Angelika Gutsche

Ihre Reisen führten sie neben Indien, den USA, Russland und dem Jemen unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan.
Angelika Gutsche
RE: Akt der Selbstermächtigung | 27.09.2020 | 09:45

Ich denke, Trump hat sich in Libyen eingeschaltet, weil er nicht will, dass die USA-Verbündeten Ägypten und Türkei (Türkei sogar Nato-Partner) aufeinander losgehen und auch seinen mühsam ausgehandelten Frieden zwischen VAE und Israel evtl. gefährden - insbesondere vor den US-Wahlen im November. Vor den Wahlen will sich Trump außenpolitisch als Nahost-Friedensstifter inszenieren. Da passen geglückte Verhandlungen der verfeindeten Parteien ganz wunderbar ins Bild.

Trump hielt den von Hillary Clinton gepushten Krieg gegen Libyen 2011 für einen Fehler, übrigens wie viele in der US-Administration, insbesondere im Verteidigungsministerium. Wenn sich nun im Nachhinein die Außenpolitik Clintons als absolut gescheitert erweist, nutzt Trump das bestimmt auch im Wahlkampf. Und der Clinton kann er nebenbei persönlich noch eines auswischen.

Trump ist kein Freund der Moslembrüder und will sicher auch nicht, dass die Türkei so großen Einfluss in der Region gewinnt. Und bestimmt gilt immer noch: Haftar ist der Mann der CIA.

EU und Maaß? Ja, die kuschen halt , wenn Uncle Sam auf den Tisch haut, egal ob ein Trump, ein Obama oder ein Biden an der Macht ist. Denen allen ist sicher gemein, dass für sie ein starkes Europa oder gar ein auch außenpolitisch starkes Deutschland ein Gräuel ist. Nicht umsonst hat Frankreich als Gegenspieler Deutschlands auch Haftar und die LNA unterstützt.

Traurig bei der ganzen Sache: Libyen hatte sich vor 2011 immer als blockfrei und als souveräner Staat verstanden und ist nun zum Spielball der großen Mächte geworden, die aus dem Krieg in Libyen, der so vielen Menschen Leid bringt, nicht nur ihre außenpolitischen, sondern auch ihre innenpolitischen Vorteile ziehen möchten.

RE: Kurznachrichten Libyen - 15.09.2020 | 20.09.2020 | 17:20

Dank für die Hinweise! Es ist auf Reisen manchmal nicht so einfach: manchmal kein Netz, manchmal spinnt Notebook, manchmal keine Zeit. Und manchmal alles drei...

Ab Ende nächster Woche läuft hoffentlich wieder alles normal.

RE: Kurznachrichten Libyen – 25.08.2020 | 26.08.2020 | 18:39

Natürlich, Chaos zu schaffen, ist die große Stärke des Westens. Zu mehr sind sie nicht fähig. Was für eine unglaubliche Heuchelei!

Danke für die guten Wünsche. Ich versuche, unterwegs auf dem Laufenden zu bleiben und auch so weit wie möglich den Blog bei wichtigen Vorgängen zu bedienen.

RE: Kurznachrichten aus Libyen – 22.08.2020 | 25.08.2020 | 12:34

Der Zorn bricht sich Bann. Den jungen Menschen in Libyen wird seit fast zehn Jahren ihre Jugend und ihre Zukunft gestohlen!

RE: Was bringt der Waffenstillstand? | 24.08.2020 | 19:33

In der NZZ stand heute: "„Der umstrittene Einsatz des Forschungsschiffs «Oruc Reis» im östlichen Mittelmeer soll vier Tage länger dauern. Das Schiff, das derzeit nach Öl- und Gasvorkommen sucht, solle dort bis zum 27. August bleiben, teilte die türkische Marine mit. "

Abwarten, ob sich die Türkei am 27. August zurückziehen wird.

RE: Was bringt der Waffenstillstand? | 24.08.2020 | 19:29

Hier ist auch ein Artikel, der auf nichts Gutes hoffen lässt:

"Hamid Al-Safi [Pressesprecher Parlament] sagte in einem Telefoninterview im Sender Sada al-Balad: "Sarrajs Erklärung ist ein reiner Sturm im Wasserglas, und wir befürchten, dass er seine Versprechen nicht einhalten wird. Was das libysche Volk und die Öffentlichkeit insgesamt beunruhigt, ist, dass Sarradsch nicht frei ist, Entscheidungen zu treffen".

https://almarsad.co/en/2020/08/23/al-safi-sarraj-may-not-be-able-to-fulfil-his-ceasefire-promises/

Etliche Milizen und Gruppierungen in Tripolis haben sich schon dagegen ausgesprochen, den Waffenstillstand einhalten zu wollen.

RE: Was bringt der Waffenstillstand? | 23.08.2020 | 15:44

Hier noch zum Inhalt eines Artikels aus dem LibyaHarold von gestern, der bekanntlich der 'Einheitsregierung' nahesteht, zwecks der 'Ausgeglichenheit':

Am 22.08. schreibt Sami Zaptia von dem vielfältigen Druck, unter den Sarradsch in Tripolis gekommen ist. Er berichtet über eine Gruppe von hauptsächlich Frauen, die am 20.08. am Algier-Platz in Tripolis demonstrierte, um auf die desaströsen Lebensbedingungen, unter denen sie alle zu leiden hätten, aufmerksam machte. Insbesondere angeprangert wurden Strom- und Wasserausfälle, Geldmangel und in den Straßen angehäufter Müll sowie die Bedrohung durch Covid-19, dies alles mache das Leben unerträglich.

