Angelika Gutsche

Ihre Reisen führten sie neben Indien, den USA, Russland und dem Jemen unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan.
Angelika Gutsche
RE: Kurznachrichten Libyen - 04.06.2021 | 10.06.2021 | 15:17

Leider ist Libyen bei den Medien ein schwarzes Loch. Es ist ja zu schlimm, was 2011 angerichtet wurde. Da können Anschläge, Massaker, sonst was passieren, es wird einfach nicht berichtet.

RE: Kurznachrichten Libyen - 04.06.2021 | 10.06.2021 | 15:16

Gerade das durch und durch kaputte Algerien! Die vor lauter Problemen weder aus noch ein wissen. Das möchte ich mal sehen, dass die in Libyen einmarschieren.

RE: Kurznachrichten Libyen - 04.06.2021 | 10.06.2021 | 15:14

Vorab: Meines Wissens wude Saif al-Islam Gaddafi nicht von den Amazigh (Berbern) gefangen genommen, sondern von einer Miliz aus Zinten, die ihn aufgrund des Amnestiegesetzes später auch wieder freiließ.

Tatsächlich waren und sind die Amazigh den arabischen Stämmen gegenüber feindlich eingestellt und waren es auch gegenüber Gaddafi. Von den USA/GB wurden die Amazigh im Kampf gegen die Dschamahirija-Regierung instrumentalisiert und unterstützt. Heute tun sie sich besonders im Schmuggel und als Schleuser hervor. Sie haben viel zu verlieren, sollte Libyen aus dem Failed-State-Zustand herauskommen.

Wie schon x-mal geschrieben, bin ich absolut keine Fürsprecherin von Haftar. Haftar hat genauso mitgeholfen, Libyen 2011 ins Unglück zu stürzen, wie das die Nato - mit Hilfe der Türkei und anderen arabischen Staaten - getan hat. Nichtsdestotrotz ist die LNA die einzige Armee, die wirklich den Namen Armee verdient - im Gegensatz zu den schwachen, wilden Milizenhaufen im westlichen Libyen, die ohne die Türkei schon längst untergegangen wären.

Wie sich die Armee dann mal benennen wird, das kann alles nach den Wahlen geklärt werden. Und natürlich würden westliche militärische Kräfte in die Armee integriert werden.

Und tatsächlich gibt es das libysche Parlament und als Parlamentspräsidenten Aguila Saleh. Der Ansprechpartner dürfte nicht Haftar sein, sondern Saleh. Warum wird gerade Haftar von den ausländischen Kräften so hoch gehandelt? Damit die Spaltung des Landes aufrechterhalten werden kann. Dass Haftar seine eigene Agenda oder die von wer weiß genau welchen Auslandskräften verfolgt, sei dahingestellt.

Außerdem würde ich empfehlen, bei bestimmten politischen Informationen nicht gerade das von der CIA kontrollierte Wikipedia als Quelle heranzuziehen.

Das Abkommen, das Ägypten mit Libyen (mit vormaliger Tobruk-Regierung) geschlossen hat, um 2020 den Vormarsch der Türkei ins östliche Libyen und deren Zugriff auf die libyschen Ölquellen zu stoppen, ist keinesfalls vergleichbar mit dem Abkommen, das Algerien mit Libyen unter der jetzigen GNU-Regierung geschlossen hat. Die GNU-Regierung wird von allen inländischen und ausländischen Kräften als Übergangsregierung bis Dezember anerkannt (wenn auch aufgrund ihrer mangelnden Legalität zähnekrischend).

Und wieso bitte soll "LibyanCitizen" mein Freund sein? Weil ich manchmal eine Info von ihm übernehme, die mir gut belegt erscheint?

Dass Libyen seit 2011 nur noch durch ausländische Mächte fremdbestimmt ist: eine traurige Wahrheit. Allerdings sind dort auch Franzosen, Briten und viele andere Staaten militärisch unterwegs. Zu verdanken ist das der Nato, den Moslembrüdern und allen, die sie 2011 unterstützt haben. Das der 17.02. Nationalfeiertag ist: Den Tag der Zerstörung des eigenen Staates zum Nationalfeiertag zu erheben, das ist wirklich ein starkes Stück!

