Angelika Gutsche

Reisen führten Angelika Gutsche unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan. Viele Reportagen fanden Veröffentlichung.
Angelika Gutsche
RE: Warum es ohne eine libysche Armee nicht geht | 12.04.2019 | 18:08

As-Safi ist mit Hafter nicht zu vergleichen. Hafter setzte sich bereits 1987 in die USA ab und war 2011 am Sturz Gaddafis beteiligt.

Ich denke, die Stämme und Städte und mit ihnen auch die Dschamahirija sind gut organisiert und handeln geplant. Die Aussagen von as-Safi stellen sicherlich keine Einzelmeinung dar. Ihr wichtigstes Ziel ist es, Libyen wieder zu vereinen und eine Aussöhnung zu erreichen, damit Libyen als Staatsgebilde wieder funktionsfähig wird. So wie die Lage jetzt in Libyen ist - mit den vielen Waffen im Umlauf und den ganzen gewalttätigen Milizen und einer von außen aufgezwungenen 'Einheitsregierung' - ist dieses Ziel ohne Armee nicht zu erreichen.

RE: Der Ruf verklagt sein Echo | 11.04.2019 | 22:38

Es ist nicht immer alles so, wie es scheint. Auch ich bin der Meinung, dass demokratische Wahlen zu fordern, wie sie in reichen und hochindustrialisierten Staaten durchgeführt werden, in Stammesgesellschaften oft nur zur Unterdrückung von Minderheiten führen. In bestimmten Ländern, bin ich überzeugt, ist jedes Wahlergebnis käuflich und manipulierbar. Und dass die Forderung nach demokratischen Wahlen nur ein Mäntelchen ist, um regime changes zu befördern, eh klar.

Im Falle Libyens ist die Sache halt leider kompliziert und liegt anders. Die libyschen Stämme und Städte haben sich zusammengeschlossen und fordern Wahlen. Sie überzeugt, sie können damit Saif al-Islam Gaddafi zum Präsidenten wählen. Inzwischen ist es der Westen, der Wahlen um jeden Preis verhindern möchte, weil dann seine aufgezwungene 'Einheitsregierung' weg ist, übrigens genauso wie ein General Hafter, der für die CIA arbeitete (oder es noch tut) und einen amerikanischen Pass hat.

RE: Der Ruf verklagt sein Echo | 11.04.2019 | 15:14

Hafter ist mit Sicherheit nicht die Zukunft Libyens:

"Der 76-jährige Khalifa Hafter gehörte einst der libyschen Armee an und war Befehlshaber im libysch-tschadischen Grenzkrieg, wandte sich aber, als sich der Sieg des Tschad abzeichnete, von Gaddafi ab und der CIA zu. Die USA flogen Hafter aus und der General bezog Quartier in nächster Nähe von Langley/Virginia, dem Sitz der CIA. 2011 wurde er wieder nach Libyen eingeflogen, um sich am Sturz Gaddafis zu beteiligen. Als die Dschihadisten und Moslembrüder 2014 nach verlorenen Wahlen ihre Macht nicht aufgeben wollten, sondern ein Gegenparlament installierten, begann Hafter in Tripolis die militärische Operation „Würde“ (Dignity). In dem darauffolgenden Bürgerkrieg gegen den islamistischen Milizenzusammenschluss unter dem Namen „Libyan Dawn“ (Fadschr) konnte sich Hafter nicht durchsetzen. Das gewählte Parlament, die Regierung und die Streitkräfte der Operation Würde verließen aus Sicherheitsgründen Tripolis und gingen in den Osten des Landes. Dort baute Hafter die Libysche Nationalarmee (LNA) auf und wurde vom Parlament zum Oberbefehlshaber und Generalfeldmarschall ernannt. Es folgte ein langer und blutiger Kampf gegen die al-Kaida nahestehenden Dschihadisten-Milizen in Bengasi und zuletzt in der Dschihadisten-Hochburg Derna, der erst vor wenigen Monaten siegreich beendet werden konnte. Hafter konnte sich auch die Kontrolle über Libyens wichtigste Ölverladeterminals im Golf von Sirte sichern. Vor kurzem zog der General mit der LNA in den Süden und Südwesten, wo er auf friedlichem Weg auch die Kontrolle über die wichtigsten Erdölfelder übernehmen konnte. Vor wenigen Tagen startete er den Marsch auf Tripolis, um auch die Hauptstadt „aus der Hand von Terroristen zu befreien“.

