Kurznachrichten Libyen – 26.10.2020

Libyen. Trotz Genfer Waffenstillstandsabkommen: Türkei will sich nicht aus Libyen zurückziehen und ‚Einheitsregierung‘ schließt Sicherheitsabkommen mit Katar
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

+ 20.10.: Muammar al-Gaddafi. Am 20. Oktober 2011 ermordete ein internationales Bündnis aus 44 Ländern, darunter NATO-Staaten und einige arabische Länder, in einem verbrecherischen und brutalen Akt Oberst Muammar Gaddafi. Diese schreckliche Tat brachte Leid und Unglück, nicht nur über Libyen.
https://twitter.com/WithoutShadowLY/status/1318512756786712576

+ 21.10.: Genfer 5+5-Militärgespräche. Stephanie Williams, amtierende UN-Sondergesandte für Libyen (UNSMIL), gab bekannt, dass beide Parteien des bewaffneten Konflikts in Libyen vereinbart haben, Land- und Seewege zu öffnen. Die Gegner seien sich einig, eine militärische Eskalation zu vermeiden.
Die LNA und die ‚Einheitsregierung‘ hatten bereits im letzten Monat einem Gefangenenaustausch zugestimmt. Die von den Stämmen verhängte Ölblockade wurde aufgehoben.
https://deutsch.rt.com/afrika/108036-verhandlungsfortschritt-im-libyen-konflikt-seiten-plan-see-land-routen-auf/

+ 22.10.: Genfer 5+5-Militärgespräche. Stephanie Williams gab bekannt, dass die rivalisierenden Parteien in Libyen eine Vereinbarung über eine Waffenruhe unterzeichnet haben. Ausländische Kräfte (Söldner, Militärs, Ausbilder) müssten zudem innerhalb von 90 Tagen unter UN-Aufsicht das Land verlassen. Die Afrikanische Union hat die Einigung auf den Waffenstillstand begrüßt, wie auch die EU, die USA, Russland und viele andere Staaten und internationale Organisationen. Laut Stephanie Williams garantiert der UN-Sicherheitsrat die Umsetzung der Vereinbarung. Sie dankte Sarradsch, Feldmarschall Haftar und dem Parlamentspräsidenten Aguila Saleh.
https://www.tagesschau.de/ausland/libyen-waffenstillstand-103.html
Ein de facto Waffenstillstand besteht bereits seit einigen Monaten. Allerdings darf man jetzt gespannt sein, ob und wie die weiteren Vereinbarungen umgesetzt werden, auch in Anbetracht dessen, dass die ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis vollständig von türkischer Waffenhilfe abhängig ist. Da die Unterstützer von beiden Seiten des Konflikts nicht an einer direkten Konfrontation interessiert sind, dürfte der Konflikt erst einmal eingefroren werden.

+ 22.10.: Die Inlandsflüge in Libyen werden wieder aufgenommen. Erste Flüge zwischen Bengasi und Tripolis fanden statt.
https://libyareview.com/7504/

+ 21.10.: USA/UNO. US-Außenminister Mike Pompeo drückte seine Unterstützung für den von der UNO geführten politischen Prozess in Libyen aus. Er forderte alle ausländischen Kräfte auf, das nordafrikanische Land zu verlassen und dem libyschen Volk zu erlauben, über seine Zukunft selbst zu entscheiden.
https://libyareview.com/7498/

+ 20.10.: ‚Einheitsregierung‘/Türkei. Währenddessen war der Generalstabschef der ‚Einheitsregierung‘ (Tripolis), Muhammad Ali al-Haddad, zu Gesprächen mit dem türkischen Verteidigungsminister Hulusi Akar und dem türkischen Generalstabschef, General Yaşar Güler, in Ankara.
Akar betonte, dass die Türkei ihre militärische Zusammenarbeit mit der libyschen ‚Einheitsregierung‘ fortsetzen werde. Die Türkei und die ‚Einheitsregierung‘ unterzeichneten 2019 ein Abkommen über militärische Zusammenarbeit, das im Gegensatz mit dem vom UN-Sicherheitsrat verhängten Waffenembargo gegen Libyen steht und auch vom libyschen Parlament abgelehnt wird.
https://libyareview.com/7442/

