Hillary-E-Mails und Whistleblower

Libyen/USA. Das US-Außenministerium veröffentlichte eine Reihe geheimer E-Mails Hillary Clintons, nachdem der US-amerikanische Präsident Trump die Geheimhaltung aufgehoben hatte.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Diese E-Mails stehen ebenso wie die Enthüllungen von Whistleblowern in Verbindung zum Wahlkampf in den USA. Nichtsdestotrotz helfen die Dokumente bei der Aufklärung um die Vorgänge in Libyen und anderen arabischen Staaten in den Jahren 2011/12.

Bengasi-Gate und der Whistleblower Nick Noe

Video vom 12.10.2020: Nick Noe arbeitete im Luftraumoperationszentrum in Ramstein (603rd AOC). Über seinen Schreibtisch gingen alle sensible Militärinformationen wie z.B. Truppenstandorte, auf deren Grundlage er Situationsberichte der Africom-Operationen für Generäle verfasste. In einem Youtube-Interview berichtet er jetzt über die Zeit des Überfalls auf das US-amerikanische Konsulat im September 2011 in Bengasi. Obwohl die Situation Besorgnis erregend und Drohnen vor Ort waren sei nichts unternommen worden, um die US-Amerikaner in Bengasi zu schützen. Sein Kollege, der Nachtschicht hatte, habe die Vorgänge in Realzeit beobachtet und die Geheimdienste kontaktiert. Diese meinten, sie könnten nichts tun. Nach seiner Entlassung aus dem Militär habe Noe versucht, die CIA einzuschalten. Diese zeigte sich nicht interessiert. Nach Kontakten mit dem Vater eines in Bengasi getöteten US-Amerikaners (Tyrone Woods) und mit dem Whistleblower Allan Parrot, der über ein umfangreiches Audiomaterial und unwiderlegbare Dokumente verfüge, habe man beschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Noe sprach vom Tod Bin Ladens, der ein „Trophäen-Mord“ gewesen sei und vom 6. Seal-Team, das 2011 in Afghanistan abgeschossen wurde. Hillary Clinton habe das geheime Waffenprogramm von Mark Turis übernommen. Dazu sei sie nicht befugt gewesen, da das Außenministerium kein Waffenhändler sei. Sie habe die Stinger-Missiles für den Einsatz in Bengasi verkaufen wollen. Die CIA habe die Stinger-Missiles vorher nach Katar gebracht.
Das unwiderlegbare Beweismaterial werde nun veröffentlicht.
https://www.youtube.com/watch?v=f_VQ0CP2S5U&feature=youtu.be

Hintergrund: Parrot behauptet, die Obama-Administration habe mit dem Iran ein Abkommen geschlossen, um den Tod von Osama bin Laden in Pakistan zu inszenieren. Aber der Iran habe die USA hintergangen und bin Laden gegen einen Doppelgänger ausgetauscht und von den USA Milliarden US-$ für sein Schweigen erhalten. Eine Rolle spielt auch der Abschuss eines Hubschraubers mit einem 15-Mitglieder starken Seal 6-Teams im August 2011 in Afghanistan. Dieser Abschuss sei laut Parrot damals von der Obama-Regierung befohlen worden. Bengasi sei angegriffen worden, um den US-amerikanischen Ursprung der beim Hubschrauberabsturz verwendeten Missile zu vertuschen. Offiziell wird sowohl der Abschuss des Hubschraubers in Afghanistan als auch der Angriff in Bengasi al-Kaida-Gruppen angelastet. Im gerade stattfindenden US-Wahlkampf spielen die Vorwürfe gegen die damalige Obama-Regierung eine nicht geringe Rolle.

Mohammad al-Fatah berichtete bereits 2012 ausführlich über Bengasi-Gate.
Es hieß, in Bengasi hätten die USA nicht eingegriffen, da Botschafter Christopher Stevens zuviel über die Waffengeschäfte und die Vorgänge um die Stinger Missiles gewusst hätte.
https://www.freitag.de/autoren/gela/hillary-clinton-stinger-raketen-und-bengasi

Clinton E-Mails

Ahmed Gaddaf ad-Dam, Libyan National Struggle Front/LNSF und Cousin von Muammar al-Gaddafi, hat erste Schritte unternommen, um Hillary Clinton wegen Unterstützung von Terrorismus und der Zerstörung Libyens zu verklagen. Er habe seinem Team von Rechtsanwälten zur Vorbereitung der Klage neben denen vom US-Außenministerium frei gegebenen noch weitere Dokumente zur Verfügung gestellt.

Auch die Union der Libyschen Stämme beschloss, eine Klage gegen den ehemaligen Leiter des NTC, Mustafa Abdul Dschalil, einzureichen, und zwar wegen „Kommunikation mit dem kolonialen Ausland, Anstiftung zur Tötung der bewaffneten Volksarmee, Legitimierung terroristischer Gruppen, einschließlich der Moslembruderschaft, und Veruntreuung öffentlicher Gelder“. Dschalils Stamm wird aufgefordert, wegen Landesverrats seinen sozialen Schutz aufzuheben.

https://www.almasdarnews.com/article/muammar-gaddafis-cousin-to-sue-hillary-clinton-for-destroying-libya/
https://twitter.com/smmlibya/status/1316376126416191488/photo/1

+ In einer Live-Sendung sagt der Vorsitzende des libyschen Übergangsrates, Mustafa Abdel-Dschalil: „Nachdem Gaddafi gestürzt war, habe ich Doha gemeinsam mit drei anderen Führern des Übergangrates besucht und wir haben von den Katarern 100.000 Dollar als Geschenk im Rahmen des „diplomatischen Brauchs“ erhalten.
https://twitter.com/Al_Fatah69/status/1316726338363981824

Aus den E-Mails:

In den E-Mails wird jeweils darauf hingewiesen, dass die aufgeführten Quellen direkten Kontakt zum ehemaligen Libyschen Nationalen Übergangsrat sowie zu den höchsten Ebenen europäischer Regierungen und westlichen Geheim- und Sicherheitsdiensten hatten.
Die meisten Mails sind von dem Politberater Sidney Blumenthal an Hillary Clinton.

Libyen 2011

+ 20.10.2011: Dem damaligen Vorsitzenden des Übergangsrats und Außenminister Mahmud Dschibril wurde vorgeworfen, zu zögerlich bei Entscheidungen zu sein, die beispielsweise die Bildung einer Übergangsregierung und die Verhandlung von neuen Verträgen mit ausländischen Firmen im Bereich des libyschen Ölsektors betreffen. Dschibril sei besorgt, selbst in ausländische Wirtschaftsverträge miteingebunden zu werden, die zu Korruptionsanklagen gegen ihn führen könnten.