Vielleicht noch zur Ergänzung: Hafter hat auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

RE: Der Ruf verklagt sein Echo | 11.04.2019 | 15:06

Auch wenn gut ist, dass die Libysche Nationalarmee Tripolis befreit, kann General Hafter nicht die Lösung für Libyen sein! Es müssen Wahlen folgen, bei denen alle Parteien, auch die ehemalige Dschamahirija, die zu Zeiten Gaddafis die Regierung stellte, zugelassen sind!

Libyen ist eine Stammesgesellschaft und die Räte der Stämme und Städte werden Libyen einen.

Seit 2011 berichte ich auf meinem Freitag-Blog über Libyen und es würde mich freuen, wenn Sie meinen Blog besuchen!

RE: Die Warlords der NATO | 11.04.2019 | 11:34

Vielen Dank für diesen Artikel. Es freut mich sehr, dass sich auch einmal ein Redakteur von Freitag des Themas Libyen annimmt, über das ich seit 2011 versuche, aktuell auf meinem Freitags-Blog zu berichten.

Es würde mich freuen, wenn Interessierte meinen Blog besuchen!

RE: LNA-Vormarsch kommt ins Stocken und UN drohen | 07.04.2019 | 16:24

Nur mal ganz grundsätzlich: In den ganzen vorhergehenden Artikeln habe ich mich für die Abhaltung von WAHLEN in Libyen ausgesprochen und nicht für einen Marsch auf Tripolis! Dass ich kein Freund von Hafter bin, dürfte Ihnen nicht entgangen sein, ebenso wenig bin ich allerdings ein Freund von Sarradsch. Hafter ist CIA-Mann mit amerikanischem Pass würde definitiv eine Militärregierung errichten, was ich ablehne. Und Sarradsch eine Marionette der Westmächte, mit vielen Skandalen und keinem Rückhalt, und betreibt den Ausverkauf Libyens.

Dass die Milizen, die Sarradsch unterstützen, die Pest für Tripolis und ganz Libyen sind, ist mehrfach auch von UN und Salamé betont worden. Und dass Libyen Wahlen und darauf folgend eine wirkliche Regierung mit einem funktionierenden Sicherheitsapparat benötigt, dürfte auch niemand bestreiten.

RE: LNA-Vormarsch kommt ins Stocken und UN drohen | 07.04.2019 | 10:40

Tatsächlich hat die libysche Bevölkerung sehr viel erleiden müssen. Und seit 2014 vor allem die Menschen in Tripolis. Über die Situation dort habe nicht nur ich berichtet, sondern es wurde auch beim letzten Bericht des UN-Sonderbeauftragten vor dem UN-Sicherheitsausschuss darauf hingewiesen. Die Infrastruktur von Libyen, oder was von ihr noch übrig ist, ist komplett am Zusammenbrechen. In Tripolis ist vor kurzem zum ersten Mal wieder Malaria aufgetreten. Vier wichtige Brunnen, die die Stadt mit Wasser versorgen, sind am Verrotten. Salamé sagte, jeden Tag gibt es einen neuen Millionär (durch Korruption, Diebstahl), dafür haben die normalen Leute jeden Tag weniger. Wahlen, die das Land einigen könnten, werden immer wieder verschoben, zuletzt sollten sie im Dezember 2018 abgehalten werden, jetzt erst Ende 2019!

