Angelika Gutsche

Reisen führten Angelika Gutsche unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan. Viele Reportagen fanden Veröffentlichung.
Angelika Gutsche
RE: Dschihadisten unterwegs nach Libyen | 09.05.2019 | 18:08

Wegen der verkürzten Überschriften und Vorspanne müssen Sie sich bei der Redaktion des Freitag beschweren: Überschriften maximal 45 Zeichen möglich, Vorspanne maximal 170 Zeichen. Da habe ich jedesmal meine Probleme mit.

Der Hass auf beiden Seiten: schlimm! Aber mit dem Hass, das begann ja wohl schon 2011 beim so.g 'Aufstand' und dann Krieg gegen Libyen. Gerade Misarata hat sich hervorgetan mit Greueltaten, v.a. gegen Schwarze, auch dunkelhäutige Libyer und natürlich gegen Gaddafi-Anhänger. Von der grausamen Ermordung Muammar al-Gaddafis mal ganz zu schweigen. Und Misrata-Milizen haben anschließend in Tripolis Angst und Schrecken, insbesondere 2014 und danach verbreitet. Und die al-Kaida-Kämpfer waren und sind auch nicht zimperlich. Z.B. das Massaker in al-Shati, bei dem über 130 Soldaten gemeuchelt wurden. Und die Dschihadisten, die in Bengasi und anderen Orten jede Menge Sprengfallen legten und Bombenattentate verübten? Der LNA jetzt Brutalität vorzuwerfen, ist reine Heuchelei!

Seit 2011 wird gegeneinander gekämpft, das Land gespalten. Was soll denn dabei herauskommen? Liebe, Versöhnung, Brüderlichkeit? Dieser Hass aufeinander ist doch gewollt. Die Libyer bekämpfen sich gegenseitig und die ausländischen Mächte profitieren davon.

Idlib -al-Kaida-Kämpfer: Da haben Sie wahrscheinlich recht, dass sich die Türkei da zurückgezogen hat. Mein ich ja, die entsorgen dann die Kämpfer in Libyen. Wenn sie da bei den Kämpfen sterben, ein Problem weniger. Die Politik ist zynisch. Und was diese jungen Männer betrifft: Sie merken nicht einmal, wie sie verheizt werden.

RE: Dschihadisten unterwegs nach Libyen | 08.05.2019 | 20:22

Es ist doch ersichtlich, dass ich Ibrahim Moussa zitiere, deshalb war ein Konjunktiv nicht nötig. Meinen eigenen Text habe ich darunter in Kursiv gesetzt. Tatsächlich glaube ich aber, dass Moussa gut informiert ist. Das macht ja auch Sinn: Die Briten, die als einzige im UN-Sicherheitsrat darauf drängten, allein die libysche Armee und Hafter zu verurteilen. Außerdem wäre die Frage gelöst, wohin mit den ganzen Dschihadisten aus Idlib? Ab nach Libyen! Und es könnten die Milizen, die die sog. "Küstenwache" betreiben, bei der Stange gehalten werden, damit sie keine Migranten aufs Mittelmeer in Richtung Italien lassen.Und Sinn macht auch die Europa-Tournee von Sarradsch. Übrigens lehnte die 'Einheitsregierung' unter Sarradsch neue Verhandlungen ab. Und übrigens hat die UN die Gaddames-Konferenz abgesagt!

Das Wort 'Verschwörungstheorie' in Zusammenhang mit Libyen auch nur zu erwähnen, ist witzig! Dass viele ausländische Akteure und selbstverständlich deren Geheimdienste in Libyen unterwegs sind, ist hinreichend oft bewiesen. Ebenso der Einsatz von Söldnern. Letzte Beispiel: der Pilot eines Kampfjets, der jetzt von der libyschen Armee abgeschossen wurde und seien Staatsangehörigkeit mit 'portugiesisch' angab. Er war von Misrata aus gestartet.

Ich empfinde es als wirklich schlimm, dass in diesem neuerlichen Krieg wieder Tote und Verwundete zu betrauern sind. Wenn ich es richtig verstanden habe, war von der libyschen Armee - und wie es heißt, in Absprache zwischen Sarradsch und Hafter - geplant gewesen, der libyschen Armee den gewaltfreien Zugang nach Tripolis zu ermöglichen. Ob nun Sarradsch auf Druck umgefallen ist oder sich die Milizen verselbständigt haben, unklar.

