Was wusste FOCUS über Bespitzelungs-Methoden von Burdas CMK-Agenten?

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Burdas FOCUS und Bambi-BUNTE gegen Lafontaine und Wagenknecht

Unter dem obigen Titel wurde ein Großteil des nachfolgenden Artikels in der jetzigen Version bereits am 3.3.2010 bei der READERS EDITION veröffentlicht. Er wird hier noch ergänzt und aktualisiert durch einige anschließende Absätze zu den juristischen Ausflüchten der BUNTEN und durch eine Collage, weil Burda die Beauftragung der Skandal-Agentur CMK zu Schnüffeleien im Privatleben von Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht nach wie vor rechtfertigt.

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Die "Enthüllungen" im Auftrag der BUNTEN betrafen zwar auch den halblinken Müntefering und sogar den manchmal christsozialen Horst Seehofer, aber die Diffamierungen durch die FOCUS-Redaktion desselben Burda-Verlages richteten sich wieder einmal gegen Oskar Lafontaine als westdeutschen Hauptakteur gegen die Selbstbedienung durch Umverteilung nach oben.

Dabei konnte sich die beauftragte Skandal-Agentur CMK den Auftraggebern noch zusätzlich andienen, indem sie gleich ihre Diffamierungen gegen die brillante linksaußen-Politikerin Sahra Wagenknecht mitlieferte.

Beide wurden mit Paparazzi-Methoden verfolgt, um ihnen ein Verhältnis anzudichten. Dabei erweckte man den Anschein, als ob die "Detektive" durch die Ehefrau oder durch angebliche Gegner Lafontaines in der LINKEN beauftragt wurden. Auf diese Weise konnte man zugleich noch Animositäten innerhalb dieser schärfsten Kritiker der neoliberalen Meinungsmache schüren, die privatesten Beziehungen von Lafontaine angreifen und ihn womöglich damit zermürben.

Solche Hetzkampagnen gegen Lafontaine von allen neoliberalen Meinungsmachern und insbesondere auch vom FOCUS sind nicht neu (sh. rossaepfel-theorie.de/Linksbuendnis.htm). Auf ähnliche Weise war der FOCUS schon im September 2004 auch gegen den chancenreichen PDS-Spitzenkandidaten in Sachsen, den Linguistik-Professor Peter Porsch, vorgegangen. Wenige Tage vor der Sachsen-Wahl am 19.9.2004 hatte man ihn als ehemaligen Stasi-Spitzel gegen seine eigene Ehefrau erscheinen lassen und damit die Ergebnisse des CDU-Kandidaten Georg Milbradt verbessert. (Siehe rossaepfel-theorie.de/Diffamierungs-Resistenz.htm)

Aber warum hatte der FOCUS diese angeblichen "Enthüllungen" vor allen anderen Medien, quasi aus erster Hand? (Siehe zu dieser offenen Frage die Rätseleien zu "...fortgesetzten Hasskampagnen gegen Lafontaine" unter rossaepfel-theorie.de/Journal-3.htm#Hasskampagnen, 8.12.2009.) Kann es sein, dass die BUNTE-Chefredakteurin Patricia Riekel ihrem Lebensgefährten und FOCUS-Chefredakteur Helmut Markwort (FDP) etwas davon erzählt hatte, oder war Markwort noch enger eingebunden? (Sh. auch "Helmut Markwort und der schwarze Elch", sueddeutsche.de, 29.10.2009.)

Sein Blatt gab sich jedenfalls ahnungslos. Unter der Überschrift "AFFÄRE: Zielperson Lafontaine", schrieb der FOCUS Nr. 48 (2009), 23.11.2009, im Untertitel und dann weiter:

Machtkämpfe, Intrigen und neue Stasi-Enthüllungen erschüttern die Linkspartei. Jetzt kommt noch eine brisante Frage hinzu: Wer spionierte den Parteivorsitzenden aus?
...Wer also könnte die brisante Beschattung von Lafontaine vor knapp zwei Jahren initiiert und bezahlt haben? Waren es womöglich parteiinterne Gegner, die der umstrittene Ober-Linke zuhauf hat? Verbirgt sich dahinter eine eifersüchtige Ehefrau, sprich Christa Müller? Oder gibt es einen ganz anderen Hintergrund?