+ Eine Nachricht legt nahe, dass der britische Geheimdienst noch zwei Monate nach der „Revolution“ in Libyen den beiden gegnerischen Lagern, Gaddafis Sicherheitsapparat und den sogenannten Rebellen, Informationen übermittelte.
[Damals war man sich wohl noch nicht so sicher, wer als Sieger hervorgehen würde. Am Ende stand man in jedem Fall auf der richtigen Seite.]

Libyen 2012

+ 08.03.2012: Clintons Berater Sidney Blumenthal schrieb, dass „in der Zeit von Mitte Januar 2012 bis März 2012 Offiziere des französischen Geheimdienstes Direction Generale de la Securite Exterieure (DGSE) und des britischen Geheimdienstes (SIS-MI-6) lang bestehende Kontakte mit Stammesführern im Osten Libyens aufgenommen haben, um sie zur Einrichtung einer halbautonomen Zone in der Provinz Kyrenaika zu ermutigen“. Initiiert hätte dies der damalige französische Präsident Nicholas Sarkozy, der sich beschwerte, „dass die neue libysche Regierung französische Firmen für die führende Rolle, die Frankreich bei der Unterstützung der Revolution 2011 gegen den damaligen Diktator Muammar al-Gaddafi gespielt habe, nicht angemessen belohne“. Laut Blumenthal habe sich SIS „diesen Bemühungen auf Anweisung des Büros von Premierminister David Cameron“ angeschlossen. „Diese streng vertraulichen Bemühungen sind eine Reaktion auf die Unfähigkeit der Regierung des Nationalen Übergangsrates (NTC) in Tripolis, das Land effektiv zu organisieren und westliche Geschäftsinteressen effektiv und effizient zu behandeln“. Und: „Die französischen und britischen Wirtschafts- und Geheimdienstbeamten glauben, dass ein halbautonomes Regime in der östlichen Stadt Bengasi in der Lage sein wird, Geschäftsmöglichkeiten in dieser Region zu organisieren. Es gebe auch eine geringere Bedrohung durch islamistische Milizen im Osten. Französische Beamte hätten „informelle Vereinbarungen mit dem ehemaligen Premierminister Mahmoud Dschibril und seinen Beratern getroffen“, die diese aber ignoriert und die Umsetzung verzögert hätten. „Eine äußerst sensible Quelle gab an, dass DGSE und SIS beabsichtigen, den Übergang zu einem halbautonomen Staat unter einem föderalen System zu kontrollieren“. Allerdings seien sie überrascht gewesen von der Ansicht des Ministerpräsidenten der Übergangsregierung, Abdel Rahim al-Kib, der das Land mit Gewalt zusammenhalten will.

+ 03.04.2012: In einer Mail, die von ihrem Berater Jacob Sullivan an Clinton weitergeleitet wurde, heißt es, der damalige Vorsitzende des Nationalen Übergangsrates (TNC), Mustafa Abdel Dschalil, und seine Berater seien mit dem Führer der ägyptischen Muslimbruderschaft, Mohammed Badie, und dessen Beratern in Kontakt. Es ging dabei um Berichte über den Wunsch der libyschen Moslembrüder, Unterstützung von der ägyptischen Moslembruderschaft zu erhalten. Badie und Dschalil hätten Gespräche geführt, um einen Plan für den Umgang mit der libyschen Muslimbruderschaft zu entwickeln.
In der Mail heißt es, dass Abdel Dschalil und der ehemalige libysche Premierminister Abdul Rahim al-Kib während ihrer Schulzeit in Ägypten Mitglieder der ägyptischen Muslimbruderschaft waren. Dschalil habe bestätigt, dass es bisher gelungen sei, einen Gewaltausbruch zwischen den rivalisierenden Gruppen zu verhindern, selbst angesichts der föderalen Bewegung im Osten Libyens an der Grenze zu Ägypten. Er warnte aber davor, dass der Sieg der libyschen Moslembruderschaft und ihres politischen Arms dies ändern könnte. Dies könne auch über die Grenze nach Ägypten übergreifen.

+ 23.08.2012: Die E-Mails informieren Clinton darüber, dass der Leiter des Libyschen Nationalen Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, geheime Treffen mit Muhammad Yusef al-Magariaf, dem Vorsitzenden des Libyschen Nationalkongresses, abgehalten hat, um den Aufbau eines islamischen Staates in Libyen zu erörtern, der in der Weltwirtschaft eine wichtige Rolle spielen solle. Magariaf habe mit dem ehemaligen ägyptischen Präsidenten und Führer der Muslimbruderschaft, Mohamed Mursi, über eine Erhöhung der tunesischen und ägyptischen Investitionen an der Börse von Bengasi gesprochen. Abdel Jalil und Magariaf stimmten überein, dass Tunesien und Ägypten den Schlüssel für den künftigen wirtschaftlichen Erfolg Libyens darstellten: Libyen habe die finanziellen Mittel, während Ägypten und Tunesien technisches Fachwissen einbrächten. Dies sei eine Abkehr von den Zuständen unter Gaddafi, als Libyens Ressourcen unter ausländische Kontrolle geraten seien. Dschalil sei der Meinung, dass Magaria die Zusammenarbeit mit US-amerikanischen und westlichen Banken und Unternehmen begrüßen würde, er glaube jedoch, dass Libyen mit Unterstützung der neuen Regierungen, die aus dem Arabischen Frühling hervorgingen, die Kontrolle über die Ausbeutung seiner natürlichen Ressourcen behalten müsse. Zidan beklagte sich, dass er und Magariaf unter dem Druck der Regierung Mursi und der Moslembruderschaft in Ägypten stehen, die möchten, dass innerhalb der libyschen Ölindustrie ägyptische Erdöl-Servicefirmen die westlichen Konzerne ersetzen.
[Dies dürfte erklären, warum Moslembruder Mursi in Ägypten so schnell wieder abgeschafft wurde, ohne dass von der „westlichen Wertegemeinschaft“ große Kritik laut wurde, trotz des Massakers am Tahrir-Platz in Kairo am 14. August 2013 mit bis zu tausend gezielten Tötungen von Zivilisten durch das Militär.]

