interfilm lädt zum Kurzfilmrausch

Kurzfilmfestival 400 Filme in 50 Programmen vom 20. - 25. November von Berlin-Mitte bis Kreuzberg, von Prenzlauer Berg bis Neukölln. Hier ein paar Highlights aus dem prallen Programm.
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Fällt ein Mann vom Himmel, plumps. Landet im Garten eines niederländischen Ehepaars und ist gerade noch so am Leben. Die Eheleute reagieren grotesk, sie streiten, sind hilflos, vergraben den Toten schließlich, doch am Ende des 9-Minüters fallen noch ganz viele weitere Menschen vom Himmel.

Der Film "A man falls from the Sky" läuft beim 34. Internationalen Kurzfilmfestival Berlin 2018 im Konfrontationen Wettbewerb. Über 400 Kurzfilme zeigt interfilm vom 20. bis 25. November in 52 Kurzfilmprogrammen von Berlin-Mitte bis Kreuzberg, von Prenzlauer Berg bis Neukölln.

Die Gelegenheit, einige der Filme im Vorfeld des Festivals sichten zu können, machte klar: 400 Filme sind kaum zu bewältigen, selbst in einer Festivalwochen nicht und selbst wenn sie kaum länger als 20 Minuten sind. Zum Glück sind sie in den Programmen der Wettbewerbe und der anderen Sektionen thematisch sortiert. So sollte jeder das finden können, was ihn interessiert.

Der Mexikanische Präsident hat ein Problem: Irgendein Ministaat wagt es, die mexikanische Flagge exakt zu kopieren. Der Präsident reagiert zwischen Panik und Rache gewieft, denn Geld soll den Flaggenklau wett machen. Das klappt aber nicht. Die wunderbare Komödie "Mamartuille" (Mexiko, 12 min - im Internationalen Wettbewerb) kratzt in die Wunde des Politikversagens.

Der Film "Angst" (14 min, Deutscher Wettbewerb) dagegen ist beinhart. Ein tschetschenischer Flüchtling trifft auf einen ebenenfalls geflüchteten Freund, mit dem er mal was hatte. Beide geraten in die Mühlen des religiösen Kulturkampfes. Einer wird sterben. Von Leben und Tod erzählt auch "8th Continent" (11 min - Konfrontationen Wettbewerb): Aus dem Mittelmeer werden Rettunswesten gefischt. Sie landen auf einer riesigen Mülldeponie.

Im Programm Big Data zeigt "Call of Comfort" von der Falle, bei online-Plattformen durch das permanente Weiterklicken und Bestätigen immer tiefer in die Abhängigkeit zu geraten und ausweglos der Unterdrückung ausgeliefert sein sein. Einen Hinweis, die Überwachung zu umgehen, bietet "Best Game Ever" (20 min - auch im Programm Body Talk): Tanz kann einer Rebellion gleichkommen, Tanz vermag es, die Algorithmen absurd werden zu lassen. - Ein eigenes Panel zum Thema Big Data bietet interfilm am 22. November im Roten Salon der Volksbühne: Vertreter von Netzplotik.org und Mozilla erörtern die Dimensionen der digitalen Hörigkeit.

Viel Science Fiction durchzieht das Festival über das Sci-Fi-Programm hinaus: "Bendito Machine VI - Carry On" (14 min - Internationaler Wettbewerb) parodiert unsere App-Gläubigkeit. Aliens offerieren wilden Steinzeitmenschen Handies und Bildschirme. Die Wilden fahren voll drauf ab. Oder "Karl" (4 min - u.a. Internationaler Wettbewerb), in dem ein Außerirdischer ein Rendezvous mit einem Mädel hat. Und in der lustigen Animation "Voyagers" (7:30 min - Sci-Fi Shorts) ist mal eben ein Tiger im Raumschiff.

Ziemlich lustig ist der "Tungrus" (14 min) im Dokumentarfilmwettbewerb. Eine indische Familie hält in ihrer Hochauswohnung einen Hahn als Haustier. Der hält die Familie ziemlich auf Trab.

Dies waren 10 Filmhinweise auf das interfilm Programm. Die anderen 390 haben es sicherlich auch in sich.

34. Internationales Kurzfilmfestival Berlin 2018
20. - 25. November 2018

https://www.interfilm.de

16:58 11.11.2018
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