Zachor!
04.03.2010 | 19:59 225

All die(se) „Niederungen“ von Herta Müller

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Zachor!

Nun liegen sie vor, die „Niederungen“, Herta Müllers Debütband in einer Neuausgabe. Viel ist in der letzten Zeit anlässlich des Nobelpreises für die Autorin auch über diesen Band gesagt und geschrieben worden. Wohlwollende Stellungnahmen finden sich ebenso wie beleidigte und beleidigende Kritiken. Es lohnt sich daher kaum, die Erzählungen hier vorzustellen, denn ich gehe einfach mal davon aus, dass der interessierte „Der Freitag“ – Leser zumindest einige der Erzählungen kennt. (Die Aufmerksamkeit der anderen Leser sei ganz still auf die Erzählungen „Die Grabrede“, „Das schwäbische Bad“ oder „Dorfchronik“ gelenkt).

Warum ist nun diese Neuausgabe interessant, ja, einen Blogeintrag Wert?

Sie enthält vier Kurzgeschichten, die zwar in der Erstausgabe des Bukarester Kriterionverlages von 1982 erschienen sein sollen, in den späteren deutschen Ausgaben jedoch nicht. Dies ist umso bemerkenswerter, als drei der vier neu abgedruckten Erzählungen nicht zuletzt ob ihres subversiv politischen Inhaltes brisant sind. Sie stellen eine unverhohlene Kritik der nationalkommunistischen Diktatur in Rumänien dar. Die Geschichten zeigen Herta Müller damit genau von der politischen Seite her, die ihr bzw. ihrem Werk von ignoranten Kritikern abgesprochen wird.

Die Erzählung „Damals im Mai“ ist im typisch Müllerschen Stil gehalten, der Ironie und Schrecken miteinander zu vereinen weiß. Es ist eine nostalgisch angehauchte Liebesgeschichte, doch wird dies erst zum Schluss offenbart, nachdem das Ich seitenlang aufzählt, was denn alles schön gewesen sei „damals im Mai“ am Schwarzen Meer. Doch all das Schöne (das Wasser, die Treppen, der Gesang usw.) ist bereits vom Niedergang, vom Vergehen bedroht und dem Auseinanderbrechen und Zerfall anheim gegeben.

„Die Meinung“ ist eine derart offensichtliche Darstellung, ja Parodie der hierarchischen Weisungswege im Ceausescus Rumänien, dass es einem unglaublich erscheint, wie eine solche Geschichte erscheinen konnte. „Und da sagte der Minister dem Generaldirektor, und da sagte der Generaldirektor dem Direktor, und da sagte der Direktor dem Chefingenieur, und da sagte der Chefingenieur den Ingenieuren, und da sagten die Ingenieure den Arbeitern eine Meinung, nämlich die Meinung, die die richtige Meinung war.“ Bilder über die Arbeitsbesuche Ceausescus tauchem hier auf, auf denen „der größte Held aller Helden“ vermeintlich „wertvolle Anweisungen“ erteilte. Müller entlarvt hiermit das neofaschistische Führerprinzip, das in Rumänien in den 1980er Jahren dazu führte, dass sich Ceausescu sogar „Conducator“ („Führer“) nennen ließ, welchen Titel zuletzt der Hitlerverbündete und Kriegsverbrecher Ion Antonescu trug. Die eigene Meinung, muss der Frosch als Protagonist in dieser Geschichte erfahren, ist weder gefragt noch überhaupt tolerierbar. Er wird von der „weißen Wolke“ der Lüge verschluckt und verschwindet spurlos; ein Schicksal, das so manchen politischen Dissidenten im Rumänien der 1980er Jahre widerfuhr.

In der wohl autobiografisch inspirierten Erzählung „Inge“ sucht die gleichnamige Person einen Ausweg aus dem bürokratischen Dschungel der Diktatur. Die Beschreibung der Stadt ergibt ein eintöniges, tristes Bild: ausgemergelte Soldaten marschieren, „dicke Frauen“ hetzen hin und her, der Himmel ist grau wie der Asphalt. Inge möchte von einem Schulinspektor eine Information erhalten, doch der scheint weder bereit noch fähig, ihr diese beschaffen zu wollen. Er verweist nur auf zuständige und nicht zuständige Ministerien und auf fehlende Verantwortlichkeiten. Keiner scheint für irgendetwas zuständig zu sein, kein Wille zur Unterstützung, nirgends. Unverrichteter Dinge muss Inge nach Hause gehen. Leitmotivisch kehren in der Erzählung die Worte „links-rechts“ zurück als Hinweis auf die totale Geltung des Erfahrenen unabhängig der politischen Ordnung. Dieser Totalität entspricht Inges beinahe Orwellsche Imagination, dass der Fernseher Zuhause ihr Zimmer und ihre Aktivitäten zeigt, diese in Bilder fasst und sogar vorschreibt. Damit ist sie nicht nur draußen in der öffentlichen Arbeitswelt allumfassender Kontrolle durch die Bürokratie und die Staatsmacht unterworfen, sondern auch ihre Privatsphäre wird durchleuchtet und reglementiert.

Die subversive Kraft der letzten Erzählung, „Herr Wultschmann“, liegt darin, dass sie einen Mann schildert, der Puppentheater spielt. Doch ist Herr Wultschmann ein zackiger Nazi geblieben, dem Strenge, Disziplin, Ordnung und Gefühllosigkeit über alles gehen. Herr Wultschmanns schiere Existenz, sein unverhülltes nazistisches Gebären offenbart bereits das Versagen der sozialistischen Gesellschaftsordnung.

Fehlende Meinungsfreiheit, die Ohnmacht des Individuums gegenüber Vertretern der Staatsmacht, die Allgegenwart der politischen Unterdrückung durch marschierende Soldaten und "Milizmänner", das Fortleben nazistischer Umtriebe einerseits – Unfreiheit, Zerrüttung und Verfall in allen ihren gesellschaftlichen, moralischen und politischen Dimensionen andererseits. Das sind die Themen und Stichworte von Herta Müller, die bereits in diesen frühen Erzählungen auftauchen. Ihrer Prosa wohnt ein immanenter Widerstand gegenüber jeder vereinheitlichenden und totalitären Diktatur inne und ihr Werk erfuhr letztes Jahr daher seine berechtigte Würdigung. Für Kenner sei der Band zum Wiederlesen und als Neuentdeckung von vier Erzählungen empfohlen. Für Anfänger mit Anspruch als Einstieg in das Werk einer Autorin, deren Werk zu kennen, jede Minute der Beschäftigung sich lohnt.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (225)

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carl-gibson 04.03.2010 | 21:33

@Zachor und @Koslowski, vor allem aber für diejenigen kritischen Leser, die auf das "audiatur et altera pars" einen besonderen Wert legen. In der Diskussion mit Ingo Arend hier auf Freitag heute wollte ich einen Auszug dieser Art noch vermeiden - jetzt wurde er "provoziert".
Eine gute Grundlage, für eine differenzierte Diskussion. Ich zitiere aus einem MS mit Interpretationen zum Werk "Niederungen" der Nobelpreisträgerin Herta Müller, aus der Sicht eines Interpreten "aus dem anderen Lager":

Diskrepantes Sein – „ Grabrede“

Es gibt Geschichten, in welchen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenfallen; Vergangenheit als Vergangenheitsbewältigung über Abrechnung, Gegenwart als Zäsur und Zukunft als Neunentwurf. Es sind Schlüsselgeschichten, aus welchen die essentielle Haltung zur Welt deutlich hervorscheint. Eine solche Geschichte ist die „Grabrede“, ein Auftakt zu einer Serie von Abrechnungen mit einem Milieu, das in seiner Gesamtheit als eine zu überwindende und nicht zu beklagende „Welt von Gestern“ angesehen wird. Zur Handlung der Kurzgeschichte: „Vater lag in einem Sarg mitten im Zimmer.“ Das war typisch im Banat des Jahres 1968 – zweihundert Jahre nach der Ansiedlung deutscher Siedler in einem Landstrich, der lange zur k. u. k. Monarchie gehörte. Im Banat wurde auch nach dem Prager Frühling nicht „anonym“ gestorben, sondern persönlich im Kreis der mitleidenden Familie. Und auch der Abschied war fast immer persönlich, oft begleitet von der ganzen Gemeinde – als letzte Ehrbezeugung für ein hart, doch aufrecht gelebtes Leben. Bis zur Bestattung im Familiengrab auf dem historisch gewachsenen Friedhof ruhte der Tote aufgebahrt auf einem Tisch in der Kammer, wo er fast sein ganzes Dasein verbracht hatte, betrauert und beweint von Verwandten und Freunden. Tausendfaches Rosenkranzgemurmel begleitet den Abschied von dem Toten noch vor den Requiem in der Kirche. Selbst ein Schuft wurde so in den Hades geleitet, denn der Tod hatte immer etwas Erhabenes, das die Sünden vergessen ließ. Verzeihen verweist auf menschliche Größe.
Nur manchmal wurde der Abschied zur Abrechnung und zum Bruch. Das Ich der Kurzgeschichte, eine weibliche Person wohl noch unter dreißig, schaut über die Leiche des Vaters hinweg auf die Bilder an der Wand, die Lebensstationen des wenige geliebten, ja gehassten Toten einfangen – Bilder wie im Zeitraffer kurz vor einem Nahtoderlebnis. Ein Film läuft ab, Kindheit, Heirat, Soldaten, profanes Arbeiterdasein. Nur „waren alle diese Bilder falsch“! Eine Existenz als Lebenslüge? Der eigene Vater ein Schwindler, ein Täuscher, ein Gaukler, der eine „Als-ob-Existenz“ vorlebt und damit die Seele des eigenen Kindes belastet, verfälscht? Und die Tochter? Ein Opfer dieses falschen Seins?
Das Ich empfindet es so – und die literarische Umsetzung wird noch intensiviert auf dem Dorffriedhof vor der Grablegung. Bevor die lieblichen Überreste für alle Zeit der Natur übergeben werden in der Hoffung, dass die gerettete Seele von guten Gebeten geleitet zu höheren Sphären aufsteigt, haben noch zwei Totengräber ihren Austritt, zwei „kleine, wankende“ und „betrunkene Männchen“, die noch reden, bevor sie den Sarg im Grab versenken. Vor den Augen der versammelten „Gemeinde“ sprechen sie – dies fiktiven Gestalten oder gar „Zeitzeugen“ - das Ich an, reden „Klartext“ ,packen aus, klären auf – und geben – enthemmt von Alkohol - Wahrheiten preis, die nicht jeder hören will, belastende Wahrheiten, die in direkter Konfrontation eine Vergangenheitsaufarbeitung einleiten. Das Ich und die gesamte versammelte Trauergemeinde müssen Dinge hören, die sie eigentlich nie hören wollten: Fakten, Wahrheiten, Gerüchte, Verleumdungen?

„Dein Vater hat viele Tote auf dem Gewissen, sagte eines der betrunkenen Männchen. Ich sagte: Er war im Krieg. Für fünfundzwanzig Tote hat er eine Auszeichnung bekommen. Er hat mehrere Auszeichnungen mitgebracht. In einem Rübenfeld hat er eine Frau vergewaltigt, sagte das Männchen. Zusammen mit vier anderen Soldaten. (…) Es war eine Russin.“
Wer ist das graue Männchen, der aus dem ehemaligen SS-Mitglied einen negativen Helden, ja Massenmörder macht?
Spricht da ein veritabler Zeitzeuge, der ein authentisches Testimonium ablegt, einer dabei war im Schützengraben vor Stalingrad oder doch nur ein boshafter Denunziant in fremdem Auftrag?
War er bei den in den Raum gestellten Verbrechen, die hier aus einer subjektiven Betroffenheit heraus literarisch fiktiv in die Welt gesetzt werden, wirklich dabei als Augenzeuge. Sind Anklage und Anschuldigungen echt und so in der Realität erfolgt oder bloße Konstruktionen einer begabten Phantasie? Setzt hier bereits eine Vergangenheitsaufarbeitung ein, die als Vergangenheitsbewältigung zugleich Selbstbefreiung ist? Oder richtet sich dieses „Gerede“ – wie es Heidegger nach Nietzsche in „Sein und Zeit“ definiert nicht gar gegen die „deutsche Gemeinschaft“ der Trauernden, die ums Grab versammelt einem der Ihren nachweint?
Die schriftstellerische Freiheit lässt es zu, solch fiktionale Gebilde zu entwerfen, ganz egal ob sie traumhafter Natur sind oder mit realistischen Hintergrund. Die Interpreten sind zur Deutung aufgerufen, aber auch zum Fragen nach Intention und Motivation der Szene.
Satz für Satz nehmen die belastenden Indizien zu. Der Vater entpuppt sich in weiteren Aussagen nicht nur als ein ungehemmter Massenmörder in einem grausamen, weltanschaulich motivierten Vernichtungskrieg im Osten jenseits des Völkerrechts; auch im bürgerlichen Leben danach in Friedenszeiten in der sozialistischen Gesellschaft erscheint er als Ehebrecher und Schuft. Sein Verderbtsein, seine Sittenlosigkeit und seine Untugenden erreichen das Ich der Erzählung, die eigene Tochter, als Vorwurf. „Dann kam ein runzeliges dürres Weib auf mich zu, spuckte auf die Erde und sagte pfui zu mir.“
Die „deutsche Gemeinschaft“ vor Ort, das wird zunehmend deutlicher, lehnt auch die Tochter des Verderbten ab. Also ist es nur allzu natürlich, wenn sich die Ausgegrenzte, die Stigmatisierte, gegen die eigene Dorfgemeinschaft auflehnt und aus der Enge zu entfliehen versucht, aus der Determiniertheit durch das falsche Vorbild des Vaters in die Freiheit der Selbstdefinition und des Selbstentwurfs und der Selbstentfaltung.
Da ist eine natürliche Gegenreaktion auf eine Bedrohung – und somit auch ein emanzipatorischer Akt, vor allem aus weiblicher Sicht. Individuum gegen Gesellschaft. Ein uralter Konflikt, der sich seit der attischen Tragödie durch die abendländische Literatur zieht.
Doch wie erscheint die gesittete Gesellschaft in der Erzählung, jene Welt der Ordnung, die den Vielen im Banat seit ihrer Ansiedlung unter schwierigen Bedingen das Überleben sicherte? Wie du mir, so ich dir! Und was in den Wald hinein gerufen wird, schallt aus ihm im Echo hervor – gebrochen und verzerrt: und doch auch echt.
Die familiär und gesellschaftlich Abgestempelte, in die Ecke gestellte und an die Wand gedrückte Individualität schlägt zurück, verletzt wie ein wildes Tier; zunächst ohnmächtig und verbittert, dann zunehmend selbstbewusster und sogar mit einem Hauch von Vergeltungslust – eine „Vendetta“- Gestimmtheit kommt auf, Rachegefühle und Gelüste. Die Rache ist süß, sagt man und mit orgiastischen Satisfaktionen verbunden.
Trotzig aufmucken, wehrhaft sein, kämpfen, zurückschlagen – das sind alles gesunde Reaktionen der Selbstbefreiung, die irgendwann zu einem autarken Individuum führen können, wenn man denn auch einen gesunden Sinn für das „Maß der Vergeltung“ behält. Die Verhältnismäßigkeit entscheidet auch über den Ausgang einer Konfliktsituation.
Die Dorfgemeinschaft erscheint in dieser Kurzgeschichte als bedrohende Masse, als eine Summe von unreflektierten Einzelmenschen, die das Anderssein eines Mitmenschen nicht gelten lassen wollen, die den Andersdenkenden bedrohen und „das Gewehr“ auf ihn richten, bereit, Ketzer und Außenseiter jederzeit abzuschießen, besonders Tabu-Brecher und so genannte „Nestbeschmutzer“. Die historisch gewachsene Gemeinde, für viele eine existenzerhaltende Einheit, rechtfertigt sich: „Wir sind stolz auf unsere Gemeinde. Unsere Tüchtigkeit bewahrt und vor dem Untergang. Wir lassen uns nicht beschimpfen, sagte er. Im Namen unserer deutschen Gemeinde wirst du zum Tode verurteilt. Alle richteten ihre Gewehre auf mich. In meinem Kopf war ein betäubender Knall. Ich fiel um und erreichte den Boden nicht. Ich blieb quer über ihren Köpfen in der Luft liegen.“

Die deutsche Gesellschaft und Gemeinschaft im Banater Dorf wird zum Feindbild erhoben – ihr Wertesystem, aus linksintellektueller Sicht kleinbürgerlich, spießig, heuchlerisch, faschistoid oder mit latenten Hang zum Faschismus, wird abgelehnt, weil es der freien Selbstentfaltung des kreativen Individuums, des Schaffenden in allen Bereichen der Existenz, zuwiderläuft. Wo andere die Geborgenheit fanden, ein Gefühl von Heimat und deutscher Identität, sahen einige Extremdenker die Dinge anders. Die Konsequenz bedeutete Zäsur, Bruch mit der nicht mehr geliebten „Werte-Welt der Vorväter“, eben weil der letzte große Krieg neue Fakten geschaffen hatte – und neue Formen von Verantwortung und Schuld.
Der Feind ist ausgemacht in der Grabrede: Es ist die eigene Herkunft und die eigene Gemeinschaft, nicht etwa ein fremder, viel mächtiger Feind hinter und über der Gemeinschaft in der realsozialistischen Gesellschaft. Es ist nicht die Kommunistenpartei im alles bestimmenden Staat, in der Diktatur, sondern der kleine Mann von nebenan, der Repräsentant der deutschen Gemeinschaft mit seinem kargen Brauchtum und seinem schmalen kulturellen Substrat, der Nachbar, der den alten Sitten folgend treu mit am Grab steht und einen dicken Stein auf den Sarg legt.
Die Abrechnung schreitet am „Schlachttisch“ fort. Kaschiert von individueller Trauer – ich werde ein Leben lang Schwarz tragen – vollzieht sich die persönliche Kasteiung und Demütigung der Mutter, die ihren überlangen „Zopf“ abschneidet. Der „Zopf“ wird dann zeremoniell verbrannt – und die Zivilisation wird auch im Banat eingeführt, fast dreihundert Jahre nach jener Geste Peters des Großen, die sein Russland revolutionierte. Neue Werte machen sich breit im Banat – und die Kultur verdrängt bald auch die Zivilisation. Die Alte Ordnung hat ausgedient; sie muss abdanken und gehen.
Doch worin besteht die neue Welt der neuen Menschen – und was setzt die Anklage dem Vergehenden entgegen?
Wodurch definiert sich das Neue? Nur durch die Abgrenzung und Absetzung vom Alten, ohne neue Inhalte?
Das Vaterbild - extreme Negativität: ein gewissenloser Befehlsempfänger und vermeintlicher Massenmörder, ein Schuft gar durch und durch, der die Mutter schlägt, arrogant, höchst gewalttätig und dumm, unkritisch und denkunfähig. Und die Mutter? „Meine Mutter ist ein vermummtes Weib“, charakterisiert die Autorin introduktiv ihre leibliche Mutter, im ersten Satz der dritten Kurzgeschichte in dem „Niederungen“-Bändchen, gleich nach der von manchen als skandalös empfundene Posse „Das schwäbische Bad“.
Die Mutter ist eine Frau, die vom Vater systematisch verprügelt wird und die aus einer falsch verstandenen Autorität heraus das Erfahrene weiter gibt, indem sie die eigene Tochter schlägt, nur weil diese nicht flink genug Befehle ausführt – und dabei eine sich erst formende Seele zerbricht. Aus einer berechtigten inneren Revolte und aus dem psychischen Aufruhr heraus stellt sich dann auch eine Zurückweisung der Mutter ein. Die ablehnende Haltung gegenüber dem Verhalten der Mutter, der praktisch keine Individualität, kein Selbstsein zugestanden wird, weil ihr das Selbstbewusstsein fehlt und die aufrechte Haltung einer souveränen und emanzipierten Frau, korrespondiert mit der Zurückweisung des Säufer-Vaters, der zudem noch früher einer „verbrecherischen Organisation“ angehörte. Mutter und Vater werden zu Rollen reduziert, zu Negativ-Charakteren und trägern von Unwerten – sie heben sich somit selbst auf.
Nur beschränkt sich dieses „Sodom und Gomorra“ auf die kleinste gemeinschaftliche Einheit, auf die eigene Familie, nicht aber auf die gesamte deutsche Dorfgemeinschaft. Die desolaten, zerrütteten Verhältnisse im Elternhaus zerbrechen die zarte Seele und schädigen das Kind irreparabel. Diese zwei auf allen Ebenen versagenden Elterteile produzieren das „Opfer“, nicht die weitgehend unbeteiligte Dorfgesellschaft drum herum.
Das Dorfmilieu mit seinen Sitten und seinem alten Brauchtum ist kein determinierender Faktor schlechthin, im Gegenteil sogar ein Korrektiv, weil das Kind in der Gemeinschaft des Banater Dorfes sogar aufgefangen wird. Der frühe Feind der Autorin Herta Müller – und dieser feine Unterschied sollte gerade von denjenigen besonders beachtet werden, die das Dorfleben im Banat nicht aus unmittelbarer Anschauung kennen- ist ihr eigenes Unzuhause, ihre Ungeborgenheit in der Familie von Anfang an, nicht aber die „deutsche Gemeinschaft“ an sich.

In ihrem unmittelbaren Umfeld, in der Familie, wurde sie zum „Opfer“ gemacht und gezwungen, sich gegen eine feindliche Außenwelt zu behaupten. Das Banater Dorf aber, das so war wie es war, war ihr eigentlicher Feind nicht. Sie distanzierte sich auch nicht von Anfang an vom deutschen Dorf und der deutschen Wertegemeinschaft – etwa wie ich es vollzog, als ich früh unspektakulär in die Stadt aufmachte.
Herta Müller, die gerne ein paar unpassende biographische Details verschweigt, weil sie dem stilisierten Image gefährlich werden können, machte eine gute Weile mit. Solange es opportun war, lebte sie ganz konventionell „am Arsch der Welt“, wie sie es selbst einmal definierte, schlief in gestärkter Bettwäsche, tanzte um die Bütt „Kerwei“, heiratete eine donauschwäbischen Ingenieur – und distanzierte sich von dem langweiligen Landleben in Nitzkydorf erst, nachdem ihr die Linken aus der Aktionsgruppe Banat einiges von den segnenden und selig machenden Wirkungen des Marxismus-Leninismus erzählt, sie zur Literatur-Fabrikation animiert und zur Kritik an der verzopft-muffigen Welt ihrer Väter aufgerufen hatten.
Mit ihrem Debütband stürzte sie sich in einen Kampf, der bald Autodynamik entwickelte und die Blindheit des Nebelscharmützels, bekämpfte einen vermeintlichen Gegner und ignorierte dabei den „eigentlichen Feind“, den ihre geistig wenig differenzierten banatschwäbischen Landsleute seit dem Zusammenbruch 1945 und dem aufziehenden Stalinismus mit politischen Verbrechen aller Art, Agrareform und Deportationen längst in der „Kommunistischen Partei“ ausgemacht hatten.
Dass es damals so war, wollte sie – im Gegensatz zum reuigen Berwanger - bisher noch nicht zugeben – eben weil sie die Dinge – aus ihrer schon verinnerlichten Opfer-Perspektive - anders sah und weil sie lieber das angeblich spießig deutsche Dorfmilieu als die realsozialistische Gesellschaft drumherum zu verdammen liebte.

Aus der Absetzung von diesen Unwerten extremer Negativität konstruiert die Autorin dann ihren Gegenentwurf – eine mythopoetische Welt des Irrealen, Makabren und Unästhetischen, in welchem sie selbst integraler Teil des Mythos ist, ganze hundert Jahre nach Baudelaire, Lautreamont, nach den Dadaisten und Surrealisten!
Und die literaturhistorisch unsensible Fach- wie Banausenwelt ist tief beeindruckt! Ein neuer alter Ton, eine neue alte Wahrnehmung und eine neue alte Sprache in selbstauflösender Form. Dabei erreichen einige Passagen in den „Niederungen“ wahrhaftig einsame Höhen!
Als Herta Müller dann im Jahr 1985/86? Während eines Fernsehauftritts nach ihrem Verhältnis zu ihren Landsleuten im Banat gefragt wurde, hatte sie – und das ist mir noch sehr gut im Gedächtnis verhaftet – keine Schwierigkeit damit, die rückständige, als faschistoid bezeichnete Denkweise der Banater Schwaben denunzierend herauszustellen. Auf die Frage, ob sie gewisse politische Entwicklungen in der gegen Perestroika und Glasnost ausgerichteten Ceausescu- Diktatur auch in Rumänien ansprechen werde, entgegnet sie forsch, sie werde sich den Mund keinesfalls verbieten lassen.
Einen Beweis dafür, dass sie Letzteres eingehalten oder gar konkret gegen die Kommunisten in dem höchst zerrütteten Land opponiert hat, ist mir nicht bekannt. Opponiert haben andere, die allerdings allesamt und zum Teil für mehrere Jahre bis zur Revolution im Kerker landeten.

Vom Überdruss am interesselosen Wohlgefallen – und von der neuen Sehnsucht nach Fäkalität

„Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, ist dem Tode schon anheim gegeben, wird zum wahren Leben nicht mehr taugen“, dichtet August Graf von Platen in einem berühmten Sonett.
Damit nicht alle der Schönheit verfallen und dekadent dahinsiechen, hielt Herta Müller in ihren „Niederungen“ mit einigen Appetithäppchen dagegen, naturalistisch plastisch wie in den Frühphasen des Expressionismus in einem sonderbaren Delektieren an Fäkalität:
„Ich wischte mir mit dem Klopapier trotzdem den Hintern ab und schaute dann in den Ausschnitt, und sah den Kot, in dem weiße Würmer krochen. Ich sah die kleinen schwarzen Kotknollen und wusste, dass Großmutter wieder Verstopfung hat, und sah den lichtgelben Kot meines Vaters und den rötlichen Kot meiner Mutter. Ich suchte nach dem Kot meines Großvaters, und Mutter schrie meinen Namen in den Hof“.
Wenige Seiten später wird auch das allzumenschliche Urinieren geschildert – ein literarisch verewigtes Manneken-Piss im Banat: „Ich sah Heini, wie er den Nachttopf in der Hand hielt und mit eingeknickten Knien dastand. Und mit der anderen Hand hielt er sein Glied. Es war sehr weiß im Schein des Blitzes.
Ich musste auch pissen. Ich stand auf und setzte mich über den Topf, und ich zog den Bauch ein, um das Geräusch des Urins zu verhindern. Aber es wurde immer lauter unter mir, ich hatte keine Kraft, ich konnte es nicht mehr tröpfeln lassen. Es rann lauwarm aus mir. Es rauschte. Heini rief mich zu sich ins Bett.“ Den „Furz“, den „Hodenbruch „ des Großvaters und die „Hämorrhoiden“ der Mutter erwähnte Herta Müller an anderer Stelle. Ob das alles auch beschrieben worden wäre, wenn die Autorin gewusst hätte, dass die Fäkalität literarisch schon längst vorweggenommen war, etwa bei dem Exzentriker Salvador Dali?
Eine Urin- und Kotspur zieht sich leitmotivisch durch die gesamte, sprachlich höchst bescheidene und nur mit dem Instrumentarium der Kurzgeschichte gestalteten Erzählung. Die Miniaturbeobachtung, darunter viel Triviales und Banales, steht neben der psychologischen Decouvrierung im „Klartext“. Schein und Sein mischen sich, ebenso tatsächliche Existenz und Traumwelt. Wo das Gehirn des Interpreten nicht mehr folgen kann, spricht man gern von „erfundener Wahrnehmung“, also von etwas, was keiner logischen Erklärung bedarf.
Das Resultat: Eine Kindheit nicht im Garten Eden, sondern in Sodom und Gomorra! Wen wundert da der Aufschrei des Opfers, die Klage und Anklage? Die Welt des Banats ist Scheiße! Doch an sich – und nicht etwa, weil die alles bestimmende kommunistische Weltanschauung versagt hat.
Also werden die schönen und angenehmen Seiten der Kindheit und Jugend von Exkrementen überdeckt, vom kalkweißen „Schiss“ der Singvögel ebenso wie von dem eklig Gekotzten der Katze und der ausgekotzten Leber des alkoholabhängigen Vaters, der selbst ein vielfaches Opfer ist und andere zum Opfer macht. Das Grauen herrschte also im Banat?
Wird die Ausnahme zur Regel? Und das Versagen Einzelner zum Versagen der Gemeinschaft? Was ist wahr an den Schilderungen? Und was ist typisch? Wer kann was erkennen? Und wenn es weder wahr noch typisch sein muss, weshalb reden Rezensenten dann überhaupt von der rückständigen Welt des Banats? Zufällig bricht F. C. Delius das Trockenklo-Zitat gerade dort ab, wo die oben zitierte Beschreibung der Kotarten beginnt. Oder war es doch nicht zufällig? Wurde es dem sonst überkritischen Schriftsteller-Kollegen zu fäkal, selbst dem „Spiegel“? Diejenigen, die im Banat gelebt haben und zudem noch etwas von Literatur und Philosophie verstehen, werden Grenzen ausmachen können. Sie werden genau unterscheiden, wo die Realität endet und wo die Übertreibung, die Überspitzung der Phänomene beginnen, wo das fast schon krankhafte Borderlinertum, das dem kreativ schwärmenden Schriftsteller erlaubt ist, einsetzt und endet.
Der normale deutsche Leser wird aber schwerlich in der Lage sein, die ihm fremde, exotisch und skurril erscheinende Welt an sich zu erfassen; er wird nur das Exotische, das Skurrile sehen, aber nicht die tatsächliche Realität dahinter. Deshalb erfolgte ein empörter Aufschrei der verkannten deutschen Gemeinschaft als Reaktion auf die literarisch formulierte Anklage, die dann noch von willigen Vasallen wie F.C. Delius im Klartext auf den Punkt gebracht wird.

Der Aufschrei der Betroffenen vor Ort im Banat erfolgte unmittelbar nach der Erstedition im Kriterion Verlag und entlud sich in einer Serie missbilligender Berichte und Leserbriefe in dem deutschsprachigen Temeschburger Blatt „Neue Banater Zeitung“.
Der gleich aufkommende und wohl auch mündlich vor Ort formulierte Verdacht, dieser Erstling der noch gänzlich unbekannten Autorin stamme aus den Werkstätten des Propagandaministeriums der Kommunisten in Bukarest lag nahe. Im Westen war es der Landsmannschaft der Banater Schwaben nahe stehende Autoren, die darüber schrieben. Schließlich war die Ehre einer deutschen Gemeinschaft berührt, Menschen, aufrechte Charaktere, fühlten sich angegriffen und gekränkt.
Und F.C. Delius war wohl informiert rüber über die Empörung aus der konservativen Ecke, als er Ende 1984 die von ihm dem Rowohlt Verlag vermittelte Textfassung von „Niederungen“ gezielt aufs Treppchen hob; nicht nur aus Solidarität mit einer schreibenden unbekannten Bekannten, sondern auch, um – nach guter „Spiegel“- Tradition - den strammen Patrioten aus dem konservativen Lager eines auszuwischen.

Politisierung und Instrumentalisierung einer „besonderen Situation“

In seinen für bundesdeutsche Ohren geschriebenen Generalisierungen macht Delius die „Ausnahme“ – das asoziale, von alltäglicher Gewalt bestimmte Milieu einer zerrütteten Familie – zur „Regel“ und politisiert eine scheinbar unpolitische Beschreibung, wobei der Rezensent die „besondere Situation vor Ort“ und die Auswirkungen der mehr oder weniger gezielt betrieben Attacke auf das angeblich rückständige, in Deutschtümelei versunkene Dorf eklatant verkennt. War das nur Unkenntnis der Verhältnisse oder schlichte Provokation? Der bundesdeutsche und westliche Leser wird die in „Niederungen“ geschilderte Welt des Banats nie voll verstehen können, weil er sie nicht mit allen Sinnen und tiefen emotionalen Empfinden erlebt oder durchlitten hat. Er wird die „spezifische Situation“ einer nationalen Minderheit in der Agonie nicht verstehen, weil er sie nicht verstehen kann. Das ist ein Faktum.
Der eigentliche Skandal aber besteht darin, dass die mehr oder weniger reale und zum Teil unrealistisch dargestellte Leidensgeschichte eines Opfers von Dritten gezielt instrumentalisiert und bewusst missbraucht wird, um eine politische Hetzkampagne loszutreten, die sich gegen einen Teil des deutschen Volkes richtet. Hier wird Literatur zum politischen Instrument. Darf gegen einzelne Teile des deutschen Volkes öffentlich gehetzt werden, verehrter Herr Bundespräsident? Und dies bei eklatantem Missbrauch eines Opfers?
F. C. Delius und der „Spiegel“ benutzten die an sich schon problematischen Erzählungen in Herta Müllers „Niederungen“, um gleich eine Kampagne gegen das konservative Lager, gegen Vertriebene und gegen die rechte Presse loszutreten, ganz im Geiste der längst schon laufenden Kampagne gegen Franz Josef Strauß, gegen die bayerische Politik und zuletzt gegen alle Bayern.
Das war salonfähig damals im Kalten Krieg Anno 1982-1984 in der Bundespolitik – und ich, der nationalliberale Deutsche und ehemalige Bürgerrechtler, war mittendrin, doch engagiert im christlich-konservativen Lager.
Die Konservativen mit zu treffen und zu diskreditieren, war aus der Delius-Spiegel-Sicht gerade recht – Herta Müller wurde dabei ein Mittel zum Zweck, als Person und als Schreibende!
Und sie ließ es willfährig mit sich geschehen, wurde sie doch bekannt dabei. Die mephistophelischen Erzschurken in diesem Trauerspiel der Moderne, dessen zersetzende und spaltende Wirkung auch heute noch unversöhnlich anhält, aber waren über F.C. Delius’ Feder die linken Akteure aus der Spiegelredaktion in ihrem damaligen Kampf gegen die Protagonisten der katholischen Reaktion Strauß und Kohl.
Wie sehr Herta Müller innenpolitisch den Sozialisten genutzt und der christlich-sozialen Union geschadet hat, ist dem politisch Verantwortlichen der CDU-nahen KAS-Stiftung heute – zwei Jahrzehnte danach – völlig unbekannt.
Als die Konrad Adenauer-Stiftung im Jahr 2004 ihren Literatur-Preis gerade an die kontroversierte Herta Müller vergab, war sie – dem Verdikt ihrer „Juroren“ voll vertrauend, viel zu uninformiert und damit unfähig, diese wahren politischen Implikationen, Zusammenhänge und Auswirkungen zu erkennen – und unser werter Bundespräsident weiß wohl kaum von der immer noch andauernden Wirkung der Hetze und Spaltung in einer Zeit, die – über den Alten Kontinent hinaus – nach symphonischem Zusammenklang, nach Versöhnung ruft.
Herta Müller ließ sich 1984 willig von Linken instrumentalisieren und 2004 von Konservativen auszeichnen, ohne sich gegen einseitige Vereinnahmung zu wehren. Pecunia non olet? Und ist das nicht nackter Opportunismus vom alten Schlage nach dem Motto: „Wessen Brot is esse, dessen Lied ich sing?
Die Kommunisten unter Diktator Ceausescu hatten es auch so gehalten – und die einst zugesagte „Loyalität“ über getarnte Securitate- Drohbriefe eingefordert, nachdem „ die Treu’ gebrochen“ und der Ring entzwei gesprungen war, nachdem die Geförderte ihre Meinung geändert und ihren Hals gewendet hatte. Wo stand und wo steht Herta Müller nun wirklich? Links wie früher – oder inzwischen gar rechts? Oder mimt sie eine Hetaera Esmeralda der Literatur, die ungeachtet moralischer Wertungs-Kategorien, es mit jedermann kann, mit den Linken und mit den Konservativen, Hauptsache es klingelt in der Kiste wie beim Ablasshandel.
Ihre Landsleute, die inzwischen durch die vielen Auszeichnungen und Ehrungen verwirrt sind, wissen auch nicht mehr so recht, woran sie nun glauben sollen. Sollen sie stolz auf Herta Müller, weil sie das Banat etwas bekannter gemacht hat, wenn auch negativ als „Unort“? Oder sollen sie sie weiterhin ablehnen und verachten, weil die vernichtenden Botschaften von Hetze und Spaltung immer noch im Raum stehen und Herta Müller es ablehnt, sich öffentlich davon zu distanzieren.

Als die Autorin 1982/84 das Spiel der Kommunisten in ihrer alten Heimat und das der Linken in Deutschland mitmachte, lud sie, moralisch betrachtet, Schuld auf sich, weil sie seinerzeit „als moralische Instanz“ das totalitäre System vor Ort und sein Verbrecher-Regime, das Andersdenkende verfolgte, hätte bekämpfen müssen.
Das hat sie nicht getan. So wurde sie bekannt und auch aufs Treppchen gehoben, doch nicht an sich und für literarische Verdienste – denn wo wären diese in „Niederungen“ zu finden, verehrte Germanisten? – sondern für ihre höchst einseitige Antihaltung gegenüber den Konservativen, die aus ultralinker Sicht gerne in die Ecke der ewiggestrigen Altfaschisten gestellt wurden.
Ihre sonderbare Wahrnehmung und ihre Art, Realität und Phantasiegebilde zu mischen und zu vermengen, positiv wohlwollend „Brechung“ genannt, negativ aber nur „Verzerrung“ von Wahrheit, sind künstlerisch legitime Mittel der Darstellung. Nur auf den Gegenstand der „deutschen Identität“ bezogen sind sie unzulässig, weil sie destruktiv und zersetzend wirken.
Das macht die für arglose Außenstehende scheinbar unpolitische Materie hochpolitisch und moralisch.
In „Niederungen“ wird eine höchst individuelle, subjektive Perspektive absolut gesetzt und anklagend in die Welt hinaus posaunt – als emanzipatorische Enthüllung eines angeblichen Opfers! Doch ist das Ich der Geschichten identisch mit der Autorin. Sind die dort exponierten existentiellen Erfahrungen tatsächlich so erlebt worden? Oder sind auch sie nur fiktionale Imagination? Wer bewusst Literatur produziert, wer nicht nur einfach so darauf los schreibt, ohne die Folgen zu bedenken, wer nicht naiv schreibt und einseitig, der darf Ursache und Wirkung nicht vermengen. Er muss die Konsequenzen seines Tuns im Auge behalten, gerade wenn Literatur moralisch und politisch wird. In diesem Punkt hat Herta Müller – bestimmt von den ihr lange fremden Paradigmen der marxistischen Aktionsgruppe Banat – von Anfang an versagt. Die Einseitigkeit der frühen Stunde spaltet noch heute. Herta Müller nahm den - anfangs noch psychologisch berechtigten - Kampf gegen die deutsche Gemeinde auf und kämpfte - beginnend mir einem Abgesang in einer Grabrede - an falscher Front.
Der gesamte Band „Niederungen“ ist eine Dokumentation ihrer einseitigen Schlacht gegen die „deutsche Identität“. Sie kämpfte ihren oft unverstandenen Kampf über zwei Jahrzehnte – und sie kämpft ihn mit gleicher Vehemenz immer noch, ohne sich kritisch zu fragen, ob sie nicht von Anfang an das falsche Pferd aufzäumte und es zu Tode ritt.
Einer, der den gleichen Kampf der Selbstemanzipation auch gehen musste, ohne radikale Zäsur zur Herkunft, und ohne die Wurzeln zur eigenen Identität abzuschneiden, weiß, dass der „eigentliche Feind“ in einem ganz anderen Lager zu suchen war.
Wer – nach erfolgter Selbstemanzipation - bewusst am Scheideweg ankam, konnte klare Realitäten und Prinzipien erkennen und auseinander halten. Er konnte sich entscheiden.
Der „wahre Feind“ der Literatur, des freien Geistes und der individuellen Selbstentfaltung in allen Formen lauerte in verborgener Stellung und sah höhnisch lachend der Selbstzerfleischung des Deutschtums im Banat und in Siebenbürgen zu, bereit es Exodus und Vernichtung preiszugeben – für immer. Einige Katalysatoren beschleunigten diesen Untergang.