+ 27.08.2012: In der Mail von Blumenthal heißt es, „Magariaf ist der Regierung der USA und Frankreichs besonders wohlgesonnen, basierend auf den Erfahrungen, die er mit beiden während seines Kampfes gegen Gaddafi gemacht hat. Die Quelle glaubt auch, dass er der Regierung von Omar al-Bashir im Sudan feindlich gesinnt bleibt. 1980 stürzte Bashir den Verbündeten von Magariaf, den sudanesischen Premierminister Sadiq al-Mahdi und wies Magariaf und seine Anhänger aus Khartum aus.“
Magariaf wolle auch diskrete Beziehungen zu Israel knüpfen. Dies müsse zurückhaltend gehandhabt werden, aber der neue libysche Präsident teile viele Freunde und Verbündete mit den Führern Israels. „ Magariaf mag hin und wieder gezwungen sein, kritische Äußerungen gegenüber Israel zu seinem eigenen politischen Zweck zu machen, aber es scheint, dass er und seine Verbündeten die Erfahrung und Raffinesse haben, diese Sache zu managen.“
Ein regionales Band soll zwischen den neuen revolutionären Regierungen Tunesiens, Libyens und Ägyptens geknüpft werden.
Magariaf beabsichtige auch, einen Plan zur Entwaffnung der islamistischen Milizen, die gegen Gaddafi gekämpft haben, zu entwickeln, ohne ihr Misstrauen zu wecken. Er glaubt, dass seine islamistischen und Anti-Gaddafi Referenzen ihm erlauben werden, diese Herausforderungen zu meistern

+ 16.10.2012 (?): In der Mail heißt es, dass gerade als Ansar asch-Scharia begann, als Miliz die föderalistischen Ansprüche der Stammesführer im Osten zu unterstützen, von AQIM-Radikalen infiltriert wurde. Viele der anderen regionalen und ethnischen Milizen im ganzen Land könnten dem Beispiel folgen, wenn die Entwaffnung erfolglos bliebe.

+ 25.10.2012: Aus den E-Mails geht ebenfalls hervor, dass der damalige Vorsitzende des Libyschen Nationalkongresses, Yusuf al-Maqrif, vom Angriff auf das US-amerikanische Konsulat in Bengasi schockiert war. Er habe die Sicherheitskräfte ermächtigte, das Feuer auf die Menge zu eröffnen, um die Angreifer zu zerstreuen. Der Angriff sei durch einen ähnlichen Vorfall auf die US-amerikanische Mission in Ägypten inspiriert gewesen und auch eine Reaktion auf die Zusammenarbeit zwischen westlichen Geheimdiensten und dem Regime von Muammar Gaddafi. Al-Maqrif sei besorgt gewesen, welche unvorhersehbaren Auswirkungen der Vorfall auf die geheimen Bemühungen seiner politischen Gegner haben könnte, ihn direkt mit ausländischen Geheimdiensten in Verbindung zu bringen. Viele von al-Maqrifs Beratern hätten seine Befürchtungen geteilt. Besorgt war man auch, dass ein Erscheinen von Gaddafis Geheimdienstchef Abdullah as-Senussi sowie von Saif al-Islam Gaddafi vor Gericht in Libyen auf ein wachsendes öffentliches Interesse stoßen werde bezüglich der Kommunikation zwischen dem Geheimdienst und der CIA, sowie zwischen dem britischen Geheimdienst und Gaddafis Geheim- und Sicherheitsdiensten.

+ 25.10.2012: Magariaf und Premierminister Ali Zidan fordern den Generalstabschef der libyschen „Streitkräfte“ auf, eine besser koordinierte, operationale Beziehung mit Misrata- und Zinten-Milizen aufzubauen. Vorher hatte sich Mangoush dem widersetzt, da er glaubte, damit die Bemühungen um Entwaffnung und Demobilisierung all dieser Milizen, die vom Bürgerkrieg 2011 übriggeblieben sind, zu untergraben. Die „Streitkräfte“ sollen instruieren werden, unter dem Befehl des Kommandanten General Khalifa Haftar, weiterhin gegen Stammesmilizen, die im Interesse der Gaddafi-Familie im Süden und Südwesten Libyens kämpfen, vorzugehen. [Allerdings begann Haftar eine Operation gegen Ansar asch-Scharia, nachdem diese vier Polizisten im Süden Libyens ermordet hatten.]

+ 2012: Der Berater Jacob Sullivan zeigt sich verwirrt über die Identität des berüchtigten Dschihadisten Abdulhakim Belhadsch, den Sullivan als „our boy“ bezeichnete hatte. Er meint in einer wirren Erklärung, es gebe zwei Belhadschs, die durcheinander geraten wären.

Deutschland 2011

+ 24. Juli 2011:. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle erklärt, dass Deutschland den libyschen ‚Rebellen‘ 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau des Landes und für humanitäre Hilfe leihe. Das Geld werde nach Freigabe durch den UN-Sicherheitsrat aus dem jetzt eingefrorenen „Gaddafi-Vermögen“ zurückbezahlt. In Deutschland seien einige Milliarden Euros aus Libyen eingefroren. Bereits einen Monat vorher hatte Deutschland den Nationalen Übergangsrat als legitime Vertretung Libyens anerkannt.
[Da von Wiederaufbau oder humanitären Hilfen für die libysche Bevölkerung bis heute keine Rede sein kann, half die deutsche Regierung 2011 bei der Finanzierung des Kampfes der sogenannten ‚Rebellen‘ gegen einen souveränen Staat, der mit der bestialischen Ermordung Gaddafis und einem failed state Libyen endete.]

Bahrain 2011

+ 14.03.2011: Zu den Vorgängen während des Arabischen Frühlings in Bahrain gibt eine weitere Mail Aufschluss. [Während das Herrscherhaus sunnitisch ist, ist die überwiegende Mehrheit der Bahrainer, etwa 70 Prozent, schiitisch und erhob sich 2011 in einer großen Protestbewegung gegen die Sunni-Regierung. Saudi-Arabien schickte massive militärische Unterstützung und schlug den Aufstand brutal nieder. Zu dieser Zeit war Stephanie Williams, heute amtierende Leiterin der UN-Sondermission in Libyen, als stellvertretende US-Botschafterin in Bahrain.]
In der Mail wird die Sicherheitssituation als beunruhigend geschildert, es werde geschossen. Der Schiiten-Führer Ali Salman habe nicht verstanden, dass sich die Situation durch das Eingreifen des saudischen Militärs komplett gedreht habe. Es soll ein Dreiergespräch zwischen dem Kronprinzen, Stephanie Williams und Jeffrey Feltman (Beigeordnete Staatssekretär für Nahost-Angelegenheiten) geben.

ANHANG:

Personen

+ Mustafa Abdel Dschalil (Jalil): Dschalil war unter Gaddafi Justizminister, der Justizreformen erarbeiten sollte. 2011 wechselte er die Seiten und wurde Vorsitzender des Nationalen Übergangsrats (National Transitional Council/NTC). Bei der Siegesfeier 2011 gab er bekannt, dass zukünftig die Scharia Grundlage des libyschen Rechts sein werde und die Vielehe wieder ermöglicht wird. Noch am 18.02.2019 hält er die NATO-Intervention des Jahres 2011 für eine richtige Entscheidung.

