RE: „Nichts deutete auf ein prekäres Leben hin“ | 26.05.2018 | 15:28

Die größte Fehlentscheidung war wohl ein Kind zu bekommen ohne selbst die entsprechende Situation geschaffen zu haben - meinen Sie das, Schonpenhauer?

Ich bin ein Scheidungskind und wahrscheinlich genau deshalb kinderlos, weil ich kaum ermessen kann, welche Leistung meine Mutter bringen musste, um mit 2 Kindern nicht zu verzweifeln. Meine Eltern wurden 1977 geschieden, für die Frau noch immer ein Stigma. Für den Mann in keinster Weise.

Und, ja, als meine Mutter einen neuen Lebensgefährten hatte und die Pille wollte, musste sie sich noch anhören, ob sie nicht erst einmal eine Weile nur Händchen halten wollte, bis man wüsste, ob die Beziehung hält. Und das war definitiv in den 80ern - sonst wäre ich zu klein gewesen, als dass sie es mir erzählt hätte.

Um Schicksale anderer zu verstehen muss man schon vom eigenen Ross steigen - und Ihres scheint doch recht hoch zu sein.

RE: Niedriger Politikausstoß | 10.03.2018 | 08:24

Die Politik spielt Schattenboxen und alle sehen zu.

Natürlich kann man sich jetzt an der Ausgestaltung einer hell-mittel-dunkelblauen Plakette abarbeiten - aber man könnte auch einfach das Problem lösen, wenn man denn wollte. Andere Länder machen es vor: Kennzeichen abscannen und Maut oder Strafe kassieren. Gibt es in London, Rom, Norwegen und an jeder Autofähre nach England (ich bin zu faul zu recherchieren also nur selbst erlebte Beispiele). Fazit: Die Politik will nicht.

VW hat sowohl die Politik als auch den Autokäufer betrogen und gleichzeitig einen Rekordgewinn eingefahren. Da kann die Politik natürlich appellieren - aber wäre es nicht ein bisschen zielführender jetzt zu agieren?

Unsere Politik ist seit Jahren so zahnlos, dass sie sich in Regionen wie Stuttgart wohl gar nicht traut ein besseres ÖPNV-Konzept auch nur zu denken. Hier wurden Gewerbegebiete ausgewiesen und bebaut, die nicht einmal an den ÖPNV angeschlossen waren. Und wie der Daimler-Mitarbeiter zu seinem Arbeitsplatz kommt, das ist auch seit vielen Jahren klar: Mit dem Auto oder mit dem Werksbus. Und wo sitzen die Zulieferer? Genau: Möglichst in der Nähe. Fahren die Mitarbeiter halt auch mit dem Auto.

Und was genau wäre eigentlich so schlimm daran, wenn man nicht mehr mit dem Auto in die Innenstadt könnte? Auch hier empfehle ich einen Blick z. B. nach Rom: Hat irgendjemand das Gefühl, dort wäre die Innenstadt ausgestorben oder so?

Wenn unsere Politik sich ein einziges Mal überlegen würde, warum die Menschen sich von a nach b bewegen und wie sie dort hinkommen könnten, die Lösung wäre schnell gefunden. Aber die Belange der Menschen treten seit langem hinter die Belange der Wirtschaft zurück. Arbeitsplätze und so, ihr wisst schon.

RE: Skandal und Moral | 04.03.2018 | 08:58

Liebe Karola, "selbstgemacht" ist die Flüchtlingskrise wohl schon - allerdings nicht nur von Frau Merkel. Deutschland unterstützt alle Krisenherde dieser Welt mit qualitativ wirklich hochwertigen Waffen.

Aber worauf ich eigentlich hinauswollte: Selbst wenn wir heute alle Zuwanderer rauswerfen, reicht HartzIV nicht für ein würdiges Leben von Familen, verrotten unsere Schulen und führen Mindestlohn und prekäre Arbeitsverhältnisse weiterhin unweigerlich in die Altersarmut und werden Automobilkonzerne subventioniert (nichts anderes sind Abwrackprämie oder E-Kaufprämie), während sie Rekordgewinne erzielen, die sie nicht in Deutschland versteuern.

Denn so war es auch schon vor "wir schaffen das". Vergisst man halt gerne, wenn es den Wahlkampfzielen dient.