Figaro im Banat

„Deutscher Scheitel und deutscher Schnurrbart“ – Ein Hohn auf das Deutschtum oder
vom Untergang des Abendlandes am Tor zur Walachei

Hetze kann in vielen Erscheinungsformen daher schleichen und unterschiedlich motiviert sein. Sie kann direkt sein, plump und dumm. Sie kann aber auch unbedacht sein und ihre Wirkung falsch einschätzen und verkennen. Der eine will provozieren und aufrütteln, der andere kostet nur den Ärger der Betroffenen aus und den Schmerz der Verletzten.
Ihr habt mich verletzt – auf welche Art auch immer. Also schlage ich zurück und verletze euch auch – herber und gerade dort, wo es am meisten schmerzt, an eurer empfindlichsten und verletzlichsten Stelle, an jenem Punkt der euch am heiligsten ist – an eurer Identität.
So etwa kann ein sensibler Geist empfinden, wenn er die oben genannte Kurzgeschichte liest – und wenn er aus der „Perspektive des Betroffenen“ und Verletzten liest.
Viel wird nicht erzählt. Das wenige Worte reichen aus, um zu verletzen.
Der Ort der Handlung: Ein Friseurladen irgendwo im deutschen Siedlungsgebiet in Rumänien, im Banat wahrscheinlich – oder in dem nicht weniger „rückständigen“ siebbürgischen Dorf, oben in Sathmar an der ungarischen Grenze, in der Dobrudscha am Schwarzen Meer oder gar in den Niederungen von Nitzkydorf oder Perjamosch?
Die Handlung selbst: Eine männliche Figur taumelt und stolpert durch eine kafkaeske Situation mit expressionistischen Elementen in einen Friseurladen, wo alte Leute vor sich hin dösen und wartet dort auf den Haarschnitt:
„Deutscher Scheitel? Fragte der Friseur“ (…)
„Deutschen Scheitel und deutschen Schnurrbart, sagte der Mann“.

Ein unscheinbarer Dialog, denkt man heute – und so dachte man damals mitten in der Bundesrepublik aus der Geborgenheit des deutschen Volkes heraus mit einem Schmunzeln auf den Lippen, lange nach Heine und Nietzsche.

Nur im Banat hatten die gleichen Worte einen ganz anderen Klang – denn die Betroffenen vernahmen sie in der Exponiertheit mitten im Exodus zu einem Zeitpunkt, wo die Auslöschung des Deutschtums in Rumänien unmittelbar abrollte.
Herta Müller, die Polkatänzerin von gestern, scherte sich nicht mehr darum, seitdem sie dem Nest entflohen und in der fortschrittlichen Stadt angekommen – aus welchem Gründen auch immer.
Und Unbetroffene aus der Bundesrepublik, Leute wie C.F. Delius, scherte vieles auch nicht. Was von den einen als einen unmittelbare Angriff auf ihr Sein, auf ihre Identität, ja als Existenz gefährdender „Dolchstoß“ empfunden wurde, war für andere „Nichtbetroffenen“ aus dem ferne Ausland, für Berufsspötter und Kritiker vom Dienst, nur „literarische Ironie“, beißender Sarkasmus, blanker Zynismus, frechster Hohn und Spott bestenfalls blanker Zynismus der herberen Art.
Die Autorin forcierte den Ausdruck. Kein Mensch im deutschen Dorf des Banats sagte „deutscher“ Scheitel im Friseurladen; noch weniger sagte einer „deutscher“ Schnurrbart. Wer dort lebte, weiß es und kann es bestätigen. Keiner sagte es, nicht nur weil es tautologisch gewesen wäre, sondern sogar hochgradig absurd, denn im deutsche Friseurladen und beim deutschen Friseur, fanden sich in der Regel nur deutsche Kunden ein, jedenfalls war das in Sackelhausen so, in einer Gemeinde, die um 1945 fast zu hundert Prozent aus Nachkommen deutscher Siedler bestand und 4 200 Einwohner zählte.
Ob in unweiten Nitzkydorf, wo unser letzter Priester, der katholische Dechant Dr. Franz Kräuter herstammte, die Uhren anders gingen, mag dahingestellt bleiben. Wahrscheinlich ist das nicht.
Wenn die Autorin gerade dort bohrte, wo es am schmerzvollsten war, dann deshalb, weil sie einen bestimmten Nerv treffen wollte, das Mark der Identität, den Haupt- und Lebensnerv der deutschen Minderheit in exponierter Lage vor der physischen Vernichtung, eine Lebensader, die allerdings kein „Tabu“ war!

Aus der Sicht derjenigen, die an ihrer nationalen Identität festhielten, und das waren eben die Viele, die große Mehrheit unter den Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen, die nicht mit der Kommunistischen Partei paktierten, kam diese Attacke einer gezielten Hetze gleich. In ihrem natürlichen Sein getroffen, schrieen sie auf – und der schmerzvolle Aufschrei ertönt noch heute. Und was war mit den Parteimitgliedern aus der schreibenden Zunft, mit Leuten wie Richard Wagner, dem Lebenspartner der Schriftstellerin Herta Müller, der damals noch loyal zur kommunistischen Monopol-Partei stand und – nach eigenem Bekenntnis „kein Dissident sein wollte“ – was war mit diesen Paktieren und Seelenverkäufern, mit jener „Minderheit in der Minderheit“, die die „Gerechtigkeit“ schon damals gepachtet zu haben glaubten?
Sie fühlten anders – und sie fühlen auch heute noch anders. Nur wollen sie vieles, was damals wahr war, vergessen und ungeschehen machen, Gras über alles wachsen lassen und keine schlafenden Hunde wecken.
Und wer lachte sich damals ins Fäustchen, als „Niederungen“ die Gemüter erregte?
Die Parteikader der Kommunisten und ihre Handlanger bei der Securitate, weil die verhassten Deutschen – in Exodus und Agonie begriffen – sich jetzt auch noch selbst zerfleischten.
Ob Herta Müller die „besondere Situation“ verkannte?
Oder ob sie gezielt zum Todesstoß mit ausholte und den Untergang des Abendlandes vor der Pforte zur Walachei mit besiegelte?
Ob ihr Gewissen sie damals antrieb – oder nur das Ressentiment des Schlechtweggekommenen, das aus einer vielleicht frühkindlichen, vielleicht permanenten Verletzung herrührte?
Sie hat es wohl nie bereut und mit dem Hass, den sie provozierte, gelebt, bis zum heutigen Tag, ohne zu widerrufen und ohne sich von einem und ihrem destruktiven Prinzip zu distanzieren.
Wer, wie die Konrad Adenauer-Stiftung, ihre damalige Haltung ehrte und die Positionen im Frühwerk mit einbezog, der ehrte zugleich das destruktive Prinzip und setzte – politisch betrachtet – das falsche Signal.
Eine eventuelle Ehrung der kontroversierten Schriftstellerein Herta Müller mit dem Nobelpreis für Literatur, immerhin ist sie als Kandidatin der Bundesrepublik Deutschland nominiert, würde aus dem politischen Schaden einen wahrhaftigen Erdrutsch mit noch verheerenderen Wirkungen machen. Deshalb tut Aufklärung Not, bevor das Kind, das bereits in den Brunnen gefallen ist, überhaupt nicht mehr gerettet werden kann.
Doch wie ging es tatsächlich in einen Friseurladen zu, etwa in Sackelhausen? Wie war das mit dem „Scheitel“?
Alle Knaben meiner Jugendzeit trugen den „Scheitel“ links, obwohl einige von uns wussten, dass der Führer des Reiches Adolf Hitler den „Scheitel“ rechts trug. Wer auf dem Friseurstuhl Platz nahm, hatte die Auswahl zwischen zwei Klassikern: „Füllen- Frisur“, auch Füllchen-Frisur“ genannt oder „Scheitel“. Den boshaft konstruierten Ausdruck „Deutscher Scheitel“ habe ich nie vernommen.
Der Friseursalon war eine Nachrichtenbörse, ein Ort geistiger Auseinandersetzung im gepflegte Pro und Contra, ebenso ein Raum, wo viel über Geschichte, über die Erfahrungen aus zwei Weltkriegen und über die Kriegsfolgen, Flucht, Vertreibung, Deportation und Wiederaufbau lebhaft diskutiert wurde.
„Klein aber mein“, fasste Vetter Peter seine Deutschland-Kritik zusammen, indem er auf sein Häuschen verwies, das er mit seinen zehn Fingern aufgebaut hatte. „In Deutschland kommt kein Brot auf den Tisch“, stellte er fest, um dann endgültig ablehnend zu resümmieren: „Wo kein Brot ist, da ist auch sonst nichts zu erwarten.“ Also war Deutschland keine Thema für ihn bis zu dem Tag, wo er sich es dann doch noch anders überlegte. Wer fragte schon nach seinem „Opportunismus“. Schließlich war er doch nur ein Figaro, auf dessen „moralische und politische Integrität es nicht weiter ankam – und kein Schriftsteller mit Vorbildfunktion!
Bei Vetter Hans auf dem Friseurstuhl hörte sich das ganz anders an. Kaum hatte ich Platz genommen, vernahm ich die eine Frage: „Wann fahren wir nach Deutschland?“ Sprich: „Wann wird unsere Ausreise endlich bevorstehen?“ Dieses eine Thema wurde als Leitmotiv in unendlichen Variationen abgehandelt, über Jahre hindurch und verdrängte jeden anderen Diskussionsstoff. Wenn mein Blick über den imprägnierten Bretter-Fußboden huschte, fielen mir dort zwei verkrüppelte Füße auf, die in einem paar schweren, arg verkürzten Lederschuhen steckten. Die fehlenden Zehen erinnerten an die Strapazen des Russlandfeldzugs, denn Vetter Hans an der Seite reichsdeutscher Kameraden doch noch durchgestanden hatte – seine Hoffung und seine gesamte Zuversicht richteten sich seinerzeit auf ein Leben in Freiheit in dem Land seiner Wahl – und das war Deutschland.
Das Ziel und der Weg, dorthin zu gelangen, verband uns und bestimmte unsere Gedankengänge bis zu dem Tag, als wir uns im Jahr 1980 auf deutschen Boden in Freiheit wieder begegneten, gute drei Jahre vor „Niederungen“ und dem Höhepunkt des Exodus der deutschen Minderheit in Rumänien.
„Was fällt, soll man auch noch stoßen!“ Herta Müller hat dieses zynische Nietzsche-Zitat auf ihre Weise umgesetzt, indem sie – auch ohne Nietzsche zu kennen - über deutsche Scheitel und deutsche Schnurrbärte schrieb – und ebenso frivol witzig über ein „schwäbische(s) Bad“.

Politische Naivität oder böse Absicht

Wenn ein Schriftsteller angreift, karikiert und pointiert überzeichnet, verfolgt er immer einen Zweck. Und die Mittel, diesen Zweck zu erlangen, müssen ihm bewusst sein.
Das gilt auch für die kaum eine Seite lange Kurzgeschichte „Das schwäbische Bad“ aus dem schmalen Debüt-Bändchen „Niederungen“.
Um die verheerende Wirkung dieser gezielten Provokation zur Unzeit und am falschen Ort zu veranschaulichen, muss die eine „völkische Bezeichnung“, das Schwäbische, nur durch eine andere völkische Festlegung ersetzt werden, etwa durch „rumänisch“, „russisch“ oder durch eine stigmatisierende Bezeichnung von religiösen oder nichteuropäischen Minderheiten; und schon wird der offensive Hetzcharakter der Kleinsterzählung deutlich.
Nicht ein Individuum wird da verhöhnt oder ein typisches Milieu, sondern gleich eine ganze Volksgruppe und dahinter ein ganzes Volk.

Ganz egal, ob Herta Müller, das „Deutsche“ überzeichnet und gezielt verhöhnt – wie in der Figaro-Posse oder nur das „Schwäbische“ – und dabei das „Donau-Schwäbische oder das Banat-Schwäbische“ meint:
Sie hetzt mit dieser Vorgehensweise, mit diesem deplatzierten Stil - und sie spaltet! Dies aber zu einer „historischen Unzeit“, nämlich im Todeskampf der deutschen Minderheit im Banat und in Siebenbürgen, die unmittelbar davor stehen, über den forcierten Exodus ihre nationale Identität zu verlieren und ihr physisches Fortbestehen als nationale Minderheit für immer aufgeben zu müssen.
Durch das Einbüßen der spezifischen siebenbürgisch-sächsischen Identität oder der Banater Identität und der Heimat, wird der exponierte Einzelmensch zum Stigmatisierten, der als Gezeichneter mit Integrationsschwierigkeiten zu rechnen hat.
Wer aus Sodom und Gomorra herstammt, hat unter zivilisierten Kulturvölkern einen schweren Stand. Unschuldige werden so getroffen – und in der Bundesrepublik ausgegrenzt. „Das sind diejenigen aus der Trocken-Klo-Landschaft und den „schwäbischen“ Suhlkübel …“
Doch daran dachte die weit vorausschauende Autorin kaum. Sie hatte da noch eine Rechnung offen bei der deutschen Dorfgemeinschaft, die es anders wollte als sie selbst – und dieser Gemeinschaft, an deren Sitten und Gebräuchen sie nur widerwillig eine Weile teilnahm, gezwungen mit einem Kirchweih-Strauß in der Hand um die Bütt Polka zu tanzen, wollte sie es nun heimzahlen, indem sie das „Schwäbische“ an sich verunglimpfte, den Schiller und den Hegel, den Uhland und den Hauff, wie auch das Deutsche mit seinem Wesen, an dem einst die Welt genesen sollte.
„Jeder kehre vor seiner eigenen Tür“ las ich an der Pforte eines freisinnigen Rottweilers, der mit dem weisen Spruch vielleicht noch etwas mittelalterlichen Anstand in unsere heuchlerische Zeit herüber retten wollte.
Herta Müller, von Kind auf mit harter Arbeit vertraut, griff zu einem eisernen Besen und fegte vor der Tür ihres etwas aus den Fugen geraten Hauses – doch wie der Zauberlehrling in Goethes Ballade fegte sie wilder und wilder werdend auch den Kuhstall, den Saustall , dann über den eigenen Hof hinaus noch die Gasse, das ganze Dorf, ja die ganze Region … und selbst die Nation, wenn ihr kein Hexenmeister Einhalt gebietet. Was die Heilige Johanna nicht schaffte, das schafft vielleicht noch Herta Müller! Wäre es auch anders gegangen?
Mit Sicherheit! Wer die als spießig empfundene Welt der Kleinbürger missbilligte, konnte frei wegtreten und jene kleine Welt sich selbst überlassen, ohne ihre Menschen zu verunsichern, zu trennen, zu spalten und über Jahrzehnte gegeneinander aufzubringen und revanchistischem Hass das Wort zu reden.
So etwa habe ich es seinerzeit gehalten – und als ich mich leise von der Dorfwelt verabschiedet, um eine eigene Bahn zu schreiten. Als ich damals schied, in natürlicher Wegentwicklung, ging ich ohne Zäsur, ohne Zorn und ohne andere mit dem Schmutz zu bewerfen, den die eigene unbefriedete Seele ausgebildet hatte.

Herta Müller lieferte mit dem Tenor ihres Debütbändchens, dass gewissen Kreisen in der Bundesrepublik ins politische Konzept passte, eine gute Vorlage, um instrumentalisiert zu werden und um über dieses – wie man früher zu sagen pflegte „Mach-Werk“ – eine Diskreditierungskampagne gegen konservative Kreise in der Bundesrepublik loszutreten. Schließlich war alles, was das konservative Lager um CSU-Chef Strauß und CDU-Zugpferd Kohl schadete, legitim. Machiavelli hatte es so vorgesehen – und die literarische Landschaft lieferte die Mittel dazu.
Herta Müller wurde bekannt; bekannt als eine Schriftstellerin, die polarisiert, die Gräben aufreißt und die Menschen gegeneinander aufbringt.
Heute, 25 Jahre nach dem Erscheinen ihres Pamphlets gegen die deutschen Landsleute, ist der erhobene Vorwurf, die Vereinnahmung und Instrumentalisierung durch Dritte voll akzeptiert zu haben, ohne sich je von der verhängnisvollen Botschaft der Hetze und Spaltung zu distanzieren, immer noch legitim.
Sie hat die öffentlichen Preisgelder in nicht unerheblicher Höhe genutzt, um weiter zu denunzieren und zu trennen, statt zu versöhnen.
Dieses negative Prinzip sanktioniert und sogar noch prämiert zu haben, ist der große politische Fehler gerade der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Es wird auch noch zu überprüfen sein, ob bestimmte Meriten nicht durch das Verschweigen erheblicher Tatsachen erschlichen wurden. Sollte dies der Fall sein, sollte Herta Müller etwa eine langjährige Mitgliedschaft in der Rumänischen Kommunistischen Partei verschwiegen haben, dann hat die Autorin jede politische und moralische Integrität eingebüßt – und ist als öffentliche Respektsperson und als Kandidatin der Bundesrepublik Deutschland für den Literatur-Nobelpreis nicht mehr tragbar.

Ablenkungsmanöver nach Art der Securitate:

Mit der immer wieder ins Rampenlicht gerückten „Securitate“- Thematik lenkt Herta Müller gezielt vom eigentlichen Konflikt ab, nämlich von der Auseinandersetzung des rumänischen Staatsbürgers ganz gleich welcher Nationalität mit den politisch Verantwortlichen in der autoritären, später sogar totalitären „sozialistischen Republik, namentlich mit der einzigen Partei im Land, mit der Rumänischen Kommunistischen Partei.
Das sie – und nur sie – der Grund allen Übels ist in Rumänien seit 1945 erfährt man nirgendwo in Herta Müllers Werk.
Sie fokussiert immer nur auf die Exekutive, auf die Securitate, weniger auf die genauso verbrecherische „Polizei“, dort „Militz“ genannt, auf die Justiz oder gar auf die Legislative, sprich auf die RKP.
Auf die Aufarbeitung und Bewältigung der nationalsozialistischen Vergangenheit bezogen würde das bedeuten, die ideologische, weltanschauliche Struktur des ganzen Unheils, die NSDAP würde verschont bleiben, während das Interesse der Forschung sich lediglich auf die Vergehen und Verbrechen der „Gestapo“ oder der „SS“ konzentrierte. Eine groteske Vorstellung. Doch in der anderen Diskussion wird das bisher so gehandhabt und auch akzeptiert.
Sie lenkt die Scharmützel der Auseinandersetzung in ihren literarischen Werken bewusst auf einen „Nebenkriegsschauplatz“, möglicherweise um die eigene mehr oder weniger direkte und substanzielle Verstrickung in die später von den Rumänen selbst als „illegale und verbrecherische“ Organisation eingestufte „RKP“ zu verschleiern.
Soll der „freiwillige“ Pakt mit dem Teufel soll verschwiegen werden?
Ein realsozialistisches Vorgehen auch hier! Die Kommunisten des Ostblocks waren wahre Meister darin, Potjomkinsche Fassaden zu errichten und die Täuschung zum Weltprinzip zu erheben. Einige Schriftsteller, ferne Nepoten des Fürsten Potjomkin, folgten dieser Methode gerne und dehnten die Täuschung auf alles aus, was zum literarischen Sujet erhoben wurde, in einer verhängnisvollen „Vermengung und Vermischung von Wahrheit und Lüge“. Jetzt wird es langsam Zeit, die Schleier der Maja zu lüften und den Dingen auf den Grund zu gehen, die Phänomene röntgenhaft zu durchleuchten, sie differenziert anzusprechen und die Lügen zu entlarven – aus Liebe zu den reinen Tatsachen … und zur nackten Wahrheit!
Carl Gibson

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weltzeituhr 04.03.2010 | 21:55

Es ist viel geschrieben worden über Herta Müller, nach der Nobelpreisverleihung. Und davor? Keiner kennt sie! Sie hat keinen Namen...keinen bekannten wie alle Nobelpreisträger zuvor, ob die Anderen ihn verdiehnt haben ist die andere Seite.

"Es lohnt sich daher kaum, die Erzählungen hier vorzustellen, denn ich gehe einfach mal davon aus, dass der interessierte „Der Freitag“ – Leser zumindest einige der Erzählungen kennt."

Woher sollen die Leser hier Herta Müller kennen? Mein breitgefächerter Bekanntenkreis, Journalisten, Literaten usw. kennen diese Literatin erst seit der Nobelpreisverleihung.

Ich weiß nur, dass sie die DDR in Ihrem Kurzgeschichtenbuch dargestellt hat, wie es so gar nicht stimmte. Es ist eine Anmaßung über Geschichte zu urteilen, die sie gar nicht kennen konnte.

Selbst die Geschichten aus dem Banat sind fragwürdig.

Dreizehn 04.03.2010 | 22:53

Ich will ja nicht verschweigen, dass ich meine Vorurteile gegen die Müller habe. Kaum etwas von ihr gelesen, weil ich finde, dass sie einfach, was die Bundesrepublik angeht, nicht auf Höhe der Zeit ist.

Und hier ist die Literatur fest im Griff der konservativen Kräfte, letztes Beispiel dieser Wieheißterdochgleich ausm Osten, der auch hier wegen Plagiatvorwürfen abgebloggt wurde, ich vergess sowas gleich. Da wird versucht, mit nem willfährigen Schreiberling die Deutungshoheit über die Geschichte zu gewinnen. Und hier, die westlich "linke" Szene Berlin spuckt sowas wie die Hegemann aus.

Da wundert's, dass überhaupt jemand "kritische Literaturköpfe" herbeiwünscht. Aber spricht ja nix dagegen, schon mit dem Wunschzettel fürn Weihnachtmann zu beginnen. Sind wohl auch eher Rezensenten gemeint damit, wenn ich richtig lese. Nix für ungut,

Dreizehn

jayne 04.03.2010 | 23:27

wen wollen Sie eigentlich mit dieser zumutung von bandwurmkommentar erschlagen, mr. gibson? Und die weltzeituhr behauptet 20.55 uhr gar, herta müller sei hier völlig unbekannt - scheinbar trifft das nur auf Sie selbst zu, denn in den "niederungen" ist, anders als Sie behaupten ("Ich weiß nur, dass sie die DDR in Ihrem Kurzgeschichtenbuch dargestellt hat") von der ddr gar nicht die rede ...

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carl-gibson 04.03.2010 | 23:50

"Erschlagen" will ich mit Argumenten bestimmt keinen der Leser, aber zum Nachdenken anregen.
Einige Auszüge aus "Niederungen" werden aus einer Sicht kommentiert, die der Bundesbürger nicht kennen kann.
Der ehemalige Bürger der DDR hingegen versteht die Materie besser, weil er weiß, was erlebter Totalitarismus ist.

Stellen Sie sich vor, jayne:

Da kommt die böse Securitate und will Herta Müller verhaften. Wie wehrt sie sich? Mit dem Satz:
"Ohne Haftbefehl gehe ich nicht mit"!

Erklären sie das einem Bürger der DDR aus Opposition und Widerstand, der weiß, was ein Stasi-Kontakt bedeutet, der weiß, wie es im der Stasi-Folterzelle zugeht oder wie es im Stasi-Gefängnis aussieht!
Er wird sie verlachen!
Wenn die Gestapo kommt, die Stasi oder die Securitate, dann kann man nicht einfach sagen:
"Ohne Haftbefehl gehe ich nicht mit".

Der im Rechtsstaat lebende Bundesbürger mag das gutgläubig hinnehmen, aber nicht einer aus der totalitaristischen Zelle.
Dieser Satz allein verhöhnt den gesammten Widerstand im Ostblock.

Wenn Dr. van Helsinck Dracula mit dem Kreuz oder einen Vampir mit Knoblauch bannt, dann ist das belustigende "Fiktion".
Herta Müllers "Fiktion", lit. wiss. "erfundene Wahrnehmung" erhebt aber den Anspruch, etwas mit real sozialistischer Wirklichkeit zu tun zu haben.
Carl Gibson

Zachor! 05.03.2010 | 00:31

Ich denke, wenn heutzutage "keiner" aus einem Bekanntenkreis eine Person kennt, die eines Literaturnobelpreises würdig erachtet wird, und vorher schon etwa 2 Dutzend andere deutsche Literaturpreise bekommen hat, dann spricht das ziemlich stark - gegen den Bekanntenkreis, den ich schleunigst verlassen, wechseln, ändern würde. Über die DDR ist in diesem Buch nicht die Rede. Vielleicht sollten Sie sich zu Themen äußern, wovon Sie eine Ahnung und zu Büchern, die Sie gelesen haben.

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carl-gibson 05.03.2010 | 00:50

@Zachor: Wieviel "Ahnung" haben Sie von dem Leben in der Ceausescu-Diktatur? Woher beziehen Sie ihr Wissen? Wie wäre es mit einem Klarnamen, damit ich erkennen kann, wer hier Einschätzungen einstellt, die gewisse Realitäten verkennen? In Herta Müllers "Niederungen" gibt es überhaupt keine Kritik an den real sozialistischen Wirklichkeiten während der kommunistischen Diktatur. Wo haben Sie diese her? Herta Müller hat gegen die "deutsche Gemeinde" im Banat geschrieben, nicht aber gegen die Kommunisten, die ihr Buch gefördert und überhaupt erst möglich gemacht haben. Lesen Sie erst, was ich oben geschrieben habe, dann können wir gerne in die Details gehen! Carl Gibson

weinsztein 05.03.2010 | 05:01

Werter Carl Gibson,

Sie verfügen über viel Sachkenntnis, auch dank eigenen Erlebens der Ceausescu-Zeit, dank Ihrer mutigen Oppositionsarbeit damals als 17-jähriger, u.a. als Mitgründer einer Gewerkschaft und als Anhänger politisch-musischer Kreise. Mit etwa 20 Jahren verließen Sie Rumänien, 1979.
All das weiß ich durch wikipedia.

Ihre recht ausführlichen Einlassungen in diesem blog lese ich als Satire. Köstlich, wie Sie die penetrante Deutschtümelei im Banat Herta Müllers schildern, diesen Blut und Boden-Sumpf. Auch Ihre scheinbare Entrüstung über die Konrad-Adenauer-Stiftung liest sich amüsant, oder Ihre Parteinahme für Franz-Josef Strauß.

Ich muss gestehen, noch kein Buch von Herta Müller gelesen zu haben. Sie, lieber Herr Gibson, haben mich neugierig gemacht. Danke, das haben Sie wirklich sehr geschickt eingefädelt!

Eine Frage noch. Warum soll Zachor Ihnen seinen "Klarnamen" nennen? Das irritierte mich, weil Klarname klingt mir irgendwie nach Geheimdienstvokabel. Ich heiße ja auch nicht weinsztein.

Herzliche Grüße
weinsztein

SiebzehnterJuni 05.03.2010 | 05:07

Für Neugierige: eine Leseprobe aus der FAZ:

Damals im Mai

Von Herta Müller

Es war auch alles schön damals im Mai.
Die Forellen, die Forellen gab es nicht, aber ich hatte ein Buch dabei, und darin gab es Regenbogenforellen, jede Menge, verlorene Forellen. Die Möwen waren schön grau und schrien vor Hunger, und ich wollte, sie sollen nie aufhören, so schön zu schreien.
Das Meer hatte schöne trübe Wellen. Die waren schmutzig, denn sie brachten Erde mit. Im Meer war die Erde schön, denn sie war aus Schlamm.
In der Ferne hielten die schönen vermoderten Kriegsschiffe Manöver ab, und ich hatte ein wenig Angst vor dem künstlichen Nebel, und das war schön.
Der Sand war voller toter Muscheln mit aufgebrochenen Schalen, und ihr schönes weißes Fleisch war voller Schmerz, der sich so schön betäubend mitteilte und in der Sonne lag.
Der Sand war voller angeschwemmter Algen, die kalt und nass blieben, wenn sie starben, und die sich mit einem schönen Schauder an die glatte weiße Fußsohle klebten, aber der Strand war schön wild und menschenleer.
Am Strand lagen noch dürre Äste. Sie hatten schöne bedrohliche Verknorrungen, und wenn der Wind wehte, er wehte immer, fielen sie in Zuckungen und glichen in ihrem Ersticken den Forellen aus meinem Buch, die im Buch nicht erstickten, aber starben, und das war schön.
Und die Fische im Meer, die sah ich nicht, weil sie nicht an den Strand kamen, aber sie waren schön.
Und über dem Strand knackte es von Ästen wie im Wald, denn der Strand war so schön einsam. Die Grasbüschel waren herb, wie in einer verschwitzten Achselhöhle, und der Wind blies so schön, dass er sie über das schöne, erstarrte Gesicht der Sonne wehte.
An den Verkaufsständen gab es kalte Cola, und die Flaschen waren schön, und nach jedem Schluck kroch mir der Frost schön über den Rücken. Die Strandartikel wurden jetzt erst ausgehängt. Die BH der Badeanzüge waren schön leer in den Schaufenstern, und die Strohhüte waren aus schönen rauhen Löchern.
Und den Mädchen, die sie aus glattem dünnem Papier auspackten, knisterten die Hände. Und die Mädchen waren jung und schön. Und auch sie waren leer und lächelten fremd und fragend, und das war schön. Eine hatte schönes fettes Haar auf der Stirn, und die vom Zeitungskiosk hatte eine schöne dunkle Warze auf der Wange, mit einem schönen schwarzen Haar darin. Das Mädchen aus der Kaffeebar war über fünfzig und angenehm unfreundlich, was zu dem schönen Welken in ihrem Gesicht passte, und sie hatte etwas von der Dürre und Verstörtheit eines brütenden Sumpfvogels an sich, und das war schön.
Und die alten Fischer aus der Kneipe waren schön verkommen. Ihre Bärte waren zerwühlt und verklebt, und sie tranken und sangen schöne, heisere Räuberlieder, und ich wollte, sie sollen nie aufhören, so schöne, heisere Lieder zu singen. Und sie trommelten ihre Lieder in die Tischplatten mit ihren schönen, dreckigen Händen, bis sich die Tische auf dem Wasser wiegten, und das war schön.
Unter ihren Fingernägeln war das Blut sehr alt, sehr schwarz und sehr schön, und in ihren Augen stand schöner hellgrüner Schleim, und er war auch nasser und kälter als die Algen im Meer. Und das Salz darin war härter und nicht so durchsichtig, und das war schön.
Und wenn sie viel getrunken hatten, schwammen in ihren Augen die schönen Leichen der Fische, die sie an diesem Tag gefangen hatten, und ihre Augen konnten viel trinken und viel lügen und waren schön und glücklich. Und die Leichen, die darin trieben, waren auch schön und glücklich. Ja, und am schönsten war das Meer.
Der Sand war wie eine Verlängerung des Meeres, und ich lag darauf wie auf seinen schönen, kalten Fingerspitzen. Ich lag auf dem Rücken und schaute hoch hinauf. Unter den Wolken liebten sich die schönen, schleimigen Quallen, und das Meer wurde voller Schaum davon.
Und es atmete sehr laut und sehr schön, und ich wurde schwindlig, aber ich konnte nicht taumeln, weil ich auf dem Rücken lag.
Und der Sand trieb so schön hin und her, dass man glaubte, es sei vom Wind, aber es war nicht vom Wind, und das war schön.
Und nach der Liebe fraßen sich die schönen, schleimigen Quallen auf, und das Meer wurde ruhig und rötlich. Es war voller Wasser und voller Blut, und das war schön.
Und oben war das Dorf, und man musste viele Treppen steigen, die waren kantig und schön grau, und wo sie nicht kantig waren, waren sie ausgetreten, und das war schön.
Und ich trat auch darauf, und es bröckelte. Und neben den Treppen hing ein rostiger Briefkasten, und der Wind rannte manchmal dagegen, und dann klang es jedesmal hohl und schön aus seinen Briefen.
Und es war aber auch alles schön damals im Mai am Schwarzen Meer.
Ja, ich habe vergessen, auch du warst damals schön.
Vielleicht weißt du noch, ich schickte dir manchmal leere Ansichtskarten vom Schwarzen Meer, die waren schön.

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carl-gibson 05.03.2010 | 08:25

Zachor schreibt oben: "Sie stellen eine unverhohlene Kritik der nationalkommunistischen Diktatur in Rumänien dar. Die Geschichten zeigen Herta Müller damit genau von der politischen Seite her, die ihr bzw. ihrem Werk von ignoranten Kritikern abgesprochen wird."
Ein Mythos ist das. Herta Müller war keine Kommunismuskritikerin, sondern eine Nutznießerin des Systems. Man kann "Kritik", die man heute gerne hätte, auch a posteriori "an den Haaren herbeiziehen". Das reicht für die Tagespresse, aber nicht für die Wissenschaft.
Man meint auch, Herta Müller sei verfolgt worden. Auch das ist ein Mythos.
Weshalb sollte die Rumänische Kommunistische Partei im Jahr 1982 - mitten im Kalten Krieg - und noch Jahre vor dem Auftreten Gorbatschows in der Sowjetunion als Reformer - ein Buch zulassen, gar fördern, das systemkritisch ist?
Herta Müller durfte mehrfach in den Westen reisen (um 1984) und ihr Gatte, Dichter und RKP- Mitglied Richard Wagner, - heute auf der "Achse des Guten" neokonservativ aktiv - durfte es auch (1985). Beide kehrten freiwillig an der Ort ihrer Verfolgung zurück. Weshalb?
Carl Gibson

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carl-gibson 05.03.2010 | 08:54

Werter Weinzstein, ich freue mich zu hören, dass Sie - nun neugierig gemacht und angeregt - die Herta Müller-Lektüre aufnehmen werden.

Zu meinem Wikipedia-Porträt:
Es wurde kurz nach der Nobelpreisverkündung zerhackt, verkürzt entstellt, weil es einen Hinweis enthielt, der "schlecht für's Geschäft" war, nämlich die Feststellung, dass ich in meinem Buch "Symphonie der Freiheit" Herta Müller vorwerfe, eine Nutznießerin des Ceausescu-Regimes gewesen zu sein. Einige Leute hätten mein Porträt in der freien Enzyklopädie am liebsten ganz "entfernt", "gelöscht".
Während ich fort "reduziert", eingedampft wurde, wurde das Porträt Herta Müllers etwas aufgemöbelt, nach dem Vorbild ihres Selbstdarstellungs- und Selbstrechtfertigungs-Artikels "Die Securitate ist noch im Dienst" aus DIE ZEIT vom 23. Juli 2009, wo auch nachträglich "Unpassendes" einfach weggelassen, verändert und anderes retuschiert wurde.
Trotzdem: Meine Vita ist lückenlos und für jedermann nachvollziehbar.
Die Vita von Herta Müller hingegen weist noch manches "schwarze Loch" auf.
Das Schließen dieser Löcher durch Herta Müller, das ich seit 2006 fordere, könnte auch die Fragen klären, ob sie wirklich verfolgt wurde, wann das gewesen sein soll, wer sie verfolgt hat und in welcher Form.
Wir alle hier können in kritischer Diskussion zur Wahrheitsfindung beitragen.
Dies, insofern wir davon ausgehen, das "moralische und politische Integrität" eine Voraussetzung für die Nobelpreisnominierung sein sollen.
Carl Gibson

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carl-gibson 05.03.2010 | 09:05

Jedem das Seine. Über Geschmack kann man streiten - oder eben "nicht" streiten. Jeder soll lesen und selbst zu einer Einschätzung gelangen.
Immerhin wurde diese Art zu schreiben mit einem Nobelpreis für Literatur gewürdigt.
Herta Müller steht nun auf einer Stufe mit Thomas Mann. Schlecht für Thomas Mann?
Legen wir doch den Roman jenseits jeder Romantheorie ohne Anfang und ohne Ende "Herztier" mit "viel erfundener Wahrnehmung" neben den "Zauberberg" oder den "Doktor Faustus" ... oder die "Buddenbrooks", eine ihrer Erzählungen neben "Tod in Venedig" oder "Tonio Kröger", einen ihren so genannten Essays oder Auszüge aus ihrer so genannten "Poetik" neben die essayistisch-poetologisch-musikalischen Essays von Thomas Mann, vergleichen wir dann auch die Interview-Statements etc.

Vielleicht fällt uns dann etwas auf, das vielleicht, was die Franzosen (Flaubert) die "petite difference" nennen.
Carl Gibson

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carl-gibson 05.03.2010 | 09:21

Aus der "Betroffenheit" heraus liest man anders, jayne!
Nicht zu verkennen: Die "besondere Situation" der Angefeindeten.
Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen befanden sich damals in Agonie - mitten im Exodus.
Diktator Ceausescu wollte in seiner Dörfer-Systematisierung die deutschen Siedlungen schleifen lassen und die Deutschen aus den Dörfern in Städte umsiedeln, um sie so zu "assimilieren" und so ihre "kulturelle Identität" auszulöschen.
"So" wurden die Menschen aus dem Land getrieben.
Die BRD bezahlte ein Kopfgeld von ca. 8 000 DM pro Person. Die Verunsicherten Ausreisewilligen verdoppelten den Betrag, indem sie sich das Geld (auf Pump) von Verwandten aus dem Westen besorgten, um die Ausreise zu bescheunigen.
Torschlusspanik. Keiner wollte der letzte sein. Das war 1982, im Jahr als Herta Müllers Angriff auf das Deutschtum im Banat "Niederungen" erschien.
Die bundesdeutsche Fassung im Rotbuch-Verlag erschein 1984. Das war der Exodus der Deutschen aus Rumänien auf dem Höhepunkt. Die letzten ausreisewilligen Deutschen (ohne Bakschisch-Möglichkeiten) mussten bis zur blutigen Revolution im Dezember 1989 warten auf ihre Ausreise warten. Sie konnten erst (nach dem Fall der Mauer) bzw. nach Ceausescus Sturz das Land verlassen - ca. 100 000 Personen.
Herta Müller, die privilegierte Westreisende, aber kam schon 1987 - ganz legal - und ohne Bakschisch!
Wie kam das?

