G. Holmes

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RE: Sputnik-Schock, Version 2020 | 22.08.2020 | 17:09

Ein Fall für RARG — auch als Kinderstunde geeignet.

NFTS and British Screen

A Tony Collingwood Film, 1989

Also, wer's mit Humor nehmen will. ..

Gibt' s auch bei youtube.

RE: Riskante Willkür | 18.08.2020 | 11:03

Vor etlichen Wochen ist mir im Autoradio (DLF) eine Diskussionsrunde untergekommen, bei der unter anderem die Frage nach der Berechtigung einer weiteren Blockade allen gesellschaftlichen Treibens (lockdown) diskutiert wurde. Es stand die Behauptung im Raum, dass es rechtlich unmöglich sei, das zu wiederholen.

Voraussetzung für die weitgehende Freiheitseinschränkung und Entrechtung sei nämlich gewesen, dass die Lage, in der man sich befunden habe unbekannt/unsicher war, das Virus unerforscht – umgekehrt also: Die Erforschung des Virus und der jetzt eingebürgerte Umgang mit demselben hat inzwischen so weit geführt, dass ein erneuter „lockdown“ auf Basis der neuen Erkenntnisse rechtlich überhaupt nicht mehr durchzuführen ist.

Gibt es hier eine*n, die darüber etwas weiß?

RE: Wenn in der Bahn der Staat zerbröselt | 15.08.2020 | 10:23

Vielen Dank, Gil! Auch ich beobachte insgesamt einen beständigen Niveauverlust — leider nicht nur grammatisch und orthographisch, da könnten wir uns leicht auf Regeln einigen (was wir getan hatten). Nein, eben auch inhaltlich und in Stil und Weitblick. Nun geht es ja heute in vielen Fällen nicht einfach um gute Berichterstattung. Wir neigen dazu, Momentaufnahmen zu schildern, aus denen sich die Leser*innen dann selbst ihren Bericht erfinden.

Wenn Demokratie, wenn Vielfalt die Basis ist, dann muss diese Vielfalt überall gelebt werden. Beide, der Strohhut und sein Widersacher haben ihre Berechtigung. Die ganze Zeit frage ich mich, warum Schweden so verdrängt wird in der Handhabung, im Umgang mit dem CoViD. Genau dort sehen wir doch, dass Menschen in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu treffen. Kann nicht eine*r einen Mundschutz wählen und ein*e andere*r nicht? Zumal, wenn ein Gesundheitssystem stabil funktioniert.

Ich bin noch immer in Schockstarre — nicht aus Angst vor einem Virus, sondern im Klaren darüber, dass zu Beginn des Ganzen ganze Staaten Angst vor diesem Virus verbreitet haben, anstatt Menschen in einer solchen Zeit auf Händen zu tragen und in Sicherheit zu wiegen. Und vielleicht noch wegen der Erbärmlichkeit, aus der heraus Menschen danach in eigenem Interesse handeln, die ansonsten ohne mit der Wimper zu zucken, Flora und Fauna, Wasser und Boden, noch dazu die Luft zum Atmen und den Geist zum Leben niedermachen und ausmerzen.

Ganz übersehen wird auch die Anzahl der Toten, was auch immer die zugrunde liegende Todesursache gewesen sein wird — auch in Deutschland werden wir eine hohe Zahl an Toten sehen. Nur werden eben während der Diktatur der verschlossenen Lippen nicht alle auf einmal gestorben sein.

RE: Wo bleibt der Aufschrei? | 07.07.2020 | 12:18

Warum habe ich bloß das Gefühl, dass diejenigen aus Verlustangst am lautesten schreien, denen von dem Vielen, das sie haben ein Weniges weggenommen werden soll? Das auch noch aus reiner Fürsorge – Sorge um das Tier, versteht sich. Denn so ein Mensch ist ja gut informiert und weiß selbst, woran er besonders gut stirbt.

Ich denke an die Geschichte von den Kindern und den Kriegen: Kaum ist der Krieg im Anmarsch, steigt die Geburtenrate. Ob's stimmt hab ich nicht nachgehalten. Deutlich ist aber: Kaum redet man von Verteurung bei Sprit oder vom Ende des Ölzeitalters, schwups, haben wir die Motormonster auf den Straßen und die Ölschlucker in den Gärten. Kaum redet man vom Klimakollaps, schwups, sitzen sie alle auf Turbotreckern und Kerosinflügeln. Kaum redet man von Quarantäne, schwups, ist kein Klopapier mehr da.

