Ich folge einem Faschisten

Rechtsradikalismus Ich folge bei Twitter einem Faschisten. Habe immer wieder überlegt, ihn rauszuhauen, aber es sind einfach so unglaublich dreiste Wut-Horizonte, die ich von ihm erfahre.
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Ich folge bei Twitter einem Faschisten. Habe immer wieder überlegt, ihn rauszuhauen, aber es sind einfach so unglaublich dreiste Wut-Horizonte, die ich von ihm erfahre, dass ich ihn bislang nicht löschte.

Schecklich: Sein Weltbild ist brutal auf Hass programmiert. Mit jedem Tweet, den er abläßt, steigert er sich weiter in seinen Wahn und nimmt mir jede Vision, wohlmeinend einzugreifen.

Würde ich ihn auf einer Party kennenlernen, wäre ich vermutlich genauso sprachlos und hilflos. Da aber gäbe es die Gelegenheit über das Vis a vis auf ein gemeinsames Bier. Online dagegen herrscht ausschließlich die Härte der Worte. Kein Wunder, dass die Gesellschaft online eskaliert: wirkliche Nähe, Emphatie usw gibt es nicht, alles ist abstrakt.

Auf der Party ließe er sich nicht so einfach wegzappen (entfolgen) wie bei Twitter. Womit wir bei einem noch irritierenden Bild sind: Bei Social Media scheinen alle Geschmacksrichtungen gesondert und exklusiv auf je getrennten Partys in den je eigenen Timelines unterwegs zu sein. Das wie auch immer geartete Ich scheint radikal das Maß für den erlaubten Input zu sein und im Notfall gibt es halt Single-Partys: Alle sind Abgrenzungs-Zombies im eigenen Ghetto des je Guten.

Also: Ich folge dem Deppen weiter! Bin sowohl multikulturell als auch multirestistent begabt und folge bei Twitter ja auch vielen anderen Spacken mit Macken. Weltbilderweiternd sind alle.

23:06 02.03.2016
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