+ Mohamed Yusuf al-Maqrif (al-Magariaf): ehemaliger Vorsitzender des Libyschen National Congress (LNC); heute ist al-Maqrif Vorsitzender der Partei Nationale Front, die als politischer Arm aus der Nationalen Front für die Rettung Libyens (NFSL) hervor ging. Von 1972 bis 1977 war Maqrif Präsident des libyschen Rechnungshofes und von 1978 bis 1980 libyscher Botschafter in Indien. Maqrif lebte 30 Jahre in den USA bevor er 2011 nach Libyen zurückkehrte. Er nahm in der NFSL (Moslembruderschaft) führende Positionen ein. Die NFSL führte in und außerhalb Libyens terroristische Anschläge durch mit dem Ziel, Gaddafi zu stürzen.
Bei den Wahlen zum Libyschen National Concress am 7. Juli 2012 wurde die Nationale Front drittstärkste Partei. Drei ihrer Bewerber, darunter Maqrif, zogen in den LNC ein. Die Macht ging an das Parlament über zu dessen Präsidenten Magrif im August 2012 gewählt wurde. Bis Mai 2013 fungierte er als Staatsoberhaupt und Präsident Libyens.

+ Mahmud Jibril (Dschibril) leitete in der Gaddafi-Zeit den Nationalen Wirtschaftsentwicklungsfonds, wurde aber wegen seines ‚Privatisierungswahns‘ wieder abgesetzt. Schloss sich 2011 umgehend den Aufständischen an und war im Übergangsrat Außenminister. Er stand der Partei der Allianz Nationaler Kräfte (National Forces Alliance Party) vor, blieb aber ohne Rückhalt im Land und somit ohne Einfluss. Er starb an Covid-19 am 5. April 2020 in Ägypten.

+ Ali Zidan (Sidan, Zeidan) war wie al-Maqrif Mitglied der NFSL. Zidan lebte lange Jahre im Exil in Genf und München und war 2011 eine der Hauptquellen für die falschen Anschuldigungen gegen Gaddafi bezüglich der Gaddafi unterstellten Bombardierungen der libyschen Zivilbevölkerung. Er war 2011 einer der führenden Köpfe der Übergangsregierung und von 2012 bis 2014 libyscher Premierminister. 2013 wurde er kurzzeitig aus einem Hotel in Tripolis entführt und misshandelt, nachdem er sich vorher mit der Familie von al-Libby getroffen hatte, der einer führende Rolle bei Terroranschlägen von US-Botschaften in Tansania und Kenia verdächtigt wird. 2014 zahlte er zwei Milliarden US-$ an die Regierung des Niger für die Auslieferung Saadi al-Gaddafis, den Sohn Muammar al-Gaddafis. Saadi sitzt seitdem in einem Gefängnis in Tripolis, wo er auch der Folter ausgesetzt war.
Am 11. März 2014 wurde er vom libyschen Parlament mittels eines Misstrauensvotums abgesetzt. Ihm wurde Korruption und Misswirtschaft vorgeworfen. Er hatte in nur einem Jahr ein Staatsbudget von 71 Milliarden US-Dollar verjubelt, das meiste davon ohne jegliche Belege. Trotz eines Haftbefehls konnte er sich nach Bayern absetzen. Zwischenzeitlich kehrte er mehrmals zu Besuchen nach Libyen zurück. Im August 2017 wurde er bei einem Besuch in Libyen erneut entführt und neun Tage in Geiselhaft gehalten. Ali Zeidan besitzt auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Abdel Rahim al-Kib (Keib): Al-Kib war von Oktober 2011 bis September 2012 Ministerpräsident in der Übergangsregierung Libyens. Er starb am 21. April 2020 in den USA.

Sidney (Sid) Blumenthal: Ehemaliger Berater von Präsident Bill Clinton und langjähriger Vertrauter von Hillary Clinton. Der Journalist war früher bei der Clinton Foundation tätig. Der Email-Verkehr zwischen ihm und Hillary Clinton während ihrer Zeit als US-Außenministerin, insbesondere den Krieg gegen Libyen betreffend, wurde von Wikileaks enthüllt.

Hillary Clinton: von 2008 bis 2014 US-Außenministerin und 2016 US-Präsidentschaftskandidatin. Die Clinton E-Mails konnten überhaupt nur geleakt weden, weil Hillary Clinton ihre Mail-Partner dazu aufforderte, ihren privaten Email-Server für die Kommunikation zu verwenden und nicht den gesicherten Server des Außenministeriums.

Rohübersetzung einiger E-Mails:

Email von Sidney Blumenthal an Hillary Clinton am 20. Oktober 2011:

Quelle: Quellen mit direktem Zugang zum Libyschen National Transitional Council (LNTC) ebenso wie zu europäischen Regierungen und westlichen Geheimdiensten sowie Sicherheitsdiensten auf höchstem Level.

  1. Am späten Nachmittag des 20. Oktobers 2011 erhielt der libysche Übergangspräsident Mustafa Abdel Dschalil die Nachricht von Abdelhakim Alamin Belhadsch in Tripolis und von Hassan Ali al-Darwa, dem Führer des National Transitional Council (NTC) der Stadt Sirte, dass der ehemalige libysche Führer Muammar al-Gaddafi während Kämpfen in der Stadt Sirte getötet wurde. Kurz nach dem Eintreffen dieser Nachricht beim NTC begann Ministerpräsident Mahmoud Dschibril Diskussionen mit Dschalils Stellvertretern bezüglich der Bildung einer neuen Übergangsregierung. Dschibril hatte Dschalil am 9. Oktober mitgeteilt, dass er nach dem Fall von Sirte zurücktreten möchte und dass Dschalil eine neue Übergangsregierung der nationalen Einheit bilden solle, um das Land bis zur Abhaltung von Wahlen, vielleicht bereits im Mai 2012, zu führen.
  2. Laut sensiblen Quellen glauben Dschalil und andere hochrangige NTC-Leute, dass der Rücktritt von Dschibril ihnen erlauben wird, die schwierigen Entscheidungen zu treffen, die nötig sind, das Land vor den Wahlen zu stabilisieren. Nach Ansicht dieser fachkundigen Personen, wurde Dschibril – während er dem NTC während der frühen Tage der Revolution Glaubwürdigkeit verliehen hatte – zunehmend zögerlicher, Entscheidungen zu treffen, beispielsweise betreffend die Bildung einer Übergangsregierung und die Verhandlung von neuen Verträgen mit ausländischen Firmen im Bereich des libyschen Ölsektors. Diese Zögerlichkeit beim Handeln bremste die Ankunft ausländischer Firmen, die interessiert daran waren, humanitäre Hilfe zu leisten. Diese humanitären Hilfsprojekte werden koordiniert von einem hohen Beamten, Moin Mohammed Kikhia, der extrem frustriert war wegen Dschibrils Unterlassung, Fragen bezüglich bereits ausgehandelter ausländischer Verträge zu klären und, in manchen Fällen, von NTC-Vertretern in anderen Ländern unterzeichnet worden waren. Laut diesen Personen ist Dschibril besorgt, selbst in ausländische Wirtschaftsverträge miteingebunden zu werden, die zu Korruptionsanklagen gegen ihn führen könnten. Kikhia argumentierte, der Bedarf an medizinischer und anderer humanitärer Hilfe sei vorrangig gegenüber diesen eher vagen Bedenken. Er führte auch aus, dass das Warten auf ausreichende humanitäre Hilfe von ausländischen Regierungen zu einem Desaster führen könnte, die das libysche Volk über die Untätigkeit zunehmend frustriert.


