Kurznachrichten Libyen – 30.03.2021

Libyen. Morde und Entführungen nehmen Überhand / Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland / Miniverfassung ermöglicht Wahlen / Spritknappheit in Tripolis
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Morde und Entführungen

+ 29.03.: Mord/Damona. Der Milizionär Mohamed Salem (alias Damona) wurde in Tripolis ermordet. Bewaffnete eröffneten das Feuer auf das Fahrzeug, in dem Damona mit zwei Leibwächtern unterwegs war. Letztere wurden bei dem Anschlag schwer verletzt.
Damona war Sicherheitschef der dschihadistischen Nationalen Heilsregierung und ein Kommandant der Samoud-Miliz, die unter dem Befehl von Salah Badi steht.
Der Anschlag gleicht dem, der letzte Woche in Bengasi ausgeführt wurde und zum Tod des LNA-Kommandanten al-Werfalli führte.
2018 war Damona beim Angriff der Kani-Miliz und der Samoud-Miliz auf Tripolis beteiligt, mit der die ‚Einheitsregierung‘ von Sarradsch gestürzt werden sollte. Der Angriff wurde von den Tripolis-Milizen zurückgeschlagen, da die versprochene Unterstützung durch Misrata ausgeblieben war.
https://libyareview.com/11523/al-sumood-brigade-commander-assassinated-in-libyan-capital/

+ 28.03.: Entführung. Laut Kenntnissen des Nationalen Komitees für Menschenrechte in Libyen (NCHRL) wurde Dschamal Adas, der ehemalige Leiter der Kommission für die Zivilgesellschaft in Tripolis, am 27. März im Stadtteil Zenata entführt. Die GNU-Regierung wurde aufgefordert, sich für seine sofortige Sicherheit und Freilassung einzusetzen.
https://libyareview.com/11494/civil-society-worker-kidnapped-in-libyan-capital/

+ 28.03.: Entführung. Acht Ägypter wurden in Bani Walid mitsamt ihres Mercedes entführt.
https://twitter.com/Libyancitizen6/status/1376231127518744576

+ 26.03. Mord. In Bengasi haben Bewaffnete eine Familie angegriffen. Eine Zweijährige wurde getötet, zwei weitere Kinder und eine Frau verletzt. Die für die Sicherheit zuständigen Behörden wurden aufgefordert, den Fall aufzuklären.
https://twitter.com/LibyanCW/status/1375854484472090630

+ 29.03.: Mord/Entführung. Innerhalb der letzten 24 Stunden wurden in westlichen Städten Libyens insgesamt fünf Attentate und eine Entführung bekannt: Mohammed Damona (Tripolis), Walid Kshidan (Polizist/Tripolis), Mohammed Bakir (az-Zawia), Osama Coco/Kuku (az-Zawia), Sunbul/al-Adschaylat. Dazu kommt die Entführung von Dschamal Adas (Tripolis).
Von der Erschießung von Sunbul am Campus der Universität von al-Adschaylat kursieren im Netz erschreckende Videos.
https://twitter.com/libya_at/status/1376495063015030785
https://twitter.com/Libyancitizen6/status/1376529473571586051

+ 30.03.: Morddrohung. Ein libyscher Richter ist aus Tripolis geflohen, nachdem er Morddrohungen erhalten hatte, weil er ein Todesurteil gegen den Ansar-asch-Scharia-Kämpfer Mohamed Touati ausgesprochen hatte. Berichten zufolge wurde Touati zweimal verwundet und in der Türkei und Tunesien behandelt.
https://libyareview.com/11553/libyan-judge-receives-death-threats-after-convicting-terrorist/

+ 25.03.: Attentat al-Werfalli. In Bengasi wurden in Zusammenhang mit der Ermordung des Kommandanten der LNA-Eliteeinheit Mahmud al-Werfalli zwei Verdächtige festgenommen. Ein dritter soll nach Ägypten geflüchtet sein.
Nicht geklärt ist, welcher Gruppierung die Attentäter angehören, ob die Tat einen islamistischen Hintergrund hat oder ob es sich um Machtkämpfe von Gruppierungen innerhalb der LNA handelt.
Auch der Internationale Strafgerichtshof befasst sich mit der Ermordung al-Werfallis.
https://libyareview.com/11440/two-suspects-in-al-wirfalli-assassination-arrested/
https://libyareview.com/11550/icc-looks-into-al-wirfallis-assassination-in-benghazi/

