Jordanien – Angst vor Putsch

Jordanien/MENA-Region. Ist Jordanien das nächste Land, das ins Chaos gestürzt wird?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Der jordanische Prinz Hamsa, Halbbruder des jordanischen Königs Abdullah II. und ehemals als Thronfolger vorgesehen, soll in einen Putschversuch verwickelt sein. Das Militär forderte ihn dazu auf, Handlungen einzustellen, die die „Sicherheit und Stabilität“ des Landes gefährden.

In einem Video warf der Prinz der jordanischen Regierung unter Abdulah II. Inkompetenz, Korruption und einen Zusammenbruch der Regierungsstrukturen vor. Laut eigener Aussage steht Prinz Hamsa nun unter Hausarrest, was von Regierungsseite bestritten wird.

Insgesamt sollen etwa zwanzig hochrangige Beamte verhaftet worden sein. Die Verschwörer sollen jedoch keinen Putsch im herkömmlichen Sinne geplant, sondern auf Massenproteste gesetzt haben.

Darauf, wer hier die Fäden zieht, könnte ein Artikel in der TAZ vom 03.04. hinweisen. Darin wird Jordanien des Bruchs des Waffenembargos gegen Libyen beschuldigt und zwar hat Abdullah die falsche Seite unterstützt, nämlich die Libysche Nationalarmee (LNA) unter Feldmarschall Haftar und tut dies wohl jetzt noch: „Mal schickten die Jordanier gepanzerte Kampffahrzeuge, mal bildeten sie im April 2019 im eigenen Land sogar Kämpfer für ein als salafistisch geltendes Bataillon der Haftar-Milizen aus. Im Mai 2018 und September 2020 fanden laut eines aktuellen UN-Berichts von März 2021 zwei weitere solche Ausbildungsrunden für Haftar-Truppen statt.“ In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass die TAZ immer noch von „Haftar-Milizen“ anstatt von Libyscher Nationalarmee (LNA) spricht, obwohl diese doch vom gewählten libyschen Parlament anerkannt und Haftar als ihr Oberbefehlshaber eingesetzt wurde.

Jordanien ist ein guter Waffenkunde Deutschlands, das „im Jahr 2020 weitere 25 Schützenpanzer vom Typ Marder“ an Abdullah II. lieferte. Dies ist trotz des jordanischen Bruchs des Waffenembargos gegen Libyen rechtlich möglich, da Jordanien keine von Deutschland gelieferten Waffen nach Libyen weiterreicht. Seit 2017 betreibt Deutschland in Jordanien auch einen Luftwaffenstützpunkt. Die damalige Verteidigungsministerin von der Leyen ließ die deutschen Tornado-Jets aus der Türkei abziehen und nach Jordanien verlegen, da die Türkei als Nato-Partner nach offizieller Lesart als nicht mehr vertrauenswürdig galt. Es ließen sich von Jordanien aus ganz wunderbar Awacs-Aufklärungseinsätze über die Brennpunkte in Nordafrika und den Nahen Osten fliegen, man denke an Libyen, Syrien und den Irak. König Abdullah II. galt stets als willfähriger Partner des Westens und duldete in seinem Land auch CIA-Foltergefängnisse für Dschihadisten.

Jordanien liegt auch in unmittelbarer Nähe des Libanon, wo sich die Konflikte immer mehr zuspitzen, die Menschen verelenden und der Westen gemeinsam mit Israel versucht, die Hisbollah zu bezwingen, auch wenn die Aussicht auf das Gelingen dieses Vorhabens gegen Null geht. Wie in Syrien werden im Libanon die Menschen ausgehungert, Konflikte geschürt und es ging laut Thierry Meyssan sogar im August letzten Jahres die Mega-Explosion im Hafen von Beirat mit vielen Toten und immenser Zerstörung auf das Konto einer israelischen Bombe.

Sollte Jordanien das nächste Land werden, das in den ruinösen Destabilisierungsstrudel der MENA-Staaten gezogen wird?

Ein ehemaliger jordanischer Minister sagte: "Es gibt nichts vor Ort, das ich als Auslöser identifizieren könnte. Also könnte es ein ausländisches Moment geben". Und Jordaniens stellvertretender Premierminister Safadi sagte, Prinz Hamsa habe mit ausländischen Parteien wegen eines Komplotts zur Destabilisierung des Landes in Verbindung gestanden: "Die Ermittlungen hatten Einmischungen und Kommunikation mit ausländischen Parteien über das richtige Timing, um Jordanien zu destabilisieren, aufgezeigt".

Die neue libysche GNU-Übergangsregierung hat sich am 04. April hinter Abdullah II. gestellt und ihre volle Solidarität mit Jordanien und dessen König erklärt. Es verurteile jeden Versuch, die Stabilität Jordaniens zu untergraben. Auch viele andere arabische Staaten und Organisationen stellten sich hinter die Regierung von Abdullah II., darunter die Arabische Liga, der Golf-Kooperationsrat, VAE, Saudi-Arabien, Irak, Iran, Katar, Bahrain, der Libanon, Ägypten, Katar, Jemen, Palästina.

Es bleibt die Frage: Wessen Interessen dient eine Destabilisierung Jordaniens und ein Putsch in Damaskus? Während der ehemalige US-Präsident Trump eher ein Gleichgewicht des Schreckens in den MENA-Ländern wie Libyen anstrebte, setzen der gegen gegenwärtige US-Präsident Biden und sein Außenminister Blinken auf „Sieg“.

https://de.rt.com/der-nahe-osten/115395-jordanien-festnahmen-nach-angeblichem-putschplan-prinz-soll-unter-hausarrest-stehen/
https://taz.de/Waffenembargo-in-Libyen/!5760303/
https://libyareview.com/11719/libya-announces-full-support-for-jordan-and-its-king-amid-overthrow-attempt/
https://www.voltairenet.org/article210677.html
https://www.weltkarte.com/typo3temp/images/politische-karte-mittlerer-osten.jpg
https://www.thenationalnews.com/mena/jordan/gargash-says-stand-with-jordan-as-region-backs-king-abdullah-1.1196606
https://english.alarabiya.net/News/gulf/2021/04/04/Saudi-Arabia-s-King-Salman-speaks-with-Jordan-s-King-Abdullah-II

22:19 04.04.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Angelika Gutsche

Ihre Reisen führten sie neben Indien, den USA, Russland und dem Jemen unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan.
Angelika Gutsche

Kommentare 3