Philosophie als Abschreckung

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Wofür das Lesen von Blogs (www.freitag.de/community/blogs/lee-berthine/der-sinn-des-lebens---televisorisch-und-philosophisch) doch gut ist...

Ich habe gestern 45 Minuten Lebenszeit geopfert und mir um 21:00 Uhr die Gesprächsrunde angesehen, die von Gert Scobel geleitet wurde (3Sat). (Ich muss gestehen, dass ich am Moderator immer seine Wissbegierde geschätzt habe. Doch finde ich auch, dass er wichtigtuerisch ist, sich gerne "philosophisch" gebärdet und werde den Verdacht nicht los, er wolle irgendwie aus Imagegründen als "philosophischer Intellektueller" zu Reputation kommen. Dabei merkt er nicht, dass ihm das intellektuelle Rüstzeug dazu fehlt. Aber gut, soviel zu meinen Vorurteilen).

Das Thema der Runde war "Philosophie - was ist das?" Dies sollte durch die Beantwortung von Fragen beleuchtet werden. Doch von wem?

Michel Friedman, der Jurist und Moderator, wurde, wie die Zuhörer erfuhren, vor kurzem erst in Philosophie promoviert. (Worüber - wurde nicht verraten. Hier: diepresse.com/home/kultur/medien/534969/index.do?from=gl.home_kultur mehr darüber.) Neben Friedman saß Hape Kerkeling, der Meister des biederen Humors, neuerdings durch religiöse Anwandlungen hervorgetreten. Außerdem anwesend: Lilo Wanders, von der ich vorher wenig wusste und auch jetzt nicht viel mehr wissen möchte. Finally, Roger Willemsen, der Journalist und Moderator, der eigentlich die Sendung hätte retten können...

Wenn ... ja, wenn sie denn zu retten gewesen wäre.

Gert Scobel gab die Fragen vor ("Moral", "Tugend" etc.), die durch Filmchen und Zitate von Philosophen hätten verdeutlicht werden sollen. Doch ist für jeden Kenner klar, dass solche Begriffe, über die ganze Bibliotheken zusammengeschrieben worden sind, nicht in Filmchen und auch nicht in der Beliebigkeit einer solchen Sendung adäquat (geschweige denn: erschöpfend) behandelt werden können. Hätten wir ein Zwiegespräch zwischen Willemsen und Friedmann erlebt, so wäre dies bestimmt ein interessanter Dialog gewesen. Diese beiden waren nämlich diejenigen, die tatsächlich aus dem Fundus der Geistesgeschichte (Willemsen rekurrierte problemlos auf die Aufklärung, Friedman verwies wiederholt auf die Hirnforschung) schöpfen und der Sendung Inhalte geben konnten. Kerkelings und Wanders Einwürfe sind noch überbewertet, wenn man sie als Platitüden bezeichnet. Wer, wie Kerling, ins Schwimmen kommen, wenn Friedman ihn bittet, den benutzten Begriff "Transzendenz" doch zu beschreiben, hat in einer solchen Runde nichts verloren. Ähnlich Beispiele, Trivialitäten und Nullaussagen gab es zuhauf.

Nach 35-40 Minuten verzichtete ich daher auf den weiteren "Genuss" der Sendung. Kaufen Sie sich aus der Reihe "...for dummies" den Philosophieband und Sie ziehen einen größeren Gewinn daraus. Lassen Sie aber die Finger von der Fernbedienung, wenn "Philosophie" auf der Tagesordnung steht. Denn es scheint, als ob manche Moderatoren die Zuschauer damit abschrecken wollten.

11:20 25.03.2010
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Geschrieben von

Zachor!

Nicht verzagen, erinnern!
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