Katar und die Finanzierung libyscher Medien

Libyen/Katar/Medien. Dem Sender Libya-Al-Hadath liegen Dokumente vor, die die Finanzierung des Senders und des Portals WTV von Mahmoud Shammam durch Katar belegen.
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Es stellt sich die wichtige Frage, mit welcher Zielsetzung Katar nach wie vor libysche Medien finanziert. In erster Linie geht es darum, den Einfluss und die Macht der Moslembruderschaft durch Medien-Propaganda weiter auszubauen. Absurdes Wunschdenken dürfte es dabei sein, dass damit bei der libyschen Bevölkerung die Akzeptanz der Türkei als Besatzungsmacht erhöht werden könnte.

Für das kleine Katar ist im großen Libyen viel zu gewinnen. Es hätte über die Moslembruderschaft Zugriff auf die libyschen Konten, da es den Moslembrüdern gelungen ist, ihre Kontrolle mittels Personalpolitik fast auf das gesamte libysche Bankensystem und Finanzwesen auszudehnen. Darüber hinaus spielt auch die wichtige geostrategische Lage Libyens eine Rolle, Libyen als Scharnier zwischen Europa und Afrika mit den Sahararouten, die den Zugang nach Schwarzafrika und dessen Rohstoffe ermöglichen. Ebenfalls fallen die Migrantenrouten von Libyen nach Europa unter türkisch-katarische und somit unter die Kontrolle der Moslembrüder, was vor allem in den europäischen Mittelmeeranrainerstaaten größte Besorgnis auslösen dürfte.

Inzwischen belegen verschiedene Dokumente die Beziehungen zwischen dem Libyer und Moslembruder Mahmoud Shamman, den von Katar aus gesteuerten libyschen Medien und den katarischen Finanzinstitutionen.

Shammam war in den USA ausgebildet worden und lebte bis 2011 im Exil. Wie auch aus einer Clinton-Email vom 16. November 2011[1] hervorgeht, spielte Mohamoud Shammam bei dem Sturz der Dschamahirija-Regierung eine nicht unbedeutende Rolle. 2011 wurde er in Libyen zum Minister für Information, d.h. zum Sprecher des NTC (National Transitional Councel) ernannt. Er war Mitbegründer des libyschen Senders Al-Ahrar-TV, der seinen Hauptsitz im katarischen Doha hat.

Am 25. Oktober 2011 rechtfertigte Shammam in einem Video den brutalen Foltermord an Muammar al-Gaddafi und die Schändung seines Leichnams in Misrata und erklärte, dass Gaddafi an einem geheimen Ort, der kein moslemischer Friedhof sei, beerdigt wurde.

Bis heute ist Mohamoud Shammam im libyschen Mediengeschäft mit finanzieller Hilfe Katars aktiv, wie verschiedene Dokumente belegen.

Dokument 1: Schreiben vom 29.9.2013 vom Direktor des Unternehmens vom Direktor der Qatari Deals Company, Hamad al-Attiyah, an den stellvertretenden Stabschef der Qatari Army for Financial Affairs, Brigadegeneral Thani, Abdulrahman al-Kuwari, zur Auszahlung von 8,8 Millionen US-$ an Mahmoud Shammam im Rahmen eines genehmigten Budgets für die Medien zur Unterstützung des [Al-Wasat-]Portals.
Dokumente 2, 3 und 4: Ebenfalls erhielt Shammam am 3.9.2013 und am 21.9.2013 von den betreffenden Behörden in Bengasi den Eintrag in das Handelsregister und eine Lizenz für die Gesellschaft auf die Namen von Mrs. Nevin al-Bah und Mr. Abdel-Wahab Awad Hamidan, seinem Bruder.
Dokument 5: Überweisung vom katarischen Stabschef im Namen des Unternehmens Deals durch die Qatari Al-Rayan Bank in Doha auf ein Brokerkonto in New York, das auf den Namen von Hoda as-Suweigh läuft, der Ehefrau von Mahmoud Shammam, die Generaldirektorin von Bawaba Radio und Al-Wasat Channel, ist. Von dort wurde der Betrag auf das Al-Wasat-Konto bei der französischen Credit Agricole Bank in Kairo überwiesen.
Dokument 6: Eine weitere Überweisung vom katarischen Stabschef im Namen des Unternehmens Deals durch die Qatari Al Rayan Bank in Doha auf das Al-Wasat-Gate-Konto bei einer Zwischenbank in New York. Von dort wurde der Betrag auf das Al-Wasat-Konto bei der französischen Credit Agricole Bank in Kairo überwiesen.
Dokument 7: Eine weitere Überweisung vom katarischen Stabschef im Namen der Firma Deals durch die Qatari Al Rayan Bank in Doha auf das Al-Wasat-Gate-Konto bei einer Zwischenbank in New York. Von dort wurde der Betrag auf das Al-Wasat-Konto bei der französischen Credit-Agricole-Bank in Kairo überwiesen.
Dokument 8: Gelder wurde vom Konto der Zwischenbank in New York abgebucht, nachdem das Geld aus Katar auf ein Konto auf den Namen Al-Wasat-Gate mit der Nummer 201112663 bei der französischen Credit Agricole Bank in Kairo eingegangen war.
Dokument 9: Shammam überwies sich selbst 105.000 ägyptische Pfund als Gehalt, 84.000 Pfund an seine Frau Hoda as-Suweigh und 70.000 Pfund an Bashir Zabia, den Chefredakteur.
Dokument 10: Shammam weihte das Al-Wasat-Büro in Bengasi ein und ernannte seinen Sohn Muhammad Mahmoud Shammam mit einem Gehalt von 1.500 Dollar zu dessen Direktor. Er eröffnete auch ein Konto für das Büro, das später von der Übergangsregierung aufgelöst wurde.
Dokument 11: Nach der Registrierung der Stiftung auf den Namen von Nevin el-Baha wurde ihr ein Gehalt von 17.000 ägyptischen Pfund zugewiesen. (nicht verfügbar)
Dokument 12: Weitere Dokumente sind bekannt, aus denen hervorgeht, dass weiterhin Finanzierungsgeschäfte laufen zwischen Mahmoud Shammam, der in den Abteilungen des katarischen Generalstabs mit dem Namen seines Erstgeborenen als Abu Muhammad geführt wird, und dem Büro von Brigadegeneral Thani Abdulrahman al-Kuwari, dem stellvertretenden Stabschef der katarischen Armee für Finanzangelegenheiten.

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[1] Am 16.11.2011 erhielt Hillary Clinton auf ihren privaten Server einen vertraulichen Lagebricht aus Tripolis (UNCLASSIFIED US-Außenministerium Fall Nr. F-2014-20439 Dok. Nr. C05783460), die auf eine Anfrage nach dem „Gesetz über die Informationsfreiheit“ im Februar 2016 freigegeben wurde.

http://www.networkers.org/index.php?id=225
https://wikileaks.org/clinton-emails/emailid/10225

https://gela-news.de/katar-und-die-finanzierung-libyscher-medien

10:59 24.11.2020
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Geschrieben von

Angelika Gutsche

Ihre Reisen führten sie neben Indien, den USA, Russland und dem Jemen unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan.
Angelika Gutsche

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