Außerdem versucht die libysche Armee, die Kämpfe auf die Außenbezirke von Tripolis zu beschränken und sich nicht von den Milizen in einen blutigen Häuserkampf verwickeln zu lassen.

Im Moment wäre doch außer der Türkei und Katar jeder froh, wenn die Milizen von Tripolis und Misrata unschädlich gemacht würden. Sie halten die ganze Hauptstadt in Geißelhaft. Das kann für Libyen doch unmöglich eine Zukunft bedeuten.

Ich bin weit davon entfernt, in irgendeiner Seite das "absolut Böse" zu sehen, allerdings bin ich keine Anhängerin des politischen Islams. Meiner Meinung nach gehören Politik und Religion getrennt. Religion hat immer den Anspruch des Absoluten, während Politik von fehlbaren Menschen gemacht wird, die auch zu kritisieren sind.

Wenn Libyen geeint ist und wieder über eine einzige Armee verfügt, die den Milizen einen Riegel vorschiebt, wäre der nächste Schritt, endlich Wahlen abzuhalten. Die Einführung von Demokratie, das war doch der Vorwand für den Krieg 2011!

Ja, und es war ganz furchtbar schlimm, was 2011 in Libyen geschehen ist. Dieser Krieg, der das blühende Land in einen failed state verwandelt hat.

Und bitte, was für ein Geschwafel über Tunesien, Marokko und Algerien? In Algerien kocht gerade die Situation über, Demonstrationen wegen der Wiederwahl des Zombie-Präsidenten. Wie es weitergeht, völlig unklar. Tunesien: wirtschaftlich am Ende, große Teile der Bevölkerung in Angst vor Islamisten. Marokko: eine durch und durch korrupte Monarchie! Weder in Marokko noch in Algerien gab es einen sog. 'arabischen Frühling'. In diesen Ländern werden die Probleme brutal unter dem Deckel gehalten. Was soll da heißen 'glücklich'???

RE: Kein friedliches Ostern in Tripolis | 24.04.2019 | 11:47

Ich würde Nachrichten vom britischen Telegraph, noch dazu wenn "Defence and Security Correspondent" als Autoren angegeben werden, mit allergrößter Vorsicht lesen. Solche Nachrichten lanciert mit Sicherheit der britische Geheimdienst. Und wie man weiß, hat GB gerade beim UN-Sicherheitsrat auch einen Resolutionsentwurf eingebracht, der forderte, dass sich die libysche Armee unter Hafter zurückziehen soll. GB hat sich also eindeutig hinter der 'Einheitsregierung' von Sarradsch positioniert. Und dass Großbritannien Russland bzw. Putin alles nur irgend erdenklich Schlechte anhängenwill (man denke nur an Salisbury), auch wenn die Beweisführung hanebüchen ist, weiß man ja.

RE: Wahlen: Saif al-Islam Gaddafi tritt an | 23.04.2019 | 11:06

Das kann schon richtig sein. Was Hafter und Trummp in ihrem Telefongespräch vereinbart haben, das wäre interessant zu erfahren.

Ich hatte am 20.4. geschrieben: "Deutschland, das gerade den Vorsitz im UN-Sicherheitsrats hat, hatte für Donnerstag eine Dringlichkeitssitzung einberufen, nachdem der letzte Entwurf Großbritanniens zu Libyen von den drei afrikanischen Staaten im Sicherheitsrat - Äquatorialguinea, Elfenbeinküste und Südafrika – blockiert worden war.Gegen den nun vorgelegten Resolutionsentwurf widersetzten sich sowohl Russland als auch überraschender Weise die USA.Bereits am Montag hatte der US-amerikanische Präsident Trump mit General Hafter telefoniert und mit ihm über die „laufende Terrorismusbekämpfung“ gesprochen. In einer Erklärung des Weißen Hauses wurde General Hafter eine wichtige Rolle bei der Terrorismusbekämpfung und der Sicherung der Ölvorkommen Libyens zuerkannt. Beide sollen „eine gemeinsame Vision für den Übergang Libyens zu einem stabilen, demokratischen politischen System“ erörtert haben.Es wird vermutet, dass es in Washington verschiedene Vorstellungen über die Zukunft Libyens gibt, die nicht miteinander im Einklang sind. Es wird wohl darüber gestritten, welches Libyen-Szenario sich am günstigsten auf die USA auswirken könnte.Trump war bereits am 9. April mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi zusammengetroffen und gilt als strikter Gegner des politischen Islams. Weitere Beratungen des UN-Sicherheitsrats hinter verschlossenen Türen sollen folgen."https://www.freitag.de/autoren/gela/eu-und-moslembrueder-seit-an-seit

Interessant wird, was geschieht, wenn die libysche Armee tatsächlich Tripolis eingenommen hat. Ob Hafter versucht, die Macht an sich zu reißen und Wahlen immer wieder zu verschieben, oder ob doch Wahlen durchgeführt werden, an denen auch Saif al-Islam teilnehmen kann.

