Säbelrasseln in Korea

Lösungsansätze Zur gegenwärtigen Krise auf der koreanischen Halbinsel
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Es ist eine düstere Situation, die sich dem Beobachter bei der Betrachtung der momentanen Lage auf der koreanischen Halbinsel bietet. Sie strotzt nur so vor nuklearem Brei und schäumender Kriegsrhetorik, die zurzeit von allen Seiten abgesondert werden. Auf der einen Seite wird mit atomgetriebenen Flugzeugträgern und so vielen Soldaten wie noch nie die Invasion Nordkoreas geprobt, auf der anderen macht man seine Raketen scharf und droht mit der Auslöschung Manhattans.

Gewollte Eskalation

So wie jedes Jahr stehen auch diesen März und April wieder die alljährlichen Großmanöver der US-Streitkräfte mit denen Südkoreas an. Und so wie jedes Jahr sorgen diese Manöver im Norden für ein mal kleineres, mal größeres Echo. Dieses ist wohl eines der Jahre, in denen das Echo wieder etwas größer ausfällt. So hat Pjöngjang bereits im Januar einen Atomtest, sowie im Februar einen Satellitenstart durchgeführt. Daraufhin wurden durch den UN-Sicherheitsrat härtere Sanktionen verabschiedet und Südkorea stellte die Zusammenarbeit mit dem Norden im gemeinsamen Industriepark Kaesong ein. Die Schließung des Industrieparks wurde von vielen Seiten kritisiert, u.a. wird dabei auf dessen Funktion als Kommunikationskanal zwischen den beiden Koreas verwiesen. Kommuniziert wird jedoch momentan sowieso eher wenig miteinander- es sei denn man ist bereit, die gegenseitigen Drohungen bzw. den besagten nuklearen Brei, den man sich gegenseitig an den Kopf wirft, als Kommunikation zu bezeichnen. Viel eher, so scheint es, gibt man sich auf allen Seiten der Eskalation hin- und das sehr gewollt. Auf der Makroebene sei hier auf den amerikanisch-chinesischen Konflikt im südchinesischen Meer und die damit zusammenhängende Aufrüstung der Amerikaner im asiatisch-pazifischen Raum verwiesen, für die Nordkorea einen willkommenen Vorwand liefert.

Krieg als mögliches Szenario?

Auch wenn alle Seiten derzeit unverblümt davon sprechen sich gegenseitig auszulöschen, ist ein Kriegsausbruch dennoch mehr als unwahrscheinlich. Nicht nur aufgrund des militärisch völligen Wahnsinns einer solchen Unternehmung, sondern auch auf wirtschaftlich-politischer Ebene. Um das verständlicher zu machen, helfen einige Gedanken zu den möglichen politischen Folgen eines Krieges. Vorneweg: Ein Krieg, ganz unabhängig davon wer ihn "gewinnt" (in solch einem Szenario gäbe es wohl nur Verlierer), würde gleichzeitig das Ende für beide koreanischen Staaten bedeuten. Nicht nur aufgrund der reinen Zerstörungen (die mindestens stark wären, wohl aber eher verheerend) sondern weil die unterschiedlichen Wirtschafts bzw. politischen Systeme einander krank machen würden. So würden im Falle einer Vereinnahmung Nordkoreas durch den Süden finanzielle Belastungen auf Seoul zukommen, die das Land wirtschaftlich in die untersten Ränge der dritten Welt befördern könnten. Im Gegenzug stelle man sich eine Expansion des totalitären nordkoreanischen Staatswesens nach Süden hin vor, hinein in eine Bevölkerung, die seit über einem halben Jahrhundert im Kapitalismus lebt und seit der Demokratiebewegung in den 80ern etwas praktiziert, das man wohl als eine westlich-demokratische Gesellschaft bezeichnen könnte. Diese Gesellschaft zu integrieren, würde das System des Nordens noch viel schneller sprengen als es der gegenwärtige Zustand jemals tun könnte. Oben erwähnte Punkte würden im übrigen auch für eine Systemübernahme ohne Krieg gelten.

