Angelika Gutsche

Reisen führten Angelika Gutsche unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan. Viele Reportagen fanden Veröffentlichung.
Angelika Gutsche
RE: Putin / Trump | 16.07.2018 | 15:02

Bezüglich der Rückgabe des libyschen Ölhalbmondes an Tripolis durch die LNA habe ich geschrieben:

"Der Meinungsumschwung der LNA könnte auf einen Brief von US-Präsident Trump an den Parlamentssprecher Aquilah Saleh und den Vorsitzenden des Präsidialrats Fayez Sarradsch zurückgehen, in dem laut einem Fernsehbericht die Beiden kritisiert wurden, dass sie nicht in der Lage seien, das Problem um die Schließung der Ölanlagen zu lösen. Trump soll die beiden davor gewarnt haben, sie könnten in einem ersten Schritt einer internationalen Strafverfolgung ausgesetzt werden und anschließend könnte die Beilegung der Ölkrise mit Gewalt erzwungen werden.

Dass Trump an einer höheren Ölproduktion und damit einhergehend an niedrigeren Ölpreisen gelegen ist, konnte man bereits Anfang des Monats erkennen. Per Twitter hatte er Saudi Arabien aufgefordert, sofort seine Ölpreise zu senken. Tatsächlich erhöhten auch die Saudis brav ihre Fördermengen und senkten den Preis. Der jetzt von Trump kritisierte hohe Anstieg der Ölpreise ist nicht zuletzt auf seine Sanktionspolitik gegenüber Iran und Venezuela zurückzuführen.

RE: Präsidentschaftswahlen in Libyen | 14.07.2018 | 11:22

Inzwischen weiß es sogar das ZDF, dass der Krieg gegen Libyen und Gaddafi auf Fake News beruhte.https://www.freitag.de/autoren/gela/zdf-info-libyenkrieg-beruhte-auf-fake-news

In meinem Beitrag heißt es:"In der Sendung[1] wird eingestanden, dass die Medien massive Kriegspropaganda betrieben. So wird Bezug genommen auf den Untersuchungsbericht des britischen Parlaments, der zu dem Schluss kam, Gaddafi habe niemals vorgehabt, gegen die zivile Bevölkerung vorzugehen. Der Krieg hätte nach wenigen Tagen beendet werden können, da für die Zivilbevölkerung von Bengasi jede Gefahr gebannt war. Wiederholt wird in der Sendung darauf hingewiesen, dass Augenzeugen vor Ort völlig andere Wahrheiten berichteten als in einer „aggressiven Medienkampagne“ verbreitet wurden und in der Gaddafi als das „leibhaftig Böse“ galt.

Obwohl von geplantem Völkermord durch Gaddafi keine Rede sein konnte, sei gebombt worden. Zunächst von den USA, dann von der Nato. Der Regime-Change war gewollt, mit allen Konsequenzen für die libysche Bevölkerung."

[1] https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/killing-gaddafi-jagd-auf-den-diktator-102.html

Hier noch einmal zum Wahlprogramm von Saif al-Islam Gaddafi:

https://www.freitag.de/autoren/gela/saif-al-islam-gaddafi-agenda-fuer-libyen

Und hier mein Beitrag zum Untersuchungsbericht des britischen Parlaments:

https://www.freitag.de/autoren/gela/bericht-ueber-die-libyen-intervention-von-2011

RE: Der libysche Ölhalbmond geht an die Ost-NOC | 01.07.2018 | 13:55

Noch ein Nachtrag, warum die LNA die Gelder nicht mehr an die Tripolis-NOC fließen lassen will. Am 09.Mai 2018 hieß es in meinem Blog: "Außerdem hat der Präsidialrat der 'Einheitsregierung' in Tripolis am 09.Mai die dschihadistische Miliz Special Deterrence Force (SDF unter dem Befehl von Kara) zur nationalen Sicherheitsarmee ernannt und ihr fast unbeschränkte Macht verliehen. Die SDF selbst hat sich aufgelöst und wird nun mit all ihren Kämpfern und Waffen zur Detterence Apparatus for Combating Organized Crime and Terrorism (DACOT). Sie ist dem 'Innenminister der 'Einheitsregierung' reportpflichtig und verfügt über ein eigenes Budget, das ihr von der 'Einheitsregierung' zugeteilt wird. Unter anderen wird der neuen DACOT das Recht zugesprochen, die Online-Aktivitäten verdächtiger Personen zu überwachen. Sie kann bereits aktiv werden, wenn sie jemanden „verdächtigt, der Sicherheit des Landes zu schaden, den gesellschaftlichen Frieden zu stören oder die nationale Sicherheit zu gefährden“.

