Angelika Gutsche

Ihre Reisen führten sie neben Indien, den USA, Russland und dem Jemen unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan.
Angelika Gutsche
RE: Kurznachrichten Libyen – 18.01.2021 | 18.01.2021 | 22:45

... und die ganze Misere geht ins zehnte Jahr!

RE: Kurznachrichten Libyen – 24.12.2020 | 31.12.2020 | 10:08

Ganz in Kürze: Bisher hat sich außer der Türkei (!) kein einziges Land gegen die beim 5+5-Militärausschuss getroffene Vereinbarung gewandt, alles ausländische Militär aus Libyen zurückzuziehen. Die Türkei hat ganz im Gegenteil und in Missachtung der Friedensverhandlungen weiterhin massiv aufgerüstet.

RE: ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis gespalten | 16.12.2020 | 19:24

Meinem obigen Artikel liegt in erster Linie ein Artikel in The Arab Weekly zugrunde und kein Al-Marsad-Artikel. Zu meinen Hauptbezugsquellen gehört auch Libya Review. Ich finde, die liefern noch am besten kurze und prägnante Infos. Welche Medien würden Sie mir denn empfehlen?

Es überwiegen beim Libysch-politischen Dialogforum vom UNSMIL die Moslembrüder. Und die Teilnehmer wurden handverlesen ausgewählt von Stephanie Williams, die "ihre" Moslembrüder nicht fallen lassen will. Das hat aber nichts mit meinem obigen Artikel zu tun, in dem es um die Grabenkämpfe und Brüche innerhalb der Moslembrüder in Tripolis geht. Jene, die sich mit der UNSMIL arrangieren wollen und jenen, die die Türkei unterstützen und jede Annäherung an das Parlament/die LNA ablehnen. Welchen Flügel gehören Sie denn an?

Meines Wissens nach wurde der LNA-Marsch auf Tripolis von den USA und Russland gestoppt - der LNA/dem Parlament wurden für die Öffnung der Ölquellen und den Rückzug auf die jetzige Frontlinie zeitnahe Wahlen und die Entfernung aller ausländischen Militärs aus Libyen versprochen. Das will die Türkei verhindern, weil sie sich ihre Militärpräsenz in Libyen nicht nehmen lassen will und auch nicht den Zugang zu den libyschen Ressourcen und Geldern.

"In Libyen ist es Konsens, dass der nächste de facto Herrscher aus Misrata kommt" - ach wirklich? Wer ist denn "Libyen"? Misrata ist die meistverhasste Stadt im ganzen restlichen Libyen. Die Misrata-Milizen haben sich nach 2014 in Tripolis wie die Berserker aufgeführt. Und was geschah mit Tawerga, das heute eine zerstörte Geisterstadt ist, weil die etwa 25.000 Einwohner von Misrata vertrieben worden waren, wenn man sie nicht gleich getötet hat. Misrata, die türkische Stadthalter-Stadt in Libyen, war maßgeblich am Sturz der Dschamahirija 2011 und am Krieg gegen das eigenen Land beteiligt. Was ist da Konsens von wem??? Konsens von den damaligen Kriegsakteuren, die heute von der UNSMIL vertreten werden.

Wer hat denn die Türkei 2019 ins Land geholt? Das war ja wohl Sarradsch. Die Türken sind in Libyen verhasst, insbesondere seit sie die syrischen Söldner ins Land gebracht haben - großer Fehler!, und werden als neue Kolonialherren gesehen, selbst innerhalbder Milizen in Tripolis.

Bashagha muss sich mit Moskau einigen und Haftar kaltstellen? Toller Plan.

Warum setzen Sie sich nicht dafür ein, dass das libysche Volk selbst durch Wahlen bestimmt, was sein zukünftiger politischer Weg sein wird? Fürchten Sie Wahlen?

RE: Als Medium nicht aufgefallen | 13.12.2020 | 14:55

Christina von Dreien kenne ich nicht und nachdem, was ich bei Ihnen über sie gelesen habe, besteht auch kein Bedarf, sie kennenzulernen.

Was mir aber in Ihrem Artikel sehr aufstößt ist die Beziehung, die sie zwischen Dreien und Daniele Ganser herstellen: "In ihrem Webauftritt wirbt von Dreien offen für einen Mann, der anfangs vor allem Frieden verkünden wollte, bis er sich mit seiner universellen Kritik an den USA irgendwann im Kreis extremer Rechter wiederfand: Daniele Ganser."