+ 23.10.: Genfer 5+5-Militägespräche/Erdogan. Der türkische Präsident Erdogan bezweifelt, dass das Waffenstillstandsabkommen verlässlich ist, auch bezüglich des Abzugs ausländischer Söldner und ausländischen Militärs. Dies ist der für Erdogan heikelste Punkt, da seine Militärs unter dem Vorwand der Ausbildung „libyscher Streitkräfte“ an Militärstützpunkten und Häfen im Westen Libyens präsent sind. Auch Salah an-Namroush, der türkeifreundliche Verteidigungsminister der ‚Einheitsregierung‘, sagte, er halte das Genfer-Abkommen nur für „vorläufig“. Das Waffenstillstandsabkommen erstrecke sich nicht auf die Abkommen zur militärischen Zusammenarbeit, die mit der Türkei unterzeichnet worden sind. An-Namroush bekräftigte die Entschlossenheit der ‚Einheitsregierung‘, die Zusammenarbeit mit der Türkei sogar noch zu stärken. Dieser Meinung ist auch der Hohe Staatsrat ((HCS) in Tripolis.
https://almarsad.co/en/2020/10/24/out-of-tune-erdogan-dismisses-the-geneva-agreement-approved-by-the-international-community/
http://en.alwasat.ly/news/libya/299061
https://libyareview.com/7604/
https://libyareview.com/7602/

+ 25.10.: Genfer 5+5-Militärgespräche/EU. Die EU begrüßte das Genfer Abkommen und stellte fest: „Alle ausländischen Kämpfer und Söldner müssen sich unverzüglich zurückziehen. Jede ausländische Intervention ist inakzeptabel“. Sie rief alle internationalen und regionalen Akteure auf, sich nicht in den libyschen Konflikt einzumischen.
https://libyareview.com/7592/

+ 26.10.: Abkommen ‚Einheitsregierung‘/Katar. Nur drei Tage nach Unterzeichnung des Genfer-Waffenstillstandabkommens unterzeichnet die ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis mit Katar ein Abkommen über die Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen. Zu diesem Zweck waren der Außenminister der ‚Einheitsregierung‘, Mohammed Siala, und der Innenminister Fathi Bashagha nach Doha gereist.
https://twitter.com/LibyaDesk/status/1320699116129845249
http://en.alwasat.ly/news/libya/299324
Ein Affront gegen die UNO und alle an dem Abkommen beteiligte Kräfte. Wie daraus ersichtlich, ist der von der UNO und international anerkannte Premierminister der 'Einheitsregierung' Sarradsch völlig machtlos. Andere Player beherrschen das Feld.

+ 26.10.: Sicherheitsabkommen Katar. Die Unterzeichnung dieses Sicherheitsabkommens verurteilte der LNA-Sprecher al-Mismari als „böswilligen Versuch, das zu untergraben, worauf sich die libyschen Armeeoffiziere in Genf geeinigt hatten“. Katar sei der „größte Unterstützer des Terrorismus in Libyen“.
http://en.alwasat.ly/news/libya/299323
Da wird sich die EU und insbesondere Deutschland noch wundern, auf was sie sich mit der Türkei eingelassen haben.

+ 26.10. Libyen/Russland/Türkei. Derweil erklärte der russische Außenminister Lawrow, dass die Türkei und Russland an einer Lösung des libyschen Konflikts arbeiteten, um eine Lösung für das vom Krieg zerrissene Land zu finden.
https://libyareview.com/7613/

+ 23.10.: UN-Tunesien-Dialog. Aref Ali Nayed von der Ihya-Partei stellt für die im November geplanten Gespräche folgende Forderungen auf: 1. Vollständige Transparenz über Teilnehmer und Mechanismus des Dialogs. 2. Verpflichtung, einen Termin für Präsidentschafts- und Parlamentswahlen unter internationaler Überwachung festzulegen. 3. Beteiligung aller sozialen Gruppen in Libyen, ohne Ausnahme. 4. Beachtung des demographischen Gefüges und des historischen Erbes. 5. Missachtung von Mobbing, Bevormundung und Korruption durch Einzelpersonen, Gruppen, Stämme oder Städte. 6. Beteiligung von Frauen, Jugendlichen und Minderheitengruppen. 7. Professionelle Standards und ordnungsgemäße Verfahren bei allen Ernennungen.
https://almarsad.co/en/2020/10/23/ihya-libya-congratulates-libyans-and-un-on-ceasefire-agreement-proposes-7-points-for-political-track/

+ 25.10.: UN-Tunesien-Dialog. Scheich Zidan az-Zadma, Vertreter des Awlad-Suleiman-Stammes, kündigt seinen Rückzug aus dem im November stattfindenden Tunesien-Dialog an, da die Moslembruderschaft die Liste anführt und UNSMIL darauf besteht, „unwillkommene Personen zu recyceln“.
https://twitter.com/ObservatoryLY/status/1320424770345803776

