Das geistige Eigentum

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Die Plagiatsaffäre wäre ja auch mal eine Gelegenheit, das Problem des geistigen Eigentums im Internetzeitalter etwas tiefgründiger zu behandeln. Wo heutzutage die Journalisten für ihre Recherchen weder einen Telefonhörer in die Hand nehmen, geschweige denn raus in die Welt gehen müssen, da stellt sich doch die Frage: Wo hört "Mal eben schlau machen" auf, wo fängt das Plagiat an.

Natürlich hat die VG Wort da ein System gefunden, um die Selbstbedienung bei den Kollegen Journalisten/Bloggern wenigstens finanziell ein wenig auszugleichen. Aber das sie das System auf diese Weise anerkannt wird, macht die Situation nicht besser: Einer macht ein Interview und findet die Redewendungen seines Gesprächspartner in dem Features der Kollegen wieder. Natürlich geht das nur ohne Quellenangabe, denn sonst würde ja ein Viertel des neuen Textes nur aus Verweisen bestehen. Besonders Agenturmeldungen haben es schwer: Drei von ihnen werden zerpflückt, neu zusammengerührt und das Konglomerat mit einem neuen Autorennamen versehen. Die Agenturen nehmen es schweigend hin, sich darüber aufzuregen, ist heutzutage unprofessionell. Und schadet dem Markt.

Solche Klauereien sind üblich geworden, und es wäre natürlich Quatsch, sie zu verteufeln oder verhindern zu wollen. Aber wenn lokale Zeitungen sich zu bundesweiten oder internationalen Themen äußern, dann besteht die Recherche meist ausschließlich aus zwei Stunden im Netz. Diese Kurzzeitexperten der "Kleinkleckerdorfer Allgemeinen" ergießen ihre Erkenntnisse in Features, schrauben noch einen Kommentar an, in dem sie dem israelischen Ministpräsidenten gute Ratschläge erteilen. Nach dem Motto: Wer so selbstgerecht ist, der muss ja wenigstens Bescheid wissen. Ist aber nicht so. Die Leser sollen auch nicht gut informiert sein, sondern sich nur gut informiert fühlen.

Was ich eigentlich sagen will: Mehr Kisch! Hingehen, gucken, schnuppern, zuhören. Und dann wiedermal den eigenen Kuchen backen! Der schmeckt auch, wenn er ein wenig angebrannt ist.

12:55 19.02.2011
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Geschrieben von

HRO-Frank

Ich will mitreden.
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