Angelika Gutsche

Reisen führten Angelika Gutsche unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan. Viele Reportagen fanden Veröffentlichung.
Angelika Gutsche
RE: Die EU hat's kapiert: Ohne Stämme geht nichts | 19.03.2019 | 14:08

Ich denke auch nicht, dass die EU ihr Wissen zur Einsicht nutzt. In der Studie heißt es aber: >Die Ausgrenzung dieser bedeutenden und machtvollen Stämme aus dem politischen Prozess führe in Libyen zur Instabilität. „Solange diese Stämme vernachlässigt werden, wird jede politische Führung geschwächt, v.a. weil die Stämme bewaffnet sind, große Gebiete kontrollieren und so den Staat militärisch herausfordern können.“<Das ist doch wohl so zu interpretieren, dass die Stämme bewaffnet sind und militärisch stark. Will der Westen also keine Bodentruppen schicken (seinen Proxykämpfer in Form von al-Kaida und anderen Dschihadistengruppen ist die Puste ausgegangen), wird er - wenn die Stämme einig sind - seine von ihm eingesetzte Regierung in Libyen nicht halten können.Wie heißt es doch: Wenn man eine Bewegung nicht aufhalten kann, muss man sich an ihre Spitze setzen. Dies ist der einzige Grund, warum der Westen plötzlich sein Interesse für die Stammesgesellschaft entdeckt.

RE: Sarradsch: Ämterhäufung und Amtsanmaßung | 02.03.2019 | 10:42

Danke für den Hinweis! Es ist bezeichnend, dass das Treffen Sarradsch/Hafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfand, die die LNA in Ostlibyen (d.h. jetzt auch im Süden und Südwesten präsent) unterstützen.Ich werde die nächsten Tagen noch genauer darüber berichten.

RE: Mit Gaddafi starb ganz Libyen | 28.02.2019 | 12:00

Unter Idealisierung versteh ich eigentlich schon ein bisschen etwas anderes. Allerdigns habe ich viele arabische und nordafrikanische Länder bereist und kann da manchen Vergleich ziehen. Und Libyen kam da wirklich gut weg!

Im übrigen möchte ich Sie auf meinem Blog-Beitrag verweisen:https://www.freitag.de/autoren/gela/kampagne-gegen-gaddafi-nimmt-wieder-fahrt-aufDarin heißt es: Die Vereinten Nationen haben noch am 4. Januar 2011 in einem Bericht des UN Human Rights Council über Libyen ausgeführt: „Die Delegation [des UNHRC] bestätigte, dass Frauen in der Libysch-Arabischen Dschamahirija hoch angesehen sind und ihre Rechte von allen Gesetzen und der Gesetzgebung garantiert werden. Diskriminierende Gesetze wurden aufgehoben. Libysche Frauen besetzen herausragende Positionen im öffentlichen Bereich, dem Justizwesen, der Staatsanwaltschaft, bei der Polizei und im Militär. Die libysche Gesetzgebung sichert auch die Rechte der Kinder, lässt Kindern mit besonderen Bedürfnissen, Älteren und Behinderten besondere Aufmerksamkeit zukommen.“ (Punkt 12 des Berichts)

Hier können Sie sich den gesamten Bericht zu Gemüte führen:

Report oft he working group of universal periodic review; Human Rights Council; 4.1.011;http://www2.ohchr.org/english/bodies/hrcouncil/docs/16session/A-HRC-16-15.pdf

Könnten Assad und Maduro wirklich gestürzt werden, würde auch das zu einem Desaster für die meisten Menschen in diesen Ländern führen. Aber davon wollen wir ja mal nicht ausgehen. Nur: Die westlichen Medien würden nicht mehr darüber berichten, genauso wenig wie sie das jetzt über Libyen tun. . Es wird gerade versucht, Regime-changes schön zu reden, als notwendig, um 'Despoten' zu stürzen. Wenn danach etwas schief läuft, Pech gehabt! Nein, so einfach geht das nicht! Zum einen gibt es ein Völkerrecht, das ein Selbstbestimmungsrecht der Völker und eine Nichteinmischung von außen vorsieht, zum anderen ist jede Nation für den Krieg und die Einmischungen mit den sich daraus ergebenden Konsequenzen verantwortlich!

