Fred Thiele

„Das schwere Herz wird nicht durch Worte leicht. Doch können Worte uns zu Taten führen.“ (Friedrich Schiller)
Fred Thiele
RE: Wild umherfliegende Schnipsel | 31.05.2013 | 12:05

Wie zu seiner Zeit Oliver Stone in "Natural Born Killers" meines Wissens das erste Mal die "Wackelkamera" eingesetzt hat und daraus dann die Erlebnis- und Mitfühlperspektive des Zusehers noch verstärkt wurde, so erscheint mir die heutige Verwendung von Handy-Bild- oder Videomaterial nicht minder "produzier". Teilweise in grotesk-schlecht aufbereiteter Qualität spielt man, sofern man die konspirative Kontrabande einer propagandistischen Grundlage des Materials akzeptiert, mit der Fähigkeit des sehenden Auges, die absichtliche Reduktion des Materials durch das "geistige Auge" ersetzen zu lassen und es dadurch viel "erschreckender" wirken zu lassen. Solche Eindrücke bei Gore-Videos zu hinterlassen mag dort eher dem Reiz der Magenwände und der Lust am Adrenalinausstoß des Zusehers geschuldet zu sein, der ja nachweislich aus Horror- und Ekelsituationen erwächst. Im Zusammenhang mit allerdings politischer Propaganda wird es (mir) ernst (und bange). Wie etwa die angeblich durch die syrische Armee hingerichteten Menschen, die in der vermeintlichen Wirklichkeit durch professionelle, ausländische Söldnerbanden getötet und geschändet werden, oder umgekehrt - so genau weiß das eben keiner, da die Wahrheit im Kriege nie auf einer Seite zu suchen ist, weshalb man den Krieg grundsätzlich abzulehnen hat. Dort werden Handy-Videos präsentiert, auf denen man kaum etwas sieht, man erkennt nur, dass es sich um etwas äußerst menschenfeindliches handeln muss. Ist das Kalkül solch schlechten Bildmaterials und die damit verbundene und emotional stärker beeinflusste öffentliche Meinung beweisbar? Die an HD-Material in Dolby-Surround sattgesehenen Glotzkistenverehrer auf dem Weg des "Terroristen"-Videos zu beeinflussen hat jedenfalls seit jenem Frühling (arabisch, amerikanisch) gefühlt zugenommen.

Aus meiner Sicht ist die Verwendung radikalem und reduziertem Bildmaterials, was nur unterbewusst den Horror und die Greuel beim Zuseher aktiviert ein gern-genutztes Mittel, das HD-geschwängerte Narichteneinerlei um sogenannte "Authentizität" zu erweitern. Das gibt es einen psycho-visuellen Kontext, einen hormonell-biologischen und einen medienpropagandistischen Effekt. Alle Kontexte sollten in einen Zusammenhang gebracht werden und das Bewusstsein des Sehers, zum Beispiel im Falle des angeblichen Assad-Soldaten, der ein Herz seines Gegners verspeist, sollte ihm einschärfen, dass das erste Opfer des Krieges immer die Wahrheit ist.

RE: Wagner und das Weib der Zukunft | 22.05.2013 | 19:39

An Wagner muss der Genderismus am Ende scheitern. Oder sich neu erfinden.

RE: Das heilige Monster | 22.05.2013 | 17:45

Ich entschuldige mich für die Rechtschreib- und den Rechenfehler und gelobe Besserung. Es sind natürlich nur 400 Jahre von 1543 bis 1943. Ich wünsche mir außerdem eine Editiermöglichkeit der eigenen Kommentare. ;-)

RE: Das heilige Monster | 22.05.2013 | 17:40

Es gibt drei Wertungslinien. Die der Person, die des Werkes und die der Bezüge der Person zum Werk. Ich selbst habe mich sehr erschrocken, als ich herausfinden musste, dass mein Zugang zu Wagners Musik und mit ihr der Zugang zur Oper überhaupt über die Rienzi-Overtüre geschah und dies offensichtlich auch bei dem personifizierten Unheil des 20. Jahrhunderts genauso gewesen sein soll. Das Erweckungserlebnis Herrn Hitlers als 17-Jährigen wirft also den größtmöglichsten Schlagschatten des Verbrechertums auf Wagner und damit auf sein Werk. Ich sage nein. Es wirft diesen Schatten, aber zurück in der Zeit. Der, wie ich finde, Unabdingbarkeit eines Antifaschismus frönt man nicht, in dem man die Interpretationsebenen einer künstlerischen Entwicklung, zumal der von Wagner, völlig aus dem Zeitkontext löst und ihn zum Pre-Nazi herabdegradiert.