Die ausgebreiteten Einzelheiten des FOCUS über die Verfolgung sind so verblüffend detailliert, als ob die Schreiber selbst tagelang daran teilgenommen hätten oder die Verfolger ihnen alles ausgiebig berichtet hätten. Inzwischen weiß man - wie gesagt, dass es tatsächlich einen "ganz anderen Hintergrund" gab und wer die "brisante Beschattung von Lafontaine ... initiiert und bezahlt" hat. Bei Peter Porsch weiß man offenbar immer noch nicht genau, wie das zeitlich bestens abgestimmte Zusammenspiel mit der Birthler-Behörde pünktlich zur Sachsen-Wahl im einzelnen gelaufen ist.

Es ist dem STERN zu verdanken, dass solchen Fragen diesmal nachgegangen wurde. Der STERN fand auch heraus, dass dieser Schmieren-Journalismus von der CMK betrieben wurde und dass die CMK von der BUNTEN beauftragt war.

Die BUNTE aus dem Burda-Verlag ist wohl weniger für Kampagnen-Journalismus bekannt, sondern beeinflusst ihre Leserinnen eher unterschwellig zur Stimmabgabe im Sinne der Redaktion und Geldgeber durch anspruchslosen Promi-Schmus und angebliche Skandale bei den Linken. Dementsprechend wird der mediale Kampf gegen den STERN auch vom Kampagnen-erprobten FOCUS weiter geführt.

Zur Erhärtung der Recherche-Ergebnisse hat der STERN den CMK-Chef Stefan Kießling am 12.2.2010 zu einem Gespräch in sein Berliner Redaktionsbüro gebeten und eine ähnliche Gesprächssituation hergestellt, wie sie Kießling auch bei anderen Auftragsverhandlungen vorfindet. Um sich fürs Grobe zu empfehlen, sagte Kießling über seine erprobten Methoden: "Nachtaufnahmen gab's zum Schweinefüttern viele" (sh. "Spitzeleien bei Müntefering und Lafontaine - Die falschen Dementis der CMK", stern.de, 26.2.2010).

Mit diesen Entlarvungen ist aber noch nicht geklärt, ob nicht noch andere "Material-Lieferanten" gegen Lafontaine eingesetzt wurden, denn in dem obigen FOCUS-Artikel zur "Zielperson Lafontaine" heißt es weiter:

Oskar Lafontaine hat offenbar noch ganz andere Gegner. Unheimliche Gegner. Solche, die in seinem Berliner Privatleben herumschnüffeln, mit hinterhältigen Methoden. Denn FOCUS-Recherchen ergaben: Diverse Privatdetektive waren auf die Zielperson Lafontaine angesetzt.

Demnach müssten neben der "Foto- und Rechercheagentur" CMK auch noch Privatdetektive eingesetzt worden sein. Der SPIEGEL schreibt in dem Zusammenhang über die CMK:

Die Firma tritt nach außen als Foto- und Rechercheagentur auf. Für ihr Büro in Berlin-Moabit ist jedoch auch der Betrieb einer Detektei registriert. Auf mehrfache Nachfrage von SPIEGEL ONLINE war bei CMK niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

(Sh. "'Bunte'-Spitzelaktion sorgt für Empörung", spiegel.de, 24.2.2010.)

Auch bei meedia.de hat man den FOCUS-Text über die "unheimlichen Gegner" und "hinterhältigen Methoden" vom 23.11.2009 noch einmal neu gelesen und schreibt dazu:

Einige Merkwürdigkeiten aber bleiben. So hat die Bunte-Schwesterzeitschrift Focus, in Ausgabe 48/2009 bereits ausführlich über eine Observation Oskar Lafontaines berichtet. Damals Focus-exklusiv. Wenn man den Text heute nachliest, erscheint er in gänzlich anderem Licht.

(Sh. "TON ZWISCHEN G+J UND BURDA WIRD SCHÄRFER...", meedia.de, 25.2.2010.)

