Kurznachrichten Libyen – 21.06.2020

Krieg in Libyen. Lage spitzt sich gefährlich zu / ‚Einheitsregierung‘ und Türkei erheben Anspruch auf Sirte, den Erdölhalbmond und Dschufra / Ägypten droht mit militärischem Eingreifen
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Militärische Lage

+ Die LNA erklärt den Luftraum über Sirte zur Flugverbotszone.

+ Der Kommandeur der Luftwaffe der LNA, Generalleutnant Saqr al-Jurushi, hat die Region Westsirte aufgrund der militärischen Mobilisierung zur militärischen Sperrzone erklärt.

+ Die LNA verlegt weitere Kampfeinheiten in die Gebiete von Sirte, Dschufra und in den Fessan.

+ Die LNA gibt bekannt, am 17.6. elf syrische Söldner und vier libysche Milizionäre östlich von Misrata im Rahmen einer Aufklärungsmission gefangen genommen zu haben.

Ägypten

+ 20.06.: Der ägyptische Präsident as-Sisi sagte, wer glaube, die Sirte-Dschufra-Linie in Libyen überschreiten zu können, leide unter Wahnvorstellungen. Dies sei eine rote Linie zum Schutz der nationalen Sicherheit von Ägypten und aller Araber. Es sei legitim für Ägypten, direkt zu intervenieren, da eine akute Bedrohung durch terroristische Milizen und Söldner gegeben sei. „Wenn das libysche Volk die ägyptische Armee bittet, zur Unterstützung der libyschen Armee zu intervenieren, dann sind wir bereit“. Es müssten alle ausländischen Streitkräfte und Söldner, die die Sicherheit der Region bedrohen, aus Libyen abgezogen und die bewaffneten Milizen aufgelöst werden.
https://www.addresslibya.co/en/archives/57177

+ Präsident as-Sisi inspizierte die ägyptischen Streitkräfte, die auf der Militärbasis Sidi Barani nahe der Grenze zu Libyen stationiert sind und forderte sie auf, sich einsatzbereit zu halten.

+ Ägypten forderte eine Dringlichkeitssitzung aller Außenminister der arabischen Staaten, um die Lage in Libyen zu besprechen.

+ Am 20.06. bekräftigte Saudi-Arabien seine Unterstützung für Ägypten und wies darauf hin, dass Kairo das Recht hat, seine Westgrenze zu Libyen vor Terrorismus zu schützen.
https://libyareview.com/?p=3998

+ Jordanien will die politischen Bemühungen in Libyen unterstützen. Es stehe an der Seite Ägyptens, sollte dessen Sicherheit bedroht sein.

Libysche Stämme und Städte

+ Am 21.06. erklärte der Rat der Scheichs und Ältesten in Tarhuna seine absolute Unterstützung des ägyptischen Präsidenten as-Sisi bezüglich dessen Erklärungen zu Libyen, welche die libysche Souveränität und deren Verteidigung hervorhebt. Der Rat bekräftigte auch, dass die ägyptische Intervention „legitim“ ist und auf der Grundlage des Gemeinsamen Arabischen Verteidigungsvertrag (Joint Arab Defense Treaty) stehe.
Er forderte auch, dass „die extremistischen Milizen der Regierung Sarradsch für die Kriegsverbrechen, die sie beim Einmarsch in Tarhuna begangen haben, zur Rechenschaft gezogen werden“.
https://libyareview.com/?p=3993

Libysche Nationalarmee

+ Die LNA weist auf die bedeutsame Tatsache hin, dass das demokratisch gewählte libysche Parlament soziale Gleichstellung garantiert. Alle Libyer, egal welcher Couleur, egal ob Frau oder Mann, würden gleich behandelt, ob bei der Vergabe von Posten des Premierministers oder Marinekommandanten, Kommandeurs der Spezialeinheiten oder Ministers und hochrangigen Offiziers. Die LNA fragte: „Kennen Sie einen einzigen libyschen Beamten der ‚Einheitsregierung‘ mit schwarzer Hautfarbe?“
https://twitter.com/LNA2019M/status/1273419651033321472

+ Die LNA: „So viel zu BlackLivesMatter in Libyen unter der ‚Einheitsregierung‘: Der dunkelhäutige Libyer in dem Video sagt, er sei drei Tage lang gefoltert worden und hätte auch kein Essen bekommen. Er zeigt seinen durch Schläge verwundeten Rücken.“
Die LNA sei stolz darauf, für das Leben der Schwarzen zu kämpfen.
https://twitter.com/LNA2019M/status/1273422685708705793