Ganser ist Historiker, Wissenschaftler und Friedensforscher. Ich habe seine Bücher gelesen und eines sogar rezensiert. Und nirgends findet sich auch nur der Hauch eines Hinweises, dass Ganser ein "Rechter", gar ein "extremer Rechte" wäre oder in diesen Kreis gehört. Tatsächlich kritisiert er die USA wegen ihrer imperialen Politik und dies, wie ich meine, völlig zurecht. Kritik an imperialistischer Politik soll seit neuestem rechts sein??? Geht's noch???

Dass Dreien auch den Daniele Ganser gutfindet, dafür kann er ja wohl wirklich nichts.

Buch-Rezension. In seinem neuen Buch „Imperium USA“ zeigt der Schweizer Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser, wie die USA ihren Machtanspruch auf fremde Länder ausweiten:

https://www.freitag.de/autoren/gela/die-imperialen-mechanismen-einer-weltmacht

RE: Kurznachrichten Libyen - 09.12.2020 | 12.12.2020 | 09:50

Hier ein Kommentar, den ich zu einem anderen Artikel verfasst habe:

Tatsächlich wären auch mit Gaddafi oder bei einem normalen Regierungswechsel nach Gaddafi (er war 2011 ja schon 69 Jahre alt und gesundheitlich stark angeschlagen, hatte keine offiziellen Ämter inne und sich weitgehend aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen) "bessere politische Strukturen" in Libyen möglich gewesen. Was immer das auch heißen mag, denn die Dschamahirija war bemüht, basisdemokratische Grundsätze zu wahren. Die Stämme, die in Libyen als Zivilgesellschaft gesehen werden, waren stark und ohne sie ging und geht auch heute noch nichts. (Nebenbei: Zivilgesellschaft heißt nicht nur, dass vom Westen gesteuerte NGOs das Sagen haben, die durch nichts legitimiert sind). Libyen bemühte sich seit einigen Jahren, sowohl Moslembrüder als auch Minderheiten (Tuareg, Tibu, Berber) besser zu integrieren und ihnen ihre Rechte zuzugestehen. Libyen hatte nicht nur hunderttausende von Gastarbeitern, sondern auch hunderttausende Migranten aus Subsahara Afrika im Land aufgenommen.

Sowohl für seine Frauenpolitik als auch bei der Aufnahme von Migranten musste Gaddafi oft gegen beträchtliche Widerstände der konservativen Würdenträger im Land überwinden.

2011 wurde zu Gaddafi-Zeiten an der Ausarbeitung einer Verfassung gearbeitet (Israel und Großbritannien haben übrigens auch bis heute keine Verfassung), Gaddafis Sohn Saif, der übrigens seinen Doktor in Wirtschaftswissenschaften an der School for Economy in Großbritannien machte, setzte sich für Wirtschaftsreformen ein, die Tochter von Gaddafi, Aischa, eine Anwältin,wurde 2009 zur Ehrenbotschafterin des Entwicklungsprogramms der UNO ernannt und setzte sich in dieser Funktion gegen die Unterdrückung von Frauen in der arabischen Welt ein.

Welches andere arabische Land hat das vorzuweisen?

Dass Libyen zu Zeiten Gaddafis auf dem HumanDevelepmentIndex auf Platz eins der afrikanischen Länder stand sei hier nur nebenbei erwähnt.

Heute ist Libyen ein failed state, dessen Bewohner in die Armut abgerutscht sind, von Krieg und Korruption erschüttert. Dies im Namen der Menschenrechte!

Libyen liegt heute am Boden, die Menschenrechte spielten bei der Ermordung Gaddafis und der Bombardierung des Landes überhaupt keine Rolle, wie sollten sie auch, und heute streiten sich die Staaten, die damals dieses Fiasko verursacht haben, darum, wer die Ölfelder und die libyschen Banken kontrollieren wird. Alle gegen alle, auch innerhalb der EU Frankreich und Italien/Deutschland auf verschiedenen Seiten etc.

Gerade wird von der UNSMIL versucht, eine neue gefakte "Regierung" mit Überhang der Moslembruderschaft zu installieren, die sich nur mit der militärischen Unterstützung der Türkei am Ruder halten kann. Dafür will die Türkei ran an die Ölfelder und an die Banken und bedient sich dabei der Moslembruderschaft und der Nato.

