Der mysteriöse Tod des Kim Jong Nam

Nordkorea Am Montagmorgen ereignete sich am Flughafen von Kuala Lumpur ein mysteriöser Todesfall. Bei dem Toten handelte sich um den Bruder des nordkoreanischen Staatschefs.
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Es war gegen 9:00 örtlicher Zeit, als ein Mann mittleren Alters vor dem Flughafenschalter in Malaysia zusammenbrach. Er verstarb kurz darauf auf dem Weg ins Krankenhaus. Bisher nichts ungewöhnliches, könnte man denken. Wären da nicht die zwei Frauen gewesen, die kurz zuvor dem Mann -hier gehen die Quellen auseinander- eine Flüssigkeit ins Gesicht gespritzt, beziehungsweise einen mit einer solchen getränkten Lappen ins Gesicht gehalten haben sollen und danach vom Ort des Geschehens geflohen sind. Bei dem Verstorbenen handelt es sich übrigens um keinen Geringeren als den Bruder des amtierenden nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong Un. Der 45-jährige Kim Jong Nam.

Kim Jong Nam war der ältere Halbbruder väterlicherseits von Kim Jong Un. Er war Gerüchten zufolge in dem dynastischen Staat ursprünglich für die Nachfolge auf seinen Vater Kim Jong Il vorgesehen, fiel jedoch bei diesem in den frühen 2000ern in Ungnade. Kim lebte daraufhin im Ausland, vorwiegend in Macao. Nach dem Tod Kim Jong Ils 2011 trat dessen jüngster Sohn, Kim Jong Un, die Nachfolge an.

Im Exil fiel Kim Jong Nam vor allem durch seinen ausschweifenden Lebensstil mit vielen Reisen auf. Nach dem Tod seines Vaters äußerte sich Kim zum ersten mal negativ über das politische System in seinem Heimatland und räumte seinem jüngeren Bruder nicht die Fähigkeit ein, das Land lange regieren zu können. Ähnliches liess auch Kims mittlerweile 21 jähriger Sohn, der wie sein Vater im Ausland lebt und dort studiert, gegenüber ausländischen Medien verlauten. Eine Gefahr für die Herrschaft seines Bruders stellte Kim Jong Nam jedoch zu keinem Zeitpunkt dar. Er hatte keinerlei Einfluss im Land.

Die Malaysische Polizei spricht bisher noch nicht von einem Mord. Zur Stunde wird das Obduktionsergebnis erwartet. Eine der verdächtigten Frauen konnte bereits festgenommen werden. Es handelt sich ihren Papieren nach um eine 29 jährige Vietnamesin. Die Frau war Aussagen zufolge mit einer älteren Komplizin, die bereits tot sein soll, in einem gewöhnlichen Taxi vom Flughafen geflüchtet. Desweiteren soll sich noch eine Gruppe von verdächtigen Männern in einem Restaurant in der Nähe befunden haben, die im Anschluss ebenfalls den Terminal verliess.

Eingebetteter Medieninhalt

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Das Ableben Kims wirft viele Fragen auf. Etwa die, wenn Nordkorea die Absicht gehabt habe Kim zu töten, warum es das erst jetzt getan hat und nicht schon viel früher. Kim Jong Nam soll zwar zeitweise unter polizeilicher Bewachung gestanden haben, aber das sollte für einen Geheimdienst kein Problem darstellen. Wieso an einem so öffentlichen Ort wie an einem Flughafen, wo es vor Kameras und Security nur so wimmelt? Warum die planlose Flucht in einem Taxi, mit anschließender Festnahme der Täterin durch die Polizei? Dass der nordkoreanische Geheimdienst Erfahrung im Entführen von Leuten hat, hat er in der Vergangenheit schon eindrucksvoll bewiesen. Und zu guter Letzt, woher kam eigentlich das Geld für Kim Jong Nams extravaganten Lebensstil im Spielerparadies Macao? Nicht wenige Analysten gehen davon aus, dass Kim bis zuletzt von Überweisungen aus Nordkorea gelebt hat.

Die Botschaft Nordkoreas in Malaysia bestreitet derweil jedes Mitwissen am Tode Kims, der sich unter dem Pseudonym "Kim Chol" in Malaysia bewegte. Die Botschaft hat offiziell die Überführung der sterblichen Überreste beantragt. Laut örtlicher Medien wurde der Wagen des nordkoreanischen Botschafters in dem Krankenhaus beobachtet, in dem Kims Leichnahm gegenwärtig obduziert wird. In Nordkorea selber dürfte die Existenz Kim Jong Nams nahezu gänzlich unbekannt sein. Die Medien berichten stattdessen über die Vorbereitungen zu den jährlichen Festlichkeiten zum "Tag des strahlenden Sterns" am 16.2., wie der Geburtstag des 2011 verstorbenen Staatschefs Kim Jong Il in der offiziellen Darstellung Nordkoreas genannt wird.

21:14 15.02.2017
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