Gegen bis zu 24 Stunden anhaltenden Stromausfällen hätten bereits die Tage zuvor Jugendliche demonstriert, wobei auch Reifen angezündet und Straßen blockiert wurden.

Viele Famlien kamen sich verulkt vor, als Sarradsch den Studenten und Schülern zu Schulbeginn empfahl, hauptsächlich über Handys und soziale Medien zu lernen, wo doch ständig der Strom ausfällt. Und wer den eigenen Generator mit Diesel versorgen möchte, muss für den Liter horrende Preise bezahlen. Inzwischen sollen auch libysche Jugendliche die 'Todesboote' über das Mittelmeer besteigen. Erst vor kurzem soll eines dieser Boot gekentert sein. Alle libyschen Insassen gelten als vermisst. In ganz Libyen machte sich Bestürzung breit, wie weit es mit dem einst so reichen Libyen gekommen ist.

Die Leute werden aufgefordert, wegen der Coronapandemie, die sich in Libyen inzwischen rasant ausbreitet, zu Hause zu bleiben. Dies ist aber nicht möglich, da sie sich mit Bargeld, Kochgas, Masken und Lebensmittel versorgen und sich dabei in die langen Warteschlangen einreihen müssen.

Zaptia: "Die Regierung von Serradsch wird als eine von der internationalen Gemeinschaft eingesetzte Regierung, die über kein lokales Mandat oder Legitimität verfügt, wahrgenommen. Legitimität hätte sie durch Effektivität und Erbringung von Dienstleistungen erringen können. Sie hat es aber versäumt, auch nur eines der unzähligen Probleme in den Griff zu bekommen, von der Strom- und Wasserknappheit, der fehlenden Liquidität, der nicht funktionierenden Müllabfuhr, der schlechten Sicherheitslage, der Kraftstoff- und Kochgasknappheit usw. Das hat ihm keine Freunde gebracht."

https://www.libyaherald.com/2020/08/22/serraj-government-creaking-under-pressure-with-electricity-blackouts-water-cuts-youth-fleeing-to-europe-and-demonstrating-and-municipalities-calling-for-immediate-action/

Noch als kleine Anmerkung: Vielleicht empfindet Sarradsch dies auch deswegen nicht als vordringlich, weil sich seine Familie in Großbritannien befindet und von ihm selbst berichtet wird, er wäre häufig dort, um sich mit seiner geliebten Schokolade einzudecken.

RE: Was bringt der Waffenstillstand? | 23.08.2020 | 11:35

Ich habe kein einziges Mal geschrieben, dass die Tötung von Anhängern der 'Einheitsregierung' - soweit vorhanden - legitim und notwendig ist und schon gar nicht, dass sich das auf Berber bezieht. Leider muss festgestellt werden, dass sich gerade die Berber an der westlichen Küste auf Schmuggel- und Schleuserkriminalität verlegt haben und in einem zerrütteten Land ihr Geschäftsmodell gefunden haben.

Dass die Milizen in Tripolis zum Großteil kriminell sind und sich aus den staatlichen Geldern die Taschen vollstopfen, geht auf Berichte der UNO und Gremien in den USA zurück. Von daher kamen immer wieder die Vorgaben, diese Milizen zu entwaffnen. Das hat nichts mit Bengasi oder Kairo zu tun.

Und tatsächlich, die LNA war bis zum massiven militärischen Eingreifen der Türkei sehr siegreich. Sie stand kurz vor der kompletten Eroberung ganz Tripolis. Und die Kämpfe, die jetzt im westlichen Libyen zwischen Türkei-hörigen und libyschen Milizen ausbrechen, waren vorauszusehen - wobei es vorher schon sich feindlich gegenüberstehende Flügel gab, bevor die Türkei massiv syrische Söldner ins Land brachte.

Kein Libyer will wieder unter die Kolonialherrschaft der Türkei fallen und syrische Dschihadisten werden in Libyen auch nicht gebraucht. Die Türkei hat in Libyen keine Zukunft - und das dürfte Erdogan inzwischen auch klar geworden sein. Diese Pläne der Teilung des Landes sind nichts Geheimnisvolles, sondern bekannt und belegt. Darauf wird immer noch hingearbeitet.

Trump lobt Erdogan als guten Schachspieler, nur zu blöde, dass in diesem Spiel die Libyer die Bauern sind, die man gut und gern opfern kann.

RE: Heiko Maas überraschend in Tripolis | 20.08.2020 | 16:34

Und ich sage es zum tausendsten Mal: Auch das libysche Parlament ist international anerkannt und dazu noch demokratisch legitimiert, da es die letzten Wahlen gewonnen hat - ganz im Gegensatz zur 'Einheitsregierung', die vom Ausland eingesetzt wurde und sich nur mit Hilfe von kriminellen Milizen an der Macht halten kann bzw. seit neuestem auch mit Hilfe von der Türkei und deren syrischen Söldnern, die zu tausenden ebenso wie Waffen - entgegen des UN-Waffenembargos - ins Land gebracht werden. Inzwischen ist die 'Einheitsregierung' beherrscht von den Moslembrüdern und der Türkei, die in Libyen versucht, Militärstütztpunkte aufzubauen und sich Libyens Gelder in die Taschen stopft.

Haftar wurde vom UN-anerkannten Parlament beauftragt, wieder eine libysche Armee aufzubauen, um gegen bewaffneten Milizen vorzugehen.

Kein Libyer will die Neokolonialisten sprich Türkei wieder in Libyen haben. Libyen muss ein geeinter, souveräner Staat bleiben! Die Türkei hat in Libyen nichts verloren!