+ 28.03.: Attentat/Werfalli. Die Tochter der im Dezember 2020 ermordeten Menschenrechtsaktivistin Hanan al-Barasi wurde in Bengasi in Zusammenhang mit dem Mord an dem LNA-Kommandanten al-Werfalli festgenommen. Der Mord an Hanan al-Barasi wurde bisher nicht aufgeklärt.
https://twitter.com/Libyancitizen6/status/1376229911342551051

GNU-Übergangsregierung

+ 27.03.: Gefälschte Qualifikationen. Nachdem den libyschen Behörden Informationen über Fälschungen von akademischen Qualifikationen der Mitglieder der neuen GNU-Übergangsregierung übermittelt wurden, forderte der Leiter der Verwaltungskontrollbehörde in Tripolis, Suleiman al-Schanti, den GNU-Premierminister Dabaiba auf, die Lebensläufe und Zeugnisdokumente aller Regierungsmitglieder der Behörde zur Verfügung zu stellen.
https://libyareview.com/11469/new-libyan-ministers-are-facing-claims-of-fraud/

+ 27.03.: Medizinische Komitees/Dabaiba. Der Premierminister der GNU-Übergangsregierung Abdel-Hamid Dabaiba hat die Arbeit der Covid-19-Komitees und des Komitees für medizinische Beschaffung beendet, die von der vorherigen ‚Einheitsregierung‘ geschaffen worden waren.
https://libyareview.com/11446/libyan-prime-minister-terminates-libyas-covid-19-committees/
Grund: Unfähigkeit und Korruption.

25.03.: EU-Außenminister/Dabaiba. Der Premierminister der GNU-Übergangsregierung Dabaiba traf sich mit dem französischen, dem italienischen und dem deutschen Außenminister, die auf einer Kurzvisite in Tripolis waren. Unter anderem ging es in den Gesprächen um eine Verstärkung der europäisch-libyschen Zusammenarbeit, die Rückkehr europäischer Unternehmen nach Libyen, das Migrationsproblem und die Wiederaufnahme des Flugverkehrs.
https://libyareview.com/11427/dbaiba-holds-talks-with-european-foreign-ministers-in-libya/

25.03.: Frankreich/Italien/Deutschland. Die Außenminister von Frankreich, Italien und Deutschland kamen auf einen ‚Überraschungsbesuch‘ vom Nato-Gipfel direkt nach Tripolis. Sie forderten gemeinsam mit der libyschen Außenministerin Najla al-Mangoush den Abzug aller ausländischen Kämpfer.
https://amp.zdf.de/nachrichten/politik/libyen-besuch-aussenminister-maas-100.html
Und was kommt danach? Die Nato?

+ 26.03.: Türkei/Minfi. Der Vorsitzende des libyschen Präsidialrates, Mohammed al-Minfi, trifft den türkischen Präsidenten Erdogan in Istanbul.
https://twitter.com/LibyaReview/status/1375470314113675274
Und wird wohl Bericht erstatten über die Gespräche mit den Außenministern von F, I und D.

+ 26.03.: Präsidialgarde. Libyens neue GNU-Übergangsregierung ernannte Generalmajor Abdel-Hamid Bouderbala zum Kommandanten der Präsidialgarde in Tripolis.
https://libyareview.com/11436/new-commander-for-libyas-presidential-guard-appointed/

+ 28.03.: Deutsche Wirtschaft/Solar/Hawaidsch. Der Wirtschaftsminister der GNU-Übergangsregierung, Mohamed al-Hawaidsch, besprach mit dem deutschen Botschafter Oliver Owcza die Möglichkeiten der deutsch-libyschen Zusammenarbeit. Ein Schwerpunktthema war die Erzeugung von Solarenergie.
https://libyareview.com/11526/libya-germany-discuss-economic-cooperation/

+ 29.03.: Deutsch-Libysches Wirtschaftsforum. Das dritte Deutsch-Libysche Wirtschaftsforum wurde im schicken Radisson Blu Mahary Hotel in Tripolis eröffnet. Teilnehmer waren unter anderen der libysche Wirtschaftsminister Mohamed Haweidsch, der Vorsitzende der National Oil Corporation, Mustafa Sanella, der deutsche Botschafter in Libyen und eine Reihe von Vertretern deutscher Unternehmen sowie der Vorsitzende der General Union of Libyan Chambers of Commerce, Mohamed Raeid.
https://www.libyaherald.com/2021/03/29/third-german-libyan-economic-experts-forum-started-in-tripoli-today/
Hauptsache, die Geschäfte laufen wieder!

