G. Holmes

Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: „Die Lebenslüge: Nichts muss sich verändern“ | 03.11.2021 | 14:11

... und machen ihre Dörfer in den slums wieder auf, damit wenigstens noch irgendein Anhaltspunkt von ihrem gemeinsamen Menschsein übrig ist.

RE: Bermudadreieck am Baikalsee | 03.11.2021 | 14:03

Baikal

Auf deiner spiegelglatten Wasserfläche

schwimmt mein Gesicht in sommerlicher Ahnung,

daß sich an dir die ganze Schöpfung räche,

und daß dein Sterben nur die letzte Warnung.

In deinen Ufernebeln wachen Morgentränen,

suchen Fischer weinend ihre reiche Beute.

Die Macht der Tiefe birgt ein unheilvolles Sehnen:

ein altes Zauberreich, ein neues Heute.

Mit deinen wintereis'gen Überlebensschollen

deckst du das letzte Reich der großen Fülle zu,

daß Wirbeltotenwinde drüber tollen;

die verschwinden leise, und im kleinsten Nu

ist deine wunderheile Welt Geschichtsbemerkung,

dringt in mein Haus mit kümmerlichen Sätzen –

noch geben deine Berge dir Verstärkung,

sind Wächter deinen vierblättrigen Schätzen.

Und deine spiegelglatte Wasserfläche

bricht noch in jedem Frühling aus den Nähten.

Aus Eisesstillen werden Fischspielbäche.

Lass sterben, die nach deinem Reichtum spähten!

(Holmes, 1991)

RE: „Die Lebenslüge: Nichts muss sich verändern“ | 02.11.2021 | 11:39

Auf dem Dorfe sprach sich's rum:

bescheid'ner Wohlstand ist nicht dumm.

RE: „Die Lebenslüge: Nichts muss sich verändern“ | 02.11.2021 | 10:04

„Disposition des Menschen“: (Resultat einer) Fehlpositionierung menschlicher Bedürfnisse durch jahrzehntelange gezielte Austreibung von Mitgefühl und Klarsicht mithilfe eines Überangebots an Ersatzbefriedigungen.

RE: „Die Lebenslüge: Nichts muss sich verändern“ | 02.11.2021 | 06:54

„Was ist, wenn der Wachstumszwang nicht nur aus dem Kapitalismus, sondern aus der Disposition des Menschen kommt?“

Sehr geehrter Hr. Egger, ich bilde mir ein, zu verstehen, was Sie mit dieser Frage meinen und antworte Ihnen so:

Die Disposition des Menschen hat vor allem alle anderen, nämlich Tiere und Pflanzen in eine Lage gebracht, die deren Überleben unmöglich macht.

Dieselbe Disposition nimmt die Zerstörung und Auslöschung ihrer eigenen Lebensgrundlage in Kauf und befördert sie.

Eine Disposition ist es, die so etwas Einzigartiges wie das Leben auf der Erde zur Disposition stellt.

Da nehme ich doch die Disposition als Krankheit und suche ein Heilmittel – nicht aber nehme ich auch noch die Disposition selbst in Kauf!

Was ist das eigentlich für eine Frage!

RE: Zehn Minuten sind mir zu schnell | 25.10.2021 | 08:47

Ach, das ist schön zu lesen an so einem Montagmorgen, wenn ich auch selten Schlange stehe für etwas – denn meistens brauche ich das nicht, was mich am Ende der Schlange erwartet.

Aber das Geduldigsein erinnert mich an die immer heller werdenden Scheinwerfer von Autos und anderen Radfahrzeugen, an diese Täuschung, der man erliegt – damit man immer schneller fahren kann und dabei immer besser sehen, sich selbst immer sicherer fühlen und andere immer besser ausblenden kann – damit die Strecke von A nach B nichts weiter mehr ist, als ein Rausch ohne Außenwelt.

Am Ziel angekommen hat man dann zwar eine ältere Dame übersehen, die vom Licht fast erblindete und am Wegrand stehend mit beiden Armen die Augen bedeckte, man hat wegen der hohen Geschwindigkeit und trotz gleißenden Lichtes ein Tier zu spät erkannt und umgefahren, aber liegen gelassen, um nicht zu spät zu kommen (liegt jetzt noch da und atmet schwer), man wurde geblitzt und darf einen entsprechenden Bescheid erwarten, hat bei einem Überholvorgang sieben andere in Gefahr gebracht, und es nicht gemerkt – alles nimmt man in Kauf für das wohlige Gefühl ganz schnell gewesen zu sein.

Es fehlt so ganz das Bedürfnis, wahr zu nehmen, was um einen herum geschieht, also einfach gesagt: wie der Käse auf der Pizza aus der Milch wurde, die von der Kuh kam, die behäbig auf der Weide graste, und wie die Tomate an dem Strauch wuchs der einen herben Duft ausströmt (an den Orten, wo das so noch vorkommt), und wie der Sommerwind durch den Glanz der Ähren fährt, die sich dann als Ganzes wie eine Meeresoberfläche zeigen, auf die sich der Morgen legt.

Was für Teile des Lebens sind aber diejenigen, die ich nicht für wahr nehme und die gleichzeitig so wahr sind, das mein Leben davon abhängt?

RE: Spritze oder Geld her | 17.09.2021 | 20:47

Ein Gedicht darf heutzutage auch so aussehen (und dann Lyrik heißen):

Die Tage, die ich in meiner Gesamtschule verbrachte,

waren allesamt Tage, an denen ich gezwungen wurde

selbst zu denken

und eigene Schlüsse zu ziehen.

Ich war verdammt, alles Mögliche zu unternehmen,

um an die Informationen zu kommen,

die dazu nötig waren.

Lehrer und Lehrerinnen aus Zeiten,

in denen der Aufstand geprobt und durchgeführt worden war,

hielten mich an, zu sein, wer ich bin.

Fragen konnten nur an die dafür auserwählten Persönlichkeiten gestellt werden –

Berthold Brecht, Ingeborg Bachmann, Sophie Scholl, Wolfgang Borchardt,

Hilde Domin, Günther Wallraff, Rudi Dutschke.

Wer Goethe kannte,

aber nicht wusste, was in Hinterasien, den Slums von New York

und in Vietnam vor sich ging,

war kein Mensch.

Aber er wurde zu einem gemacht.

Die zu sein, vor denen mich meine Eltern immer gewarnt hatten,

war ein Privileg.

Und die Warnungen kamen meistens aus der Angst,

erkannt zu werden – die Angst der Alten,

die im nationaldiktatorischen Sozialismus das Schweigen gelernt hatten.

Anstatt das Reden und das Einstehen für das,

was man gesagt hatte. Oder getan.

Kurzum: Auch das Ungereimte hat zuzeiten eine Aussage.

Manchmal Jahrzehnte später.

In Zeiten, in denen das Gelernte nützlich sein könnte.

RE: „Grünes Wachstum“ wird uns nicht retten | 03.09.2021 | 06:14

Wir Untertanen können uns keine „Thinktanks“ leisten, aber wir können lernen selber zu denken und freilaufende Gedanken nahrhafte Eier legen zu lassen ;-)

Ein schöner Satz, den ich mit in den Tag nehmen werde – oder in die Wochen.