So kommt es, dass nicht nur die Schweine vor Schmerz schreien, sondern auch die Menschen – aus Angst, man könnte ihnen das Schwein wegnehmen. Das Konsumlevel ist inzwischen so hoch, dass selbst der Minimaleinschnitt eine Trotzlawine nach sich zieht. Das liegt an der prallen Form des Bauches. Da ist einfach keine weiche Masse mehr, die den Schnitt abfedern könnte.

Ich stelle mir vor, dass die Rettung aus dem Desaster ein Leben von Angesicht zu Angesicht wäre: Die Tiere müssen raus aus dem Stall. Jeder Mensch sollte zu den Tieren seiner Umgebung eine taugliche Alltagsbeziehung aufbauen dürfen. Ein Bewusstsein für das Leben der anderen entwickeln – auch wir Menschen verlieren es ja, wenn wir uns durch die Wände dunkler Ställe gegenseitig nur als Lebewesen mutmaßen. Das unsichtbare Tier ist nicht immer ein Einhorn. Es kann auch mal ein Nichts sein.

RE: Namenlose Qualen | 18.06.2020 | 20:48

Es war 1985. Das Gebäude war damals noch weiß, höchstens grau. Ich stand davor, völlig unvorbereitet, weil mein Freund mich einfach mitgenommen, vor dem Gebäude platziert und sich neben mich gestellt hatte. Der Kasten sah mir nach einem Schlachtschiff aus und ich fragte, ob ich jetzt auf dem Weg in ein Kriegsmuseum sei. Ich war jung. War unerfahren.

Er: Nein. Drin werden Leute wie du zu medizischen Zwecken genutzt. Es werden Medikamente getestet. Er sprach meine rege Phantasie an. Ich konnte es ihm nicht verdenken, denn genau die hatte mich schon in andere schwierige Situationen gebracht. Er kannte meine Empfindsamkeiten. Ich begann also, Leute wie mich hinter den Mauern zu visualisieren, Menschen und Tiere, die, medizinischer Zwecke wegen, zu Versuchsobjekten degradiert worden waren.

Es kam nichts Gutes dabei raus. Ich sah Kittel und Felle, sah Pfoten und Hände, sah Flügel und Schultern, sah Kolben, Spritzen, Petrischalen, Blutstropfen, eröffnete und sich windende Leiber. Mir wurde übel und erst später klar, dass es sich um eine Tierversuchsanstalt handelte. Das machte das ganze nicht besser, weil ich zwischen meinem eigenen und dem Leben fremder Tiere nicht unterschied. Das Leben hinter den Mauern war die Schlachtbank meiner Albträume.

Jetzt, da ich das Titelfoto hier sehe, wird mir klar, dass ich dieser (An)Lage niemals entkommen bin. Im Gegenteil: Immer wird ein Teil von mir ein Tier sein, dass hinter Mauern mit Luftabzugsrohren Schreie in eine Luft entlässt, die verseucht ist von Ausdünstungen der Medikamente, die mich das Leben kosten. Es wird krass klar, dass aufgedunsene Leiber, zerschnittene Felle, aus den Höhlen hervortretende Augäpfel und zitternde Krallen meinen Weg in eine empfindsame Wahrnehmung begleitet oder dieselbe überhaupt erst ermöglicht haben.

Ich bin nie mehr auch nur in der Nähe dieses Gebäudes gewesen. Und doch verletzt mich dessen Nähe noch heute.

RE: Die Welt der Sorge | 17.06.2020 | 19:06

Morgentot

Wir fahren des Morgens die Vögel kaputt –

die Rehe, die Füchse und Hasen.

Nicht etwa, weil wir sie nicht lieb haben könnten.

Sondern nur, weil wir so gerne rasen.

Die Igel, trotz Stacheln, entgehen uns nicht.

Das Gummi ist stets runderneuert.

Zwar kennen wir unsere Menschenpflicht,

doch scheuern wir durch, pflichtbesteuert.

Wir nehmen noch Wiesel und Waschbären mit.

Schließlich bezahlen wir gut für den Spaß.

Die Bremsen sind top. Und wir hab'n genug Sprit

und Geschwindigkeit, unser Idol – ohne Maß.

Wir sammeln die Flügel am Wege nicht ein –

die Augen, die Felle, die Pfoten.