Carl Gibson

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carl-gibson 05.03.2010 | 09:31

@Siebzehnter Juni: "unsäglich"? Aus Ihrer Sicht vielleicht! Ich hatte Ihnen vor einigen Tagen auf ihre "rumänischen Sätze" geantwortet.
Mit dem "Bekanntheitsgrad von Herta Müller" ist es nicht weit her. Ihre Büchlein lagen wie Blei in den Regalen und wurden angeboten wie Sauerbier - bis zum Nobelpreis.
Nachdem "Atemschaukel" gepusht wurde, hat sich einiges geändert. So werden Namen gemacht.
Zu "Niederungen" - oben habe ich einiges interpretiert - natürlich aus meiner Sicht, aus der Perspektive des tatsächlich Verfolgten, der die Zellen und Foltermethoden der Securitate nicht nur vom Hörensagen kennt - wie Herta Müller.
Carl Gibson

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carl-gibson 05.03.2010 | 09:47

Sie wissen es vielleicht - ich wollte diesen Nobelpreis verhindern, nicht nur aus literarischen Gründen, sondern weil ich die "moralische und politische Integrität" von Herta Müller nicht bewiesen vorfand.
Zur Nominierung in Stockholm. Kaum einer wusste davon. Als ich die Sache ansprach, hieß es oft nur: Vor Herta Müller kommen noch hundert andere!
Man hat ihre Literatur und die Nominierung - in meinem Umfeld - nicht ernst genommen.
Was las ich jüngst im "Eulenspiegel"?
Von Nobelpreisträger Günter Grass wäre zu erwarten, dass er endlich mit dem Schreiben aufhöre. Bei Herta Müller aber wäre es wünschenswert gewesen, wenn sie nie damit begonnen hätte.
Die Meinungen gehen also auseinander, Herta Müller ist eine kontroversierte Autorin. Was von ihrem Werk literaturhistorisch Bestand haben wird, wird sich noch zeigen. Den Preis kann man ihr nicht mehr nehmen, aber ihr Werk wird man in der Forschung kritisch unter die Lupe nehmen - weltweit.
Was meinte doch Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki zu diesem Nobelpreis?
Kein Kommentar!
Das ist mehr als tausend Worte!
Carl Gibson

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matisse 05.03.2010 | 09:53

in unserem literaturzirkel, bestehend aus: germanisten, (rumänischen)historikern, verlegern, jounalisten, rezensenten...wurden mehrere bücher herta müllers besprochen und einstimmig als fade, fabulierend...empfunden;
sicherlich, nur eine gruppe menschen, die sich regelmässig - ob nun beruflich oder als literaturbegeisterte, mit büchern - nicht nur zeitgenössischer schriftsteller - beschäftigen.
das nur kurz zur "literaturästhekik" herta müllers
von einer gruppe aus betrachtet.

für mich, uns, kristallisieren sich tatsächlich fragen heraus die herr gibson hier und anderswo
schon mehrmals stellte.
das schweigen und die mitunter betretenden reaktionen
bzw. nichtreaktionen und stellungnahmen von namhaften literaturkritikern geben einem schon zu denken.

als bloße satire sollte man herr gibsons ausführungen nicht hinstellen, hierzu erscheinen sie mir zu ausführlich und profund.
herr gibson stellt hier die moralische integrität von herta müller in frage.
warum sollte er das nicht dürfen?
das einen-in-die-ecke-stellen geht ganz rasch in solchen blogs.

eine öffentliche stellungnahme herta müllers
wäre vieleicht allen gegenüber, die sich mit carl gibsons vorwürfe beschäftigen hilfreich und laudabel.

sie könnte ihn -sofern unbescholten - ganz schnell als lügner, wichtigtuer, selbstdarsteller (wie herr gibson in anderen blogs tituliert wurde)entlarven und bloßstellen.

warum recherchieren nicht namhafte journalisten oder
andere in der öffentlichkeit agierende personen?

es scheint in der at einige wiedersprüche im leben der herta müller zu geben.

liebe herta müller, klären sie uns auf, helfen sie uns durch dieses dickicht vieler offener und irreführender fragen, wir ergreifen gerne ihre hand um aus diesem labyrinth zu kommen.

ich schlage eine offene tv-runde: bestehend aus ehemaligen ceausecu-oppositionellen, rumänischen schriftstellern (wie z.b. schlesak), historikern...
und vor allem kritischen, vorbehaltslosen, unbefangenen moderatoren/innen vor.
dabei denke ich weniger an die ard, das zdf sondern vielmehr an arte.

Zachor! 05.03.2010 | 09:54

Sehr verehrter Herr Gibson,

Ihren ersten Kommentar zu meinem Eintrag leiten Sie damit ein, ich hätte Sie mit meinem Eintrag "provoziert". Zwar setzen Sie das Wort in Anführungszeichen, dennoch liest sich das so, als ob Sie ein Monopol, eine Deutungshoheit auf Müllerinterpretationen hätten. Wenn das so ist, tut es mir Leid, dieses Monopol verletzt zu haben. Ich dachte, in diesem Forum dürfte jeder seine Meinung äußern, solange diese keine Beleidigung anderer darstellt. Sollte das aber nicht der Fall sein und Sie haben kein Monopol auf Beiträge zu Herta Müller, erachte ich diesen Anspruch als Anmaßung, die Ihre Kommentare disqualifiziert.
Das mit dem "Klarnamen" habe ich nicht verstanden. Ein anderer User hat schon angemerkt, dass dies sich wie ein Geheimdienstjargon anhört. Doch habe ich keine Probleme damit, meinen zivilen Namen hier zu offenbaren, wenn und nachdem auch Sie bereit sind, Privates von sich zu geben. Nicht weil es mich interessieren würde, sondern damit auch Sie diese Erfahrung machen, dass andere in Ihrem Privatleben herumschnüffeln wollen. Z.B. kann ich Sie fragen: wie heißen Ihre Töchter? Warum sind Sie zweimal geschieden worden? (Nicht dass es mich interessieren würde - aber wenn Sie von mir Privates haben wollen, müssen auch Sie Privates verraten).
Und nun zum Inhaltlichen: Sie haben zwar viel Text hier reinkopiert, doch mit keinem einzigen Wort haben Sie wenigstens den Versuch gestartet, die brisante politische Botschaft der drei Geschichten (Meinung, Inge, Wultschmann) zu widerlegen. Solange Sie dies nicht tun, sondern nur monomanisch Ihr Zeug loswerden wollen, das Sie, wie ich gerade gesehen habe, auch anderswo im Netz deponiert haben, solange werde ich nicht mit Ihnen diskutieren.

jayne 05.03.2010 | 09:56

@Carl Gibson: Sie schreiben: im Jahr, als Herta Müllers Angriff auf das Deutschtum im Banat "Niederungen" erschien - einfach lächerlich diese interpretation von texten, die ja gerade aus einer innenperspektive heraus erzählt werden und ihre poetische kraft entfalten. Sie können anderen Ihre lesart auch nicht einfach hier aufzwingen, und zum andern habe ich in den "niederungen" nichts denunziatorisches entdecken können ...

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matisse 05.03.2010 | 10:06

ihre begeisterung teile ich nicht, ich empfinde herta müllers bücher als fade, langweilig wie hier im blog von dreizehn erwähnt:

Danke, SiebzehnterJuni. Nein, ist nicht mein Fall. Ich hab das Gefühl, ich soll da mit der Nase auf etwas gestoßen werden. Schwerfälliger Stil, dieses unablässige "und", nur noch getoppt durch "und dann". Das "schön" zieht ein Konzept durch, das sich ein Autor zurechtgelegt hat. Kommt bei mir als konstruiert an. Steckt kein Leben drin oder jedenfalls zu wenig.

renomierte verlage sind wahrlich kein garant für gute literatur. die verlage müssen die schwerfälligkiet der masse schon allein aus verkaufsimmanenter sicht im auge behalten.
nur so erklären sich die vielen schlechten und oberflächlichen romane die allein im vergangenen jahr publiziert wurden.
ja, das gabs auch schon früher...das verkaufen-müssen ist ja so neu nicht.

deutlich kann man das an den oftmals zu jungen preisträger/innen feststellen.
denn preise fördern ebenfalls die verkaufszahlen.
ich wünsche mir wieder mehr ehrungen für schriftsteller/innen, die sich nachvollziehbar etwas schwer erarbeitet haben, die sprache als eine herausforderung verstehen.

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carl-gibson 05.03.2010 | 10:15

Denunziation, Hetze, Spaltung sind geradezu Spezialitäten von Herta Müller. Sie debütierte mit diesen skandalösen Praktiken und zog sich den Ruf einer "Nestbeschmutzerin" zu, lange vor meiner Zeit. (Ich war damals noch mit konkreter Opposition gegen Ceausescu beschäftigt, auch vom Westen aus, wo ich eine UNO-Klage gegen den roten Diktator auf den Weg brachte, als SLOMR-Sprecher und Kronzeuge der Verfolgung von echten Dissidenten.) Schauen Sie sich bitte folgende Passage näher an, bitte mit etwas Empathie für einen, der mit dem Rücken zur Wand steht, bedroht von einem verbrecherischen System:

"Dein Vater hat viele Tote auf dem Gewissen, sagte eines der betrunkenen Männchen. Ich sagte: Er war im Krieg. Für fünfundzwanzig Tote hat er eine Auszeichnung bekommen. Er hat mehrere Auszeichnungen mitgebracht. In einem Rübenfeld hat er eine Frau vergewaltigt, sagte das Männchen. Zusammen mit vier anderen Soldaten. (…) Es war eine Russin.“

Wer ist das graue Männchen, der aus dem ehemaligen SS-Mitglied einen negativen Helden, ja Massenmörder macht?
Spricht da ein veritabler Zeitzeuge, der ein authentisches Testimonium ablegt, einer dabei war im Schützengraben vor Stalingrad oder doch nur ein boshafter Denunziant in fremdem Auftrag?

(...)
Die Dorfgemeinschaft erscheint in dieser Kurzgeschichte als bedrohende Masse, als eine Summe von unreflektierten Einzelmenschen, die das Anderssein eines Mitmenschen nicht gelten lassen wollen, die den Andersdenkenden bedrohen und „das Gewehr“ auf ihn richten, bereit, Ketzer und Außenseiter jederzeit abzuschießen, besonders Tabu-Brecher und so genannte „Nestbeschmutzer“. Die historisch gewachsene Gemeinde, für viele eine existenzerhaltende Einheit, rechtfertigt sich:

„Wir sind stolz auf unsere Gemeinde. Unsere Tüchtigkeit bewahrt und vor dem Untergang. Wir lassen uns nicht beschimpfen, sagte er. Im Namen unserer deutschen Gemeinde wirst du zum Tode verurteilt. Alle richteten ihre Gewehre auf mich. In meinem Kopf war ein betäubender Knall. Ich fiel um und erreichte den Boden nicht. Ich blieb quer über ihren Köpfen in der Luft liegen.“

Die deutsche Gesellschaft und Gemeinschaft im Banater Dorf wird zum Feindbild erhoben – ihr Wertesystem, aus linksintellektueller Sicht kleinbürgerlich, spießig, heuchlerisch, faschistoid oder mit latenten Hang zum Faschismus, wird abgelehnt, weil es der freien Selbstentfaltung des kreativen Individuums, des Schaffenden in allen Bereichen der Existenz, zuwiderläuft. Wo andere die Geborgenheit fanden, ein Gefühl von Heimat und deutscher Identität, sahen einige Extremdenker die Dinge anders. Die Konsequenz bedeutete Zäsur, Bruch mit der nicht mehr geliebten „Werte-Welt der Vorväter“, eben weil der letzte große Krieg neue Fakten geschaffen hatte – und neue Formen von Verantwortung und Schuld."

Bitte beachten Sie die Zitate aus "Niederungen"/ Grabrede.

Carl Gibson

Zachor! 05.03.2010 | 10:34

Herr Gibson,

ein letzter Versuch: kennen Sie die oben erwähnten drei Geschichten, welchen ich eine politische Aussage bescheinigt habe?
Oder sprechen Sie diesen Geschichten diesen politischen-oppositionellen Bezug ab, ohne sie zu kennen? Versuchen Sie, einen Satz zu formulieren: "Ja, ich habe sie gelesen und..." oder "Nein, ich kenne sie nocht nicht..."
Um diese Geschichten zu deuten, brauche ich der Welt keine besonderen "Informationen" über mein Alter, Herkunft etc. mitzuteilen. Die Leserschaft des Blogs kann sich auch so ihr Urteil bilden.

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carl-gibson 05.03.2010 | 10:47

Die drei von Ihnen erwähnten Geschichtlein sind aus meiner Sicht schlechthin irrelevant. Opposition gegen Securitate und gegen die Kommunistische Partei Ceausescus war etwas anderes. Was wissen Sie davon, Zachor?

Herta Müller war mit einem Mitglied der Rumänischen Kommunistischen Partei verheiratet!
Wer soll sie denn verfolgt haben?
Weshalb blieb sie 1984 nicht hier im Westen?
Das sind relevante Fragen, Zachor!

@el greco: Sie schreiben:
"warum recherchieren nicht namhafte journalisten oder
andere in der öffentlichkeit agierende personen?

es scheint in der at einige wiedersprüche im leben der herta müller zu geben.

liebe herta müller, klären sie uns auf, helfen sie uns durch dieses dickicht vieler offener und irreführender fragen, wir ergreifen gerne ihre hand um aus diesem labyrinth zu kommen.

ich schlage eine offene tv-runde: bestehend aus ehemaligen ceausecu-oppositionellen, rumänischen schriftstellern (wie z.b. schlesak), historikern...
und vor allem kritischen, vorbehaltslosen, unbefangenen moderatoren/innen vor."

Vielleicht kommt es dazu. Auf DIE ZEIT-Online bin ich gesperrt, bei SPIEGEL-Online werden einige Beiträge aus meiner Feder nicht veröffentlicht, meine kritischen Kommentare in FAZ.net werden im Internet nicht gefunden - dagegen gehalten habe ich jedoch von Bukarest (Romania Libera) bis in die USA (ABC-Sender). Viele kritische Kommentare wurden in Wien veröffentlicht, in "Die Presse", auch auf der ARD-Seite, Report-Mazazin aus Mainz des SWR.
Eine öffentliche Debatte aber kann hier auf Freitag beginnen - das ist die richtige Adresse für den kritischen Dialog mitten in Berlin, am Puls der Zeit und der Demokratie (freie Meinungsäußerung!)
Carl Gibson

Friedland 05.03.2010 | 11:50

Vielen Dank für diesen Text, lieber Zachor!.

Wer Frau Müller liest, wird immer wieder auf bemerkenswerte oder schlicht nur schöne Sätze stoßen. Wenn wir die Künstlerin dahinter einmal außer acht lassen, kann man nicht anders, als diese Texte zum Großteil zu genießen.

Herr Gibson,

zu Ihrem Vorgehen hier (und anderswo?) fallen mir leider nur martialische Ausdrücke ein: Privatkrieg, Heckenschütze, Fehde, Feldzug etc. Es wäre doch aber schade, müsste ich Sie darauf reduzieren...

Sicher haben sie ein Anliegen und einen Grund für Ihren Einsatz. Ich kann diese Vehemenz aber schlicht nicht nachvollziehen. Wenn Sie aber recht haben sollten, wird man Sie irgendwann bestätigen. Oder ist dies bereits durch andere Experten geschehen? Dann verlinken Sie dies doch bitte (kurz!)

Ich werde Frau Müller jedenfalls (weiter) durchlesen...

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carl-gibson 05.03.2010 | 12:02

Herr Friedland, ich vertraue Ihrem kritischen Urteil und bin bereit solche Vorwürfe wie oben zu ertragen - bis zur Gegenprobe.

Hier einige Links, auch in Sachen "indirekte" Zensur, Beeinflussung, Manipilation:

community.zeit.de/commentsection/url/2009/31/Securitate

www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,654169,00.html

Mein "Offener Brief an Herta Müller" ist auf

www.siebenbuerger.de
abrufbar (allgemeines Forum), ebenso die Debatten zum Thema Herta Müller und Richard Wagner, die dort länger als ein Jahr intensiv und kontrovers geführt wurden.
Dort auch diverse Artikel zu meiner Opposition.
Weitere Links folgen gleich. Carl Gibson

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carl-gibson 05.03.2010 | 12:12

Zur Securitate-Thematik bzw. zum angeblichen Widerstand von Herta Müller /Verweigerung einer Mitarbeit sei empfohlen hier auf Freitag:

www.freitag.de/community/blogs/schlesak/die-securitate-ihre-foltermethoden-ihre-dissidenten-und-informanten

Romancier Dieter Schlesak ( Capesius, der Auschwitzapotheker) ist ein genauer Kenner der Materie und Literat von Rang. Er floh 1969 aus Rumänien und kennt die Materie als Insider mit eigener Securitate-Erfahrung als Verfolgter.

Zusätzlich zur "Siebenbürgischen Zeitung" empfehle ich einen Blick auf
www.banatblog.eu
mit zahlreichen Debatten zur Thematik (Securitate, Denunziation, IMs, Herta Müller, Richard Wagner, Banat, Nobelpreisrezeption etc.)
Freuden des Googelns empfehle ich das Verknüpfen der Begriffe und Namen - atusende Treffer warten auf kritische Analyse und Auswertung.
Carl Gibson

Friedland 05.03.2010 | 12:22

Herr Gibson,

ich bin den Links (danke dafür) z.T. gefolgt, dabei stellte ich fest, dass nicht nur mir, sondern auch anderen Ihr Vorgehen ("Hetze", "Kreuzzug") gegen Frau Müller und ihre Auszeichnungen aufgefallen. Daher meine Frage an Sie:

Wann wird es wieder ein Werk von Ihnen geben, in dem nicht GEGEN etwas oder jemanden argumentiert(?) wird, sondern in dem Sie FÜR etwas einstehen? Denn offenbar geht sehr viel Zeit für das Verfassen von Texten und Kommentaren gegen Frau Müller drauf - oder irre ich?

Zachor! 05.03.2010 | 12:31

Herr Gibson,

ich habe Sie um eine einfache "Ja" oder "Nein" Antwort auf die Frage gebeten, ob Sie die drei Geschichten gelesen hätten. Ihre Antwort war ausweichend: "Die drei von Ihnen erwähnten Geschichtlein sind aus meiner Sicht schlechthin irrelevant."
Haben Sie sie aber gelesen?

Friedland hat Sie gefragt, ob irgendein Experte (!) Ihnen schon Zustimmung zu Ihren Vorwürfen signalisiert hat. Ihre Antwort war der Verweis auf Ihre eigenen Ergüsse anderswo im Netz und auf einen Beitrag eines Schriftstellers(!!!), der bereits 1969 (!!!) Rumänien verließ, aber Urteile über das Rumänien der 1980er Jahre abgibt.

Da Sie weder direkt antworten wollen noch Experten vorweisen können, muss der logische Schluss sein, dass Sie a) die drei "Geschichtlein" nicht gelesen haben, sie aber abschätzig abtun und b) dass kein ernsthafter Literaturwissenschaftler oder Historiker Ihre Vorwürfe in Bezug auf die Literatur und auf das politische Agieren der Frau Müller bestätigen kann.
So simpel ist das. Luft, heiße Luft!

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carl-gibson 05.03.2010 | 12:40

Herr Friedland,
in meinem Buch "Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur, Dettelbach 2008 geht es auf 418 eng beschrieben Seiten im großen Format um die Dokumentation der ersten freien Gewerkschaftsbewegung in Osteuropa, fast zwei Jahre vor Solidarnosc in Polen.

Als Organisator dieser Menschenrechts- bzw. Bürgerbewegung musste ich damals ins Gefängsnis.
In meinen Buch ist die kulturelle Dissidenz nur ein Randthema innerhalb der "Dissidenz" überhaupt - und die deutschen Dichter bzw. Schriftsteller werden nur in wenigen Kapitel tangiert ( keine 5% der Materie!)
Ergo schrieb ich das Buch nicht "gegen" Herta Müller!
Aber ignorieren konnte ich die Materie auch nicht, weil Herta Müller und Richard Wagner in dem SPIEGEL-Interview aus dem Jahr 1987 nach ihrer Ankunft hier jede "Dissidenz" in Rumänien leugneten, sich aber als "doppelt" Verfolgte ausgaben,
verfolgt von den Banater Schwaben und von der Securitate Ceausescus.

Das sind Märchen, Herr Friedland.
Jeder kann im Internet in mein Buch über books.google.de Einblick nehmen.

Das Buch ist nicht für einen großen Leserkreis geschrieben und hat mir noch keine materiellen Vorteile eingebracht.
Es ist das Testimoinium eines Zeitzeugen, der die Ceausescu-Diktatur anders erlebt hat als Herta Müller sie schildert.
Jeder ist frei, meine Sachen zu lesen oder die Literatur von Herta Müller.
Mir geht es um konkrete Vergangenheitsaufarbeitung und -bewältigung, um historische Fakten, um Realität, um Moral, um Ethos, nicht um "Fiktion".

Bd.2 habe ich seit fast zwei Jahren zurückgestellt, um diese Debatte führen zu können. Aufklärung ist angesagt, da Herta Müller mit ihren Denunziationen fortfährt, selbst aber keinen Lebenslauf vorlegt, obwohl es - nach ihrer Aussage in dem ZEIT-Artikel eine Securitate-Akte gibt, die sie als "Agentin" dieser Securiate darstellt.
Was ist wahr?
Was ist falsch?
Was ist gefälscht?
Wir werden es herausfinden, Herr Friedland.
Carl Gibson

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carl-gibson 05.03.2010 | 12:55

Zachor, who? Sie reden hier wie der Blinde von der Sonne, unterstellen mir "heiße Luft!" Wo sind Ihre "Ergüsse", ihre Meriten? Sind Sie freiwillig hier oder in "Mission" unterwegs, um den Absatz anzukurbeln?

Das alles hatte ich schon hundertfach: Ablenkung, Desinformation, Akzidens, statt Substanz.
So einfach ist das nicht. Die kritischen Köpfe hier werden selbst zu einer Einschätzung gelangen, sie müssen sich nur das ansehen, was die Zensoren bei der ZEIT von meiner Kommentare noch übriggelassen haben. Das reicht schon aus, denn das spricht Bände.
Carl Gibson

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carl-gibson 06.03.2010 | 12:36

Freiheit, Freiheit, Freiheit! -
schreit Mel Gibson in Brave Heart!

Und Carl Gibson schreit:

Wahrheit, Wahrheit, Wahrheit!

Apropos ideologische Konseqeunz:

Aus einigen enthusiastischen Linken wurden später stramme Konservative.
Andererseits wurden aus ehemals Konservativen mit zunehemendem Alter und Einsicht in die Wirklichkeiten wahrhaftige Linke.
Darüber sollten gewisse Leute einmal nachdenken.
Den Ignoranten rate ich meinen Text zulesen, den Links zu folgen ... und mit dem Nachdenken zu beginnen.
Carl Gibson

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matisse 06.03.2010 | 19:45

der ausgangskommentar von zachor liest sich geradezu wie ein verzweifelt-"fanatisches" plädoyer für herta müller, das mir zu angetrieben, aufgesetzt und quertreiberisch erscheint.

nicht wenige menschen stehen noch auf diversen honorarlisten und verdienen sich
ihren lebensunterhalt mit quertreibereien, irreführungen bzw.
ablenkungsmanövern.

bis jetzt gehe ich d´accord mit herr gibson, der mir hier keinesweges als bloßer hetzer und schwätzer erscheint.
seine ausführungen geben mir seit beginn der hiesigen blogs zum thema herta müller bzw. securitate...sowie innerhalb anderer internetrecherchen in sache moralischer aufarbeitung und glaubwürdigkeit gegenüber der person herta müller sowie die damaligen, tatsächlichen ereignisse zu denken.

vielleicht überzeugen mich herta müller und andere in der öffentlichkeit stehende
journalisten mit ihren profunden und glaubwürdigen tatsachen vom gegenteil.
bis jetzt ist wenig geschehen, herta müller ist für mich eine art "bonus- u. vorzeigedissidentin".

da ich einige ihrer bücher kenne und sie mit freunden besprach, darf ich, dürfen wir für mich/uns in anspruch nehmen, diese - wie übrigens auch andere preise -
als fragwürdig zu betrachten.

der preis wurde wie ein schutzmantel über sie geworfen, denn diese feine kleidung macht herta müller ja (beinahe) unangreifbar.

eine befreundete buchhändlerin einer großen buchhandlungskette bestätigte mir, dass sich herta müllers bücher in den jahren zuvor sehr gering verkauften.
jetzt hingegen sehr gut, keine überraschung, viele menschen lassen sich immer wieder vom allgemeinen nachgequake täuschen.

ich frage immer mal wieder:
wo sind die kritischen herausforderer, die herta müller in einem offenen gespräch mit ihrer vergangenheit konfrontieren, will schreiben nicht in einem "braven" interview, vis-á-vis in einem eck eines foyers eines guten hotels, wo gedämpftes licht vorherrscht,
wie man es schon mehrmals seh-hören durfte, sondern im rahmen einer vollbeleuchteten kritischen runde, zusammengesetzt aus dissidenten, opfern, menschen, die im gefängnis saßen, gefoltert wurden - davon gibts nicht wenige - sowie (literatur)historikern und literaturkritikern.

herr schlesak und herr gibson scheinen mir solche aufrichtigen menschen zu sein.

doch die angst ist groß, das spürt man schon in diesem blog.

j'ai encore une lueur d'espoir.

qui séme le vent récolte la tempête!

Zachor! 06.03.2010 | 20:02

Ich habe meine Meinung und Einschätzung öffentlich gemacht. Ist das so verwerflich, el greco? Darf ich das nicht, nur ihr geistiger Mentor, Herr Gibson? Sie alle anderen, die mit Ihnen nicht derselben Meinun sind, keine "aufrichtigen Menschen"? Was für ein Demokrativerständnis ist das? Was für ein Literaturverständnis ist das, das nur eine einzige Interpretation, nämlich die eines gescheiterten Dozenten, zulässt und alle anderen als "unaufrichtig" diffamiert?

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carl-gibson 06.03.2010 | 21:58

Herta Müller und ihr ehemaliger Gatte Richard Wagner, heute beide Wahl-Berliner, haben die linke Weltanschauung verraten. Früher einmal links ( Wagner gar Mitglied der RKP)stehen sie heute im antikommunistischen Langer und wettern als stramme Konservative gegen etwas, wogegen sie früher in der Ceausescu-Diktatur hätten opponieren müssen.
Damals arrangierten sie sich mit den Machthabenden - heute ist alles vergessen und wird verdreht, so wie es gerade passt, a la Zachor:
Der "Widerstand", den man gerne hätte, wird via forcierter Interpretation an den Haaren herbei gezogen.
Bisher hat das gut gereicht, da in der Tat, el greco, niemand tiefer gegraben hat, um nachzufragen ,was konkret vor 1987 war.

Weshalb durften beide frei in den Westen reisen, während andere an der grünen renze erschlagen wurden?
Weshalb durften beide 1987 galant ausreisen?

Den Text oben habe ich auch für Spezialisten wie Ingo Arend hier eingestellt - es ist aber nur "eine" Sicht der Dinge, mehr nicht.

Mich überrascht die Zurückhaltung hier, mitten in Berlin! Hat denn niemand mehr von Herta Müller gelesen?

Reden wir doch konkret über ihr Oeuvre!
Was ist Fiktion, was ist Realität?

Was ist mit den Interviews?

Erwarten wir da auch nur "Fiktion"?
Oder wollen wir wissen, was wahr war und ist?

Herta Müller denunzierte am laufenden Band! Der ZEIT-Artikel ist voll von Denunziation! Die ZEIT weigerte sich aber, die Gegendarstellung eines Betroffenen zur durcken. Weshalb?

Weshalb bekommt die Lüge eine große Plattform - auf dem Markt, vor den Menschen?

Und weshalb müssen die echten Dissidenten und Widerständler aus den Katakomben schreien?

Viel Stoff für "Freitag"!
Wer mehr wissen will, muss recherchieren, berichten!

Weshalb stützt eine FAZ die Lüge?
Weshalb kapitulieren linke Kreise vor der Allmacht der Konservativen in Sachen Lobby?

Der von mir verlinkte ZEIT-Artikel, gespickt mit Lügen aller Art (Ohne Haftbefehl gehe ich nicht mit!!! etc. etc.)ist ein guter Einstieg.

Jedem anderen Schriftsteller hätte diese Art Bericht das Genick gebrochen - nicht aber Herta Müller!

Der Filz und die Heuchelei stinken zum zum Himmel.
Aber wir haben nichts Besseres verdient, wenn wir das nicht änderen.
Die obskuren Zachors lachen sich ins Fäustchen und streichen den Lohn ein.
Carl Gibson (von unterwegs)

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carl-gibson 07.03.2010 | 11:45

Die Frage ist, ob eine "geistige Autorität" auch "moralisch integer sein muss oder nicht.
In diesen Tagen von Sodom und Gomorra in Kirche und Gesellschaft erscheint uns die eine oder andere "kleine Lüge" noch tragbar. Man schaut weg, abgelekt von den vielen großen Lügen wie Globalisierung, Krieg, Verletzung der Menschenrechte selbst in demokratischen Staaten etc.
Wieviele "schwarze Flecken" erträgt eine weiße Weste - und wie groß dürfen die schwarzen Flecken sein bis das Weiß verschwindet?

Am Anfang stehen Werte wie Wahrheit, Moral, Vertrauen. Werden sie in kleinen Schritten aufgegeben, dann machen sich Heuchelei und Lüge breit, die einen gesellschaftlichen Niedergang nach sich ziehen.
Die echte Diskussion, Magnus, hat noch nicht richtig begonnen.
Carl Gibson

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carl-gibson 07.03.2010 | 11:57

Die Wahhrheit, el greco, steht weder links noch rechts. Gewisse Dinge sind einfach nur wahr oder falsch. Wer, wie gewisse Autoren, Wahrheit und Lüge vermengt, Fiktion als Realität verbreitet, der verfälscht Realität und Geschichte.
Dadurch ensteht ein falsches Bild von Menschen und Zeiten, ein Zerrbild, das zur Kultivierung von Hass, Hetze und Spaltung genutzt wird.
Wer genauer hinschaut und hinter die Potjomkischen Fassaden blickt, sollte eigentlich erkennen, was Täuschung ist und wo Mythen regieren.
Carl Gibson

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matisse 07.03.2010 | 12:44

@ herr gibson
inzwischen fasse ich herta müllers person bzw. ihre
"dissidentsiche wohltätigkeit", die sie vermutlich
unter schutz und windungen, weniger in niederungen,
ausübte, als gegenwartsmythos auf.

nicht wenige ihrer leser leben selbstgenügsam und unkritsich vor sich oder unterrichten in engen klassenzimmern oder privatgelehrter umgegebung, im schutz von hohen alten mauern, abseits der wegweiser für meinungsbildungen.

die mehrheit liest bestenfalls die bildzeitung, geschweige denn klassiker, moderne- oder gegenwartsliteratur, wenn es nicht gerade der schulstoff verlangt.

zerrbilder und täuschungen - in der tat.
aber die zeitungen, instanzen... bzw. ein teil der (literatur)kritiker, die geschaffene zerrbilder und
fingiertes in die welt setzen und den leichtgläubigen botschaften wie ein 5-gänge-menü zum fressen vorwerfen, unterliegen anscheinend höheren politischen entscheidungsträgern, sie müssen kuschen - auch vor einem herr naumann, der überall seine fäden zieht, und ziehen lässt, wenn er mal in urlaub ist.

der journalismus im allgemeinen befindet sich in einer sackgasse, einem sumpf.
oder herr gibson?

Jäger 07.03.2010 | 15:58

Lieber Herr Gibson!

Mich überrascht immer wieder die Naivität, mit der ehemalige osteuropäische Dissidenten unhinterfragt moralische Werte zu Prinzipien der Politik machen wollen.

Machen Sie sich doch die Mühe und versuchen ein gesellschaftliches Subsystem nach dessen eigenen GEsetzen zu beobachten und bewerten. Von ihrem hohen moralischen Ross werden Sie immer nur die beleidigte Leberwurst spielen können. Das ist nach 20 Jahren so ermüdend!
Ähnliches gilt auch außerhalb der Politik. Selbst wenn Müller Kommunistin gewesen wäre, würde das wenig ändern.

Das sie das Wort "Nestbeschmutzung" allen ernstes ohne Ironie als Anklage benutzen, gegen Müller, ist einfach nur peinlich. Sie werden keine "Volksgemeinschaft" finden können, die das noch als Vorwurf versteht!

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magnus-goeller 07.03.2010 | 17:34

Lieber Zachor, lieber Carl Gibson als Hauptkontrahenten,
Carl Gibson meinte hier soeben, auch an mich gewandt, die echte Diskussion (bezüglich Herta Müllers und der mit ihr verbundenen Fragen) habe noch nicht begonnen.

Den Eindruck habe ich als jemand, der leider ihr literarisches Werk nicht kennt, allerdings auch.

Als erstes empfände ich es als zielführend, wenn der Blogautor die Fairness besäße, seine reale Identität preiszugeben, welches zumal aufgrund der teilweise persönlich herabsetzenden Angriffe gegen Carl Gibson (gerade erst "beleidigte Leberwurst") absolut angezeigt erscheint.

Irgendwo, irgendwie, irgendwann: jedenfalls hier wird es schäbig, wenn eine Seite sich hinter einem Pseudonym verstecken kann, während der Hauptantagonist direkt von weiteren Anonymussen (Anonymusi?) heruntergeputzt wird.

Darf man die Worte "Ehre" und "Anstand" in diesem Zusammenhang bemühen, oder verstößt das dann gegen die "Netiquette" sowie "AGB" des Freitag?

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carl-gibson 07.03.2010 | 18:42

Lieber Herr Jäger,
wenn wir Ethos, Moral, Wahrheit, Vertrauen andere Werte aufgeben, dann wird aus unserer Gesellschaft ein großer Saustall, ein Sodom und Gomorra, wie es vielleicht vor der Sintflut existierte. dahinter ein allmächtiger Staat, wo der Wille zur Macht regiert und die Kraft des Stärkeren.

Wollen wir das - nach den Erfahrungen der braunen und der roten Diktatur hier in Deutschland und anderswo?

Apropos "Nestbeschmutzung"!
Der Begriff stammt nicht von mir. Er ist alt und wurde auf Herta Müller bezogen, als sie "Niederungen" vorlegte (1982).

Das habe ich oben kommentiert.

Doch wir müssen differenzieren: Wenn Thomas Bernhard oder Elfriede Jelinek (Nobelpreisträgerin) Misstände der österreichischen Gesellschaft anprangern, dann ist das legitim, weil die intakte Struktur des österreichischen Volkes oder Staates durch diese "konstruktive" Kritik nicht existentiell tangiert wird, ganz im Gegenteil!
Dieses "den Finger in die Wunde legen" kann sogar heilsam wirken und zur Behebung der Misstände führen.

Herta Müller aber kritisierte eine existentiell bedrohte Minderheit in Agonie und Exodus mit dem Rücken zur Wand, bedroht von einem verrückt gewordenen Diktator Ceausescu. Das ist ein kleiner, feiner Unterschied.

Herta Müller hätte aber die real sozialistische Gesellschaft anprangern, kritisieren können.
Das hat sie nicht getan.

Jetzt so etwas wie Kritik an den Haaren herbei ziehen zu wollen, ist einfach lächerlich, auch wenn sich Helfer und Helfershelfer finden, die ihr beim Zementieren ihrer Selbstmythisierung helfen - bis hin zum Fernsehen!

Kritisch betrachtet wird nichts davon Bestand haben. carl Gibson

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matisse 07.03.2010 | 23:09

herr gibson war im gefängnis und wurde gefoltert!
haben sie das auch erlebt?
sie sollten von einer warmen wohnung aus und in (vermute ich, friedvoller umgebung) hier wirklich nicht von einem hohen ross herab schreiben.
soviel respekt sollte schon sein.

dann plädieren sie vielleicht generell auch dafür, alle noch noch lebenden schergen von totalitären systemen ungestraft zu lassen?

SiebzehnterJuni 08.03.2010 | 00:07

aus Herta Müller "Wie Wahrnehmung sich erfindet":

Wie Wahrnehmung sich erfindet
Manchmal glaube ich, jeder trägt im Kopf einen Zeigefinger. Der zeigt auf das, was gewesen ist. Das meiste, was wir uns sagen, erzählen, woran wir denken, wenn wir mit uns allein sind, ist gewesen. Was wir gerade tun, müssen wir nicht sagen. Wir tun es ja. Würden wir bei allem, was wir tun, sagen, was wir gerade tun, könnten wir es nicht mehr tun. Oft schließt das Tun das Sagen aus.
Wir reden meist danach. Wir reden erst, wenn es geschehen ist. Dann war es, und wir sagen: es war. Es war kurz davor. Oder, es ist lange her. Es war, das klingt wie abgetan, denn damit beginnt es.

Nicht nur das Erzählen. Auch das, was wir selber sind.
Wenn wir einen Menschen aus den Augen verloren haben, fragen wir andere, die das nicht getan haben, nach ihm. Wir fragen: Was ist aus ihm geworden. Die Frage ist beängstigend genau. Und manchmal ist unerwartet diese Frage da, wenn wir mit uns allein sind. Dann ist es keine Frage, wenn sie sich auf uns selbst bezieht. Dann ist es eine Antwort, die in sich stecken bleibt, weil es nicht weiter geht: Was ist aus mir geworden. Man weiß Bescheid, wenn man das sagt. Und es ist bitter. Das, was man später mal von früher her erinnert, sucht man sich nicht aus. Es gibt keine Wahl für eine Auswahl, die sich zwischen den Schläfen, hinter der Stirn selber trifft.
...."

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matisse 08.03.2010 | 08:56

carl gibson:
In einer "offenen Gesellschaft" sollte es keine Tabus geben.
Soviel "Anstand" und Ehre sollte auch da sein, dass kein anonymer Obskurantist andere Teilnehmer stimatisiert, verunglimpft oder mit Schmutz bewirft.

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mir Steinen werfen.
Herta Müller hat öfefntlich einige Namen genannt und diesen Personen eine Securitate-Mitarbeit vorgeworfen. Sie hat aber vergessen offenzulegen, in welchem Verhältnis sie zur Securitate stand.

Wer sagt uns,was an ihrer Akte "echt und was daran "falsch" ist?

Wer andere denunziert und öffentlich diskreditiert, der sollte die eigene Vita offen legen.
Herta Müller hat das noch nicht getan.
Also werden viele offene Fragen vorerst noch unbeantwortet bleiben. Ist das gut so?

das offenlegen wäre doch ein leichtes, auch das sich-der-öffentlichkeit-stellen (betrifft die autorin herta müller), sofern man nichts zu verbergen hat.

warum schweigen so viele jounalisten, redakteure...?
warum maßen sich zeitungen an, hr. gibson schreibverbot zu erteilen?

der fadenscheinige vorwurf der redunanz ist absurd, da müßte man
vielen menschen das reden und schreiben verbieten.

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carl-gibson 08.03.2010 | 13:36

Im Science-Fiction-Roman sind der Erfindung keine Grenzen gesetzt. Je phantasievoller ein Werk ausfällt,desto besser. Nur hat diese irdische Welt mit ihren Unzulänglichkeiten wenig mit kosmischen Sphären zu tun.
Aus Herta Müllers "erfundener Wahrnehmung" entstehen Welten, die fern der tatsächlichen Wirklichkeit angesiedelt sind. Es sind zum Teil surreale "Zerrbilder" des Banats, der Banater Schwaben, der Verhältnisse in Rumänien und der dämonisierten Securitate. Das Banat, "die Hölle auf Erden" (F.C.Delius in einer "Niederungen"-Rezension im SPIEGEL 1984), die rückständig verzopften, sich gegenseitig hassenden Banater Schwaben, feige Rumänen und eine irreale Securitate ( aus der Imagination konstruiert), das sind Bilder, die die Vorstellung der bundesdeutschen Lesers ohne Totalitarimuserfahrung prägen. Gutgläubig nimmter sie als real hin. "Ambivalente", nebulöse Aussagen in Interviews zur Vita von Herta Müller vor 1987 verstärken diese Zerrbilder noch und verfälschen die historische Wahrheit vollkommen.
Sonderbar: Es war der "Hass", der Herta Müller antrieb, "Niederungen" zu schreiben, nicht die Liebe oder die Nächstenliebe. Carl Gibson

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carl-gibson 08.03.2010 | 13:59

Offensichtlich will man bestimmte Wahrheiten" einfach nicht zur Kenntnis nehmen, schon gar nicht verbreiten, el greco!
Wenn ein Autor einer großen Tageszeitung aus Frankfurt (FAZ) bestimmte Varianten, Positionen zur Herta Müller-Securitate-Akte "Cristina" einfach übernimmt und sie "unkritisch" weiter transportiert, veröffentlicht, ohne ihren Wahrheitsgehalt kritisch überprüft zu haben, dann grenzt das an journalistische Fahrlässigkeit jenseits eines Berufsethos.
Wo bleiben "kritischer und investigativer Journalismus"?
Widerstand via "Kommentar" auf FAZ.net ist zwecklos, da diese Kommentare von Suchmaschinen nicht gefunden werden - big brother lässt grüßen!

DIE ZEIT eröffnet eine Diskussion zum Thema "Securitate" via Herta Müller- Artikel vom 23. Juli 2009. Als es dann brenzlich wird und manche Leser kritische Kommentare publizieren, eliminiert man diese über ein "Deleatur", macht tabula rasa - und stoppt die Debatte schon nach wenigen Tagen! (damit das Versagen der ZEIT und der Autorin Herta Müller nicht deutlich wird und Kreise zieht!)

Ach, wie hatte man den Honecker- und Ceausescu-Staat beschimpft, als der Staat und die eine Partei die Medien gängelten!

Und jetzt? Jetzt üben wir uns ein in "vorauseilenden Gehorsam" wie im Absolutismus!

