Warum ich öfter Bücher lesen sollte

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Jetzt habe ich also endlich Orientalism von E.W. Said gelesen. Ich war sehr langsam und habe manche Stellen mehrfach lesen müssen. Trotzdem habe ich es genossen. Ich fand das Vorwort (2003 geschrieben) und das Nachwort (geschrieben 1994) hilfreich zur Kontextualisierung und Aktualisierung des Inhalts.
Der Grund weshalb ich das Buch jetzt las war die Frage warum mir das Burkaverbot so gegen den Strich geht. Die Antwort lautet: weil es eine paternalistische Maßnahme ist, die den Kolonialismus (in diesem Fall den der Franzosen) einfach weiterführt und nicht nur besserwisserisch und scheinheilig und kosmetisch, sondern auch komplett unsensibel und sinnfrei ist. Teil der Antwort ist auch, dass meine Frage aus einer uninformierten Position heraus gestellt wurde und deshalb nicht so gut formuliert war. Trotzdem wird, meiner Meinung nach, meine ursprüngliche Empörung von Orientalism bestätigt.

Dass Kleidungsge- und -verbote auch in anderen Fällen problematisch sind zeigen die Slutwalks, die zusätzlich auch noch ein Beispiel dafür sind, wie eurozentrisch (oder in den USA auf weiße Menschen fokusiert) die meisten Männersache-Frauensache-Debatten sind.

Was mir meine Lektüre gebracht hat:
- eine neue Perspektive auf die Reconquista und das Mittelalter in Europa
- ein verstärktes Interesse an einer Region, die ich vorher meistens ignoriert habe
- mehr Unsicherheit und Frustration weil ich keine einwandfreie Narrative mehr habe an die ich mich klammern kann wenn ich Nachrichten schau

Was sonst noch geschah:
- vermehrter Konsum von Aljazeera English Live Stream
- Lektüre verschiedener Wikipedia-Artikel über Gruppierungen und Personen, die auf Aljazeera erwähnt wurden
- plötzliche und wiederholte Meinungsumschwünge zum Eingreifen in Libyen
- ein informatives Gespräch mit einer Tunesierin
- gelegentliche Blicke auf Weltkarten um nachzusehen wo welche Länder liegen
- ein Artikel im National Geographic über die Vermählung minderjähriger Mädchen mit erwachsenen Männern
- ein Video in dem angeblich die syrische Sicherheitspolizei mehrere Menschen entführt; was mir eine Lektion aus Das Mädchen und der Tod von Ariel Dorfman ins Gedächtnis rief: wenn man entführt wird soll man seinen Namen laut rufen, denn irgendjemand wird schon Zeuge dieses Geschehens sein und so wissen Angehörige wenigstens wer einen in Gewahrsam hat.

Fazit:
Es ist immernoch alles kompliziert und ich bin nicht frei vom Einfluss ur-alter Narrativen, aber ich habe ein gutes Buch gelesen und mein Blickfeld erweitert.

00:58 11.06.2011
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Geschrieben von

fritzoid

ich könnte hier was geistreiches schreiben... es fällt mir aber nix ein.
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