Der FOCUS erkannte zwar an, dass die BUNTE "in den drei vom STERN genannten Fällen die Agentur um eine journalistische Fotorecherche gebeten" hatte, schrieb aber zur Rolle der BUNTEN und zu den Gegenangriffen auf den STERN:

Laut "Bunte" erweckt der "Stern" damit den Eindruck, dass die "Bunte" von vermeintlich unlauteren und nicht journalistischen Recherchemethoden gewusst und diese gebilligt habe. Die "Bunte"-Chefredaktion habe jedoch am vergangenen Freitag auf Anfrage des "Stern" schriftlich klargestellt, dass sie von unseriösen Recherchemethoden keine Kenntnis hat.

(Sh. "Illustrierte: 'Bunte' verklagt 'Stern'", focus.de, 24.2.2010.)

Ob der STERN dies unterstellt hat oder die Folgerungen sich allein schon aus den Fakten ergeben, mag hier dahingestellt bleiben. Ebensowenig wird man erfahren, wie weit die Kenntnis bzw. Mitwisserschaft bei der BUNTEN und beim FOCUS reichte, wenn nicht noch FOCUS-Zeugen auftreten oder ihren Job aufs Spiel setzen. Tatsache ist jedoch, dass die Klatschspalten-Aktionen der BUNTEN erst durch den FOCUS ihr politisches Gewicht erhalten haben und dass die Diffamierungen und angeblichen "Enthüllungen" gegen Lafontaine bestens zu den bisherigen Kampagnen gegen ihn passen. Die Einbeziehung von Sahra Wagenknecht muss geradezu das i-Tüpfelchen gewesen sein.

Der schamlose Angriff auf das Privatleben von Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine war jedoch kein zufälliges Nebenergebnis der Bespitzelungen, sondern gehörte offenbar zum Kernbestandteil des Burda-Auftrages. Dazu zitiert der SPIEGEL vom 24.2.2010 unter der Überschrift "'Bunte'-Spitzelaktion sorgt für Empörung" die BUNTE-Chefredakteurin Patricia Riekel:

"'Bunte' hat im Frühjahr 2008 der Berliner Foto- und Presseagentur CMK den Auftrag erteilt, eine angebliche Beziehung zwischen Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht zu recherchieren." Riekel erklärt allerdings auch: "Über unlautere Methoden ist 'Bunte' nichts bekannt."

Der Burda-Verlag findet es also ganz normal, dass er Agenten mit solchen Privat-Bespitzelungen beauftragt. "Die 'Bunte' habe nicht mehr getan, als eine Agentur mit "einer journalistischen Fotorecherche" zu beauftragen, heißt es in einer Burda-Erklärung" (sh. "'Bunte'-Spitzelaktion sorgt für Empörung", spiegel.de, 24.2.2010). Wenn schon die Verlagsspitze die Grundlagen der Pressefreiheit so mit Füßen tritt, dann kann man von den dortigen "Journalisten" allerdings auch nichts anderes erwarten.

Die Saarbrücker Zeitung Online vom 25.2.2010 ergänzt das Bespitzelungs-Ergebnis mit den Worten:

Im Fall Lafontaines sollten die Recherche-Profis nach einem im Frühjahr 2008 erteilten Auftrag Gerüchten über eine angebliche Beziehung des Politikers zu seiner attraktiven Berliner Fraktionskollegin Sahra Wagenknecht nachgehen. Laut "Stern" forschten sie dabei Lafontaines Berliner Domizil aus. Außerdem sei geplant gewesen, eine Überwachungskamera auf sein Wohnzimmer zu richten und einen CMK-Mitarbeiter als Praktikanten in die Linksfraktion einzuschleusen. Der Recherche-Auftrag wurde jedoch zurückgezogen - weil es damals, so der Burda-Verlag, keine weiteren Hinweise auf einen Seitensprung gab.

Den Späh-Angriff auf Lafontaine hatte im November 2009 ausgerechnet der "Focus" detailreich enthüllt - der ebenfalls im Burda-Verlag erscheint. Zufällig ist der allmächtige Chefredakteur des Nachrichtenmagazins, Helmut Markwort, auch Lebensgefährte von "Bunte"-Chefin Riekel.