Die Türkei rüstet in Libyen gerade intensiv auf und es wird befürchtet, sie startet in Kürze einen Angriff auf den Ölhalbmond.

Ich würde es mal so sagen: Alle, die an den sog. "arabischen Frühling" glaubten, wurden komplett verarscht. Am meisten jene, die 2011 in Tunesien oder Ägypten demonstrierten und im Austausch für Ben Ali und Mubarak die Moslembrüder bekamen. In Ägypten ist die Mehrheit froh, dass es nun "bloß" wieder ein Militär, as-Sisi, ist. Traurig aber wahr.

Auch ich hoffe, dass es in Libyen gelingt, "die Internationalisierung" des Konflikts zu durchbrechen. Die Libyer sind in der Lage, dank ihrer langen Stammestradionen, sich auszusöhnen und selbst zu organisieren. Doch so verwüstet wie das Land heute ist, wird es lange dauern, bis es annähernd wieder den Stand vor 2011 erreichen könnte. Und die internationalen Kräfte, auch die UNO und die EU, werden alles tun, damit sie weiterhin Kontrolle im Land ausüben können. Sonst wäre ja alles umsonst gewesen...

RE: Kurznachrichten Libyen - 09.12.2020 | 12.12.2020 | 09:45

Wo haben Sie denn das her, dass die Türkei durch ihr Eingreifen eine drohende, blutige Schlacht verhindert hat? Der Kampf um Tripolis hat so wenig Tote wie möglich gefordert (jeder Tote ist einer zuviel, ohne Frage), sie wurde aber rein in den Außenbezirken ausgefochten, deshalb hat sie auch so lange gedauert. Als die Stadt nicht mehr von den Milizen der 'Einheitsregierung' zu halten war, holte Sarradsch die Türkei ins Land. Das geschah ganz sicher mit Rückendeckung der Nato. Der Krieg um Libyen hätte ganz schnell beendet werden können. Die Türkei wird in Libyen als Besatzungsmacht begriffen. Es stimmt, auch der Oberbefehlshaber der Armee, Haftar, wird von vielen Libyern abgelehnt und richtig ist: Ganz viele Libyer sehnen sich einfach nur nach Frieden und geordneten Zuständen im Land.

Aber anstatt dass die UNO auf die libysche Bevölkerung eingeht, wird ihr einfach wieder eine Regierung der Moslembrüder vor die Nase gesetzt, die nun wirklich in Libyen in den letzten fast zehn Jahren alles verbockt haben, was es zu verbocken gibt.

RE: Kurznachrichten Libyen - 09.12.2020 | 12.12.2020 | 09:35

Den Konflikt auf Türkei - Russland verkürzen geht gar nicht. Da mischen die Nato, die USA, die EU (insbesondere Italien mit eigenen Stützpunkt - vor kurzem in Absprache mit Türkei von Misrata nach Tripolis verlegt - mit, Frankreich auf der Seite der LNA, Deutschland mit Italien gegen Frankreich - auch um Vorherrschaft in Europa) und natürlich ist die UN alles andere als unvoreingenommen, sondern vertritt in Libyen mit der US-Sondergesandten, die überhaupt nur übergangsmäßig im Amt ist und schon seit Monaten ersetzt werden sollte, voll die Interessen der USA .

Und jetzt ist natürlich der böse Erdogan und der böse Putin, die Krieg führen. Putin, als Nato-Mitglied, einfach so. Dass Italien ebenfalls mit dieser sog. Einheitsregierung in Tripolis letzte Woche ein Militärabkommen geschlossen hat, wird ausgeblendet!

Die Migranten leiden wirklich sehr in Libyen, allerdings sind sie die einzigen, die mediale Unterstützung und auch UN-Hilfe erhalten.

Die libysche Bevölkerung leidet nun schon fast zehn Jahre unter diesen katastrophalen Bedingungen, medizinische Hilfe, v.a. im Süden, ist Fehlanzeige, ebenso wenig gibt es genügend Nahrung und es bricht ständig der Strom zusammen, kein Bargeld da, sehr schwierige Lebensbedingungen.

RE: Kurznachrichten Libyen - 09.12.2020 | 12.12.2020 | 09:24

Da gebe ich Ihnen recht. Auf das Maulheldentum braucht man nicht viel zu geben. Das ist auch häufig gesteuert. Pereos erwähnt da natürlich nur LNA-Aussagen und schließt sich damit genau dieser Klientel an. Die Moslembruderseite kann bei diesen unsäglichen Aussagen aber gut mithalten.

