Neues aus Mali und Libyen

Arabische Welt: Schlimme Folgen des Libyenkrieges - ein Kommentar zu Nachrichten von gestern und heute
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Mali: Heute berichtet die Süddeutsche Zeitung, dass 230.00 Menschen in Nordmali auf der Flucht sind. Recht viel größer dürfte die Bevölkerung dort auch gar nicht sein. Was heißt das aber für diese Menschen, die nomadisierend von Viehzucht leben? Sie müssen ihre Herden und all ihr Hab und Gut zurücklassen, d.h. ihnen wird jede Existenzgrundlage entzogen. Sie stehen vor dem totalen Nichts, auch wenn dieser Krieg irgendwann beendet sein sollte – wonach es in absehbarer Zeit nicht aussieht. Diese Menschen werden ihr Leben in erbarmungswürdigen Lagern oder am Rande des Hungertods in größeren Städten fristen. Wo bleibt die internationale Gemeinschaft? Wer klagt die malische Armee an? Zum Beispiel vor dem Strafgerichtshof in Den Hag?

Jetzt sind die Tuareg dran und alle, die arabisch aussehen. Es kommt zu Pogromen durch die malische Armee. Das läuft wie bei den früheren Tuareg-Aufständen in den 90er Jahren, wo es auch zu Verfolgungen und Morden an der Zivilbevölkerung, auch an Frauen und Kindern, in Nordmali kam. Eine Aussöhnung zwischen den Tuareg in Nordmali bzw. Azawad und den schwarzen Südmaliern erscheint so schier unmöglich.

Die Ärmsten zahlen die Zeche – das ist nichts wirklich Neues.

Libyen: Gestern Nachmittag kam im ARD-Bildschirmtext unter "Nachrichten" (Seite 140) die Meldung, dass in Tripolis bei einem islamischen Umzug Feuerwerkskörper gezündet worden seien und es 120 Verletzte gegeben hätte.

Es stellt sich natürlich die Frage, wie es durch Feuerwerkskörper 120 Verletzte geben soll. Könnte man sich so etwas nicht eher bei einem Einsatz von Handgranaten oder ähnlichem vorstellen?

Noch merkwürdiger war dann aber, dass diese Meldung abends nicht mehr auffindbar war, nirgends, weder bei ARD-Bildschirmtext noch bei tagesschau.de, noch bei anderen Internetmedien. Dafür dann die Nachricht, dass das Auswärtige Amt Warnhinweise herausgegeben hat: Deutsche sollen raus aus Bengasi, weil Gefahr droht. Aber keine Andeutung, um welche Art von Gefahr es sich handelt.

In der Vergangenheit wurden bereits alle Botschaften und sonstigen westlichen Büros von Tripolis nach Bengasi verlegt, weil es dort sicherer sein sollte. Diese Hoffnung hat wohl getrogen.

Leider kommen aus Libyen kaum Nachrichten, die Nachrichtensperre funktioniert.

12:29 25.01.2013
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Geschrieben von

Angelika Gutsche

Ihre Reisen führten sie neben Indien, den USA, Russland und dem Jemen unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan.
Angelika Gutsche

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