Ihm Übrigen warte ich noch auf das Geschrei der Bemühten, wenn es um die wesentlich eindeutigeren Äußerungen des Judenhassers Martin Luther geht. Ich empfehle zur Lektüre diese Seite, wo sich mit dem Pamphlet auseinandergesetzt wird, dass auch in der Nazizeit als "Beleg" für die Richtigkeit des faschistischen Antisemitismus herzuhalten hatte. 500 Jahre sind offensichtlich lang genug, um den eindeutigen Hass zu vergessen, wo 100 Jahre mit einem Fingerschnippen zusammenfallen.

Nein, ich bleibe Wagnerfreund. Und Antifaschist.

Aus dem verlinkten Dokument von Martin Luther, 1543:

"Also thue man hie auch, verbrenne ihre Synagogen, verbiete alles, was ich droben erzählt habe, zwinge sie zur Arbeit, und gehe mit ihnen um nach aller Unbarmherzigkeit; wie Mose that in der Wüste und schlug drei tausend todt, daß nicht der ganze Haufe verderben müßte [..]"

RE: Piratin für den Wahlkampf | 21.05.2013 | 16:39

Endlich wieder eine Person mit Ausstrahlung und Verstand.

RE: Neue soziale Gerechtigkeit? | 21.05.2013 | 16:35

Interessant ist auch, dass bei dem Millionenetat auch nicht damit gespart wird, im Facebook Stimmen zu kaufen. 22 meiner ca. 1200 Literaturfreunde werden dort als "Gefällt-mir"-Geber gelistet, von denen einige vermutlich unwissentlich oder gar ungefragt Zustimmung bekunden. Es ist mir selbst einmal passiert, dass ich eines Tages feststellen musste, ich hätte der INSM-Seite mein 'Like' geschenkt, was ich umgehend rückgängig gemacht habe. Derzeit hat diese Initiative über 100,000 "Freunde", wobei dann natürlich die Informationen dieses neoliberalen Thinktanks durchaus an ein Vielfaches an Menschen ausgeschüttet werden dürfte.

Die meisten wissen nicht, was genau sie da unterstützen und mithelfen zu propagieren. Daher kann nur Aufklärung die logische Folge sein.

RE: Liebe Kinder, ihr stört! | 16.05.2013 | 00:37

Schön geschrieben. Leider existieren im realen, nicht-satirischen Leben Subjekte die ihren Beitrag mit Begeisterung begrüßen würden.

RE: Unser täglich Fleisch | 16.05.2013 | 00:05

Ich finde es großartig einen solchen Fleischeslustfreundlichen Artikel im Freitag zu lesen. Zu betonen ist die Sache mit dem Respekt. Der bewusste Kauf von Fleisch von Bauernhöfen dessen Arbeitsweise nan kennt und denen man vertraut, ist eine Möglichkeit zu Bekundung jener Achtung vor dem Tier.

RE: Sagt bloß nicht Opfer | 15.05.2013 | 23:48

Indem sie ihr Kind aufzieht, kann sie tatsächlich noch etwas Sinnvolles leisten. Die Qualität der politischen Arbeit der Quotenfrau Schröder ist indes kein Thema. Sie ist vernachlässigbar.

RE: Schaut doch woanders hin | 15.05.2013 | 23:36

Anstelle die Problematik von präventiven Angstschlägen gegen den eigenen Körper zu thematisieren und dass die ganze Früherkennungsmaschinerie mit dieser Angst vor allem auch Profite generiert - stattdessen wird also die heilige Kuh des Feminismus, also der Sexismus auf das Glatteis geführt. Uch ärgere mich den Artikel gelesen zu haben.