(Sh. "Neue Details zur Bespitzelung von Lafontaine - 'Bunte' wollte Infos über mögliche Beziehungen zu Fraktionskollegin Sahra Wagenknecht".)

Solche Methoden verdienen endlich Burdas "glamourösen" Bambi-Preis für eine der größten Schmutzkampagnen gegen die LINKE!

Auch wenn man zu "weiteren Hinweisen auf einen Seitensprung" gekommen wäre, hätte das den Auftrag an die Skandal-Agentur zu Schnüffeleien im Privatleben in keiner Weise gerechtfertigt, schon gar nicht mit dem angeblichen politischen Informationsanspruch der Wähler, denn es diente lediglich der Profitgier und hier vor allem zur Diffamierung des politischen Gegners. Allein die Veröffentlichung solcher privaten Details in dem FOCUS-Artikel "AFFÄRE: Zielperson Lafontaine" ist durch nichts zu rechtfertigen. Es ist nicht einmal gedeckt durch Riekels Behauptung in ihrem offenen Brief an Renate Künast (sh. unten): "Wenn sich die Informationen nicht bestätigen oder sich nicht verifizieren lassen, berichtet BUNTE nicht".

Die CMK weist ebenfalls alle Vorwürfe von sich und versucht, die Aufmerksamkeit abzulenken auf angeblich gefälschte Protokolle, die der Stern veröffentlicht habe. Aber solche Protokolle sind von völlig untergeordneter Bedeutung, da Burda und die CMK ihre privaten Bespitzelungen gar nicht bestreiten können. Von wem sollten denn BUNTE und FOCUS die veröffentlichten pingeligen Einzelheiten zu diesen Schnüffeleien im Privatleben haben, wenn nicht von der beauftragten Skandal-Agentur?

Der Verlag beruft sich bei diesen Methoden tatsächlich dreist auf den "Ehrenkodex des Deutschen Presserates" und die "Moral der Gesellschaft" (sh. "Stellungnahme der BUNTE-Chefredaktion", 24.2.2010), als ob hier auch nur noch ein Funken von Moral und Ehre zu erkennen wäre. Die FAZ erinnert an das Riesen-Geschäft mit der Lewinsky-Kampagne gegen Bill Clinton und an den Angriff der Republikaner mit ihren reaktionären Medien auf die Wahlchancen für die Demokraten. (Siehe "Wertegemeinschaft der Bäckereikunden", faz.net, 2.3.2010). Auch in Deutschland geht es den FDP-nahen und neoliberalen Medien nicht nur ums Geschäft, sondern besonders darum, dass ihre Selbstbedienung durch Umverteilung nach oben nicht gefährdet wird durch Koalitionen der LINKEN mit anderen Parteien.

In den USA geht der Sklavendienst an den Reaktionären mit ihrem Medienkapital schon deutlich weiter, wenn ein Präsident Clinton sich hinstellt und reuevoll bekennt: "Ich habe gesündigt" und "war nicht zerknirscht genug" ("I was not contrite enough ... to say that I have sinned", historyplace.com, und das Youtube-Video mit Pop-Song-Einleitung durch die leicht bekleideten Spice Girls und, ab Minute 2:15, die Rede mit Unterlegung von Bildern zum weltweiten Unrecht mit Gewalt- und Regierungskriminalität, die die Infamie von solchen Ablenkungsmanövern durch Klatschgeschichten hervorheben.)

Die BUNTE-Chefredakteurin, Patricia Riekel, hat keine Hemmungen, sich genau auf diese Zustände als Muster für ihre Bespitzelungen zu berufen. In ihrer Antwort an Renate Künast, die statt dessen eine Stellungnahme des verantwortlichen Verlagschefs, Hubert Burda, gefordert hatte, schreibt Riekel ungeniert:

Ihnen als aufmerksamer Zeitgenossin ist sicher nicht entgangen, dass in der amerikanischen Demokratie die Wähler von den Medien sorgfältig und detailliert über das persönliche und private Verhalten ihrer politischen Kandidaten informiert werden.