Wahl am 24. Dezember 2021 – mit bestehender Miniverfassung möglich

+ 27.03.: Im Februar 2014 wurde eine sogenannte Februarkommission gegründet, die aus Rechtsexperten und Verfassungsrechtlern bestand. Der damals regierende Allgemeine Nationalkongress (GNC) erklärte seine Zustimmung zu den von der Februarkommission getroffenen Dekreten, die eine Mini-Verfassung zur Wahl eines Parlaments und eines Präsidenten durch das libysche Volk erarbeiteten. Diese Mini-Verfassung wurde am 11. März 2014 vom GNC gebilligt, mit einer Ausnahme: Die Direktwahl des Präsidenten durch das Volk wurde von den islamistischen Gruppierungen abgelehnt.
Auf Basis dieser Mini-Verfassung wurde im Juni 2014 in Libyen gewählt. Aus dieser Wahl ging das libysche Parlament hervor, das international anerkannt wurde und sich noch heute im Amt befindet. Die islamistischen Kräfte und Moslembrüder erkannten die Wahl nicht an, da ihre Parteien in der Bedeutungslosigkeit versunken waren. Sie bildeten die LIFG (Libysch Islamische Fighting Group) unter der Führung von Belhadsch und putschten mit der Operation Libya Dawn (Fadschr) gegen das Parlament, das daraufhin von Tripolis in den Osten Libyens floh.
In der Mini-Verfassung von 2014 wurden die Befugnisse des Staatsoberhaupts, des Premierministers und des Parlaments festgelegt, Exekutive, Legislative und Judikative klar getrennt.
Eine siebte Änderung der Mini-Verfassung war vor den Wahlen mit den Stimmen der Moslembrüder angenommen worden. Nach den verlorenen Parlamentswahlen klagten die Moslembrüder allerdings gegen diese Änderung vor dem libyschen Verfassungsgericht. Unter den Klägern war auch Khaled al-Mishri, heute Vorsitzender des beratenden Staatsrats.
Die damalige Klage richtete sich nicht gegen die Mini-Verfassung, sondern allein gegen die siebte Änderung, in der es um die Präsidentschaftswahl als Direktwahl ging. Deshalb gilt diese Mini-Verfassung immer noch als Grundlage für neu abzuhaltende Wahlen – trotz gegenteiliger Behauptungen jener Kreise, die aus Angst vor einem ähnlichen Wahldebakel wie 2014 grundsätzlich gegen die Abhaltung von Wahlen sind.
Islamistische Kreise behaupten heute, es müsse erst eine neue Verfassung vom Parlament beschlossen und dann durch ein Referendum abgesegnet werden, bevor Wahlen abgehalten werden können. Dies könnte eine Verschiebung von Wahlen bis zum Nimmerleinstag bedeuten.
Jenen politischen Kreisen, die sich für eine Wahl am 24.12.2021 auf Basis der Miniverfassung von 2014 einsetzen, fühlen sich vom UN-Sondergesandten für Libyen, Jan Kubiš bestärkt. Kubiš hatte die Miniverfassung als Option und mögliche Grundlage für Wahlen bezeichnet.
Die Verfassungsrechtlerin Azza Maghur hat darüber hinaus in einem Beitrag auf AlMarsad darauf hingewiesen, dass es einen vom LPDF (Libysch-politisches Dialogforum/Genf) eingesetzten LPDF-Rechtsausschuss nicht ansteht, „die Leistungen der neuen Exekutive zu überwachen oder zu beaufsichtigen“, so wie dieser Rechtsausschuss selbst seine Aufgaben definiert. Dies sei eine Anmaßung. Der LPDF-Rechtsausschuss sei nur berechtigt, zu überprüfen, ob die staatlichen Institutionen die ihnen durch die Wahl-Roadmap vorgegebenen Aufgaben erfüllen. Dazu zählen die notwendigen Wahlgesetzte innerhalb von 60 Tagen vorzulegen, den Termin 24. Dezember 2021 für Präsidentschafts- und Parlamentswahlen einzuhalten, die Nationale Wahlkommission angemessen finanziell auszustatten und die Posten entsprechend zu besetzen. Es findet sich in der Roadmap kein Wort darüber, dass die LPDF zur Überwachung und Beaufsichtigung der weiteren inhaltlichen Arbeit der GNU-Übergangsregierung berechtigt ist.
https://almarsad.co/en/2021/03/27/why-are-the-february-commission-proposals-important-for-libyas-december-elections/
https://almarsad.co/en/2021/03/26/azza-maghur-commentary-on-the-statement-by-the-lpdf-legal-committee-of-23-march/