Die großen Zeitungen zensieren sich selbst
- und filtern ihre Vorstellung von "Wahrheit" und "Presse-bzw Meinungsfreiheit" so, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

So wird der Einzelne unfrei und desinformiert
- so wird eine "bestimmte Politik" durchaus "gemacht", die nur gewissen Kreisen dient.

Das Schäbige daran: Auch Kunst, Kultur, Literatur sind Mittel dazu.
Und einige Künstler machen auch noch mit.
Der "aufrechte Gang"? Auch ein Mythos!
Carl Gibson

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carl-gibson 08.03.2010 | 14:24

Das sollten wir Herta Müller ins Stammbuch schreiben, SiebzehnterJuni!
Der Auftakt ihrer Angriffe erfolgte in "Niederungen" gegen die eigenen Landsleute aus dem Banat!
Dann nach der Ausreise griff Herta Müller von sicheren Hafen Westberlin" aus Ceausescu an und nannte ihn einen Idioten,
dann polemisierte sie gegen die "Securitate" im fernen Rumänien, dass sie gerade hatte gnädig verlassen dürfen ( ohne "echt"verfolgt gewesen zu sein) - und schließlich hier gegen angebliche Helfer und Helfershelfer dieser dämonisierten "Securitate".

Ihr ehemaliger Gatte, RKP-Mann Richard Wagner, zählt sogar mich, das eindeutige Oppfer, zu diesem finstern Geheimdienst-Imperium und rückt mich in die Nähe der Verbrecherorganisation Costa Nostra. Solche Verunglimpfungen wurden auf der ZEIT-Seite nicht eliminiert - und sind wohl immer noch dort nachzulesen.

Die letzten Angriffe von Herta Müller in dem ZEIT-Artikel "Die Securitate ist noch im Dienst" vom 23. Juli 2009 (weiter oben verlinkt! richteten sich gegen die "Landsmannschaft der Banater Schwaben" mit dem Diktum "Die Verleumdung gehört zum Brauchtum der Banater Schwaben",
gegen einzelne Mitarbeiter dieses winzigen Vertriebenen-Verbandes, ferner gegen die Evangelische Kirche der Siebenbürger Sachsen A.B. von der Paulskirche aus -

allen wird eine Securitate -Mitwirkung (IM Tätigkeit) nachgesagt;
weitere Opfer der von Herta Müller betriebenen Angriffe:
Dichter Werner Söllner, Journalist Franz Schleich (siehe dazu die ARD-SWR-Report Sendung)und Lehrer Grosz aus Oppenheim.
Die Steinigung durch Herta Müller geht weiter - und die Opfer können sich nicht wehren.

Korrekt, das alles, Siebzehnter Juni?

Wer wirft hier den ersten Stein?
Wenn Herta Müller wirklich auch ein Opfer war, dann soll sie beweisen, wann diese angebliche Verfolgung einsetzte, wie sie ablief, wer sie verfolgte und wie sich diese Verfolgung zu den Privilegien verhielt, die sie im sozialistischen Rumänien genießen durfte (Buch-Publikation, Westreisen etc.).

Carl Gibson

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carl-gibson 08.03.2010 | 16:22

Bisher musste ich aus den Katakomben rufen, wo mich keiner hören konnte,
während Herta Müller ihr Forum in der ZEIT hatte, auf dem Markt, wo sie mit lauter Stimme ihre Sicht der Dinge progagieren durfte, obwohl diese in vielen Punkten nichts mit der historischen Wahrheit zu tun haben.

Ist das gerecht, schackerbilly?
Der DDR-Widerstand wird sich noch melden!
Hunderte Namen aus allen Bereichen der Gesellschaft bilden diesen Widerstand gegen die SED-Diktatur und gegen das "Unrechte" in der Deutschen "Demokratischen" Republik.

Geschichte schreibt man nicht an einem Tag.
Voltaire brauchte seine Zeit, um hunderte Briefe in einer Sache (Apologie) zu schreiben, Emile Zola ebenso.

Selbst der "deutsche Widerstand" gegen Hitler brauchte Jahre, um ein Ohr und Akzeptanz zu finden.
So ist das mit den Andersdenkenden im Kampf gegen das Establishment.

Herta Müller ist heute als Mittel ein Teil dieses Establishments.
Carl Gibson

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matisse 08.03.2010 | 21:20

@ siebzehnter juni:
dann sollen wir uns also tagtäglich berieseln und
für dumm verkaufen lassen?

das recht der meinungsäusserung gilt dann wohl nicht mehr - weder schriftlich noch mündlich?
nur keine kritik.
schaffen in form von-auf-die-strasse-gehen wohl am ehesten?

wenn sie herta müllers literatur mögen, gut, angreifen will ich SIE persönlich , deswegen nicht, es geht hier bekanntlich nicht nur um ihre literarische arbeit.
diese zu mögen, sei jedem dahingestellt.

wo leben sie eigentlich?
es geht hier um eine aufarbeitung jüngerer, totalitärer geschichte.
beinahe jeden tag erinnert uns der zentralrat der juden daran - gut so, immens wichtig - und deswegen
verlange ich /verlangen wir zurecht eine aufklärung der jüngsten rumänischen geschichte.
viele der ehemaligen und dissidenten und opfer leben noch, vielleicht sollten herta müller und andere fragwürdige gestalten und bonusdissidenten diesen menschen einmal vis-á-vis begegnen, in einer offenen diskussion, ohne schreibverbot und jounalistischer willkür, wie sie carl gibson offenbar erlebt/e.

die menschen motzen in gassen und hinter panzerglas und leben selbstgenügsam und größtenteils kritikfaul vor sich hin.
aber wehe dem, wenn da mal ein politiker über die strenge schlägt und sie in ihrer welt stört, da wird dann ordentlich aber nicht ausdauernd bzw. lange genug protestiert.

was denken sie warum sich herr gibson seit über 2 jahren mit der moralischen wiederaufarbeitung
beschäftigt?
weil er kein anderes hobby hat?
weil er aus eigener schmerzlicher erfahrung nicht mitreden kann?

dann sollen DIE doch kommen und ihm alles offenlegen, mit ihm reden oder sich seinem
seinerzeit offenen brief stellen.
DIE sollen herr gibson das gegenteil beweisen, ihn als lügner hinstellen und sich als unbescholtene.

wenn sie die zeit der manipulationen auf vielen ebenen und in allen bereichen unserer gesellschaft noch nicht bemerkt haben sollten, dann, verehrter siebzehnterjuni sollten sie - mit respekt - nicht diesen nicknamen verwenden, es sei denn, es ist ihr geburtstag? oder der tag einer für sie besonderen erinnerung.
in diesen fällen nehme ich das gerne zurück.

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magnus-goeller 08.03.2010 | 21:36

Ergänzendes zu Herta Müllers Ex-Gatten Richard Wagner, dem laut Carl Gibson bis weit in die Ceaucescu-Zeit registrierten Mitglied der rumänischen KP: Wenn mich "Wikipedia" nicht angeschmiert hat, schreibt der Herr jetzt für "Die Achse des Guten" des Herrn Broder.
Von den einen Guten zu den anderen...

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carl-gibson 08.03.2010 | 23:20

Es gibt Leute, Magnus, die bringen es fertig, immer auf der Seite der "Guten" zu stehen.

Sie wenden den Hals, so wie es gerade passt!
Vor jeder Schlacht, lassen sie eine Daunenfeder fallen, damit sie sehen, woher der Wind weht.
Solche Leute heulen gerne mit den Wölfen und sie machen dort mit, wo es etwas abzustauben gibt.

Ich rede in diesem Zusammenhang vom "Wendehals-Prinzip"!

Wozu Anstand und Würde?
Wozu konsequent zu einer Weltanschauung stehen? Der Mensch ist ein Entwicklungswesen!
Man ist flexibel und geht mit der Zeit! Mit ihrem Geist oder auch Ungeist!
Und wenn es opportun ist, dann schlägt man sich - politisch korrekt - auf die Seite der "Guten".

Richard Wagner war früher auch schon politisch korrekt, systemloyal und wollte auf keinen Fall als "Dissident" gelten, aber mit der Metapher eine Diktatur verändern, statt politisch anzukämpfen.

Dazu habe ich einiges geschrieben in meinem Buch. Vielleicht bringt jemand eine "Leseprobe" wie SiebzehnterJuni bei Müller und Wagner.
Zu Wagner gibt es hier auf Frietag seit gestern eine eigene Diskussion - dafür hat ebenfalls "Zachor" gesorgt, der Blogger, der sein Antlitz nicht lüften will, unter:

www.freitag.de/community/blogs/galut/vom-sieg-der-metapher-anmerkungen-zu-richard-wagners-frueher-lyrik

Ich habe die Sache kommentiert.Wagner und Müller standen dieser BRD früher sehr skeptisch gegenüber - heute aber sagt uns der gewandelte Altkommunist, was Sache ist, in einer Polemik "Jetzt reicht's" oder so ähnlich ... aus der Sicht des Wolfs im Schafspelz ...politisch korrekt natürlich - lupus in fabula?
Carl Gibson

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carl-gibson 09.03.2010 | 00:45

Mann kann auch genial lügen und täuschen -
die Nepoten des Fürsten Potjomkin wissen davon, die Baron von Münchausens und Felix Krulls der Jetztzeit!

Die Welt will betrogen sein!
Also betrügen wir sie!

Der Puppenspieler zieht die Fäden - und die Marionetten tanzen.

Die Welt steht auf dem Kopf, die Lüge regiert und der Tanz um das goldene Kalb geht weiter.
Alles hat seinen Preis - Umwertung aller Werte zu einem neuen Sodom und Gomorra?

Warten wir, nein, nicht auf Godot, sondern auf eine neue Sintflut!?

Der Fisch stinkt vom Kopf her, heißt es in einigen Kulturen.
Wird die Wahrheit uns noch frei machen?
Carl Gibson

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magnus-goeller 09.03.2010 | 01:43

Lieber Carl,
ich schlage seit einiger Zeit den Weg zur Satire ein, wenn mir bestimmte Dinge gar zu unerträglich zwerch werden.
Das fällt sicherlich schwer, wenn man einmal mit ungewissem Ausgang im Gefängnis saß oder ähnliche Härten erdulden musste; es kann einen aber selbst leichter machen, manchmal gerade auch anderen mehr aufzeigen gar als immer Ernsthaftes.
Denke nur daran, wie Nietzsche damit umging, dass im ersten Jahr nach Erscheinen des "Zarathustra", obzwar er schon in ganz Europa im Gespräch, gerade mal 200 Exemplare seines epochalen Werkes verkauft wurden.
Er hat darüber gelacht.

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carl-gibson 09.03.2010 | 21:17

Satire ist immer gut, Magnus! Wenn ich im "Eulenspiegel" lese, manch ein kritischer Kopf erwarte inzwischen, dass Nobelpreisträger Günter Grass mit dem Schreiben aufhöre und wünschte, Herta Müller hätte nie damit angefangen, dann ist Essenzielles satirisch auf den Punkt gebracht.
Auch mich hat man hier schon einen Satiriker genannt, um mich in eine (unseriöse) Ecke zu stellen - aber ich nahm es als Ehrung auf und an. Satire enthüllt und brandmarkt schärfer als jeder tierische Ernst.
Aber es gibt auch Grenzen des Spotts - dort wo die Betroffenheit der Opfer einsetzt, ist es mit dem Spass vorbei. Über totalitäre Menschenrechtsverletzungen und KZs kann man keine Späße machen - da wird es existentiell, ernst und vor allem moralisch.
Wenn es auf Vergangenheitsaufarbeitung und Vergangenheitsbewältigung ankommt, dann ist geschichtsverfälschende Literatur nur deplatziert.
Herta Müller hat sich auch in Satire versucht, im "schwäbischen Bad"! Und was hat sie bewirkt, geerntet?
Gekränkte, beleidigte Menschen, die sich in ihrer Identität in Frage gestellt fühlten.
Carl Gibson

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carl-gibson 09.03.2010 | 21:54

Fehlanzeige auf breiter Front - Desinformation pur!

Woher beziehen Sie Ihre "Informationen", Sachor?
Diese sind genau so falsch wie die "Informationen" des Rezensenten Stefan Lüddemann aus Berlin.

Richtig ist: Die oben von Ihnen ( und dem Rezensenten) als "neu" angepriesenen Geschichtlein sind "nicht neu".

Sie erschienen bereits in Bukarest in der Edition von 1982 (Erstedition)- deshalb kannte ich sie bereits ... wie ich Ihnen oben schon vor Tagen schrieb.

Herta Müllers Debütwerk "Niederungen" ist nicht zensiert worden.

Das ist blanke Fehlinfromation, die jetzt gestreut wird ( oben sagte ich das schon!)

Lügen wir, was das Zeug hält!
Und munitionieren wir den Rezensenten mit falschen Fakten, damit er diese gutgläubig in Umlauf bringt.

Herr Lüddemann hätte bei mir anfragen können - und andere Journalsiten auch.
Aber wozu?

Wenn Herta Müller sagt, ihr Werk sei zensiert worden, dann nimmt man das so hin, obwohl es nicht stimmt.
Carl Gibson

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matisse 09.03.2010 | 22:35

lieber herr gibson,
die allzu enthusiastische rezension von herr lüddemann kommt auch mir sehr spanisch vor.

wie ist das eigentlich, verwaltet nicht herta müllers 3. ehemann richard wagner müllers akte
und reicht sie mit seinen romanhaften und historisch-verfälschten versionen an blinde redakteure weiter?
wie z.b. an die taz.
madame möchte mit ihrer akte ja nicht unbedingt zu tun haben oder ?
es kann natürlich auch gut sein, dass wenn man denkt einen text herta müllers zu lesen, in wirklichkeit
eine version richard wagners vor seinen augen hat, mal etwas intensiver fabuliert und rein hypothetisch:
vielleicht sind die beiden ja eine art wirtschafts-literarische zweckgemeinschaft?
teamwork? nicht ganz frei von ideologischen einflüsse.
r.w. könnte demnach der mann fürs "grobe" sein und
fleißig desinformationen verbreiten.
viele redakteure sind ja naiv genug und fressen brav alle häppchen, die man ihnen oppulent auftischt.

allein die literaturforschung benötigt zwecks
korrekter darstellung einen klaren lebenslauf von herta müller.

wann, wo, wie endete herta müllers angebliche opposition?

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carl-gibson 09.03.2010 | 23:07

Noch besser wäre zu wissen, wann Herta Müllers "Regimekritik" begonnen hat, werter el greco.
Wann erfolgte der Anwerbe-Versuch der Securitate?
War das 1976, gleich nach dem Studium?
Oder doch erst 1986, nachdem sie zusammen mit ihrem zweiten Gatten Wagner einen Ausreiseantrag in die BRD stellte?
Diese 10 Jahre Differenz würden einiges erklären.
Unkrititischen Umgang mit der Herta Müller-Akte Cristina fand ich in der FAZ vor, vor allem aber in DIE ZEIT.
Ich habe den Eindruck, dass einige Redakteure, Autoren, Journalisten das tun müssen, was ihnen von höherer Warte aus aufgetragen wird - in Gleichschaltung wie bei Ceausescu, Honecker und in anderen totalitären Staaten.

Noch ein Wort zu den Gatten von Herta Müller (Details auf www.bantblog.eu ). In erster Ehe war sie mit einem Ingenieur Karl verheiratet, ein Banater Schwabe - ihr dritter Ehemann heißt angeblich Henry Merkel. Beide dürften Biographen, Interpreten, Literaturhistoriker weniger interessieren als Richard Wagner (1984-1989 mit H.M. verheiratet), der möglicherweise auf die Genese von Herta Müllers Werk eingewirkt hat, konzeptionell, ideell, sogar ideologisch-strategisch?

Editiert wegen eines Verstoßes gegen die AGB. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen.

Mich interessiert ein komplette Vita Herta Müllers vor 1987,weil sie für diese Zeit eine Dissidenz reklamiert, die nie stattgefunden hat.
Ebenso wurde ihr Werk nicht "zensiert".
Bisher aber glaubt man ihr, nicht mir.

Carl Gibson

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carl-gibson 10.03.2010 | 09:14

In der so genannten Aktionsgruppe Banat (ein lockerer Freundeskreis unterschiedlicher Individiuen ohne Statuten,Programm, Kodex etc.) und ohne eigentliche "politische" Aktion gab es Leute, die auch "Stalin" gut fanden, weil sie im jugendlichen Alter eine geschönte Biographie des roten Diktators gelesen und von seinen Verbrechen vor allem am russischen Volk und anderen Völkern der Sowjetunion noch nichts gehört hatten.

Was finden Sie so toll, Schackerbilly?

Das Wenden des Halses und 180 Grad? Den Wandel des Kommunisten zum Kommunismuskritiker und Antkommunisten? Oder die Methoden, der Unwahrheit zum Druchbruch zu verhelfen, auch über sanfte Drohung?
Carl Gibson

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magnus-goeller 10.03.2010 | 20:51

@ Carl Gibson

Ich gebe Dir durchaus recht, dass Satire angesichts von Gefängnis und Folter nicht das angemessene Mittel sein mag, aber, wenn stimmt, was Du bezüglich u.a. der nachträglich fälschlich behaupteten Zensur des Müller-Erstlings "Niederungen" behauptest, diese Müller heroisierende Version blank übernommen wurde, auf klare Ansage nichts richtiggestellt wird, weil man das eben so stehen lassen will, dann kommen wir angesichts der Vorgänge hier genau in den Bereich, der, wenn anders nicht erfolgreich zu betreuen, eine Sache darstellt, die nach bissiger Satire geradezu schreit.

Wenn ich handfestes Material dazu vorliegen habe, kümmere ich mich um die Verfassung einer solchen gerne persönlich, da dies nachvollziehbarerweise kaum Deine Aufgabe sein kann.

P.S.: Bemerkenswert, dass der Blog-Autor sich seit geraumer Zeit nicht mehr äußert. Es wird ihm vielleicht selbst zu peinlich, zumal da Juristerei in der Luft hängt und von ihm kein Klarname vorliegt. Wenn stimmt, was Du vorbringst, kannst Du Dich als auf der Siegerstraße sehen, wenigstens hier. Geheimerei kann auch zurückschlagen.

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carl-gibson 10.03.2010 | 21:06

Autor Zachor sieht inzwischen etwas klarer - und er wird noch viel klarer sehen, was Sache ist, wenn er hinter die Potjomkinschen Fassaden blickt, rechrechiert, analysiert, wertet - und mit eigenen Antlitz und Namen hinter den Aussagen steht.

Zachor hat sich geäußert unter:
www.freitag.de/community/blogs/ingo-arend/zivilcourage--das-beispiel-guenter-grass

Wenn neue Fakten auftauchen oder ein neuer Zeuge vor Gericht, werden die Karten neu gemischt - dann können vermeintliche geistig-moralische Autoritäten schnell vom hohen Ross stürzen ... ganz nach dem Motto: Wer hoch steigt, kann tief fallen.

Carl Gibson

Zachor! 10.03.2010 | 21:33

"Die Autorin, die mit diesem schmalen Band so selbstverständlich wie entschieden die Bühne betrat, hatte nichts von einer Anfängerin an sich. Und schon damals gehörte zu ihrer Sprachverliebtheit und ihrem Beschreibungsfuror stets auch politische und charakterliche Deutlichkeit. Dass sie alles, was man nach diesem Erstlingswerk nur irgend von dieser Autorin erhoffen durfte, mehr als eingelöst hat, hat der Literaturnobelpreis auf triumphale Weise nur bestätigt.

Die allererste Ausgabe der „Niederungen“ war 1982 in dem deutschsprachigen Untergrund-Verlag Kriterion in Bukarest erschienen; für die Rotbuch-Fassung hatte die junge Autorin das Manuskript aus Rumänien herausschmuggeln können. Was ihre Leser in Deutschland damals nichts wussten: statt der fünfzehn Prosaminiaturen, die sich um die knapp achtzigseitige Titelgeschichte „Niederungen“ gruppierten, gab es derer neunzehn; darüber hinaus waren Kürzungen auch innerhalb der einzelnen Kapitel vorgenommen und die Reihenfolge verändert worden. Diese Änderungen blieben in den zahlreichen Auflagen, die das Buch in den folgenden Jahren erfuhr, bestehen - bis jetzt. Denn jetzt erscheint im Hanser Verlag erstmals die vollständige Ausgabe der „Niederungen“ inklusive der vier bislang fehlenden Kapitel. Außerdem hat Herta Müller den gesamten Text noch einmal durchgesehen und korrigiert, die Streichungen überprüft und teilweise rückgängig gemacht."

Herta Müllers Erstling: „Niederungen“
Von Felicitas von Lovenberg
www.faz.net/s/Rub212DC1A6039F430EA71EC78D367014A8/Doc~E09E5E598C5B34BF79CF40B90C67F7E41~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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magnus-goeller 10.03.2010 | 21:38

Na schau her, Carl, jetzt bin ich, der hier stets bekannt hat, nichts wirklich Genaues selber zu wissen, schon Dein "Kumpan"!
Da ich Dich zuallermindest nicht für so doof oder debil hielt, gegen eine frischgebackene Nobelpreisträgerin fortgesetzt haltlose Lügen auszubringen, habe ich einfach mal mitnachgebohrt; jetzt bin ich damit schon so tief mit Dir mitgesunken, dass der Blogautor so weit nicht mehr hinabkann.
Da kommt mir denn so richtig das Selbstmitleiden, dass ich mir solcherlei Niederung also deppichterweise gegraben habe.
Ob wir uns von derlei superiorer verbaler Vernichtung wohl noch einmal erholen werden?

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carl-gibson 10.03.2010 | 22:05

"Die allererste Ausgabe der „Niederungen“ war 1982 in dem deutschsprachigen Untergrund-Verlag Kriterion in Bukarest erschienen; für die Rotbuch-Fassung hatte die junge Autorin das Manuskript aus Rumänien herausschmuggeln können. Was ihre Leser in Deutschland damals nichts wussten: statt der fünfzehn Prosaminiaturen, die sich um die knapp achtzigseitige Titelgeschichte „Niederungen“ gruppierten, gab es derer neunzehn; darüber hinaus waren Kürzungen auch innerhalb der einzelnen Kapitel vorgenommen und die Reihenfolge verändert worden. Diese Änderungen blieben in den zahlreichen Auflagen, die das Buch in den folgenden Jahren erfuhr, bestehen - bis jetzt. Denn jetzt erscheint im Hanser Verlag erstmals die vollständige Ausgabe der „Niederungen“ inklusive der vier bislang fehlenden Kapitel. Außerdem hat Herta Müller den gesamten Text noch einmal durchgesehen und korrigiert, die Streichungen überprüft und teilweise rückgängig gemacht."

Ihr Link funktioniert nicht, Zachor!
Das gilt auch für die Desinformation, die Sie hier betreiben.
Das Beste ist - Sie wissen nicht, wovon Sie reden.

Die drei Geschichten, die nach Ihrer Auffasung so politisch brisant sein sollen,
sind 1982 in Rumänien erschienen,
namemtlich "Damals im Mai", "Inge" und "Herr Wultschmann"!

Von wegen, Zensur!

Ich habe die Originalausgabe vor mir.

Panegyrische Rezensionen, Lobhudeleien im Waschmittel-Werbung-Stil überraschen mich nicht.
Jeder Verlag vermarktet sein Produkt so gut er kann und verdummt seine Kunden so gut es kann. Das ist Kapitalismus jenseits von Moral.
Literatur macht da keine Ausnahme.

Was meint die Rezensentin mit "Untergrund-Verlag" - das eben ist die Volksverdummung!

Der Kriterion Verlag war ein großer Verlag in Bukarest, darauf spezialisiert, Bücher in deutscher Sprache zu verlegen, offiziell ... und nicht wie oben suggeriert als Samisdat!

Wenn solche Taktiken eingesetzt werden, sehe ich das als Versuch an, im Trüben zu fischen und die Leser hinters Licht führen zu wollen.

"FAZ.net" - das ist die Adresse, wo meine kritischen Kommentare nur partiell zugelassen werden, aber für Suchmaschinen im Netzunauffindbar bleiben.

So viele Zufälle kann es gar nicht geben! Und Sie, Zachor, wer immer Sie auch sein mögen, machen da mit.

Im Retuschieren und a posteriori Abändern kennt sich Herta Müller aus, nach dem Muster des ZEIT-Artikels. Was nicht in den Kram passt, wird einfach umgeschrieben, weggelassen, hinzu gefügt, solange, bis es passt!
Nobelpreiswürdig - auch diese Methode!
Carl Gibson

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magnus-goeller 10.03.2010 | 23:57

Na, lieber Zachor, jetzt wäre es doch endlich an der Zeit, dass Sie Ihre Desinformiertheit bekennten oder Carl Gibson zur Vorlage des ihm behauptetermaßen eignenden unzensierten Originals bäten.

Damit hätten Sie ihn dann, wenn nicht vorhanden, erledigt und mich wenigstens als einen "Kumpanen" drangekriegt, der leichtgläubig einem donauschwäbischen Aufschneider eine gewisse Schützenhilfe leistete.

Ansonsten kann ich Sie nicht mehr ernst nehmen, denn jetzt könnten Sie Ihren Widersacher ja auf dem kürzestmöglichen Wege als Scharlatan entlarven; und Sie hätten auch Ruhe vor mir, einem Weiteren, dessen Niederungen Sie sich nicht anzubücken vermögen.

Eine Nichtreaktion von Ihrer Seite bedeutet aber nicht, dass ich deshalb davon Abstand nähme, hier weiterzusticheln.

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magnus-goeller 11.03.2010 | 00:58

Ich fasse hier jetzt noch einmal kurz zusammen: Entweder wissen Sie, lieber Zachor, hier nicht wovon Sie reden, oder Sie lügen, oder das eine oder andere Entsprechende gilt für Carl Gibson.

Da sollte es doch dann heißen: Dokumente auf den Tisch!

Dadurch, dass Sie unter Pseudonym bleiben, werter Zachor, ist Ihre Glaubwürdigkeit für mich naturgemäß niedriger angesiedelt (kann ich mich dahin bücken?), als die Ihres KOntrahenten, der offen seine Reputation dawidersetzt; Sie könnten natürlich gleichwohl recht haben, Sie ohne Gesicht, er mit.

Das ist allerdings, zumal wenn sich die Sache zieht, in solchen Fällen selten, da gehe ich zunächst nach der Wahrscheinlichkeit.

Der Verdacht (ogott: "Verschwörungstheorie" - hilfe!), dass Sie hier aufgefahren wurden, um Herrn Gibson zu konterkarieren, da es ja um eine nicht so kleine Sache geht, liegt mir natürlich nur halbfern, aber andere, unbedarftere Zeitgenossen möchten diesen vielleicht ernsthaft fassen.

Reden Sie Klartext, ansonsten kommen Sie hier nur noch dadurch raus, dass die Redaktion Sie nach hinten auf einen hoffentlichen Gammelplatz verbannt.

Zachor! 11.03.2010 | 08:52

Werter Göller,

(wieso gehen Sie eigentlich davon aus, dass ich wie Sie ein Mann bin?), Sie behaupten, dass ich entweder nicht wüsste, wovon ich rede oder aber dass ich lüge. Sie fordern mich auf, "Klartext" zu reden. Im vorletzten Kommentar schreiben Sie, ich solle entweder meine Desinformiertheit bekennen oder Herrn Gibson doch zur Vorlage des unzensierten Originals von 1982 auffordern (welches jene 3 oder 4 Erzählungen enthält, so dass man nicht behaupten kann, das Buch sei zensiert worden). Demnach unterstellen Sie mir, ich würde behaupten, die 4 Geschichten seien damals wegzensiert worden.

Göller, wer lesen kann, ist eindeutig im Vorteil (übrigens: wer auch noch nachdenken kann, ist im doppelten Vorteil!). Könnten Sie lesen, so wüssten Sie, was ich in meinem Blog geschrieben habe:

"Warum ist nun diese Neuausgabe interessant, ja, einen Blogeintrag Wert? Sie enthält vier Kurzgeschichten, die zwar in der Erstausgabe des Bukarester Kriterionverlages von 1982 erschienen sein sollen, in den späteren deutschen Ausgaben jedoch nicht. "

Herr Gibson würde nach diesem Zitat schreiben: Sie reden wie der Blinde von der Sonne! Denn ich habe also mit keinem Wort geschrieben, diese Geschichten würden jetzt das erste Mal erscheinen. Ich nämlich, Göller, kann lesen. Am Ende der Neuausgabe, in einer "Notiz" (S. 174) steht:

"Niederungen erschien zum ersten Mal im Jahre 1982 im deutschsprachigen Verlag Kriterion in Bukarest. 1984 folgte die Ausgabe im Rotbuch Verlag Berlin, die seither häufig nachgedruckt wurde. Diese Ausgabe war um vier Kapitel gekürzt worden ("Damals im Mai", "Die Meinung", "Inge", "Herr Wultschmann") [...] Für die vorliegende definitive Ausgabe der Niederungen wurden die seinerzeit gestrichenen Kapitel wieder eingefügt."

Das habe ich also korrekt wiedergegeben. Wo ist das Problem, Göller? Wo desinformiere und wo lüge ich, Göller !?

Ist es mir nicht erlaubt, Göller!, Blogbeiträge über Themen zu schreiben, die mich (!) interessieren, Göller ?!
Und warum sollte mich die Redaktion "nach hinten auf einen hoffentlichen Gammelplatz" verbannen, Göller !?! Was habe ich getan, Göller!, außer dass ich meine Meinung über etwas geschrieben habe, was Ihnen und Herrn Gibson nicht gefällt? Und was für ein Problem haben Sie damit, Göller!, dass ich einen Nick benutze? Ist ein "Klarname", wie Herr Gibson es nennen würde, hochwertiger? Wenn ja, warum? Kann man nicht auch damit von verschiedenen Internetforen, wie es das Bsp. Gibson bei den Sachsen, bei den Schwaben, bei Zeit online bewies, rausgeschmissen werden ?

Wollen Sie mir den Mund verbieten, Göller?

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matisse 11.03.2010 | 08:52

liebe freitagredaktion,
vielleicht sollten sie kontakt zu carl gibson aufnehmen.

es stehen hier viele - für mich und auch andere - brisante vorwürfe und berechtigte, ungeklärte fragen im raum, denen öffentlich nachzugehen es an der zeit wäre
z.b. in form eines interviews, artikels, leserbriefs
(printausgabe?) - wie auch immer.

hier sind nicht die üblichen quertreiber aktiv, die
in gewohnter weise blogaktiv in erscheinung treten, sondern leute, die gezielte desinformation und ablenkungsmanöver im sinn haben,
von den beleidigungen einmal abgesehen.

recherchieren sie bitte, herr gibson erscheint mir persönlich integer und glaubwürdig.

herzlichen dank für ihre aufmerksamkeit,
beste grüße
el greco

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carl-gibson 11.03.2010 | 09:31

@Zachor-Anonymus. Sie sind offensichtlich mit der Materie überfordert.
Weshalb sollte die rumänische Regierung, die Rumänische Kommunistische Partei und die Securitate "Niederungen" als Druck in deutscher Sprache ermöglichen und dazu noch mit den 3 Geschichten (Damals in Mai, Inge, Herr Wulschtmann) , wenn das Buch von Herta Müller sie belasten würde?
Wo bleibt die Logik?

Weshalb sollte man solch ein Büchlein, das in Wirklichkeit nur den Kommunisten Ceausescus genutzt hat, weil es gegen die Banater Schwaben geschrieben wurde, auch noch nach Deutschland schmuggeln müssen?
Eine Räuberpistolengeschichte ist das, die die Realitäten verfälscht, nur um interessabt zu erscheinen. (James Bond 0007 lässt grüßen!)

Und weshalb sollte man hier in Deutschalnd, wo doch alles frei ist, gerade diese drei (nach Ihrer Auffassung) "brisanten" Texte weglassen wollen, wenn man doch gerade die Regimekritik der Autorin beweisen will? Im Jahr 1984!

Wo bleibt Ihre Logik, Zachor?
Wenn sie hinter Ihrem Blog-Text oben stehen könnten und ihn kompetent vertreten könnten, dann müssen sie uns allen ihren werten Namen nicht vorenthalten, verschweigen - und mich dabei aus dem Obskuren heraus beleidigen.
Sie haben mich oben einen gescheiterten Dozenten genannt - und Herrn Magnus Göller, dessen Identität über seinen hier mehrfach verlinkten Blog bekannt ist, als meinen "Kumpan" bezeichnet.

Die Art, wie Sie schreiben, verweist darauf, dass Sie selbst aus Rumänien stammen.

Wenn Sie für Herta Müller und Richard Wagner eintreten wollen, dann bitte nicht auf die Art "alter Seilschaften" wie wir sie von Stasi und Securitate kennen, und wie Sie sie mir unterstellen, sondern offen.

Die Wahrheit wird nicht lange verborgen bleiben -

jeder, der denken kann, kann auch meine Argumente nachvollziehen.

Für den den Fall, dass es Ihnen noch nicht aufgefallen sein sollte. Kommentatoren wie Göller oder el greco argumentieren nach rein logischen Gesichtspunkten, geleitet vom gesunden Menschenverstand, auch wenn beide gewisse Details aus dem Umfeld von Herta Müller, Richard Wagner und meiner Person in Temeschburg im Banat nicht genau und aus eigener Anschauung kennen.

Carl Gibson

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carl-gibson 11.03.2010 | 09:47

Was spricht gegen einen ausführlichen Lebenslauf von Herta Müller vor 1987, Schackerbilly?

Wer, wie Herta Müller, andere öffentlich und sogar noch im deutschen Fernsehen bezichtigt, ein Mitarbeiter (IM) und Zuträger der Securitate zu sein (Fälle Schleich, Grosz etc.), der sollte das eigene Verhältnis zur Securitate und Rumänischen Kommunistische Partei klären.
Carl Gibson
In der SWR-Sendung Report aus Mainz hörte ich keine kritische Gegenfrage.
Stützt auch das Öffentliche Fernsehen nur noch eine Mainstream-Meinung?
Ein Fall für "Freitag"?

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carl-gibson 11.03.2010 | 10:20

Nachtrag:

Darf das öffentlich-rechtliche Fernsehen der Bundesrepublik Partei ergreifen?

Einseitige Fernsehberichterstattung:

www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=5704264/139929c/index.html

Mit einem ( selbstredenden ) Herta Müller-Interview

Ich habe die Materie mehrfach kritisch kommentiert:

Der Spitzel und die Nobelpreisträgerin - Wie ein befreundeter Schriftsteller Herta Müller an die Securitate auslieferte

www.swr.de/forum/read.php?2,42723

Cui bono? Das ist der Versuch, eine angebliche "Dissidenz" von Herta Müller zu belegen bzw. den Verfolgunsgmythos zu zementieren. (Ausgehend von der Überlegung, bei einem nur oberflächlich informierten Bundesbürger bleibe wenigstens ein Hauch von Verfolgung hängen! Auch so wird Meinung gemacht!)
Carl Gibson

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matisse 11.03.2010 | 14:37

@siebzehnterjuni:
mit respekt, verehrter siebzehnterjuni, sie können manchmal aber auch fragen stellen :-)

ist es so abwegig, dass sich diese blogdiskussion
so entwickelt hat - diskussionen nicht immer um sich kreisend sondern sich vorwärts bewegend, tiefer eintauchend, vordergründig-hintergründige und abseitige sowie parallele wege beleuchtend...und nicht stillstehend auf einem themenpunkt geführt werden.

auf ein zitat von camus verzichte ich heute mal :-)

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magnus-goeller 11.03.2010 | 16:52

Werte(r) Zachor,

nun haben Sie es ja doch geschafft, sich zu mir herabzubücken, dafür erstmal ein Kompliment!

Ich habe hier mehrfach betont, dass ich mit den Einzelheiten nicht so vertraut bin, wie Sie und Herr Gibson das mit diametralen Ansichten behaupten.

Ich habe in der Tat gesagt, dass eine(r) von beiden entweder nicht wisse, wovon er/sie rede, oder dass eine(r) von beiden lügen müsse.

Dabei habe ich mich nicht festgelegt, wer das sei, lediglich daruf verwiesen, dass Herr Gibson mir einerseits aufgrund seines Klarnamens, andererseits aufgrund der Binnenlogik, schließlich deshalb, weil ich ihn nicht für dement oder einen medialen Suizidkandidaten wider eine Nobelpreisträgerin halte, als bislang glaubwürdiger erscheint.

Jetzt versuchen Sie mich nicht nur durch die Art der Anrede sondern auch dadurch madig zu machen, dass ich davon ausgegangen sei, Sie seien ein Mann: Ihr Geheimnis darob haben Sie aber trotzdem nicht gelüftet.

Wer sich "Zachor" nennt, muss wohl damit rechnen, für einen Mann gehalten zu werden; wofern eine entsprechende Anrede dann unpässlich erscheint, kann frau ja klären, dass sie als eine Sie anzusprechen sei.

Im übrigen frage ich mich in der Tat, weshalb ein Westverlag 1984 Geschichten unterdrückt haben solle, die 1982 in Rumänien genehmigtermaßen herauskamen.

Vielleicht schliefen ja die Agenten in Rumänien alle fest, aber dafür nicht beim westdeutschen Klassenfeind...

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magnus-goeller 11.03.2010 | 17:34

Nachtrag:
Das ist eben eines der Probleme mit den "Nicks", dass man sich ja nicht einmal im Falle, da sich jemand "Siegfried" oder "Thusnelda" oder "Mausi" nennt, wissen kann, wie man ihn/sie korrekt anspricht.

Zu "Zachor": Mir war bis gerade eben, da ich mal im Netz nachsah, nicht bekannt, dass es sich dabei um ein hebräisches Verb von erheblichem mythologischem Gewicht im jüdischen Glauben handelt; immerhin war dann aber die Rede von "dem Zachor", als es substantiviert ward, womit nur noch ein Nomen im Maskulinum oder Neutrum in Frage kommt...

"Gibt es einen Unterschied zwischen dem zachor seitens Gottes und dem zachor seitens des Menschen?"

Quelle: ead.dike.de/download/albertini.pdf

Zachor! 11.03.2010 | 17:51

Herr Göller,

die Frage in Bezug auf den westdeutschen Verlag kann ich nicht beantworten.
Weiss ich nicht.

Was ich weiss, ist
1. Ich finde Herta Müllers Werke literarisch schön, wertvoll, ästhetisch. Ich kannte sie lange vor dem Nobelpreis.
2. Ich finde diese Geschichten sehr politisch und kann mir sehr gut vorstellen, dass sie ihretwegen Probleme mit dem rum. Geheimdienst bekommen hat.
3. Das Verhältnis Politik Literatur habe ich heute aus meiner Sicht in einem Blogeintrag thematisiert.
4. Für eine Dissidentin halte ich HM trotz der politischen Bezüge ihrer Erzählungen nicht.
5. Dass Herr Gibson einen regelrechten Feldzug gegen sie führt, werden auch Sie nicht bestreiten wollen, oder?
6. Wieso soll es auf mein Geschlecht, meinen Namen etc. ankommen? Warum reichen Ihnen meine Texte nicht? Widersprechen Sie doch denn Kurzanalysen der drei Erzählungen extrem politischen Inhalts, aber halten Sie sich doch, bitte, weniger an Formalitäten auf (Name, Gender usw.). Damit wäre viel gewonnen.

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carl-gibson 11.03.2010 | 18:31

Einsichtig rudert Zachor zurück! Recht so, Zachor:

"Für eine Dissidentin halte ich HM trotz der politischen Bezüge ihrer Erzählungen nicht."

Da haben Sie etwas erfasst.
Herta Müller und Richard Wagner haben in der Tat nichts mit "Dissidenz", "Widerstand" oder "Opposition" im kommunistischen Rumänien Ceauescus zu tun.
Sie waren systemloyal und wurden vom System gefördert - bis zu ihrer immer noch galanten und größzügig gewährten Ausreise.

Doch ist Herta Müller auch "moralisch integer"?

