Nordkorea nach der Säuberung

Resümee Ein Jahr ohne Jang Song Thaek
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Vor gut einem Jahr wurde Jang Song Thaek, Kim Jong Uns Onkel und der bis dahin von vielen Analysten als zweitmächtigster Mann im Staate, von manchen sogar als "heimlicher Puppenspieler hinter Kim Jong Un" gehandelte nordkoreanische Spitzenkader, während einer Sitzung der Partei öffentlichkeitswirksam verhaftet, anschließend einer mannigfaltigen Palette von Vergehen wegen angeklagt und kurz darauf hingerichtet.

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Jang Song Thaek nach seinem Ausschluss aus der Partei, auf einer Sondersitzung des Politbüros der Partei der Arbeit Koreas am 8. Dezember 2014, abgeführt von Beamten des Ministeriums für Volkssicherheit

Foto: KCTV

Dieses Ereignis markiert wohl den wichtigsten Einschnitt in der jüngsten Geschichte des Landes, sowie in der noch jungen Ära Kim Jong Un.

Die Beseitigung Jangs, sowie die anschließende Säuberung des Machtapparates von seinen Anhängern, machte deutlich, dass bei der Übertragung der Nachfolge auf den jungen Kim nicht alles so reibungslos ablief, wie es bis dahin für Außenstehende wahrnehmbar war.

Doch wie ist die Lage in Nordkorea jetzt, nachdem sich Jangs Sturz nun bald zum ersten mal jährt?

Verhältnis zu China verschlechtert

Jang wurde eine starke Nähe zu Peking nachgesagt.Zuletzt besuchte er noch im August 2012 China.Jangs Exekution, aber auch Differenzen um Nordkoreas Atom- sowie Raketenprogramm, sorgten innerhalb der politischen Beziehungen beider Staaten für Irritationen.Das Verhältnis zwischen den Führungen in Peking und Pjöngjang, das in der späten Kim Jong Il-Ära noch ziemlich gut war, hat sich merklich verschlechtert.

Ein Symbol für diese Entwicklung ist die neue Brücke zwischen der chinesischen Grenzstadt Dandong und Nordkorea am Yalu-Fluss.Sie sollte, als Gemeinschaftsprojekt zwischen beiden Staaten noch in der Ära Kim Jong Il begonnen, eigentlich bereits im Oktober eröffnet werden.Nun aber führt sie, von ihren chinesischen Bauherren bereits so gut wie fertiggestellt, auf der anderen Seite des Flusses in einen Acker.Die von den Nordkoreanern zugesagte Infrastruktur ist nirgens zu sehen.Auch der Bau der Autobahnverbindung zwischen Pjöngjang und der chinesischen Grenze geht nur schleppend voran.

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Brückenpojekt zwischen China (links) und Nordkorea (rechts), fehlende Infrastruktur auf der nordkoreanischen Seite

Die aktuelle Unzufriedenheit mit den Chinesen führt in Pjöngjang, wo man schon im kalten Krieg das geschickte Lavieren zwischen China und der Sowjetunion bei gleichzeitiger Erhaltung eines Maximums an eigener Handlungsfreiheit perfektioniert hatte, zu einer Neuauflage dieser Strategie.In der Tat scheinen sich die Nordkoreaner momentan ihrem anderen großen Nachbarn zuzuwenden.

Beziehungen zu Russland im Aufwind

Im vergangenen Monat besuchte Choe Ryong Hae, ein naher Vertrauter Kim Jong Uns, Russland, im Status eines persönlicher Sondergesandten.Dabei wurde unter anderem eine Modernisierung der nordkoreanischen Eisenbahninfrastruktur mit russischer Hilfe vereinbart.

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Choe Ryong Hae mit Putin

Foto: KCNA

Im allgemeinen scheint Nordkorea von der Verschlechterung der Beziehungen Russlands zu den westlichen Staaten im laufe des letzten Jahres zu profitieren.Beziehungsweise zeigt Russland offen mehr Verständnis gegenüber den Sicherheitsbedenken Pjöngjangs im Zusammenhang mit der Rüstung auf der koreanischen Halbinsel sowie im asiatisch-pazifischen Raum.

Innenpolitische Situation stabil

Innenpolitisch scheint die Säuberung gegen Jang keine Schäden für die Herrschaft Kim Jong Uns hinterlassen zu haben.Es kam auch nicht zur erwarteten zur Flucht hochrangiger nordkoreanischer Politiker.Selbst im Ausland weilende Vetraute Jangs, die dort Botschafterposten bekleideten, und von diesen zurück berufen worden sind, kehrten brav nach Nordkorea heim.Wo sie ein unklares Schicksal erwartet.Alles in allem, kann das Jahr 2014 als ein weiteres erfolgreiches Jahr in der Konsolodierung von Kims Herrschaft bezeichnet werden.Die Eliten wurden, auch durch das Mittel der Einschüchterung, stärker an die Führung gebunden.Und es wurden klare Grenzen gesetzt, was den Ausbau persönlicher Seilschaften unter Führungskadern betrifft.

Was macht eigentlich..Kim Jong Uns Tante?

Jang Song Thaek war mit Kim Kyong Hui, der Schwester des verstorbenen Staatschefs Kim Jong Il sowie Tante Kim Jong Uns, verheiratet.Seit dem Sturz ihres Mannes ist ihr Schicksal Gegenstand wildester Gerüchte und Spekulationen.Jedoch gab es in der Vergangenheit immer wieder Anzeichen, dass sie von der Säuberung verschont geblieben ist.So wurden etwa erst kürzlich alte Aufnahmen von ihr im Beisein Kim Jong Uns im Staatsfernsehen Nordkoreas ausgestrahlt.Was für ihren Verbleib innerhalb der Eliten des Landes spricht.Im Gegensatz wurden etwa nach Jangs Sturz nachträglich alle Bilder und Erwähnungen von diesem aus Filmaufnahmen sowie Artikeln der nordkoreanischen Medien herausgeschnitten.

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Derselbe Filmbeitrag des nordkoreanischen Staatsfernsehens, mit- und ohne Jang Song Thaek

Foto: Citinews

22:20 04.12.2014
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