Persönliche Assistenz in Wien

Selbstbestimmung Selbstbestimmtes Leben für Menschen mit Behinderungen durch Persönliche Assistenz - weg aus den Einrichtungen und Institutionen
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Selbstbestimmt Leben mit Persönlicher Assistenz

Selbstbestimmt Leben – was bedeutet das?

Ihren Ursprung hat die „Independent Living“ Bewegung (Selbstbestimmt Leben Bewegung) in Berkeley/Kalifornien im Jahre 1962. Mehrere Studenten mit Behinderung kämpften um ihre Rechte und konnten eine Zulassung zum Studium erreichen. Allen voran Ed Roberts, der oft als Vater der Independent Living Bewegung bezeichnet wird. 1968 gründete er, mit anderen Studenten die Rolling Quads (Die Rollenden Tetraplegiker). Es war die erste Organisation von Menschen mit Behinderung, die eine Vielzahl von Aktivitäten startete. Zum Beispiel machten sich die Rolling Quads stark für barrierefreie Gebäude und Straßen. Darüber hinaus organisierten sie Unterstützungen zur Alltagsbewältigung (Persönliche Assistenz).

Das erste offizielle „Center for Independent Living“ (Zentrum für Selbstbestimmtes Leben) entstand 1972 auch in Berkeley. Schnell verbreitete sich diese Selbsthilfe- und Selbstbestimmungsbewegung von und für Menschen mit Behinderung in den 1960er und 1970er Jahren auf der ganzen Welt. Sie entstand gleichzeitig zur Frauenbewegung, Bewegung der Afroamerikaner und vielen anderen diskriminierten Gesellschaftsgruppen. Es war die Reaktion von Menschen mit Behinderung gegen die Engstirnigkeit und das Unverständnis von Ämtern und Einrichtungen.

Durch die Centers for Independant Living wandte sich die Bewegung auch aktiv gegen die „Abschiebung“ von Menschen mit Behinderung in Heime, Tagesstätten oder anderen Institutionen und Situationen.

Persönliche Assistenz bietet ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung, am Arbeitsplatz, bei Freizeitaktivitäten, als Frauen und Männer, als Liebende, Arbeitende, als Eltern und Kinder ohne von Institutionen betreut oder auch bevormundet zu werden.

In Wien gibt es die Möglichkeit mittels einer Förderung vom Fonds Soziales Wien (FSW) sich von Persönlicher Assistenz durch den Alltag begleiten zu lassen. Leider ist die Österreichische Regierung noch nicht in der Lage diese Förderung bundesweit zu regeln und jedes Bundesland hat seine eigenen Bestimmungen.

Diese Förderung heißt in Wien„Pflegegeldergänzungsleistung“.

Grundvoraussetzungen dafür sind eine Körperbehinderung, mindestens Pflegestufe 3 und die Alterspension darf noch nicht erreicht sein. Zum besseren Verständnis und für einen reibungslosen Ablauf wird dringend eine Peer Beratung bei einer entsprechenden Interessensvertretung empfohlen („peer“ bedeutet „gleich“, eine Peer Beratung ist eine Beratung auf gleicher Ebene, Menschen mit Behinderung beraten Menschen mit Behinderung)

„Ich wünsche mir, dass du mir sagst, was du dir wünschst“ (Assistentin)

Persönliche Assistenz ist eine bezahlte Unterstützung (Förderung) für Menschen mit Behinderung. Man bestimmt selbst wann und wo Assistenz gebraucht wird, wer als Assistenz zum Einsatz kommt und natürlich auch die Stundenentlohnung. Dadurch gewinnt man mehr Unabhängigkeit von Freunden und Familie – jedes Mal „Bitte“ und „Danke“ sagen gehört der Vergangenheit an.

Der Aufgabenbereich einer Persönlichen Assistenz umfasst alle im Alltag anfallenden Tätigkeiten. Angefangen von Arbeiten im Haushalt und Besorgungen, bis hin zur Körperpflege, Begleitung zu Ämtern, aber auch gemeinsame Ausflüge und Besuche von kulturellen Veranstaltungen in der Freizeit.

Zudem bleiben auch die eigenen Prinzipien, Wertvorstellung und Weltanschauung sowie ein hohes Maß an Privatsphäre erhalten. Der Pinsel für das Gemälde des Lebens verbleibt in den eigenen Händen und malt Arme und Beine, Augen und Ohren, Taschenrechner und Wörterbuch.

Rund 1300 Personen österreichweit dürfen derzeit mit Persönlicher Assistenz leben. Noch immer leben die meisten Menschen mit Behinderungen in Institutionen.

03:44 09.01.2018
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