Wenn wir diese Frage an Günter Grass richten, der auch einen Nobelpreis erhalten hat, dann müssen wir auch bei Herta Müller fragen, ob sie mit Steien werfen darf,
ob gerade sie den "moralischen Zeigefinger" erheben und andere aburteilen, stigmatisieren, ausgrenzen darf.

Wer Christa Wolf oder anderen "Systemloyalität" vorwirft, muss den gleichen Maßstab auch an Herta Müller legen, auch wenn sie bisher übermäßig protegiert wurde.

Zachor schreibt:

"5. Dass Herr Gibson einen regelrechten Feldzug gegen sie führt, werden auch Sie nicht bestreiten wollen, oder?"

Ist dieser moralische Feldzug legitim oder nicht?
Es gibt Leute, die stehen ein Leben lang zu Anstand, Würde, Moral - und gehen für ihre Überzeungungen bis ins KZ oder in der Tod.

Dann aber git es noch die "Wendehälse", die sich mit der Macht arrangieren.

Wasser predigen, aber Wein trinken!

Dass hat man lauthals Frau Bischöfin Käßmann vorgeworfen!

Sie zog die Konsequenzen aus einer herbeigeführten Affäre und trat als EKD-Vorsitzende zurück.

Mir geht es nicht um eine Vendetta, sondern lediglich um die Überprpfung der Frage, ob Herta Müllers geistige und politische Autorität "moralisch" gedeckt ist.

Die Beweise fehlen.
Ihre Vita vor 1987 liegt nicht vor.
Jeder kann sich das Video oben ansehen, seine Schlüsse ziehen, nach Belegen und Beweisen fragen.
Meine Kommentare auf SWR Report aus Mainz lesen.

Hinter der "Literatur" steht das Handeln in der Gesellschaft.
Genauso wie wir wissen wollen, ob "Moralapostel der Nation" Günter Grass bei der SS war oder gar ein Nazi, so müssen wir wissen,
ob Herta Müller den roten Totalitarismus von Anfang an vekämpft hat oder nicht bzw.
ob sie die kommunistischen Verbrechen Ceausescus eine gute Weile toleriert und mitgetragen hat.

Schließlich war sie seit 1984 mit dem KP-Genossen Richard Wagner verheiratet, ergo auch mit der RKP und ihrem Schild und Schwert Securitate.

Entweder man ist mit dem Regime oder man ist dagegen als Mensch und Geist.
Die große Masse musste apolitisch sein und mitlaufen!
Aber eine geistige Autorität?

Denken Sie weiter scharf nach, Zachor!
Erinnern Sie sich ... an Verfolgung ... Entrechtung ... Exodus! Und an die Wahrheit, die uns frei machen wird!
Carl Gibson

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carl-gibson 11.03.2010 | 18:47

Da liegen Sie aber sehr falsch, Sienzehnter Juni, erst informieren, dann Behauptungen aufstellen. Details zur Materie unter:

www.banatblog.eu/banater-autoren-carl-gibson-symphonie-der-freiheit/

Was sagt Paul Goma über Carl Gibson
unter:

paulgoma.free.fr/paulgoma_pdf/pdf/LRP_JURNAL_2009_intreg.pdf
S. 665, (6. November)

:“Cred aproape tot ce a spus Carl Gibson. Il cunosc … de 33 ani, stiu ca e un pasionat – dar nu mincinos: und nedreptatit, un ranit, un om care a suferit cu adverat de ciomagul Securitatii timisorene – dar nu un veninos. Judecatiile despre Herta Müller si Richard Wagner sunt adevarate, interventia lui intarindu-mi certitudinea de impostorat a “Actiunii banatene” in general a componentiilor ei, in special. Mai aveam oarecari indoieli, fata de informatiile provenite de la romani, dar iata, acum dinspre svabii lor vin. Iar ticalosia lor cea de neiertat: acuzatia, in bloc, a comunitatii svabesti (prin extindere si sasesti) de nazism”.

Der rumänische Dissident Nr. 1, Paul Goma, auch “rumänischer Solschenizyn” genannt, glaubt SLOMR-Mitbegründer Carl Gibson, dem antikommunistischen Gefängnis-Gefährten,
und nicht Herta Müller
oder Richard Wagner.

Auch das sollte bekannt werden.
Carl Gibson

SiebzehnterJuni 11.03.2010 | 19:19

wer wirklich Dissident/in war oder nicht, lässt sich bei der Rumänien-Ko-Gruppe von Amnesty-International leicht recherchieren. Es gibt dort unendliche Briefe aus der Zeit von 1973-1990, die professionell übersetzt wurden und aus denen erkennbar war, dass es Dissidenten von der Krankenschwetser bis zum Facharbeiter, vom Studenten bis zum Universitätsprofessor gab ...

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magnus-goeller 11.03.2010 | 19:40

Werte(r) Zachor,
zu Ihrem Punkte 5 hat Herr Gibson weiter unten bereits Hinreichendes ausgeführt.
Zu Punkt 6: Ich habe Sie, wie deutlich erklärt weshalb, vielleicht irrtümlich für einen Mann gehalten; mea culpa? ; das Geschlechterthema haben Sie dann selbst gegen mich aufgebracht, worauf ich meine diesbezüglich möglicherweise falsche Anrede lediglich erklärte (und dabei sofort ins Ungewisse, das sprachlich äußerst lästige Klammerverfahren, botmäßig umschaltete).

Dass Sie das literarische Werk Herta Müllers schätzen, sei Ihnen unbenommen, und ich freue mich auch, dass Sie jetzt wieder einen zivilen Ton gegen mich angeschlagen haben.

MfG
Ihr
MG

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magnus-goeller 11.03.2010 | 20:08

Na, liebe(r) Zachor, jetzt wird's ja richtig scholastisch: Herta Müller sei also nie von Ihnen behauptetermaßen eine Dissidentin gewesen, aber eine politische und von der Securitate vor 1987 verfolgte Schriftstellerin doch(witzigerweise mit Reisefreiheit).

Wurde sie etwa verfolgt, weil sie grobe braune banater Bauernschwabenschuhe trug?

Mit dem Obigen überfordern Sie denn wirklich mein philologisches Können, diesmal nicht im Bereich Onomastik, sondern in jenem der Textsemantik.

Zachor! 11.03.2010 | 20:42

Ja zur Scholastik, warum nicht, wenn man sie als "detailgenau, differenzierende Sicht auf etwas" begreift.
Ja, HM war politisch, weil ihre Erzählungen sehr viele politische Bezüge aufweisen.
Sie war keine Dissidentin, weil sie meines Wissens an keinerlei politischen Aktionen teilgenommen, keine öffentlich bekannten politischen Forderungen gestellt und auch keiner bekannten oppositionellen Gruppierung angehört hatte.
Doch verfolgt wurde sie, nachdem sie sich weigerte, mit dem Geheimdienst mitzuarbeiten. Sie wurde wiederholt verhört - was für eine psychische und physische Gewalt man ihr angetan hatte, weiss nur sie selbst und ihr engeres Umfeld. Sie wurde bespitzelt, abgehört, in ihrer Wohnung wurden Wanzen angebracht. Sie hatte Veröffentlichungsverbot (soweit ich weiss). Was ist das alles, wenn es keine Verfolgung ist?
Ich denke nicht, dass eine solche Differenzierung negativ ist, im Gegenteil.
Und ich wiederhole: sie war uns ist eine sehr gute Schriftstellerin, deren literarische Werke von Anfang an politische Züge aufwies. Doch nicht jeder, dessen literarisches Werk damals politische Anspielungen, Kritik an den Zuständen und dem System enthielt, war auch Dissidentin. Was kann man daran nicht begreifen?
Reisefreiheit? Wo ist damit das Problem? Klar bekam sie den Pass, weil man hoffte, man würde sie so los. Das war ja damals gang und gäbe, etwa 1977 schon, als sich viele den Aktionen eines Bukarester Schriftstellers namens Paul Goma anschlossen, weil sie ahnten, dass der und seine Sympathisanten demnächst aus dem Land geschmissen werden würden und dies eine einfache, schnelle und billige Gelegenheit sein könnte, um das Land schnell und mit dem Nimbus des Oppositionellen zu verlassen ("Gomapässe" nannte man diese Haltung damals). Sie bekam also den Pass, weil man sie loswerden wollte. So einfach ist das, lieber Herr Göller.

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magnus-goeller 11.03.2010 | 21:06

Intelligente Riposte, liebe(r) Zachor,
ich bin gespannt, was Carl Gibson darauf zu erwidern hat.

Weshalb Herta Müller allerdings laut Wikipedia (ich weiß, ich weiß, was für eine Quelle...) noch in Rumänien 1981 und 1982 Literaturpreise bekommen haben solle, als schwer Verfolgte, nebenher 1984 ff auch im Westen (also vor ihrer Ausreise), das kann ich immer noch nicht so richtig in meinen kleinen Nordwestschwabenverstand, jetzt verortet im Frankenland, einordnen.

Man sagte mir früher schon einmal, ich solle "größer" denken.

Herta Müller und Sie scheinen das zu können: ich versuche, von Ihnen zu lernen.

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carl-gibson 11.03.2010 | 21:14

Wie kam es nur, dass die so arg verfolgte Herta Müller mehrfach ausreiste und mehrfach nach 1984 heim in die Ceausescu-Diktatur kehrte?

Schreibverbot?
Ihr Mentor Nikolaus Berwanger, Chef der Banater Zeitung und erster Repräsentant der Banater Schwaben, Kommunist, RKP-Vertrauensmann und Antifaschischt, Leiter des "Adam-Müller-Guttenbrunn-Literatur-Kreises" in Temeschburg, sagt in einem Gespräch im Jahr 1988 (Düsseldorfer Debatte)
Herta Müller hätte bis zu seiner Absetzung aus dem kommunistischen Paradies (August 1984) kein Schreibverbot gehabt.

Das Buch "Niederungen" sei zwischen dem Kriterion-Verlag Bukarest und dem Rotbuch-Verlag refulär ausgehandelt worden!

Also keine Räuberpistole, wie sie Herta Müller schildert mit Manuskript-Schmuggel a la James Bonf 0007!

Nikolaus Berwanger sagt ferner:

Es wundere ihn, dass Herta Müller als "Dissidentin" in der BRD wahrgenommen werde.

Wer lügt da - und wer sagt die Wahrheit?

In dem Interview mit Berwanger wird auch deutlich, dass "Niederungen" mit dem Preis der Jungkommunisten ausgezeichnet worden ist.
Er, Berwanger, finde es nicht gut, dass Herta Müller und Richard Wagner ihre in Rumänien von den Kommunisten erhaltenen Preise "verschweigen"!

Ich fand das auch nicht gut!
Noch weniger gut fand ich es, dass Richard Wagner seine RKP-Mitgliedschaft von 1972-1985 verschwieg!

Erst dokumentieren, Zachor, dann argumentieren.
Die Forschung wird Herta Müller all diese Diskrepanzen noch vor die Nase halten!
Und ich werde weiter ihre "moralische Integrität" überprüfen.

Carl Gibson

P.S. Zachor schreibt:

"Sie war keine Dissidentin, weil sie meines Wissens an keinerlei politischen Aktionen teilgenommen, keine öffentlich bekannten politischen Forderungen gestellt und auch keiner bekannten oppositionellen Gruppierung angehört hatte.
Doch verfolgt wurde sie, nachdem sie sich weigerte, mit dem Geheimdienst mitzuarbeiten. Sie wurde wiederholt verhört - was für eine psychische und physische Gewalt man ihr angetan hatte, weiss nur sie selbst und ihr engeres Umfeld. Sie wurde bespitzelt, abgehört, in ihrer Wohnung wurden Wanzen angebracht. Sie hatte Veröffentlichungsverbot (soweit ich weiss). Was ist das alles, wenn es keine Verfolgung ist?"

Und noch etwas: Wann "verweigerte" sich sich der Securitate - 1976, gleich nach dem Studium und vor den Westreisen?

Oder erst 10 Jahre später, kurz vor der Ausreiseentscheidung 1986?

Das ist wichtig!
Carl Gibson

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magnus-goeller 11.03.2010 | 22:11

@Carl Gibson
Nun scheint ja klar, dass eine durch ein kommunistisch-faschistisches System vorgeblich heftig Verfolgte Herta Müller von ebendemselben außergewöhnliche Privilegien eingeräumt bekam; nicht einmal Dein(e) hiesige(r) Widersacher(in) scheint das noch ernsthaft zu bestreiten.

Im Tennis nennte man das "Punkt, Satz und Sieg".

Allerdings könnten die Leute von der Securitate auch noch allesamt komplette Sacksimpel gewesen sein, die Möglichkeit besteht immerhin theoretisch.

Dann hätten die sich wohl den Nobelpreis für völlig inkompetente politische Verfolgung verdient.

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carl-gibson 11.03.2010 | 22:58

Im Schach heißt das: Schachmatt!

Aber das ist schon lange so, nur ist die Lüge lauter als die leise Wahrheit.
Die Lüge hat eine Plattform,
die Wahrheit muss aus Katakomben rufen.

Ich freue mich, Magnus, dass Du hier kritisch alles mit verfolgst!
In der Antike gings vom Mythos zum Logos!
Heute gehts vom Logos zum Mythos!

Man hat die äußerst gerissene und zum Teil rücksichtlose wie intelligente "Securitate" als tumbe Bauerntölpeltruppe darzustellen versucht - etwa wie den deutschen Soldaten im Sowjet-Propaganda-Film. So war das nicht.
Die "Securitate" war topfit und mit besten Mitteln ausgestattet.

Wenn sie ein Ziel verfolgte erreichten sie es auch. Herta Müller kennt diesen Repressionsapparat nur vom Hörensagen.

Typisch ihre Aussage bei einer angeblichen versuchten Verhaftung durch diese böse Securitate:

"Ohne Haftbefehl gehe ich nicht mit"!

Mit diesen Worten will sie sich gewehrt haben!
Ja, so kann man den Widerstand in jeder Diktatur ad absurdum führen!

Zur Vertiefung empfehle ich den ominösen ZEIT-Artikel aus der angeblichen Feder von Herta Müller "Die Securitate ist noch im Dienst", oben von mir verlinkt.

Herta Müller berichtet, wie sie in der Bahnhofshalle eines Luftkurorts auf ca. 1000 Meter Höhe (Poiana Brasov) /bei Kronstadt in Siebenbürgen von Schergen der Securitate zusammengeschlagen worden sein soll.

Der Witz dabei: Dort oben existiert überhaupt kein Bahnhof!

Herta Müller erfindet "Realitäten", die eigentlich nur "Fiktionen" sind.
Die Literaturwissenschaft spricht da von "erfundener Wahrnehmung"!

Herta Müller hat viel erfunden. Sie hat Realität und Fiktion gemischt. Nicht nur im Roman, auch in den Interviews, wo man ja Wahrheit erwartet, keine Dichtung.

Dürfen Dichter lügen?
Eine alte Frage seit Platon!

Nietzsche hat sie oft gestellt und sie in "Zarathustra" viefach beantwortet, perspektivisch gebunden.

Ich frage heute, dürfen Dichter immer lügen?
Und sind wir hier und heute hier in Deutschland dem Menschlich-Allzumenschlichen schon so verhaftet, dass wir bereits "jenseits von Gut und Böse" stehen,
ergo die "Moral" beerdigt haben,

bei Günter Grass
und bei Herta Müller?

Carl Gibson

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carl-gibson 11.03.2010 | 23:06

Vanitas vanitatum vanitas, alles ist vergänglich, Magnus, auch einige gefährliche Gedanken im "thread", wenn er für manche zum "threat" wird.

Hundert Jahre nach Nietzsche müssen wir mit dem Hammer philosophieren, wenn auch nicht mehr gegen "Hammer und Sichel".
Gefährliches Denken ist auch heute suspekt, vor allem das Stöbern nach der "Wahrheit", die keiner hören will.

Was schrieb Herta Müller: Lügen haben kurze Beine, die Wahrheit hat keine!

Aber wir werden ihr Beine machen!

Carl Gibson

P.S. Apropos speichern:Ich speichere seit Jahren,mehrfach, gerade um nachzuweisen, was die etablierten Maistream-Medien so alles "streichen", "entfernen", nicht veröffentlichen etc.

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magnus-goeller 11.03.2010 | 23:43

Ich habe diesen "thread" (dieser Idiotenanglizismus hat sich ja inzwischen auch von der Netzseite des Freitag ziemlich abständig gemacht) jetzt auch mal bei mir gespeichert, denn er ist ja sehr lehrreich.
Viel lehrreicher noch ist, wie man, so wie hier möglicherweise geschehen (weiß ich's?), eine(n) Antagonisten(in) wie bestellt beigesellt bekommt, wenn man Fragen aufwirft, die nicht erhört werden wollen/sollen.
Aber, der Chinese sagt, Beharrlichkeit führe zum Ziel.
Solltest Du Dir hier und zuvor eine Menge Dinge zusammenfabuliert haben, was ich nicht glaube, logisch wider die hier nun unwidersprochenen Fakten spräche, so ließe ich Dich fallen wie die sprichwörtliche heiße Kartoffel; aber ich habe jetzt diese Diskussion verfolgt und noch lebhaft im Gedächtnis, wie Du vor über zwanzig Jahren noch stark geprägt (noch ohne das Thema Müller) von Deinen Erlebnissen als Widerständler und als speziell auch Mitglied der Donauschwaben Verfolgter berichtetest: Kurz, Dich seitdem nie mehr gesehen oder gesprochen habend, sagte ich unter Eid aus, was natürlich wenig bedeutete, da nur Hörensagen, dass ich Dir damals Glauben schenkte.
Jetzt aber dreht es sich um eine ganz andere Situation, die damit nichts zu tun hat: Herta Müller wurde auf den Schild gehoben, und einem Don Quijote gleich (mein anderes Lieblingsbuch neben Nietzsches Zarathustra) kämpfst Du in gewisser Weise um und für Deine alte Heimat, Deine Herkunft, Deine Wirklichkeit, Dein Recht.
Davor habe ich großen Respekt, und Leute, die das Leiden egal wessen stets im Munde führen, Deinen "Feldzug" indes als "beleidigte Leberwurst", irrelevant, kleingeistig etc. zu desavouieren trachten, kann ich sehr wohl einschätzen.
Ich werde Dir nicht aus alter Verbundenheit, denn, damit der Rest das hier auch weiß, wir sind ja nicht nur in Eintracht damals geschieden, in dieser Sache weiterhin beistehen, solange die Gegenseite die schwächeren Argumente zu bringen scheint, denn es gebührt dieser wichtigen Sache, dass sie betreut wird und nicht nur ein einsam Verfehmter sie durchzustehen hat.

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carl-gibson 12.03.2010 | 00:04

Ja,Magnus, in zwei Jahrzehnten ist viel Wasser den Main hinab geflossen - und über Rhein und Donau ins weite Meer. Europa hat sich verändert - der Ostblock und die Sowjetunion sind zusammen gebrochen.
Das Lager der Guten und Bösen hat sich auch gewandelt - aber die historische Wahrheit muss ans Licht, einiges kommt früher, anderes später.

Ich ging erst an die Öffentlichkeit, nachdem alles aufgeschrieben war und das dicke Buch über Freiheit in einige Ecken der Welt gestreut wurde und nun in den Biblitheken steht. Dort kann man vieles nachlesen. Die kleine Auflage verbindet mich auch mit Nietzsche.
Ein Trost: Mein Buch kann über books.google auch im Internet eingesehen und gelesen werden, gut für Leute, die es nicht kaufen können. Es ist ein "Testimonium authenticum" - ich sage das, was ich erlebt habe.
Andere, etwa Herta Müller, berichten von dem, was ihr Umfeld erlebt hat.

Hier noch ein Link zur Materie für Interessierte:
www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/interviews/8708-carl-gibson-legitimer-protest-gegen.html

Ungeachtet aller Desinformation, Protektion etc. wird sich die Wahrheit durchsetzen, daran glaube ich. Je mehr kritische Köpfe mitdenken, desto besser.
Carl Gibson

wolkenlos 12.03.2010 | 00:13

Als neutraler Beobachter dieses Blogs staune ich seit Tagen über diese langatmigen Kommentare.

Eins ist für jede/n Außenstehenden klar, hier haben sich 2-3 gefunden, die entweder
a) durch ihre Vergangenheit zutiefst verletzt wurden und dies noch nicht überwunden und / oder
b) die meinen, sich nur durch derart langwierigem Zerkauen eines definitiv nicht weltbewegenden Themas Gehör verschaffen zu müssen oder
c) die schlicht keiner praktischen täglichen Tätigkeit nachgehen (müssen), wodurch Sie Zeit und Muße haben und deswegen meinen die Zeit der an intelligenten Blogbeiträgen Interessierten stehlen zu dürfen.

Ob HM in ihrer Vergangenheit etwas zu verbergen hat oder nicht ist
a) im Rahmen einer professionellen Untersuchung/Veröffentlichung zu klären,
b) für die Qualität ihrer Werke von nachrangiger Bedeutung.

Für mich und womöglich viele andere Leser dieses Blogs die einzige Konsequenz zu geben, den Kommentaren in Zukunft keine Sekunde zu widmen. Denn m. Hoffnung, dass

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magnus-goeller 12.03.2010 | 01:00

Nanu, lieber wolkenlos und Sonnenschein,
wenn Sie sich Ihre Zeit dadurch stehlen ließen, sich Geschwätz von Tagdieben wie mir durchzulesen, dann...bin ich dafür verantworlich?
Sie machen sich lächerlich, und wenn Sie nunmal nicht interessiert, ob die Nobelpreisträgerin Herta Müller eine zusammengelogene Biographie um sich herumtragen könne, die Implikationen einer solchen Möglichkeit, dann kucken Sie sich doch lieber "Forsthaus Falkenau" an, da finden Sie immer handfesten deutschen Wald und ein paar problematisch verbandelte Waldarbeiter mit Motorsägen.
Die fragen auch nicht danach, ob Sie sich langweilen.

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magnus-goeller 12.03.2010 | 01:08

Nachtrag:
Werter "wolkenlos", Ihre Unterstellung, jemand habe wohl keiner "praktischen täglichen Tätigkeit" nachzugehen, schmisse Sie normalerweise aus jeder "linken" Bahn; weshalb das hier anders aussehen mag, überlasse ich mal dem Genius des Betrachters; ich für meinen Fall bin selbständig und alleinerziehend mit zwei Kindern und arbeite daher vielleicht etwas mehr als Sie, der Held, indem ich das meist bis in die Nacht (mit eigenem Blog, Sie sind eingeladen dort meine Produktivität zu prüfen) tue.

Zachor! 12.03.2010 | 09:15

Herr Göller,

Sie scheinen ja tatsächlich auf die Kraft der Argumente zu setzen. Das ehrt Sie und ermuntert mich, Ihnen zu antworten.

Von der Realität in einer Diktatur scheinen Sie aber, mit Verlaub, nicht viel Ahnung zu haben. Das zeigt, dass Sie das Glück hatten, zur rechten Zeit am rechten Ort geboren worden zu sein. Dies ist aber kein Verdienst, sondern ein Zufall.

Diktaturen, lieber Herr Göller, sind keine monochrome Institutionen. Der Mythos vom Führerstaat, der von einem Kopf "da oben" bis in die letzte Ecke ausgeleuchtet und durchorganisiert wird, ist längst entlarvt. Wie das 3. Reich war auch Rumänien ein polystruktureller Staat, der einen komplizierten Parteiapparat, einen Geheimdienst mit vielen Lokal (Kreis-)Abteilungen hatte usw. Diese Strukturen waren in sich schon (Gegensatz Kreisapparatur - Zentrale) zerstritten und nicht immer eins in der Bewertung der Vorgänge und dem Vorgehen gegen unliebsame Personen. Wenn schon innerhalb dieser Strukturen Uneinigkeit herrschte, um wieviel mehr, wenn es um verschiedene Institutionen (Partei, Securitate, Ministerien usw.) und ihr Kompetenzgerangel ging ?!
Heute, im Zeitalter von Zentralregistern und Rasterfahndung wird Ihr werter Name irgendwo in Wiesbaden in einen Rechner eingegeben, und man weiss bestimmt alles über Sie (z.B. wo sie vor zehn Jahren 50 DM abgehoben haben). Doch war Rumänien 1980 ein Dritteweltland, in dem Pferdekarren die Landstraßen (Autobahn ? HAHA!) verstopften, die technische Infrastruktur veraltet war usw. Verwundert es da, bei dem Chaos und den Ämter- und Kompetenzstreitigkeiten, die jeder für sich durch den Einsatz von Bakschisch ausnutzte, verwundert es da, dass manche damaligen Entscheidungen heute uns widersprüchlich erscheinen?

Das verwundert nur den, der die damaligen Zustände nicht kennt. Herrn Gibsons Dissidenz in allen Ehren: er verließ das Land 1978 (79?) kaum zwanzigjährig. Heute beurteilt er die damaligen Zustände mit seinem Wissen von damals und seinen Gefühlen von heute. Doch hinter die Kulissen der Macht sah er damals schon nicht und was und wie sich das Land dann nach 1980 entwickelte, kennt er nur vom Hörensagen. Kämpfe innerhalb der Parteistruktur? Rivalität zwischen Geheimdienst und Parteiapparat? Woher soll Herr Gibson davon gehört haben? Er sieht nur einige widersprüchlich erscheinende Phänomene, erblickt aber nicht die wesentlichen Punkte, die zur Erklärung dieser Widersprüchlichkeit notwendig sind.

Zu meinem gestrigen Beitrag über Pässe und wie der Geheimdienst hoffte, die Leute loswerden zu können, hier ein authentischer Bericht:
halbjahresschrift.blogspot.com/
(Eintrag vom 9.3.2010, insbesondere Absätze 2-3)

Dies also, werter Herr Göller, als Hintergrund zu den vermeintlichen Widersprüchen. Zu Ihrem "Argument" (eher eine verschwörungstechnische Annahme), ich sei hier im Auftrag von irgendwer unterwegs, um Herrn Gibson Paroli zu bieten: diese Annahme ist Ihrer Intelligenz eigentlich nicht würdig. Von Ihnen erwarte ich niveauvollere Thesen, die Sie bringen können, wenn Sie wollen. Im Übrigen: diese Kommentare befinden sich im Anschluss an meinen Beitrag. Niemand wurde gezwungen, hier zu kommentieren. Ich erstelle ab und zu ein paar Beiträge über Gott und die Welt sowie meine Schuhgröße. Wem meine Meinung nicht passt oder wen meine Schuhgröße nicht interessiert, kann sie ja gerne ignorieren. Ich dränge ja auch niemandem meine Meinung über Michael Jackson oder Dieter Bohlen auf, oder? Sondern ignoriere die Fans der beiden. Also ist es wohl nicht zuviel verlangt, dass Sie und Herr Gibson meinen Blog ignorieren, wenn Sie meine Meinungen für derart falsch und irrelevant halten. Denn wenn nicht, werten Sie am Ende womöglich noch meine Einträge auf, werter Herr Göller, und das würden Sie doch bestimmt nicht wollen...

mfG
Zachor

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carl-gibson 12.03.2010 | 10:27

Zachor, Sie tun hier so, "als ob" Sie ein Insider wären, der über die Rivalitäten und Intrigen innerhalb von RKP und Securitate gut informiert ist. Wann haben Sie Rumänien verlassen, wie alt sind Sie, wer sind Sie, da Sie mich hier als "Ahnungslosen" hinstellen wollen?

Ich zitiere ihr Ablenkungsmanöver:

"Das verwundert nur den, der die damaligen Zustände nicht kennt. Herrn Gibsons Dissidenz in allen Ehren: er verließ das Land 1978 (79?) kaum zwanzigjährig. Heute beurteilt er die damaligen Zustände mit seinem Wissen von damals und seinen Gefühlen von heute. Doch hinter die Kulissen der Macht sah er damals schon nicht und was und wie sich das Land dann nach 1980 entwickelte, kennt er nur vom Hörensagen. Kämpfe innerhalb der Parteistruktur? Rivalität zwischen Geheimdienst und Parteiapparat? Woher soll Herr Gibson davon gehört haben? Er sieht nur einige widersprüchlich erscheinende Phänomene, erblickt aber nicht die wesentlichen Punkte, die zur Erklärung dieser Widersprüchlichkeit notwendig sind."

Fakt ist: Seit Herbst 1979 bis Winter 1989 (Rumänische Revolution und Sturz von Diktator Ceausescu) war ich oppositionell aktiv.

Im Jahr 1981 habe ich als Sprecher der Freien Gewerkschaft rumänischer Werktätiger SLOMR über die CMT eine UNO-Klage gegen Diktator Ceausescu auf den Weg gebracht:

de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gibson

Details zur UNO-Klage

:http://webfusion.ilo.org/public/db/standards/normes/libsynd/LSGetParasByCase.cfm?PARA=2657=1066=1=CONCLUSION,BACKGROUND

Das erfolgte unter Lebensgefahr für mich und meine Familie.

Herta Müller und Richard Wagner standen damals noch viele Jahre stramm zur Rumänischen Kommunistischen Partei.
Den Feind sahen sie in der "deutschen Gemeinde" der Banater Schwaben (ganz oben habe ich das kommentiert!)

Lesen Sie, was Paul Goma über meine Person gesagt hat. Er glaubt mir und nicht Herta Müller und Richard Wagner.

Beide änderten Meinung und Strategie erst nach dem Abgang ihres Förderers und irdischen Schutzengels (vor der Securitate- Kralle), also erst nach 1985.

Carl Gibson

Zachor! 12.03.2010 | 11:36

Herr Gibson,

ich unterhalte mich gerade mit Herrn Göller. In besseren Kreisen unterbricht man zwei Diskutanten nicht.

Außerdem lenken Sie ab, indem Sie schon wieder anstatt zu argumentieren, meinen Namen und mein Alter wissen wollen.
(Merken Sie, Herr Göller, diese Ablenkung und Gesprächsbeeinflussung?)

Außerdem hat Ihre Uno-Klage nichts damit zu tun, was ich über die inneren Verhältnisse Rumäniens in den 1980er Jahren geschrieben habe. Dazu haben Sie bezeichnenderweise nichts gesagt. Warum wohl...
D.h. Sie lenken das Gespräch ab, weil es Sie und Ihren Wissensstand zu entlarven droht.

Lieber Herr Göller, sollte sich Herr Gibson wieder so "fachkundig" in unser beider Gespräch einschalten, werde ich mich leider zurückziehen müssen. Ich habe nämlich seine "Gesprächführung" in verschiedenen Foren nachgelesen und habe keine Lust ... auf dieses Unniveau.

Mit freundlichen Grüssen, Herr Göller,

Zachor!

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carl-gibson 12.03.2010 | 12:00

Sie haben wohl das "Wesen" einer öffentlichen Blog-Diskussion verkannt, Zachor?

Wenn Sie sich privat austauschen wollen, wählen Sie bitte ein diskreteres Medium.

Hier reden Sie völlig unqualifiziert über meine Person!

Das ist typisch für Anonyme, die aus der Verborgenheit heraus allerlei Desinformation betreiben.
Der interessierte Leser will Fakten hören, keine Gerüchte, kein Gerede.

Carl Gibson

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magnus-goeller 12.03.2010 | 19:56

Werte(r) Zachor,

ich freue mich natürlich darüber, wenn Ihnen mein Stil möglicherweise besser gefällt als der Carl Gibsons, aber zur Sache selbst hat er wohl mehr beizutragen denn ich.

Dass in einer korrupten Diktatur so manches geht, erlebte ich z.B. noch 1985 in Bulgarien, als ich aus der Türkei mit dem Bus über dieses Land heimreiste, einem Gefährt, das von wahrscheinlich Illegalen über Zigaretten bis hin zum Spritfass im Gepäckfach alles schmuggelte, was denkbar ist, und an den Grenzen ließen sich dann die bulgarischen Zöllner mit Marlboro-Stangen und Johnnie Walker-Flaschen schmieren, in Verhandlungen, die sich, je nach noch in Bulgarien auf einem Parkplatz illegal erworbenen Lederjacken etc., über mehr als eine halbe Stunde zogen, bis dass genügend Westzigaretten und Whisky den Besitzer gewechselt hatten, in einem offenkundig gewohnten und eingespielten Verfahren...

Westreiseerlaubnis war damals im Ostblock allerdings kein Spaß, den man sich als Oppositioneller mittels einiger Stangen Zigaretten kaufen konnte, oder weshalb hätte Westdeutschland dann pro Schwabennase, wenn ich mich recht erinnere, um die 40 000 harte alte DM bezahlen müssen?

Ihre Darstellung erhellt für mich also immer noch nicht die äußerst privilegierte Stellung einer von der Securitate verfolgten Herta Müller, da dort vorgeblich solche inkompetenten, korrupten, halbmittelalterlichen Die-Rechte-weiß-nicht-was-die-Linke-tut-Schlamper den Sicherheitsapparat verhutsimpelten.

Ihre Unterstützung Herta Müllers in allen Ehren, aber eine wirklich fassbare Erklärung Ihres Glaubensgebäudes sind Sie mir persönlich noch immer schuldig geblieben.

MfG
MG

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magnus-goeller 12.03.2010 | 23:54

Ich will noch hinzufügen, dass Carl Gibson damit natürlich recht hat, Sie müssten denn auf einem nichtöffentlichen Forum schreiben, wenn Sie ihm keinen Einwurf gestatten wollen.

Ich will Sie in dem Zusammenhang auch daran erinnern, dass ich vor kurzem für Sie noch als sein "Kumpan" galt, mit dem Sie ebensowenig kommunizieren wollten, ob mangelnden Niveaus, wie mit ihm.

Die dann folgende Ansprache "Göller", mehrfach in der dritten Person so eingesetzt, wie das klar als herabwürdigend gesehen werden sollte, ist ebenfalls nicht vergessen, ich wollte im Sinne der Sache nur keinen allzugroßen Tanz daraus machen.

Ich hatte bis vor zwei oder drei Wochen über zwanzig Jahre hinweg mit Herrn Gibson, den ich im Studium in Würzburg kennenlernte, keinerlei Kontakt und verwahre mich auch dagegen, für seine diversen Aussagen in irgendeiner Weise mit haftbar gemacht zu werden.

Meine Gründe, weshalb ich ihn bislang für glaubwürdiger halte als die offiziellen - auch Ihre - Interpretationen der vorgeblichen Müllerschen Verfolgung sowie bezüglich ihrer Vita habe ich mehrfach dargelegt.

Darin wurde ich bislang durch den hiesigen Diskussionsverlauf nur umso mehr bestätigt, und wenn Sie mir nicht mehr liefern als Ihren persönlichen Glauben und allgemeine Ausführungen zum Wesen heruntergekommener Diktaturen, wird sich daran auch nichts ändern, im Gegenteil.

Wenn Ihnen der Stil Herrn Gibsons sprachlich oder inhaltlich nicht passt, nun gut; aber Sie haben zu seinen konkreten Einwänden eben bisher praktisch nichts Präzises geliefert.

Welchen andern als den genannten Schluss sollte ich daraus ziehen?

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magnus-goeller 13.03.2010 | 00:17

So, noch eins, dann schweige ich mal stille: Sollte Herta Müller tatsächlich eine aus politischen Gründen "gemachte" Nobelpreisträgerin sein, irgendwo ähnlich jenem Obama, der als Freidensnobelpreisträger Kriege täglich ausweitet, so hätte das dann im semantischen Sinne, etwas übertragen zwar, sogar mit Ihrem Nick "Zachor" zu tun: es ginge dann aber nicht um Aufrechterhaltung, sondern um Verfälschung eines Gedächtnisses und Vermächtnisses.

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magnus-goeller 13.03.2010 | 01:06

Na gut, Carl, etwas weniger Pathos ab und an machte auch Dich weniger angreifbar, aber Frau(? - ich weiß es immer noch nicht, ob Frau) "Zachor" hat ja schon durch die Wahl ihres/seines (oh mein Gott, ist die politisch korrekte Genderei albern und lästig, ich bezeichne sie jetzt als Weib, bis sie oder er oder es mir andersrum Klartext gibt)Decknamens gezeigt, dass etwas Mytheskes herankommen solle.

In etwa so, wie wenn ich mich z.B. als ein/e "Ragnarök!" (mit extra mit einem Ausrufezeichen!) zum Bloggen ankündigte, um dann ein Raunenringelreihen anzufangen.

Lassen wir ihr das Vergnügen, es ist ein freies Land! (Naja, teilweise.)

Zachor! 13.03.2010 | 10:14

Lieber Herr Göller,

mit Verlaub, aber die Tatsache, dass Sie in Bezug auf meine Beiträge von einem "Glaubensgebäude" reden, hingegen Herrn Gibsons Kommentare als logisch schlüssig erachten, obwohl gerade seine Fragenanhäufung von vielen Kommentatoren als im höchsten Maße suggestiv und manipulativ bewertet wird, zeugt nicht gerade von jener Objektivität, welche Haltung einzunehmen Sie vorgeben.
(Beachten Sie mal seine emotionsgeladenen Sätze, sobald jemand ihm wiederspricht).

Ob Sie es glauben oder nicht: ich habe bis 1989 die Widersprüchlichkeit jenes Systems erlebt, Herr Gibson dagegen nicht. Er hat seine aus seiner Sicht legitimen Gefühle in Bezug auf jenes System entwickelt, doch ist es eine Tatsache, dass er die 1980er Jahre und die Kämpfe hinter den Kulissen nicht aus eigenem Erleben, den zeitnahen Mitteilungen von Kollegen, als Mitglied von Redaktionsstuben etc. kennt. Welche Spielräume ein Parteisekretär ggü. einem Geheimdienstoffizier hatte - woher soll er das wissen? Welche Informationen auf welchen Wegen von A nach B gelangten, wieviel dabei verloren ging - woher soll er das wissen? Welchen Einfluss alte Seilschaften noch aus Zeiten der Illegalität und informell hatten - woher soll er das kennen?

Das Leben und das System war damals nicht so eindeutig, wie das hier mit Westaugen erscheint. Wir haben uns an gradlinige Entscheidungen aufgrund von Paragrafen und Verordnungen gewöhnt und wer so aufgewachsen ist, kann sich ein widersprüchliches, irrationales, ja absurdes System nicht vorstellen. Und schon gar nicht, dass es funktionieren kann.

Personen wie HM, deren Namen im Ausland einigermaßen bekannt war, bekamen selbstverständlich ihre Pässe und hatten selbstverständlich größere Freiheiten, weil man sie weniger offensichtlich schikanieren wollte und konnte. Das war in Polen, in Ungarn genauso. Biermann bekam auch einen Pass 1977 und wurde gleich ausgebürgert aus der DDR, als er im Ausland war. Damit war man ein Problem losgeworden. Das hoffte man im Falle von Totok 1978 auch (s. gestriger Link) und bestimmt im Falle der HM ebenfalls. Warum man sie nicht ausbürgerte? Ja, mein Gott, man müsste sich die Secuakten der Frau ansehen. Aber Frau HM hat sie sich wenigstens angesehen. Bestimmt gab es Diskussionen darüber, doch aus irgendeinem Grund entschied man anders.
(Nebenbei: Herr Gibson weigert sich, nach Bukarest zu fahren und Einsicht in seine Akte zu verlangen. Wenn ihm da nicht einer zuvorkommt...)
Zurück zu HM: das Einlullen des Auslandes, das ja wie wir alle wissen naiv und gutgläubig bis zur Dämlichkeit war, gehörte mit zur Strategie. Das weiss jede(r), der/die damals die 1980er vor Ort erlebte und mit seinen Dichter- und Intellektuellenkollegen sich fragte, wie bundesdeutsche Politiker so grenzenlos optimistisch und naiv sein können. Und um diese Ausland, die internationale Presse abzulenken, gab man den Deutschen hin und wieder ein paar Brosamen. Das diente dem Regime, denn es beruhigte das Ausland und lenkte teilweise die Schwaben ab (Neiddiskussion, irrtümlicher Glaube, man würde besser beachtet werden usw.).
Sie sehen, Herr Göller, erst ein paar solche Einblicke ins Innenleben einer Diktatur können die Widersprüchlichkeit eines solchen System einigermaßen nachvollziehbar machen.
Das Philosophieren mit dem Hammer, der die Beweislast umkehrt, suggestive Fragen und Anschuldigungen aufwirft, liest sich gut und hört sich gut an. Bringt aber in der Sache keine Erkenntnisse.