Dieser Schritt stellte einen Affront gegen die LNA da, die sich als die regulären libysche Streitkräfte betrachten, steht gegen alle Beteuerungen, eine Aussöhnung des Landes herbeiführen und mit der LNA ernsthaft verhandeln zu wollen.

RE: Der libysche Ölhalbmond geht an die Ost-NOC | 01.07.2018 | 11:22

Die Öleinnahmen haben sich auch durch die Zerstörung von zwei der letzten fünf großen Öltanks während der Kämpfe drastisch reduziert. Wie das weitergeht und wie die Gelder von der Ost-NOC verteilt werden, hat sich wohl noch nicht geklärt. Inwieweit sie überhaupt Rohöl verkaufen kann und an wen.

Die libysche Währung wird noch genutzt.

1 € ist etwa 1,6 LYD (off.) bzw. 1 € ist etwa 8 LYD (schwarz)

Das Problem ist der Mangel an Bargeld. Die Banken können kaum Geld auszahlen.

Abschiebelager in Libyen werden bisher noch kategorisch abgelehnt. Die Tripolis-'Regierung' ist auch abgesehen von den Öleinnahmen komplett vom Westen und von den Tripolis- und Misrata-Milizen abhängig.

RE: LNA erobert libysche Erdölterminals zurück | 22.06.2018 | 21:16

Aber hallo! Es hat doch nicht die LNA (oder Hafter, den ich durchaus auch kritisch sehe) Ras Lanuf und Sidra angegriffen, sondern das war doch wohl Dschadran mit Unterstützung der al-Kaida nahestehenden Verteidungsbrigaden von Bengasi und Hardlinern von Misrata! Ihre Erklärungsversuche und Schuldzuweisungen erscheinen mehr als krude. Und jemanden den Dschihad erklären? Ich dachte, das können nur geistliche Führer. Mit seinem Hinweis auf den Dschihad bezieht Heftar sich doch auch auf die "Vorväter".

Muss ich wirklich noch einmal daran erinnern, dass alles 2011 den Anfang nahm? Lesen Sie meine Artikel und dann wissen Sie, wer für das Sterben in Libyen und für das Leiden der Bevölkerung die Schuld trägt. Und nein danke, Lust auf Bilder von Toten habe ich wirklich keine.

RE: Angriff auf den libyschen Öl-Halbmond | 18.06.2018 | 19:44

Die Sache ist sicher noch nicht ausgestanden und wirklich eine Katastrophe!

Unterstützung muss Dschadran ja von außerhalb bekommen, auch wenn sein eigener Stamm beteiligt ist. Mit dem allein hätte er das nicht stemmen können. Und der Vorsitzende des Präsidialrats (Tripolis) hat den Vereinbarungen von Paris nie zugestimmt. Dieser Präsidialrat wird nun mal von der UN, der EU etc. gestützt. Italien hat auch immer noch seinen Militärstützpunkt bei Misrata und eine führende Rolle (auch wegen der Migrantenfrage) bei Gesprächen mit obskuren dschihadistischen Milizen. Frankreich dagegen unterstützt eindeutig die LNA.

Wenn wirklich die LNA mit Hilfe von Frankreich siegen würde , könnten die Ölverträge für Italien vielleicht auch nicht mehr so günstig ausfallen. Italien und Frankreich stehen auf verschiedenen Seiten.

Vielleicht ist aber auch alles nur ein großer Deal, um die unsichere Lage im Land aufrechtzuerhalten und keine Seite die Oberhand gewinnen zu lassen. Die Leidtragenden sind in jedem Falle die Menschen in Libyen.

Ansonsten danke für die Infos!

RE: ARTE-Propaganda-Film: Minenräumer von Bengasi | 16.06.2018 | 20:15

Für den Beitrag "Libyen im Juni" heißt es unter dem 01.06.: "Die Kämpfe um Derna eskalieren. Laut MiddleEastEye[1] haben die extremistischen-islamistischen Derna Protection Forces (DPF) sich bei Infrastruktureinrichtungen und in Wohnvierteln verschanzt und missbrauchen die Bewohner als Schutzschilde. Die Versorgungslage der Bevölkerung sei katastrophal. Inzwischen hat die LNA alle Zugangsstraßen im Westen der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht, ebenso wie das Industriegebiet und strategische Anhöhen. Die LNA habe Verluste in Höhe von 20 Toten und 35 Verwundeten hinnehmen müssen. Auf der Gegenseite wurden geschätzt hundert Kämpfer getötet, die gleiche Anzahl hätte sich ergeben. Unter den Kämpfern der DPF befänden sich auch al-Kaida-Kämpfer.Laut UN-Beobachtern habe die LNA bisher versucht, ihre Bombenangriffe stark zu beschränken. Allerdings seien seit dem 22. Mai fünf Zivilisten durch Raketen getötet worden."