(Sh. den Artikel "Schnüffeltante? Riekel schreibt zurück", sueddeutsche.de, 2.3.2010, mit Riekels offenem Brief an Künast als Anlage. Die fragwürdigen Rechtfertigungsversuche für derartige "Geschäftsmodelle" sind schnell gefunden und lassen sich dort nachlesen. Gegen Riekels merkwürdige juristischen "Argumente" sh. z.B. Wikipedia: Caroline-Urteile.)


Bei den Hetzkampagnen gegen Lafontaine stand der FOCUS stets in vorderster Front. Bis in die Wikipedia schaffte es die Hetze von FOCUS-Chefredakteur Helmut Marktwort in Christiansens ARD-Okkupation gegen die Linke. Zu dieser Markwort-Aktion heißt es in der rossaepfel-theorie unter anderem:

Der Focus-Chefredakteur und mediale FDP-Aktivist Markwort wandte sich zwar bei Christiansen am 12.6.05 mit großer Geste gegen "Beleidigungen und Schmähungen", fand sie "unwürdig und stillos". Das galt aber anscheinend nicht, wenn sie sich gegen Lafontaine und die Linken richten, denn denen warf er "nationalen Sozialismus" vor (sh. Christiansen TV), obwohl die Linken doch als einzige im Weimarer Parlament gegen den Nationalsozialismus aufgetreten sind - gegen die Opportunisten und Karrieristen des konservativen und neoliberalen Establishments.

Solche Diffamierungen durch die Karrieristen, Selbstbediener und ähnliche "Leistungsträger" gegen die Gegner der Umverteilung nach oben wurden angeheizt durch FOCUS-Titel wie:

Es ist bezeichnend, dass gerade ein Vertreter des neoliberalen Establishments wie Roland Koch als Kronzeuge für die Demokratie aufgeboten wird, der selbst seine Wahlkämpfe mit rechtem Populismus bestreitet und "seinen" ZDF-Chefredakteur nach Berlusconi-Art auswechselt (sh. Geierschreck: "Umverteilung nach oben durch Gleichschaltung der Massenmedien", freitag.de, 28.11.2009.) Gerade diese Selbstbedienung der Umverteilungsprofiteure auf Kosten der Klein- und Normalverdiener war schon immer der tiefere Grund für ihren Klassenkampf von oben gegen die Linke. Dazu heißt es in meinem Kommentar vom 25.1.2010 um 2:06 Uhr unter dem Titel "'Alle Staatsgewalt geht vom...' (Art. 20GG?) Kapital aus!", readers-edition.de:

Diese Weltkriegskatastrophe hat in der Tat "viel Unglück über Millionen von Menschen gebracht", weil sich die "Christlichen" und die Stockkonservativen als Steigbügelhalter für die Nazis hergegeben haben – und das nur, weil es gegen die Linken ging, ähnlich wie die päpstliche Kurie und das italienischen Besitzbürgertum für Mussolini. Wenn ich gegen einen solchen erneuten Klassenkampf von oben mit seinen möglichen braunen Folgen und gegen den Betrug an den Wählern protestiere, dann mag ich einigen wohl – zusammen mit dem zitierten Warren Buffett – als Klassenkämpfer gelten.

Diesen Klassenkampf von oben erklären auch FOCUS-Titel der folgenden Art:

Gegen solche Selbstbedienung stand auch einmal die SPD - mit abnehmender Tendenz - bis die Sozialdemokratie vom Kanzler der Bosse mit seinem Tross zur Jahrtausendwende endgültig verraten wurde. Zu diesem Tross gehörte unter anderen der "Parteisoldat" Müntefering, den der FOCUS deshalb ebenfalls gern als Kronzeugen aufbietet:

Es kann daher nicht überraschen, dass Lafontaine auch einmal - zur Verwunderung vom FDP-FOCUS - einer FDP-Politikerin "huldigt":

Diese Politikerin, Frau Hildegard Hamm-Brücher, hat sich nämlich ihren Charakter bewahrt und ist nach jahrzehntelanger Parteizugehörigkeit angewidert aus diesem Verein ausgetreten.