+ 26.10.: UN-Tunesien-Dialog. Der Fessan-Parlamentsblock lehnt die Namensliste für den Tunesien-Dialog ab und fordert die UNSMIL auf, ihre Kriterien für die Auswahl der Namen bekannt zu geben.
https://twitter.com/ObservatoryLY/status/1320458895492599809
Von der geforderten Transparenz kann keine Rede sein. Hier die Namensliste der von den UN handverlesenen Teilnehmern:
https://twitter.com/ObservatoryLY/status/1320387043017527296

+ 12.10.: UN-Tunesien-Dialog/Verfassung/Wahlen. Aref Ali Nayed, der Vorsitzende von Ihya Libya , mahnt den UN-Generalsekretär Guterres in einem Brief, zu dem in der UN-Charta verankerten Grundsatz des Selbstbestimmungsrecht der Völker zurückzukehren und das libysche Volk selbst über sein Schicksal bestimmen zu lassen, anstatt schon wieder eine nicht-gewählte Regierung in Libyen einzusetzen. Nayed: „Offen gesagt, es ist unfair und verstößt gegen die Grundprinzipien der UN-Charta, wenn das libysche Volk gezwungen wird, sich einer anderen, nicht gewählten 'Übergangs-' oder 'Vorbereitungsregierung' zu unterwerfen, die die Amtszeit der ‚Einheitsregierung‘ um mehrere Jahre verlängern könnte“.
Nayed schlägt vor, das Volk unter fünf bisher in Libyen geltenden Verfassungsvorschlägen (von 1951, 1951/63, 1977, 2011/2014, 2017) wählen zu lassen und auf der Grundlage des Ergebnisses Wahlen abzuhalten.
https://almarsad.co/en/2020/10/12/ihya-libya-to-guterres-another-unelected-government-contravenes-un-charter/
Allerdings sind Wahlen auch ohne Verfassung möglich. So existiert beispielsweise in Großbritannien keine geschriebene Verfassung und auch Israel hat keine Verfassung.

+ 19.10.: Zweite Sirte-Konferenz: Bei der Eröffnungsrede der 2. Sirte-Konferenz sagte die Vorsitzende des Vorbereitungskomitees, Fariha asch-Schalmani, die Libyer werden der Welt beweisen, dass sie ihre Probleme selbst am besten lösen können.
https://libyareview.com/7435/

19.10.: Libysches Parlament. Der Rücktritt der Übergangsregierung in Tobruk wurde vom libyschen Parlament nicht angenommen.
https://addresslibya.net/archives/60178

+ 20.10.: Hilfsbedürftige/Landminen. Im letzten September bestätigte das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten (OCHA), dass in Libyen eine Million Menschen Hilfe benötigen, darunter etwa 392.000 Vertriebene sowie 585.000 Migranten. Die Zahl der Binnenvertriebenen ist um zehn Prozent gesunken, langsam kehren Vertriebene an ihre Heimatorte zurück, allein nach Tripolis im Juni und August 2020 etwa 30.700 Familien.
OCHA gab ebenfalls bekannt, dass es zwischen Mai und September 2020 etwa 94 Unfälle durch Minen gab, bei denen 66 Menschen getötet und 117 weitere verletzt wurden, darunter 116 Zivilisten.
https://libyareview.com/7451/

+ 25.10.: Libysche Stämme/Clinton-E-Mails. Der Stamm der al-Abaidaat erklärte, die jetzt veröffentlichten E-Mails von Hillary Clinton hätten bewiesen, dass Mustafa Mohammed Abdul Dschalil, der ehemalige Vorsitzende des libyschen Nationalen Übergangsrates (NTC), für die Verhaftung und Ermordung von Generalmajor Abdul Fattah Younis und seiner beiden Begleiter verantwortlich sei. Der Stamm wolle diese Angelegenheit weiter verfolgen, um die Mörder vor Gericht zu bringen. Er vertraue der libyschen Gerichtsbarkeit.
https://libyareview.com/7580/