[1] http://www.middleeasteye.net/news/no-solution-libyan-activist-describes-city-ashes-battle-rages-derna-608233865

Und unter dem 02.06. heißt es: "In Derna, wo die LNA immer noch dschihadistische Milizen bekämpft, haben bei der westlichen Zufahrt in die Stadt Landminen acht Zivilisten getötet."

Jeder Tote ist ein Toter zuviel, erst recht, wenn es sich um Zivilisten handelt. Aber jetzt muss man schon mal die Kirche im Dorf lassen: Vom 22. Mai bis 1. Juni: fünf Tote Zivilisten in Derna. Die Belagerung der Stadt ging sehr, sehr lange, eben um Zivilisten zu schonen. Denkt man da an die Bombardierungen von Rakka und Mossul mit tausenden von Toten!

Es ist richtig, dass der IS auch versuchte in Derna Fuß zu fassen, was ihm aber nicht gelang.

Übrigens stammt ein Großteil meiner Infos von LibyaHerald, ein Nachrichtenportal, das eindeutig vom MI6 gesteuert ist. Und der LibyaObserver steht eindeutig den Moslembrüdern nahe.

Die Situation in Libyen ist wirklich sehr schwierig zu beurteilen, aber die Sympathien für Gaddafi sind sehr groß, nach allem, was mit dem Land seit seiner Ermordung passiert ist, erst recht. Und in unserer Berichterstattung wird das einfach totgeschwiegen.

Und was die Bezahlung für meinen Blog angeht, halte ich es mit Robby Williams: "I do this for free!"

Und meine Sympathie für Gaddafis unabhängige Politik habe ich nie verheimlicht.

Im Moment ist es sehr auffällig, dass gerade eine richtige Anti-Gaddafi-Propaganda-Welle losgetreten wird. Auch Phoenix (oder ntv) hat erst vor kurzem so ein mieses Propagandafilmchen gebracht.

Es soll wohl die Legende gestrickt werden, dass die Libyer wollten, dass Gaddafi gestürzt wird - für eine Minderheit mag das ja zutreffen - eine Minderheit ist aber auch gegen Angela Merkel etc.

Und jetzt dem IS alles in die Schuhe schieben, was die al-Kaida- und Moslembrüder als Verbündete des Westens verbrochen haben und noch verbrechen ist wirklich sehr dreist!

Nur zur Erinnerung: Vom März 2011 heißt es, es wäre ein Nato-Bombardement über Libyen herunter gegangen, wie es Afrika seit dem Rommel-Krieg nicht mehr gesehen hat. In mehreren Wellen. Auch in Tripolis - obwohl dort kaum militärisches Interesse bestehen konnte.In einer Nacht wurden 80 Einsätze geflogen. Innerhalb einer Woche wurden 110 Marschflugkörper abgeschossen. Die US-Luftwaffe war mit B2-Bombern vor Ort. Die ganze Zerstörungskraft dieser Bombardements möchte ich hier gar nicht mehr in aller Ausführlichkeit aufführen. Libyen war vorher ein prosperierendes Land! Jetzt ist es kaputt!

RE: ARTE-Propaganda-Film: Minenräumer von Bengasi | 14.06.2018 | 22:20

Es gibt noch ein zweites Arte-Filmchen, einen Anti-Gaddafi-Propagandafilm, der mittels Halbwahrheiten und Unwahrheiten ein völlig verzerrtes Libyenbild vermittelt, und zwar sowohl des heutigen Libyens als auch des Libyens vor 2011.

So wird die gefakte „Revolution“ von 2011 noch immer als ein Aufstand gegen Gaddafi dargestellt. Und noch einmal wird behauptet, dass der IS in Bengasi zugange war.

