Springers WELT lässt Kritik "über die Klinge springen"

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Nachträglicher Vorspann vom 17.1.2010, 10:15h, zum Verständnis des Artikels:

Als Gegengewicht zur Wählertäuschung durch das Medienkapital erscheint inzwischen die Möglichkeit zur Einstellung von Leserbriefen zu den Hetz-Artikeln gegen Links. Damit wird der falsche Anschein erweckt, als ob nun das Eigentum auch „zugleich dem Wohle der Allgemeinheit diene“ (Art. 14 Abs. 2 GG) und man zu demokratischen Verhältnissen zurückkehre.

Mit Datum vom 16.1.2009 hetzt Bettina Röhl für die WELT ONLINE unter der Überschrift "Gysi lässt Bartsch über die Klinge springen":

These: Der eigentliche Feind von Dietmar Bartsch in der Linkspartei heißt Gregor Gysi. Entledigte sich Gysi trickreich seines innerparteilichen Konkurrenten Bartsch, während alle Welt auf den Streit zwischen Lafontaine und Bartsch schaute?

These: Der eigentliche Feind von Dietmar Bartsch in der Linkspartei heißt Gregor Gysi, ein SED-Kind genau wie Bartsch selber.

Diesen sogenannten "Thesen" folgen weitere Hetztiraden mit Überschriften wie "Das Gift des Gregor Gysi" und danach die offenbar sorgfältig ausgewählten Leserbriefe. Auch mein Leserbrief (als Arno) vom 16.1.2009 um 5:58 war für einige Stunden durch automatisches Hochladen eingefügt, dann aber wieder gelöscht worden:

Er lautete wie folgt:

Das Gift der Springer-Presse

gegen die Linke lässt man jetzt hochtrabend als "Thesen" etikettieren. Es reicht nicht, dass man versucht, mit dem Spalter-Gift und dem Medien-Kapital die Ost- und West-Linken gegeneinander aufzuhetzen oder dass man Lafontaine als den eigentlichen Spalter diffamiert, der eine Koalition mit den Verrätern der Sozialdemokratie nicht ohne Vorbedingungen akzeptiert. Nun soll auch noch gegen Gregor Gysi der Spaltpilz verbreitet werden nach dem Motto: Spalte und vernichte! Grund: Ohne die Linke gäbe es keine ernstzunehmende Kraft gegen die Selbstbedienung durch Umverteilung nach oben.

Tatsächlich fehlt es wohl aus nachvollziehbaren Gründen an dem notwendigen Vertrauen für eine enge Zusammenarbeit zwischen Lafontaine und Bartsch (sh. "Antwort auf Margareth Gorges / Albrecht Müller", freitag.de, 12.1.2010). Aber die Verdienste von Bartsch werden in der Linken weitgehend anerkannt, auch von Gysi. Dieser möchte Bartsch sofort zu seinem Stellvertreter machen und sagte: Bartsch bleibe weiterhin "unverzichtbar für unsere Partei". «Er hat sich nicht von Verärgerung, sondern ausschließlich von politischer Verantwortung leiten lassen. Seine Entscheidung tut nicht nur ihm und vielen anderen, sondern auch mir weh.»

Der obige WELT-Artikel ist vom 15.1.2010 um 18:16 Uhr. Schon um 12:39 Uhr meldete ddp – für alle Mediensöldner ersichtlich – das Angebot von Gysi: «Ich wünsche mir, dass er mein Stellvertreter wird, er muss entscheiden, ob und wann er das will».

Auch Springers BILD hetzte am 16.1.2010 wieder gegen die LINKE, aber vorzugsweise gegen Lafontaine mit der Schlagzeile:"CHAOS UND INTRIGEN BEI DER SED-NACHFOLGEPARTEI – Lafontaine zerlegt die Linke".

Statt meines Leserbriefs steht unter dem WELT-Artikel jetzt folgender "Leserbrief" von einem Reiner Lang:

Rainer Lang
16.01.2010 - 08.18 Uhr

@Arno. Auch durch fünfmaliges Einstellen wird dein im Geiste der vulgären Springer Hetze der SED geschriebener Senf nicht richtiger. Nicht wegen Springer will kein anständiger Mensch mit euch und euren braunen Zwillingsbrüdern etwas zu tun haben, sondern wegen eurer fortgesetzten Freiheitsberaubung und eurem fortgesetzten Massenmord. Und weil ihr die SPD kaputt gemacht habt, für Instabilität des politischen Systems der BRD gesorgt habt und die Integration Hundertausender DDR Bürger wirksam verhindert.

Es wundert, dass Reiner Lang als Leser informiert ist über meine wiederholten Versuche beim Hochladen meines Textes. Bis dahin hatte ich die WELT möglichst gemieden. Aber diesmal konnte ich mich wegen der besonders infamen Hetze nicht mehr zurückhalten. Deshalb habe ich erstmals versucht, dort einen Leserbrief hochzuladen. Dabei konnte ich zunächst die Zeichenfolge der Sicherheitsabfrage nicht entziffern und war auch später nicht sicher, ob das Hochladen funktioniert hatte. Ich sah nämlich keine Bestätigung für ein erfolgreiches Hochladen. Statt dessen kam immer wieder diese Sicherheitsabfrage, aber dazu kein Text im Textfenster. Nach einigen Versuchen habe ich dann beim Scrollen gesehen, dass der Text schon hochgeladen war. Aber von diesem "fünfmaligen Einstellen" (morgens vor sechs Uhr) konnte doch kein Leser etwas wissen!?

Auf die "Springer-Hetze" haben Benno Ohnesorg, Rudi Dutschke und viele Tausende Studenten im Jahre 1968 mit ihrem "Enteignet Springer" wesentlich heftiger reagiert als die gezähmten Studenten von heute. Jene Studenten gehören heute aber teilweise zum SPD-Establishment, das gegen die LINKE polemisiert.

Die Hugenbergs, Berlusconis, Murdochs, Springers & Co. sind keine Linken. Auch der "Massenmord" im Dritten Reich wurde erst durch die Steigbügelhalter von rechts möglich. Zum Verrat an der Sozialdemokratie durch den Kanzler der Bosse und seinen Tross habe ich hier unter freitag.de an anderer Stelle schon genug geschrieben. Ohne die starke Unterstützung für die LINKE durch die Bürger der ehemaligen DDR wäre ein Widerstand gegen die Selbstbedienung durch Umverteilung nach oben kaum möglich. Das möchte ich als westdeutscher ehemaliger SPD-Wähler mit einer traditionellen Abneigung gegen die SED dankbar anerkennen.

21:51 16.01.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Geierschreck

Gegner der Arbeitsplatzvernichtung durch Umverteilung nach oben und durch Wählertäuschung, also des „christlichen“, „sozialdemokratischen“ und sonstigen Neoliberalismus; Anhänger der „Goldenen Regel“; Finanzökonom, aber auch ehemaliger Außenseiter-Student der Frankfurter Schule.
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