Libysches Parlament/Übergangsregierung

+ Am 17.06. erklärte der Außenminister der Übergangsregierung (Tobruk), Abdel-Hadi al-Hawidsch, im Gespräch mit dem stellvertretenden russischen Außenminister Michael Bogdanow, dass die Errichtung türkischer Militärbasen in Libyen nicht zugelassen werden würde. Es sollte ein politischer Prozess eingeleitet werden, der die Unabhängigkeit Libyens gewährleistet und alle ausländischen Kämpfer aus dem Land vertreibt. Hawidsch forderte das Ende der bewaffneten Gruppen und die Entwaffnung von Kriminellen, um einen dauerhaften Frieden in Libyen zu gewährleisten.
https://libyareview.com/?p=3863

+ Dr. Aref Ali Nayed, Chef der Bewegung Ihya Libyen sagte in einem Interview: „Diese neo-osmanische Invasion ist die größte Gefahr, der die arabischen Länder jetzt gegenüberstehen. Sie bedroht ihre Unabhängigkeit, Einheit und nationale Sicherheit und erfordert daher die Aktivierung des gemeinsamen Verteidigungsabkommens, das Bestandteil der Rechtsgrundlage der Liga der Arabischen Staaten (LAS) ist“. Nayed geht davon aus, das es sich bei der momentanen Invasion um einen langfristigen Plan handelt, der vorher schon in Somalia, Katar, Syrien und dem Irak ausgeführt wurde. Es gebe Stimmen in den USA, welche die türkische Intervention unter dem Vorwand gutheißen, sie würde die russische Präsenz auf Seiten der LNA ausgleichen. „Sie machen jedoch einen schwerwiegenden Fehler, denn die türkische Intervention wird zur Schaffung von Militärbasen für gefährliche terroristische Gruppen führen, die die Sicherheit der gesamten Region bedrohen und sich mit den übrigen terroristischen Gruppen in der Sahelzone, der Sahara, Somalia und in anderen Gebieten zusammenschließen“. Wenn die arabischen Staaten zuließen, dass die Türkei Militärstützpunkte in Libyen errichtet, werde dies zu einem Dominoeffekt führen, der alle arabischen Staaten zusammenbrechen ließe, einen nach dem anderen, beginnend mit den libyschen Nachbarländern. Nayed warnte vor erneuter Aufnahme der Kampfhandlungen durch die Milizen der ‚Einheitsregierung‘ in Richtung Sirte und al-Dschufra. Dies würde die LNA zu Kampfhandlungen zwingen und es könnte das militärische Eingreifen von Ägypten und Russland bedeuten. Dies berge für die Städte Misrata und Tripolis große Gefahren.
In den libyschen Stämmen sieht Nayed das soziale Rückgrat des libyschen Volkes, selbst in den größten Städten. „Die libyschen Stämme verfügen jetzt über zwei Hauptorgane, die effektiv und zeitnah einen Beitrag leisten können: die Versammlung, die in Bani Walid stattfand und zu vorbereitenden Ausschüssen unter dem Namen Forum der Stämme und libyschen Städte führte, und die Versammlung, die in Tarhuna stattfand und zur Präsidentschaft des Obersten Rates der Scheichs und Notabeln der libyschen Stämme führte. Darüber hinaus wird die Nationale Bewegung für Libyen von fünf der wichtigsten libyschen Scheichs geleitet und kann ebenfalls einen wirksamen Beitrag leisten.“
https://almarsad.co/en/2020/6/18/alyoum7-interview-aref-nayed-warns-neo-ottoman-invasion-is-the-gravest-threat-to-arab-countries/

‚Einheitsregierung‘/Milizen/Türkei/Moslembrüder

+ Die Türkei und die ‚Einheitsregierung‘ stellen Maximalforderungen für einen Waffenstillstand in Libyen. Die LNA solle sich nicht nur auf ihre Positionen vom April 2019 zurückziehen, sondern auf ihre Stellungen von 2015. Zu dieser Zeit befanden sich Sirte, Dschufra und der libysche Ölhalbmond noch unter der Kontrolle der ‚Einheitsregierung‘, bevor sie 2016 an die LNA abgegeben werden mussten.