Der Westen Libyens mit der Hauptstadt Tripolis wird überhaupt nicht erwähnt, wahrscheinlich soll verschwiegen werden, dass dort dschihadistischen Milizen das Sagen haben. Selbstverständlich kommt in dem Film kein einziger Befürworter Gaddafis zu Wort. Über Gaddafi wird so gut wie nur negativ berichtet, so, um nur ein Beispiel zu nennen, wird behauptet, er habe die antiken Altertümer nicht wertgeschätzt. Dies stimmt nicht, zu Gaddafi Zeiten haben wir diese besucht: Sowohl die Ausgrabungen als auch die dazugehörigen Museen befanden sich alle in einem sehr guten Zustand. Es waren zu Gaddafi-Zeiten auch Archäologenteams vor Ort.

Es wird auch nicht gezeigt, wie Gaddafi den Ausgleich zwischen den einzelnen Stämmen und Regionen schuf, indem er das Stammessystem anerkannte und geschickt moderierte.

Diese Kommentare könnte noch lange fortgeführt werden... Das Filmchen versucht immer noch, den Nato-Krieg gegen Gaddafi als Revolution der Libyer darzustellen. Es soll kein Zweifel aufkommen, dass der Sturz Gaddafis gerechtfertigt war.

Doch es lohnt sich eigentlich nicht, dieses Filmchen überhaupt zu besprechen, durch das Abdu-Salam, ein Tuareg, der seit 1984 in München lebt, führt und der im libyschen Verfassungskomitee ist. Wie ist er denn da hineingekommen, wenn er seit 1984 in Deutschland lebt? Wie will jemand, der seit über dreißig Jahren nicht mehr in Libyen lebt, die Verfassung ausarbeiten? Und mit was verdient dieser Politikwissenschaftler in München seine Brötchen? Das wäre schon ganz interessant zu erfahren.

Allerdings wundert einen gar nichts mehr bei dieser Art von Filmproduktionen, wenn man weiß, wie in einem Kommentar vermerkt, dass Bernard-Henri Lévy der Aufsichtsratsvorsitzende von Arte ist.

https://www.arte.tv/de/videos/078748-000-A/libyens-schwieriger-neuanfang/

RE: Der irre König | 14.04.2018 | 14:49

Eigentlich muss man Trump für seinen Tweed dankbar sein: Zum ersten Mal wurde einer breiten Öffentlichkeit richtig bewusst, wie groß die reale Kriegsgefahr ist, die sich sogar auf einen globalen Atomkrieg ausweiten könnte. Niemand in Europa hat die geringste Lust, sich wegen Assad oder gefakter Giftgasangriffe in Syrien - oder auch in Großbritannien - in einem Atomkrieg pulversisieren zu lassen. Es war gut, dass die Absicht des völkerrechtlichen Angriffs auf Syrien öffentlich wurde und entsprechend diskutiert und kommentiert wurde.

Es war ein harter Politpoker, den wie ich meine, Russland gewonnen hat. Was USA/GB/F da mit dieser angekündigten Pseudabombardierung abgezogen haben, diente nur noch der Gesichtswahrung und der Verhinderung, dass Nachweise erbracht werden können, dass es doch keinen Giftgasangriff in Syrien gab.

Die Sprache des Trump-Tweeds ist unbestritten entsetzlich. Frage: Ist Trump so primitiv oder setzt er diese Art Sprache bewusst ein? Während sie im Cowboy-Land in weiten Kreisen bestimmt gut ankommt, erwehrt sich Trump damit auch des Verdachts, sich mit Putin verständigen zu wollen. Man soll sich nicht täuschen: Ein Volltrottel hätte es schwerlich schaffen können, gegen das gesamte politische Establishment - Demokraten und Republikaner und deren Presseorgane - Präsident der USA zu werden.

Während sich jetzt die ganze Welt über den Tweed von Trump aufregt, ist die Sache mit der Bombardierung Syriens - gegen jedes Völkerrecht - und nicht nur von den USA, sondern auch von F und GB und mit Zustimmung etlicher anderer Staat und der NATO, jetzt kein wirklicher Aufreger mehr. Nach dem Motto: Das hat der böse Assad verdient! Obwohl kein einziger Beweis für einen Giftgasangriff vorliegt.

Kann es sein, dass sich wenige westliche Staaten anmaßen, einfach jedes Land, dessen Regierung ihnen nicht genehm ist, bombardieren zu können? Das ist doch der wirkliche Skandal! Und nicht so ein blöder Trump-Tweed!

