Die Andere und der Orientalismus

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Eigentlich hab ich keine Zeit für sowas.

Ich müsste an meiner Copy arbeiten und sie für den sogenannten Schulterblick optimieren; ich müsste eine Homepage auf den neuesten Stand bringen; dann wollte ich noch meine Magisterarbeit auf 5000 Wörter reduzieren und einem Journal schicken; meinem Vater kündige ich seit zwei Monaten meinen Besuch an. Ausserdem siehts hier aus wie in einem Rattennest und ich habe Umzugskartons die seit einem Jahr darauf warten ausgepackt zu werden.

Aber ich werde wohl mein Exemplar von Edward Saids “Orientalism”, dass ich bisher nur kurz und für Stichproben in der Hand hatte, von Anfang bis Ende durchlesen müssen. Nicht an einem Tag. Aber diese Woche. Aufmerksam.

Burkaverbot in Frankreich und Frauenquotendiskussionen daheim treiben mich dazu.

Beide sind für mich mit den Netzsperren vergleichbar: sie verdrängen und verstecken Probleme, ohne sie zu lösen.

Bei den Netzsperren gab es schnell Zahlen: wieviele Seiten waren wie schnell gelöscht und machten die Sperren unnötig? Wer sammelt bei Frauenquote und Burkaverbot die Zahlen? Wieviele Frauen dürfen dann garnichtmehr auf die Straße? Wieviele Frauen erhielten plötzlich gleichen Lohn? Wieviele Frauen, die der beste Mensch für die Position waren, bekamen einen Spitzenjob?

Ich finde Burkas nicht gut, schön, oder in irgendeiner Weise korrekt. Ebenso finde ich die traditionelle Benachteiligung von Frauen in großen und kleinen Konzernen nicht in Ordnung. Aber durch Gesetze, wie mit Zuckerguss, an der Oberfläche rumzuhübschen finde ich kontraproduktiv. Jetzt will ich Saids Klassiker lesen um präzisieren zu können warum es mir beim Verbot und der Quote so die Zehennägel aufrollt.

Passt jetzt irgendwie dazu und auch wieder nicht: Mein Gehirn schlägt eine “Kulturrevolution” vor. Wir übergeben unsere Kinder ab einem gewissen Alter in staatliche Hände und lassen sie dort zu guten, produktiven und gleichberechtigten Bürgern formen, die für eine zukunftsorientierte und moderne Gesellschaft vorbereitet werden. Dann würden wir auch diese doofen Probleme mit “typischen” Geschlechtern los. Und die Religionen und ihre menschenverachtenden Traditionen könnten wir auch eliminieren. Einen Moment später widerspricht mein Gehirn diesem Vorschlag. Zurecht, wie ich finde.

21:39 11.04.2011
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Geschrieben von

fritzoid

ich könnte hier was geistreiches schreiben... es fällt mir aber nix ein.
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kleiner-muck | Community
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