Die Städte und Stämme werden ihm sicher nicht folgen, wenn er versucht, Wahlen zu verhindern.

RE: Sieg der Armee in greifbarer Nähe | 14.04.2019 | 17:54

Die libysche Armee kann ja nicht wild draufhauen und durchbrechen, denn sie muss und will größtmögliche Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nehmen.

Und wie schon gesagt, zu den direkten militärischen Vorgängen kann und will ich mich nicht äußern.

Und Sie wissen ganz genau: Es geht nicht Stamm gegen Stamm, sondern es geht Armee gegen extremistische Milizen! Und gerade die haben sich die Europäer als Verbündete rausgesucht. Das macht fassunglos!

RE: Warum es ohne eine libysche Armee nicht geht | 13.04.2019 | 13:07

Es muss natürlich heißen: "Algerien und Sudan" (und nicht Tschad - obwohl, vielleicht auch bald)

RE: Warum es ohne eine libysche Armee nicht geht | 13.04.2019 | 11:17

Hafter ist eine schillernde Figur, über deren wahre Motive man rätseln darf, aber er ist auch schon 76 Jahre alt. Hoffnung: Diese alten Potentanten haben ausgedient, siehe Algerien und Tschad.

Momentan dürften in Libyen die Verhandlungsdrähte heißlaufen. Wie immer in Libyen ist kaum zu durchblicken, was im Hintergrund passiert. Ich gehe davon aus, dass ohne die Ältestenräte der Stämme und Städte nichts läuft und dass sich die große Mehrzahl der Libyer schon klar darüber ist, dass es für das Land nur aufwärts gehen kann, wenn man erst einmal an einem Strang zieht.

Die tatsächlichen Verhältnisse im Land müssen dann Wahlen aufzeigen.

RE: Warum es ohne eine libysche Armee nicht geht | 12.04.2019 | 18:08

As-Safi ist mit Hafter nicht zu vergleichen. Hafter setzte sich bereits 1987 in die USA ab und war 2011 am Sturz Gaddafis beteiligt.

Ich denke, die Stämme und Städte und mit ihnen auch die Dschamahirija sind gut organisiert und handeln geplant. Die Aussagen von as-Safi stellen sicherlich keine Einzelmeinung dar. Ihr wichtigstes Ziel ist es, Libyen wieder zu vereinen und eine Aussöhnung zu erreichen, damit Libyen als Staatsgebilde wieder funktionsfähig wird. So wie die Lage jetzt in Libyen ist - mit den vielen Waffen im Umlauf und den ganzen gewalttätigen Milizen und einer von außen aufgezwungenen 'Einheitsregierung' - ist dieses Ziel ohne Armee nicht zu erreichen.

RE: Der Ruf verklagt sein Echo | 11.04.2019 | 22:38

Es ist nicht immer alles so, wie es scheint. Auch ich bin der Meinung, dass demokratische Wahlen zu fordern, wie sie in reichen und hochindustrialisierten Staaten durchgeführt werden, in Stammesgesellschaften oft nur zur Unterdrückung von Minderheiten führen. In bestimmten Ländern, bin ich überzeugt, ist jedes Wahlergebnis käuflich und manipulierbar. Und dass die Forderung nach demokratischen Wahlen nur ein Mäntelchen ist, um regime changes zu befördern, eh klar.

Im Falle Libyens ist die Sache halt leider kompliziert und liegt anders. Die libyschen Stämme und Städte haben sich zusammengeschlossen und fordern Wahlen. Sie überzeugt, sie können damit Saif al-Islam Gaddafi zum Präsidenten wählen. Inzwischen ist es der Westen, der Wahlen um jeden Preis verhindern möchte, weil dann seine aufgezwungene 'Einheitsregierung' weg ist, übrigens genauso wie ein General Hafter, der für die CIA arbeitete (oder es noch tut) und einen amerikanischen Pass hat.