Verschiedenes

+ 30.03.: Stämme/LNA. Es fand ein großes Treffen der Stämme mit LNA-Feldmarschall Haftar in ar-Radschma statt.
https://twitter.com/LibyaReview/status/1376958007024754689

+ 25.03.: Sprit-Knappheit. An den Tankstellen in der libyschen Hauptstadt Tripolis bilden sich lange Warteschlangen
https://twitter.com/LibyaReview/status/1375187627398291465

25.03.: Syrische Söldner. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) wurde die Rückkehr der Söldner nach Syrien auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Unter den syrischen Söldnern habe dies Wut und Verbitterung ausgelöst. Etliche Syrer wollten nicht in ihre Heimat zurückkehren, sondern weiter nach Europa reisen. Noch am 21. März hatten 120 syrische Söldner Libyen verlassen, mehr als 6.600 Söldner sind immer noch in Libyen stationiert.
https://libyareview.com/11425/was-the-return-of-a-number-of-syrian-mercenaries-from-libya-a-turkish-ploy/

25.03.: Frankreich/Erdogan/Söldner. Der französische Präsident Macron sagte in einem Interview auf France5TV, dass die Türkei Tausende syrischer Söldner nach Libyen geschickt habe. Die Sendung trug den Titel „Erdogan: der Sultan, der Europa herausfordert“. Laut Macron könne es in der gesamten Region keinen Frieden geben, solange die instabile Lage in Libyen anhalte.
https://libyareview.com/11430/macron-accuses-turkey-of-sending-mercenaries-to-libya/

+ 29.03.: Frankreich/Tripolis. Die französische Botschaft in Tripolis wurde nach sieben Jahren wiedereröffnet.
https://twitter.com/libyaherald/status/1376574350623711232

+ 27.03. Migration. Die Nationale Kommission für Menschenrechte in Libyen (NCHRL) forderte den Präsidialrat und die GNU-Übergangsregierung auf, die Abkommen über Migration, die von der ‚Einheitsregierung‘ mit Italien und Malta 2017 und 2020 getroffen worden waren, zu annullieren, da sie dem Völkerrecht und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte widersprechen. Auch ziehe der Verbleib der auf dem Mittelmeer abgefangenen Migranten in Libyen sowohl sicherheitspolitische als auch soziale Verpflichtungen des Staates nach sich.
Der NCHRL prangerte auch das Schweigen der EU zu den Gefahren an, denen die Migranten in Libyen ausgesetzt sind, und forderte alle EU-Länder auf, ihrer rechtlichen und humanitären Verantwortung gerecht zu werden, um das Leiden der Migranten in dem nordafrikanischen Land zu beenden.
https://libyareview.com/11451/libyan-human-rights-organisation-government-should-nullify-migration-agreements-with-italy-malta/

+ 27.03.: Frauenquote. Das Netzwerk zur Unterstützung und Ermächtigung von Frauen protestierte dagegen, dass in dem vom Parlament eingerichteten Prüfungsausschuss keine Frauen vertreten sind und forderte, eine Frauenquote von 30 Prozent einzuhalten. Die Quote solle auch bei diplomatischen Vertretungen, in internationalen Organisationen und in allen staatlichen Institutionen Libyens gelten.
https://libyareview.com/11475/libyan-women-demand-to-represent-30-in-new-government/

+ 27.03.: IRINI. Der Europäische Rat beschloss, das IRINI-Mandat der militärischen Operation im Rahmen der gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) im Mittelmeer (European Union Naval Force Mediterranean Operation / EUNAVFOR) MED IRINI) bis zum 31. März 2023 zu verlängern.
https://libyareview.com/11457/european-union-extends-operation-irini-until-2023/

+ 26.03.: Libysch-tunesische Grenze. Die Zollstation am Grenzübergang Ras Dschedir wird wieder in Betrieb genommen. Es sollen alle Hindernisse überwunden werden, „die den Warenfluss zwischen den beiden Nachbarländern behindern“ und es soll die Einreise von Reisenden wieder erleichtert werden.
Derzeit halten sich geschätzt 20.000 Tunesier in Libyen auf, zu Zeiten der Dschamahirija und vor dem Nato-Krieg gegen Libyen waren es etwa 300.000, die in Libyen Brot und Arbeit fanden.
https://libyareview.com/11433/libya-tunisia-to-reopen-joint-ras-jedir-border-crossing/