Nicht etwa, weil wir kein Gespür für sie hätten.

Wir woll'n nur nix zu tun hab'n mit Toten.

(copyright bei der Verfasserin)

RE: Ein Hauch von Eugenik | 01.05.2020 | 10:09

Ja. Auch mir blutet da das Herz schon lange — fast verblutet. Und nur Sandkorn angesichts der Größe. Aber sehen Sie, eines lerne ich in dieser beispiellosen Zeit: Die Hoffnung stirbt eben nicht zuletzt! Zuletzt sterben Ideale und Phantasien, Träume und Ideen. Und für die wünsche ich mir Zeiten der Besinnung — tiefe Atemzüge in Wahrnehmung und Gespür. Oder ist das jetzt unpassend angesichts einer Lungenkrankheit?

RE: Party feiern und Sterben | 01.05.2020 | 07:09

Für Hinweise ist es ja nie zu spät: In Altenheimen leben Bewohner. Insassen finden sich eher in Gefängnissen.

RE: Ein Hauch von Eugenik | 30.04.2020 | 06:57

Es fehlen mir weder der Urlaub noch der Kaffee am Straßenrand. Im Gegenteil: Ich fänd das richtig schön zu Haus, wenn mich eine*r dafür bezahlen würde . Es fehlt mir auch nicht die Sorge um andere – obwohl nur wenige da sind, um die ich mir Sorgen machen muss (wenn ich mal von den Tieren der Erde absehe und von den Pflanzen – da sind es viele, um die ich mir richtig Sorgen mache). Mir fehlt auch nichts, wenn eine*r vom Tod als Teil des Lebens spricht.

Was mir fehlt, ist das Leben selbst. Ist ein Leben, dass sich nicht täglich um sich selbst schert, dass nicht Tag und Nacht aus Angst gefriert. Sei es nun die Angst um andere oder die Angst um sich selbst (die, soweit ich das erkennen kann, stets vorrangig ist; dabei gibt es natürlich Ausnahmen). Mir fehlt das Wofür! Es fehlt mir eine mutige Haltung zum eigenen Leben. Was ist es, für das ich lebe? Und wie setze ich mich dafür ein. Wie weit gehe ich für meine Überzeugung. Setze ich vielleicht mein Leben auf's Spiel um ein wirklich großes Ziel zu erreichen?

Ich stelle mir lauter alte Leute in Pflegebetten vor, die sich wünschen, aufzustehen und dem Wahnsinn ein Ende zu machen. Nur, dass sie nicht können, dass sie vielleicht seit Jahren dahinsiechen, weil sie nicht sterben dürfen und kaum noch leben. Meine Mutter, 87, sagt: Kind, komm du ruhig und besuche mich, irgendworan muss ich doch sterben! Tja. Was sag ich da? Meine Mutter will lieber leben vorm Sterben. Und ich übertrete derzeit das Gesetz, wenn ich ihr die Liebe tue.

Ich stelle mir Jeanne d'Arc vor – mit dem Verlangen, Frankreich zu befreien nimmt sie das Schwert und prescht voran. Sie hat eine Vision. Sie weiß wofür sie kämpft. Und sie setzt alles auf's Spiel. Sicher, es gibt nur wenige dieser Art. Und sie werden heute schnell, sehr schnell gezügelt, schon, bevor sie die Vision haben können. Auch dazu taugen die Medien ja. Und doch: Überall spüre ich Ansätze der Rebellion – wie damals im lyric-workshop, wo einer neu kam und sich vorstellte und sagt: Guten Tag, ich heiße Georg. Ich schreibe Anfänge von Romanen.

Wissen Sie, ich bin nicht gewalttätig, im Gegenteil. Ich halte die körperliche Gewalt für das letzte Mittel der Klärung. Und doch ist der Körper ein wesentlicher Teil von uns. Es ist falsch, alle Regungen zu unterbinden. Es ist falsch, alles mit dem Denken und Wissen lösen zu wollen. Und wenn ein alter Mann sagt, dass der Schutz des Lebens nicht über allem steht, dann spricht er vielleicht vom Aufstand der Alten. Es gibt ja auch noch die, die nicht bettlägerig sind und reichlich Energie zeigen, die sie für das Leben anderer geben könnten. Wenn man sie ließe!

RE: Unten ohne | 30.03.2020 | 17:25

Zwar gab's in der Camargue mehr Mücken. Aber mehr Wasser auch.