GEBE
04.12.2012 | 08:37 13

Schritte zählen für das Jobcenter

Hartz IV Jobcenter Brandenburg verteilt Schrittzähler für ältere Erwerbslose

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied GEBE

Der Chef des Jobcenters Brandenburg an der Havel, Christian Gärtner, ist für seine „harte Gangart“ bekannt. So sagte dieser noch vor einigen Wochen gegenüber der Presse medienwirksam: „Notfalls werden wir bei qualifizierungsunwilligen Leuten aber sanktionieren, bis sie raus sind aus dem Leistungsbezug“. Die Presse titelte entsprechend: „Jobcenter fährt harte Linie gegen Verweigerer“. Eben jener hat sich nun etwa neues ausgedacht. 18 Erwerbslose haben einen Schrittzähler angeheftet bekommen, um zu messen, ob diese sich „zu wenig bewegen“.

Seit heute nun laufen 18 Hartz-IV Bezieher und 5 Jobcenter-Mitarbeiter mit einem Schrittzähler umher. Insgesamt sechs Wochen soll das Gerät jeden Schritt aufzeichnen. Am 11. Januar soll dann ausgezählt und ausgewertet werden. Einen Preis für das höchste Schrittergebnis soll es nicht geben, dafür aber warme Worte: „Mit dieser Aktion wollen wir den Arbeitslosen vor allem Lust auf mehr Bewegung und Aktivität im Alltag machen“, so Geschäftsführer Gärtner. Es sei das Ziel, „den Teufelskreis von Arbeitslosigkeit und Krankheit zu durchbrechen“.

Angeblich sollen die teilnehmenden Erwerbslosen die Aktion freiwillig mitmachen. „Viel Überzeugungsarbeit habe man nicht leisten müssen“, so Clarissa Schmidt von der Behörde. Ob die teilnehmenden Erwerbslosen mit einer Sanktionsandrohung hierzu gezwungen wurden, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest. Schließlich ist die Aktion ein Teilprojekt der Aktion „Perspektive 50plus“. Unter gleichem Motto zwingt das Jobcenter Nienburg derzeit ältere Hartz IV Betroffene an einem Kurs zur Rauchentwöhnung teilzunehmen. In einem Anschreiben wird explizit daraufhin gewiesen, dass ein Fernbleiben zu einer Regelsatz-Sanktion führt. Ob dies im Falle der Schrittzähler-Aktion in Brandenburg ebenso ist, muss noch herausgefunden werden. Betroffene können sich jedoch gern an uns wenden. (sb)

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Mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Redaktion aus folgender Quelle:

http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/schrittzaehler-fuer-hartz-iv-bezieher-9001230.php

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (13)

mcmac 04.12.2012 | 10:17

Lieber Gebe,

Danke für das Einstellen dieses Beitrags. Zunächst dachte ich, dass es sich um eine Satire handele, aber es scheint wahr zu sein. Wie krank ist das denn?..

Falls das demnächst mit der Export-Panzerei nach Saudi-Arabien nicht klappen sollte, könnte man ja etwas mit Nano-Drohnen zur Überwachung von Hartz-IV-Empfängern machen. Das schafft und erhält -nebebei- Industriearbeitsplätze. Und Sanktionen können gleich per gezielter Tötung vollstreckt werden.

lg

Oberham 04.12.2012 | 10:54

... oh das ist auch ein gutes Geschäft für die Präventionsmafia im Gesundheitswesen - da schießen die "Ideen" wie Brennessel aus dem Boden.

Alleine diese Schrittzählermethode wird inzwischen von - ups - drei - oder gar mehr - Start-Ups angepriesen -

nach Vorgaben vom BWM - fast schon - wie wird man zum BMW für die Wirtschaft... ;-)....

Natürlich Bewegung ist gut - Spazierengehen kann ich sehr empfehlen - sofern man gesunde Beine hat.

Hier - wer möchte:

eine typische "betriebliche-Gesundheitsförderungs" Klitsche

trigger75 04.12.2012 | 15:39

Das ist so menschenverachtetend … All die Buschkowskys und Sarrazins erinnern mit ihrem Sozialdarwinismus und ihrer menschenverachtenden Hetze an die dunklen Kapitel deutscher Geschichte. Ab wann ist es denn wieder Salonfähig, Hartz IV Bezieher als Sozialschmarotzer zu beschimpfen und sie als geselschaftszersetzende Elemente zu internieren? Sind wir bald schon genau da wieder angelangt?

