Gedanken zum Antisemitismus und die sog. Islamphobie

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Ursprünglich als ein Kommentar zu Angelias Blogbeitrag: Antisemitismus und kein Maßstab? gedacht.
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Der wesentliche Unterschied zwischen der sog. Islamphobie und Antisemitismus ist m.E., dass sie beide eine ganz andere Geschichte haben. Die emotionale „Klaviatur“ ist aber gleich: Fremdenangst, Rassismus, die Geringschätzung anderer Kulturen und die Angst, von anderen Kulturen vereinnahmt bzw bedroht zu werden..

Es gab in den letzten Jahrhunderten viele Pogrome gegen Juden – diese entstanden niemals aus sich heraus, sondern wurden von interessierter Seite inszeniert und geschürt - die eigentlichen Antriebe waren Machtgier, ökonomische Interesse und religiöser Fanatismus. Und sie waren stets begleitet von Horrorgeschichten aller Art, die man den Juden anhängte. Der christlich motivierte Antisemitismus hat dabei immer eine grundbestimmende Rolle gespielt.

Ein Beispiel: Die Geschichte vom „ewigen Juden“; kursiert schon seit dem 13. Jh.
Auch der NS-Propagandafilm, der den Holocaust propagandistisch vorbereiten sollte, hatte den Titel „Der ewige Jude“. Siehe dazu auch Kommentar 126 und.

Der in unserer Geschichte, immer wieder forcierte Antisemitismus ist wahrscheinlich in fast Jedem noch irgendwo - oft ganz tief und kaum bemerkbar – abgespeichert. Jeder Mensch ist ja auch Träger der Kulturgeschichte die er und seine Vorfahren durchlebt haben.

Der Antisemitismus sitzt sehr tief und ist komplex verankert. Er konnte aus diesem Grunde so schreckliche Ausmaße annehmen und wird von daher auch immer wieder möglich - weil abrufbar sein.

Die sog. Islamphobie hat eine andere, weniger komplexe und jüngere Geschichte. Mitteleuropa hatte sehr wenig Berührungspunkte mit der muslimischen Welt. Und der religiöse Hintergrund hat bei weitem nicht die Tiefe und Intensität, wie der des Antisemitismus.
Interessanter Blogbeitrag hierzu: Zur Überheblichkeit des Westens gegenüber dem Islam.
Die Großmachtinteressen der USA und Europa und die Spaltung der Bevölkerung scheinen da eher die Motive der derzeitigen islamfeindlichen Propaganda zu sein.

Die sog. Islamphobie folgt m.E. aber einem ähnlichen Muster wie der Antisemitismus:

Die Islamisten - so sagen die Rechtspopulisten - durchsetzten die Welt mit ihren Netzwerken, sie wollen Macht ausüben und ihre „Machtsymbole“ in Form von Moscheen und Minarette setzen. Sie seien eine rückständige Rasse, steinigen ihre Frauen... Wollen sich nicht integrieren.... Sie stellen eine Gefahr für unsere Kultur dar.
Die angebliche Neigung zum Terrorismus, die die Rechtspopulisten den Muslimen zuschreiben, kommt noch dazu.

Und es scheint anzukommen: Sinus-Milieu-Studie

Und gewalttätige Menschenverachtung gibt es immer noch.
Wenn mehrere Menschen einen anderen auf dem Boden Liegend so lange treten, bis er sich nicht mehr regt. Oder die amerikanischen Gefängniswärter im Irak, wehrlose Häftlinge bis zum Äußersten demütigen. Wenn, wie im Balkankrieg, Hinrichtungskommandos ganze Dörfer ausrotten. Und Asylantenheime, wie noch vor wenigen Jahren brennen. Fernab vom Kriegsschauplatz ein smart gekleideter Angestellter des Militärs, per Knopfdruck, ganze Häuserzeilen vernichtet - ohne zu wissen, ob Zivilisten dort Schutz suchen.
Dann wird offenbar, wozu der Mensch fähig ist und man sieht, was den Holocaust möglich gemacht hat und immer noch möglich macht.

Weil Menschenverachtung so aktuell ist, kann man den Holocaust nicht als isoliertes Geschehen betrachten.

Wenn man über Antisemitismus spricht, sollte man m.E. auch über Antiislamismus oder „Islamphobie“ sprechen.
Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, kulturelle Überheblichkeit, Angst vor Dominanz – das ist beiden gemein.

Und es sind immer „interessierte Kreise“, die sich tief sitzende Vorurteile und Ängste zunutze machen und weitere Vorurteile produzieren, um gegen eine Bevölkerungsgruppe zu mobilisieren. Das sollte man nicht außer Acht lassen.

Und das Gegenmittel?

Menschen unterschiedlicher Kulturen sollte sich auf Augenhöhe begegnen.

Aufklärung über die Kultur-Geschichte der Juden und Muslime.

Information über die Herkunft von Vorurteilen.

Aufhören, anderen Kulturen die eigenen Vorstellungen eines gesellschaftlichen Zusammenlebens aufzudrücken.

Politik sollte der Menschlichkeit verpflichtet sein - Probleme pragmatisch und unabhängig betrachtet und mögliche Lösungen tabulos angedacht werden.
Interessant dazu auch: EIN Staat ist die Lösung

Maßstab für alle Lösungen: Die Menschenrechte.

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20:33 18.02.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Fro

Bürgerperspektive
Schreiber 0 Leser 11
Fro

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