RE: Skandal und Moral | 03.03.2018 | 12:23

Lieber AndyC,

ich glaube eben nicht, dass es am Zuzug von wem auch immer liegt. Man muss nur einmal weiterdenken: In unserer Grundschule wurden 3 "Willkommensklassen" gegründet - warum genau war vorher kein Geld für kleinere Klassen und bessere Betreuung da? Anders herum: wo genau war dieses Geld bis dahin?

Alles ruft "Flüchtlingskrise" - und gleichzeitig erwirtschaften wir Milliardenüberschüsse. Warum gibt es also überhaupt Armut in diesem Land? Denn die war schon vorher da. Natürlich, auch ohne die Tafeln leidet niemand Hunger - aber mit den Tafeln können Kinder auch mal ins Kino.

Und die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt - ja - worum konkurriert die? Um befristete Zeitarbeitsjobs, die weder zum Leben noch für eine Rente reichen. Denn trozt "Fachkräftemangel" ist die Branche mit dem größten Wachstum die Arbeitnehmerüberlassung. Kommt Ihnen das nicht auch komisch vor?

Hier im Raum Stuttgart ist bezahlbarer Wohnraum nicht nur knapp, er ist eigentlich nicht mehr verfügbar. Aber auch das war schon vor 2015 so, denn das liegt nicht am Zuzug von irgendwem sondern daran, dass die kommunalen Wohnungen an einen privaten Investor verkauft wurden. Und der macht nun, was Investoren halt so tun: Gewinn.

Unsere Regierung erwägt, die Dieselnachrüstung mit Steuergeldern zu subventionieren - während VW sich mit Rekordergebnissen brüstet. Fidnen Sie das wirklich nicht auch ein bisschen fragwürdig?

Aber, ich gebe zu, es ist schon bequemer zu sagen "die Fremden sind schuld" als "verdammt, wir haben einen Fehler im System".

Schönes Wochenende

Frl. Rottenmaier

RE: Skandal und Moral | 03.03.2018 | 07:43

Sie schreiben

"Von den 30 Wohnungen in dieser Wohnanlage werden 3 von "Biodeutschen" bewohnt. Am Meisten finden sich Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei."

um damit zu untermauern, den Menschen ginge es schlechter, weil mehr Flüchtlinge kommen.

Diese Menschen sind aber gar keine. Sie wurden von Deutschland eingeladen, hier zu arbeiten, unseren Wohlstand mit aufzubauen, all die harte Arbeit zu tun, die die Deutschen damals nicht selbst tun wollten und den Reichtum großer Unternehmen mehren, weil die Deutschen die Nachfrage gar nicht mehr selbst bedienen konnten.

Deutschland hat erwartet, dass diese Menschen nach getaner Arbeit wieder zurück in ihr Heimatland gehen, daher hat man sich keine Mühe gemacht, über Integration nachzudenken. Im Gegenteil, man unterstütze an meinem Heimatort die "Jugoslawische Schule", damit die Kinder der "Gastarbeiter" auch ordentlich die eigene Sprache lernen. Dass diese Kinder hier Wurzeln schlagen könnten war nicht vorgesehen. Und, dass man nach 40 Jahren in einem anderen Land das Herkunftsland nicht mehr als Heimat empfindet, das können sich die Deutschen, die ihre Vertriebenenverbände bis heute pflegen, nicht vorstellen. Dass die schwere Arbeit ganz nebenher auch nicht sehr gut bezahlt war, war Teil der Strategie.

Diese "Nicht-Biodeutschen" in Ihrer Wohnanlage sind daher viel eher die entwurzelten Opfer unseres Systems als die Nutznießer als die Sie sie sehen wollen.

RE: Skandal und Moral | 02.03.2018 | 18:10

Sie scheinen eine Kleinigkeit vergessen zu haben: Das vielzitierte "wir schaffen das" stammt Aus dem Dezember 2015. Bis dahin interessierte sich genau gar niemand dafür wie es sein kann, dass in einem so reichen Land ehrenamtliche Essen vergünstigt an Bedürftige ausgeben. Bis dahin fragte niemand, warum die Kinder Alleinerziehender in Armut leben, warum Menschen die Rente nicht zum Leben reicht. Also wenn man unter "Leben" einmal mehr verstehen möchte als "satt und warm". Als hätte es bis Ende 2015 keine prekären Arbeitsverhältnisse, keine vollzeit arbeitenden "Aufstocker" und keinen Pflegenotstand gegeben.