RE: Kurznachrichten Libyen - 04.06.2021 | 06.06.2021 | 12:27

Dass einiges der Propaganda geschuldet ist, mag schon sein. Allerdings ist Ihre obige Darstellung der Ereignisse von 2014 reine Propaganda und Geschichtsfälschung. Bei den Parlamentswahlen erlitten die Parteien der Moslembruderschaft eine krachende Niederlage und erkannten das Ergebnis nicht an und waren auch nicht bereit, die Macht abzutreten. Radikal-islamistische Käfte (von Al-Kaida über Ansar asch-Scharia, Moslembruderschaft, ISIS und andere) schlossen sich unter dem Namen „ Libya Dawn“ („Libysche Morgenröte“) zusammen, intensivierten die in der Stadt ausgeübten Gewalttaten noch einmal. Dutzende Politiker, Journalisten und Aktivisten wurden in Tripolis gefangengenommen, gekidnappt oder gleich ermordet. Es kam zum Bürgerkrieg zwischen den Kräften von Haftar, die sich unter dem Namen "Dignity" (Würde) zusammengeschlossen hatten und dem Libya Dawn. Besonders gefürchtet und gehasst waren die Milizen aus Misrata, die beispielsweise für den Großbrand und die Zerstörung des Internationalen Flughafens von Tripolis verantwortlich waren.

Das alte libysche Parlament, dessen Mitglieder mit der „Dawn of Libya“ sympathisieren, trat weiterhin in Tripolis zusammen, obwohl dessen Repräsentanten nach den Juni-Wahlen aufgefordert worden waren, zurückzutreten. Von diesem islamistisch ausgerichteten GNC (General National Congress), der sich weigerte, die Legitimität der neuen Versammlung, das Parlament, anzuerkennen, wurde der pro-islamistische Politiker Omar Al-Hasi am 25. August zum Premierminister gewählt. Die „Dawn of Libya“ sicherte ihm die Kontrolle über Tripolis.

Tatsächlich hatte damals ein Gericht die Wahlen von 2014 aus naheliegenden und höchstumstrittenen Gründen für ungültig erklärt. Drei Richter waren zurückgetreten, die damit ihr Leben und das ihrer Familien riskierten. Verbleibende Richter wurden mit auf ihren Kopf zielenden Gewehren zur Zustimmung genötigt. Der Druck durch die in Tripolis herrschende „Dawn of Libya“ war enorm.

Bis heute ist das demokratisch gewählte Parlament von der UN und der internationalen Gemeinschaft anerkannt.

Extem-islamistische Kräfte und Moslembruderschaft wurden und werden immer noch massiv von westlichen Staaten als ihre Proxykämpfer unterstützt. Ihr militärischer Arm ist die Türkei, die seit letztem Jahr westliche Teile Libyens militärisch besetzt hält.

Siehe auch: "Nach der Militärparade der LNA hissen syrische Söldner die türkische Flagge im Yarmouk Militärlager"https://almarsad.co/en/2021/06/02/after-lna-military-parade-syrian-mercenaries-raise-turkish-flag-at-yarmouk-camp/?fbclid=IwAR3hPN-JMCQ1J2rozCyA8qTVv7KJGPgFOR8sWn7366-_o04uztWur_9CPdg

Im Yarmouk-Militärcamp halten sich tausende syrische Söldner auf, die von der Türkei nach Libyen gebracht wurden. Sie werden von Milizen des Miltiärbündnisses "Vulkan des Zorns" bewacht. Die dort ansässigen Libyer waren sehr erzürnt über das Hissen der türkischen Flagge.