Email von Sidney Blumenthal an Hillary Clinton am 25. Oktober 2011:

Quelle: Quellen mit direktem Zugang zum Libyschen National Transitional Council (LNTC) ebenso wie zu europäischen Regierungen und westlichen Geheimdiensten sowie Sicherheitsdiensten auf höchstem Level.

  1. Im Oktober 2012 sagte der libysche Präsident Yussef al-Magariaf in einem privaten Gespräch, dass er und Premierminister Ali Zidan den Generalstabschef der Nationalen Libyschen Armee (NLA) , General Youseff al-Mangoush, eine besser koordinierte, operationale Beziehung mit Misrata- und Zinten-Milizen aufzubauen, damit sie ausgeweitete Armeeeinsätze im ganzen Land unterstützen. Laut einer sensiblen Quelle, widersetzte sich vor dem Tod von dem US-Botschafter am 11. September 2012 Mangoush einer stärkeren Abhängigkeit von diesen speziellen großen Milizen, da er glaubte, dass ein solcher Schritt die Bemühungen der Regierung um Entwaffnung und Demobilisierung all dieser Milizen, die vom Bürgerkrieg 2011 übriggeblieben sind, untergräbt. An dieser Stelle jedoch, Stimmt Mangoush mit Magariaf überein, dass die Situation im Land immer gefährlicher und unbeherrschbarer wird. Dementsprechend sagte der Stabschef, dass er mit Ousama al-Dschouwali zusammenarbeiten will, dem Führer der Zinten-Milizen, um Operationen gegen die anderen Milizen (mit Unterstützung der Misrata-Truppen) verstärken will, das auch kommt aus der bergigen Region des westlichen Libyens. Gleichzeitig wird er die NLA-Truppen instruieren, unter dem Befehl des Kommandanten General Khalifa Haftar, fortzuführen Operationen gegen Stammesmilizen, die im Interesse der Gaddafi-Familie im Süden und Südwesten Libyens kämpfen.

Email von Sidney Blumenthal an Hillary Clinton am 16. Oktober 2012:

Quelle: Quellen mit direktem Zugang zum Libyschen National Transitional Council (LNTC) ebenso wie zu europäischen Regierungen und westlichen Geheimdiensten sowie Sicherheitsdiensten auf höchstem Level.

  1. Am 15. Oktober 2012 diskutierte der neue libysche Premierminister Ali Zidan die zukünftige Struktur seines Kabinetts und seiner Administration mit Beratern des Übergangspräsidenten Yussef al-Magariaf. Laut einer sensiblen Quelle sagte Zidan, er wolle alle Bereiche der politischen Welt in Libyen einzubeziehen, um sein Kabinett zu formen. Er wies auch darauf hin, dass er zwar mit Vorsicht vorgehen müsse, aber mindestens ein, möglicherweise sogar bis zu drei Mitglieder der Muslimbruderschaft (MB) und ihrer Gerechtigkeits- und Baupartei (JCP) in das Kabinett aufnehmen werde. Zidan glaubt, dass er JCP-Mitglieder oder andere islamistische Gruppierungen finden kann, die seinen Plan unterstützen, einen gemäßigten islamischen Staat aufzubauen, während gleichzeitig gute Beziehungen mit den USA und Westeuropa aufrechterhalten werden. Er plant auch, die Anhänger des islamistischen Generals Abdel Hakim Alamin Belhadsch zu erreichen, von denen er glaubt, dass sie als Ausgleich gegen al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQIM) und Ansar al-Scharia dienen können.
  2. Nach Ansicht dieser Person bekennt sich Zidan zu Magariafs Politik, konstruktive Beziehungen zu internationalen Ölfirmen anzustreben. Diesbezüglich sucht Zidan nach jemanden, der als Ölminister dienen kann, der angemessene Erfahrungen und einen guten Ruf bei der internationalen Ölindustrie hat und gleichzeitig dem islamischen Glauben verpflichtet ist, so dass er als Minister mit dem JCP und den konservativen unabhängigen Mitgliedern des GNC arbeiten kann. Zitan meint, dies wird eines der größten Herausforderungen sein. Gleicheitig merkte die Person an, Zidan hat sich darüber beklagt, dass er und Magariaf unter dem Druck der Regierung Mohammed Mursi und des Moslembruderschaft in Ägypten stehen, der möchte, dass innerhalb der libyschen Ölindustrie ägyptische Erdöl-Servicefirmen die westlichen Firmen ersetzen. Zidan ist in dieser Hinsicht skeptisch, er befürchtet, dass Libyen zu abhängig von Ägypten bezüglich technischem Knowhow werden könnte. Er glaubt, dass westliche Firmen die Möglichkeit bieten, die Unabhängigkeit und Ausgewogenheit auf dem Ölsektor aufrechtzuerhalten.
  3. (Die Quelle kommentiert: Nach Ansicht dieser Quelle, plant Zidan (der vor der Niederlage gegen den Westen 1980 zwei Jahre an der libyschen Botschaft in Indien gedient hatte und sich später Magariaf und seiner Anti-Gaddafi-National Front for the Salvation of Libya (NFSL) angeschlossen hat) mit allen Parteien und Gruppierungen im GNC zu arbeiten. Gleichzeitig hat er wegen seiner Vergangenheit einen Grad an Glaubwürdigkeit, die hilfreich ist, wenn er ein Kabinett bildet. Laut der Quelle, will Zidan schnell das Kabinett benennen. Seine Position wird auch durch die Tatsache gestärkt, dass er für den National Transitional Council (NTC) 2011 während des Bürgerkriegs arbeitete, indem er internationale Unterstützung für die Rebellen organisierte. Laut der sensiblen Quelle gehört zu seinen unmittelbaren Anliegen die Organisation der Untersuchung des Angriffs auf das US-Konsulat in Bengasi am 11. September und die Ermordung von Botschafter Christopher Stevens und drei weiterer Amerikaner. Zidan steht auch unter dem Druck der US-Regierung, die Untersuchungen so schnell wie möglich voranzutreiben.)
  4. Nach Meinung dieser Person ist Zidan klar geworden, dass der Anschlag auf das US-Konsulat zum internationalen Symbol dafür geworden war, was die Sicherheitsbelange in Libyen für eine Rolle spielen, und dass der Einsatz von Pro-Regierungsmilizen zur Herstellung von Sicherheit keine Lösung des Problems darstellt. Zidan glaubt, dass die Idee, dass die Regierung um Unterstützung der starken Milizen von Misrata und Zinten nachfragen muss, die Bemühungen unterminiert, Ordnung und zentralisierte Autorität im Land zu erreichen. Zidan glaubt, er könne dieses Problem teilweise lösen, indem er eine funktionierende Mehrheit im GNC, die sich auf Gemäßigte und Unabhängige stützt, schafft, die seine Bemühungen unterstützen, ein modernes islamisches Regime aufzubauen, dass auch mit dem Westen zusammenarbeiten kann, speziell mit internationalen Ölgesellschaften. Er warnt seine Berater jedoch davor, dass er in dieser Hinsicht erst gegen Ende 2013 mit einem wirklichen Erfolg rechnet.