Im Übrigen: die BRD zahlte für die Aussiedler keine 40T DM, sondern je nach Zeitpunkt (1978 weniger als 1988) und je nach Ausbildungsstand zwischen 5 und 15T.

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carl-gibson 13.03.2010 | 12:21

Zachor schreibt:

"Warum man sie nicht ausbürgerte? Ja, mein Gott, man müsste sich die Secuakten der Frau ansehen. Aber Frau HM hat sie sich wenigstens angesehen. Bestimmt gab es Diskussionen darüber, doch aus irgendeinem Grund entschied man anders.
(Nebenbei:
Herr Gibson weigert sich, nach Bukarest zu fahren und Einsicht in seine Akte zu verlangen. Wenn ihm da nicht einer zuvorkommt...)"

Dazu habe ich schon mehrfach öffentlich erklärt:
Im Gegensatz zu Herta Müller und Richard Wagner bedarf es in meinem Falle keiner ominösen ( echten, gefälschen) Securitate-Dossiers bzw. "Akten", um meine langjährige Dissidenz zu beweisen.
Ich war ein halbes Jahr im Gefängnis - das ist Beweis genug, neben den vielen Dokumenten ( auch im Internet!).
Eine Schar vor Zeitzeugen steht bereit, alles zu bezeugen, was mit der freien Gewerschaftsgründung SLOMR im Jahr 1979 zusammenhängt, das Davor und das Danach.

Gerade erst publiziert ( in rumänischer Sprache, eine kurze Geschichte der SLOMR (Freie Gewerkschaft rumänischer Werktätiger) im Jaht 1979, fast zwei Jahre vor "Solidarnosc" in Polen:

istoriabanatului.wordpress.com/2010/02/21/mircea-rusnac-s-l-o-m-r-sindicatul-liber-al-oamenilor-muncii-din-romania-1979-aspecte-banatene/

In meinem dicken Buch habe ich meine vollständieg Rehabilitation gefordert.

Doch Präsident Traian Basescu ist wohl Taub auf einem Ohr?

Herta Müllers "Securitate"-Akte "Cristina" ist eine Farce für sich, da keiner weiß, was echt an ihr ist und was falsch bzw. gefälscht.

Carl Gibson

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magnus-goeller 13.03.2010 | 14:35

Nun, Frau Zachor, wenn Sie bis 1989 als, an Ihrem guten Deutsch wohl ablesbar, wahrscheinlich banater Schwäbin oder siebenbürger Sächsin in Rumänien gelebt haben, wissen Sie sicherlich in vielerlei Hinsicht mehr über die Verhältnisse dort als Carl Gibson, der zehn Jahre zuvor nach Westdeutschland ausreiste.

Ich will Ihnen auch ohne weiteres konzedieren (ich sprach zuvor schon von angreifbar machendem "Pathos"), dass Herr Gibson teilweise recht emotional vorgeht; nur, wer wollte ihm das allzusehr verdenken angesichts dessen, was er erlebt hat.

Kern der Sache ist doch, ob stimmt, was CG inhaltlich transportiert; darin war er, bis auf Dinge, die er hinterfrug, da er nicht wusste, wie sie nunmal wirklich liegen, aber auch dies dann so sagte, nach meinem Dafürhalten sehr eindeutig, gab Quellen zur Überprüfung an usw.

Ich werde jetzt sicherlich nicht versuchen, durch ein langjähriges, eigenerfahrungsloses Studium der jüngeren rumänischen Geschichte ein Experte zu werden, der Ihnen oder ihm das Wasser versuchte, reichen zu können; ich bleibe an dieser Sache nur deshalb so hartnäckig dran, weil mich schon merkwürdig deucht, weshalb die letzten drei deutschen Literaturnobelpreisträger ausgerechnet Böll, Grass und Müller heißen.

Und was Sie betrifft, so weiß ich jetzt immerhin (erst nach ellenlanger Diskussion, die ja durch derlei Information schon früh wesentlich vereinfacht hätte werden können), dass Sie bis 1989 in Rumänien lebten, also Zeitzeugin sind, wobei ich in der Anrede Ihrer Person jetzt immer noch von der Vermutung ausgehen muss, dass Sie korrekt als eine Dame ansprechen sollte.

Da Sie überdies offensichtlich sehr gebildet sind und andeuten, Sie seien, worin ich Ihnen durchaus Glauben schenken möchte, mit den Verhältnissen in Rumänien in jenem Jahrzehnt, da Herr Gibson schon in Westdeutschland weilte, sehr gut vertraut, insonderheit, was die Behandlung von Dissidenten, womöglich eben auch ganz persönlich Herta Müller betrifft, frage ich mich doch, weshalb Sie keinen konkreten Bericht vorlegen, wenigstens Beispiele, Ross und Reiter benennen, um dem Ihnen also inkompetent wie impertinent erscheinenden CB ein für allemal, oder wenigstens hier, den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Ehrlich gesagt, ich fühle mich hier wie jemand, der, verzeihen Sie bitte die sicherlich auch Ihnen geläufige Redewendung, Ihnen nach allen Regeln der Kunst versuchen muss, die Würmer aus der Nase zu ziehen, um in seinem Trachten nach mehr Erkenntnis mühseligst immer mal wieder ein Schrittchen weiterzukommen.

Wenn Ihnen CG auf die Nerven geht (das ginge mir ebenso, wenn ich Besseres wüsste, als er erzählt), dann bleibt eben völlig nebulös, weshalb Sie, die doch der deutschen Sprache bestens mächtig, die Sache auch im Sinne der von Ihnen so geschätzten Herta Müller nicht endlich klariter richten.

Wenn Sie nun aber selbst sich lediglich auf Vermutungen stützen sollten, so wäre dies als solches ja nicht verwerflich, viele glauben ja auch an Jesus, ohne ihn je gesehen zu haben, ohne dass man diese dafür kursorisch oder gar permanent dafür auslachte, aber dann hätten wir eine wesentlich verbesserte Gesprächsgrundlage.

Diese könnte dann auch in durchaus gemeinsam strebenden Bemühn dahinführen, dass der, um in der Metapher zu bleiben "Ungläubige" CG und Sie, die "Gläubige" dem Rest der Welt alle Dokumente, Sagen, Aussagen, Zeichen und Wunder zu einer Causa vorlegen könnten, die im Gegensatz zu den Evangelien in ihrem Wahrheitsgehalt noch sehr weitgehend nachvollziehbar sein dürfte.

Da wäre es dann auch für keinen der beiden Kontrahenten eine Schande, wenn er/sie sich geirrt hätte, da beider Anliegen ernsthaft erschien (natürlich nur, wofern nichts Gegenteiliges zutage käme); und durchaus möglich ist natürlich auch, dass die "Wahrheit" irgendwo zwischen den Polen herauskäme, vielleicht sogar ganz erheblich auf einer Achse, an die weder Sie noch CG bisher überhaupt dachten.

Ich danke Ihnen jedenfalls einstweilen, dass Sie den Gesprächsfaden nicht durchtrennt haben und verbleibe in Erwartung Ihrer Antwort

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Magnus Wolf Göller

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magnus-goeller 13.03.2010 | 17:20

Nachtrag
Ich will Sie und Carl Gibson ja nun jetzt nicht gleich zum exilrumänischen Liebespaar machen (die Ironie sei bitte verziehen), aber vielleicht könnten Sie beide eben doch gemeinsam für Aufklärung sorgen, durchaus mit konträren Anfangssichtweisen, aber eben fair, gemeinsam, korrekt versuchen Licht in dieses Dunkel zu bringen.
Dass Sie beide nicht auf den Kopf gefallen sind, ist evident; beide wissen wohl eine Menge; beide scheinen es wirklich ernst zu meinen; warum treffen Sie sich nicht einmal auf ein Glas Wein, meintwegen auch nur eine Tasse Kaffee?

Ich biete für solch eine Möglichkeit meine bescheidene Kate gerne als - hoffentlich nicht zu einseitiger und nur wenn gewünschter - Drittmitdiskutant bzw. eher Moderator ausdrücklich an.

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matisse 13.03.2010 | 21:09

ja und laut ihrer vermutung oder "these" sind hier auch multiple
persönlichkeiten am werk: unsinn!

ihre knackigen kommentare wurden ja bereits von anderer seite gelobt.

ich denke, herr gibson ist ebenso authentisch wie herr göller.

nein, um ihre evtl. aus dem nichts auftauchende frage gleich zu beantworten:
ich bin weder der eine noch der andere aber vielleicht doch beide zusammen :-)

herr göllers kommentare bzw. vorschläge sind klug und stets sachlich und auch ich kann mir beim besten willen nicht vorstellen - noch nicht -, dass herr gibson sich seit langem aus reinem vergnügen oder hobby, wie ihm mal vorgeworfen wurde, so intentiv um eine aufklärung bemüht.
er hat gelitten und fragt nach aufklärung und beweisen.
das recht eines jeden oder nicht?

ich persönlich glaubte ab meinem 13. lebensjahr nicht mehr an gott, gut andere begriffen es früher, andere nie, die glauben tatsächlich in einem land zu leben, wo man alles und jeden kritisieren, hinterfragen und in frage stellen dürfe.
deshalb zensierte man herr gibsons leserbrief mit der fadenscheiniugen und quasi auf alles und jeden beziehenden begründung der redundanz.
wenn das so ist, so müßte man hier im blog so manches streichen, zensieren.

mir persönlich erscheint die hoheitliche preisverleihung in der tat als ablenkung und eine art unantastbarer schutzmantel.

herr göller erwähnte es bereits zurecht im zusammenhang mit böll und grass, da darf man getrost etwas skeptisch werden.

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carl-gibson 13.03.2010 | 21:15

Luzid argumentiert, Magnus – und vielen Dank für die Einladung! Ich bin zu jedem Treffen bereit. Dass Klarheit in die Materie bringt. Wenn Frau Zachor aus dem Verborgenen heraus treten und kommen sollte, würde ich dabei sein.
In der Diskussion

www.freitag.de/kultur/1010-rumaenien-top-intellektuelle

habe ich an Deine Kompetenz als Sprachexperte appelliert und einen Link zu einem schwedischen Blog gesetzt, wo im Zusammenhang mit meiner Kritik an Herta Müller auch über das Verhältnis zu Günter Grass diskutiert wird. Das war im Herbst 2008, ein Jahr vor der Nobelpreisverleihung.
Ich hoffte auf die Klarsicht der Schweden und auf skandinavischen Kritizismus. Offensichtlich hat das Nobelpreiskomitee nicht mitgelesen.
Wenn wir die moralische Intergrität von Nobelpreisträger Günter Grass hinterfragen,
dann ist es auch legitim, die Moralität oder Pseudo-Moral von Herta Müller zu hinterfragen.

Die Schweden haben damit kein Problem, weinszstein!

Sie dazu den Blog:

bodilzalesky.com/blog/2008/11/10/arvet-fran-kommunismen-en-rumansk-tysk-angiverihistoria/

Ich habe seinerzeit versucht, die Schweden von der Notwendigkeit der debatte über die "moralische Integriätät" einer Nobelpreiskandidatur zu überzeungen, im Versuch die Kandidatur von Herta Müller kritisch zu verifizieren.

Die Schweden übernahmen meine Herta Müller-Kritik aus Wikipedia.

Nach der Nobelpreisvergabe - wurde wie nach dem Willen scheifender Pharaonen und Cesaren - meine Kritik aus dem Herta Müller Portait "entfernt",
weg retuschiert - wie in der ZEIT,

und wie einst bei den Kommunisten!
Carl Gibson

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magnus-goeller 14.03.2010 | 02:11

Lieber SiebzehnterJuni,

wer Sie sind, weiß ich in der Tat nicht, aber ich weiß, wer ich bin und wer Carl Gibson ist; beide finden Sie mit Ihrer Suchmaschine sofort, auch mit Konterfei: die Unähnlichkeit dürfte bestechend sein.

Wer Frau Zachor ist, weiß ich wiederum auch nicht, aber dass ich's nicht bin, das weiß ich sicher; dass sie nicht Herr Gibson ist, vermute ich mal stark, obwohl ich das bislang nicht beweisen kann; aber vielleicht sind ja Sie selbst Frau Zachor? Oder el greco?

Schon ein Mist mit den Nicks im Netz...

Und am dümmsten wird es dann, wenn ein Anonymus gegenüber leicht auffindbaren Autoren mit Klarnamen ob deren Identität beginnt, sinistere Witze zu reißen.

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magnus-goeller 14.03.2010 | 05:21

Zusatz:
Lieber "SiebzehnterJuni",
Sie kommen hiermit weltweit als erste Entität in den Genuss, von mir die "Keine Karte" zu bekommen.
Dies bedeutet, dass ich Sie solange nicht mehr wahrnehmen werde, wie Sie als Anonymus wie oben lästern bzw. sich nicht fürs Vergangene explizit entschuldigt haben.

Näheres zum Prinzip "Keine Karte" finden Sie unter:

www.unzensiert.zeitgeist-online.de/wp-admin/post.php?action=edit=9080=7

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matisse 14.03.2010 | 09:29

nein, ich bin nur el greco, weitere nicks und spielereien liegen mir fern, hierfür ist das thema zu brisant und ernst.

bereits vor über 2 jahren wurde ich auf herr gibsons
artikel und kommentare in diversen blogs...aufmerksam und verfolge seitdem sein anliegen.

das recht hier unerkannt zu bleiben möchte ich
aus verschiedenen gründen (noch) wahrnehmen.

Zachor! 14.03.2010 | 11:33

Lieber Herr Göller,

Ihre umsichtige und abwägende Wortwahl wie auch Ihr Bemühen in der Sache ehrt Sie und ich bin Ihnen dankbar für Ihr Engagement.

In Ihrem Beitrag sprechen Sie zwei Punkte an: Ich solle "wenigstens Beispiele, Ross und Reiter benennen, um dem Ihnen also inkompetent wie impertinent erscheinenden CB ein für allemal, oder wenigstens hier, den Wind aus den Segeln zu nehmen."
Darüber hinaus könnte ich, "die "Gläubige" dem Rest der Welt alle Dokumente, Sagen, Aussagen, Zeichen und Wunder zu einer Causa vorlegen [...], die im Gegensatz zu den Evangelien in ihrem Wahrheitsgehalt noch sehr weitgehend nachvollziehbar sein dürfte."

Den ersten Punkt habe ich nicht ganz verstanden, in der Hinsicht, in Bezug auf was ich "Beispiele, Ross und Reiter" nennen soll. Auf die Widersprüchlichkeiten und Machenschaften des Geheimdienstes bei der Ausspähung von Intellektuellen? Dazu brauchen Sie mich nicht, denn dies ist dutzendfach dokumentiert - auch online. Sehen Sie sich doch die Blogeinträge von William Totok, einem frühen Mitstreiter von HM an:
halbjahresschrift.blogspot.com/
Wenn Sie sich mehrere seiner Einträge durchlesen, erkennen Sie mehr an Methode und System als ich Ihnen an einem Beispiel geben könnte. Des Weiteren empfehlenswert sind die Bücher von Lippet (hier eine gehaltvolle Rezension dazu: www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/kultur/9788-wie-die-diskussion-mit-diesen.html)
und das von HM über ihre Geheimdiensakten.

In Ihrem zweiten Punkt scheinen Sie (wobei leichter Sarkasmus in Ihrem Text durchscheint, der Ihr Anliegen beinahe diskreditiert, doch will ich ihm keine große Bedeutung beimessen) anzunehmen, ich würde hier Dokumente zur Verfolgung von HM durch den Geheimdienst präsentieren können oder wollen. Derlei habe ich jedoch nie behauptet und da überschätzen Sie meine Kompetenzen (davon ganz abgesehen, dass Sie danach meinen könnten, mich identifizieren zu können).

Für Ihre Einladung zu dem Gläschen Wein bedanke ich mich, doch muss noch sehr viel Wasser den Rhein runterfliessen, bis ich mich mit Herrn Gibson an einen Tisch setze.

MfG,
Zachor

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magnus-goeller 14.03.2010 | 15:00

Liebe Frau Zachor,

zunächst ein herzliches Danke für Ihre Antwort.

Den "leichten Sarkasmus" bitte ich zu entschuldigen, manchmal sitzt mir vielleicht allzusehr der Schalk im Nacken.

Da Vater Rhein wohl noch eine Weile fließen wird, kann es ja immerhin doch noch stattfinden, dass Sie sich mit Herrn Gibson an einen Tisch setzen.

Dass Sie Ihre Identität nicht preisgeben wollen (wie auch el greco), mag im Zusammenhang mit der erlebten Diktatur durchaus seine zu respektierenden Gründe haben, weswegen ich an dieser Sache jetzt auch nicht mehr rütteln will.

Ich "glaube" inzwischen auch nicht mehr, so wie es mir zunächst erschien, dass Sie hier Carl Gibson sozusagen als Widersacherin zugeordnet wurden; wie ich schon mehr als nur andeutete, treibt mich persönlich an der Causa Müller nicht eigentlich am meisten um, inwieweit sie verfolgt wurde, sondern ich frage mich, weshalb die letzten drei deutschen Literaturnobelpreisträger als im Grunde antideutsch Eingestellte ausgewählt wurden.

Sie mögen mir dabei bitte den patriotischen Reflex nachsehen; aber da ich ziemlich sicher weiß, dass weder meine Großeltern noch Eltern als NS-Mörder unterwegs waren (und wenn, was könnte ich dafür?), ich schon qua zu später Geburt schon gar nicht, meinen Kindern jetzt auch noch eine Art Erbschuld in der Schule vermittelt wird, habe ich, ganz grob gesagt, den Kanal voll von ewigwährender deutscher Schuld, gar noch von Literaten ständig perpetuiert und bepreisträgert.

Um es noch einmal deutlich zu machen: Wenn Kriegstreiber wie Obama und Lügner wie Al Gore Friedensnobelpreise bekommen, man sich leicht ausrechnen kann, was für eine illustre Herrenversammlung da zu Stockholm wählt, liegt eben auch nahe, sich einmal zu fragen, ob denn Böll, Grass und Müller allein ob ihrer Verdienste als Schriftsteller ausgewählt wurden (den Ersteren habe ich versucht zu lesen: grauenhafter Müll; der Zweite schrieb immerhin "Die Blechtrommel"; der Dritten Werk kenne ich nicht, aber Reich Ranicki, ein ansonsten Redseliger, will es nicht einmal mehr kommentieren).

Ich schrieb noch heute Nacht in meinen Blog:

"Inzwischen glaube ich selber daran, dass ich lediglich eine Verschwörungstheorie sei."

Jetzt aber noch ein bisschen zur Literatur.

Martin Walser ist sicherlich nicht von Pappe, aber nach meinem Dafürhalten eben doch kein Großer; bei Botho Strauß mag dies schon eher zutreffen; ansonsten lese ich kaum Nachkriegsliteratur, weil da, gemessen an den Klassikern, nicht nur im deutschsprachigen Raum nicht viel zu finden ist, was sich auch "nur" mit z.B. dem Schaffen einer Jane Austen vergleichen ließe, von einem Dostoijewski, Shakespeare, Nietzsche mal ganz zu schweigen.

Ich rätsle seit Jahren darüber, weshalb die beiden Weltkriege - aus meiner Sicht - die europäische Kultur in einer solchen Weise beschädigt haben, dass praktisch alles Literarische peinlich epigonal wirkt, vergleichsweise zweitklassig.

Ich werde mich jetzt wohl mal ein wenig um Herta Müllers Werk kümmern müssen, wenigstens hineinlesen, vielleicht erfahre ich ja dort endlich ein wenig Erleuchtung.

Mit den besten Wünschen

Ihr

Magnus Wolf Göller

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carl-gibson 14.03.2010 | 15:35

Des Pudels Kern erscheint hinter der Frage:
Weshalb wurde Herta Müller auf's Treppchen gehoben?

Aus literarischen Gründen?
Aus politischen Überlegungen, Strategien?

Das ist die 100. 000 -Dollar Frage, Magnus!

Weshalb wollten CDU und SPD, dass Herta Müller das Rennen machte?

Weshalb wurden Siegfried Lenz (jugengliches NSDAP-Mitglied?),
Martin Walser (angeblich ebenfalls jung in der NASDAP?) H. M. Entensberger etc. nicht einmal nominiert?

War diese Nobelpreis-Entscheidung eine "antideutsche" ( wie Du bei Böll und Grass annimmst) - oder eine "pro-deutsche) im Sinne der Rehabilitiereung der deutschen Vertriebenen aus den Ostgebieten?

Dazu habe ich hier auf Freitag eine Diskussion in die Welt gesetzt unter:

www.freitag.de/community/blogs/carl-gibson/heimatvertriebene-und-machtpolitik---falsche-symbole-und-signale

Je mehr Fakten bekannt werden, desto klarer werden die Strategien und Zielsetzungen der Strippenzieher.

Carl Gibson

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carl-gibson 14.03.2010 | 15:58

@El greco, Magnus u. a. Interessierte:

Seit fast zwei Jahren kämpfe ich öffentlich gegen ein Netzwerk, das die Interessen von Herta Müller vertritt, gegen Berufene? Oder Unberufene.
Fast alle, die mich auf in den Foren der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben mit Argumenten untere der Gürtellinie bekämpften, verleumdeten, beschimpften etc. waren „anonym“ – wie „Zachor“ hier, die eine Thematik aufgreift, die sie nicht beherrscht, aber munter Desinformation und Ablenkung betreibt mit zum Teil diskriminierenden und mich beleidigenden Verdrehungen und Formulierungen.
Um die öffentliche Debatte führen zu können, musste ich Bd. 2 der „Symphonie der Freiheit“ unter den Titel „Gegen den Strom. Deutsche Identität und Exodus“ zurück stellen.
Hier einige Links, wo Argumente und Anfeindungen nachgelesen werden können, auch aus Kampagnen, die Richard Wagner von Rumänien aus ( wo ich nicht widersprechen konnte) gegen mich betrieb.

www.siebenbuerger.de/forum/allgemein/795-die-konrad-adenauer_stiftung-und-die/

www.siebenbuerger.de/forum/allgemein/863-offener-brief-an-herta-mueller-aus/

www.siebenbuerger.de/forum/allgemein/736-richard-wagner-verunglimpft-carl-gibson/seite15.html

www.banatblog.eu/banater-autoren-carl-gibson-symphonie-der-freiheit/

Jeder bilde sich frei seine Meinung.
Carl Gibson

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carl-gibson 14.03.2010 | 16:07

Du bist hier auf ein Thema von hoher innenpolitischer Brisanz gestoßen, Magnus!

Ob Dichter lügen dürfen?
Ob Nobelpreisträger lügen dürfen?

Ob wir die Moral beerdigen dürfen, aber im Sinne unserer heuchlerischen Moral anderen Krieg und Vernichtung bringen dürfen?

Einige Leute, die sich nicht vom öberflächlichen "panem et circensis-Treiben" unserer Politik ablenken lassen, werden noch merken, was hier gespielt wird.

Du darfst in Deinem Blog alles von mir zitieren, was Du im Internet aus meiner Feder findest.

Die Materie Herta Müller und wie sie instrumentalisiert wurde (Verschwörungstheorie!?) ist nur der Einstieg in den Sumpf.
Wie tief und stinkend er ist, wird sich erst herausstellen.

Carl Gibson

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magnus-goeller 14.03.2010 | 17:48

Lieber Carl,

Frau Zachor hat sich doch auf eine bemerkenswerte Art und Weise mindestens partiell "gedreht", indem sie immerhin mit mir ins direkte Gespräch trat.

Wie Du vorhin lesen konntest, halte ich sie inzwischen für lauter, jedenfalls nicht für eine "Losgeschickte" (worin ich mich natürlich aufs Neue bzw. jetzt umgekehrt täuschen könnte).

Ich sage jetzt einfach mal: Wer weiß, was sie mitgemacht hat und wie sie zu Ihren Einschätzungen gekommen ist?

Damit weder Du noch sie mich missverstehen: Ich habe hier als Waage-Geborener (auch so ein Aberglaube...) mal versucht, eine Brücke zwischen zwei Menschen zu bauen, die beide sehr gebildet sind und sich sicherlich viel zu sagen hätten.

Einige Argumente von Frau Zachor bezüglich der Ostblock-Toleranz-Vernebelungsstrategie gegenüber dem Westen waren durchaus einleuchtend; dies heißt natürlich noch nicht per se, dass Herta Müller die arme Verfolgte gewesen sei, als die sie sich darstellt, denn das mag mir aufgrund der "Fakten", die ich bisher hier und anderwo eruieren konnte, nach wie vor nicht einleuchten.

Ich sage es jetzt einmal drastisch: Solange ich nicht ins Konzept der Freimaurer von Stockholm passe, werde ich in hunderttausend Jahren (wenn die noch so lange durchhalten, Inschallah) keinen Nobelpreis von denen bekommen, selbst wenn ich die Bireinkarnation von Cervantes und Shakespeare höchstselbst wäre und Luther mein Ziehvater.

Diese Leute dort sind schlicht ein korruptes Untergesindel der Macht; jeder Nobelpreis ist politisch, ob er nun an Krugman, Friedman, Fo, Böll, Grass oder sonstwen verteilt wird.

Eigentlich setzen wir deshalb falsch an: im Grunde ist ein Nobelpreis eine Schande, außer vielleicht einmal einer für Physik oder Chemie.

Ich meine aber, dass Frau Zachor durchaus offene Ohren hat, denn bei ihrem offenkundig vorhandenen Verstand ließ sie mir doch schon zuvor entsprechende Andeutungen durchgehen; nicht nur das, sie ging auf andere Argumente, nach dem ersten, vielleicht persönlich bedingten Sträuben, dann durchaus sachlich ein.

Was ich jetzt in dieser Deutlichkeit hier gesagt habe, mag ihr genausowenig schmecken wie Dir, meinem "Kumpan", da ich begonnen habe, Ross und Reiter zu benennen.

(Ich werde jetzt ironisch): Dessenthalben seid Ihr beide Euch vielleicht bald näher als sie oder Du mir; denn ich bringe jetzt ein Form Klartext ins Spiel, die möglicherweise weder der einen noch der anderen Seite in ihrer jeweiligen Agenda gefallen mag.

Indes, mein eigener Blog heißt "unzensiert.zeitgeist-online.de", und die Benamung dessen stammt nicht von mir, sondern wurde diesem von anderer Seite her gegeben, wobei ich allerdings dem Vorschlag zustimmte.

Wir werden mit der "Wahrheit" nie vorankommen, solange wir um Nobelpreiskommittees noch herumtanzen wie ums Goldene Kalb; solange wir vor Obamas und Gores irgend Respekt haben; solange wir die Probleme nicht eindeutig benennen.

Im Grunde genommen habe ich mich hier vielleicht selber zum Esel gemacht, denn ich hätte schon zu Anfang ausrufen können: "Wen interessiert denn noch, welcher Vorzeigekasper, welche Vorzeigekasperin dieses Jahr in Stockholm erwählt wurde?"

Andererseits hätte ich es mir damit auch zu einfach gemacht, denn ein großer Teil Welt glaubt immer noch an das, was dort ausbaldowert wird und wird sich so schnell und leicht nicht von einem bislang nur in Fachkreisen Bekannten darin stören lassen; alsomit ist die Sache eben ambivalent, wie so Vieles.

Und damit (ich verzichte diesmal auf den Scherz mit dem Liebespaar) sehe ich eben auch meine "Verrücktheit" begründet, Euch zwei Beiden womöglich e b e n d o c h und gerade erst recht mir eines Tages an einem Tische zu imaginieren.

Ihr seid ja wohl beide keine kranken, debilen alten Sägböcke.

Noch zum Thema Securitate: Wenn Frau Zachor aus diesem Stall stammte, dann wäre sie immerhin nicht so plump-tolpatschig, alswie sie diesen Apparat teilweise beschrieb, damit wenigstens spannend (ich weiß, der Schalk...), und für einen Geist wie Dich, lieber Carl, doch nochmal ein lohnendes Studienobjekt (entschuldige, ich vergaß gerade, dass Du einem Treffen ja schon grundsätzlich zustimmtest), anhand dessen Du Deine Kenntnisse nochmals verbessern und Deine Sinne weiter schärfen könntest; ohne Humor ist doch die Welt verloren, oder?

Und überdies, Du redest immer wieder von Versöhnung; einen Anfang hast Du gemacht, Frau Zachor ebenso, weshalb nicht auf diesem Wege voranschreiten?

Etwas ausführlich-ungebührlich lamgatmig

Beste Wünsche Euch beiden

Euer

Magnus Wolf Göller

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matisse 14.03.2010 | 17:55

martin walser wurde hier u.a. erwähnt:
ich persönlich schätze diesen autor und sein werk
zwar lediglich partiell, ob nun für jeden und viele und alle und überhaupt nachvollziehbar soll hier natürlich nicht allein relevant sein.

jedenfalls schätze ich an martin walser seine offenheit und courage, sich auch zu brisanten themen zu äussern und zwar so "wie ihm das maul gewachsen ist...", sowas wünschte ich mir von manch anderen,
gerade in der öffentlichkeit stehenden personen.

frau käßmann ist z.b. so eine, nur ein satz
("nichts ist gut in afghanistan")gezielt von den medien herausgefiltert und zackbums, weg is se.
der alkoholflgenuss kam zur rechten zeit.
sie war bestimmt schon länger im visier einiger
politmodogestalten.

vielen gilt walsers werk als zu "massenkonform", mainstreamhaft, aber zwischen all diesen "geschichtchen" brodelt nicht wenig kritik an unserem gesellschaftssystem und den verhältnissen
innerhalb bestimmter gesellschaftsschichten usw..

martin walser wird allein schon aufgrund seiner nicht selten immensen streitlust entfachenden tiraden und diskussionen von vielen ängstlichen
gemieden, gefürchtet und eher selten als gern gesehener gast in talk-shows, gesprächsrunden etc. eingeladen, das könnte ja, falls ohne tv-aufzeichnung, richtig brenzlig werden.
man denke nur an sein buch "tod eines kritikers", dass ihm neben mageren lobeshymnen reichlich und mitunter geradezu haßerfüllte kritiken einbrachte.
er wagte es einen "lebenden heiligen" satirisch zu betrachten, noch dazu einen, der unter den deutschen litt...das ist alles bekannt und furchtbar, aber
da versteht man in deutschland... keinerlei spaß, das ist tabu und wird zumeist einseitig abgehandelt.
so einen muss man permanent bekämpfen und erst recht von gewissen juroren/innen und fernhalten.

walter kempowski fällt mir ein, aus meiner sicht kein großer romancier, aber ein äussert guter geschichtsaufklärer und kritiker so mancher verhunzter publikation zur jüngsten geschichte.
auch er wurde tunlichst gemieden, man fürchtete sich vor ihm.
wie er darunter litt kann man in seinen tagebüchern nachlesen.
ausserdem: 7 jahre(?) bautzen waren ja auch nicht ohne.

er und walser (nur zwei beispiele von unzähligen) denen es nicht liegt/lag vor bestimmten leuten zu kriechen.

gefördert wurden und werden zumeist die angepassten,
hochgejubelten, ob nun aufgrund ihrer eigentlichen, genuinen talente oder eher aus politisch-strategischem kalkül, wird immer streitbar bleiben.

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matisse 14.03.2010 | 20:26

lieber herr göller,
ja, auch ich mußte seinerzeit bei der lektüre von "tod eines kritikers" mitunter lauf auflachen.
damals las ich das buch größtenteils unterwegs, z.b. bei einem zahnarzttermin, die leute im wartezimmer dachten sicherlich, ich hätte besser einen stock weiter nach oben einen kopf- u. seelendottore konsultieren sollen; aber im ernst - auch wenn manchmal der humor sehr unterstützend und hilfreich sein kann:

auch mir ist bis dato unerklärlich, wie man walser gegenüber so unbarmherzig, kalt und feindselig
auftreten konnte.
schließlich ist nicht wenigen seine spitzbübig- allemannische art und erst recht sein schreibstil gänzlich unbekannt.
ja, natürlich provoziert er gerne, wer tut dies in der öffentlichkeit nicht?
und dann in literarischer manier!
jeden tag dürfen wir das mit ansehhören.
ich selbst erlebte walser mehrmals bei lesungen und "kürzestgespräche", eigentlich benötigt walser keinen moderator, er ist auch ein köstlicher alleinunterhalter - by the way.

auch in punkto leidensgeschichte im zusammenhang mit
unbegreiflichem stimme ich ihnen gerne zu.

aber ich möchte hier ja nicht zu weit vom eigentlichen thema bzw. ausgangspunkt ablenken, sonst
wirft man mir (wie schon einmal) vor, was das denn mit dem ursprünglichen thema zu tun hat :-)

soviel kann ich schreiben, wers nicht bereits weiß:
ein rumänischer zeitzeuge bin ich nicht, was mich
nicht von vornherein disqualifiziert; sie sind ja auch keiner, machen sich aber gedanken darüber bzw.
äussern ihre zustimmungen, ihre kritik...wäre ja noch schöner, wenn man das nicht dürfte.

für mich werden in bezug auf diese - und andere ähnliche blogthemen - im grunde genommen nur jahrelang zuvor praktizierte skeptische gedankenübungen bestätigt, will schreiben,
gewissermaßen am leben erhalten.

rein literarisch ist herta müller für mich eine
unbedeutende person, ich kann weder ihrem schreibstil noch ihren themen viel abgewinnen und
"gewinnbringendes" - auf vielerlei weise - sollte (muß aber nicht) ein buch enthalten.

was ihre dissidenz oder rolle während ihrer jahre in rumänien betrifft, so kann ich mir nur anhand von all
den kommentaren, zeitungsmeldungen, usw. versuchen ein bild zu machen.
und mehrheitlich empfinde ich ein unklares, eine art zerrbild, sprich eine ordentliche portion zweifel, gerade was herta müllers sprunghaft-literarischen verlauf bzw. aufstieg betrifft.

bon, damit muss ich leben und abwarten, inwieweit
sich all die von carl gibson, ihnen, herr göller und manch anderen kommentatoren/innen gestellten fragen
mit der zeit erhellen oder gar aufklärende ergebnisse erzielen.
das wäre sehr laudabel.

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magnus-goeller 14.03.2010 | 21:00

Lieber el greco
(ich hoffe mal, dass mein Ansinnen nicht als ein kaschierter Monolog angeprangert wird... ogott ich kann es nicht lassen, der Schalk zwickt immer noch, ich muss ihn wohl jetzt endgültig bezähmen), ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, das Thema "Nicks" sollte ja durch sein: Weshalb greifen Sie zur durchgängigen Kleinschreibung?

Sie müssen darauf natürlich nicht antworten, aber im Falle, dass Sie eine sinnfällige Erklärung dafür hätten - wir reden ja hier über Literatur im weitesten Sinne - interessierte mich diese doch sehr, zumal ich bei meiner letzten diesbezüglichen Frage an einen von mir sehr geschätzten Freitag-Kommentatoren keinerlei Antwort erhielt.

Nichts für ungut, wenn Sie dazu nichts sagen wollen, diese Frage, da ja auch andere durchaus Schreibfähige diesen Weg wählen (nicht nur hier auf freitag.de, auch bei "Rechten"), interessiert mich sozusagen "einfach so".

MfG

MG

P.S.: Verzeihen Sie bitte das Nebengeleise, ich bitte auch Frau Zachor darum, die Abweichung vom Kernblogthema durchgehen zu lassen.

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carl-gibson 14.03.2010 | 21:16

@Magnus Göller: Es gibt da einen Ausspruch von Jean-Paul Sartre zum Nobelpreiskomitee und den Entscheidungskriterien dort: Wer von diesen Leuten auserwählt wird, der sollte seine geistigen Bestände überprüfen.
(Das ist fast so drastisch, wie Du es oben formuliert hast.)

Im Jahr 1984 schrieb ich einen Essay unter den Titel "Nobelpreise - Eine Form der Manipulation" und publizerte ihn in dem Literaturmagazin "Vis-a-vis" aus Berlin.
Dass meine Landsmännin Herta Müller aus dem rumänischen Teil des Banats einmal diese hohe Auszeichnung erhalten würde, wofür eigentlich, konnte ich mir damals noch nicht vorstellen, denn die privilegierte Westreisende Herta Müller war gerade dabei, den Banater Schwaben durch die Bank faschistoide Gesinnung zu unterstellen ( im deutschen Fernsehen sogar - mit mir als exponiertem Zuhörer!).(1984)
Sie nahm den deutschen Literaturpreis an - und kehrte in Ceausescus Schoß zurück, mehrfach sogar!

Arg verfolgt?Wohl kaum!
Alles schon vergessen?

Nach F.C. Delius war das "Banat" die "Hölle auf Erden" , eine Gegend mit stumpfsinningen Menschen, die sich gegenseitig hassen.
Darauf kam Delius in seiner Niederungen- Rezension, im SPRIEGEL (1984),nachdem er Herta Müllers Ergüsse gelesen hatte.

Nach eigener Aussage von Herta Müller war es der "Hass" auf ihren banatschwäbischen Landsleute, der sie antrieb "Niederungen" zu schreiben.

Was wissen die Leute aus Stockholm davon, die sie prämierten?
Und was wusste Michael Naumann davon, der sie nominierte?
Mein öffentliches Aufklären und Dagegenhalten verpuffte wie der Ruf eines Propheten in der Wüste.

Carl Gibson

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carl-gibson 14.03.2010 | 21:27

@El Greco: Herta Müller steht heute auf einer Stufe mit Thomas Mann!
Schlecht für Thomas Mann?

Oder schlecht für den Nobelpreis überhaupt?

Wo sind die Werke von Herta Müller, die auch nur im entferntesten Sinn einen Vergleich mit dem "Zauberberg", "Doktor Faustus", mit den "Buddenbbrooks", den Essays zur Kultur, Geistesgeschichte und Politik oder den Erzählungen "Tod in Venedig", "Tonio Kröger" etc. standhalten?

Diese Auszeichnung - eine Farce, literarisch betrachtet?
Moralisch gar ein Skandal?

Walser und Lenz haben in vier, fünf Jahrzehnten Schriftstellerei ein immenses Werk geschaffen - beide wurden mit Preisen überhäuft, aber nicht in Stockholm nominiert?

Ob ihnen die NSDAP-Debatte geschadet hat?

Als Herta Müller den "roten Totalitarismus", der mir vor ihren Augen Gefängnishaft für echte Opposition einbrachte (1979), tolerierte und billigte, war sie ein paar Jahre älter und reifer? als die Jugendlichen Lenz und Walser in der brauen Zeit!

Alles veregssen?

Carl Gibson

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magnus-goeller 15.03.2010 | 00:08

Nachtrag

Lieber Carl, die Sache stinkt natürlich wie die sprichwörtliche Sau.

Nur, was tun?

Schau mal: Wenn Frau Müller in der von Dir vermuteten Weise auf den Schild gehoben wurde, wird man nicht von ihrer Erhabenheit ablassen, bis dass dreitausend Legionen das Gegenteil erstreiten (welche natürlich auch nur aus wenigen Entschlossenen bestehen können).

Ich mache mir zu solchen Dingen schon lange keine Illusionen mehr.

Vielleicht solltest Du Dich daran gewöhnen - nicht im resignativen Sinne natürlich - , dass Du hier im Westen eben nur in einer anderen, subtileren Form der Diktatur angekommen bist.

Du schriebst ja selbst von der Finanzkrise etc.

Mir scheint, hier auf dieser Seite gibt es "nichts mehr zu holen": es sei denn, Frau Zachor strafte mich dessen doch noch Lügen.

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carl-gibson 15.03.2010 | 00:16

Das Schlimme an der ganzen Angelegenheit:
Die Intransparenz!

Einige Leute sind sich einig und drücken ihre Favoriten durch.