Die LNA hat Sorgen, dass die Türkei angreifen könnte, dass das Machtvakuum in den USA vor dem Machtübergang genutzt werden könnte, auch was kommt, wenn Biden mit neuer Mannschaft antritt.

Es geht hier nicht um Moskau - Ankara, sondern hinter Ankara steht eindeutig die Nato: „NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg warnte die EU vor einem Bruch mit dem Bündnispartner Türkei. Es gebe Differenzen mit der Türkei, die man angehen müsse, sagte Stoltenberg am Donnerstag wenige Stunden vor Beratungen der Staats- und Regierungschefs der EU über mögliche Sanktionen gegen das Land. Gleichzeitig müsse man aber erkennen, welche Bedeutung die Türkei als Teil der NATO und auch als Teil der >westlichen Familie< habe.“https://de.rt.com/europa/110376-harte-eu-sanktion-bleiben-der-tuerkei-erspart/ Eine brandgefährliche Situation. Verdichten sich doch die Zeichen, dass die Türkei schon in Kürze beabsichtigt, den libyschen Ölhalbmond, der unter der Kontrolle der LNA steht, aus der Luft anzugreifen. Die Nato scheint nichts dagegen zu haben.

Und: 10.10.: Einsatz türkischer Drohnen. Laut der italienischen Zeitung La Repubblica sind am 09.12. türkische Drohnen über die libysche Waffenstillstandslinie von Sirte-al-Dschufra geflogen. Es seien Explosionen zu hören gewesen. Eine offizielle Bestätigung für Luftangriffe gibt bisher es nicht. Zwischen der LNA und der Tükei stiegen die Spannungen, seit die LNA einen türkischen Frachter beschlagnahmt hatte, der in militärisches Sperrgebiet eingedrungen war. https://libyareview.com/8635/turkish-planes-spotted-over-sirte-al-jufra/

Und: +10.12.: NATO Phoenix im Einsatz vor Libyen. Around 12:00 a NATO Northrop Grumman RQ-4D “Phoenix” left Sigonella AB to make a surveillance mission (probably) over Libya. We don’t know the registration of the drone but we know that NATO RQ-4Ds use Italian Hex code (in this case 33FD69).Die Drohne war bis zum Eintritt in die Tripoli FIR verfolgbar, nach einigen Minuten wurde der ADS-B Transponder abgeschaltet.Die Mission wird fortgesetzt (14:30 MEZ) zwischen Kreta und Ostlibyenhttps://www.itamilradar.com/2020/12/10/nato-phoenix-on-task-over-libya/

+ 10.12.: Al-Watiyah Airbase (westliches Libyen, von Türkei besetzt) - Letzte Vorbereitungen des Türkischen Luftwaffeneinsatz. Zwei neue Markierungen auf beiden Seiten der Landebahnen gemalt. Markierungen auf dem Boden deuten darauf hin, dass die Airbase mindestens 12 TAF F-16's oder andere Kampfflugzeuge beherbergen wird. A-400m ATLAS Luftbrücke oder AAR ? *IMINThttps://twitter.com/Obs_IL/status/1336995271201402882

+ 10.12.: Verstoß gegen Waffenembargo/Türkei. Die UN haben ihre Besorgnis über die jüngsten Berichte aus Libyen zum Ausdruck gebracht und die rivalisierenden Parteien aufgefordert, das Waffenstillstandsabkommen einzuhalten und den Erfolg der laufenden politischen Gespräche nicht zu gefährden. Insbesondere verstößt die Türkei gegen das am 23. Oktober in Genf unterzeichnete Waffenstillstandsabkommen. Sie liefert weiterhin militärische Güter, Söldner und Waffen an die 'Einheitsregierung'. Flugverkehrsüberwachungsstellen meldeten die Landung eines türkischen Militärfrachtflugzeugs auf dem Luftwaffenstützpunkt al-Watiya im Westen Libyens. Damit ist die Gesamtzahl der seit dem 23. Oktober in Libyen eingetroffenen türkischen Militärflüge auf 25 Flugzeuge gestiegenhttps://libyareview.com/8627/un-concerned-over-ceasefire-in-libya/