Es existieren über all die Jahre Umfragen, die zeigen, dass Moslembruderschaft und türkische Kolonisatoren sich in Libyen keinerlei Beliebtheit erfreuen. Libyen will Souveränität und Selbstbestimmung. Deshalb wird sich die Türkei mit allen Kräften wehren, ihre militärischen Stellungen in Libyen zu räumen - hat es dort mit Hilfe der Moslembrüder Zugriff auf die libyschen Gelder. Das wissen die Libyer doch, dass es der Türkei um Bereicherung geht, damit die eigene Wirtschaft nicht völlig zusammenkracht.

Es steht zu befürchten, sollte es überhaupt zu Dezemberwahlen 2021 kommen, dass die Ergebnisse von der Moslembruderschaft wie schon 2014 wiederum nicht anerkannt werden. Damit freie Wahlen stattfinden können, müssten alle ausländischen Söldner und Militärs Libyen verlassen.

Damit wieder ein libyscher Staat aufgebaut werden kann, muss die Milizenherrschaft beendet werden. Dies kann nur dadurch geschehen, dass das Gewaltmonopol wieder beim Staat liegt, der über eine funktionierende Armee und Polizei verfügt.

Dagegen ist die Besatzungsmacht Türkei darauf angewiesen, dass sie von den verschiedenen Milizen in Tripolis, Misrata und einige Teile Westlibyens unterstützt wird, weil sie sich sonst nicht im Land halten kann. Und die Milizen können sich nicht halten, wenn sie nicht militärisch von der Besatzungsmacht Türkei Unterstützung finden.

Haftar selbst ist der vom Parlament berufene Kommandant der LNA, aber er ist nicht der politische Führer Libyens und wird es nie sein. Dieser soll im Dezember in Form des Premierministers vom Volk gewählt werden.

Libyen soll im Zustand eines Failed State gehalten werden, damit sich alle bedienen und die Taschen vollstopfen können. Dafür wird die GNU-Übergangsregierung unter Dabaiba vorgeschoben, die so tut, als gebe es einen libyschen Staat, mit dem man Wirtschaftsverträge schließen kann, der in der Realität aber überhaupt nicht existiert, solange es eine Milizenherrschaft unter dem Schutz der Türkei gibt. Die libysche Bevölkerung ist damit völlig egal, die kann ruhig verelenden.

Seit 2011, seit dem Sturz der Dschamahirija-Regierung und der Ermordung Gaddafis befindet sich Libyen in einer desaströsen Lage - ausgelöst durch den Nato-Krieg mit Hilfe der dschihadistischen Proxy-Krieger und Moslembrüder. Und nichts wird besser, alles wird nur immer schlimmer, solange es nicht gelingt, die Milizenherrschaft zu beenden und ein staatliches Gewaltmonopol aufzubauen.

RE: Lockerbie: Neue Beweise unerwünscht | 09.05.2021 | 22:46

Zur Ergänzung:

Libyen versuchte, sich mit gerichtlichen Mitteln zu wehren und rief am 3. März 1992 den Internationalen Gerichtshof in Den Haag an. Die USA und Großbritannien sollten verpflichtet werden, die Androhung von Gewalt gegen Libyen zu unterlassen. Doch noch bevor Den Haag sich zu Wort melden konnte, erließ der UN-Sicherheitsrat am 31. März 1992 die Resolution 748, die Libyen mit umfassenden Sanktionen bezüglich Luftfahrt, Technologietransfer und diplomatischen Vertretungen belegte. Am 11. November 1993 wurden die Sanktionen mittels der UN-Resolution 883 noch einmal verschärft: Staaten sollten Konten und Vermögenswerte Libyens und ihrer Repräsentanten einfrieren. Obwohl kein Ölembargo verhängt worden war, machten sich die Sanktionen für Libyen bitter bemerkbar, beeinträchtigten die weitere Entwicklung des Landes und hinterließen spürbaren Schaden in Wirtschaft und Gesellschaft. Libyen bestritt weiter hartnäckig, für die beiden Flugabstürze in Schottland und im Niger verantwortlich gewesen zu sein. Nicht nur die Afrikanische Union (OAU) und die Arabische Liga (AL), auch die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) und die Bewegung der Blockfreien Staaten (Non-Aligned Movement – NAM) stellten sich auf die Seite Libyens. Besonders die OAU berief sich dabei immer wieder auf die UN-Charta, in der die Pflicht zur Respektierung der Souveränität von Staaten und zur friedlichen Streitbeilegung festgeschrieben ist.