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Zum offenen Brief von Patricia Riekel an Renate Künast ist noch nachzutragen, warum darin nicht auf die einschlägigen Carolinen-Urteile und andere zutreffende Gerichtsentscheidungen Bezug genommen wird. Man versucht nämlich statt dessen die juristischen Laien mit unpassenden BGH-Urteilen wie folgt zu beeindrucken:

Auch der Bundesgerichtshof hat in zwei jüngeren Entscheidungen (Urteil vom 24.06.2008, abgedruckt in NJW 2008, 3134, sowie vom 19.05.2009, abgedruckt in GRUR 2009, 1089) ausdrücklich ausgesprochen, dass sogar das Privatleben ehemaliger Spitzenpolitiker (Heide Simonis, Joschka Fischer) zulässiger Gegenstand von Berichterstattung ist, obwohl hier Auswirkungen auf die Amtsführung gar nicht mehr eintreten konnten. Maßgeblich war die Leitbildfunktion, die mit dem Rückzug aus der aktiven Politik nicht entfiel. Deshalb durfte BUNTE ein Foto der Villa zeigen, die sich der ehemalige Hausbesetzer Joschka Fischer als Alterssitz ausgesucht hatte. Auch hier ist die Rechtsprechung offenbar vielen voraus, die sich jetzt zu Wort melden: Sie hat verstanden, dass politische Meinungsbildung ein komplexer Prozess ist, in dem auch der Übergang verdienter Politiker in den Ruhestand Auswirkungen auf zukünftige Präferenzen haben kann.

Tatsächlich ging es aber bei Joschka Fischer um ein Foto von der Außenansicht seiner neuen Berliner Pracht-Villa als angemessener Residenz für den neuen Berater des Nabuco-Pipeline-Konzerns und ehemaligen scheinrevolutionären Turnschuhminister aus einer Frankfurter Hausbesetzer-WG, ebenfalls im dortigen Villenviertel (sh. „Berichterstattung über Hauskauf Joschka Fischers war zulässig“, BGH Pressemitteilung 110/2009 v. 19.5.2009 und das Urteil Aktenzeichen VI ZR 160/08 unter juris.bundesgerichtshof.de.

Gegen die bloße Außenansicht hatte das Gericht bei diesem Karrierewechsel nichts einzuwenden. Bei Lafontaine ging es dagegen um die Ausrichtung einer „Überwachungskamera auf sein Wohnzimmer“ zur Schnüffelei im privatesten Bereich, wobei man tatsächlich berichtet hat, wann nach der vergeblichen Verfolgungsjagd zur Aufdeckung einer Affäre dort abends das Licht ausgeschaltet wurde.

Das andere Urteils-Zitat zu Fotos von Heide Simonis dient ebenso nur als Blendwerk für juristische Laien, denn es betrifft lediglich das Foto von einer gerade zurückgetretenen Ministerin beim Einkaufen. Dazu schreibt der BGH:

Für Personen des politischen Lebens ist ein gesteigertes Informationsinteresse des Publikums anzuerkennen. Die Fotos, welche die Klägerin in unverfänglichen Situationen in einem frequentierten Einkaufszentrum zeigen, wurden an dem Tag gefertigt, als die Klägerin nach rund zwölfjähriger Amtszeit unter spektakulären Umständen als Ministerpräsidentin abgelöst wurde. Im Hinblick darauf ist ein erhebliches Interesse der Öffentlichkeit an dem Verhalten der Klägerin unmittelbar nach ihrem Amtsverlust anzuerkennen.

(Sh. BGH Pressemitteilung Nr. 120/2008 v. 24.6.2008 und das Urteil VI ZR 156/06 unter juris.bundesgerichtshof.de).

Collage: Geierschreck

11:10 04.03.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Geierschreck

Gegner der Arbeitsplatzvernichtung durch Umverteilung nach oben und durch Wählertäuschung, also des „christlichen“, „sozialdemokratischen“ und sonstigen Neoliberalismus; Anhänger der „Goldenen Regel“; Finanzökonom, aber auch ehemaliger Außenseiter-Student der Frankfurter Schule.
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