RE: Rebellion statt Revolution | 11.12.2020 | 19:11

Tatsächlich wären auch mit Gaddafi oder bei einem normalen Regierungswechsel nach Gaddafi (er war 2011 ja schon 69 Jahre alt und gesundheitlich stark angeschlagen, hatte keine offiziellen Ämter inne und sich weitgehend aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen) "bessere politische Strukturen" in Libyen möglich gewesen. Was immer das auch heißen mag, denn die Dschamahirija war bemüht, basisdemokratische Grundsätze zu wahren. Die Stämme, die in Libyen als Zivilgesellschaft gesehen werden, waren stark und ohne sie ging und geht auch heute noch nichts. (Nebenbei: Zivilgesellschaft heißt nicht nur, dass vom Westen gesteuerte NGOs das Sagen haben, die durch nichts legitimiert sind). Libyen bemühte sich seit einigen Jahren, sowohl Moslembrüder als auch Minderheiten (Tuareg, Tibu, Berber) besser zu integrieren und ihnen ihre Rechte zuzugestehen. Libyen hatte nicht nur hunderttausende von Gastarbeitern, sondern auch hunderttausende Migranten aus Subsahara Afrika im Land aufgenommen.

Sowohl für seine Frauenpolitik als auch bei der Aufnahme von Migranten musste Gaddafi oft gegen beträchtliche Widerstände der konservativen Würdenträger im Land überwinden.

2011 wurde zu Gaddafi-Zeiten an der Ausarbeitung einer Verfassung gearbeitet (Israel und Großbritannien haben übrigens auch bis heute keine Verfassung), Gaddafis Sohn Saif, der übrigens seinen Doktor in Wirtschaftswissenschaften an der School for Economy in Großbritannien machte, setzte sich für Wirtschaftsreformen ein, die Tochter von Gaddafi, Aischa, eine Anwältin,wurde 2009 zur Ehrenbotschafterin des Entwicklungsprogramms der UNO ernannt und setzte sich in dieser Funktion gegen die Unterdrückung von Frauen in der arabischen Welt ein.

Welches andere arabische Land hat das vorzuweisen?

Dass Libyen zu Zeiten Gaddafis auf dem HumanDevelepmentIndex auf Platz eins der afrikanischen Länder stand sei hier nur nebenbei erwähnt.

Heute ist Libyen ein failed state, dessen Bewohner in die Armut abgerutscht sind, von Krieg und Korruption erschüttert. Dies im Namen der Menschenrechte!

Libyen liegt heute am Boden, die Menschenrechte spielten bei der Ermordung Gaddafis und der Bombardierung des Landes überhaupt keine Rolle, wie sollten sie auch, und heute streiten sich die Staaten, die damals dieses Fiasko verursacht haben, darum, wer die Ölfelder und die libyschen Banken kontrollieren wird. Alle gegen alle, auch innerhalb der EU Frankreich und Italien/Deutschland auf verschiedenen Seiten etc.

Gerade wird von der UNSMIL versucht, eine neue gefakte "Regierung" mit Überhang der Moslembruderschaft zu installieren, die sich nur mit der militärischen Unterstützung der Türkei am Ruder halten kann. Dafür will die Türkei ran an die Ölfelder und an die Banken und bedient sich dabei der Moslembruderschaft und der Nato.

Die Türkei rüstet in Libyen gerade intensiv auf und es wird befürchtet, sie startet in Kürze einen Angriff auf den Ölhalbmond.

Ich würde es mal so sagen: Alle, die an den sog. "arabischen Frühling" glaubten, wurden komplett verarscht. Am meisten jene, die 2011 in Tunesien oder Ägypten demonstrierten und im Austausch für Ben Ali und Mubarak die Moslembrüder bekamen. In Ägypten ist die Mehrheit froh, dass es nun "bloß" wieder ein Militär, as-Sisi, ist. Traurig aber wahr.

Auch ich hoffe, dass es in Libyen gelingt, "die Internationalisierung" des Konflikts zu durchbrechen. Die Libyer sind in der Lage, dank ihrer langen Stammestradionen, sich auszusöhnen und selbst zu organisieren. Doch so verwüstet wie das Land heute ist, wird es lange dauern, bis es annähernd wieder den Stand vor 2011 erreichen könnte. Und die internationalen Kräfte, auch die UNO und die EU, werden alles tun, damit sie weiterhin Kontrolle im Land ausüben können. Sonst wäre ja alles umsonst gewesen...