssen sich die Medien langsam die Frage stellen, wann Sie denn mit ihren Sendungen - ob Talkshow, Casting- oder Vorabendserie - einen Wertewandel fördern wollen, der nicht nur auf schneller, höher, weiter basiert, sondern auf Werten wie Respekt - anderen gegenüber und sich selbst gegenüber. Denn: wohl erst wenn die Medien wieder ein Bild von Würde und Respekt zeichnen, wird das agressive Streben nach "oben" abnehmen und Menschen können tatsächlich mit ihren - unter Umständen auch durchschnittlichen - Leistungen zufrieden sein, ohne sich ständig daran messen zu lassen, ob sie es geschaftt haben, Erster, Einziger oder Vorgezogener zu sein.