Doch auch in den westlichen Staaten stießen die Sanktionen auf immer größere Kritik. Libyens „Internationale Gaddafi Stiftung“ hatte wiederholt eine wichtige Vermittlerrolle bei Verhandlungen mit Geiselnehmern gespielt, so im Jahr 2000 als auf den Philippinen westliche Touristen von Islamisten gekidnappt worden waren. Dies war in Europa positiv zur Kenntnis genommen worden.

Im Dezember 1996 erklärte al-Megrahi, sich in einem neutralen Land einem Gerichtsprozess stellen zu wollen, um seine Unschuld zu beweisen. Anlässlich eines Staatsbesuchs von Nelson Mandela in Libyen im Jahre 1997 geißelte dieser die „Arroganz der USA“ und unterstützte die Forderung der Arabischen Liga und der Organisation für Afrikanische Einheit nach Aufhebung der gegen Libyen verhängten Sanktionen. Mandela hatte auch versucht, zwischen Libyen und dem Westen zu vermitteln. Die UN erklärten sich bereit, einen Beobachter zum Lockerbie-Prozess zu entsenden.

Endlich im Februar 1998 erklärte sich der Internationale Gerichtshof in Den Haag zuständig, über die von Libyen eingereichten Klagen zu verhandeln. Mit den Klagen sollten die USA und Großbritannien zur Herausgabe von Beweismitteln über die angebliche Schuld der beiden Libyer gezwungen werden. Allerdings weigerten sich die USA und Großbritannien, die Zuständigkeit des Internationalen Gerichtshofs anzuerkennen. Im August 1998 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat eine erneute Resolution, die besagte, die verhängten Sanktionen aufzuheben, wenn Libyen die beiden Beschuldigten ausliefere. Daraufhin einigten sich Libyen, Großbritannien und die USA, die Beschuldigten in die Niederlande zu überstellen und dort nach schottischem Recht zu urteilen.

Im April 1999 erfolgte die Auslieferung von al-Megrahi und Khalifa Fhimah an ein schottisches Sondergericht. Die gegen Libyen verhängten Sanktionen wurden ausgesetzt. Im April 2003 erklärte sich Libyen bereit, die Verantwortung für die Handlungen der Libyer zu übernehmen und 2,7 Milliarden US-Dollar an die Hinterbliebenen der Opfer zu zahlen. Der UN-Sicherheitsrat hob daraufhin alle Sanktionen vollständig auf. Libyen hatte sich freigekauft. Shukri Ghanem, libyscher Premierminister in den Jahren 2003 bis 2006 sagte in mindestens zwei Radio- und Fernsehinterviews, dass Libyen für den Flugzeugabsturz nicht verantwortlich gewesen wäre und die Abfindung nur deshalb gezahlt hätte, „um Frieden zu erlangen und vorwärts zu kommen.“ Auch Gaddaifs Sohn, Saif al-Islam, äußerte sich zwanzig Jahre später zu den Bekenntnissen: „Wir haben dem UN-Sicherheitsrat in einem Brief geschrieben, dass wir verantwortlich sind für das Handeln unserer Leute. Das heißt aber nicht, dass wir es auch waren… Ich gebe zu, wir haben mit Worten gespielt. Das mussten wir auch. Das ging nicht anders.“

RE: Unsichere Lage im Tschad | 07.05.2021 | 11:51

Soweit ich das beurteilen kann, hat niemand behauptet, dass die Türkei selbst in der Sahelzone operiert. Es ging immer nur um Unterstützung der im Süden Libyens sich aufhaltenden Tschad-Aufständischen und dass die Türkei, die sich gerne also kommende starke Regionalmacht sieht, natürlich sehr gerne einen Korridor in die Sahelstaaten und nach Schwarzafrika hätte, Stichwort "Zugang zu Ressourcen" - denn darum geht es im Grunde doch allen.