+ Wie Abdel-Hadi Dara aus Misrata vor der türkischen Anadolu-Agentur (AA) erklärte, geben die Milizen von Misrata ihren Anspruch auf die von der LNA gehaltenen Stadt Sirte nicht auf.
https://almarsad.co/en/2020/06/16/abdel-hadi-dara-liberation-of-sirte-is-a-must/

+ Der Premierminister der ‚Einheitsregierung‘, Sarradsch, hielt sich zu politischen Gesprächen in Algerien auf. An dem Treffen nahmen der algerische Premierminister Abdul Aziz Dscharad, der Außenminister Sabri Boukadoum und eine Reihe hoher algerischer Beamter teil, während der libyschen Delegation der ‚Einheitsregierung‘ neben dem libyschen Botschafter bei der EU Hafed Kaddour auch Außenminister Mohamed Taher Siala, Innenminister Fathi Bashaga und der Kommandeur der westlichen Militärzone, Generalmajor Osama al-Dschuwaili, angehörten.
Der algerische Premierminister bekräftigte seine Unterstützung für die ‚Einheitsregierung‘ und die Anstrengungen, die as-Sarradsch unternimmt, um die gegenwärtige Krise in Libyen zu überwinden.
https://libyareview.com/?p=3990
Algerien und Libyen verbindet eine gemeinsame Grenze von 1000 Kilometern Länge.

+ Die Türkei warf Frankreich vor, durch die Unterstützung von Haftar und dessen Streitkräften die Sicherheit der NATO zu gefährden. Er warnte vor einem übereilten Waffenstillstand.
http://en.alwasat.ly/news/libya/286776

+ Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu sagte am 19.06. während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem italienischen Amtskollegen Luigi Di Maio, dass sich die Türkei und Italien weiterhin für einen dauerhaften Frieden und eine politische Lösung in Libyen einsetzen werden. Die Pressekonferenz erfolgte, nachdem es zu einem schwerwiegenden Vorfall zwischen Frankreich und der Türkei im Rahmen der Operation Irini im östlichen Mittelmeer gekommen war.
Italien und die Türkei unterstützen die ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis, Frankreich steht auf der Seite der LNA.
https://www.addresslibya.co/en/archives/57172

+ Die Türkei klagt Frankreich an, das Waffenembargo gegen Libyen im Sinne der LNA zu brechen. Ebenso würde Russland Haftar mit Waffen und Flugzeugen unterstützen und Abu Dhabi käme für die Kosten auf. Es werde in den nächsten Tagen zwischen der ‚Einheitsregierung‘ und der Türkei ein Abkommen unterzeichnet, betreffend ausstehender Schulden, die Libyen an türkische Baufirmen zahlen müsse.

+ Am 19.06. wurde auf dem extremistischen Sender Libyens eine Ansprache von Sadiq al-Gharyani ausgestrahlt. Gharyani war in der Zeit des Allgemeinen Nationalkongresses GNC Obermufti von Libyen, wurde dieses Postens später vom Parlament enthoben. Nun erließ er eine skandalöse Fatwa, die die Tötung von LNA-Gefangenen erlaubt und somit nicht nur gegen die Genfer Konventionen, sondern auch gegen islamisches Recht verstößt. Außerdem lobte er die ‚Einheitsregierung‘ für den Empfang, die sie der türkischen Delegation in Tripolis bereitet hatte. Frankreich, Italien und Deutschland wurden in seiner Rede als Feinde bezeichnet, welche die Türkei angreifen würden.
Für den Aufbau Libyens sei die Zusammenarbeit mit der Türkei unabdingbar. Die Mitglieder der LNA bezeichnete er als Ungläubige. Weiter sagte er: „Unsere Kämpfer benutzten ihre Waffen und nicht die des Staates, und deshalb gehört das, was sie erbeuten, nicht dem Staat, sondern ihnen“.
https://almarsad.co/en/2020/06/19/video-gharyani-permits-killing-lna-prisoners-and-withholding-war-spoils-from-the-gna/

Coronakrise

+ Libyens Oberstes Komitee zur Bekämpfung des Coronavirus warnte vor einem verstärkten Ausbruch des Virus in libyschen Städten und Regionen. Er wird darauf zurückgeführt, dass die verordneten Hygienemaßnahmen von der Bevölkerung nicht befolgt werden, obwohl es eine rapide Zunahme von Infektionsfällen gebe.
Wie soll sich denn die Bevölkerung an die Vorgaben halten, wenn Krieg herrscht?

