fuldina
16.03.2017 | 21:14 4

Nur nicht unter meinem Dach!

Islamophobie Das Bild des Islam rückt in den letzten Jahren immer mehr ins schlechte Licht. Wie würden Sie reagieren, wenn Ihr Kind sich in eine Muslima/ einen Moslem verliebt?

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied fuldina

Alle tun immer auf offen und tolerant, doch wenn es plötzlich heißt „Mein Freund ist Moslem.“, drehen viele Eltern durch.

„Er wird dich schlagen, Muslime schlagen ihre Frauen. Du wirst eine von Vieren sein. Du wirst unglücklich werden, die bringen sich gegenseitig um. Du wirst eine Burka tragen müssen und wirst keine eigenen Rechte haben. Und wenn ihr euch trennt, wird seine Familie dich aufsuchen, dir deine Kinder nehmen und uns alle umbringen.“

Und wie ist die Person? Sie ist hier geboren und aufgewachsen, hat einen deutschen Pass, sein Abitur absolviert und einen Uni- Abschluss. Gläubig ist er, ja; doch das heißt nicht, er wisse nicht, was richtig und was falsch ist.

10 Jahre später.

Die zwei haben sich gegen den Willen der Eltern vermählt, haben zwei Kinder und sich gerade ein Haus gekauft. Man geht Kompromisse ein, denn genau so funktioniert eine Ehe, indem man als Team arbeitet. Die beiden sind glücklich.

Doch noch heute heißt es von den Eltern: „Mit einem Christen, einem Europäer hättest du ein besseres, glücklicheres Leben gehabt.“

Wieso ist das Bild gegenüber dem Islam hier so negativ, so voller Vorurteile?
Viele sagen, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, nicht zu Europa. Jedoch hat Europa dem Islam vieles zu verdanken, wie z.B. in Bereichen der Mathematik, Physik, Medizin, Biologie und vielem mehr. Im Koran selbst steht drin, die Erde bewege sich in einer Umlaufbahn, ist nicht der Mittelpunkt der Galaxie und dass sich das Universum ausbreitet. Wieso redet man nicht über solche Aspekte des Islam? Sollte sich nicht ein jeder an die eigene Nase fassen, bevor er urteilt? Entsteht vielleicht, vor allem durch die Medien dieses negative Bild des Islam? Wieso zückt nicht ein jeder dieser Menschen mit Vorurteilen den Koran raus und liest darin? Weiß überhaupt einer, um was es sich bei dieser Religion handelt, was sie die Menschen lehrt? Und wieso zitieren Zeitungen nur einen Vers aus den Suren? Viele wissen nicht, dass man einen Vers oder einen Satz des Korans nur versteht, wenn man seinen Zusammenhang in der Sura kennt.

Und nun zur Aussage: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland!“ Da empfehle ich Euch allen die Werke Goethes, Lessings und Schillers zu lesen. Alle preisen den Koran und loben ihn wegen seiner künstlerischen Schreibweise; Goethe selbst hat Teile dessen übersetzt.

Leider muss man sagen, dass viele nur das wahrnehmen, was sie hören und präsentiert bekommen, anstatt sich selbst zu informieren. Natürlich rücken die Terroristen den Islam in ein schlechtes Bild, jedoch gibt es sowohl in jeder Religion, als auch in jedem Land Verrückte; so etwas darf man nicht verallgemeinern. Den Leuten aus meinem Umfeld, die voller Vorurteile gegenüber dem Islam sind, appelliere ich dann gerne dazu auf, sich mit dem Judenbild Ende des 19. bis Anfang/ Mitte des 20. Jahrhunderts auseinanderzusetzen. Man könnte meinen, man befinde sich in einer ähnlichen Zeit, nur, dass mittlerweile die Muslime die „bösen“ sind.
Es scheint, als hätten viele nichts aus der Geschichte gelernt und man kann nur hoffen und beten, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (4)

Lethe 18.03.2017 | 23:43

Wie würden Sie reagieren, wenn Ihr Kind sich in eine Muslima/ einen Moslem verliebt?

Ich würde mir anschauen, wes Geistes Kind dieser Mann oder diese Frau ist. Muslim/Muslima ist nicht gleich Muslim/Muslima, genau so, wie auch Kristen nicht gleich Kristen sind. Manchen wissen, was mit Humanismus gemeint ist, manche wissen es nicht. Manche wissen, was Emanzipation ist, manche nicht. Manche lassen ihrem Partner/ihrer Partnerin jede religiöse Freiheit inklusive der Freiheit zum Atheismus, manche nicht. Manche sind trotz ihrer Religion Freigeister, manche nicht. Manche sind engstirnige, bormierte Idioten, manche nicht. Die Liste kann beliebig verlängert werden.

Wenn mein Kind ein fundamentalistisches A....loch gleich welchen Geschlechts mit nach Hause brächte, würde ich es bitten, sich eine eigene Wohnung zu nehmen und bei etwaigen Besuchen nur allein zu kommen, jedenfalls solange diese Beziehung anhält. Das gilt bezüglich jeder Religions- und Ideologiezugehörigkeit. Wenn der Partner/die Partnerin ein Freigeist ist, sind mir religiöse und ideologische Zugehörigkeiten egal. Wobei es dann interessant wäre zu beobachten, wie er/sie Freigeistigkeit und religiös/weltanschauliche Zugehörigkeit unter einen Hut bringt.