E-Mails State Department 16.10.2012

  1. (Kommentar der Quelle): Nach Meinung der Person, stimmen Magariaf und Zidan darin überein, dass Libyens Zukunft von dem Erfolg ihrer Bemühungen der nächsten sechs Monate hinsichtlich der Demobilisierung der Milizen abhängt. Während sie glauben, dass die Verwicklung von Ansar asch-Scharia, mit Unterstützung von al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQIM), bei der Ermordung des US-Botschafters, die Geschäftswelt und die Gemeinschaft der Diplomaten auf die Realität der Sicherheit, was die Milizen betrifft, fokussiert hat, befürchten der Präsident und der Premierminister, dass die Situation weit schlimmer ist, wie es westliche Quellen bewusst ist. Mangoush informiert sie, dass AQIM und radikale Salafistengruppen ihre Bemühungen verstärken, Vorteile aus der Enttäuschung von verschiedener Milizen bezüglich der Regierung zu ziehen, und sie nutzen den Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi als Inspiration für ihre Aktivitäten. Gerade als Ansar asch-Scharia begann, als Miliz die föderalistischen Ansprüche der Stammesführer im Osten zu unterstützen, wurde sie von AQIM-Radikalen infiltriert. Mangoush glaubt, dass viele der anderen regionalen und ethnischen Milizen im ganzen Land dem Beispiel folgen könnten, wenn die Truppen bei der Entwaffnung keinen Erfolg haben. Er stimmt mit Zidan auch überein, dass sie schnell handeln müssen, da Libyens Tradition, den Konflikt zu vermeiden, der den größten Teil des Nahen Ostens beherrscht, in dieser Zeit des Chaos zu erodieren beginnt.
  2. Eine bestimmte sensible Quelle sagte, dass die NLA-Operationen gegen Ansar asch-Scharia südlich von Bengasi bereits begonnen haben, nachdem Mitglieder dieser Miliz/terroristischen Gruppe vier nationale Polizisten getötet haben während eines Generalangriffs auf eine Straßensperre in den Sousa-Bergen. Unter dem Befehl von Haftar umstellten libysche Truppen mehr als 100 Ansar asch-Scharia-Kämpfer in der Region um die Stadt Sousa. Laut der sensiblen Quelle, erlitt die NLA bei den Kämpfen relativ große Verluste, aber vermutlich wurde eine Anzahl von AQIM-Mitgliedern und einer von Ansar asch-Scharias Oberkommandanten, Sufian bin Qamu, festgenommen, von dem man glaubt, er habe den Angriff auf die Polizisten angeordnet. Mangoush berichtete Zidan auch, dass Qamu vorher schon einmal in Gefangenschaft von US-Streitkräften geraten war und in Guantanamo einsaß.
  3. Laut dieser Person, sprach Jalil auch mit dem ehemaligen Primierminister Mahmoud Dschibril, der bestätigte, dass er und Magariaf in vielen Dingen übereinstimmten, auch in ihrem Glauben, dass sie einen islamischen Staat in Libyen aufbauen könnten, der innerhalb der Weltwirtschaft und der diplomatischen Gemeinschaft funktioniert. Er bemerkte, dass er glaubt, dass die Meinung von Magariaf hinsichtlich der Rolle des Islams in der täglichen Funktion der Regierung konservativer sei als seine, aber dies seien Differenzen, die im GNC beigelegt werden könnten. Die Person meint, dass sich Dschibril der Tatsache sehr bewusst ist, dass im GNC seine National Front Alliance (NFA) einen soliden Block von neununddreißig (39) Sitzen kontrolliert, und dass Magariafs National Front Party (NFP) auf seiner eigenen Rechten keinen Sitz hat, der Übergangspräsident ist gut funktionierende Beziehungen eingegangen mit mindestens 100 der 120 unabhängigen Mitgliedern des GNC. Magariaf erhielt 113 Stimmen bei seiner Wahl zum Übergangspräsidenten. Wieder einmal haben diese unabhängigen Abgeordneten Magariafs Rolle im Kampf gegen das Gaddafi-Regime respektiert.

Email von Feltmann, Jeffrey D. an Sullivan Jacob J. am 14.03.2011, weitergeleitet an H. am 14.3.2011

Ein paar Eindrücke von heute aus Bahrain.

  • Die Sicherheitssituation ist beunruhigend. Wir sahen (Sunni)-Bürgerwehren Autofahrer belästigen. Shia-Demonstrationen haben haben riesige Teile Manamas eingenommen. (Ein metastierter Pearl-Kreisverkehr, wie es Stephanie genannt hat) und die Straßen gesperrt. Für jene, die Manama kennen, das Ritz-Carlton ist nicht mehr zugänglich.
  • Es wird geschossen, auch mit Maschinengewehren, in der Nachbarschaft, auch dort, wo Botschaftsangehörige wohnen. Ein Shia-Kontakt sagte uns heute Abend: Er glaubt, dass diese Schießerei dazu dienen soll, um für den GCC den Vorwand zu liefern, sich überall zu platzieren.
  • Saudi (und andere?) GCC-Truppen scheinen ab sofort in den Kasernen zu sein.
  • Hamad bin Jassim und Saud al FAisal sind beide hier, abgeschieden mit dem König und dem Kronprinzen. Ich habe telefoniert in to Hb (?)
  • Foreign Minister Sheikh Khalid sage, dass kein Kriegsrecht eingesetzt wird, sondern eine dreimonatiges Einsetzung von öffentlichen Sicherheitsgesetzen, um für Ruhe zu sorgen. Nach drei Monaten würde eine Verlängerung die parlamentarische Zustimmung benötigen. Er sagte uns, der GCC ist nicht da, um sich mit bahrainischen Bürgern zu beschäftigen, sondern um wichtige Infrastruktur zu schützen. (Kommentar: Wir werden sehen. Und wir werden sehen, was geschieht, wenn hardline Shia-Leute sich gegen die GCC-Truppen stellen.
  • Wifaq-Führer (inclusive Ali Salman) scheint nicht zu verstehen, dass sich die Situation komplett geändert hat mit dem Eingreifen der GCC. Sie reden immer noch darüber, was es benötigt für das Dialog-Angebot des Kronprinzen. Wir waren zwei Stunden mit ihm zusammen und das Gespräch war das gleiche wie zuvor.
  • FM sagte, ich werde die CP morgen sehen. Wir haben einige Ideen von allgemeinen Prinzipien, um die Spannungen zu verkleinern, die wir ihm mitteilen möchten. (z.B. GCC Rolle strikt begrenzen, während Wifaq die Demonstrationen zum Pearl-Kreisverkehr zurückdrängt usw.) Ali Salman ist auch interessiert an der Idee eines Dreiergesprächs mit dem Kronprinzen und Stephanie und mir diese Woche, die wir sondieren werden.
  • Ich werde vorerst in Bahrain bleiben, anstatt dass ich mit S. in Kairo und Tunis anschließe.

