Literatur & Politik

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Es gibt keine apolitische Literatur. Literatur ist immer politisch: entweder explizit, indem sie politische Zu- und Missstände thematisiert oder implizit, indem sie über diese schweigt, was notwendigerweise die Frage nach den Ursachen des Schweigens aufwirft.

In Gesellschaften, in welchen eine weitgehende Meinungsfreiheit herrscht, kann dieses Schweigen über politische Fragen auf ein Desinteresse, dessen weitergehende Ursachen einer erneuten Ursachenforschung bedürfen, oder auch auf Desillusionierung bzw. auf bewusste Abkehr von der Politik zurückgeführt werden. Die Gründe für beide Einstellungen können vielfältig sein.

Das Gesagte gilt umso mehr für Literaturen, die in Diktaturen entstehen und doch ist die Lage hier komplizierter. Diktaturen lassen gewöhnlich entweder nur die eigene Weltanschauung stützende Literatur zu oder gar keine. Indes, das Prinzip „tertium non datur“ ist hier außer Kraft gesetzt, denn zu berücksichtigen ist, dass geschickte Autoren es immer wieder geschafft haben, die Zensur zu umgehen. Dafür steht ihnen die ganze Palette der literarischen Mittel zur Verfügung (Ironie, Metapher, Satire usw.).

Auf einer bestimmten Ebene kann demnach gesagt werden, dass in Diktaturen jede Literatur politisch ist. Bejaht sie aktiv die Staatsideologie, indem sie positive Helden zeigt, ist sie staatstragend. Treten hingegen Charakterzeichnungen auf, die unerwünschte Haltungen und Verhaltensweisen unkritisch in den Mittelpunkt stellen oder gar Aspekte der jeweiligen Gesellschaft kritisieren, ist der politische Bezug und die Staatsferne offensichtlich.

Damit ist nicht gesagt, dass der Autor einer solchen kritischen Literatur gleich als Oppositioneller oder als Dissident anzusehen ist. Dazu gehört mehr: das konkrete Bestreben, den Zustand der Gesellschaft aktiv-politisch verändern zu wollen (durch politische Forderungen, politische Aktionen, eindeutig politische Schriften). Doch auch wenn ein Autor keine solchen politischen Forderungen öffentlich macht, kann er wegen seiner mehr oder weniger versteckten Kritik am politischen System Opfer von Repressalien und Verfolgung sein. Diktaturen zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie sehr schnell bei der kleinsten Gelegenheit kritische Stimmen unterdrücken wollen. Gerade durch ihr Vorgehen beweisen sie wiederum den eindeutig politischen Charakter der in Frage stehenden Literatur.

Quod erat demonstrandum.

14:53 11.03.2010
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Geschrieben von

Zachor!

Nicht verzagen, erinnern!
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