Internationale Diplomatie

+ Am 21.06. sprach sich das US-Außenministerium für die Unterstützung des libyschen Volkes zur Beendigung der ausländischen Einmischung aus und betonte, dass es die ägyptischen Bemühungen um eine Beendigung der libyschen Krise unter der Schirmherrschaft der UN unterstützt.
Der ägyptische Präsident as-Sisi hatte betont, dass „jede direkte Intervention Ägyptens international legitim geworden ist, sowohl im Rahmen der UN-Charta zur Selbstverteidigung als auch auf der Grundlage der einzigen legitimen Autorität, die vom libyschen Volk gewählt wurde: dem libyschen Parlament. Er forderte den Abzug der Söldner aus Libyen und die Notwendigkeit, dass die Milizen ihre Waffen an die libysche Nationalarmee (LNA) aushändigen.
https://libyareview.com/?p=4001

+ Am 19.06. trafen sich die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens in Berlin, um die Lage in Libyen vor dem Hintergrund der türkischen Intervention sowie Fragen der Sahelzone zu erörtern. Es wurde beschlossen, dass Waffenembargo gegen Iran aufrechtzuerhalten.
https://libyareview.com/?p=3954

+ Der tunesische Präsident Kais Saied wird auf Einladung seines französischen Amtskollegen Emmanuel Macron am Montag Paris einen offiziellen Besuch abstatten. Es sollen eine Reihe von Fragen von gemeinsamem Interesse erörtern werde, insbesondere die Lage in Libyen. Der Besuch von Präsident Saied in Paris findet zu einer Zeit statt, in dem das politische Klima in Tunesien starken Spannungen ausgesetzt ist. Gegen den tunesischen Parlamentspräsidenten Rashid Ghannouchi, einem Moslembruder, wurde eine Reihe von Anklagen wegen Stellungnahmen zugunsten der ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis erhoben. Dagegen hat der tunesische Präsident Saied die Neutralität seines Landes betont.

Verschiedenes

+ Die vor wenigen Tagen in Tarhuna von Milizen der ‚Einheitsregierung‘ gefangengenommenen und misshandelten ägyptischen Arbeiter wurden mit Busen von Misrata aus zurück nach Ägypten gebracht, wo sie inzwischen angekommen sind.
https://twitter.com/LibyaReview/status/1273407104397840391

+ An den Stränden von Subrata und Surman im Westen Libyens werden wieder Leichen von ertrunkenen Migranten angeschwemmt, wie Fotos auf Twitter belegen. Dies gab es zu Zeiten, als die LNA diesen westlichen Küstenabschnitt kontrollierte, nicht. Erst seit der kürzlichen Einnahme dieser Städte durch die Milizen der ‚Einheitsregierung‘ wird die Welt wieder mit diesen traurigen Bildern konfrontiert.
https://twitter.com/LNA2019M/status/1273371155047550977

+ Berichte aus der von den Milizen der ‚Einheitsregierung‘ am 5. Juni eingenommenen Stadt Tarhuna im Westen Libyens: „Die Stadt ist so leer, sie fühlt sich wie eine Geisterstadt an“. (Nach Angaben der LNA wurden mehr als 37.000 Zivilisten aus Tarhuna vertrieben. Sie fanden in Sirte und weiter östlich gelegenen Gebieten Unterschlupf). Nach dem Einmarsch spielten sich folgende Szenen ab: „Sie stehlen alles. Sie haben einer alten Frau Hühner gestohlen, sind weggegangen und kamen dann zurück, um ihre Ohrringe zu stehlen.“ Und: „Unmittelbar nachdem die Milizen in Tarhuna einmarschiert waren, erschienen in den sozialen Medien Fotos und Videos, auf denen Milizionäre […] stolz mit toten Tieren aus dem Zoo posieren, die sie geschlachtet hatten, darunter Gazellen und ein Löwe.“ Zwei Tage nach der Einnahme der Stadt plünderten die Milizen ein Einkaufszentrum und setzten es in Brand. Es seien sogar Ampeln aus der Stadt gestohlen worden. „Das ist lustig und traurig zugleich“. Die syrischen Söldner behaupten, sie hätten geplündert, weil ihnen nicht der zustehende Sold gezahlt worden sei. Um wieder die Ordnung in der Stadt herzustellen, schickte die ‚Einheitsregierung‘ die Rada-Miliz unter dem Kommando von Abdel Rauf Kara: „Die Rada richtete sich gegen Homosexuelle, Alkoholtrinker und Drogenkonsumenten.“ Inzwischen wurde bestätigt, dass sich die Rada in Tarhuna wie der IS aufführt und z.B. Autos nach Zigaretten durchsucht. Es wurden weiterhin Häuser, von denen man glaubte, sie gehörten LNA-Anhängern, in Brand gesetzt.
https://libyareview.com/?p=3978
https://twitter.com/libya_at/status/1274119381207875587

+ Im Fessan kommt es zu langanhaltenden Stromausfällen.