Die ganze Lage im Tschad ist verzwickt und auch die Aufständischen ziehen nicht an einem Strang, auch wenn sie sich im Moment verbündet zu haben scheinen. Und wie wir ja wissen, die Allianzen wechseln ständig.

Was ich über die Tschad-Aufständischen gelesen habe:Der Anführer der tschadischen Aufständischen Mahamat Mahadi Ali traf laut eines Berichts von Al-Jazeera im französischen Exil auf Mahamat Nouri, dem es 2008 beinahe gelungen wäre, als Führer der aufständischen UFDD (Union of Forces for Democracy and Development ) den tschadischen Präsidenten Deby zu stürzen. 2015 soll Nouri seinen Mistreiter Mahadi nach Libyen geschickt haben, um dort auf Wunsch von Misrata (Moslembrüder) die UFDD-Kämpfer zu befehligen.Doch Mahadi war umstritten und die Aufständischen spalteten sich auf: die UFDD, die aus Nouri-Loyalisten bestand; die FACT-Splittergruppe unter Mahadi; die CCMSR (Rat des Militärkommandos für die Rettung der Republik), deren politischer Anführer Mahamat Hassani Bulmay jedoch 2017 im Niger verhaftet und an Deby ausgeliefert wurde.2017 übernahm die LNA die Kontrolle über die südlibysche Stadt Dschufra. Die LNA war sowohl ein enger Verbündeter sowohl des Tschads (Déby) als auch Frankreichs. Die mit Misrata verbündete FACT zog sich aber nicht aus dem Gebiet zurück, sondern es kam zu einer Art gegenseitiger Duldung. FACT bezieht seine Unterstützung hauptsächlich aus dem Mahadi-Stamm und wird auch von den Tibu (Tibesti-Gebirge) unterstützt. Es scheinen sich noch andere Stämme angeschlossen zu haben, allerdings sind unter den Stämmen auch Fehden ausgebrochen.Misrata wird von den Moslembrüdern beherrscht und ist ganz eng mit der Türkei liiert ist, Misrata hatte die FACT unterstützte, dann wurde die FACT aber von der LNA geduldet.Die FACT selbst hat behauptet, sie macht ihr ganz eigenes Ding. Natürlich ist sie aber auf Waffen und Ausbildung angewiesen und nimmt sie wahrscheinlich von wem sie sie auch immer bekommen kann. Nun ist es wohl so, dass man den, den man heute bewaffnet, morgen bombardiert, wenn es den eigenen Interessen dienlich ist.Das Grenzgebiet zum Tschad (Sahara) ist unübersichtlich und so unsicher die Lage seit 2011 ist, kaum militärisch zu beherrschen, weder von der ehemaligen 'Einheitsregierung', noch von der LNA. Wer immer also dort die Ortschaften kontrolliert, muss sich von den Kämpfern, die sich dort auch noch aufhalten, tolerieren lassen. Das geht wohl nur für Gegenleistungen. Was die westlichen Staaten im Sahel, v.a. Frankreich, aber auch Deutschland, USA etc., abziehen ist eine Katastrophe, v.a. für die davon betroffenen Menschen. Es geht rein um Geopolitik und Kontrolle von Ressourcen bzw. deren Transportwege und dafür braucht der Westen willfährige Regierungen. Die Türkei meint, sie ist besonders clever: zum einen ist sie Nato-Verbündeter, zum anderen wichtiger Akteur der Moslembruderschaft. In dieser Doppelrolle hat sie es ja auch schon ziemlich weit gebracht. Nato und Moslembruderschaft werden so lange an einem Strang ziehen, wie sie sich gegenseitig nützlich. Danach wird einer den anderen fallen lassen, v.a. wenn die Angst besteht, dass er zu stark wird. Das ist das Spiel. Und das spielen sie alle.

RE: Kurznachrichten Libyen – 05.05.2021 | 06.05.2021 | 18:29

Das war zu erwarten: Die Türkei bietet den Rückzug der syrischen Söldner an, will aber selbst militärisch in Libyen aktiv bleiben.