Was ich noch nicht eruiert habe: Die englischen Buchmacher nehmen ja Wetten auf alles an.
Ist es Zufall, Magnus, wenn ein "Außenseiter" in letzter Sekunde nach oben schießt und noch den Favoriten überrundet?

So kann man auch gut Geld machen, wenn man von Anfang an auf den Außenseiter gesetzt hat.

Im Sport gibt es eine Doping-Probe, auch ohne Verdacht.

Bei Literatur-Nobel-Preisen sollte es vielleicht eine Moralin-Probe geben?

(Ganz im Gegensatz zu Nietzsche, der im Geistigen eher ein Freisein von "Moralin" durchsetzen wollte.)

Wie groß war der Aufschrei als Elfriede Jelinek den Nobelpreis nach Österreich holte - jetzt, im Fall von Herta Müller aber, schweigt selbst Marcel Reich-Ranicki.
Carl Gibson

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carl-gibson 15.03.2010 | 00:27

Wer lange allzu idealistisch an der "Idee der Freiheit" festgehalten hat, wird irgendwann die Destruktion des Ideals und die nackte Desillusion erfahren.
Das habe ich in dem dicken Buch schon zum Teil literarisch umgesetzt. Im Gegensatz zur Welt von Ceausescu und Honecker wird der Andersdenkende in der freien Welt nicht gleich totgeschlagen.

Er darf so lange den Don Quichotte spielen und gegen Windmühlenflügel fechten, bis er tot zusammenbricht.

So kommt man auch ans Ziel.
Ich war einer, der dem "Westen" vertraute, den Werten des Westens - so lange, bis das Vertrauen enttäuscht wurde.
(Deshalb auch meine Beiträge zur Wirtschaft und Politik.)
Carl Gibson

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magnus-goeller 15.03.2010 | 01:16

Schau, Carl, ich bin mir völlig im klaren darüber, dass ich von der uns immer noch nicht bekannten Zachor möglicherweise ganz bewusst hingehalten wurde; doch das macht, sollte es zutreffen, gar nichts; im Falle Ja habe ich allezeit damit gerechnet und bin selbst schuld, wenn ich so viel Zeit darauf verwandte; im Falle Nein hat vielleicht wenigstens sie etwas dabei gelernt, auch wenn sie das nicht zugeben darf; zudem eventuell andere; und ich hatte, wofern nichts sonst davon, immerhin die Gelegenheit zu üben.

Wenn man im Zusammanhang mit den großen Lügen der Zeit keinen Sportsgeist entwickelt, das Lachen verliert (deshalb sprach ich auch von der Satire), wird man grämig und zwingend unterliegen.

Freue Dich doch einfach mal über das, was hier immerhin geschehen ist!

Mein Professor Pötters bezeichnete mich schon vor gut zwanzig Jahren als den "caballero andante", den fahrenden Ritter, und ich fahre zwar nur noch Rad, auf einem alten schwarzen Klepper, aber das immer noch.

Niemand kann uns unser Inneres nehmen, damit das Eigentliche; was liegt an tausend Nobelpreisen?

Und unter uns (naja, kann ja jeder mitlesen): Glaubst Du, dass Frau Zachor diesen Blog je eingestellt hätte, wenn sie sich darüber im vorhinein im klaren gewesen wäre, worauf das hinausläuft?

Konnte sie el greco und mich vorausberechnen?

Na dann müsste sie jener Gott selbst sein, den wohl noch keiner gesehen hat.

Mut, Mut der angreift!, lieber Carl!

Frau Zachor hat vielleicht bis heute, bis jetzt, über viele Dinge noch gar nicht richtig nachgedacht, und sollte sie Deine Erzfeindin eben doch sein wollen, wogegen doch manches ihrer jüngeren Rede spricht, so wird sie jetzt erst recht nachdenken müssen, wollen, können.

Selbst wenn diese Frau eine altgediente Agentin wäre, jetzt in neuem Gewande, sie müsste doch selbst dieses mein Geschwafel verarbeiten, um ihrer Aufgabe nachzukommen.

Der Weg ist selbstvertändlich ein längerer als aus dem Banat nach Süddeutschland; "Zachor!" tritt nur als ein Beispiel uns entgegen, will uns geistig waffenlos machen.

Wie gesagt, über die Dame habe ich den Stab nicht gebrochen, obschon sie mir gegenüber zunächst nicht eben nett auftrat: Sie wird jetzt zeigen, wer sie ist, wenigstens annähernd, oder eben nichts mehr, welches dann ebenfalls hinreichend.

Es geht schlicht um die morphischen Felder.

Uwe Theel 15.03.2010 | 02:31

Langsam diskreditieren sich hier alle Diskutanten:

Frau Zachor spätestens mit einer Formulierung die, wohl unfreiwillig verrät, das Sie doch Securitate-Akteneinsicht von innen her besitzt, die sie aber aus Gründen, dass Sie dann "ihre Kompetenzen überschritte", nicht nutzen könnne und Herr Gibson und Herr Göller damit, dass Sie Heinrich Böll und Günther Grass als "antideutsche" (sic!) Autoren beschimpfen, denen aus politischen Gründen (antideutschen Gründen ????!!!!????) der Nobelpreis für Literatur verliehen worden sei.

Warum reihen Sie nicht Carl von Ossietzky und Willy Brandt und den Fiedensnobelpreis da mithinein? Das waren doch auch Vaterlandsverräter, oder?

So kann man die erste Annahme, dass sei hier einen ernsthafte Debatte auch selbst reihum torpedieren.

weinsztein 15.03.2010 | 03:18

@ Uwe Theel

das ist doch alles nur deutschnationales Pingpong-Gesülze.

Herr Gibson war mit 18 Jahren schon Gewerkschaftsgründer in Rumänien, favorisierte später Franz Josef Strauß und war später arg darüber enttäuscht, dass die Konrad-Adenauer-Stiftung Herta Müller favorisierte.

Und dann tja, noch Herr Göller. Der tritt gern auch mal online in Gazettchen auf, die des Neonazismus verdächtigt werden.

Seriös finde ich hier gar nichts. Stramm rechtsnationales Pingpong unter allerlei Pseudonymen, Nicks, nix. Und Böll, Grass, Herta Müller als Verräter/innen. Weitere werden noch genannt werden.

Um eine ernsthafte Debatte ging es hier nie. Aber um Missbrauch der Freitag-Community.

weinsztein

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carl-gibson 15.03.2010 | 10:42

Schauen Sie Sich meine anderen Beiträge an, weinsztein - sie sind alle der "Wahrheit" verpflichtet, nicht ideologisch irgend einem Links-Rechts-Raster.
Sagen Sie doch etwas zur Sache aus!

Als ich die freie Gewerkschaft SLOMR in der zweitgrößten rumänischen Stadt Temeschburg/Temeswar/Timisoara ins Leben rief, hatte ich meinen zwanzigsten Geburtstag bereits überschritten.

Zur CDU - 1983 war ich kurze Zeit Mitglied dieser Partei, solange bis ich von dem "C" im Namen enttäuscht wurde. Dann trat ich aus und nie wieder in andere Partei ein.

Bei Günter Grass fragte ich nach den Implikationen in das NSDAP-System (SS?).

Bleiben wir bei den Fakten, weinsztein.
Magnus Göller kann für sich selbst sprechen.

Die Mitglieder der Freitag-Community können - über diese Debatte hinaus - den Links folgen.
Sie werden dann zu einer eigenen Anschauung gelangen.
Das ist Sinn dieser Diskussion!
Carl Gibson

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carl-gibson 15.03.2010 | 11:21

An welcher Stelle habe ich Günter Grass als "antideutschen" Autor beschimpft oder einer solchen Charakterisierung zugestimmt?

Gefragt habe ich nach der "Moralität" von Günter Grass (NS-Verstrickung) und Herta Müller (mögliche Verstrickung mit dem Ceausescu-System)

Diese Fragen sind legitim und können von jedermann gestellt werden.

Ich frage allerdings auch als Zeitzeuge und Opfer der Ceausescu-Diktatur.
Während ich im Gefängnis saß, heulte Herta Müller noch lange mit den Wölfen.
Die Diskussion hier begann damit, das Gegenteil vermitteln zu wollen.Bitte oben nachlesen - und meine Antwort darauf.
Carl Gibson

Uwe Theel 15.03.2010 | 11:45

@ Carl Gibson

ad Böll/Grass et. al

Lesen Sie doch bitte den entsprechenden Eintrag Herrn Göllners und Ihren eigenen, der sich da nathlos einklinkt:

Magnus Göller schrieb am 14.03.2010 um 14:00

Carl Gibson schrieb am 14.03.2010 um 14:35

Ich mag Ihnen ja Ihre Beschädigungen aus Ihrer von Ihnen angegbenen Verfolgung durch den rumänischen Staat anrechnen, aber darus abzuleiten, Grass, Böll und Lenz und Walser als Kumpanen des NS-Staates hier hinzustellen, die damit aus "moralischen" Gründen, sich als Schriftsteller dazu diskreditiert hätten ist schlicht Unsinn, nur aus ihrem Furor, der Ihnen den Blick verstellt zu erklären. Lassen Sie´s.

Zu Magnus Göllner hat weinsztein am 15.03.2010 um 02:18 das Nötige gesagt, was sich auch mit meinen Beobachtungen deckt.

Zachor! 15.03.2010 | 12:17

Lieber Herr Göller,

nach Ihren Beiträgen von gestern komme ich leider nicht umhin, mein Befremden über manche Ihrer Bemerkungen auszudrücken.

Ich meine hier Ihre Aussage: "ich frage mich, weshalb die letzten drei deutschen Literaturnobelpreisträger als im Grunde antideutsch Eingestellte ausgewählt wurden. "

Dies wirft meines Erachtens zumindest zwei Fragen auf: a) woran machen Sie denn das "Antideutsche" der gemeinten Personen aus? b) Um jemanden als "Anti -x" charakterisieren zu können, müssen Sie doch das X definieren (können). Was ist denn das "Deutsche" für Sie? Was ist "deutsch"?

Ich gestehe, dass ich mit solchen Kategorisierungen nichts anfangen kann und der Meinung bin, dass solche ethnischen Zuordnungen seit etwa 1800 (zwecks
Aufwiegelung von Menschengruppen) von gewissen intellektuellen, politischen, wirtschaftlichen etc. Machthabern eingesetzt werden, um so von wichtigeren, dringenderen Problemen, deren Lösung die
eigenen Privilegien tangieren würde, abzulenken.
Das Deutsch (Französisch, Italienisch- usw.)-Sein ist ein Konstrukt und stets im Wandel. Daher sind nach meiner Meinung solche Aussagen wie die von Ihnen ungefähr genauso zutreffend, wie wenn ich auf ein fließendes Gewässer zeigen und sagen würde: "Der Teil des Wassers war gestern schon da".

Aber, nun, wie auch immer, wenn dies Ihre Meinung ist, sollen Sie sie meinetwegen haben. Da aber dies ein Blog zu HM ist, würde mich wenigstens bezogen auf sie interessieren, woran Sie ihre "antideutsche Einstellung" ausmachen, zumal Sie selbst mehrfach eingestanden haben, von ihr nichts gelesen zu haben.
In diesem Zshg. würde ich Sie gerne daran erinnern, dass gerade ihr letzter Roman ("Atemschaukel") ein jahrzehntelang unbeachtetes Leiden einer Bevölkerungsgruppe thematisiert, welcher es zum Vorwurf gemacht wurde, "Deutsche" zu sein. Wieso ist HM nun "antideutsch" eingestellt, obwohl sie auf dieses Leid letztlich die gesamte Weltöffentlichkeit aufmerksam machte? Eine weitere, hiermit zusammenhängende Frage: würden Sie den Bund der Vertriebenen als eine Organisation charakterisieren, die Preise an "antideutsch" eingestellte Personen vergibt?

Schließlich, für heute, meine letzte Frage: Indem Sie das Wort an Herr Gibson richteten, haben Sie geschrieben, er hätte einem Treffen mit mir "grundsätzlich" zugestimmt. Da ich von Herrn Gibson eine solche Aussage nicht gelesen (oder bloss überlesen??) habe, stellt sich für mich die Frage, wie Herr Gibson (auf welchem Wege?) diese Zustimmung gegeben hat. Kommunikationstechnisch wirft dies die Frage bzw. Vermutung auf, ob er dies denn eventuell telefonisch getan haben konnte. Da in einem anderem Thread dokumentiert ist, dass Sie ihm Ihre Telefonnummer haben zukommen lassen (an sich normal, bei Studienkollegen, die sich zwar im Streit getrennt, jetzt aber wiedergefunden haben), liegt der Verdacht nahe, dass Sie mit ihm über dieses potentielle Treffen telefoniert haben. Die Frage ist nur, wann und von wem die Idee ursprünglich stammte. Und was für andere Ideen und Fragen sind Ihnen womöglich noch eingeflüstert worden? Inwieweit benutzt Herr Gibson Sie als Lockmittel, um von mir/über mich Informationen zu bekommen?

Ich hoffe, Sie verstehen mein Misstrauen, zumal Ihres mir gegenüber ja auch nicht kleiner ist. Doch ist Misstrauen im Internet das oberste Prinzip.

Mit freundlichen Grüssen,

Zachor

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matisse 15.03.2010 | 13:05

@weinsztein:
deutschnationales...gesültze!
mit verlaub, das liest sich wie ein typisch jüdisches argument, wenn man nichts anderes
zu erwidern in petto hat, dann sind eben jeder und alle neonazis bzw. extrem rechte - was sonst.
mit dieser argumentation kommt man immer und stets voran bzw. wird gehört, weil man ja ständig unterdrückt wird und ewig leiden muss, selbst aber seit jahrzehnten eine beschämende, erschreckende unterdrückungs- u. expansionspolitik und strategie betreibt.

wenn sie so leichtfertig mit deutschnationalen beschuldigungen um sich werfen, dürfen sie sich wahrlich nicht über meine reaktion wundern.

ich verabscheue jede form von rassismus und totalitären systemen mit ihren schonungslosen unterdrückungsmechanismen.

in die rechte ecke lasse ich mich von niemandem stellen.

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matisse 15.03.2010 | 13:14

lieber magnus göller,

ach so, sie fragten mich: warum kleinschreibung?

alle buchstaben sind "gleichberechtigt",
es gibt weniger "höhenunterschiede",
keine grossen anführer, die sich hervor tun wollen.
ich persönlich empfinde dieses schriftbild
als harmonischer.

gegenüber rechtsextremen "gedankengut" und rassistischen rechtsgesinnungen distanziere
ich mich aufs schärfste.

beste grüsse
el greco

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carl-gibson 15.03.2010 | 14:32

@Uwe Theel:Sehr geehrter Herr Theel, hinter allem, was ich hier schreibe und bisher öffentlich gemacht habe, stehe ich mit meiner gesamten Integriät und verantworte alles auch formaljuristisch.

An Unwahrheiten, Gerüchten, Gerede etc. habe ich kein Interesse, aber an Aufkärung, an der vollen Wahrheit.

@Zachor: Zur antideutschen Haltung von Herta Müller: Lesen Sie meine Einganfsinterpretation von Grabrede:Dort richtet die "deutsche Gemeinde" das Gewehr auf das erzählerische Ich.

Was wollen sie noch mehr?
Vier Deutsche vergewaltigen eine Russin!
Fiktion? Oder war das so?

Zachor schreibt:"

Aber, nun, wie auch immer, wenn dies Ihre Meinung ist, sollen Sie sie meinetwegen haben. Da aber dies ein Blog zu HM ist, würde mich wenigstens bezogen auf sie interessieren, woran Sie ihre "antideutsche Einstellung" ausmachen, zumal Sie selbst mehrfach eingestanden haben, von ihr nichts gelesen zu haben.
In diesem Zshg. würde ich Sie gerne daran erinnern, dass gerade ihr letzter Roman ("Atemschaukel") ein jahrzehntelang unbeachtetes Leiden einer Bevölkerungsgruppe thematisiert, welcher es zum Vorwurf gemacht wurde, "Deutsche" zu sein. Wieso ist HM nun "antideutsch" eingestellt, obwohl sie auf dieses Leid letztlich die gesamte Weltöffentlichkeit aufmerksam machte? Eine weitere, hiermit zusammenhängende Frage: würden Sie den Bund der Vertriebenen als eine Organisation charakterisieren, die Preise an "antideutsch" eingestellte Personen vergibt?"

Meine Argumente zu den "Vertriebenen" habe ich weiter oben verlinkt - Debatte hier auf Freitag.

"Atemschaukel" ist die Sicht von heute, die angepasste Sicht, nicht aber jene von 1982.

Damals blickten sowohl Herta Müller als auch Richard Wagner sehr skeptisch auf die BRD und lehnten sie gar ab.

Ich hingegen schrieb 1978 ein Werk über die Deportation der Volks-Deutschen aus dem Banat und Siebenbürgen in die Sowjetunion ( aus der Sicht des Opfers - mein Vater wurde nach Kriwo Rog deportiert - und riskierte für ein Werk, das nicht zu veröffentlichen war, mehrere Jahre Haft.
(Nachlesen: In dem dicken Buch!)

Zachor schreibt:"

Schließlich, für heute, meine letzte Frage: Indem Sie das Wort an Herr Gibson richteten, haben Sie geschrieben, er hätte einem Treffen mit mir "grundsätzlich" zugestimmt. Da ich von Herrn Gibson eine solche Aussage nicht gelesen (oder bloss überlesen??) habe, stellt sich für mich die Frage, wie Herr Gibson (auf welchem Wege?) diese Zustimmung gegeben hat. Kommunikationstechnisch wirft dies die Frage bzw. Vermutung auf, ob er dies denn eventuell telefonisch getan haben konnte. Da in einem anderem Thread dokumentiert ist, dass Sie ihm Ihre Telefonnummer haben zukommen lassen (an sich normal, bei Studienkollegen, die sich zwar im Streit getrennt, jetzt aber wiedergefunden haben), liegt der Verdacht nahe, dass Sie mit ihm über dieses potentielle Treffen telefoniert haben. Die Frage ist nur, wann und von wem die Idee ursprünglich stammte. Und was für andere Ideen und Fragen sind Ihnen womöglich noch eingeflüstert worden? Inwieweit benutzt Herr Gibson Sie als Lockmittel, um von mir/über mich Informationen zu bekommen?"

Lesen Sie genauer, Zachor!
Herrn Magnus Göller sah ich das letzte Mal in England im November 1991 - seit diesem Zeitpunkt haben wir weder miteinander telefoniert, noch sonstwie geredet oder Emails ausgetauscht.
Herr Göller beginnt gerade erst damit, sich mit der Materie vertieft auseinanderszusetzen.

Das ist sein gutes Recht.
Bitte unterstellen Sie mir nicht solche Sachen wie Instrumenatlisierung anderer über "Lockvogel"-Manöver u. Ähnliches.

Wenn Sie integer sind, lüften Sie ihre Identität.
Hier werden keine Staatsgeheimnisse besprochen.

Sie taten so, als hätten sie tieferen Einblick in das Verhältnis RKP-Securitate?

In welcher Funktion? Wer sind Sie?
Carl Gibson

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carl-gibson 15.03.2010 | 14:50

Vielen Dank für diese Klarstellung, el greco:

"ich verabscheue jede form von rassismus und totalitären systemen mit ihren schonungslosen unterdrückungsmechanismen.

in die rechte ecke lasse ich mich von niemandem stellen."

"gegenüber rechtsextremen "gedankengut" und rassistischen rechtsgesinnungen distanziere
ich mich aufs schärfste."

Dem schließe ich mich uneingeschränkt an.
Carl Gibson

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magnus-goeller 15.03.2010 | 16:11

Liebe Frau Zachor,

zu Ihrer Frage wegen Carl Gibson/Treffen:

Carl Gibson schrieb am 13.03.2010 um 20:15
Luzid argumentiert, Magnus – und vielen Dank für die Einladung! Ich bin zu jedem Treffen bereit. Dass Klarheit in die Materie bringt. Wenn Frau Zachor aus dem Verborgenen heraus treten und kommen sollte, würde ich dabei sein.

Des weiteren noch eine Anmerkung zu dem, was "weinsztein" hier beim Freitag gebetsmühlenhaft über mich einlässt: Ich habe in der Tat vor Monaten einen Netzforenkommentar bei der, wie er diese Zeitung benennt, "neonaziverdächtigen Jungen Freiheit" eingestellt, dagegen seit August 2009, wenn ich seiner Diktion folgte, über zweihundert bei dem "neostalinismusverdächtigen Freitag".

Wenn Sie sich mal die Liste der JF-Interviewpartner der letzten Jahre anschauen, also von Leuten, die für die Reputation dieser Zeitung sicherlich mehr getan haben als ich, so können Sie wohl selbst einschätzen, worum es sich bei den Einlassungen von Henner Michels, alias weinsztein, handelt.

Und wenn Herr Gibson, der zutreffend schreibt, dass wir uns seit 1991 nicht mehr gesehen noch gesprochen noch privat korresponiert haben - bisher haben wir uns nur hier beim Freitag öffentlich ausgetauscht - , mal CDU-Mitglied war, so halte ich auch dies nicht für einen untilgbaren Sündenfall.

MfG
MG

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magnus-goeller 15.03.2010 | 17:31

Um der Diskussion möglicherweise noch frische Kräfte zuzuführen, habe ich auf meinem eigenen Blog unter dem Titel "Banater Schwaben, Securitate und ein Nobelpreis" wie folgt versucht, solche anzulocken:

Ich bin in eine Netzdebatte hinein geraten - ,

www.freitag.de/community/blogs/galut/all-diese-niederungen-von-herta-mueller/?searchterm=zachor

in der ein rumänischer banater Exilschwabe (Carl Gibson), den ich, wie es der Zufall will, im Studium in Würzburg vor über zwanzig Jahren kennengelernt und danach aus den Augen verloren hatte, gegen die Bloggerin mit Decknamen "Zachor!" argumentiert, welche offenkundig, im Gegensatz zu ihm, die Person wie das Werk "unserer", gleichfalls aus dem Banat stammenden, frischgebackenen Literaturnobelpreisträgerin, sehr schätzt, worüber eine teilweise skurrile Auseinanderstzung entstanden ist.

Kern der "Causa Müller" dorten ist grob gesagt, dass Herr Gibson, der selbst in Rumänien als Widerständler im Gefängnis saß, deren moralische Integrität bezweifelt
, dem Mythos einer verfolgten Herta Müller nicht glauben mag, während seine Kontrahentin, die laut eigener Aussage bis 1989 (also zehn Jahre länger als er) in Rumänien lebte, Frau Müller, obzwar sie schon in Rumänien selbst Literaturpreise bekam, auch vor ihrer Ausreise nach Westdeutschland im Jahre 1987 weitere, mit persönlicher Reisefreiheit, im Westen, für von der Securitate weiland schwer verfolgt und absolut integer hält.

Ich bin jetzt seit einigen Tagen dabei und versuche, aus rein logischer Deduktion heraus, zu erfahren, wo denn die Wahrheit liege.

Die Blogautorin mag ihre Identität nicht lüften, aus welchen Gründen auch immer, und da ich nicht einmal das Werk Herta Müllers kenne, geschweige denn die Verhältnisse in Rumänien zwischen 1978 und 1989 aus persönlicher Anschauung, habe ich mich vielleicht nicht nur ein bisschen zum Affen gemacht, da mitzumischen.

Allein, die Ansichten der beiden Hauptkontrahenten sind derart konträr, die Sache ist derart brisant, da ja eine Nobelpreisträgerin mit möglicherweise verfälschter Vita keine geringe Sache darstellte, dass ich nicht losließ und auch Sie, meine geschätzten Leser, wofern Sie an solchen Fragen Interesse haben, ausdrücklich dazu einlade, mal von meiner Seite weg nach dort drüben zu gehen, um sich selbst ein Bild zu machen (inzwischen stehen wir bei 180 Kommentaren), vielleicht auch in die teilweise gespenstisch anmutende Debatte einzugreifen, die immer noch nicht an ihr Ende gekommen zu sein scheint.

Die ganze Sache ist, kurz gefasst, inzwischen ein kleiner Kriminalroman geworden, der politisch interessierte Rätselrater und Knacker harter Nüsse interessieren sollte.

www.unzensiert.zeitgeist-online.de/

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magnus-goeller 15.03.2010 | 17:34

Um der Diskussion möglicherweise noch frische Kräfte zuzuführen, habe ich auf meinem eigenen Blog unter dem Titel "Banater Schwaben, Securitate und ein Nobelpreis" wie folgt versucht, solche anzulocken:

Ich bin in eine Netzdebatte hinein geraten - ,

www.freitag.de/community/blogs/galut/all-diese-niederungen-von-herta-mueller/?searchterm=zachor

in der ein rumänischer banater Exilschwabe (Carl Gibson), den ich, wie es der Zufall will, im Studium in Würzburg vor über zwanzig Jahren kennengelernt und danach aus den Augen verloren hatte, gegen die Bloggerin mit Decknamen "Zachor!" argumentiert, welche offenkundig, im Gegensatz zu ihm, die Person wie das Werk "unserer", gleichfalls aus dem Banat stammenden, frischgebackenen Literaturnobelpreisträgerin, sehr schätzt, worüber eine teilweise skurrile Auseinanderstzung entstanden ist.

Kern der "Causa Müller" dorten ist grob gesagt, dass Herr Gibson, der selbst in Rumänien als Widerständler im Gefängnis saß, deren moralische Integrität bezweifelt
, dem Mythos einer verfolgten Herta Müller nicht glauben mag, während seine Kontrahentin, die laut eigener Aussage bis 1989 (also zehn Jahre länger als er) in Rumänien lebte, Frau Müller, obzwar sie schon in Rumänien selbst Literaturpreise bekam, auch vor ihrer Ausreise nach Westdeutschland im Jahre 1987 weitere, mit persönlicher Reisefreiheit, im Westen, für von der Securitate weiland schwer verfolgt und absolut integer hält.

Ich bin jetzt seit einigen Tagen dabei und versuche, aus rein logischer Deduktion heraus, zu erfahren, wo denn die Wahrheit liege.

Die Blogautorin mag ihre Identität nicht lüften, aus welchen Gründen auch immer, und da ich nicht einmal das Werk Herta Müllers kenne, geschweige denn die Verhältnisse in Rumänien zwischen 1978 und 1989 aus persönlicher Anschauung, habe ich mich vielleicht nicht nur ein bisschen zum Affen gemacht, da mitzumischen.

Allein, die Ansichten der beiden Hauptkontrahenten sind derart konträr, die Sache ist derart brisant, da ja eine Nobelpreisträgerin mit möglicherweise verfälschter Vita keine geringe Sache darstellte, dass ich nicht losließ und auch Sie, meine geschätzten Leser, wofern Sie an solchen Fragen Interesse haben, ausdrücklich dazu einlade, mal von meiner Seite weg nach dort drüben zu gehen, um sich selbst ein Bild zu machen (inzwischen stehen wir bei 180 Kommentaren), vielleicht auch in die teilweise gespenstisch anmutende Debatte einzugreifen, die immer noch nicht an ihr Ende gekommen zu sein scheint.

Die ganze Sache ist, kurz gefasst, inzwischen ein kleiner Kriminalroman geworden, der politisch engagierte Rätselrater und Knacker harter Nüsse interessieren sollte.

www.unzensiert.zeitgeist-online.de/

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carl-gibson 15.03.2010 | 18:41

Treffend zusammgefasst und auf den Punkt gebracht, Magnus.

Vertrauen wir der Logik.
Wer immer auch in die Diskussion einsteigt, wird auf der Grundlage des gesunden Menschenverstandes zu den wahren Erkenntnissen gelangen.

Die Mechanismen der Täuschung, das Kontruieren Potjomkischer Dörfer wird nicht mehr funktionieren.

Früher, im Kalten Krieg, waren die Kommunisten stets die Bösen.

Heute sieht das ganz anders aus.

Opportunistische Pseudo-Linke und Antideutsche wie Herta Müller haben sich inzwischen - nach dem Wendehals-Prinzip - zu strammen Konservativen gewandelt
und den eigentlichen linken Idealismus verraten.

Dass das noch nicht durchschaut ist, das ist die Tragik der Linken.

Die Wahrheit ist weder links noch rechts - sie ist nur wahr.

Das aber auch heute noch Pseudo-Linke den Konservativen ( a la Herta Müller) die Stange halten, und die Ideale der Linken, die Humanität, noch einmal verraten, entttäuscht mich sehr.

@weinsztein: Wo sind ihre Beiträge hier auf Freitag, aus denen ich Ihre Gesinnung herauslesen kann?

Null?
Das ist aber wenig!

Wer so viel zu artikulieren hat, sollte sich mit dem Meckern vornehm zurückhalten!

Carl Gibson

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reflexione-galore 15.03.2010 | 19:01

sry, off topic, muss aber mal sein:
@weinsztein: jaja, all die nazis und die fräuleins. bloß nicht zurücksehen auf eigene irrtümer, hauptsachen, die jungen frauen sind sooooo 'stark und selbstbewußt'…du als welterfahrerner und -offener mann findest das ja auch voll toll, ne? wen hast du den da als schreiberIN geäddet? die war vor ein paar wochen doch noch neben wirdcard (aka…) noch eine dumme mitläufernazibraut? woher der sinneswandel?:
"I know politics bore you
but I feel like a hypocrite talking to you
and your racist friend."
schmeiß' sie/uns/alle in deinen durchschnittlichen emotions(auf)kocher (die einen mit wasser, du mit dicker hose und tomatensoße), dann kannst du dich endlich erholsam auf eine seite schlagen und die anderen argumentieren lassen.

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carl-gibson 15.03.2010 | 20:31

Sie haben doch alles von Herta Müller gelesen, SiebzehnterJuni, auch die folgenden Zitate (garniert mit meiner Interpretation) oben aus "Niederungen":

Nobelpreiswürdig? Ich zitiere:

"Vom Überdruss am interesselosen Wohlgefallen – und von der neuen Sehnsucht nach Fäkalität

„Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, ist dem Tode schon anheim gegeben, wird zum wahren Leben nicht mehr taugen“, dichtet August Graf von Platen in einem berühmten Sonett.
Damit nicht alle der Schönheit verfallen und dekadent dahinsiechen, hielt Herta Müller in ihren „Niederungen“ mit einigen Appetithäppchen dagegen, naturalistisch plastisch wie in den Frühphasen des Expressionismus in einem sonderbaren Delektieren an Fäkalität:
„Ich wischte mir mit dem Klopapier trotzdem den Hintern ab und schaute dann in den Ausschnitt, und sah den Kot, in dem weiße Würmer krochen. Ich sah die kleinen schwarzen Kotknollen und wusste, dass Großmutter wieder Verstopfung hat, und sah den lichtgelben Kot meines Vaters und den rötlichen Kot meiner Mutter. Ich suchte nach dem Kot meines Großvaters, und Mutter schrie meinen Namen in den Hof“.
Wenige Seiten später wird auch das allzumenschliche Urinieren geschildert – ein literarisch verewigtes Manneken-Piss im Banat: „Ich sah Heini, wie er den Nachttopf in der Hand hielt und mit eingeknickten Knien dastand. Und mit der anderen Hand hielt er sein Glied. Es war sehr weiß im Schein des Blitzes.
Ich musste auch pissen. Ich stand auf und setzte mich über den Topf, und ich zog den Bauch ein, um das Geräusch des Urins zu verhindern. Aber es wurde immer lauter unter mir, ich hatte keine Kraft, ich konnte es nicht mehr tröpfeln lassen. Es rann lauwarm aus mir. Es rauschte. Heini rief mich zu sich ins Bett.“ Den „Furz“, den „Hodenbruch „ des Großvaters und die „Hämorrhoiden“ der Mutter erwähnte Herta Müller an anderer Stelle. Ob das alles auch beschrieben worden wäre, wenn die Autorin gewusst hätte, dass die Fäkalität literarisch schon längst vorweggenommen war, etwa bei dem Exzentriker Salvador Dali?
Eine Urin- und Kotspur zieht sich leitmotivisch durch die gesamte, sprachlich höchst bescheidene und nur mit dem Instrumentarium der Kurzgeschichte gestalteten Erzählung. Die Miniaturbeobachtung, darunter viel Triviales und Banales, steht neben der psychologischen Decouvrierung im „Klartext“. Schein und Sein mischen sich, ebenso tatsächliche Existenz und Traumwelt. Wo das Gehirn des Interpreten nicht mehr folgen kann, spricht man gern von „erfundener Wahrnehmung“, also von etwas, was keiner logischen Erklärung bedarf.
Das Resultat: Eine Kindheit nicht im Garten Eden, sondern in Sodom und Gomorra! Wen wundert da der Aufschrei des Opfers, die Klage und Anklage? Die Welt des Banats ist Scheiße! Doch an sich – und nicht etwa, weil die alles bestimmende kommunistische Weltanschauung versagt hat."

Der Hinweis, dass Sie alles von Herta Müller und Emil Cioran gelsen haben, bringt uns nicht weiter.
Was davon haben sie wie verstanden, SiebzehnterJuni?
Sind Sie ein Betroffener? Stammen Sie aus Rumänien, aus der Reihe der Banater Schwaben etwa?

Carl Gibson

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carl-gibson 15.03.2010 | 20:42

Rufen Sie hier nach einem "Maulkorb" für Carl Gibson, Zachor?

Sie haben ein Thema angepackt, dem Sie in keiner Weise gewachsen sind.
Jetzt sind Ihnen alle Argumente ausgegangen. Ihre Verdrehungen wurden durchschaut. Jetzt verbreiten Sie weiter Lügen über mich, nachdem Sie mich schon - aus der Obskurität heraus - mehrfach verunglimpft haben?

Richtig ist: Gesperrt bin ich nur auf ZEIT-Online und auf Siebenbürger.de

Nicht gesperrt bin ich auf Kulturraum.banat.de,
noch auf Speigel-Online, noch auf FAZ.net

Bitte halten Sie sich an die Wahrheit und an Fakten.

P.S. Auf www.siebenbuerger.de
können alle von mir in einer Zeit von fast zwei Jahren veröffentlichen Artikel, Kommentare und Forenbeiträge nachgelesen werden. Gestrichen wurde dort nichts.
Carl Gibson

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carl-gibson 15.03.2010 | 20:47

Rufen Sie hier nach einem "Maulkorb" für Carl Gibson, Zachor?

Sie haben ein Thema angepackt, dem Sie in keiner Weise gewachsen sind.
Jetzt sind Ihnen alle Argumente ausgegangen. Ihre Verdrehungen wurden durchschaut. Jetzt verbreiten Sie weiter Lügen über mich, nachdem Sie mich schon - aus der Obskurität heraus - mehrfach verunglimpft haben?

Richtig ist: Gesperrt bin ich nur auf ZEIT-Online und auf Siebenbürger.de

Nicht gesperrt bin ich auf Kulturraum.banat.de,
noch auf Spiegel-Online, noch auf FAZ.net

Bitte halten Sie sich an die Wahrheit und an Fakten.

P.S. Auf www.siebenbuerger.de
können alle von mir in einer Zeit von fast zwei Jahren veröffentlichen Artikel, Kommentare und Forenbeiträge nachgelesen werden. Gestrichen wurde dort nichts.
Carl Gibson

oranier 15.03.2010 | 20:56

"mit verlaub, das liest sich wie ein typisch jüdisches argument"

Was ich nicht begreife: Hier werden Debatten mit hunderten von Kommentaren über Antisemitismus geführt, und so etwas wird hier einfach kritiklos hingenommen.

Es gibt keine "typisch jüdischen Argumente". Juden sind wie andere Menschen auch, und die Argumente von Juden sind wie die anderer Menschen auch, nämlich unterschiedlich.

Es gibt jedoch typisch antisemitische - nicht Argumente, sondern - Stereotypen. Und ein solches ist allerdings die Rede vom "typisch jüdischen Argument", selbstverständlich negativ konnotiert als unseriös, haarspalterisch, rechthaberisch, "rabulistisch" (ein Lieblingsattribut von Goebbels in dem Zusammenhang).

So etwas möchte ich hier nicht lesen!

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magnus-goeller 15.03.2010 | 21:39

Nun, wenn die fäkalesken Zitate von Carl Gibson aus "Niederungen", dem Werk, das Frau Müllers Weltruhm bis hin zum Nobelpreis begründet haben soll, richtig sind, sehe ich keinen Grund mehr, mich um ihr Werk auch nur irgend zu bemühen.

Die Fäzesfixierung mancher moderner Literatur ist ja schon im chronisch-pathologischen Sinne Legion; irgendwelche Theaterinszeneuere scheinen gar nicht mehr ohne auszukommen, verbunden mit analer und sonstiger Kopulation zwecks Sensation; ich kann mir, mit Verlaub, meine Scheiße auf dem Abtritt, ob aus Plaisir oder medizinischen Gründen, alleine anschauen, ohne der weiten Welt daraus Literatur von Weltrang herauszulesen mich anheischig zu machen.

Manche(r) ist in früheren Zeiten schon in die Grube gefallen und dorten im eigenen Kot erstickt, ob im Suff oder mangels Hilfe: und ich meine überdies, dass es nichts darob zu spotten gibt, ich verbrachte mein dasein auch schon in bescheidenen Verhältnissen, wenn Menschen unter primitivsten Umständen leben müssen.

Da müssten wir denn zwei Drittel der Menschheit, unverschuldet, á la Müller, verachten, weil irgendwann die Würmer sich in deren Stuhl wohlfühlen.

Das dürfen vornehme, gutsituierte "Linke" gerne tun, ich bin diesbezüglich weder "links" noch "rechts", sondern ein Mensch, der in der Tat nicht nur im Hotel Adlon verkehrt hat.

Und, auf die Gefahr hin, ganz locker, dass ich hier nochmal irgendwie als Nationalchauvinist o.ä. verrufen werde: Waren die rumänischen oder ungarischen Rumänen etwa "sauberer" in jener Zeit, als die deutschen?

Welche Angst hat Frau Zachor vor der Entdeckung ihrer Identität?

Wenn es noch alte, ihr nachstellende Securitate-Seilschaften gäbe, hätten diese ihre Person doch ohnehin schon ausfindig gemacht...

Ich wiederhole mich: Das hier ist eine Art Krimi, in dem möglicherweise am Schlusse noch die ganze jüngere (Un-)Kulturgeschichte aus dem Jauchbrei mit hochgespült wird.

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magnus-goeller 15.03.2010 | 23:54

I denk emmol, Fraile odder Frau Zachor, dass Sie Schwäbisch verschtanded on der Carl Gibson au.

Mir Schwoba senn jo a gmiadlichs Velgle, abber wenn oiner moint, dass'r ons bloß nonderdonga koh, nei enn der Scheißdreck, noh hodder sich discha.

I han bloß oimol gheerd, wia der Carl noh mid seiner Muader gschwädsd hod, I hädd suschd gar nia dengt, dass der faschd em selbä Dialeggd uffgwachsa wär wian I.

"I han der Schlissel derbei", hod er gsagd, des wars oinzige Schwabisch, ware je vonneremm gheerd han.

Des isch jedsd än Zuafall wia dasser's Läbe monchamol brengd, abber vielleichd eba au ned, dia Buddhischda on andere glaubed doh jo garned dro.

Ond dia Gschichd isch wohr, s'war emma Dorf, des hod ghoißa Urphar, schee iberm Bach gläga, do hodder dordmols no mid seiner Frau, seiner Mueder on seim Kend glebd.

Iehne ond am Carl mues wohl koiner ibersedsa, wane doh gschriaba han: des war jedsd hald onser Geheimschbroch.

Mid freindliche Grias

MG

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magnus-goeller 16.03.2010 | 00:58

Schriftdeutscher Nachtrag

Werte Frau Zachor,

Sie haben weiter oben wenigstens indirekt die Freitags-Redaktion zur Zensur Carl Gibsons aufgerufen.

Das ist schon für sich ein starkes Stück, wird aber gänzlich bodenlos - da muss ich es wieder erwähnen, Sie zwingen es in diesem Zusammenhange dahin - , wenn jemand wie Sie unter Decknamen in dieser Weise gegen eine öffentliche Person auftritt.