+ Am 17.06. äußerte die NOC (National Oil Corporation) ihre Besorgnis über die immer noch andauernde Schließung der libyschen Ölanlagen. Es käme dadurch zu Beschädigungen in den Leitungen und Tanks. Diese müssten entleert werden, damit bei Kriegshandlungen keine Schäden entstehen. Die NOC appellierte dafür, die Ölanlagen wieder zu öffnen.
https://libyareview.com/?p=3869

+ Libyen ist mit 182 von 192 Stimmen in den Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen gewählt worden. Die Mitgliedschaft beginnt am 1. Januar 2021 für die Dauer von zwei Jahren.
Es handelt sich dabei um einen Vertreter der nicht legitimierten ‚Einheitsregierung‘. Bei dieser Nachricht muss man sich die Augen reiben.

+ Der Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei eskaliert. Der Chef des griechischen Generalstabs für die nationale Verteidigung, Konstantinos, Floros, warnte die Türkei davor, Maßnahmen zu ergreifen, die sich gegen die Interessen Griechenlands richten. Floros schloss nicht aus, dass der Konflikt auch militärisch ausgetragen werden könnte, falls Ankara rote Linien überschreite. Er sagte, ein solcher Konflikt wäre nicht zu begrenzen, deshalb könne er auch nur schwer wieder beendet werden.
https://libyareview.com/?p=4009

+ Frankreich beschuldigt die Türkei, in einer „feindlichen und aggressiven“ Art und Weise ihren Nato-Alliierten daran gehindert zu haben, das gegen Libyen verhängte UN-Waffenembargo durchzusetzen. Solcherlei Verletzungen des Embargos stünden der Absicht im Wege, Frieden und Stabilität in dem nordafrikanischen Land zu erlangen.
Der Vorfall hatte sich schon letzte Woche ereignet: Nachdem zunächst griechische Soldaten im Rahmen der EU-Marinemission Irini erfolglos versuchten hatten, das Frachtschiff Cirkin aufgrund eines begründeten Verdachts auf Waffenlieferungen für die ‚Einheitsregierung‘ zu inspizieren, nahm die französische Tarnkappenfregatte Courbet Kurs auf die Cirkin. Der Frachter wurde von türkischen Fregatten begleitet und der Kapitän berief sich auf die sogenannte ‚souveräne Immunität‘.
Anschließend führte die türkische Seite gegen die Courbet eine „Kriegshandlung“ aus, indem sie das französische Schiff mit einer dreimaligen Radarmarkierung erfasste. Dies wird als eine letzte Warnung vor einem tatsächlichen Angriff mit einem Seezielflugkörper gesehen und gilt als feindlicher Akt.
https://deutsch.rt.com/europa/103616-frankreich-warnt-nach-extrem-aggressivem/

+ Am 17.06. sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, dass Gespräche mit der Europäischen Union über eine mögliche Zusammenarbeit mit ihrer Marineoperation Irini im Gange seien. Das Hauptziel der Mission ist „die Umsetzung des UN-Waffenembargos in Libyen durch den Einsatz von Luft-, Satelliten- und Seeüberwachung“.
Sollte sich die Nato in die Überwachung der EU Irini-Operation einklinken, darf man gespannt sein, was mit Frachtern unter türkischer Militärbegleitung geschieht. Die Luft- und Satellitenüberwachung dürfte vor allem auf Ostlibyen und Unterstützung für die LNA abzielen.

+ Amr Moussa, ehemaliger Generalsekretär der Arabischen Liga und ehemaliger ägyptischer Außenminister, wies am 18.06. in einem Interview mit SkyNews darauf hin, dass die Türkei derzeit die größte Gefahr für die arabische Welt darstelle. Sie hätte in den letzten Tagen in drei arabischen Ländern, im Nordirak, in Nordsyrien und in Libyen, Militäreinsätze durchgeführt. Laut Moussa ist die Türkei „aufgrund ihrer strategischen Fähigkeiten für die arabische Welt gefährlicher als der Iran, da sie Mitglied der Nato ist, eine wichtige strategische Beziehung zu den USA und ebenso zu Russland unterhält, und dazu noch ihre Interessen mit denen der EU verflochten sind“. Seiner Meinung nach wäre es für die Türkei niemals möglich gewesen, ohne die Zustimmung der Supermächte in Libyen aktiv zu werden und dort mit ihren Streitkräften, Milizen und Söldnern präsent zu sein. Die in Libyen anwesenden Großmächte wie die USA, die EU und Russland seien alle daran interessiert, den Status quo so lange beizubehalten, „bis die Dinge geregelt sind“. Sie wollten den Sieg weder Sarradsch noch Haftar überlassen.
https://libyareview.com/?p=3957