Wenn also Krieg und feindliche Übernahme Blödsinn ist, und wir davon ausgehen, das alle Seiten sich darüber im klaren sind, warum noch Kriegspiele und Atombomben?

Es ist ein vertrackte Situation, deren Gründe wohl irgendwo mit der Verweigerung der USA mit Nordkorea auf Augenhöhe zu kommunizieren und eine Entspannung zu suchen, sowie mit dem Festhalten des Nordens an seiner nuklearen Keule zusammenhängen. Die Kriegsspiele der USA mit den Südkoreanern (die ich für ausgesprochenen Blödsinn halte) geben dem Norden das Gefühl nur noch mehr aufrüsten zu müssen, um sich eventuelle Angreifer vom Hals zu halten. Gleichzeitig aber stellen die Amerikaner als Vorbedingung für einen Dialog, der eine Entspannung einleiten könnte, die sofortige nukleare Abrüstung Nordkoreas. Eine Bedingung, die für diese -das Schicksal Gaddafis noch vor Augen- allein aus existenziellen Gründen nicht erfüllbar sein kann. Mal ganz ehrlich, wenn man einem Rudel Wölfen gegenübersteht und diese einem sagen, man solle seine Waffen senken und dann reden wir darüber ob wir dich vielleicht nicht fressen..naja, dann ist das nicht so ganz plausibel. Also handelt es sich um einen Teufelskreis, der einen Dialog verhindert. Der erste Impuls muss hier also von den Amerikanern ausgehen. Diese müssen dem Norden klarmachen, dass sie nicht an der Beendigung seiner Existenz interessiert sind.

Was ist zu tun?

Bescheuerte (Achtung: Verstärkte Meinung des Autors) Kriegsmanöver unterlassen und keine ebenso bescheuerten Sanktionen mehr verhängen, die den Norden nur weiterhin in seiner Strategie der nuklearen Abschreckung bestätigen und gleichzeitig den Märkten im Land schaden- und so marktwirtschaftliche Tendenzen ruinieren. Die gibt es nämlich zweifelsohne in Nordkorea. Andrei Lankov bezeichnete das Land in einem überaus hörenswerten Interview jüngst sogar als "kapitalistischer denn China". Unsinnige Aktionen wie die Schließung des Kaesong-Industrieparks, die den Austausch und die Kommunikation zwischen den beiden Koreas blockieren, sind ebenfalls schnellstmöglich rückgängig zu machen. Und natürlich ist jede weitere militärische Aufrüstung sofort zu stoppen. Nicht nur in Korea, sondern im asiatisch-pazifischen Raum gleichermaßen, sowie natürlich im globalen Kontext.

Entgegen aller Rhetorik aus Pjöngjang gibt wohl tatsächlich nichts was sich die Führung im Norden sehnlicher wünscht als einen Friedensvertrag mit den USA. Dieser würde, zusammen mit einem Abzug des amerikanischen Militärs von der koreanischen Halbinsel, ein Klima schaffen, in dem der Norden seine Atomwaffen aufgeben könnte. Bei diesem Prozess könnten China und Russland zusammen mit der UN eine konstruktive Rolle spielen. Die beiden Koreas blieben getrennt, was den Interessen Chinas und den USA zugleich entgegenkäme. Jedoch unter friedlichen Vorzeichen und auf Basis des gegenseitigen Respekts sowie wirtschaftlichen wie politischen Austausches in der Region. Solch ein "Make love (and money)- not war" Szenario entspricht natürlich, zugegeben, bei all dem momentanen militärischen Geklapper fast schon Science Fiction. Eine nüchterne Betrachtungsweise aber zeigt, dass Ansätze zu solch einer Lösung bereits vorhanden sind. Und dass sie die wenigsten Schmerzen bei maximalem Gewinn für alle Beteiligten verursachen würde.

Es gibt nur einen einzigen gangbaren Weg und das ist der der friedlichen Koexistenz.

09:43 15.03.2016
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