+ 28.03.: Islamisten/Kultur/Tripolis. Erneuter Kulturstreit zwischen Islamisten und libyschen Kultureinrichtungen in Tripolis. Die World Islamic Call Society (WICS) behauptet, dass das Haus der Künste, das zum Immobilienbesitz der WICS gehört, seit 1994 (!) keine Miete mehr gezahlt habe. Das Haus der Künste sei vor einiger Zeit bereits aufgefordert worden, den in schwindelerregende Höhen aufgelaufenen Mietrückstand zu begleichen. WICS will das Gebäude abreißen und habe dem Haus der Künste andere Räumlichkeiten angeboten.
Künstler und kulturell engagierte Bürger halten diese Aussage für nicht stichhaltig und haben eine Petition gestartet. Sie werfen WICS vor, die kulturellen Aktivitäten in Tripolis weiter einschränken zu wollen, dabei gebe es in Libyen seit Jahren keine Kinos, Theater und Kultureinrichtungen mehr. Bei Versuchen der Neugründung stoße man immer wieder auf radikal-islamistisch gesinnte Immobilieneigentümer. Beim Haus der Künste stelle sich die Frage, warum die Rückgabe des Gebäudes, das sich in bester Lage befindet, nicht schon zu Gaddafis Zeiten oder nach 2011 gefordert wurde, sondern gerade jetzt. Das Haus der Künste sei eine alte und eine der wichtigsten kulturellen Institutionen in Tripolis. Es hätten dort Ausstellungen, Seminare und Lesungen stattgefunden.
Hoffnung für den Erhalt der bedeutenden Kultureinrichtung gab der Besuch des neuen GNU-Übergangspremierministers Dabaida in Begleitung des Kultusministers Mabrouka Aoki auf Einladung von Kunstschaffenden. Dabaiba eröffnete im Haus der Künste eine neue Ausstellung.
https://almarsad.co/en/2021/03/27/islamic-call-society-reveals-reasons-for-decision-to-demolish-the-building-rented-by-the-house-of-arts/

+ 30.03.: UNO/USA/Libyen. US-Außenminister Antony Blinken hielt ein virtuelles Treffen mit UN-Generalsekretär Antonio Guterres zum Thema Libyen ab. Blinken betonte die Notwendigkeit, dass ausländische Kräfte Libyen verlassen.
https://libyareview.com/11556/us-un-discuss-latest-developments-in-libya/

Tunesien – Mali –Tansania –Türkei – USA

+ 27.03.: Raffzahn Ghannouchi. Rachid Ghannouchi, Vorsitzender des tunesischen Parlaments und Führer der Ennahda-Bewegung (Moslembruderschaft) hat für die Vermittlung von Waffenschmuggelgeschäften nach Libyen heftig abkassiert. Für die Ermöglichung von zwanzig Waffenlieferungen sollen Ghannouchi und seiner Entourage Provisionen in Höhe von 30 Millionen USD bezahlt worden sein.
Beim Handel mit Pässen in Kooperation mit seinem Staatssekretär für Einwanderung soll Ghannouchi ebenfalls jährlich etwa 220 Millionen USD verdient haben. Daran beteiligt war wohl auch Said Ferdschani, mit dem Ghannouchi in den 90er Jahren die Zeit im britischen Exil teilte und der heute ebenfalls eine führende Stellung innerhalb der Ennahda-Bewegung einnimmt. Die Pässe wurden an Dschihadisten verkauft, die zum bewaffneten Kampf nach Syrien ziehen wollten.
Heute ist der ehemalige Lehrer Ghannouchi mit einem Vermögen von mindestens 2.700 Millionen tunesischen Dinar (825 Millionen EUR) zum reichsten Mann Tunesiens aufgestiegen. Eine Milliarde USD soll sich auf Schweizer Banken befinden, daneben besitzt Ghannouchi Firmenanteile im Ausland, unter anderem in Frankreich. Das Vermögen wird von der Familie Ghannouchis verwaltet, darunter auch sein Schwiegersohne Rafik Abdessalem, ein ehemaliger tunesischer Außenminister. All diese Informationen bezog eine tunesische Zeitung von Daten, die aus Katar an die ägyptische Regierung durchgestochen wurden.
Der Parlamentarier el-Mekki bezeichnete die Vorgänge als „Gefahr für die nationale Sicherheit. Es wird eine umfassende Untersuchung des Finanzimperiums Ghannouchis gefordert.
https://almarsad.co/en/2021/03/27/tunisian-investigation-ghannouchi-receives-us30-million-in-commission-for-smuggling-weapons-to-libya/
Da waren Ben Ali und sein Clan ja Waisenknaben.