RE: Mit Gaddafi starb ganz Libyen | 27.02.2019 | 15:07

Muammar al-Gaddafi ist tot. Und Libyen ist zerstört, ein failed state. Der Westen und die Nato haben ganze Arbeit geleistet. Das alte Libyen wird nie mehr auferstehen. Ob man das bedauern mag oder auch nicht.

Jetzt geht es darum, die Bevölkerungsgruppen miteinander zu versöhnen, das Land wieder aufzubauen. Wie ich meine, ist keiner der in Libyen auf offener politischer Bühne Agierenden dazu in der Lage, da gerade von ihnen die Spaltung des Landes ausging und ausgeht. Tatsächlich glaube ich, dass es Saif al-Islam Gaddafi möglich wäre, das Land wieder zu einen und ihm seine Souveränität weitgehend zurückzugeben. Er ist nicht nur als Mittler glaubwürdig, wie er das schon in den Zeiten vor 2011 bewiesen hat, sondern auch in seinem Bemühen, wirklich für die Interessen Libyens und der Libyer einzutreten. Er hat Rückhalt in weiten Teilen der Bevölkerung und der Stammesräte.

Nun müsste man die Libyer nur noch wählen lassen. Und das war es doch, was der Westen herbeibomben wollte? Freie Wahlen...

Und Muammar al-Gaddafi? Die Dämonisierung Gaddafis begann bereits in den 80er Jahren. Bei der CIA war das bekannt als psychologische Kriegsführung. Der Westen hatte damals nur ein Problem: In Libyen selber gab es praktisch keine Opposition gegen Gaddafi. Die ganz wenigen sehr Reichen verließen das Land, während die überwältigende Mehrheit der Libyer ihn einfach gut fand. War ja auch kein Wunder: Geld kam in Libyen rein durch das Öl und wurde auch benutzt, um den Menschen aus dem Analphabetentum und der Armut zu helfen. Es war die Zeit des Panarabismus. Und an den Sozialismus glaubte man auch. Es waren Aufbruchszeiten. Der Kolonialismus, der in Libyen in Form des italienischen Faschismus besonders gewütet hatte, war vorbei. Und für all das stand Gaddafi.

Die Zeiten änderten sich. Und Gaddafi war längst zum politischen Pragmatiker geworden, der gerne mit Europa Geschäfte machte, mit den USA im Kampf gegen den Dschihadismus zusammenarbeitete, möglichst hohe Öleinnahmen Libyen zu Gute kommen ließ und die Ölgelder gewinnbringend als Staatsfonds im Ausland anlegte. Daneben hatte er die Bedeutung der subsaharischen Staaten für die zukünftige Weltwirtschaft erkannt, was der Westen total verschlafen hatte, und arbeitete eng mit diesen Ländern – auch und v.a. zu deren Wohl – zusammen. Er setzte sich immer für Frauen- und Menschenrechte ein und der Freiheitsbegriff war ihm sehr wichtig. Übrigens hatte Gaddafi kein politisches Amt inne, sondern verstand sich als Oberst oder Revolutionsführer. Er war mit seinen 69 Jahren gesundheitlich – das Herz – angeschlagen und hatte sich aus den politischen Alltagsgeschäften längst zurückgezogen. Die offizielle Staatsform in Libyen war die Dschamahirija – sprich die Herrschaft der Massen, vertreten durch Volkskomitees etc. Tatsächlich handelte es sich um eine Stammesgesellschaft, in der die Machtverhältnisse äußerst geschickt austariert waren.