+ 22.10.: Verschleppung von Mohamed Bayiu. Der Stammesrat des Stammes von Mohamed Bayiu, Medienbeauftragter des Präsidialrats, der von der Miliz Tripoli Revolutionaires verschleppt wurde, wandte sich mit einem Brief an die Ältesten der Stadt Misrata. Darin heißt es: „Wir verweisen auf die von der Familie von Mohamed Omar Bayou erhaltene Beschwerde. Sein Haus in Tripolis wurde von den Streitkräften angegriffen, während sich seine Familie darin aufhielt. Sie verhafteten ihn und zwei seiner Söhne und stahlen drei private Autos, Schmuck, Bargeld, Pässe und Mobiltelefone.“ Die Söhne seien wieder freigelassen worden. Der Überfall soll auf Befehl von Osama al-Dschuwaili erfolgt sein, einem der einflussreichsten Oberbefehlshaber der militärischen Kräfte im westlichen Libyen.
Der Stammesrat forderte Misrata auf, sich um die Freilassung von Mohamed Bayiu, der aus dieser Stadt stammt, zu bemühen.
https://almarsad.co/en/2020/10/22/bayous-family-volcano-of-anger-slogan-was-removed-at-the-request-of-unsmil-for-media-pacification/
Die amtierende UN-Sondergesandte Stefanie Williams und auch die USA verurteilten die Verschleppung von Mohamed Bayiu.
Siehe auch: https://www.freitag.de/autoren/gela/tripolis-hauptstadt-des-verbrechens

+ 24.10.: Politischer Mord. In Tripolis erschossen Bewaffnete Hazem Hamid az-Zintani und flüchteten. Vor einigen Tagen hatten bereits Bewaffnete den Bruder des Kommandanten der „Rokina-Märtyrer-Miliz“, Abdel Moneim Muhammad al-Ghwail, in der Stadt Zawiya (westliches Libyen), getötet. Bei den Tätern soll es sich um Milizionäre der ‚Einheitsregierung‘ handeln.
Am 21.10. war die Fernsehreporterin Hind Ammar aus ihrem Haus von Miliz Tripolis Revolutionaries entführt worden. Sie hatte erst ihren neuen Posten angetreten, in dem sie von Mohamed Baiyu, dem ebenfalls verschleppten Leiter des libyschen Medienbüros, berufen worden war.
https://libyareview.com/7566/

+ 21.10.: Mauretanien/Libyen. Ein libyscher Diplomat, der der ‚Einheitsregierung‘ angehört, stürmte die palästinensische Botschaft in Mauretanien. Er richtete dort Verwüstungen an und wollte die Botschaft in Brand setzen. Der Libyer konnte festgenommen werden. Weitere Einzelheiten sind nicht bekannt.
https://libyareview.com/7488/

+ 20.10.: Korruption. Der Leiter der Nationalen Antikorruptionskommission, Noman asch-Scheikh ist wegen Korruption verhaftet worden. Ihm wird vorgeworfen, finanzielle Unregelmäßigkeiten im medizinischen Bereich des Militärs und beim Gesundheitsministerium der ‚Einheitsregierung‘ verheimlicht zu haben.
https://libyareview.com/7448/
Das gibt’s auch nur in Tripolis.

+ 23.10. Syrische Söldner. Tagesschau schreibt: „Die syrischen Söldner fühlen sich, so erzählen sie, als würde die Türkei sie wie Kanonenfutter einsetzen. Die Offiziere in Libyen und auch in Bergkarabach seien Türken, die Kämpfer an der Front aber seien Syrer, zumeist aus der von der Türkei besetzten syrischen Region um Idlib.“
„Doch laut den Aussagen der syrischen Söldner gegenüber tagesschau.de werden die Männer auf der Straße angesprochen, in den Flüchtlingslagern um Idlib. Die türkischen Mittelsmänner stellten einen Monatssold von 2000 Dollar in Aussicht, lediglich für Bewachungsaufgaben, keinen Einsatz bei Kampfhandlungen. In Militär- oder Zivilflugzeugen würden die so Angeheuerten dann über die Türkei ausgeflogen, die Maschinen vollbesetzt mit Syrern, und dem Ziel Tripolis oder Baku.
Vor Ort würden sie direkt an die Front geschickt, nachdem ihnen zuvor die Handys abgenommen worden seien. Das in London ansässige Syrische Zentrum für Menschenrechte spricht von inzwischen mindestens 126 syrischen Getöteten im Konflikt um Berg Karabach.“ In Gesprächen sagen die Männer aus Syrien, es wäre ihnen wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage um Idlib (Syrien) keine andere Wahl geblieben, als sich von der Türkei als Söldner anheuern zu lassen. Nur so könnten sie ihre Familien ernähren.
https://www.tagesschau.de/ausland/syrien-soeldner-101.html