Sie wissen wohl auch, dass seit etwa zwei Wochen in Tripolis alle Demonstrationen etc. verboten wurden, vor allem nachdem Studenten für die Auszahlung von Stipendien und Familien- und Stammesangehörige für die Freilassung von ehemaligen Gaddafi-Leuten demonstriert haben. Soviel zur Demonstrationsfreiheit. Und schon lange mahnen Journalisten an, dass keine offene Berichterstattung über Libyen mehr möglich ist. Viele Online-Portale, die heute auf Englisch über Libyen berichten, sind von westlichen Geheimdiensten gesteuert. . Soviel zur Pressefreiheit.

Sarradsch hat wegen seiner vielen Skandale und der Entlassung von fünf Ministerien keinen Rückhalt mehr. Auch seine Milizen werden ihn nicht retten, da sie auf ausstehende Gehälter in Millionenhöhe warten. Sarradsch unterstützt genauso die Moslembruderschaft, wie das die EU und die UN tun. Da waren gute Deals ausgehandelt worden: Die Moslembrüder können sich die Taschen vollstopfen und dafür kann eine Marionettenregierung des Westens schalten und walten wie sie will. Kein Wunder, dass Sarradsch und die ihn unterstützenden Kräfte alles tun werden, um Wahlen in Libyen zu verhindern, ebenso wie das Hafter im Osten tun wird, der bei Wahlen ebenso wenig Chancen hätte.

Die Gewalt ging von Anfang an, d.h. von 2011 an, zuerst von den sog. ‚Aufständischen‘, dann von der Nato aus. Auch jetzt ist es Misrata – wie sie selbst schreiben, das für die Bombardements verantwortlich ist, nicht die Libysche Armee. Und jetzt wegen Gewalt gegen Tripolis zu jammern, die übrigens niemand vorhat auszuüben, ist schon der Gipfel der Heuchelei! Gerade Tripolis leidet seit Jahren unter der Schikane und willkürlich ausgeübten Gewalt der dschihadistischen Milizen, mit Gefängnissen, in denen hunderten einsitzen, ohne Verhandlungen oder juristischen Beistand.

Bevor Libyen komplett zusammenbricht und ein durch nichts legitimierter Sarradsch den Ausverkauf des Landes vollendet, muss sich etwas ändern! Und das wird durch den Zusammenschluss der Stämme geschehen. Und diese werden auch dafür Sorge tragen, dass noch diesen Sommer Wahlen in Libyen abgehalten werden.

Sehen Sie vielleicht auch die Ironie? Die Nato wollte doch die Demokratie nach Libyen bringen, und jetzt kämpfen die Libyer darum, dass endlich demokratische Wahlen abgehalten werden?

Viva Libya!

Zu den militärischen Sachverhalten kann und will ich mich nicht äußern.

RE: Nur durch Wahlen wird Einigung möglich | 05.04.2019 | 20:44

Die Grenzen Libyens liegen zum Großteil im Sahara-Sand und sind praktisch nicht zu kontrollieren. Das Waffenembargo der UN ist ein Witz.

Und wer bezahlt? Gute Frage. Für die Tripolis-'Einheitsregierung' kommt das Geld wohl direkt von den Öleinnahmen und den ehemaligen, 2011 eingefrorenen libyschen Staatsgeldern. Hier gelten Katar udn Türkei als Sponsoren, es dürften aber auch westliche Staaten was springen lassen, so z.B. ganz offiziell für den Grenzschutz.

Auch die östliche Übergangsregierung in Tobruk hat eine vom Westen abgespaltene Staatsbank. Und es dürften die VAEund Saudi Arabien Finanziers und Waffenlieferanten via Ägypten sein.

Es dürfte also auf beiden Seiten auch mit deutschen Waffen gekämpft werden.

Daneben sind in Libyen geschätzt 21 Millionen Waffen unkontrolliert im Umlauf. Auf jedem Markt kann man sich eindecken.