Um die Dschamahirija zu stürzen, musste der Westen erst langsam islamistische Gruppen aufbauen (in den Jahren nach 2010 waren die Afghanistan-Heimkehrer dafür prädestiniert), ethnische und Stammeskonflikte schüren und das Umfeld („arabischer Frühling“) schaffen. Volles Programm also, um 2011 endlich zur Tat schreiten zu können. Daneben lief natürlich die ständige Dämonisierung, wie wir sie gegen Saddam Hussein und Assad, aber auch schon gegen Milosevic in Jugoslawien kennengelernt haben. Früher gingen Kriegsvorbereitungen so: Man dämonisierte Länder und deren Bevölkerung wie „die dreckigen Franzosen“, „Engländer, die Inselaffen“, „die Polen, alles Diebe“, die „dummen Schwarzen“, „Araber, die Kameltreiber“. Das geht heute natürlich überhaupt nicht mehr. Man kann heute nicht mehr Länder mit Krieg überziehen, weil es die in ihrer „Minderwertigkeit“ nicht anders verdient haben. Da musste man sich einen neuen Dreh überlegen. Jetzt sind es halt nicht mehr „die Syrer“, sondern es ist „Assad“, der weg muss, oder auch Gaddafi, oder wie jetzt in Venezuela Maduro, auch wenn es die Syrer, die Libyer (und hoffentlich nicht bald auch die Venezolaner) sind, deren Land zerbombt wird und die sterben, damit man sich deren Ressourcen unter den Nagel reißen und die Geopolitik zu den eigenen Gunsten drehen kann.

RE: Libyen auf der Münchner Sicherheitskonferenz | 19.02.2019 | 15:52

NACHTRAG: Salamé traf sich auch mit dem deutschen Staatssekretär Walter Lindner, mit der Interimspräsidentin der Weltbank Kristalina Georgieva. Sie tauschten sich darüber aus, wie die wirtschaftlichen Herausforderungen des libyschen Volkes anzugehen seien. Und Salamé traf sich mit dem Kommandeur des US-Militärkommandos in Afrika (Africom), General Thomas Waldhauser. Sie diskutierten die politische und Sicherheitslage in Libyen. In diesem Zusammenhang tauschte sich Salamé auch mit dem Außenminister von Katar Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al-Thani über den politischen Prozess in Libyen aus und informierte ihn über die nächsten Schritte des Aktionsplans der Vereinten Nationen. - Ohne Kommentar!

https://www.libyanexpress.com/un-mission-puts-libya-crisis-at-the-top-of-key-issues-at-munich-security-conference/

RE: Libyen auf der Münchner Sicherheitskonferenz | 18.02.2019 | 11:17

Danke für die Rückmeldung! Ich bemühe mich schon, auch immer die Links zu den Blogbeiträgen reinzustellen. Nur leider, manchmal habe ich sehr viele Artikel gelesen und komme auch auf ältere Blogbeiträge zurück und versuche, mir aus allem einen Reim zu machen. Viele Artikel sind auf Englisch oder sogar auf Arabisch. Und dann das alles als Link auf meinen Blog zu stellen, sprengt sowohl meine Kapazitäten und würde mangels Überflutung wie ich meine auch den Leser überfordern. Dazu kommt, dass es auf Deutsch ganz, ganz wenig zu Libyen gibt. Aber ich werde mich gerne bemühen, so weit wie möglich zu verlinken.

RE: Streit zwischen Libanon und Libyen eskaliert | 04.02.2019 | 13:41

Danke! Es ist wirklich unglaublich, dass Hannibal Gaddafi seit über drei Jahren im Libanon gefangengehalten wird, ohne dass er seine Familie sehen oder Besuche empfangen kann!

RE: Kampagne gegen Gaddafi nimmt wieder Fahrt auf | 21.01.2019 | 21:37

Ich darf meine libysche Freundin zu Ihrem Kommentar zitieren:

One thing is a fact that Qaddafi still bothers them even dead that means he did something right. If he suppressed women in Libya why was the law made by him that:

1. Women after 18years of age could be married and not a day younger.2. If it was an arranged marriage against the will of the bride she could go to the police or Imam and say so3. Woman was aloud to have land on her name.4. Obligatory a woman to finish school and if she wanted to go to university she could go5. Women could travel abroad without a male companion 6. Women aloud to have their own money and their own account from their husband7. All women are aloud to drive cars aeroplanes helicopters etc.8. For the women in Libya the sky was the limit.

Vielleicht mag Ihnen das alles als selbstverständlich erscheinen, aber ich kann Ihnen garantieren, dass dies für islamische bzw. arabische Länder alles andere als selbstverständlich ist.