OpsNewsTicker vom 24. Juli 2011

Betrifft: Deutschland leiht den libyschen Rebellen 100 Millionen Euro (US-$ 143 Millionen) als Hilfe zum Wiederaufbau des Landes und für humanitäre Hilfe.

Das Außenministerium sagte am Sonntag, es gewährt dringend benötigte Mittel als Darlehen, weil die eingefrorenen Guthaben des libyschen Führers Muammar Gaddafi noch nicht freigegeben werden können.

Außenminister Guido Westerwelle gab letzten Monat bekannt, dass Deutschland den National Transitional Council als die legitime Vertretung Libyens anerkannt hat.

Westerwelle sagte, die Situation sei schwierig, wegen des Fehlens von Mitteln „um die notwendigen Strukturen aufzubauen und Versorgungsengpässe zu überwinden“.

Er sagte, das Geld wird aus den eingefrorenen Gaddafi-Vermögen zurückgezahlt werden, wenn der UN-Sicherheitsrat es für die neue Regierung freigegeben hat. Deutschlang sagte, es habe „einige Milliarden Euros (Dollars) eingefroren.

Von Sydney Blumenthal an H. am 27. August 2012

Quelle: Quelle mit direktem Zugang zum Libyan National Transitional Council, ebenso wie zu den höchsten Kreisen der europäischen Regierungen, westlichen Geheimdiensten und Sicherheitsdiensten.

  1. (Kommentar der Quelle: Der neue Präsident Libyens, Mohammed Yussef el Magariaf, ist bestrebt, einen demokratischen Staat auf der Grundlage islamischer Prinzipien zu errichten. Nach Ansicht einer äußerst sensiblen Quelle sieht Magariaf seinen Moment als Höhepunkt seines gesamten Lebenswerks. Nachdem er dem abgesetzten Diktator Muammar al Gaddafi zunächst als politischer Berater und Diplomat gedient hatte, wurde Magariaf 1970 desillusioniert, was er als den Personenkult ansah, den Gaddafi für sich selbst aufbaute, während er sich gegen die grundlegenden Überzeugungen der islamistischen Bewegung wandte. Magariaf war in seiner Studienzeit Mitglied der ägyptischen Muslimbruderschaft und ist nach wie vor ein gläubiger islamistischer Intellektueller, auch wenn er glaubt, dass der Islam mit dem nicht-muslimischen Welt koexistieren und sogar arbeiten kann, insbesondere mit den Vereinigten Staaten und Westeuropa. Die Quelle glaubt auch, dass Magariaf überzeugt ist, dass Libyen mit seinen großen natürlichen Reichtümern, in der nordafrikanischen Welt führend werden kann, ebenso wie im Rest der islamischen Welt. Magariaf ist der Regierung der USA und Frankreichs besonders wohlgesonnen, basierend auf den Erfahrungen, die er mit beiden während seines Kampfes gegen Gaddafi gemacht hat. Die Quelle glaubt auch, dass er der Regierung von Omar al-Bashir im Sudan feindlich gesinnt bleibt. 1980 stürzte Bashir den Verbündeten von Magariaf, den sudanesischen Premierminister Sadiq al-Mahdi und wies Magariaf und seine Anhänger aus Khartum aus.
  2. Laut der gleichen sensiblen Quelle wird Magariaf auch eine diskrete Beziehung mit Israel knüpfen. Die politischen Realitäten in Libyen werden es derzeit gebieten, diese Beziehung in einer zurückhaltenden Art und Weise abzuwickeln, aber der neue libysche Präsident teilt viele gemeinsame Freunde und Verbündete mit den Führern Israels und beabsichtigt, diese Situation zu nutzen, um das Ganze beim libyschen Volkes zu verbessern. Magariaf mag hin und wieder gezwungen sein, kritische Äußerungen gegenüber Israel zu seinem eigenen politischen Zweck zu machen, aber glauben, dass er und seine Verbündeten die Erfahrung und Raffinesse haben, diese Sache zu managen. Gleichzeitig beabsichtigt Magariaf, die vom NTC-Präsidenten Mustafa Abdel Jalil eingeleiteten regionalen politischen Initiativen aggressiv zu verfolgen. Magariaf wird die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit fortsetzen, die in der Erklärung von Kairo vom 29. Juli 2012 festgelegt wurde und ein regionales Band zwischen den neuen revolutionären Regierungen Tunesiens, Libyens und Ägyptens schafft. Die Person sagte, dass sich Magariaf der Tatsache bewusst ist, dass der ägyptische Präsident Mohammed Mursi Libyen als Schlüsselfaktor in der wirtschaftlichen Entwicklung Ägyptens sieht; und der libysche Führer glaubt, er kann diese Situation manipulieren zum Vorteil des libyschen Volkes.
  3. Eine andere sensible Quelle erklärte unter der Bedingung strikter Geheimhaltung, dass Magariaf beabsichtigt, gemeinsam mit seinen Sicherheitsberatern einen Plan zur Entwaffnung der islamistischen Milizen, die gegen Gaddafi gekämpft haben, zu entwickeln, ohne ihr Misstrauen zu wecken. Er glaubt, dass der wichtigste Schritt in dieser Angelegenheit ist, die von diesen Milizen als Gegenleistung für die Entwaffnung geforderten medizinischen und wirtschaftlichen Leistungen zu erbringen. Magariaf glaubt auch, dass er mit den politischen Ambitionen der islamistischen Führer wie General Abdelhakim Belhadsch fertig werden kann und verhüten das Anwachsen radikaler Gruppen, die Libyen als Basis für Operationen und Support sehen könnten. Magariaf und seine Unterstützer glauben, dass seine Islamistischen/anti-Gaddafi Referenzen ihm erlauben werden, diese Herausforderungen zu meistern. Und wenn es ihm gelingt, wird er in der Lage sein, die Präsidentschaft bei den ersten nationalen Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2013 auf ganzer Linie zu gewinnen.