RE: ZDF-INFO: Libyenkrieg beruhte auf Fake-News! | 09.04.2018 | 18:31

Zu Saadi al-Gaddafi: Der Prozess war mehr als ein dutzend Mal vertagt worden. Videoaufnahmen belegen, dass Saadi während seiner Gefangenschaft im al-Hadba-Gefängnis gefoltert wurde. Er wurde leider auch nicht aus dem Gefängnis entlassen, da er weiterhin angeklagt wird, 2011 am Versuch der Niederschlagung der ‚Aufstände‘ beteiligt gewesen zu sein. Der Freispruch in diesem Fall erfolgte durch ein Gericht im nördlichen Teil von Tripolis. Das al-Hadba-Gefängnis war ja gestürmt worden und die Gefangenen an andere Plätze verbracht.

Nach der Wahl 2014: Der Oberste Gerichtshof in Tripolis, der von Islamisten beherrscht wird, entschied, dass die Wahl des Parlaments nicht der Verfassung entsprochen haben soll und damit ungültig ist. Es wurde ein National Salvation Government NSG (Nationale Heilsregierung) eingesetzt, die nur noch aus Moslembrüdern und anderen Dschihadisten, die einen islamistischen Staat anstreben, besteht. Die NSG wird massiv unterstützt von der Türkei und Katar, aber auch von europäischen Ländern, insbesondere Italien.

Wahl 2018: In Tripolis werden wohl kaum LNA-Leute vor den Wahllokalen stehen, da die Hauptstadt von Islamisten beherrscht wird. Die Durchführung der Wahlen ist sicher eine Herausforderung, denn die Wahllokale müssen auch geschützt werden. Ich glaube auch nicht, dass sich neutrale Wahlbeobachter nach Libyen trauen.

Da sind wir uns einig: Das Land muss stabilisiert werden und CIA-Mann Haftar darf nicht über das Land die Kontrolle bekommen. Das Land muss wieder ein souveräner Staat werden, der selbst über sein Schicksal bestimmt.

Auch darin, dass alle miteinander in Libyen leben müssen, dass alle von der Nation her Libyer sind. Dass es dann Stämme wie die Berber gibt, die sich als Minderheiten fühlen und dementsprechend Minderheitenrechte gültig machen, ist ihr gutes Recht. Und ich bin der festen Überzeugung, dass es ihnen am ehesten unter Saif al-Islam gelingen wird, ihre Rechte durchzusetzen.

Zu Algerien und Marokko: Das sind beides brutale Polizeistaaten, in denen die Opposition keinen Fuß auf den Boden bekommt, Foltergefängnisse existieren. In Marokko herrscht der König absolutistisch. Er darf nicht kritisiert werden und ist einer der reichsten Potentaten der Welt, während das Volk in Armut versinkt. Und die Zustände in Algerien? Alles andere als erstrebenswert! Beide Länder werden natürlich vom Westen gestützt, weil sie brav kuschen.

Einen Gottesstaat wird es mit Sicherheit in Libyen nicht geben. Und die Dschamaharija? Auch wenn ich mir unsere zum Teil verkommenen westlichen Demokratien anschaue, denke ich, dass die Dschamahirija grundsätzlich ein guter Ansatz war. Ich glaube auch, dass Gaddafi für die Libyer Wohlstand und Gerechtigkeit nicht nur wollte, sondern auch durchsetzte. Auch für die Berber. Und als Nationalist und Araber . Er hat auch gesehen, wie diese Konflikte von Feinden Libyens zur Spaltung missbraucht wurden. Und wie ich in meiner letzten Antwort schon schrieb, ab etwa 2004 hat sich in der Dschamahirija-Politik in Bezug auf die Berber viel geändert. Doch statt diese ausgestreckte Hand anzunehmen, hat man lieber mit den USA/GB und Frankreich konspiriert. Wie das ausging, ist ja nun bekannt.

Und bei aller Liebe und Verständnis für die Belange der Berber: Mit nur 10 bis 20 Prozent der Gesamtbevölkerung soll Libyen ein zwei- oder mehrsprachiges Land werden? Hier ein Link, wie z.B. Deutschland dies handhabt:http://www.minderheitensekretariat.de/wen-vertreten-wir/uebersicht-und-selbstverstaendnis/

Das meiste sind "Kann"-Bestimmungen! Deutschland wird dadurch keineswegs zu einem mehrsprachigen Land. Aber wie immer Libyen das regeln wird, da möchte ich mich nicht einmischen. Das ist eine innerlibysche Angelegenheit.

Also es soll nicht Haftar werden und nicht die Moslembrüder. Da sind wir uns einig. Und wer bleibt dann noch???