Vereinbart wurde aber ein Abzug aller Söldner und des gesamten ausländischen Militärs.

RE: Kurznachrichten Libyen – 27.04.2021 | 28.04.2021 | 19:19

Ihnen und den anderen Lesern vielen Dank für das Interesse und auch die Geduld bei der Verfolgung der Ereignisse in Libyen.

RE: Unsichere Lage im Tschad | 25.04.2021 | 09:43

Zustimmen in der FAZ kann man auf jeden Fall dem Satz: "Der Fall Déby wirft ein Schlaglicht auf die Widersprüche der französischen Afrikapolitik." Er wirft aber auch ein Schlaglicht auf die gesamte westliche Kriegspolitik, voller Widersprüche, jeder ist der Feind von jedem, nur noch der militärisch Stärkere setzt sich durch, wobei die Verbündeten ständig wechseln je nachdem, von welcher Seite man sich gerade etwas für den eigenen Vorteil verspricht.

Der Westen hat sich mit seiner MENA-Politik und -Kriegsführung komplett überhoben. Es läuft ihm alles aus dem Ruder. Und das ist gut so.

Und wenn die FAZ irgendetwas von demokratischen Wahlen in diesen ärmsten Ländern der Welt, und das sind die Sahel-Staaten trotz ihres Reichtums an Bodenschätzen, schwätzen, ist das nur lächerlich. Der Westen beschwert sich über korrupte Politiker, bringen aber nur solche an die Macht, denn die sind dann auch bereit, ihre eigenen Landsleute an ausländische Geschäftsinteressen und Poliker zu verkaufen. Und wer nicht pariert, muss weg. Und die Türkei versucht in diesem Spiel an vorderster Front dabei zu sein.

Ich denke auch nicht, dass die Türkei die FACT nicht direkt ausgebildet oder hochgerüstet hat, sondern dass dies indirekt über Milizen der ehemaligen 'Einheitsregierung' geschah und dass die Gelder dafür wahrscheinlich aus Katar kamen.

RE: Unsichere Lage im Tschad | 24.04.2021 | 18:17

Natürlich mussten die GNU-Übergangsregierungsmitglieder zur Beisetzung von Deby reisen - wie hätte das denn sonst ausgesehen?Und tatsächlich: Auf Twitter wird gepostet, von jeder Seite. Hier zeigt die LNA, wie dschadische Söldner, die auf Seiten der 'Einheitsregierung' kämpften, von der LNA festgenommen werden.https://twitter.com/MLNA2021/status/1385679973189668872Und hier ein Video von Tschad-Kämpfern, die den Milizen von Tripolis bei der Eroberung der Tamanhint-Airbase helfen:https://twitter.com/MLNA2021/status/1385679570607775746Und hier Mohamed Mahdi, Anführer der tschadischen Rebellen und Anführer der El-Nahda-Rebellen in einem Video, wie er stolz verkündet: "Nachdem al-Dschufra in die Hände von Haftar gefallen war, ging ich nach Tripolis und kämpfte mit meinen Brüdern in Tripolis gegen Haftar und bin stolz darauf."https://twitter.com/Libyancitizen6/status/1385986943809372161

Und selbstverständlich ist Erdogan daran gelegen, seinen Einfluss in der Region auszuweiten, auch in den Süden, weil er sich als neuer Sultan und die Türkei als bestimmende Regionalmacht sieht. Und Frankreich ist gegen die Türkei, weil es sich seinen Einfluss in seinen Wiederkolonien der Sahelzone nicht streitig machen will.Und natürlich ist die LNA gegen die Türkei und die Moslembrüder und somit auf Seiten der tschadischen Regierung und deshalb unterstützt Frankreich auch die LNA.Und natürlich ist der ganze Sahel seit dem Sturz der Dschamahirija-Regierung durch die Nato und der Ermordung Gaddafis destabilisert - so wie es viele Beobachter vorausgesagt haben.