+ 21.10.: Syrische Söldner der al-Mutasim-Brigade im Militärlager Souk al-Khamis sollen gegen den Einbehalt von Teilen ihres Solds durch ihren Anführer Abu al-Abbas al-Maradsch protestiert haben.
https://addresslibya.net/archives/60222

+ 23.10.: Griechenland/Syrische Söldner. Auf dem griechisch-ägyptisch-zypriotischen Gipfel sagte der griechische Ministerpräsident Mitsotakis, dass der Transfer von syrischen Söldnern nach Libyen die Sicherheit ganz Nordafrikas und auch Europas bedrohe, den Kampf gegen den Terrorismus unterlaufe und politische Probleme für die USA, Russland und die arabischen Nationen nach sich zöge. Die Lösung der politischen Probleme in Libyen müsse von den Libyern selbst kommen.
https://almarsad.co/en/2020/10/22/mitsotakis-transferring-syrian-mercenaries-to-libya-threatens-north-african-and-european-security/

+ 23.10.: Erdöl. Die National Oil Corporation (NOC) hat jetzt auch den Ausnahmezustand für die Ölanlagen as-Sidra und Ras Lanuf aufgehoben. Der Chef der Petroleum Facilities Guard (PFG), Generalmajor Naji al-Maghribi, kündigte an, dass die PFG die gesamten Ölfelder im Golf von Sirte sichern werde. Bis jetzt hatte die NOC die Aufhebung des Ausnahmezustands für Sidra und Ras Lanuf mit der Begründung verweigert, dass sich dort ausländisches Militär, sprich die russische Wagner-Gruppe, aufhalte.
https://twitter.com/LibyaReview/status/1319664924545716224

+ 26.10.: Erdöl. NOC verkündete, dass sie ab dem 26. Oktober den Ausnahmezustand auf allen Ölfeldern und Häfen aufheben werde. Das betrifft auch das al-Feel-Ölfeld und die Mellitah-Gesellschaft.
https://libyareview.com/7611/

+ 26.10.: Erdöl/Kamele. Dutzende von Kamelen querten Fahrbahnen der Schnellstraße, die Orte im Ölhalbmond verbinden, wie Adschdabiya mit dem al-Arbain-Gebiet, Brega, Bischr und al-Aqliah. In der Folge kam es zu mehreren tödlich verlaufenden Verkehrsunfällen. Es wird gefordert, gegen die Besitzer der unbeaufsichtigten Kamele Maßnahmen zu ergreifen.
https://libyareview.com/7616/

+ 19.10.: Tunesien. Proteste am Grenzübergang. Bewohner der tunesischen Stadt Ben Gardane protestierten mit Unterstützung der Gewerkschaft gegen die Schließung des Grenzübergangs zu Libyen, Ras Dschedir. Die Demonstranten zündeten Reifen an und warfen Steine, die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Der Grenzhandel mit Libyen ist die Haupteinnahmequelle der Bewohner von Ben Gardane. Die Gewerkschaft unterstütze friedliche Proteste für die Durchsetzung der legitimen Forderungen.
https://libyareview.com/7412/
+ 21.10.: Eine Delegation der ‚Einheitsregierung‘ ist inzwischen nach Tunesien gereist, um Gespräche über die Wiederöffnung des Ras-al-Dschedir-Grenzübergangs zu führen. https://libyareview.com/7478/

+ 21.10.: Migranten. Das UN-Flüchtlingswerk gab bekannt, dass mindestens 15 Migranten ertranken, als ihr Boot vor der Küste Libyens kenterte, fünf Migranten konnten von Fischern gerettet werden. Das Migrantenboot hatte westlich von Zawya abgelegt.
In diesem Jahr seien bisher mehr als 200 Migranten ertrunken und über 280 werden vermisst.
https://addresslibya.net/archives/60228

+ 23.10.: Migranten. Ein italienisches Fischerboot brachte 14 Migranten nach Lampedusa, alle bis auf einen libysche Staatsbürger. Zwei Männer, zwei Frauen und ein Kind werden auf See vermisst.
https://libyareview.com/7529/

+ 21.10.: Migranten/IRINI. Zwischen 1. März und 31. Juli 2020 wurden 9.050 Migranten, die meisten vor der libyschen Küste, abgefangen/gerettet. (45% von der libyschen Küstenwache in den Such- und Rettungsgebieten zwischen Libyen und Malta, 24% von den italienischen Behörden, 7% von den maltesischen Streitkräften, 7% von NGOs, 4% von Handelsschiffen, 3% von Fischerbooten und 8% konnten Italien alleine erreichen. ) Aus dem Bericht geht hervor, dass die Rettungsaktionen der NGOs im Vergleich zu 2016-2017 zurückgegangen sind.
Diejenigen, die nach Libyen zurückgebracht wurden, etwa 4.450, landeten in der Regel in den verrufenen Migrantenlagern.
https://libyareview.com/7476/

