Schwerer Rückschlag für Feldmarschall Haftar

Libyen/Gharyan. Die südlich von Tripolis gelegene Stadt Gharyan konnte von Milizen der ‚Einheitsregierung‘ unter Sarradsch (Tripolis) zurückerobert werden.
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Von der strategisch wichtigen Stadt Gharyan hatte die Libysche Nationalarmee unter Feldmarschall Haftar Anfang April den Marsch auf die libysche Hauptstadt Tripolis gestartet. Sie war ein Hauptstandort der LNA, der Bestimmungsort von Waffen und Munition, die aus dem Osten Libyens für die Kämpfe um Tripolis herangeschafft wurden.

Am Mittwoch konnten die Milizen der ‚Einheitsregierung‘ in einem Überraschungsangriff Gharyan von der LNA zurückerobern. Laut dem Sprecher der LNA al-Mesmari gelang die Rückeroberung dank Schläferzellen, die sich in der Stadt befanden.

In einer Erklärung kündigte die LNA an, diejenigen, die mit der ‚Einheitsregierung‘ konspiriert haben, bestrafen zu wollen: „Wer zu der Verschwörung gehört, die für das Weiterbestehen der Muslimbruderschaft und ihrer Milizen, für die weitere Plünderung des libyschen Vermögens, für die Demütigung der Bevölkerung sowie für die Untergrabung der libyschen Souveränität verantwortlich ist, wird mit einer gerechten Strafe rechnen müssen“.

Nachdem die LNA zunächst gemeldet hatte, es werde noch gekämpft, musste sie nun einräumen, dass sich Gharyan unter der Kontrolle der Tripolis-Miliz befindet, die auch Waffen und Fahrzeuge erbeuten konnten. Zwischenzeitlich sollen die Milizen der ‚Einheitsregierung‘ auch die südlich von Gharyan gelegenen Gebiete von Mizda und Alshgega eingenommen haben.

Von der ‚Einheitsregierung‘ erhobene Vorwürfe, die LNA habe die Bevölkerung von Gharyan terrorisiert, wurden von der LNA auf das Schärfste zurückgewiesen. Die Armee sie niemals in Häuser eingedrungen und habe niemanden arrestiert.

Die LNA meldete auch, dass eine italienische Maschine aus Pisa kommend in Misrata gelandet sei. Dieser außerplanmäßige Flug habe eine Lieferung für das italienische Militärhospital in Misrata an Bord gehabt. Das Hospital befindet in der Nähe des Flughafens von Misrata und verfügt über 60 Betten. Den 70 medizinischen Mitarbeitern stehen 135 Personen Sicherheitspersonal gegenüber. Es dürfte sich also eher um eine als Krankenhaus getarnte italienische Militärbasis handeln.

Weiter meldete die LNA, dass wieder eine türkische Drohne gesichtet wurde, als sie vom Mitiga-Flughafen aufstieg. Bisher hat die LNA schon drei türkische Drohnen abgeschossen. Erdogan hatte erst vor wenigen Tagen bestätigt, dass er die ‚Einheitsregierung‘ mit militärischem Gerät einschließlich Drohnen unterstütze. Dies habe laut Erdogan die Kräfteverhältnisse zwischen LNA und Milizen der ‚Einheitsregierung‘ wieder ausgeglichen.

Heute haben türkische Drohnen mehrere Stellungen auf der Straße zum internationalen Flughafen südlich von Tripolis bombardiert. Der Einsatz dieser Drohnen ist Teil der von der türkischen Regierung bereitgestellten Luftunterstützung für islamistische Milizen dar, die mit der Sarradsch-Regierung in Tripolis verbündet sind. Der internationale Flughafen wird von LNA-Streitkräften gehalten. Die Milizen der 'Einheitsregierung' haben schon mehrere Vorstöße zur Rückeroberung unternommen, waren bisher aber gescheitert.

Die Einnahme von Tripolis durch Feldmarschall Haftar dürfte erst einmal zum Erliegen gekommen sein. Darüber dürfte auch Haftars Ruf als starker Mann des Ostens in Mitleidenschaft gezogen werden.

Zwischenzeitlich ließ die LNA über ihren Sprecher al-Mismari verlauten, es solle zur Beendigung der gegenwärtigen Krise in Libyen ein Forum der nationalen Aussöhnung unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stattfinden, an dem alle politischen Kräfte beteiligt werden sollen.“ Alle seien eingeladen, sich dieser LNA-Initiative anzuschließen mit Ausnahme terroristischer und extremistischer Gruppen. Ziel des Forums solle die Bildung einer Übergangsregierung und die Festlegung eines Wahltermins sein.

14:49 28.06.2019
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Geschrieben von

Angelika Gutsche

Reisen führten Angelika Gutsche unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan. Viele Reportagen fanden Veröffentlichung.
Angelika Gutsche

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