SPD: Nicht "weiter so"!

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Kurz nach der katastrophalen Wahl-Niederlage der SPD sagen ihre Hauptschuldigen schon, dass man auf Schröders Koautor und Verteidiger der Agenda 2010, Frank Walter Steinmeier, nicht verzichten könne. Dazu heißt es bei SPIEGEL ONLINE vom 27.9.2009 unter der Überschrift "Sofa statt Steinmeier"

Es gibt eine dramatische Zahl, die das ganze Ausmaß der Niederlage der SPD illustriert: 1998, als sie mit den Grünen die Regierung übernahm, erhielten die Sozialdemokraten die Stimmen von 20 Millionen Wählern. Am diesjährigen Wahlabend waren es wohl nicht einmal mehr zehn Millionen.

Der ARD-Moderator für Wahlanalysen Jörg Schönenborn nennt auf der ARD-Seite genauere Zahlen:

Wählerwanderung

27. September 2009, 19:45 Uhr - von Jörg Schönenborn

Rund 11 Prozentpunkte dürfte die SPD gegenüber der letzten Bundestagswahl verloren haben. Das ist der höchste Wert, den überhaupt jemals eine Partei in Deutschland zwischen Bundestagswahlen abgeben musste. Der größte Teil der Abwanderer ist einfach zu Hause geblieben und gar nicht zur Wahl gegangen: 1,86 Millionen ehemalige SPD-Wähler haben Stimmverweigerung betrieben. 1,22 Millionen haben stattdessen die Linke gewählt und jeweils knapp 890.000 die Union und die Grünen. Und sogar zur FDP sind 540.000 SPD-Wähler abgewandert. Insgesamt ist die SPD von 16,2 Millionen Wählern bei der Wahl 2005 auf noch gerade 10 Millionen Wähler abgesackt. Diese Wählerflucht ist einmalig.

Dazu hier noch eine Anmerkung:

Die neoliberale Propaganda von BILD, BamS und Glotze hat sich wieder einmal gelohnt, nicht nur in den Medien von Friede Springer, sondern auch in "seriösen" Druckmedien. Man hatte den "Medien-Kanzler" Schröder in die zweite Reihe versetzt, als er nicht mehr als Verräter der Sozialdemokratie gebraucht wurde (sh. "Ein Medienkanzler als Inszenierungskünstler", sh. ndr.de, zapp, 14.9.2005). Diese Meinungsmacher, Proporz-Moderatoren und Umverteilungs-Profiteure unterstützen weiterhin die Neoliberalen, angefangen mit Sabine Christiansen, über Claus Kleber, allmählich auch bei Maybrit Illner, Frank Plasberg und sowieso im Bayerischen Rundfunk (sh. rossaepfel-theorie.de, unter anderem Journal-2.htm). Inzwischen haben sie die Senkung ihres Spitzensteuersatzes von ehemals 53 Prozent auf 42 Prozent erreicht, und peilen nun die 35 oder 25 Prozent an.

Zur Drosselung der Kritik wurden unter anderem die ARD-Politmagazine gekürzt und Sandra Maischberger wegen ihrer sozialen Sensibilität auf den spätesten Abend verbannt. Während Jörg Schönenborn eher um Neutralität bemüht ist, hetzen die meisten Meinungsmacher gegen die LINKE und tabuisieren sie für viele enttäuschte SPD-Wähler. Wenn diese darauf hereinfallen, bleiben sie einfach zu Hause. Es wird Zeit, dass auch das restliche SPD-Establishment zur FDP geht (sh. "Clement ruft zur Wahl der FDP auf", zeit.de, 25.9.2009).

Dies Anmerkung wurde bereits als Blog-Beitrag zum obigen Text von Jörg Schönenborn am 28.9.2009 um 9:22 Uhr auf der betreffenden Blog-Seite eingestellt, aber verständlicherweise nicht veröffentlicht, weil man von ihm und seinem Team nicht die Unterstützung der Schelte von Kollegen im eigenen Hause erwarten kann.

21:18 28.09.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Geierschreck

Gegner der Arbeitsplatzvernichtung durch Umverteilung nach oben und durch Wählertäuschung, also des „christlichen“, „sozialdemokratischen“ und sonstigen Neoliberalismus; Anhänger der „Goldenen Regel“; Finanzökonom, aber auch ehemaliger Außenseiter-Student der Frankfurter Schule.
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