22.10.: Türkei/Libysche Küstenwache. Heise beruft sich auf einen Artikel in LaRepubblica und titelt: „Türkei beginnt mit Ausbildung der libyschen Küstenwache… und tritt damit in Konkurrenz zur EU und Italien“. Damit verdrängt die Türkei Italien noch weiter aus Libyen und erhält die Kontrolle über die Migrantenboote, die über das Mittelmeer die italienische Küste erreichen wollen. Türkische Militärberater schulen libysches Küstenwachepersonal auf von Italien gelieferten Patrouillenschiffen. Schon jetzt greifen türkische Schiffe Migranten auf See auf und bringen sie zurück nach Libyen.
https://www.heise.de/tp/features/Tuerkei-beginnt-mit-Ausbildung-der-libyschen-Kuestenwache-4936212.html?wt_mc=nl.tp-aktuell.montag-freitag
Es wird der Verdacht geäußert, dass – wenn die Türkei die libysche Küstenwache kontrolliert – mit Hilfe dieser türkisch-libyschen Küstenwache das Waffenembargo umgangen und weiterhin militärisches Gerät trotz Waffenembargos nach Libyen geschmuggelt werden kann.
Wie bekannt, arbeiten große Teile der libyschen Küstenwache mit den Betreibern der menschenunwürdigen Migrantenlager und kriminellen Schleusern zusammen. Will diese Geschäftsbeziehungen auch die Türkei übernehmen?

+ 25.10.: Türkei/Griechenland. Die türkische Marinebehörde hat am Samstagabend mitgeteilt, dass das türkische Gasforschungsschiff Oruç Reis bis zum 4. November südlich der griechischen Insel Rhodos seismische Untersuchungen vornehmen werde. Somit verlängerte die Türkei den scharf von Griechenland kritisierten Einsatz ihres Schiffes.

+ 25.10.: Türkei/Frankreich. Nachdem der türkische Präsident Erdogan Macron geraten hatte, seinen „geistigen Zustand überprüfen“ zu lassen, berief Frankreich umgehend seinen Botschafter aus Ankara ab. Erdogan hatte den Ausspruch Macrons kritisiert, dass er den „islamistischen Separatismus“ bekämpfen werde, der die Kontrolle in einigen muslimischen Gemeinden in Frankreich zu übernehmen drohe.
https://twitter.com/abdbozkurt/status/1320089875752812545
https://www.tagesschau.de/ausland/frankreich-tuerkei-botschafter-101.html

+ Moslembrüder/Türkei/Katar/Europa. Das International Centre for the Study of Radicalisation am King's College London kam zu dem Schluss, dass Katar und die Türkei ein Netzwerk von Organisationen der Muslimbruderschaft in ganz Europa finanzieren und unterstützen. In der Studie heißt es: „Über die Qatar Charity hat Doha riesige Geldsummen für Projekte der Europäischen Bruderschaft ausgegeben. Diese Projekte zeigten, in welchem Ausmaß Katar den Islam in Großbritannien und Europa unterstützt und wie stark ihre Vernetzung untereinander sei. „Ein weiterer wichtiger Akteur für die Islamische Bewegung auf der Weltbühne und Verbündeter Katars ist die Türkei“.
https://www.thenationalnews.com/world/qatari-and-turkish-support-for-muslim-brotherhood-networks-exposed-in-100-page-report-1.1086230

+ 19.10.: Die Moslimbruderschaft einigte sich bei einem Treffen am 13.10., die Hillary-Clinton-Emails mittels einer Kampagne zu diskreditieren. Außerdem habe die Bruderschaft dazu aufgerufen, die Kommunikationen mit der gegenwärtigen US-Regierung bis zu den Neuwahlen einzustellen.
Aus den Emails gehe hervor, dass Clinton während des sogenannten ‚Arabischen Frühlings‘ den Aufstieg der Moslembrüder unterstützte.
https://addresslibya.net/archives/60170

20:48 26.10.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Angelika Gutsche

Ihre Reisen führten sie neben Indien, den USA, Russland und dem Jemen unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan.
Angelika Gutsche

Kommentare