+ Der Generalsekretär der Organization of Islamic Cooperation (OIC), Al-Othaimin an Asharq al-Awsat, hält die Moslembruderschaft' für gefährlicher als den IS. Die Infiltration der Gesellschaften durch sie müsse sofort gestoppt werden. Al-Othaimin: „Sie arbeiten daran, die Gesellschaft von unten her zu infiltrieren, mit dem Ziel, sie zu spalten und dann die Macht an sich zu reißen“. Er fuhr fort: „Wir sind gegen Terrorismus und Extremismus. Der reine Islam ist gemäßigt und beruht auf Barmherzigkeit und Frieden“. In Bezug auf Libyen unterstrich al-Othaimin die Notwendigkeit eines dauerhaften Waffenstillstands. Seine Organisation begrüße die ägyptischen Bemühungen um eine friedliche Lösung der libyschen Krise.
https://english.aawsat.com/home/article/2344386/al-othaimeen-asharq-al-awsat-brotherhood-more-dangerous-isis

+ Ein Beitrag auf RT geht ausführlich auf die aggressive Politik der Türkei in der Ägäis ein und die Spannungen, die daraus insbesondere mit Griechenland entstehen. „Jenseits handfester wirtschaftlicher und strategischer Gründe spielen dabei offensichtlich auch historische Gründe und neo-osmanische Träume eine Rolle“, erklärte Mesut Hakkı Caşın, sicherheitspolitischer Berater von Präsident Erdoğan. Warum auch Ägypten höchst besorgt über die militärischen Aktivitäten der Türkei in Syrien, Libyen und im östlichen Mittelmeer ist, verrät die Aussage von Mesut Hakki Cosan, Mitglied des Präsidialausschusses für Sicherheit und Außenpolitik der Türkei: „Die Türken haben Ägypten erobert, nachdem sie das Mittelmeer regiert haben. Dies ist eine Mission von historischer/geopolitischer Bedeutung.“
Sehenswert ist auch das Video auf dieser Seite, das darlegt, dass Menschenleben, insbesondere libysche, nicht zählen, wenn es um Erdöl und Geld geht.
https://deutsch.rt.com/international/103440-mavi-vatan-plan-erfuellung-von
Der Machtverlust der verbündeten Moslembrüder in Ägypten im Jahr 2013 schmerzt Erdogan und das hinter ihm stehende Katar empfindlich. Nichts wäre Erdogan lieber als den verhassten ägyptischen Präsidenten as-Sisi stürzen zu können.

+ Ein weiterer Beitrag auf RT prangert in einem Video die Heuchelei und Verlogenheit von Hillary Clinton in Bezug auf BlackLivesMatter an. Während sie heute zur Unterstützung der Schwarzenbewegung aufruft, war sie 2011 maßgeblich für den Krieg gegen Libyen verantwortlich, in dessen Verlauf ein nicht nur funktionierender, sondern prosperierender Staat in die Anarchie gebombt wurde, in dem heute Sklavenmärkte existieren und geradezu eine Sklavenindustrie entstand, in der BlackLives überhaupt nichts mehr wert sind.
https://deutsch.rt.com/nordamerika/103605-wo-sklavenhandel-bluht-hillary-clintons

+ Einen Messerangriff in der nahe London gelegenen Stadt Reading am 20.06. mit drei Toten und drei Verletzten hat die Polizei offiziell als Terrorangriff eingestuft. Bei dem Festgenommenen handelt es sich um den 25-jährigen Libyer Khairi Sadallah, der bereits wegen kleinerer krimineller Delikte polizeibekannt war.
https://deutsch.rt.com/europa/103727-britische-polizei-stuft-messerangriff-als/

10:41 22.06.2020
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Geschrieben von

Angelika Gutsche

Ihre Reisen führten sie neben Indien, den USA, Russland und dem Jemen unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan.
Angelika Gutsche

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