Artikel bei AddressLibya:

+ Eine Mail an Hillary Clinton von ihrem Berater Sidney Blumenthal zeigt, unter welcher Angst von Yusuf al-Maqrif, dem ehemaligen Leiter des Nationalkongresses, nach dem Angriff auf das US-Konsulat. Er hatte auch Angst vor Abdullah as-Senussi und Saif al-Islam Gaddafi.

Am Nachmittag des 11. September 2012 sprach al-Maqrif privat mit hochrangigen Beratern, darunter Mitgliedern der Muslimbruderschaft, um die Angriffe der Demonstranten auf die US-Missionen in Tripolis und Bengasi aus Protest gegen ein US-amerikanisches Mohammed-Video zu erörtern.

In der Mail heißt es, dass al-Maqrif seinen Schock über die Angriffe auf das US-Konsulat in Bengasi zum Ausdruck brachte. Er habe die Sicherheitskräfte ermächtigte, das Feuer auf die Menge zu eröffnen, um die Angreifer zu zerstreuen. Der Angriff sei durch einen ähnlichen Vorfall auf die US-amerikanische Mission in Ägypten inspiriert gewesen und auch eine Reaktion auf die Zusammenarbeit zwischen westlichen Geheimdiensten und dem Regime von Muammar Gaddafi. Bei al-Maqrif wachse die Besorgnis, welche unvorhersehbaren Auswirkungen der Vorfall auf die geheimen Bemühungen seiner politischen Gegner haben könnte, ihn direkt mit ausländischen Geheimdiensten in Verbindung zu bringen.

Die Mail zitierte auch eine andere Quelle, die der Meinung war, dass seine Gegner versuchten, ihn durch die National Salvation Front mit der CIA in Verbindung zu bringen. Al-Marqrif würde glauben, er könne der negativen Propaganda entgehen, doch wenn sie die Situation weiter in diese Richtung entwickle, würde dies seine Bemühungen erschweren, eine funktionierende Verwaltung aufzubauen.

Wie es weiter heißt, wird gleichzeitig angedeutet, dass „viele von al-Maqrifs Beratern seine Befürchtungen teilen. Dies weist darauf hin, dass das Auftauchen von Gaddafis Geheimdienstchef Abdullah as-Senussi vor Gericht in Libyen auf ein wachsendes öffentliches Interesse stoßen wird bezüglich der Kommunikation zwischen dem Geheimdienst und der CIA, zwischen dem britischen Geheimdienst und Gaddafis Geheim- und Sicherheitsdiensten“.

In der Mail heißt es auch, dass angenommen wird, dass islamistische Milizen unter dem Kommando von Abdelhakim Belhadsch Akten und Dokumente aus Gaddafis Büro beschlagnahmt haben, die dies belegen. Human Rights Watch habe mit mindestens vierzehn gesprochen Personen, darunter auch Belhadsch, die behaupteten, westliche Mächte hätten sie an Gaddafi-Streitkräfte übergeben. Und weiter: „Nach Ansicht einer sehr sensiblen Quelle arbeiten die Feinde von al-Maqrif daran, seine vermuteten Verbindungen zur CIA auszuschlachten.“ Die Situation könne mit dem Erscheinen von Saif al-Islam und as-Senussi vor einem libyschen Gericht kompliziert werden, da beide im Verlauf ihres Prozesses mit westlichen Geheimdiensten in Verbindung gebracht würden. Im Klartext heißt dies wohl, es herrschte die Angst, dass as-Senussi und Saif al-Islam über die Machenschaften der westlichen Geheimdienste und die Zusammenarbeit mit der libyschen Regierung und Gaddafi auspacken würden.

Es wird darauf hingewiesen, dass die aufgeführten Quellen direkten Kontakt zum ehemaligen Libyschen Nationalen Übergangsrat sowie zu den höchsten Ebenen europäischer Regierungen und westlichen Geheimdiensten und Sicherheitsdiensten hatten.

+ Das Team des ehemaligen US-Staatssekretärs bezeichnet den libyschen Islamisten Belhadsch als „our boy“:

In einer E-Mail aus dem Jahr 2012 erörtert Clintons Berater Jacob Sullivan eine Verwirrung über die Identität des berüchtigten libyschen Islamisten Abdul Hakim Belhadsch, den Sullivan als „our boy“ bezeichnet. „Ich habe das immer und immer wieder gelesen, und es erschien mir einfach ein bisschen seltsam. Schließlich fand ich heraus, dass die Quelle meiner Meinung nach zwei Belhadschs irgendwie verwechselt hat: Der eine ist our boy, der uns und die Briten der Überstellung von Abdul Hakim Belhadsch beschuldigt hat, und der zweite ist Larnin Belhadasch, ein islamistischer Führer, der, wie ich glaube, zuvor irgendwie im Sudan involviert gewesen war, jetzt aber wieder in seiner Heimat Ubya war.
„Letzterer ist der Leiter der JCP und des MB. Ersterer gehört der früheren LIFG und jetzt der libyschen islamistischen Bewegung für den Wandel an und ist der oberste Kommandeur der Westlichen Brigade, deren Gruppe nach dem 23. Oktober für mehrere Monate die Kontrolle über den Flughafen Matega innehatte und der versuchte, sich zum Obersten Militärratskommandeur von Tripolis zu machen, bevor die Führung der TNK vor einigen Monaten einschritt. Lassen Sie mich versuchen, dies zu entwirren und zu sehen, ob etwas davon mit der Realität übereinstimmt, die wir sehen", heißt es in der E-Mail.

Clinton, der diesen Posten von 2008 bis 2014 innehatte, sah sich nach der Untersuchung des Angriffs von Benghazi im Jahr 2012 mit einer Kontroverse über die Nutzung eines privaten E-Mail-Servers für die offizielle öffentliche Kommunikation konfrontiert.

https://pbs.twimg.com/media/Ej_2rcVXYAAo9pG?format=jpg&name=medium

https://twitter.com/HilaryEmails/status/1315425095989460992

https://twitter.com/alsaaa24/status/1315062252110778368?s=20

https://twitter.com/alsaaa24/status/1315061826443530242

https://twitter.com/hashtag/Brotherhood?src=hashtag_click

https://twitter.com/MadeinG38851223/status/1315233581124313091/photo/1

https://pbs.twimg.com/media/EkHw9VFXkAEsZ0L?format=jpg&name=medium

https://www.alsaaa24.com/2020/10/11/تسريبات-كلينتون-تكشف-خوف-المقريف-عقب-ا/

https://addresslibya.net/archives/59999

https://addresslibya.net/archives/60002

https://addresslibya.net/archives/60005

https://addresslibya.net/archives/59996

21:16 16.10.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Angelika Gutsche

Ihre Reisen führten sie neben Indien, den USA, Russland und dem Jemen unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan.
Angelika Gutsche

Kommentare