Solange Sie das nicht zurücknehmen, nehme ich meine Zusage, Ihre Verwendung eines Decknamens nicht mehr zu thematisieren bzw. zu kritisieren, aus nachvollziehbaren Gründen zurück.

Durch diese Aussage, wofern Sie das noch nicht gemerkt haben sollten, rücken Sie sich in ein derart schräges Licht, dass ich auch meine vormalige Aussage, ich hielte Sie selbst für integer, vorläufig zurückziehen muss.

Ich habe noch an keiner Stelle erlebt, dass Carl Gibson persönlich ausfällig wurde; wenn er wissentlich oder fahrlässig Unwahrheiten verbreiten sollte, so gibt es dawider die Möglichkeit der Gegenrede, oder, wofern dies nicht hinreichend erscheinen mag, juristische Mittel.

Dass Sie insinuieren, CG solle hier nicht mehr veröffentlichen dürfen, stützt seinen Kasus in einer Weise, die Sie vielleicht nicht bedacht haben, macht ihn nur umso glaubwürdiger!

Ich habe viel Geduld mit Ihnen aufgebracht; so langsam weiß ich aber nicht mehr, weshalb ich Ihnen noch irgendeine Glaubwürdigkeit beimessen sollte, wenn Sie gegen Ihren publizistischen Widersacher solche Mittel ansetzen.

Wahrscheinlich hat Carl Gibson, diesmal ganz Unschwäbisch, eben doch "den Schlüssel dabei".

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magnus-goeller 16.03.2010 | 01:13

So, und bevor ich ins Bett gehe:
Sie bekommen jetzt nach "SiebzehnterJuni" von mir als Zweite weltweit die "Keine Karte".

Solange Sie nicht wenigstens das Ansinnen, egal wie indirekt, die Freitags-Redaktion möge Carl Gibson sperren, und das als Anonyma, zurückgenommen haben, sind Sie für mich nicht mehr satisfaktionsfähig.

Dies bedeutet allerdings nicht, dass ich hier nichts mehr sage.

SiebzehnterJuni 16.03.2010 | 04:16

Die Meinung

Von Herta Müller

Es war einmal ein Frosch, der hatte besonders dicke und nasse Augen. Der Frosch arbeitete in einem Betrieb. Er war Ingenieur. Er war im Betrieb sowohl bei den Chefs als auch bei den Arbeitern nicht gut angesehen. Der Frosch hatte immer und überall eine Meinung. Und das Schlimmste an dieser Meinung war, dass es eine eigene Meinung war, die immer anders als die Meinung der anderen war, die bloß eine Meinung war, die die Meinung des Chefingenieurs war, die wiederum die Meinung des Direktors war, die wiederum die Meinung des Generaldirektors war, die wiederum die Meinung des Ministers war.

Und da sagte der Minister dem Generaldirektor, und da sagte der Generaldirektor dem Direktor, und da sagte der Direktor dem Chefingenieur, und da sagte der Chefingenieur den Ingenieuren, und da sagten die Ingenieure den Arbeitern eine Meinung, nämlich die Meinung, die die richtige Meinung war. Und da sagte die richtige Meinung, dass eine falsche Meinung das Schlimmste sei, was es gebe, dass eine falsche Meinung weit schlimmer als gar keine Meinung sei, dass sich eine falsche Meinung mit keiner Meinung gar nicht vergleichen lasse, da keine Meinung ja eine Meinung sei, ja sogar die Meinung der vielen, ja sogar die richtige Meinung sei.
Da rief der Direktor den Frosch zu sich. Da bot der Direktor dem Frosch eine lange Zigarette an. Da lächelte der Direktor. Da bot der Direktor dem Frosch ein Gläschen Whisky an. Da redete der Direktor den Frosch mit lieber Kollege an. Da lächelte der Direktor. Da fragte der Direktor den Frosch, wie das mit dieser Meinung sei.

Da lächelte der Frosch. Da sagte der Frosch, dass seine Meinung noch immer seine Meinung sei. Da betonte der Direktor, dass die Meinung des Frosches demnach noch immer seine eigene Meinung sei. Da stellte der Direktor die Whiskyflasche in das Schreibtischfach. Da presste der Direktor die Lippen zu einem Strich zusammen. Da redete der Direktor den Frosch mit Genosse an. Da sagte der Direktor, dass das, wenn das so sei, nicht mehr so sei, dass das, wenn das so sei, nicht mehr so einfach sei, dass das, wenn das so sei, viel komplizierter sei. Da rauchte der Direktor eine lange Zigarette. Da zog der Direktor die Augenbrauen hoch. Da sagte der Direktor, dass er wisse, dass der Genosse sehr belesen sei, dass der Genosse aber nicht wisse, dass das im Leben nicht wie in den Büchern sei, dass das im Leben, dass das in der Praxis leider immer anders sei. Da zuckte der Frosch die Schultern. Da schaute der Direktor forsch. Da sagte der Direktor, dass eigentlich jede angeeignete Meinung eine eigene Meinung sei. Da sagte der Direktor, dass es darauf ankomme, sich eine Meinung richtig anzueignen, um eine eigene Meinung zu haben. Da sagte der Direktor, dass eigentlich jede eigene Meinung vertretbar sei, wenn man sie für sich behalte. Da schüttelte der Frosch den Kopf. Da zog der Frosch seine Hände vom Tisch. Da sagte der Frosch, dass eine Meinung keine Meinung sei, wenn sie nicht gesagt sei. Da stemmte der Direktor die Ellbogen auf den Tisch. Da sagte der Direktor, dass das grundfalsch sei, aber wenn das trotzdem so sei, dass er, wenn das dennoch so sei, auf den Genossen verzichten müsse, obwohl er wisse, dass der Genosse ein guter Fachmann sei. Da bot der Direktor dem Frosch eine Stelle bei der Wetterwarte an.

Da war der Frosch ab nun ein Wetterfrosch. Da saß der Frosch als Wetterfrosch tagelang auf den Wolken, die über die Stadt zogen. Da hörte der Frosch auf den Wolken die Wetterberichte im Radio. Da stand der Frosch im Regen und war durch und durch nass und hörte im Radio, dass heute Schönwetter sei und dass morgen gemäßigtes Wetter sein werde.

Da sagte der Frosch, dass der Wetterbericht eine Lüge sei. Da zuckten die anderen Wetterfrösche die Schultern und schauten stumm auf die Stadt hinab.

Da rief der Direktor der Wetterwarte den Frosch zu sich. Da sagte der Direktor der Wetterwarte dem Frosch, dass das mit dem Wetter nicht so einfach sei, dass das Wetter nicht bloß das Wetter sei. Da sagte der Frosch, dass das mit dem Wetter eine Lüge sei. Da sagte der Direktor, dass der Frosch ja schließlich und endlich kein Fachmann sei.

Da schickte der Direktor der Wetterwarte den Frosch auf eine ganz weiße Wolke, die am Stadtrand schwebte.
Da stand der Frosch allein auf der weißen Wolke. Da hob sich weißer Dunst und schluckte die Schuhe des Froschs. Da schaute der Frosch auf die Stadt hinab. Da hob sich die ganze weiße Wolke und verschluckte den ganzen Frosch.

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matisse 16.03.2010 | 08:59

@ siebzehnterjuni:
und wieder einmal mehr kopieren sie texte in den blog.
damit müssen sie im übrigen vorsichtiger umgehen, es handelt sich um hochwertige explosiv-literarische ergüsse von einer ebenso hochgeehrtern, lebenden, zeitgenössischen, literarischen persönlichkeit des öffentlich-rechtlichen lebens.

übrigens: ganz im stil einer klecker-klatsch-kindergeschichte.

thema verfehlt!
3. karte

tous les passagers ont débarqué et siebzehnterjuni n´était pas parmi eux. elle s dû rater le bateau.

Avatar
matisse 16.03.2010 | 09:01

@ siebzehnterjuni:
und wieder einmal mehr kopieren sie texte in den blog.
damit müssen sie im übrigen vorsichtiger umgehen, es handelt sich um hochwertige explosiv-literarische ergüsse von einer ebenso hochgeehrtern, lebenden, zeitgenössischen, literarischen persönlichkeit des öffentlich-rechtlichen lebens.

übrigens: ganz im stil einer klecker-klatsch-kindergeschichte.

thema verfehlt!
3. karte

tous les passagers ont débarqué et siebzehnterjuni n´était pas parmi eux. elle a dû rater le bateau.

Zachor! 16.03.2010 | 09:18

Lieber Herr Göller,

mir gefällt auch Vieles nicht, was Sie hier so schreiben und was mir als anachronistisch, nationalistisch etc. erscheint.
Es ist im Übrigen bezeichnend, dass Sie gar nicht zu definieren versucht haben, was Sie unter „antideutscher Einstellung“ verstehen,
was für Sie „deutsch“ ist und was nicht.

Sie vermitteln zwar den Eindruck, Sie würden stets gewissermaßen über bestimmten Positionen stehen und offen sein, dennoch lassen Sie sich
von irgendwelchen, aus dem Zusammenhang gerissenen und tendenziös fehlinterpretierten Zitaten davon abbringen, HM zu lesen, obwohl Sie das
vorhatten. Auch haben Sie den logischen Widerspruch nicht erklärt, wie Sie HM eine „antideutsche Einstellung“ unterstellen können, ohne je eine Zeile von ihr gelesen zu haben.

Dass Herr Gibson zwar lesen, das Gelesene aber selten einzuordnen versteht,
daran hat sich die Netzgemeinde schon gewöhnt und antwortet ihm deshalb nicht mehr.

Dass auch Sie Defizite diesbezüglich haben, überrascht.

Was habe ich denn geschrieben?
Das: „Machen Sie sich keine Sorgen, Siebzehnter Juni, was die Zeit sehr früh, danach www.siebenbuerger.de, danach www.kulturraum-banat.de, danach Spiegel Online und die FAZ erkannt haben, wird einmal auch die Freitagredaktion erkennen.“

Weder habe ich geschrieben, der Spiegel etc. hätte Gibson gesperrt, noch habe ich eine solche Sperre („Maulkorb“ – in der Gibsonschen Diktion) gefordert, wie mir der Mergentheimer und in seinem Gefolge auch Sie unterstellen. Allen genannten Zeitungen/Foren gemeinsam ist nämlich lediglich, dass sie Herrn Gibson ermahnt und ihn zur Mäßigung aufgefordert haben. Soweit ich weiß, wurde er nämlich weder vom Spiegel noch von der FAZ gesperrt – im Gegensatz dazu aber im Zeit-Forum, auf www.siebenbuerger.de schon, auf www.kulturraum-banat.eu ebenfalls (danach hatte man das Forum überarbeitet, Gibson kurz wieder zugelassen und anschließend das Forum ganz geschlossen). Zumindest in den ersten beiden Foren (Zeit und siebenbuerger.de) gab es vorher Ermahnungen an seine Adresse.

Eine solche und nichts anderes habe ich gestern gemeint. Dafür wie und was Sie in meine Zeilen hineininterpretieren, sind Sie schon selbst zuständig.

Auffallend ist aber schon, zum wiederholten Male, wie schnell und einseitig Sie Gibsonsche Positionen sich zueigen machen. Dies lässt den letzten Funken Hoffnung an intellektueller Redlichkeit Ihrerseits schwinden. Denn Ihre Empörung fehlte als Herr Gibson mir und anderen unterstellte, wie würden reden wie „Blinde von der Sonne“, als er (am 4.3.2010 um 23:50) mit einer Kaskade von unangemessenen und anmaßenden Fragen angriff: „Wieviel "Ahnung" haben Sie von dem Leben in der Ceausescu-Diktatur? Woher beziehen Sie ihr Wissen? Wie wäre es mit einem Klarnamen, damit ich erkennen kann, wer hier Einschätzungen einstellt, die gewisse Realitäten verkennen? [...] ?“ Oder am 10.3. um 21:05: „Ihr Link funktioniert nicht, Zachor!
Das gilt auch für die Desinformation, die Sie hier betreiben. Das Beste ist - Sie wissen nicht, wovon Sie reden.“
Oder am 11.3.: „@Zachor-Anonymus. Sie sind offensichtlich mit der Materie überfordert.“

Warum haben Sie zu diesen und solchen Angriffen geschwiegen, Herr Göller? Wo ist Ihr Gerechtigkeitssinn gewesen? (Nebenbei bemerkt: ich habe mehr Zeit in der Ceausescudiktatur verbracht als der Philosoph aus Mergentheim und er unterstellt mir, ich sei mit der Materie überfordert? Ich bitte Sie, so was Lächerliches!)

Wo bleibt Ihre Fairness, Herr Göller, das Ablegen des Pseudonyms und das Lüften der Identität auch etwa von el greco einzufordern? Ach, fast hätte ich vergessen: el greco steht ja auf der Seite von Herrn Gibson, daher stören Sie sich nicht an seinem Pseudonym...! Und was mir dabei noch auffällt, aber das können Sie noch gar nicht wissen, denn erst wenn Sie Herr Gibsons Debatten so wie ich nachlesen (auf www.siebenbuerger.de oder banatblog.eu), werden Sie das wiedererkennen: el greco wiederholt beinahe wortwörtlich die Forderungen, die Herr Gibson dort jahrelang aufstellte, bevor man seines überdrüssig wurde... Der Verdacht, el greco sei bloß eine zweite Identität drängt sich von selbst auf.

Sie müssen noch viel üben, Herr Göller, wenn Sie sich anderswo ebenfalls als „ehrlicher Makler“ verkaufen wollen. Denn hier, in diesem Forum, sind Sie zu schnell aus der Rolle gefallen, einseitig geworden und haben mit zweierlei Maßen gemessen.

Daher auch berührt mich auch ihre „keine Karte“, ein Nichts, ungefähr genauso stark wie das Schnupfen eines Antilops in den Savannen von Afrika.

Zachor

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matisse 16.03.2010 | 11:55

hallo zachor,
wenn sie ihre identität preisgeben, so will ich gerne dasselbe tun.
alles andere sind einseitige forderungen.

ja, ich trat schon seinerzeit für herr gibsons forderungen und argumente ein, selbstverständlich, als kritischer mensch, der nicht alles wie ein bildzeitungsleser runterschluckt, erlaube ich mir das,
im übrigen habe ich das niemals verheimlicht, im gegenteil, es sogar mehrmals auf freitag.de erwähnt, dass ich in anderen blogs auf herr gibson aufmerksam wurde.

da mir unaufgeklärte ungereimtheiten und die damals und auch heute noch beleidigenden angriffe gegen herr gibson sehr merkwürdig erscheinen, verfolge ich das weiter.

Zachor! 16.03.2010 | 12:19

Hallo el greco,

nein, ich habe nicht gefordert, Sie sollten Ihre Identität preisgeben. Im Gegenteil: ich bin davon überzeugt, dass man im Internet nur anonym unterwegs sein darf, damit kein Missbrauch mit dem betrieben werden kann, was man von sich preisgibt. Jeder Datenschützer, jeder Experte würde dies bestätigen.
Worüber ich mich gewundert habe, war lediglich die Einseitigkeit des Herrn Göller, der seine Aufforderung/Kritik an der Anonymität stets nur an mich gerichtet hat - obwohl ja eine Reihe weiterer Personen hier anonym unterwegs sind. Doch haben Sie eine Position vertreten, die der seinigen nicht unähnlich ist und daher ist es verwunderlich (oder eben auch nachvollziehbar), dass er solche Aufforderungen an Sie nicht gerichtet hat.
Aber fair ist diese Ungleichbehandlung nicht.-
Ihr Beispiel mit dem Bildleser ist ein sehr gutes, nur würde ich mal in die Runde fragen wollen, wer denn einem durchschnittlichen Bildleser ähnlicher ist: einer der einen ihm unverständlichen literarischen Text skandalisiert, aus dem Zusammenhang reißt und aus ihm Kollektivbeschimpfungen herausliest oder einer, der den gleichen Text werk- und kontextimmanent interpretiert?

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carl-gibson 16.03.2010 | 12:36

@Magnus Göller, @El Greco und an alle kritischen Leser hier auf "Freitag", der freien Meinungsplattform:

Nichts kann der Lüge Schimmeres widerfahren, als wenn das "freie Wort" sich entfalten darf - wie hier.

Die letzte Stellungnahme von Zachor ist eindeutig:
hier spricht jemand, der die Konstestations-Debatte der moralischen Integriät Herta Müllers von Anfang an ( sprich: Seit der Maulkorbforderung von Herta Müller und Richard Wagner für Carl Gibson (August 2008 währdend der "Spitzel Affäre" in Berlin) sehr genau kennt.

Zachor ist mit allen Thesen und Forderungen vertraut, d. h. "Zachor" ist höchst wahrscheinlich involviert ... in welcher Form auch immer.

Was spricht gegen das freie Wort, gegen den freien Austausch der Argumente?

Was spricht dafür, dass ein größerer Kreis mit verfolgt, wie aus ehemals Linken stramme Antikommunisten wurden -
und wie diese für ihre Wendung des Halses (Kehre) auch noch geehrt wurden - bis hin zum Nobelpreis.

Zur Verfolgungs-Jagd meiner Person: Auf der Plattform der Siebenbürger Sachsen durfte ich länger als ein Jahr frei publizieren und kommentieren - bis zu dem Tag, als mir eine Falle gestelllt wurde ...
und ich unter einem Vorwand gesperrt wurde ...
gerade noch rechtzeitig vor dem Nobelpreis!

Die "Atemschaukel"-Diskussion dort war wohl kontraprodiktiv ... und das Ansprechen den zahlreichen Lügen aus dem ZEIT-Artikel vor einem Insider-Publikum?

Auf jener Plattform wurden meine Argumente von Anfang an von bestimmten Personen aus der Anonymität regelrecht bekämpft - und meine Person wurde öffentlich diskrediert ... mit allen möglichen Unterstellungen und Verdrehungen.

Diese "Widersacher" mit oder ohne Auftrag, dies zu tun, folgten mir auf www.banatblog.de und machten dort munter destruktiv weiter. (Das kann alles nachgelesen werden.)

Dann folgten mir die gleichen obskuren Gestalten weiterhin in der Anonymität versteckt ( zum Teil mit bis zu verschiedenen 10 Nicknames, um Mehrheiten anzudeuten) auch auf www.kulturraum-banat.de

Auf den Betreiber der Plattform wurde bald darauf "Druck" ausgeübt, von Freunden und ehemaligen Mitgliedern der so genannten "Aktionsgruppe Banat" und von ihrem ehemaligen Leiter Richard Wagner persönlich, der das Ungeheuerliche "des berühmten Consulting-Philsophen Carl Gibson aus Bad Mergentheim" nicht hören wollte.

Dieser "Druck" führte letztendlich zur Löschung des gesamten Forums, was zur Folge hatte, dass viele Herta Müller kritisch bewertende und aufklärende Kommentare anderer Teilnehmer einfach verschwanden.

Jetzt will "Zachor", die wohl nicht ganz zufällig einen Blog zu "Richard Wagner" hier auf Freitag einstellt,
dass mein Wort hier verstumme:

Das Licht vom Himmel lässt sich nicht versprengen,
noch lässt der Sonnenaufgang sich verhängen
mit Purpurmäntel oder dunklen Kutten!

Friedrich Engels zitierte diese Lenau-Verse ( Anfang der freien Albigenserdichtungen) richtungsweisend für den alten metaphysischen Kampf des Lichts gegen die Dunkelheit,
der auch von allen Idealisten und wahrhaftigen Kommunisten ausgetragen wurde!

Und nun kommen die alten Mystifikatoren und Obskurantisten aus den Kellerlöchern und fordern ( ungeniert und immer noch verborgen) einen Maulkorb für Kritiker, Zensur!

Carl Gibson

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carl-gibson 16.03.2010 | 12:50

Wen wollen Sie hier verdummen, Zachor, wenn Sie schreiben:

"einer der einen ihm unverständlichen literarischen Text skandalisiert, aus dem Zusammenhang reißt und aus ihm Kollektivbeschimpfungen herausliest oder einer, der den gleichen Text werk- und kontextimmanent interpretiert?"

Meine Interpretation oben geht nicht nur "textimmanent" vor, sondern noch vielfach methodisch darüber hinaus.

Das Anti-Deutsche von Herta Müller, nach dem oben gefragt wurde, ist genauso wie die Fäkal-Orgie allein aus dem Text heraus zu lesen:

Ich zitiere aus der "Gradrede", wo die "deutsche Gemeinde" des deutschen Dorfes im Banat selbst-apologetisch argumentiert und die traditionellen Werte verteidigt, die für die von ceausescu mit der Ausrottung bedrohten Banarer Schwaben (ethnic cleansing via Exodus und Assimilation!)
Identität bedeuten:

Die Dorfgemeinschaft erscheint in dieser Kurzgeschichte als bedrohende Masse, als eine Summe von unreflektierten Einzelmenschen, die das Anderssein eines Mitmenschen nicht gelten lassen wollen, die den Andersdenkenden bedrohen und „das Gewehr“ auf ihn richten, bereit, Ketzer und Außenseiter jederzeit abzuschießen, besonders Tabu-Brecher und so genannte „Nestbeschmutzer“. Die historisch gewachsene Gemeinde, für viele eine existenzerhaltende Einheit, rechtfertigt sich:

Herta Müller:

„Wir sind stolz auf unsere Gemeinde. Unsere Tüchtigkeit bewahrt und vor dem Untergang. Wir lassen uns nicht beschimpfen, sagte er. Im Namen unserer deutschen Gemeinde wirst du zum Tode verurteilt. Alle richteten ihre Gewehre auf mich. In meinem Kopf war ein betäubender Knall. Ich fiel um und erreichte den Boden nicht. Ich blieb quer über ihren Köpfen in der Luft liegen.“

(Ist das nicht eideutig "antideutsch"?

Die deutsche Gesellschaft und Gemeinschaft im Banater Dorf wird zum Feindbild erhoben – ihr Wertesystem, aus linksintellektueller Sicht kleinbürgerlich, spießig, heuchlerisch, faschistoid oder mit latenten Hang zum Faschismus, wird abgelehnt, weil es der freien Selbstentfaltung des kreativen Individuums, des Schaffenden in allen Bereichen der Existenz, zuwiderläuft. Wo andere die Geborgenheit fanden, ein Gefühl von Heimat und deutscher Identität, sahen einige Extremdenker die Dinge anders. Die Konsequenz bedeutete Zäsur, Bruch mit der nicht mehr geliebten „Werte-Welt der Vorväter“, eben weil der letzte große Krieg neue Fakten geschaffen hatte – und neue Formen von Verantwortung und Schuld.

Carl Gibson

Zachor! 16.03.2010 | 13:09

"Zachor ist mit allen Thesen und Forderungen vertraut, d. h. "Zachor" ist höchst wahrscheinlich involviert ... in welcher Form auch immer. "

Ja, ich bekenne mich "schuldig": ich bin involviert, weil ich viele Beiträge von Herrn Gibson gelesen habe und ich lese immer noch viel und mache mich auf diese Weise mit "Thesen und Forderungen" vertraut. Wo ist hier ein Menschenrechtsvergehen? Ist es eines, dass ich es wage, Position zugunsten der Literatur von Herta Müller zu beziehen?
Denn deshalb werde ich hier angegriffen und wegen nichts anderem.-
Ich habe hier einen Blog eingerichtet und trage meine Ansichten über Gott und die Welt vor. Ist das schon ein Verbrechen? Jeder darf doch einen Blog einrichten und seine Meinung äußern, oder? Wenn mir die Meinung von Herrn X nicht passt, lese ich einfach seinen Blog nicht. Welches Problem liegt hier vor?

Einen "Maulkorb", gar eine "Zensur" habe ich nie gefordert - wer lesen und verstehen kann, möge erkennen.

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carl-gibson 16.03.2010 | 13:31

Weshalb "verdrehen" Sie die Fakten, Zachor?
Und weshalb lüften Sie nicht ihre Identität, wenn Ihre Argumente "Gewicht" haben wollen?
Wo ist das Problem?
Wo sind Ihre Meriten, Veröffentlichungen, Vita etc.?
Wie kommt es, dass Sie über den Ceausescu-Repressionsapparat Securitate und seine Verstrickungen mit der RKP mehr wissen wollen als ich, wo ich doch jahrelang verfolgt, vielfach verhaftet, verhört, veruteilt und ins Gefängnis geworfen wurde?
Was wissen Sie über die Akte "Cristina" der Herta Mülller, die die Autorin - nach ihrer eigenen Aussage in dem ZEIT-Artikel - als Agentin der Securitate und als Kommunistin ausweist?

Wenn es um kritische Vergangenheits-Aufarbeitung und Vergangenheits-Bewältigung geht,
müssen Ross und Reiter genannt werden - bei der Nazis (in den Nürnberger Prozessen und während der Ent-Nazifizierung) ebenso wie bei den Kommunisten.

Ein totalitäres System ist immer und überall eine Willkürherrschaft, die Freiheiten knechtet und Menschenrechte auf allen Ebenen verletzt.

Fragen wir also kritisch weiter, wer mit dem Totalitarismus paktiert hat.

Sind Sie eine Anhägerin des Obskurantismus und der Verscheierung, Zachor? Oder stehen Sie zum Licht der Aufklärung im Geiste Voltaires,Heines, Zolas, Nietzsches?
Wo bleiben die von Nietzsche immer wieder geforderte "intellektuelle Redlichkeit" und die innere Wahrhaftigkeit?

Gibt es Tabus und Heilige Kühe, die wir nicht antasten, gar opfern wollen?
Hat sich das richtige Prinzip behauptet - oder thront die Lüge in der Welt?

Carl Gibson

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carl-gibson 16.03.2010 | 13:40

Apropos Verfolgung: Wer folgte mir hierher ... und regierte auf meine Beiträge:

www.freitag.de/community/blogs/carl-gibson/der-forcierte-nobelpreis---herta-mueller

www.freitag.de/community/blogs/carl-gibson/maulkorb-fuer-kritiker---von-der-wahrheit-der-luege---grundsatzfrage

Sind Sie aus freiem Willen hier - oder in höherer Mission unterwegs?

Sie haben mich das auch gefragt - und ich habe Ihnen geantwortet.

Carl Gibson

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magnus-goeller 16.03.2010 | 15:02

Ich wollte, ich wäre Sherlock Holmes (statt des Kokains bevorzugte ich natürlich ein Glas Barolo zum Nachdenken).

Immerhin hat el greco bereits zugesagt, sich offen zu erkennen zu geben, wofern Frau Zachor dies ebenfalls täte; damit wird er wohl kaum ein Klon von Herrn Gibson sein, bzw. dies käme dann im Handumdrehen ans Tageslicht.

Was SiebzehnterJuni anlangt, so finde ich es ebenfalls vergnüglich, dass er, wenigstens soweit ich mich im Zitierrecht auskenne (die Materie ist kompliziert), hier bezüglich der Texte Herta Müllers ganz locker an den Rand dessen oder gar darüber hinausgeht, was rechtlich zulässig ist (man darf mal davon ausgehen, dass nicht nur der Nobelpreis Frau Müllers sondern auch ihre sonstigen Einnahmen für eine gute Fachkanzlei reichen, wenn nicht der Verlag selbst einschreitet...).

A propos Mehrfachnicks, lieber Carl: Vielleicht hast Du mitbekommen, dass hier auf freitag.de noch vor nicht allzulanger Zeit Leute damit gewaltig ihr Unwesen getrieben haben, bis dass der Verlag pro IP nur noch einen Namen zuließ.

Dies hindert Leute, die sich eben über verschiedene Netzleitungen anmelden, natürlich nicht, damit weiterzumachen, wenn sie über den entsprechenden Willen und die Mittel verfügen.

So bestünde natürlich auch die Möglichkeit, ich wäre ich, el greco, zur Abrundung auch noch SiebzehnterJuni und Frau Zachor obendrein, von Dir gesponsort, um Dir in gemeinsamer Konspiration gegen Frau Müller einen Auftritt zu verschaffen, in dem Du Dich als Märtyrer stilisieren könntest.

Jaja, mit ein paar Jahren Nachhilfe von Dir wüsste ich dann ja auch ganz gut über die Zusammenhänge bescheid, spielte mal so den relativ Ahnungslosen, um dann plötzlich mit Klarnamen oder über einen Nick aus dem Hinterhalte gnadenlos zuschlagen zu können...

Inzwischen bewegen wir uns hier in der Tat zwischen (Real-)Satire und Internetlivekrimi, ein ganz neues Genre, durchaus inspirativ für literarisch Ambitionierte.

Zu den Sperrungen: Ich hatte bisher nicht die Zeit, nachzulesen, wie Du Dir diese sowie diverse Rügen eingehandelt hast; dem/der anderen z.B. zu sagen, er/sie spreche "wie der Blinde von der Sonne", fährt in der Tat an oder über die Grenze zur persönlichen Beleidigung, ist wenigstens nicht klug gewesen (insoweit korrigiere ich mich, Frau Zachor); unabhängig davon, was man selbst einstecken muss, gerade von Seiten Anonymer, macht das angreifbar und sollte gerade dann erst recht unterbleiben, wenn man das Gefühl hat, systematisch ausgebremst bzw. mit Dreck beworfen zu werden.

Ich möchte Dir, da ich auf meinem Blog ja jetzt auch schon von dieser Sache hier berichtet habe, einstweilen vorschlagen, bei mir einen Gastbeitrag zu bringen, der vor allem diese Deine Erfahrungen in Blogs rund ums Thema mal konzis zusammenfassend beleuchtet.

Bei mir wird so gut wie nichts zensiert, außer den Dingen, die man formalrechtlich oder aus Gründen des Anstandes nicht sagen darf sowie offenkundiger Blödsinn oder schlechter Stil.

Und im übrigen, was Frau Zachor anlangt: Wir dürfen jetzt schon stark vermuten, dass sie

A: eine Frau ist

B: tatsächlich mindestens bis 1989 in Rumänien gelebt hat

C: ihr ausgezeichnetes Deutsch nicht auf einer Bukarester Volkshochschule gelernt hat

D: Deine Sache schon länger verfolgt, wenn nicht auch betreut

E: sie wahrscheinlich auch sonst publizistisch tätig ist, schon länger, nicht unwahrscheinlicherweise als Profi

F: sie aus welchen Gründen auch immer eine beinahe höllische Angst davor hat, ihre Identität preiszugeben

G: sie sehr hartnäckig ist

H: man sie inzwischen, wenn E zutrifft, sehr wahrscheinlich anhand von Textanalyse dingfest machen könnte, sozusagen über ihren philologischen Fingerabdruck

Kurzum: Wenn mich jemand ordentlich dafür bezahlte, machte ich sie sehr wahrscheinlich binnen vier Wochen ausfindig.

Vor der Securitate oder ähnlichen Leuten, die auch denken können und für sowas ausgebildet und entlohnt werden, kann sie also diese Angst wohl nicht haben (mal abgesehen davon, dass jeder vernünftige "Dienst" sie sicher über ihre Computerspuren herausbrächte, wenn sie nicht über zwanzig Serverecken in Osteuropa agiert)...oder wenn, dann war sie jetzt schon über jedes vernünftige Maß hinaus unvorsichtig.

Indes, man sollte ihr den Wunsch nach Anonymität gönnen; jeder echte Dritte wird sich schon von selbst fragen, weshalb sie so daruf besteht, wo dies auch noch in diesem illustren Zusammenhang steht, meint, man sei schon so gut wie vor der Welt verloren, wenn man seinen Namen im Netz präsentiert...

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carl-gibson 16.03.2010 | 15:58

Das ist in der Tat ein Krimi, dazu noch mit besonderer innenpolitischer Brisanz.

Wer hob Herta Müller aufs Treppchen - und weshalb!

Ich finde es gut, dass Du auf Deinem Blog die Thematik aufegriffen hast, Magnus.

Sie reicht von der einfachen Werkinterpration, z. B. "Das schwäbische Bad", wo Du als Betroffener und Erzschwabe mitreden kannst ( Satire oder Nicht-Satire?) bis hin zu den ( literarisch-politisch-moralischen) Kriterien einer Nobelpreisnominerung.

Ich sagte schon, Du darfst alles von mir zitieren, was Du im Netz findest - auch aus den Werken.

Herta Müller und Richard Wagner haben sich - quasi als "Trittbrettfahrer der Dissidenz" in mein Leben eingemischt, indem sie meine vielfach bewiesene Dissidenz ignorierten, ja verleugneten.

Als ich in Ihre Vita blicken wollte und legitime Fragen stellte, reagierten beide mit Androhungen rechtlicher Konsequenzen bzw. Richard Wagner mit Verleumdungen aus dem Ausland (Rumänien), wo ich, ohne Möglichkeit einer Gegendarstellung in den Dunstkreis von Securitate und Cosa Nostra gerückt wurde.

Das kann ich so nicht stehen lassen,
schon gar nicht wenn ein Alt-Kommunist ( von 1972-1985 in der Rumänischen Kommunistischen Partei), heute zum Antikommunisten der Achse des Guten gewandelt, eine Serien-Denunziation gegen Einzelpersonen, Landmannschaft der Banater Schwaben, Evangelische Kirche der Siebenbürger Sachsen A.B. etc. zusammen mit Herta Müller losgetreten hat und dabei noch das deutsche Fernsehen bzw. große Blätter (FAZ,net) instrumentalisiert werden.

Die vielen Ungereimtheiten aus der ZEIT sind nicht aufgeklärt.

Es wird noch spannend werden!

Noch ein Wort zum Stilvergleich:
Früher habe ich manchen Anonymen eben aufgrund seiner schwarzen Federn identifiziert und überführt. (Wer jahrelang als Literaturkriminalist unterwegs ist und die Frühwerke großer Dichter nach epigonalen Anklängen und Spuren der Vorbilder durchsucht, lernt das bald.)

Mein Stil gleicht dem "Schreibstil" von El Greco etwa so wie ein Gemälde Botticellis einer Skizze von Paul Klee.

Die Anonymen führen sich selbst ad absurdum, weil ihre Argumentation nicht durch ihre Integrität bestätigt wird.
Wer Erfahrungen gemacht hat, kann dazu stehen.

Wer Wahrheiten verkünden will, kann die Quelle nennen und seine Unterschrift unter die Aussage setzen.
Carl Gibson

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magnus-goeller 16.03.2010 | 21:26

Ich versuche, die Sache jetzt einmal umgekehrt zu betrachten.

Führe Carl Gibson seine Kritik wider Herta Müller als Blogger im Kleide eines Anonymus auf, so schlügen ihm ob dessen wohl nicht nur heftigste Angriffe dahingehend entgegen, er sei ein feiger, hinterlistiger, hasserfüllter Heckenschütze; wahrscheinlich hätte er sich überdies schon wenigstens Unterlassungsbescheide, wenn nicht Strafanzeigen eingehandelt.

Mit irgendwelchen Erklärungen x oder y, er wolle aus den Gründen Z oder Z' lieber anonym bleiben, wäre er sicher nicht durchgekommen, währendem dies seinen Widersachern, soweit ich weiß, ohne weiteres gewährt wurde.

Das ist zweierlei Maß.

Jedenfalls hat er es vermocht, immerhin mich, der hier in der schönen BRD auch schon manche (nicht nur) mediale Merkwürdigkeit erleben durfte (erst kürzlich erfand man z.B. in Afghanistan kriegsweis eine Stadt, die es gar nicht gibt...), in Punkto Herta Müller wachzurufen, so dass ich der Causa Müller voraussichtlich dauerhaft in meinem Stall voll Steckenpferden eine Koppel reservieren werde.

Manchmal brauchen solche Dinge eben auch Jahre, mitunter Jahrzehnte der Geduld: Das Wichtigste ist, dass man nicht vergisst und immer wieder nachhakt, mitunter am besten dann, wenn eine Geschichte schon im Orkus der Geschichte versenkt scheint.

Das Netz, so viele Möglichkeiten der Täuschung es eben auch bietet, birgt auch für zunächst Don Quijotteske Gestalten die Chance, immer wieder anzugreifen, nachzuhaken, nicht locker zu lassen.

Ach ja: Mir wurde vorgeworfen, ich habe nicht hinreichend definiert, wer oder was Deutsche seien.

Lustige Volte.

Ich sage mal ganz einfach dazu, dass alle Deutschen, die sich für solche halten, wissen, dass sie welche sind, ohne dass ihnen ein Magnus Wolf Göller erst erklären müsste, was das denn sei.

oranier 16.03.2010 | 21:59

@ el greco

Soll ich nun beruhigt darüber sein, dass Sie sich die Behauptung verbieten, Juden seien keine Menschen? Das wäre ja noch schöner!
Sie sollten sich aber, wie gesagt, ebenfalls die Behauptung verbieten, es gäbe so etwas wie "typisch jüdische Argumente", denn das ist, wie von mir deutlich gemacht, ein antisemitisches Statement.

Ich bin allerdings beruhigt, wenn dahinter keine bewusste diskriminierende Haltung steht, sondern ein eingeschränktes Begriffsverständnis.

In diesem Falle hat es dann wohl wenig Sinn, dass ich mir meinerseits Ihre Unterstellung verbitte, ich würde Kommentare verdrehen. Manchen Leuten soll ja dreimaliges Lesen das den Sinn und Verständnis von sprachlichen Äußerungen näherbringen.

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carl-gibson 16.03.2010 | 22:13

In meinem dicken Buch über Widerstand habe ich auch über die "Kunst der Fuga" nachgedacht - und über das rumänische Wort, SiebzehnterJuni:
Fuga-i rusinoasa dar sanatoasa!
(Die Fuge - also das Weglaufen ist schamvoll, aber heilsam!

Was sagten fügsame Rumänen noch, als Türkenherrschaft und Kommunismus sie bedrohten?

Capul aplecat sabia nu-l taie!

Das geneigte Haupt bleibt vom Schwert verschont!

Deshalb blieb auch die Aktionsgruppe ohne Aktion.
Die Fuga von den Gipfeln der Verzweiflung eines Cioran, Eliade und Ionesco in das bittere Exil und auf eine Odyssee ins Unbekannte - eine Flucht vor Totalitarismus in die Welt der Freiheit aber kann ich gut verstehen.
Carl Gibson

wolkenlos 16.03.2010 | 23:25

Oh ja,

Don Quijotteske Gestalten, die habe ich hier auch schon entdeckt :-)

Lieber Herr Gibson,

wie ertragen Sie es so wichtig zu sein, denn wenn Sie so viele Feinde haben, wie man hier den Eindruck bekommt, dann müssen Sie eine äußerst wichtige Person öffentlichen Interesses sein.

Da könnte man(n) ja glatt neidisch werden!

Ich hoffe, Sie sind damit einverstanden, wenn ich gleich morgen früh (aktuell muss ich noch einige Folgen von Forsthaus Falkenau nachholen, diese Bildungslücke nagt an meinem Selbstbewußtsein) der Stadtverwaltung Bad Mergentheim vorschlage, ein realitätsgetreues Abbild Ihrer geschätzen Person ein Denkmal anfertigen zu lassen.

Damit wir ein leuchtendes Beispiel für unsere ach so geschundenen Jugend (unsere Zukunft) für ewige Zeiten verewigt bekommen. (Gibson in Gips)

Ja, warum denn das? Die Zukunft, diese Perspektive, die fehlt nämlich in Ihren Ausführungen gänzlich.

Sie nagen an alten Knochen - schmeckt das noch?

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magnus-goeller 17.03.2010 | 01:09

Ja, in Bronze, das wäre doch apart!

Damit hätte Bad Mergentheim wahrscheinlich weltweit die erste dauerhafte Statue eines Antinobelpreisträgers, am besten im Kurgarten, was für ein grandioser Marketing-Trick!

Auf der zugehörigen Tafel könnte dann stehen:

Hiero stund und stehet
Sehet's, wie ihr gehet
Aus dem Banat ein Schwabe
Er war der Müller Antiknabe

Wenn ich dann noch lebe und die Kasse mal wieder knapp ist, organisiere ich die Pilgerfahrten von den Japanern als echter ehemaliger Kumpel und Zeitzeuge...