25.03.: Mali/Frankreich/Militär. Sechs junge Malier, die sich auf Kaninchenjagd befanden, wurden irrtümlich im Nordosten Malis (zwischen Gao und Ménaka) bei einem Angriff der französischen Barkhane-Truppe getötet. Der Angriff galt Dschihadisten. Die Truppe Barkhane ist sich keiner Schuld bewusst.
https://www.rfi.fr/fr/afrique/20210326-mali-pol%C3%A9mique-autour-d-une-frappe-de-la-force-barkhane-vers-talataye
Bereits am 3. Januar hatte Frankreich unter Verletzung des humanitären Völkerrechts 19 Zivilisten in Mali bei einem Luftangriff getötet. Es beschoss eine Hochzeitsgesellschaft.
https://de.rt.com/international/115203-un-bericht-frankreich-verstiess-mit/

+ 13.03.: Tansania/Covid/Magufuli: Zum Tod des tansanianischen Präsidenten Magufuli heißt es auf Einarschlereth: „Wieder haben sie einen großen Mann Afrikas ermordet. Von den Massenmörder-Präsidenten wird selten einer umgebracht, aber anständige Männer, die nur Gutes für ihr Land getan haben, die werden reihenweise umgelegt. Magufuli mit einem 3-fachen Doktor - das muss man erstmal bei uns suchen, wo sie meist nur einen gekauften Doktor haben - dieser Mann wird obendrein noch mit Dreck beworfen. Wie alle anderen auch: Patrice Lumumba, Amilcar Cabral, Eduardo Mondlane, Thomas Sankara und der größte von allen, Oberst Muammar al-Gaddafi. Möge das Blut aller dieser Männer über die Gangster und Kolonialmörder, Diebe, Vergewaltiger und Räuber kommen - aber ach, es ist ja doch nur ein Bild. Diesmal taten sie sich keinerlei Zwang an. Sie klatschten in die Hände und riefen nach Sekt und sagten: Er stellte sich gegen die Wissenschaft. Ein Lügenpack. In welch eine Hölle sind wir nur geraten.“
Magufulis Leistungen: Er hat Tansania in einer einzigen Amtszeit zu einem Land mit mittlerem Einkommen gemacht. Er baute die beste elektrische Eisenbahn Afrikas. Er hat die Korruption und die Plünderung der tansanianischen Ressourcen unterbunden.
https://einarschlereth.blogspot.com/2021/03/john-magufuli-tod-eines-afrikanischen.html

25.03.: Türkei/AKP/Kokain. Ein Video zeigt den stellvertretenden Chef des AKP-Büros Hamzah Dagh, beim Konsum von Kokain in seinem Auto.
https://twitter.com/MLNA2021/status/1375188385493569537

29.03.: Nato/USA/Gaddafi. RT schreibt unter dem Titel Die Gutmenschen-Idee der USA - Intersektionaler Imperialismus als neue Vermarktungsstrategie: „Was das Eintreten der NATO für die Inklusion ‚Farbiger‘ angeht, so stellte sich die Krönung ihrer Leistung auf diesem Gebiet nach der Bombardierung Libyens ein – diese gab nämlich dschihadistischen Milizen Deckung, um den libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi mit einem Bajonett zu massakrieren, und ebnete letztendlich den Weg für die Wiedereinführung der Sklaverei auf dem afrikanischen Kontinent. So sehen außerhalb der Brüsseler Machtzentrale die von der NATO geförderten Initiativen zur Chancenverbesserung für farbige Menschen aus.“
https://de.rt.com/meinung/114785-gutmenschlicher-tumor-usa-intersektionaler-regenbogen-imperialismus/?

KUSKUS

26.03.: Libyens größtes Kuskus-Gericht wurde heute in Ghadames serviert. Die Pfanne hat einen Durchmesser von vier Metern. Als Zutaten dienten 1200 kg Kuskus und 375 kg Fleisch.
https://twitter.com/LibyaReview/status/1375475392610455553

23:28 30.03.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Angelika Gutsche

Ihre Reisen führten sie neben Indien, den USA, Russland und dem Jemen unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan.
Angelika Gutsche

Kommentare