Sollte das GG mit seinem "Die Würde des Menschen ist unantastbar" nicht genau vor diesem Herrenschichtentum schützen?

Ich kann gar nicht soviel freßen, wie ich ob soviel Menschenverachtung kotzen will … Gott ist mir schlecht.

gelse 04.12.2012 | 17:38

Ich finde, das Ganze stinkt verdächtig nach Probeläufen für Agenda 2020 / Hartz5.

Statt Schrittzählern dann elektronische Fussfesseln, die der Agentur stets den Aufenthaltsort der Sklaven Kunden melden. Statt "Raucherinformationsveranstaltungen" politische Pflichtindoktrinationen usw.

Es sind sicher einige Schweinereien in Vorbeitung, die natürlich vor der Wahl nicht bekannt gegeben werden.

gelse 05.12.2012 | 06:12

>>Ab wann ist es denn wieder Salonfähig, Hartz IV Bezieher als Sozialschmarotzer zu beschimpfen..<<

Die SPD/Regierung hat die Hetze gegen Menschen, die ihren Arbeitsvertrag "verloren" haben, salonfähig gemacht. Ein Fernseh-Sender aisstierte mit der "Arno-Dübel-Show". Davor war es vor Allem die BLÖD-"Zeitung", die behauptete, das Problem sie gar nicht die Arbeitslosigkeit, sondern die Arbeitslosen.

Hannes 05.12.2012 | 12:05

Frage: Was passiert eigentlich, wenn hinten bei rauskommt, das die Jobcenter-MitarbeiterInnen wesentlich träger sind, als die "Kunden"? Wird das dann auch veröffentlicht? Führt das dann dazu, das MitarbeiterInnen mehr gehetzt werden müssen? Wenn ja, dann könnte man doch einige MitarbeiterInnen des Jobcenters einsparen?

... Sind nur so Gedanken...

eldorado 05.12.2012 | 12:37

Da sollte dann denen, die viele Schritte machen, auch mehr Geld gegeben werden, weil mehr Bewegung mehr Kalorien benötigt.

Ich sage jetzt nicht, wessen Vaters Gedanken diese Ideen sind.

Wie ist es denn beim velofahren (ähm - fahrradfahren). Wird das auch als Schritte gezählt.

Was wird eigentlich als Schritt gezählt? Wenn man die Füsse vom Boden weghebt oder einfach die Beine ein wenig bewegt.

Sind möglicherweise die Falschen in den psychiatrischen Kliniken?

Corina Wagner 05.12.2012 | 15:06

Schritt für Schritt führen solche Maßnahmen zu einem Massenphänomen: das überregionale Kopfschütteln!

Lieber GEBE,

zu Anfang dachte ich auch, dass dies ein satirischer Beitrag sei.

Oweia! Pure Realität in Deutschland!

Vielleicht gibt es demnächst die "Tritt für Tritt-Aktion". Es gibt jedesmal einen Tritt gegen eine Zeitarbeit-Firmen-Eingangstür, wenn die dortigen Verantwortlichen wieder einen Arbeitslosen abzocken möchten. Dort wo die erste Tür eingetreten wird, sollten sich Damen und Herren vom Jobcenter mal ernste Gedanken machen, ob sie weiterhin Stellen an jene Zeitarbeitsfirmen vermitteln. Ich möchte nicht wirklich wissen, wie viele Türen ausgetauscht werden müssten.

Gruß

Corina

conny 06.12.2012 | 18:16

liebe leute

wo soll das in deutschland nur noch hinführen??!! demnächst werde vllt noch den kindern von arbeitslosen chips eingesetzt, damit man sie kontrollieren kann. vorallem WARUM nur perspektive 50 plus???? ich bin davon auch betroffen ,was das alter betrifft. was ist mit dem paragrafen1 des GG ??? die menschenwürde ist unantastbar!!!!! sind diese sachen alles hinfällig,nur wei politiker oder die vom jobcenter langeweile haben???? ich find es diskriminierend, menschenverachtend. SRY