RE: Tallinn statt Templin | 17.02.2018 | 22:13

Diese Finanzierbarkeitsfrage ist doch nur vorgeschoben. So lange wir Geld für Förderprämien für Elektrofahrzeuge oder Abwrackprämien haben, so lange wir Geld ins Gesundheitswesen pumpen, von dem niemand weiß wo es bleibt und so lange wir uns Prestigeprojekte statt vernünftiger Infrastruktur leisten können - so lange kann mir niemand erzählen, dass es an Mitteln fehlt. Sie werden nur in die falschen Taschen geschoben.

Und: wäre der ÖPNV attraktiv, müsste man ihn gar nicht kostenlos anbieten. Wenn ich mich frage, warum ich mit dem Auto zur Arbeit fahre ist die Antwort stets: Weil ich selbst im größten Stau schneller bin. Weil es einfach an Verbindungen fehlt. Und ich arbeite in Sichtweite eines Daimlerwerks - hat dort wirklich jeder Arbeiter am Band ein Firmenfahrzeug?

RE: Neue Villen braucht das Land | 10.02.2018 | 19:19

Die Handhabung in Deutschland ist also anders als in anderen Ländern. Ist das deshalb unbedingt schlechter?

Wann immer Immobilienblasen platzen schaut man - zum Beispiel aus den USA - ganz interessiert nach Deutschland, wo Menschen in der Regel eben nicht mit 4-6 Personen in einem Motelzimmer oder gleich im Auto leben. Warum? Weil es Mietwohnungen gibt und daher auch Menschen, die nicht durch Hypotheken ruiniert werden.

Oder nehmen Sie Spanien - dort führt man die sinkenden Geburtenraten auch darauf zurück, dass junge Paare nicht von zuhause ausziehen und eine Familie gründen können, weil ihnen das Geld fürs Eigenheim fehlt.

2015 hatte Rumänien die höchste Eigenheimquote in Europa - für mich hat das Land jetzt nicht auf den ersten Blick Vorbildqualitäten.

RE: Neue Villen braucht das Land | 10.02.2018 | 12:26

2012 verkaufte die Landesbank Baden-Württember 21.500 Wohnungen (davon ca. 20.000 in Baden-Württemberg) an einen Investor und die Stadt Stuttgart schaute zu. Und das, obwohl die "Dringlichkeitsliste" von Menschen, die allein im Stadtgebiet von Wohnungslosigkeit bedroht sind, fast täglich länger wird.

Der Investor tut, was Investoren tun: Er verkaufte die Wohnungen mit Gewinn, das Nachsehen haben die Mieter. Das Unternehmen - inzwischen ist es Vonovia - verfügt über 350.000 Wohnungen. Wer so einen Vertragspartner hat, diskutiert sicher nicht mehr über so Kleinigkeiten wie eine fehlerhafte Heizkostenabrechnung.

Die Immobilienfirmen werden immer größer, ihre Macht wird es auch - und die Gesetzgebung folgt dann diesem Markt. Das bedeutet, Mietgesetze werden auf diese Klientel abgestimmt. Der Mieter wiederum genießt Schutz und Rechte, die in der Auseinandersetzung mit Großunternehmen kaum ausreichen, im Verhältnis mit einer Privatperson aber oft eine Nummer zu groß sind (ein Energieausweis ist toll - aber auch ganz schön kostspielig). Das wiederum bedeutet, niemand baut heute mehr privat ein Mehrfamilienhaus zur Vermietung, denn das zu verwalten ist ein Full-time-Job und so viel wirft es dann in der Regel doch nicht ab.

Und dieses Problem will unsere neue Bundesregierung angehen, in dem man für eine sehr büerschaubare Gruppe Menschen den Anzreiz schafft, sich ein Häuschen zu bauen? Das ist doch ein Witz. Ein trauriger allerdings.

RE: Die Ausdauerläuferin | 10.02.2018 | 12:02

Das Durchhaltevermögen dieser Frau ist beeindruckend. Gegen alle Widerstände vollbringt sie ganz unbeirrt konstante, sportliche Höchstleistungen. Man muss sie ja nicht gern haben - aber wirkt es nicht, gerade im Hinblick auf das Rumgeeiere mit dem russischen Staatsdoping total deplaziert, auf ihrem angeblichen Dopingverdacht herumzureiten?